Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 3
2. Ein Überblick: Rousseau versus Hobbes 3
2.1 Rousseau und das Gute im Menschen. 3
2.2 Hobbes und der Krieg eines jeden gegen jeden 4
3. Die Diskussion der Thesen und Argumente. 4
3.1 Das Böse und der Naturtrieb 4
3.2 Der Naturzustand. 5
3.2.1 Der Naturzustand bei Rousseau und Hobbes 5
3.2.2 Eine existenzialistische Gegenposition 6
3.3 Die Vernunft als Quelle für Naturgesetze 6
3.4 Zum inneren Trieb und dem natürlichen Recht 7
3.5 Zu der Möglichkeit moralischen Handelns 9
3.6 Zu den natürlichen Leidenschaften 11
3.7 Zu der Aggression des Menschen 12
4. Fazit 14
5. Literaturverzeichnis. 15
Prim ärliteratur: 15
Sekund ärliteratur: 15
2
1. Einleitung
Gibt es eine Natur des Menschen? Hat der Mensch natürliche Triebe und wenn ja, kann man sie moralisch beurteilen? Mit diesen Fragen haben sich unter anderem Jean-Jacques Rousseau und Thomas Hobbes beschäftigt.
In dieser Arbeit werde ich die Thesen der beiden Philosophen vergleichen, was sich besonders anbietet, da sie eine sehr gegensätzliche Meinung vertreten. Ich möchte mit Bedacht auf die Länge dieser Arbeit nur einige ausgewählte Argumente diskutieren und kritisieren.
Mein vorrangiges Ziel ist es hierbei nicht, die gestellten Fragen zu beantworten oder zu klären, sondern einen kleinen Beitrag zur Diskussion der Thematik sowie der Aussagen von Hobbes und Rousseau zu leisten.
2. Ein Überblick: Rousseau versus Hobbes
Ich möchte beginnen, indem ich einen kurzen und prägnanten Überblick über die Thesen der beiden Philosophen gebe und ihren Standpunkt zur menschlichen Natur aufzeige.
2.1 Rousseau und das Gute im Menschen
In seinem Werk „Diskurs über die Ungleichheit“ erklärt Rousseau, dass die Natur des Menschen nicht mehr sichtbar ist. Die Gesellschaft und all die in ihr erworbenen „übernatürlichen Gaben“ 1 , also Erfindungen, Institutionen etc., verschleiern die Sicht auf die ursprünglich in uns liegenden Eigenschaften. Rousseaus Methode besteht nun darin, den Menschen in einer Art Gedankenexperiment „rückzuentwickeln“ bis zu einem Punkt, zu dem es keine Gesellschaften gibt und der Mensch alleine in Wäldern lebt, darauf aus, seine einzigen Bedürfnisse zu befriedigen: Essen, Trinken, Schlafen und der Sexualtrieb. In diesem natürlichen Zustand gibt es weder Eigentum noch soziale oder moralische Bindungen. Ergo, die Menschen können nicht gut oder böse sein. 2
Den Einzug des Bösen sieht Rousseau nun in der Vergesellschaftlichung, der Einführung des Eigentums, die größer werdende Eigenliebe, die Begierde, seine Glücksumstände im Vergleich mit anderen zu erheben und sich über seinesgleichen hinwegzusetzen. Kurz: In der wachsenden Ungleichheit der Menschen. 3
1 Rousseau, Jean-Jacques: Diskurs über die Ungleichheit. In: Ders.: Schriften, hg. von H. Ritter. Band 1.
Frankfurt/M.: Hanser 1981, S. 195. Seitenangaben beziehen sich auf die Kopievorlage.
2 Vgl. Rousseau (1981), S. 195 ff.
3 Vgl. Rousseau (1981), S. 230 ff.
3
2.2 Hobbes und der Krieg eines jeden gegen jeden
Um die Bedeutung und den Nutzen eines Staates darzustellen beschreibt Thomas Hobbes im „Leviathan“ einen staatslosen Naturzustand, in dem die Menschen ohne juridische Gesetze voller Misstrauen voreinander leben. Da die Menschen in ihren Fähigkeiten gleich sind, also auch gleiche Hoffnungen hegen etwas zu erreichen, reicht es aus, wenn mehrere nach etwas streben, was nur einer erreichen kann, um Feindschaft zu wecken. 4 Der vernünftigste Weg um sich selbst zu sichern ist daher nach Hobbes die Vorbeugung, worunter er versteht, jeden zu unterwerfen, bis keine gefährdende Macht mehr gesehen wird. Dies wird von der Selbstachtung gefordert und ist allgemein erlaubt. Ohne Staat und einer einschüchternden Macht herrscht folglich ein Krieg eines jeden gegen jeden. 5
3. Die Diskussion der Thesen und Argumente
Im Folgenden möchte ich nun ausgewählte Annahmen und Argumente der zwei Philosophen diskutieren, auf Konsistenz prüfen und mögliche Alternativen aufzeigen. Zur Einführung in diese Thematik bietet sich allerdings ein kleiner Blick auf die Begriffe des Bösen und des Naturtriebs an.
3.1 Das Böse und der Naturtrieb
Das Böse (ahd. bôsi, von vordeutsch *bausja- „gering, schlecht“, genaue Etymologie unklar) 6 bezeichnet meist eine Handlung oder einen Willen, die oder der als unmoralisch bewertet wird. Die genauen Bewertungskriterien sind allerdings je nach philosophischer Ausrichtung verschieden. In dieser Arbeit werde ich dementsprechend das Böse bzw. das Gute sehr eng mit der Moral, welche eine Handlungsregel darstellt, verknüpfen. 7
Der Naturtrieb soll hier verstanden werden als eine dem Lebewesen natürlich innewohnende Eigenschaft. Ein Trieb also, bei dem keine freie Wahl besteht. In dieser Arbeit werden verschiedene Formulierungen hierfür vorkommen, wie z.B. „Instinkt“ oder „innerer Trieb“. Sie beziehen sich jedoch alle auf die Natur eines Wesens.
4 Vgl. Hobbes, Thomas: Leviathan oder Stoff, Form und Gewalt eines kirchlichen und bürgerlichen Staates, hg.
und eingel. von I. Fetscher. Aus dem Engl. von W. Euchner. Frankfurt/M.: Suhrkamp 1984, S. 94 f.
5 Vgl. Hobbes (1984), S. 95 f.
6 Vgl. Stichwort Böse. In: Kluge. Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache. 24., durchgesehene und
erweiterte Auflage. Bearbeitet von Elmar Seebold. Berlin: De Gruyter 2002.
7 Die Problematik des Moral-Begriffs wird im weiteren Verlauf dieser Arbeit noch Bezug finden.
4
3.2 Der Naturzustand
3.2.1 Der Naturzustand bei Rousseau und Hobbes
Rousseau kritisiert bei den meisten Philosophen, die sich mit der Natur des Menschen beschäftigen, dass sie ihn nicht als das sehen, was er wirklich ist. Bei der Betrachtung des „Diskurs über die Ungleichheit“ stellt sich jedoch schnell die Frage, ob Rousseaus Methode des „Rückentwickelns“ in sich stimmig ist und ein stabiles Konzept für die weitere Argumentation bieten kann.
Denn erstens: Selbst wenn es nur ein grobes, vereinfachendes Gedankenexperiment ist, so sehe ich es jedoch als sehr problematisch an, evolutionär wichtige Epochen der Entwicklung auf diese Art zu vermischen. Seine Beschreibung des natürlichen Menschen erscheint wie ein Konstrukt aus Menschenaffe ohne klare Vernunft 8 und Steinzeitmensch, der in der Lage ist, Hölzer und Steine als Waffen zu benutzen. 9 Er zeigt sich mir damit als ein zu fantastisches Gebilde, als dass man von ihm mit Recht auf unsere Natur schließen dürfte. Zweitens: Es ist durchaus anzunehmen, dass der Mensch schon immer als ein Gesellschaftswesen auftrat. Zeichen dafür sind zum Beispiel in der langen Zeitspanne zu sehen, die Kinder nach der Geburt brauchen, um zumindest in überlebenswichtigen Dingen selbstständig zu sein. Diese Jahre begünstigen ein Zusammenleben umso mehr, da alle Lebewesen in gewisser Weise Gewohnheitswesen sind. 10 Ebenso ist nicht zu erklären, weswegen Kinder möglichst früh ihre Mutter, von der sie bis dahin versorgt und beschützt wurden, verlassen sollten um alleine zu leben, wobei es doch einen klaren Verlust an Sicherheit mit sich brächte und in meinen Augen eine Unsinnigkeit der Natur zeigen würde. 11 Die Formulierung „Der Mensch lebt davon, dass er sich im anderen spiegelt“ 12 des Psychiaters Hans-Otto Thomashoff verdeutlicht noch das natürliche Bedürfnis nach Gesellschaft.
Hobbes Beschreibung des Naturzustands dagegen zeigt sich mir viel ersichtlicher und haltbarer, was in seiner klaren Einfachheit begründet liegt. Sein Gedankenexperiment macht ebenso wenig Anspruch auf Realitätsnähe. Durch die einfache Annahme, dass es ein Zustand
8 Im Sinne der menschlichen Vernunft, abgegrenzt von möglicher tierischer Vernunft.
9 Vgl. Rousseau (1981), S. 231.
10 Rousseau selbst schreibt dem Menschen - allerdings in anderem Kontext - ein schnelles Gewohnheitsbefinden
zu. Vgl. Rousseau (1981), S. 235.
11 Vgl. Rousseau (1981), S. 210.
12 Thomashoff, Hans-Otto: Aggression ist kein menschlicher Trieb. In: BBV, 06.06.2009, S. M2.
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Arbeit zitieren:
Ulf ter Bekke, 2008, Die Natur des Menschen bei Hobbes/Rousseau und über die Möglichkeit eines bösen Triebs, München, GRIN Verlag GmbH
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