Gliederung
1. Einleitung III
2. Der erste unbedingte Grundsatz der Wissenschaftslehre IV
2.1. Der Grundsatz als Urprinzip IV
2.2. Prinzip und Prinzipiat VI
2.3. Das Bewusstsein VII
3. Ziel und Absicht es ersten Grundsatzes VIII
3.1. Wissenschaftslehre und Logik VIII
3.2. Wissenschaftslehre und ähnliche Versuche IX
4. Schlussbetrachtungen IX
5. Quellen - und Literaturverzeichnis XI
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1. Einleitung
Was ist die Aufgabe der Philosophie? Nach Johann Gottlieb Fichte, der von 1762 bis 1814 lebte, ist es die Beantwortung der Frage nach dem Grund des Systems der vom Gefühl der Notwendigkeit begleiteten Vorstellungen und dem Gefühl der Notwendigkeit selbst. Die Philosophie soll demnach den Grund aller Erfahrung angeben (vgl. Fichte: Einleitung in die Wissenschaftslehre, Reader Klingner, S. 423). Erfahrung wiederum ist das System der von dem Gefühl der Notwendigkeit begleiteten Vorstellungen. Unmittelbare Bestimmungen des eigenen Bewusstseins nennt Fichte solche Vorstellungen (vgl. ebd.). Die Aufgabe, bzw. das Objekt der Philosophie liegt somit außer aller Erfahrung. Dieser Satz muss notwendigerweise gelten, um die Wissenschaftslehre von 1794/95 zu begründen. Fichte ist sich bewusst, dass seine Ausführungen wenig Sympathisanten in seiner Zeit finden würden, denn der Idealismus muss sich erst noch als einzig wahre Philosophie bewähren. Dennoch hofft er auf die nachkommende junge Welt (vgl. ebd., S. 435).
Seine Wissenschaftslehre ist erste Philosophie, somit Fundamentalontologie, die Erkenntnis der gesamten Erkenntnis, und ihre Aufgabe ist es, das absolute Wissen in seiner Entstehung zu sehen. Es ist allgemein publik, dass Immanuel Kant durch seine transzendentale Deduktion der reinen Verstandesbegriffe dies ebenfalls erkennen wollte. Doch Fichte ist damit nicht zufrieden; seiner Meinung nach ist Kant nicht radikal genug gewesen. Er möchte Kant sozusagen vollenden. Für Fichte gibt es überhaupt nur zwei Philosophien, die möglich seien: den Idealismus und den Dogmatismus. Da er selbst ein sehr tätiger, aktiver Mensch ist - auch geistigentscheidet er sich für den Idealismus, der nur Vorstellungen kennt, diese aus dem Ich hervorgehen lässt und jenes somit unabhängig macht; ganz im Gegensatz zum Dogmatismus. Fichtes Idealismus wird zu einem absoluten Idealismus, also zu einer reinen Geistesphilosophie. Durch diese Wissenschaft ist es möglich, a priori abzuleiten, was a posteriori vorkommen soll. Sie ist realistisch und Fichtes Realität ist für ihn Idealität. Fichte bezeichnet seine Wissenschaftslehre als neue Ontologie, „eine pragmatische Geschichte des menschlichen Geistes“ (vgl. ebd., S. 429). Ihre Aufgabe ist es, „alles Sein der Erscheinung aus dem Verstande abzuleiten“ (vgl. ebd.). Fichte lehrt das richtige, das reine Bewusstsein, welches eine immanente Gesetzmäßigkeit inne hat. Er schaut dieses innerhalb seiner Idealgestalt an. Dies ist der Inhalt seiner
III
intellektuellen Anschauung, durch welche er alle Grundbestimmungen des Bewusstseins ableiten kann. Entscheidend für den Inhalt der Wissenschaftslehre ist, dass sie das Wissen vom Wissen gibt; sie ist demnach nicht das Bewusstsein an sich. Die Wissenschaftslehre bietet ein Bild des Bewusstseins und auch ein Bild von den Vorstellungen der Dinge, sie handelt eben nicht von den Dingen. Diese Bilder unterscheiden sich von der Wirklichkeit, weil sie diese nicht in ihrem gegebenen, sondern gesetzmäßig bestimmten Zusammenhang darstellen.
2. Der erste unbedingte Grundsatz der Wissenschaftslehre
Nun soll es mein Anliegen sein, mich genauer mit dem ersten Grundsatz der Wissenschaftslehre zu beschäftigen. In Fichtes „Grundlage der gesamten Wissenschaftslehre“ (vgl. Reader Hiltscher, S. 90-110) bezeichnet er diesen als ersten, schlechthin unbedingten Grundsatz. Das heißt, dass er Grundsatz allen menschlichen Wissens ist und dass er sich, im Sinne von einem logischen Verhältnis von Sätzen, nicht beweisen oder bestimmen lässt (vgl. Reader Hiltscher, S. XLVII). Denn wäre dies möglich, könnte er durch einen anderen Satz erklärt, bzw. begründet werden, doch ist er dann nicht mehr der erste unbedingte Grundsatz (vgl. Fichte: Grundlage der gesamten Wissenschaftslehre, S. 91). Er ist schlichtweg gewiss. Die Bedingungen des ersten Grundsatzes sind somit klar gegeben, doch muss dieser zuerst innerhalb seiner Reflexion „aufgesucht“ werden; was er ausdrücken soll liegt demnach in irgendeiner Art und Weise schon vor. Dennoch ist der erste Grundsatz nicht unbegründet, nur ist die Begründung eines Satzes natürlich selbst kein Satz. Seine Begründung ist, dass er das oberste Prinzip des Wissens artikuliert (vgl. ebd.).
2.1. Der Grundsatz als Urprinzip
Dieser Grundsatz drückt eine Tathandlung aus, ein autonomes Urprinzip des Denkens und Erkennens, welches allem Bewusstsein zu Grunde liegt, es erst möglich macht. Tat ist in diesem Sinne eine freie Handlung, sprich nicht kausal naturbedingt. Handlung ist ein ungedachtes Prinzip, somit unthematisch geltend, unabhängig also von jeglicher Urteils- und Satzstruktur. Der Grundsatz an sich ist aber nicht das Prinzip selbst, er ist der das Prinzip denkende Gedanke, wobei das oberste, das Urprinzip, kein Gedanke ist. Somit ist das im Grundsatz gedachte Prinzip von dem ungedachten Prinzip begründet.
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Arbeit zitieren:
Jana Spiegelhauer, 2009, Textinterpretation zum ersten Grundsatz von Fichtes Wissenschaftslehre von 1794/1795, München, GRIN Verlag GmbH
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