Rebecca Krämer, Kurs D / Jahrgang 2008
Seminararbeit : Mediation
S e i t e 2
S 2
Inhaltsverzeichnis
Abk ürzungsverzeichnis 4
1 Einleitung. 5
2 Die Wesensmerkmale und Grundlagen der Mediation. 6
2.1 Die geschichtliche Entstehung der Mediation 6
2.2 Definitionen der Mediation. 6
2.3 Wichtige Prinzipien der Mediation 9
2.3.1 Prinzip der Freiwilligkeit 9
2.3.2 Das Prinzip der Neutralität 11
2.3.3 Das Prinzip der Eigenverantwortlichkeit. 12
2.3.4 Prinzip der Informiertheit 13
2.3.5 Prinzip der Vertraulichkeit 14
3 Aufgaben des Mediators. 15
3.1 Ethische Grundsätze der Mediation 16
4 Verlauf der Mediation 17
4.1 Phase I: Die Einleitungsphase 17
4.2 Phase II: Sichtweisen der einzelnen Konfliktparteien. 18
4.3 Phase III: Konflikterhellung / Vertiefung 18
4.4 Phase IV: Problemlösung / Entwurf von Lösungen 19
4.5 Phase V: Übereinkunft 19
5 Techniken der Mediation im Überblick 20
6 Theoretische Grundlagen 20
6.1 Das Harvard-Konzept. 20
6.1.1 Trenne Sache und Person 21
6.1.2 Konzentriere Dich auf Interessen nicht auf Positionen 22
6.1.3 Entwickle Optionen zum beiderseitigen Vorteil 22
6.1.4 Bewerte Optionen nach objektiven Kriterien 23
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6.2 Der Transformationsansatz 23
7 Anwendungsfelder. 24
8 Einbettung in die soziale Einzelfallhilfe: 25
9 Theorie- Praxis- Transfer. 25
9.1 Die Anwendung der Mediation in meinem Praxisfeld. 26
9.2 Vision. 27
10 Zusammenfassung 28
11 Literaturverzeichnis: 29
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Abkürzungsverzeichnis
a.a.O. am angebenen Ort
Abs. Absatz
Aufl. Auflage
ebd. ebenda
f. folgende
Hrsg. Herausgeber
Nr. Nummer
S. Seite
s. siehe
StOP Strafprozessordnung
vgl. vergleiche
vollst. vollständig
überarb. überarbeitet
ZPO Zivilprozessordnung
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1 Einleitung
Konflikte sind Teil des menschlichen Lebens und werden nicht selten durch das Zusammentreffen von unterschiedlichen Denk- und Handlungsweisen und das vielfältige Spektrum an Persönlichkeiten, Interessen und Formen der Lebensbewältigung, aus welchen unsere Gesellschaft erwächst, hervorgerufen. Wesentlich in diesem Kontext ist die Grundposition einzunehmen, Konflikte zunächst einmal als etwas Positives zu betrachten und nicht von vorneherein mit negativen Assoziationen in Verbindung zu bringen. Indessen ist die Erkenntnis, dass nicht die Existenz des Konflikts an sich die Problematik darstellt, sondern die Art und Weise, wie die Individuen mit diesem umzugehen pflegen, hervorzuheben. 1 Bei ineffizientem Umgang kann sich der Konflikt nicht selten zu einem dynamischen Prozess entwickeln, der zumeist eine Eskalationsdynamik aufweist. Dabei kann der Disput zu Beeinträchtigungen innerhalb der Beziehungen führen oder sogar die Lebensqualität des Einzelnen massiv einschränken. Falls diese Folgeerscheinungen ersichtlich werden, ist eine Lösung des Konflikts obligat. Als eine bedeutende Option eine Problembehebung herbeizuführen, ist die Mediation herauszukristallisieren, 2 welche ich in meiner Seminararbeit vorstellen möchte.
Diese beleuchtet zunächst einmal die Wesensmerkmale und die Grundlagen der Mediation, welche durch das Darlegen ihrer geschichtlichen Entstehung, einer Definition und ihrer Prinzipien erreicht wird. Da sich um diese Prinzipien viele Diskussionen und Dispute entwickelt haben, möchte ich auf diese noch näher eingehen und mich mit diesen kritisch auseinandersetzen. Innerhalb dieser wissenschaftlichen Arbeit werden des Weiteren die Rolle des Mediators und der Mediationsverlauf thematisiert. Anschließend möchte ich die Einbettung des Mediationsverfahrens in die Soziale Einzelfallhilfe darstellen. Letztlich werde ich den Blick auf die Anwendung der Mediation in meinem Praxisfeld lenken. Hier möchte ich vor allem meine persönliche Vision einer verbesserten Rollenbesetzung des Mediators in der Arbeit mit Menschen mit Behinderung vorstellen und die Vorteile diesbezüglich hervorheben.
1 Vgl.: Faller, Kurt/ Kerntke, Wilfried/ Wackmann, Maria: Konflikte selber lösen. Trainingshandbuch für
Mediation und Konfliktmanagement in Schule und Jugendarbeit. Mülheim an der Ruhr: Verlag an der Ruhr,
1996, S. 11.
2 Vgl.: Paul, Christoph C./Zurmühl, Sabine: Mediation - was ist das? Ein Leitfaden für die Familienmediation.
Kurze Fragen und Antworten. Aachen: Shaker Verlag, 2008, S.14.
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2 Die Wesensmerkmale und Grundlagen der Mediation
2.1 Die geschichtliche Entstehung der Mediation
Selbst wenn die Mediation erst seit den 80er Jahren in Deutschland als eine moderne, alternative Form der Konfliktlösung praktiziert wird, so weisen doch vergleichsweise ähnliche Konfliktlösungsmethoden in anderen Ländern eine jahrtausendealte Tradition auf. 3 Bereits im antiken Griechenland ist die Verwendung einer Methode, hinsichtlich der Beilegung von Disputen, durch eine Verhandlungs- und Vermittlungsstrategie unter Zuhilfenahme von Dritten erkennbar. In China und Japan und in vielen Dorfkulturen Afrikas werden solche mediativen, formlosen Vermittlungen bis heute zur Beilegung unterschiedlichster Kontroversen herangezogen. Mediation im Sinne einer Intervention durch eine dritte Person ist demnach weder neu noch unbekannt für uns. Das moderne Konzept allerdings, wie wir es nach heutigem Verständnis begreifen, nämlich als eine professionelle Dienstleistung unter Einbeziehung festgelegter Standards, ist hingegen noch sehr jung und findet ihren Ursprung in den USA. Dort wurde es seit den 60er Jahren entwickelt und durch Vietnam-Proteste, der Bürgerrechtsbewegung, der Studenten-Unruhen und nicht zuletzt auch durch die Neubestimmung der Geschlechterrolle beeinflusst. Gedanken und Ansätze aus diesen Bewegungen sowie Impulse von Kulturanthropologen und Wissenschaftlern führten letztendlich dazu, Alternativen auf das dort vorherrschende Rechts- und Gerichtssystem und das staatliche Prozessverfahren zu schaffen. Diese Bildung von weiteren Optionen war vor allem relevant, da diese von den Bürgen schon länger als langwierig, kostspielig, wenig flexibel und als unzulänglich auf ihre Interessen empfunden wurden. 4
2.2 Definitionen der Mediation
Der Ausdruck „Mediation“ findet seinen sprachlichen Ursprung in dem lateinischen „medium“, was im Deutschen mit dem Begriff „Mitte“ übersetzt werden kann. 5 Er wurde zunächst während der 70er Jahre in den USA als Terminus eingeführt und etablierte sich
3 Vgl.: http://www.geschichte-der-mediation.de/hp5/Geschichte-der-Mediation.htm (Stand 2006)
4 Vgl.: Besemer, Christoph: Mediation. Vermittlung in Konflikten. Stiftung gewaltfreies Leben. Werkstatt für
Gewaltfreie Aktion, Baden. (Hrsg.). Darmstadt: Druckerwerkstatt Kollektiv GmbH, 1. Aufl., 1993, S. 46 ff.
5 Vgl.: Hösl, Gerhard G.: Mediation die erfolgreiche Konfliktlösung. Grundlagen und praktische Anwendung.
München: Kösel- Verlag, 3.Aufl., 2006, S. 15.
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nach geraumer Zeit, als feststehender Fachausdruck aus dem Englischen ins Deutsche mit der Bedeutung „Vermittlung“. 6
Gemeint ist hiermit eine Konfliktlösungsstrategie, die nach Besemer idealerweise durch fünf Attribute charakterisiert werden kann.
(1) Die Vermittlung erfolgt immer unter Einbeziehung einer unparteiischen dritten Partei.
(2) Der Mediator verhält sich nach dem Prinzip der Neutralität und Allparteilichkeit.
(3) Der Mediator bringt keine eigenen Lösungsvorschläge vor, sondern bietet den Parteien Klärungshilfe.
(4) Das Verfahren soll den Beteiligten zu einer win-win-Lösung verhelfen.
(5) Die Durchführung des Verfahrens beruht auf Freiwilligkeit, Selbstbestimmung und Konsens. 7
Altmann, Fiebiger und Müller beschränken sich auf die für sie am relevantesten erscheinenden Attribute und fassen diese zur folgenden Definition zusammen: „Als Mediation bezeichnen wir alle Verfahren der Konfliktlösung, in denen ein neutraler Dritter ohne eigentliche Entscheidungsgewalt versucht, sich im Streit befindenden Parteien auf dem Weg zu einer Einigung zu verhelfen.“ 8 Es wird demnach deutlich, dass es sich um ein Verfahren handelt, bei dem es obligat ist einen unparteiischen Dritten als Vermittler hinzuzuziehen, welcher auch als Mediator bezeichnet werden kann. Dieser versucht ohne jegliche Entscheidungsgewalt, den Konfliktparteien unterstützend zur Seite zu stehen, um mit ihnen in Kooperation eine einvernehmliche Lösung ihres Problems zu erzielen. Signifikant ist, dass dem Mediator nicht die Funktion, den Streit zu entscheiden, obliegt. Vielmehr wird das Ergebnis maßgeblich durch die Parteien selbst bestimmt, die eigenverantwortlich, freiwillig und im Konsens handeln. Der Mediator steuert den Vermittlungsprozess, in dem er neutral und überparteilich beiden Parteien gleichermaßen eine zugewandte Haltung zukommen lässt. Dabei liegt die besondere Relevanz vor allem darauf, dass es dem Mediator grundsätzlich untersagt ist, von sich aus Lösungsvorschläge vorzubringen. Vielmehr wird ihm hierbei die Rolle des Unterstützers
6 Vgl.: Besemer, Christoph: Mediation. Vermittlung in Konflikten. Stiftung gewaltfreies Leben. Werkstatt für
Gewaltfreie Aktion, Baden. (Hrsg.). Darmstadt: Druckerwerkstatt Kollektiv GmbH, 1. Aufl., 1993, S. 14.
7 Vgl.: Besemer, Christoph: Mediation in der Praxis. Erfahrungen aus den USA. Werkstatt für Gewaltfreie
Aktion, Baden. (Hrsg.). Darmstadt: Druckerwerkstatt Kollektiv GmbH, 1. Aufl. 1996, S.10 ff.
8 Altmann, Gerhard/ Fiebiger, Heinrich/ Müller, Rolf: Mediation. Konfliktmanagement für moderne
Unternehmen. Weinheim und Basel: Beltz Verlag, 1999, S. 18.
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und Beraters zugedacht. Um diesen Mediationsprozess zu fördern und letztendlich zu einer konstruktiven Lösung zu gelangen, ist es erforderlich, dass die neutrale dritte Partei sich den Prinzipien der Neutralität und der Allparteilichkeit unterwirft. Diese finden zwar keine Erwähnung innerhalb der Definition von Altmann, Fiebiger und Müller, aber sie sind dennoch von maßgeblicher Relevanz. Nach dem Verständnis von Dulabaum impliziert der
Terminus allparteilich, dass der Mediator für keine Konfliktpartei eine herausgehobene Position bezieht, sondern vielmehr für alle Beteiligten gleichermaßen Partei ergreift. 9
Ich finde es in diesem Kontext wichtig zu erwähnen, dass gerade im Feld der Sozialen Arbeit sich „für die Belange aller Konfliktparteien“ 10 einzusetzen, eine zentrale Haltung des Mediators sein sollte. Hierbei schließe ich mich Angelika Isers Standpunkt an, denn gerade in dieser Arbeit bestehen in der Regel ungleiche Machtverhältnisse, Sprach- oder Sozialkompetenzen zwischen denen eine Balance hergestellt werden muss, wenn eine Aushandlung auf Augenhöhe überhaupt ermöglicht werden soll. 11
In diesem Verfahren werden möglichst umfassende Konfliktlösungen zum allseitigen Nutzen, sogenannte win-win-Lösungen angestrebt, die von allen Beteiligten getragen werden und dadurch zu einer dauerhaften Befriedung des gesamten Konflikts führen. 12 Der Inhalt und die Ergebnisse des Mediationsverfahrens werden in der Regel als vertraulich erachtet, insofern die Parteien nichts anderes vereinbart haben. Zu den schon aufgezeigten Attributen fügen Faller, Kerntke und Wackmann noch eine Einigung hinzu, die von allen Konfliktparteien am Ende der Konfliktlösungsstrategie unterzeichnet und umgesetzt wird. Damit wird im Gegensatz zu den vorherigen Definitionen, auch erstmals eine schriftliche Verbindlichkeit innerhalb der Mediation aufgezeigt. 13
Bei dem Versuch einer Begriffsbestimmung nach Proksch wird auch auf den präventiven Charakter des Mediationsprozesses hingewiesen. Dieses ergänzende Attribut findet seiner Ansicht nach dadurch Berechtigung, da während einer Mediation auf alle drei
9 Vgl.: Dulabaum, Nina L.: Mediation. Das ABC. Die Kunst, in Konflikten erfolgreich zu vermitteln. Weinheim
und Basel: Beltz Verlag, 3. aktualisierte und neu ausgestattete Aufl., 2001,S. 18 f.
11 Iser, Angelika: Supervision und Mediation in der Sozialen Arbeit. Eine Studie zur Klärung von
Mitarbeiterkonflikten. Tübingen: dgvt-Verlag, 2008, S. 119.
12 Vgl.: Iser, Angelika: a.a.O., S. 119f.
13 Vgl.: Mayer, Claude-Héléne: Trainingshandbuch Interkulturelle Mediation und Konfliktlösung. Didaktische
Materialien zum Kompetenzerwerb. Münster: Waxmann-Verlag, 1. Aufl., 2006, S. 69.
14 Vgl.: Faller, Kurt/ Kerntke, Wilfried/ Wackmann, Maria: a.a.O. , S. 118.
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Rebecca Krämer, 2009, Mediation - Grundlagen, Ziele, Techniken, München, GRIN Verlag GmbH
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