Universität Hannover Psychologisches Institut Schlaf und Erholungsforschung In der Arbeitspsychologie
Zeitökonomie und Zeitökologie
in der 24-Stunden Gesellschaft
Maringka, Edwin
Inhaltsverzeichnis
1 Problemstellung. 1
2 Definition und Begriffserklärungen. 2
2.1 Zeitökonomie 2
2.2 Zeitökologie 2
3 Geschichtliche Entwicklung von Zeiten und Rhythmen. 4
3.1 Vormoderne. 4
3.2 Moderne 4
3.3 Postmoderne. 5
4 Zehn Trends in der europäischen Zeitkultur 6
4.1 Einführung 6
4.2 Beschleunigung 7
4.3 Verdichtung. 7
4.4 Verstetigung 8
4.5 Deregulierung. 9
4.6 Desynchronisierung 9
4.7 Individualisierung. 10
4.8 Zeitmanagement 10
4.9 Fatalismus 11
4.10 Neue Zeitbindungen im privaten Haushalt 11
4.11 Ökonomisierung der Zeit 12
5 Das Leben im Rhythmus der Stadt. 12
5.1 Auf dem Weg zu einer Nonstop Gesellschaft. 12
5.2 Folgen der Nonstop Gesellschaft 13
5.3 Die Stadt als Taktgeber. 14
5.3.1 Formelle und informelle Taktgeber 15
5.3.2 Bedeutung natürlicher Rhythmen für das Leben in einer Stadt 15
6 Ausblick 16
Literaturverzeichnis
1 Problemstellung
„Zeit ist Geld“. Diese mathematische Formel postulierte einst Benjamin Franklin als eine Forderung zum Zeitsparen und zur Zeitkontrolle. Noch bis heute ist dieses Zeitverständnis in unserer heutigen Gesellschaft stark verankert, gar noch erweitert. Diese Sichtweise bzw. diese Forderung führt dazu, immer schneller zu werden, schneller Produkte herzustellen, schneller zu konsumieren, schneller zu essen, zu kommunizieren und sich fortzubewegen. Mit dem sogenannten Nonstop-Prinzip versucht man ungeachtet von sozialen und natürlichen Rhythmen möglichst alles zur gleichen Zeit erledigen zu wollen, quasi mit dem herrschenden Prinzip des „Immer und überall (Geissler, K.A. 1998a).
Bedenklich allerdings ist die Tatsache, dass durch das Entkoppeln von natürlichen Rhythmen und Eigenzeiten die Gefahr besteht, die lebensnotwendige Verbindung zwischen Individuum, Gesellschaft und Natur zu unterbrechen (Geissler, K.A. 1995). Mit Sicherheit ergeben sich erhebliche Fortschritte in der Technologie, Wirtschaft und im Handel, die früher so nicht gegeben waren. Jedoch sollte man genauso den Konsequenzen einer Nonstop-Gesellschaft Beachtung schenken, denen bisher nur sehr selten betrachtet wurde. So ist zu bedenken, welchen individuellen, sozialen und ökologischen Preis die Nonstop Gesellschaft mit sich bringt und welche Rolle die Zeitökologie in der nachhaltigen Entwicklung spielt (Geissler, K.A. 1998). Das hier anschließende Kapitel 2 beschäftigt sich zunächst mit den Begriffserklärungen der Zeitökonomie und Zeitökologie. Vor diesem Hintergrund werden in Kapitel 3 Zeiten und Rhythmen im historischen Ablauf dargestellt. Kapitel 4 beschreibt zehn Trends über den Umgang mit der Zeit, welche aus der Modernisierung, Globalisierung und Europäisierung des sozialen Lebens hervorgehen. Im darauf folgenden Kapitel 5 wird die zunehmende Entrhythmisierung von der Natur anhand der Stadt als Taktgeber verdeutlicht. Abschließen wird die Arbeit mit einer kleinen Zusammenfassung, sowie einem Ausblick zur ursprünglichen Problemstellung
1
2 Definition und Begriffserklärungen
2.1 Zeitökonomie
Die Ökonomie als wissenschaftliche Teildisziplin beschäftigt sich mit den Problemen, die der Einsatz knapper Mittel zur Erreichung unterschiedlicher Ziele hervorruft. Der Blickpunkt richtet sich dort besonders auf den Knappheitsbegriff. Denn wenn alle Ressourcen unbegrenzt wären, gäbe es keine ökonomischen Probleme (Dietl, H.M. 1991). Die Zeitökonomie beschäftigt sich somit mit dem Wirtschaften der Zeit als knappes Gut. Waren im 18. Jahrhundert noch religiöse Aspekte im Vordergrund, die von Gott gegebene Zeit verantwortungsbewusst auszufüllen, so verstärkte sich in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts die Tendenz, mit der Zeit sparsamer umzugehen. Es herrschten nun wirtschaftliche Überlegungen vor, mit der Annahme, dass Zeit nun für den Menschen ein begrenztes Gut ist, welches nicht durch Manipulation erhöht werden konnte, sondern als knappe Ware behandelt wurde (Wendorf, R. 1985). In Bezug auf Benjamin Franklins Formel „Zeit ist Geld“ wird die Bedeutung der Ökonomie der Zeit nochmals deutlich: Die Zeit wird interpretiert als etwas wertvolles, welches nicht vergeudet werden darf. (oder: welches vergeudet wird, wenn man es nicht sinnvoll nutzt.) So spiegelt diese Maxime die Figur des rastlosen Unternehmers wider, welcher unermüdlich durch aktives Tun versucht, seinen Gewinn zu optimieren (Hüpen, R. 1995).
Seit dem Beginn der Industrialisierung gehörte die Arbeitszeit zu den großen Konfliktpotentialen der sozialen Auseinandersetzungen. Im Rahmen der Ökonomie der Zeit wurde die Dauer des Arbeitstages „unmenschlich“ ausgedehnt, um mehr zu produzieren. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts aber, konnte die Dauer des Arbeitstages letztlich zum „Normalarbeitstag“ reduziert werden. Unter diesem, mit den Manufakturen und Fabriken entstandenen neuen Konzept der Zeitökonomie wurde des weiteren deren Stetigkeit und Intensität, sprich ihrer ökonomischen effektiven Verwendung Beachtung geschenkt ( Dorn, K. 1992).
2.2 Zeitökologie
Im eigentlichen Sinne ist Ökologie die Lehre vom Haushalten. Somit versteht man in diesem Zusammenhang unter der Zeitökologie den sinnvollen
2
Umgang mit der Zeit. Unter Zeitökologie wird aber vielmehr als nur der sinnvolle Umgang mit der Zeit verstanden. Der Begriff der Zeitökologie ist im Vergleich zur Zeitökonomie ein relativ neuer Begriff, der allmählich relevant zu werden schien, als nicht nur erst mit der Entwicklung der Industriegesellschaft in der Vergangenheit die Menschen an ihre Grenzen mit dem Umgang der Natur gestoßen sind.
Die Ökologie der Zeit beschäftigt sich mit der Stellung des Menschen in der Natur und der von ihm geschaffenen Kultur (Kümmerer, K 1993). Als Ursache der ökologischen Krise ist der Wunsch bzw. das Streben des Menschen nach immer weiterer Beschleunigung, die Unabhängigkeit von kulturellen Zeitmustern zu vergrößern, zu nennen. Im Rahmen der Zeitökologie sollten also kulturelle Zeitmaße gefunden werden, die sich mit den Rhythmen und Eigenzeiten der inneren und äußeren Natur des Menschen vertragen. Daher sollte eine Bereitschaft der Menschen dahingehend bestehen, auf den Willen zur Beherrschung der Natur zu verzichten, die Eigendynamik der Natur zuzulassen sowie eine sinnvolle Abstimmung der menschlichen und natürlichen Dynamik zu ermöglichen (Altner, G 1993).
Somit widerspricht im Grunde die Zeitökologie der Zeitökonomie, deren Hauptanliegen meist auf ihrer kurzfristigen, zumeist ökonomischen Nutzungsinteressen steht. Es ist enorm wichtig, die Zeitskalen ökologischer, sozialer und psychischer Systeme zu entdecken, um eingebettete Zeitmaße für menschliches Handeln zu finden. Zudem gilt es, gesellschaftliche Rhythmen des Wechsels von Aktivität und Ruhe und Formen des Wirtschaftens beizubehalten, die zeitlich an andere Rhythmen anderer Systeme angepasst werden können. Die Art des Wirtschaftens der Gesellschaft ist es, die mit ihrer Zeitknappheit Menschen und Natur mit derart kurzen Eigen- und Systemzeiten konfrontiert, dass diese nicht mehr die Möglichkeit haben, angemessen darauf zu reagieren und sich davon zu erholen (z.B. ökologische Krise). Dabei ist nicht die Schnelligkeit das Problem, sondern vielmehr die stetige Beschleunigung, welche die Rhythmen ignoriert die sich nicht so schnell daran anpassen können (Zahrnt, A. 1993).
3
Arbeit zitieren:
Edwin Maringka, 2003, Zeitökonomie und Zeitökologie in der 24-Stunden-Gesellschaft, München, GRIN Verlag GmbH
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