½*OBOZHVOGJHIU JU³TOPUFOPVHIKVTUUPTIPPUGBTUPSUPTIPPUTUSBJHIU4VSWJWBMEFQFOETPOCeing able to do both. And a single shot JTO³UBMXBZTFOPVHIFJUIFS® you also need to be quick to load and fire again. For gunfighters in the Wild West making use of the latest innovations, such as repeating revolvers, could mean the difference between life and death, and these innovations were rapidly adopted by all combatants as each sought every possible advantage. *OBTJNJMBSXBZUSBEFSTPOUIFXPSME³TGJOBODJBMNBSLFUTBSFBMTPFNCBSLJOHPOBNBTTJWFBSNT race. The only difference is that the lone gun-slinger of the open-outcry trading floors is rapidly being replaced by ultra-fast, computerised trading systems which are more akin to robots with machine guns.± 1
1 (Bear, Hod, Enness, & Graham, 2006), S. 2
Inhaltsverzeichnis
Abk ürzungsverzeichnis VII
Abbildungsverzeichnis X
Tabellenverzeichnis XI
Diagrammverzeichnis XII
1 Einführung 1
1.1 Thematische Abgrenzung 3
1.2 Zielsetzung 4
2 Grundlagen 5
2.1 Börsen 5
2.2 Kassamarkt 9
2.3 Wertpapierhandel 10
2.4 Phasenmodell des Handelsprozesses. 11
2.4.1 Informationsphase 11
2.4.2 Orderroutingphase 12
2.4.3 Preisfeststellungsphase- und Abschlussphase 12
2.4.4 Abwicklungsphase 14
2.5 Marktmodelle 14
2.6 Zusammenfassung 17
3 Elektronische Börsenhandelssysteme 21
3.1 Computerisierung des Wertpapierhandels 21
3.2 Evolution der elektronischen Handelssysteme 22
3.2.1 Computerunterstütze Parketthandelssysteme 24
3.2.2 Computerunterstützte Handelssysteme 25
3.2.3 Computerhandelssysteme 27
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Bachelor -Thesis III
3.2.4 Computerbörsensysteme 28
3.2.5 Merkmale der Börsenhandelssysteme 29
3.2.6 Funktionale Eigenschaften der Börsenhandelssysteme 30
3.2.6.1 Marktzugang 31
3.2.6.2 Orderausführungsvariante 32
3.2.6.3 Preisfeststellungsverfahren und Kursmanipulationsschutz 32
3.2.6.4 Clearing, Settlement und Marktüberwachung 33
3.2.6.5 Sicherheit und Geschwindigkeit 33
3.2.6.6 Zuverlässigkeit 35
3.3 Zusammenfassung 36
4 Markttrends 38
4.1 Börsenkonsolidierung 38
4.1.1 Entwicklung des Börsenmarktes 38
4.1.2 Gründe für eine Börsenkonsolidierung 40
4.1.3 Auswirkungen der Börsenkonsolidierung 41
4.1.4 Anforderungen an IT-Systeme 41
4.2 Markets in Financial Instruments Directive (MiFID) 44
4.2.1 Grundlegendes 44
4.2.2 Anforderungen an IT-Systeme 45
4.2.2.1 Bereitstellung von Daten und Datenmanagement 46
4.3 Algorithmic Trading 48
4.3.1 Gründe für Algorithmic Trading 49
4.3.2 Risiken 50
4.3.3 Anforderung an IT-Systeme 51
5 Kriterien zur Beurteilung von Börsenhandelssystemen 53
5.1 Herausforderungen für Börsen ausgehend von aktuellen Markttrends 53
5.2 Anforderungen an Börsenhandelssysteme 55
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Bachelor -Thesis IV
5.3 Kriterien zur Beurteilung der europäischen Börsenhandelssysteme 58
5.3.1 Strategische Kriterien 58
5.3.1.1 Funktionalität 58
5.3.1.2 Flexibilität 60
5.3.1.3 Skalierbarkeit 61
5.3.1.4 Verbreitungsgrad 64
5.3.2 Technische Kriterien 66
5.3.2.1 Performance 66
5.3.2.2 Standardisierung 68
5.3.2.3 Verfügbarkeit 73
5.3.2.4 Erweiterbarkeit 74
5.4 Bewertungsbeispiel Börsenhandelssystem OMX 76
6 Bewertung der Börsenhandelssysteme 77
6.1 Methodische Grundlagen 77
6.2 Xetra Deutsche Börse AG 78
6.2.1 Bewertung nach strategischen Kriterien 78
6.2.2 Funktionalität 78
6.2.3 Flexibilität 82
6.2.4 Skalierbarkeit 84
6.2.5 Verbreitungsgrad 87
6.2.6 Bewertung nach technischen Kriterien 90
6.2.7 Performance 90
6.2.8 Standardisierung 91
6.2.9 Verfügbarkeit 93
6.2.10 Erweiterbarkeit 95
6.3 TradElect London Stock Exchange 96
6.3.1 Bewertung nach strategischen Kriterien 96
6.3.2 Funktionalität 96
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Bachelor -Thesis V
6.3.3 Flexibilität 101
6.3.4 Skalierbarkeit 103
6.3.5 Verbreitungsgrad 105
6.3.6 Bewertung nach technischen Kriterien 108
6.3.7 Performance 108
6.3.8 Standardisierung 111
6.3.9 Verfügbarkeit 113
6.3.10 Erweiterbarkeit 114
6.4 NSC Euronext 115
7 Schlussfolgerung aus der Bewertung 116
7.1 Zukunft 118
Literaturverzeichnis XIII
Anhang XXI
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Bachelor -Thesis VI
Abbildungsverzeichnis
Abbildung 1 - Systematisierung von Börsen
Abbildung 2 - Systematisierung des Wertpapierhandels
Abbildung 3 Die vier Phasen des Handelsprozesses
Abbildung 4 - Determinanten des Marktmodells
Abbildung 5 - Determinante des Marktsegments
Abbildung 6 - Markmodelle und deren Merkmalausprägungen
Abbildung 7 - Statisches Marktmodell
Abbildung 8 - Dynamisches Marktmodell
Abbildung 9 - Geschäftsmodell der GDBAG
Abbildung 10 - Integrierte Transaktionsverarbeitung für Intermediäre im Finanzgeschäft
Abbildung 11 - Ablauf des Wertpapierhandelsprozesses
Abbildung 12 Strukturmerkmale im börslichen Wertpapierhandel
Abbildung 13 - PNQVUFSVOUFSTU U UFS)BOEFM 2VPUF JTQMBZ 4ZTUFN
Abbildung 14 Computerhandelssystem
Abbildung 15 - Computerbörse
Abbildung 16 - Aufgaben eines Börsenhandelssystems
Abbildung 17 - Anlageentscheidung beim Algo-Trading
Abbildung 18 - Herausforderungen der Börsen ausgehend von aktuellen Markttrends
Abbildung 19 - Zentraler Kontrahent für Aktienhandel in Xetra
Abbildung 20 Xetra ausländische Marktteilnehmer
Abbildung 21 Xetra Verfügbarkeit
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Bachelor -Thesis
Tabellenverzeichnis
Tabelle 1 - Automatisierung des Wertpapierhandels und deren Evolutionsstufen 23
Tabelle 2 - Klassifikationsmodell computerisierter Wertpapiermärkte. 24
Tabelle 3 - Statistik der Federation of European Securities Exchanges 39
Tabelle 4 - Einflussbereiche der MiFID 46
Tabelle 5 - Auswirkungen der MiFID-Richtlinie auf das Datenmanagement 47
Tabelle 6 - Marktveränderungen und Anforderungen 55
Tabelle 7 - Handlungsbedarf gemäß MiFID-Richtlinie 57
Tabelle 8 XML-basierte Standards 70
Tabelle 9 - Xetra Marktmodelle 79
Tabelle 10 - Vergleich: Xetra Handelsvolumen und Algorithmic Trading Anteil 83
Tabelle 11 - Märkte und Trading Service der LSE 97
Tabelle 12 - Hierarchisierte Marktstruktur 99
Tabelle 13 - TradElect - Markt Mechanismus und zulässige Ordertypen 99
Tabelle 14 - Übernahmekandidaten der LSE 102
Tabelle 15 Xetra Endbewertung 116
Tabelle 16 TradElect Endbewertung 117
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Bachelor -Thesis XI
Diagramm 1 - Anteil von Algorithmic Trading in Xetra 2003 bis 2006 ................................... 83 Diagramm 2 ® Xetra Domestic Handelsvolumen ................................................................. 84 Diagramm 4 - Gelistete Unternehmen Xetra-Domestic ......................................................... 86 Diagramm 5 - Xetra Marktteilnehmer ............................................................................... 86 Diagramm 6 - Xetra Außenhandel-Handelsvolumen ............................................................ 87 Diagramm 7 ® Xetra Außenhandel-Trades ......................................................................... 88 Diagramm 8 ® Gelistete Unternehmen Xetra-Außenhandel ................................................... 89 Diagramm 9 - TradElect Domestic Handelsvolumen .......................................................... 104 Diagramm 10 - TradElect Domestic Handelsvolumen ........................................................ 104 Diagramm 11 ® Gelistete Unternehmen London Stock Exchange ......................................... 105 Diagramm 12 ® TradElect LSE Außenhandel-Handelsvolumen ............................................ 106 Diagramm 13 ® TradElect Außenhandel-Transaktionen ..................................................... 106 Diagramm 14 ® Anzahl gelisteter Unternehmen Außenhandel-LSE ...................................... 107
Während meines Praktikums bei der Deutsche Börse Systems AG (Abteilung IT Consulting /Cash Derivates) im Wintersemester 2007/2008 hatte ich die Gelegenheit, diverse Projekte zu begleiten und zahlreiche Studien über die Entwicklung der europäischen Börsenhandelssysteme zu lesen. Während meiner Projekttätigkeit konnte ich vieles über die Entwicklung von Börsenhandelssystemen, Architekturen und Benchmarking lernen. Ausgehend davon wurde mein Interesse an elektronischen Börsenhandelssystemen und Kapitalmärkten geweckt. Aus diesem Grund ist dieser bewertende Vergleich der europäischen Börsenhandelssysteme das Thema meiner Bachelor-Thesis. An dieser Stelle möchte ich mich bei Herrn Prof. Dr. Reto Francioni (CEO Deutsche Börse Group), Herrn Dr. Michael Kuhn (CIO Deutsche Börse Systems AG) und Herrn Dipl. Volkswirt / Dipl. Betriebswirt Dietmar Enrico Benz (CEO Christopher Benz GmbH) bedanken, die es mir ermöglicht haben, während meines berufspraktischen Semesters ein Praktikum bei der Deutsche Börse Systems AG zu absolvieren.
Mein besonderer Dank gilt weiterhin meinem Betreuer, Herrn Dr. Martin Reck (Managing Director of Group Strategy, Deutsche Börse AG), für die sehr gute Betreuung während der Erarbeitung meiner Bachelor-Thesis. Trotz seines immer prall gefüllten Terminkalenders stand Herr Dr. Reck jederzeit in diversen Diskussionen und mit guten Ratschlägen an meiner Seite. Danken möchte ich auch seiner Sekretärin, Frau Iris Seghers, die ich jederzeit erreichen konnte, um Termine mit Herrn Reck zu vereinbaren.
Ein weiterer Dank gilt ebenso Herrn Prof. Dr. Ing. Michael Hefter (Dekanat Fachbereich 2, Fachhochschule Frankfurt am Main) und Herrn Prof. Dr. Christoph Thomas (CIO, Fachhochschule Frankfurt am Main), die die Betreuung meiner Bachelor-Thesis übernommen haben. Auch bei meiner Familie und meinen Freunden möchte ich mich für die Kraft, die sie mir in dieser Zeit gegeben haben, sehr bedanken.
Neu-Isenburg / Zeppelinheim, 5. August 2008 Ilyas Atas
½8JSTJOEFJHFOUMJDIXFEFSEFVUTDIOPDIFJOF#zSTF8JSTJOEFJOHMPCBMFT-JRVJEJUjUTOFU[XFSL° Werner G. Seifert 2 , 2004
Der Wettbewerb zwischen internationalen Börsenplätzen und Börsenhandelssystemen ist in den letzten Jahren deutlich gestiegen. Die Gründe dafür liegen im Fortschritt der Informationstechnologie, der den Wertschöpfungsprozess und die Business-Modelle der Börsen verändert. Hierdurch sinken die Kosten der Handelsteilnehmer und die Zahl der grenzüberschreitenden Wertpapiergeschäfte nimmt im starken Maße zu 3 . Zudem hat die Börse ihren alten Charakter, bei dem ihre Mitglieder noch auf dem Parkett Aktienpakete gehandelt und um Liquidität gekämpft haben, verloren. Viele Börsen haben den Parketthandel mittlerweile völlig abgeschafft, sind selbst an der Börse gelistet 4 und konzentrieren sich auf den Shareholder Value. Ebenso sind Finanzprodukte (z. B. Aktien) bereits an mehreren Börsenplätzen gelistet, so dass für Investoren beim Handel eines bestimmten Wertes, zwischen verschieden Börsenplätzen wählen können 5 . Diese Wahlmöglichkeit und der weltweite Zugang zu den Aktienmärkten schaffen bei den Investoren einen Mehrwert und erhöhen die Globalisierung sowie den Druck, grenzüberschreitenden Handel anzubieten. &JOF#zSTF EJFGSIFSFJO½OBUJPOBMFT)FJMJHUVN° 6 darstellte, ist heute ein grenzüberschreitender ½%JFOTUMFJTUFS° 7 , der den Marktteilnehmern Transaktionsservices, Clearing- und Settlementservices sowie auch Marktinformationen anbietet.
In den letzten Jahren verstärkte sich der Trend hin zu internationalen Börsenfusionen, Joint Ventures oder Kooperationen. Mit diesen Maßnahmen sollen Marktanteile erhöht werden. Mittlerweile existieren Börsenplätze, die mehrere Länder umfassen, wie z.B. die Euronext, die aus vier Länderbörsen (Niederlande, Belgien, Portugal und Frankreich) besteht, oder die Deutsche Börse Group und die SWX Swiss Exchange, die ihre Handelsplattform länderübergreifend vereinigt haben. In-
2 EhemaligerVorstandsvorsitzende der Deutsche Börse AG
3 Vgl. (Bortenlänger, 1996), S.1 und S. 111 ff., (Ludwig, 2002), S. 5
4 Vgl. (Serifsoy, 2006), S. 2 ff.
5 Vgl. (Schiereck, 1995), S. 1 ff. und (Kröpfl, 2003), S. 1 ff.
6 Vgl. (Seifert, Achleitner, & Mattern, 2000)
7 Vgl. (Francioni, 2007), S. 125
Ilyas Atas Bachelor-Thesis
zwischen denkt man auch an transatlantische Börsenfusionen bzw. an solche zwischen amerikanischen und europäischen Börsen 8 . Zeichen für diesen Trend sind die Fusion der NYSE (New York Stock Exchange) mit der Euronext, der Anteilserwerb der Nasdaq an der LSE (London Stock Exchange) oder die Beteiligung der Nyse Euronext mit 5 % an der Indischen Rohstoffbörse 9 MCX (Multi Commodity Exchange).
Der entscheidende Wettbewerbsdruck begann bei traditionellen Börsen, die ihre Organisationsform und Eigentümerstruktur neu ausrichten mussten (Corporate Governance). Die neu strukturierten Börsen sind nicht mehr nur traditionelle Börsen, sondern verstehen sich heute als gewinnorientierte Unternehmen, die sich ihren Eigentümern und Aktionären verpflichtet fühlen 10 . Die Gründe für diese Umstrukturierung sind eindeutig. Zunächst spielt die Globalisierung eine sehr große Rolle, die zu einer verstärkten Vernetzung der Börsen führt. Dies wiederum resultiert darin, dass viele In-vestoren sich für Wertpapiere ausländischer Unternehmen interessierten. Ebenso lassen sich kapitalsuchende Unternehmen nicht nur an der Heimatbörse, sondern auch an ausländischen Börsen listen. All diese Geschehnisse führten dazu, dass der Handel sich an den Börsen orientiert, die größte Liquidität aufweisen, da dort die Transaktionskosten für die Investoren relativ gering sind 11 . Den größten Einfluss am gestiegenen Wettbewerb zwischen Börsen verursachte jedoch die Entwicklungen in der Informationstechnologie- und Telekommunikationsbereich. Diese Entwicklungen führten dazu, dass der traditionelle Parketthandel teilweise oder komplett durch die elektronischen Handelssysteme ersetzt wurde 12 . Zu dem ermöglichte die Trennung von Eigentum und Mitgliedschaft die Einführung von konkurrenzfähigen, elektronischen Börsenhandelssystemen. Was die Zukunft betrifft, so ist der Umstand von Bedeutung, dass die Vernetzung einzelner eBHS (elektronischer Börsenhandelssysteme) mittels standardisierter Übertragungsprotokolle stark zu-
8 NachProfessor Dr. Rainer Stöttner könnten die traditionellen Börsen in Zukunft ganz verschwunden sein.
Eine interessante Frage, die Dr. Stöttner im (Ludwig, 2002) erwähnt, ist die, ob in Zukunft selbständig agierende Börsenplätze noch vorhanden sein werden oder ein dezentralisiertes und weltumspannende Börsenssystem (entsprechend der Vorstellung von einem ½HMPCBMGJOBODJBMWJMMBHF°FYJTUJFSFOXJSE
9 Vgl. (Börsen Zeitung, 2008)
10 Vgl. (Steil, 2002) und (Serifsoy, 2006). Beide Autoren sind der Meinung, dass aufgrund der veränderten Eigentümerstruktur die Einführung eines elektronischen Börsenhandelssystems durch die Mitglieder nicht mehr blockiert werden konnte. Die Mitglieder hatten Befürchtungen um ihrer Role als Intermediärfunktion.
11 Der starke Börsenwettbewerb führte auch dazu, dass die Börsen ihre Handelssysteme den Wünschen und Bedürfnissen der institutionellen Investoren anpassen und sich nach ihnen ausrichten.
12 Vgl. (Ludwig, 2002), Der Autor ist der Meinung, dass die Zeit der traditionellen, lokal oder regional verorteten Präsenzbörsen abzulaufen scheint. Über elektronische Börsenhandelssysteme können z. B. Kunden aus Paris via Remote Membership im elektronischen Handelssystem Xetra der Deutschen Börse am Handel teilnehmen.
nehmen wird. Dies erfordert für ein funktionierendes eBHS einen hohen Standardisierungsgrad sowie eine ausreichende Liquidität.
1.1 Thematische Abgrenzung
Die vorliegende Thesis beschäftigt sich mit dem Vergleich europäischer Börsenhandelssysteme. Zunächst werden die Grundlagen in Kapitel 2 kurz dargestellt und Begriffe wie ½Börse°, ½Kassa- markt°oder ½Wertpapierhandel° operationalisiert, da es in der deutschen und englischen Literatur sehr viele Definitionen dafür existieren und damit verschiedene Sichtweisen gilt. Hierbei ist es wichtig, dass man die Relation zwischen einer Börse, dem Kassamarkt und Wertpa-pierhandel versteht. Nach der Systematisierung der Börse wird zunächst der Begriff ½Kassamarkt° abgeleitet und danach der Begriff ½Wertpapierhandel° erläutert. Aufbauend hierauf werden die Phasenmodelle des Handelsprozesses und die Marktmodelle beschrieben. In Kapitel 2 werden in Anlehnung an (Gomber, 2000), (Bortenlänger, 1996) und (Schenk, 1997) die phasenübergreifenden Strukturmerkmale eines Marktmodells (vor allem der Grad der Automatisierung) kurz dargestellt. Kapitel 3 stellt darauf aufbauend den Einfluss der Automatisierung auf den Wertpapierhandel heraus und in Anlehnung an die oben genannten Autoren werden die einzelnen Evolutionsstufen erklärt. Ziel von Kapitel 3 ist es, dem Leser die Veränderungen im Wertpapierhandel durch den Einsatz von eBHS zu veranschaulichen.
In Kapitel 4 werden die Markttrends in Europa, angefangen bei der Börsenkonsolidierung bis hin zu Algorithmic Trading, erläutert. Anhand von praktischen Beispielen werden Gründe, Auswirkungen und Anforderungen dieser Markttrends dargestellt.
In Kapitel 5 werden anschließend die Kriterien, sich ableitend aus den Markttrends, gewählt, welche die Grundlage der Bewertung bilden. Hinsichtlich der Markttrends wird die Wichtigkeit dieser Kriterien beschrieben. In Kapitel 6 werden die methodischen Grundlagen angeführt und die Bör-senhandelssysteme bewertet.
Die Schlussfolgerung aus der Bewertung wird schließlich in Kapitel 7 gezogen.
Die beiden Kapitel bzw. das ,BQJUFM½&VSPQjJTDIF#zSTFOIBOEFMTTZTUFNFVOE#zSTFO°VOE,BQJUFl ½%BUFOTDIVU[SFDIUMJDIF%JMFNNBCFJN&JOTBU[WPOFMFLUSPOJTDIFS#zSTFOIBOEFMTTZTUFNF® Auswir- LVOHFO 3JTJLFOVOE.BOBINFO°GBMMFO dagegenweg.
1.2 Zielsetzung
Ziel dieser vorliegenden Bachelor-Thesis ist ein Vergleich der europäischen Börsenhandelssysteme, hinsichtlich der Markttrends und deren Bewertung darzustellen. Diese Bewertung erfolgt nach technischem und strategischem Bewertungssystem.
In der Literatur werden die Begriffe ½Kassamarkt°, ½Wertpapierhandel° und ½Börse° unterschiedlich dargelegt und in Relation zu einander gestellt. Daher beschäftige ich mich in diesem Kapitel mit den Grundlagen dieser Begriffe. Dabei werde ich die verschiedenen Definitionen in Betracht nehmen und die Begriffe aus verschiedenen Perspektiven heraus betrachten.
2.1 Börsen
In der Literatur gibt es mangels eindeutiger Definition unterschiedliche Beschreibungen von Börsen 13 . Die historische Entwicklung der Börsen zeigt, dass in der Entstehung der Austausch von Waren und Wertpapieren von privaten Personen organisiert wurde. Das erste Börsentreffen fand im Jahre 1409 im belgischen Brügge statt 14 . "VGEFN.BSLUQMBU[½UFSCVFSTF 15 °XVrden meist von italienischen Händlern und Kaufmännern ein regelmäßiges Treffen organisiert, dies geschah mit der Absicht, das Geld zu vermehren 16 . Der Platz wurde nach einem Kaufmann mit dem Namen ½Ter BVFSTF°CFOBOOU EFSEJSFLUBN1MBU[XPIOUF%JF7PSHjOHFSEFS#zSTFOXBSFO8BSFONjSkte und Warenmessen, die in unregelmäßigen Abständen oder nur sehr selten stattfanden. Aufgrund des Schifftransports, der nur unregelmäßige Treffen ermöglichte, war es nicht möglich, ein funktionierendes und systematisches Börsensystem aufzubauen 17 .
13 Nach Abschnitt 1, § 2 Ziffer 1 BörsG TJOE#zSTFO½UFJMSFDIUTLSjGUJHF"OTUBMUFn des öffentlichen Rechts, die nach Maßgabe dieses Gesetzes multilaterale Systeme regeln und überwachen, welche die Interessen einer Vielzahl von Personen am Kauf und Verkauf von dort zum Handel zugelassenen Wirtschaftsgütern und Rechten innerhalb des Systems nach festgelegten Bestimmungen in einer Weise zu- TBNNFOCSJOHFOPEFSEBT;VTBNNFOCSJOHFOGzSEFSO EJF[VFJOFN7FSUSBHCFSEFO,BVGEJFTFS)BOEFMTPCKFLUFGISU°8Fiterhin wird im Abschnitt 1, § 2 Ziffer 2 und 3 BörsG Warenbörsen von Wertpapierbörsen unterschieden. Auch in der internationalen Ebene gibt es LFJOFFJOEFVUJHF%FGJOJUJPOEFT#zSTFOCFHSJGGTVOEEJFTFTUFIUEBNJUJOEFS%JTLVTTJPO WFSHMFJDIFIJFS[V3VCFO-FF ½8IBUJT an Ex- DIBOHF°VOE (Steinhübel, 1998), S. 24
14 Vgl. (Redak & Weber, 2000), S. 10
15 -BU½CVSTB°® Tasche, Geldbörse
16 Vgl. o. V., Historie der Frankfurter Wertpapierbörse
17 Es war auch nicht möglich, die Lieferzeiten zu einhalten oder gute Qualität anzubieten. Jedoch haben sich die Umstände im Laufe der Zeit verbessert und man zeichnete sich durch gute Qualität und Einhaltung der Lieferzeiten aus, was zur Folge hatte, dass man sich regelmäßig treffen konnte.
In den achtziger Jahren des letzten Jahrhunderts stand der Begriff ½Börse° für einen Ort, an dem zu einer bestimmten Zeit ein regelmäßiger, staatlich genehmigter, öffentlicher Handel mit einer gewissen Organisation zu bestimmten Regeln stattfand 18 .
Heute existiert eine Reihe von Börsen, die sich auf ein Gebiet spezialisiert haben, wie z. B. Börsen für Finanzdienstleistungen oder auch für Rohstoffe, Waren 19 und Wertpapiere. Nach (Book, 2001) lasse sich der Markt in eine traditionelle (exchange as a market), eine unter-nehmensorientierte (exchange as a firm) und eine funktionale (exchange as a broker-dealer) Sichtweise unterscheiden 20 .
Bei der traditionellen Sichtweise orientiere man sich an den institutionellen Eigenschaften einer Börse, unternehmensorientiert betrachtet man die Börse als ein Unternehmen in einem Markt, während man sich mit der funktionalen Perspektive auf die Leistungen bezieht, die eine Börse erbringen soll.
In der unternehmensorientierten Sichtweise wird die Börse als ein Unternehmen zur Produktion WPO.BSLUQSFJTFOEFGJOJFSU½We define a financial exchange as a firm that creates a market in financial instruments. The product of this particular type is accurate information, as reflected in the prices of the instruments traded on the exchange°. 21
Nach (Francioni & Schwartz, 2004) lassen sich auch Börsen als ein Dienstleistungsunternehmen definieren, die Clearing- und Settlementservice, Transaktionsservice und Marktinformationen anbieten 22 . Ergänzt wird diese Definition mit ½a stock exchange is an institution that operates a market for the orderly buying and selling of financial products. All other activities such as the development of new financial products, information distribution and a wide range of associated technology services, come from this one origin± 23 .
18 Vgl. (Klemke, 1997), S. 20
19 Die Hamburger Kaffeebörse ist eine Warenbörse. Ursprünglich war die Hauptaufgabe von Warenbörsen, die regionale Bevölkerung mit lebensnotwendigen Gütern wie z. B. Getreide, Zucker oder Futtermittel zu versorgen, daher war sie auch örtlich ausgedehnt. Jedoch sind Warenbörsen auch jene Börsen, an denen Edelmetalle wie z. B. Gold, Silber oder Nickel usw. gehandelt werden.
20 Vgl. (Book, 2001), S. 25 f. und (Breuer, 2006), S. 8 und Fußnote 15
21 Vgl. (Breuer, 2006), S. 8
22 Vgl. (Francioni & Schwartz, 2004), S. 1-9. Auch die Deutsche Börse lässt sich als ein Dienstleistungsunternehmen bezeichnen.
23 Vgl. (Galper,2000), S. 2 und (Galper,1999)
Bei der funktionellen Sichtweise wird die Börse als ein Marktbetrieb definiert, der für den Handel von standardisierten Wertpapieren ebenso standardisierte Transaktionsprozesse anbietet 24 . Ergänzt wird diese Beschreibung durch die Merkmale eines Börsenhandelssystems, welches die folgenden Leistungen erbringen sollte:
½To be classified as an exchange a trading system must
provide trade execution facilities,
provide price information in the form of buy and sell quotations in a regular or continuous basis, engage in price discovery through its trading procedures, rules or mechanism, have either a formal market maker structure or a consolidated limit order book or be a single price auction,
centralize trading for the purpose of trade execution, have members± 25
Diese Definitionen sind jedoch keine allgemeingültigen Definitionen mehr, da Börsen sich nach ihrer Organisation in Präsenzbörsen 26 und elektronische Börsen unterteilen. Die elektronischen Börsen setzen keine physische Präsenz der Makler voraus. Bei den Präsenzbörsen setzen die Makler hingegen während der Handelszeiten Kurse fest, die sich aus Orders (Kauf- und Verkaufsaufträge) ergeben. Neben Kassa- und Terminmarkt lassen sich Börsen auch weiter in Marktsegmente untergliedern z. B. Aktienmarkt, Futures- und Derivativmärkte, strukturierte Produkte (z. B. Optionsscheine) und Anleihemarkt etc.
Börsen besitzen nicht nur betriebswirtschaftliche Funktionen, sondern sie dienen auch der Volkswirtschaft. Mehr Informationen zur volkswirtschaftlichen Bedeutung der Börsen kann in (Altinbas, 1999), Seite 6, und (Steinhübel, 1998), Seite 96-110, nachgelesen werden.
24 Vgl. Breuer, Felix (2006), S. 9, Röhrl, Heiner (1996), S. 16-17 25 Vgl. (Breuer, 2006), S. 9 und Fußnote 20
26 An der Frankfurter Wertpapierbörse wird immer noch auf dem Parkett gehandelt.
Es ist festzustellen, dass es sehr komplex ist, den Begriff ½Börse° zu definieren, da er aus verschiedenen Sichtweisen festgelegt wird.
Allgemein kann man den Begriff ½#zSTF°nach (Francioni & Schwartz, 2004) BMT½FJO[en] organisierte[n] und beaufsichtigte[n] .BSLUGSEFO)BOEFMNJU7FSNzHFOTXFSUFO° bezeichnen, der auf Grundlage von genehmigten Regeln und Vorschriften zu festgelegten Zeiten stattfindet 27 .
Die Börse sollte dabei folgende Funktionen erfüllen:
½Marktfunktion:
Zusammenführung von Angebot und Nachfrage d. h. den Handel marktmäßig organisieren 28 . Mobilisationsfunktion:
Bereitstellung eines Umfelds, in dem Unternehmen durch Emission von Wertpapieren Geldkapital aufnehmen können. Substitutionsfunktion:
Gewährleistung der Verkaufs- und Übertragungsmöglichkeit von Wertpapieren zu jeder Zeit. Bewertungsfunktion:
Feststellung des aktuellen Marktpreises für das einzelne Wertpapier und damit des .BSLUXFSUFTGSEBTCFUSFGGFOEF6OUFSOFINFO° 29 .
Weiterhin wird die Börse, wie schon erwähnt wurde, nach ihren geschäftlichen Schwerpunkten entsprechend der folgenden Kriterien differenziert: Art der Handelsobjekte (z.B. Waren, Devisen oder Wertpapiere), Geschäftsart (z. B. Kassageschäft oder Termingeschäft), Organisationsformen (z.B. Auktion).
27 Vgl. (Francioni & Schwartz, 2004), S. 1 Reto Francioni bezeichnet weitgehend die Börse als securities exchange. 28 Vgl. (Lüthje, 1970), S. 58 und (Steinhübel, 1998), S. 97. Dies bedeutet auch, dass man den freien Zugang von Anbietern und In-vestoren sicherstellen muss, um so die Vielfalt des Angebots und Zahl der Investoren und das Volumen des Kapitals zu gewährleisten. Durch den freien Zugang erhöht sich somit die Zahl der Marktteilnehmer, wodurch die Transaktionskosten gesenkt, Marktliquidität und Effizienz der Marktfunktion gesteigert werden.
29 Vgl. (o.V. Deutsche Börse AG, 2007)
x x
xx xx xx xxx xxx xxx
xx xx xx xxx xxx xxx
2.2 Kassamarkt
Wie schon bereits erwähnt wurde, kann eine Börse nach ihren Geschäftsarten genauer unterschieden werden. Näher betrachtet umfasst der Kassamarkt Börsengeschäfte, deren Erfüllung direkt nach ihrem Abschluss stattfindet.
Börsengeschäfte
Kassageschäft Termingeschäft
Zwischen Vertragsabschluss und Lieferung ver-Erfüllungsfrist ist länger und wird bei Vertragsab-
geht nur der zur Erfüllung notwendige Zeitraum schluss festgelegt.
Abbildung 1 - Systematisierung von Börsen 30
Der Kassamarkt ist also ein Bereich der Börse, bei dem Ausführung und Erfüllung einer Wertpa-pierorder zeitlich nahe liegt (siehe Abbildung 1). Im Börsengeschäft redet man auch von ½Effek- tivmarkt°oder ½Spot Market°, da die Erfüllung des Geschäfts zwei Börsentage bzw. ( 2) t be- trägt 31 . Da zwischen Vertragsabschluss und Lieferung nur der zur Erfüllung notwendige Zeitraum vergeht, nennt man dieses Vorgehen auch Cash Market 32 . Die Preise werden zum Kassa bzw. Einheitskurs gehandelt.
Dagegen werden am Terminmarkt Geschäfte 33 mit fixierten Bedingungen (siehe Abbildung 1) getätigt, die zu einem festgelegten Zeitpunkt in der Zukunft erfüllt werden, d. h. die Erfüllungsfrist wird bei Vertragsabschluss festgelegt (z. B. Optionen).
Am Kassamarkt können Aktien, Indexfonds, aktiv verwaltete Fonds, Zertifikate, Aktienanleihen, Optionsscheine und Renten gehandelt werden. Die Erweiterung der Produktpalette ist im Kassamarkt wichtig, um alle Kunden zufrieden zu stellen. Ziel jedes Kassamarktes ist ein schnelles, präziseres und billigeres Absicherungsgeschäft.
30 Vgl. (Book, 2001), S. 24
31 An der New York Stock Exchange sind es für Aktien drei Börsentage und für Anleihen ein Börsentag
32 Vgl. (Schwartz & Francioni, 2004), S. 13 und (Book, 2001), S. 24
33 Termingeschäfte werden auch als derivative Finanzprodukte bezeichnet
Ilyas Atas 2008 ® All rights reserved Bachelor-Thesis 9
2.3 Wertpapierhandel
Wertpapiere sind Urkunden, in denen bestimmte Ansprüche bzw. Vermögensrechte verbrieft werden. Die Ansprüche können ohne Vorlage dieser Urkunde nicht geltend gemacht werden bzw. der Verpflichtete muss diese Ansprüche nur bei Vorlage der Urkunde leisten 34 . xx xx xx xx
Die Deutsche Bundesbank teilt die Wertpapiere in drei Gruppen ein (siehe Abbildung 2): festverzinsliche Wertpapiere, Aktien und Investmentzertifikate. xx xx xx xx
x
Kassamarkt x
x
Waren Devisen Wertpapiere x
x
Festverzinsliche Aktien Zertifikate
Wertpapiere
x
Abbildung 2 - Systematisierung des Wertpapierhandels
x
Eine Wertpapierbörse hat primär die Aufgabe, mit möglichst geringen Transaktionskosten für den Anleger den Handel 35 in Wertpapieren zu ermöglichen. In Deutschland kann man auch an den traditionellen Börsen in Berlin, Düsseldorf, Frankfurt, Hannover, Frankfurt, Bremen, Stuttgart und München Wertpapiere handeln.
34 Vgl. (Michael, 2000), S. 180. Ohne die Urkunde kann es weder geltend gemacht noch übertragen werden. Börsenfähige Wertpapiere OFOOUNBOBVDI½&GGFLUFO°8FSUQBQJFSFTJOE[# Anleihen, Aktien, Pfandbriefe oder Investmentanteile usw. In Deutschland werden Wertpapiere im Wertpapierhandelsgesetz geregelt. Das Wertpapiergesetz wurde 1994 im Rahmen des zweiten Finanzmarktförderungsgesetzes eingeführt und soll für den Schutz der Interessen von Anlegern in Deutschland dienen. Ziel ist jedoch die Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit des deutschen Kapitalmarktes gegenüber internationalen Finanzplätzen.
35 Gemeint ist hier das Zusammenführen von Kauf- und Verkaufsinteressenten
Ilyas Atas 2008 ® All rights reserved Bachelor-Thesis 10
2.4 Phasenmodell des Handelsprozesses
Nach (Picot, Bortenlänger, & Röhrl, 1996) lässt sich der Handelsprozess in vier Phasen untergliedern: in die Informationsphase, die Orderroutingphase, die Preisfeststellungsphase und die Abwicklungsphase. Dieses Vier-Phasenmodell (siehe Abbildung 3) wird im Folgenden erläutert 36 .
2.4.1 Informationsphase
Die Informationsphase dient dem handelnden Marktteilnehmer zur Bestimmung seiner Handelsentscheidung und zur Beschaffung entscheidungsrelevanter Informationen für den Handel. Unterschieden wird hier zwischen marktexogenen und marktendogenen Informationen. Marktexogene Informationen werden nicht direkt vom Markt produziert - diese können Unternehmensmeldungen, Analysen, Nachrichten von Informationsmaklern oder Nachrichtenagenturen, wie z. B. Reuters oder Bloomberg, stammen. Darüber hinaus können marktexogene Informationen von Betreibern der Handelsplattformen nicht beeinflusst werden 37 .
Marktendogene Informationen entstehen direkt während des Handelsprozesses im Markt durch das Agieren der Marktteilnehmer wie z. B. aktuelle Kurse oder Volumina ausstehender und ausgeführter Orders. Diese Informationen werden aus dem Orderbuch abgeleitet bzw. aus dem Orderbuch des betreffenden Handelssystems gewonnen. Die eingestellten Kauf- und Verkaufsorders werden in einem Orderbuch nach definierten Regeln und Privilegien aufgelistet. Diese Regeln und Privilegien, bestimmen die Reihenfolge der Abarbeitung der Aufträge im Orderbuch. Von einem offenen Orderbuch wird gesprochen, wenn die Marktteilnehmer Einblick bzw. die Möglichkeit haben auf die Informationen im Orderbuch zuzugreifen, falls dies nicht möglich ist handelt es sich hierbei
36 Vgl. (Picot, Bortenlänger, & Röhrl, 1996), S. 16 ff., (Bortenlänger, 1996), S. 59 und (Gomber, 2000), S. 11
37 Vgl. (Gomber, 2000), S. 19 und (Breuer, 2006), S. 31
um ein geschlossenes Orderbuch. Je nach Ausprägung zeigt das Orderbuch die Volumina anstehender Orders und ausgeführter Transaktionen, den Preislimit und die Identität des Auftraggebers bzw. Kontrahenten an. Weitere Variablen für die Ausprägung eines Orderbuchs sind die Anzahl der aufgelisteten Orders, Art der Information z.B. Preise, Mengen etc. und die Schnelligkeit der Informationsverarbeitung.
2.4.2 Orderroutingphase
In dieser Phase wird der Transaktionswunsch durch den Investor an das gewünschte Börsenhandelssystem bzw. an den Ort der Ausführung 38 weitergeleitet. Ein Marktteilnehmer kann eine Order direkt am Börsenhandelssystem einstellen oder durch ein Zugangsintermediär bzw. über einen Broker die Weiterleitung des Orders durchführen lassen 39 . Der Order kann nach verschiedenen Kriterien bzw. nach Orderparametern spezifiziert werden, wie z. B. der maximale Kauf- bzw. Verkaufspreis (Limitorder), unlimitierte Kauf- und Verkaufsorder (Market Order) sowie die zeitliche Gültigkeit der Ordertypen (Good-for-day,Good-till-date oder Good-till-cancelled) als auch die Ausführungsbedingungen (Immediate-or-Cancel Order, Fill-or-Kill Order). Weitere Orderspezifikationen sind das Volumen der Order, die Verbindlichkeit des Transaktionswunsches 40 oder auch bestimmte Ausführungsauflagen (Stop-Order 41 ).
2.4.3 Preisfeststellungsphase- und Abschlussphase
In dieser Phase werden die Kauf- und Verkaufsinteressen der Handelnden bzw. die Orders zusammengeführt. Nach (Picot, Bortenlänger, & Röhrl, 1996) JTUEJF1SFJTCJMEVOHEBT½)FS[TUDL der Transaktionskette 42 °Hier unterscheidet man weiter zwischen dem Market-Maker-Prinzip
38 Vgl. (Picot, Bortenlänger, & Röhrl, 1996), (Gomber, 2000), S. 20 und (Breuer, 2006), S. 32. Innerhalb dieser Phase unterscheiden sich die Börsenhandelssysteme durch die Strukturmerkmale der Marktzugang und Orderspezifikation.
39 Vgl. (Picot, Bortenlänger, & Röhrl, 1996), S. 17. Für diese Leistung stellt der Zugangsintermediär natürlich eine Gebühr in Rechnung. Um einen direkten Zugang zum Handelssystem zu haben, setzt die Börse eine Börsenmitgliedschaft voraus.
40 Vgl. (Gomber, 2000), S. 20. Bei unverbindlichen Orders können die Preise und Mengen verhandelt werden, ohne dass man die angegebenen Orderspezifikationen erfüllt, wogegen ein verbindlicher Order den Marktteilnehmer verpflichtet, den Order zu den von ihm vorgegebenen Parameter zu erfüllen.
41 Es gibt zwei Stop Order Typen (Stop Market Order und Stop Limit Order), die zur Unterstützung der Handelsstrategien eingesetzt werden können. Die Ausführung ist bei Erreichung eines Preislimits möglich. Bei jeder Änderung der Stop Orders wird ein neuer Zeitstempel vergeben.
42 Vgl. (Picot, Bortenlänger, & Röhrl, 1996), S. 54
(Market Maker sind Marktintermediäre, die durch Provisionen für abgeschlossene Transaktionen ihr Einkommen erzielen), dem Auktionsprinzip und die hybriden Marktformen. Bei einem Preisfeststellungsverfahren gemäß des Market-Maker-Prinzips (auch quote driven market betitelt) sind Market Maker während der Handelszeit verpflichtet, jederzeit bzw. kontinuierlich An- und Verkaufsaufträge auf eigene Rechnung zu quotieren 43 . Diese Art von Handel bezeichnet man auch als notierungsgesteuerten Handel und garantiert jederzeit eine sofortige Handelbarkeit der Wertpapiere im Rahmen vorgegebener Handelsvolumen 44 .
Bei einem Auktionsprinzip (auch order driven market genannt) erfolgt die Preisfindung über eine Doppelauktion (double auction). Hier treffen Kauf- und Verkaufsaufträge aufeinander, die um den Abschluss konkurrieren 45 . Es geht hierbei also um den Wettbewerb des besten Ausführungskurses. Die Orderzusammenführung bei einem Auktionsmarkt kann fortlaufend oder periodisch erfolgen, wobei dies bei dem Market-Maker-Prinzip nur fortlaufend möglich ist. Eine Garantie für die sofortige Ausführung des Orders gibt es beim Auktionsprinzip nicht 46 . Das Hybridsystem ermöglicht eine Kombination aus fortlaufendem Handel und Market-Maker-Prinzip. Das Börsenhandelssystem Xetra der Deutschen Börse AG ist beispielsweise ein solches Hybridsystem. Dabei werden Market Maker als designated sponsors 47 bezeichnet. Das System wechselt während der Handelszeit zwischen periodischem und kontinuierlichem Auktionshandel. Daneben existieren Preisfindung nach Preisimport, Hit-or-take-Prinzip oder Bulletin Boards. Bei preisimportierenden Systemen bzw. Crossing Systems oder Crossing Networks importiert man Kurse von anderen Börsenhandelssystemen 48 . Hierzu werden An- und Verkaufsgebote bzw. mit Kurs-und Volumenangaben angesammelt und den Marktteilnehmern angezeigt. Kompatible Orders werden zusammengeführt, in die Verhandlungen mit der Gegenseite aufgenommen und das Geschäft innerhalb des Systems abgeschlossen. Bei Bulletin Boards veröffentlicht der Marktteilnehmer Gebote und kann Verhandlungen führen, jedoch wird der Handelsabschluss nicht unterstützt.
43 Vgl. (Gomber, 2000), S. 21, (Breuer, 2006), S. 33 (Fußnote 111)
44 Vgl. (Picot, Bortenlänger, & Röhrl, 1996), S. 58 ff.
45 Vgl. (Gomber, 2000), S. 21,
46 Vgl. (Picot, Bortenlänger, & Röhrl, 1996), S. 56 ff.
47 Xetra setzt für weniger liquide Werte designated sponsors ein, die dem Markt Zusatzliquidität bereitstellen. Als designated sponsors agieren Banken und Wertpapierhandelshäuser. Wenn eine Aktie nicht genug Liquidität aufweist, muss sie mindestens einen designated sponsors als Betreuer haben, um in den fortlaufenden Handel aufgenommen zu werden.
48 Vgl. (Gomber, 2000), S. 71, (Picot, Bortenlänger, & Röhrl, 1996), S. 63, (Breuer, 2006), S. 36
2.4.4 Abwicklungsphase
Die vierte und letze Phase im Handelsprozess ist die Abwicklungsphase. Hierbei werden die abgeschlossenen Geschäfte vollzogen. Diese Phase umfasst die Feststellung der relativen Forderungen und Verbindlichkeiten der Handelspartner (clearing) und die Benachrichtigung des Beteiligten sowie die Übertragung der Eigentumsrechte bzw. die Zahlung des Kaufpreises wie auch die physikalische Lieferung der Wertpapiere (settlement) 49 . Weiterhin werden die Daten der Transaktion der Clearinghaus und Marktsteuerung mitgeteilt.
Bei börslichen Geschäften ist die Settlementfrist im Voraus bestimmt, bei außerbörslichen Geschäften kann sie individuell zwischen den Teilnehmern ausgehandelt werden.
2.5 Marktmodelle
In einem Markt müssen bestimmte Handelsregeln und Charakteristika definiert werden, die unabhängig von der Informationstechnologie, jedoch durchaus abhängig von dem gehandelten Objekt sind. Das Marktmodell beschreibt die Struktur eines Marktes und ist ein zentrales Element des Marktes 50 . In der Literatur wird dieses stets unterschiedlich definiert und wird im Rahmen von Marktmikrostrukturtheorien bereits ausreichend diskutiert. Die Frage nach der optimalen Marktstruktur bleibt für Mikrostrukturspezialisten zwar weiterhin offen, jedoch ist man sich darüber einig, dass die Struktur eines Marktes Auswirkungen auf das Marktergebnis bzw. die Effizienz und die Qualität 51 des Marktes hat.
Nach (Gomber, 2000JTUFJO.BSLUNPEFMMEJF½Gesamtheit der konkreten Ausprägungen der Strukturmerkmale einer Marktstruktur im börslichen (börsliches Marktmodell) oder außerbörslichen Wertpapierhandel (außerbörsliches Marktmodell)° 52 . Es beinhaltet also alle Faktoren bzw. Regeln, die den Börsenhandelsprozess eingrenzen.
49 Vgl. (Gomber, 2000), S. 22 ff. Nach Abschluss eines Handelstages werden durch ein Clearinghaus, das die Forderungen und Verbindlichkeiten aus Kassageschäften auf- und verrechnet bzw. das Nettoschuld von Käufer und Verkäufer aus einer börslichen Transaktion, berechet und den Mitgliedern mitgeteilt. Das Clearingshaus tritt hier als ein Kontrahent auf und gewährleistet die vertragsgemäße Erfüllung und Verrechnung von Nettoschuld. Beim Settlement wird das Handelsobjekt gegen Geld getauscht.
50 Vgl. (Gomber, 2000), S. 10 ff.
51 Neben Effizienz sind Markttiefe, Marktbreite und Liquidität sind wichtige Bewertungskriterien der Qualität des Marktes.
52 Vgl. (Gomber, 2000), S. 11
Die hauptsächlichen Determinanten eines Wertpapiermarktmodells sind in Abbildung 4 dargestellt.
Marktsegmente (siehe Abbildung 5) differenzieren die horizontale (Unterscheidung der Teilmärkte mit heterogenen Produkten), vertikale (Qualitätsstandards homogener Produkte) und temporale Aufteilung (Marktsegmente mit unterschiedlichen Erfüllungszeitpunkten) weiter in einzelne Segmente 53 .
Mit ½Marktkonfiguration° ist der Grad der Automatisierung gemeint. Man unterscheidet hierbei zwischen Präsenz- und Computerbörsen, wobei auch der Parketthandel teilweise computergestützt ist. Die Prozesse des Wertpapierhandels sind in diesem Bereich ebenfalls bereits zumindest teilweise computerisiert. Ob die Automatisierung der Transaktionskette das Marktmodell verändert, dies ist bisher noch unklar und wird heftig diskutiert.
Bei der Determinante ½Marktstruktur° wird der Konsolidierungsgrad bzw. die dezentrale oder zentrale Marktstruktur betrachtet. Bei einer zentralen Marktstruktur findet der Wertpapierhandel an ei-
53 Vgl.(Breuer, 2006), S. 12 ff.
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