Inhaltsverzeichnis: Was sind soziale Beziehungen
Veränderung bestehender Beziehungen durch Internetnutzung Modell der Beziehungsentwicklung (Levinger und Snoek, 1972) 1 Flucht in virtuelle Schein-Beziehungen?
Daten über romantische Beziehungen im Netz Wer verliebt sich im Netz?
Beziehungsentwicklung im Netz Intimität, Leidenschaft und Verbindlichkeit Erfolgs- und Misserfolgsfaktoren Funktionen romantischer Netzbeziehungen Literaturverzeichnis
Sozialpsychologische Chat- Forschung
Will man sich mit romantischen Beziehungen innerhalb des Internets beschäftigen ist es sinnvoll erst einmal den Begriff „soziale Beziehung“ zu definieren. Hierbei kann man auf die folgende Definition zurückgreifen: „Zwischen zwei Personen entsteht eine soziale Beziehung, wenn sie wiederholt miteinander Kontakt haben, also mehrfach zeitversetzt kommunizieren oder zeitgleich interagieren. 2 “ Nachdem man sich nun diese Definition zu Eigen gemacht hat muss man sich die sozialen Beziehungen noch einmal genauer anschauen.
Beziehungen lassen sich in formale Beziehungen und persönliche Beziehungen einteilen. Dabei unterscheidet man bei den persönlichen Beziehungen zwischen schwachen oder starken Bindungen. Beziehungen mit extrem großen Kommunikations- und Interaktionspausen können trotzdem subjektiv als sehr eng und bedeutungsvoll erlebt werden, da die Beziehung auch zwischen den einzelnen Kontakten weiter besteht. Soziale Netzwerke bezeichnen die Gesamtheit der
2 N. Döring, Sozialpsychologie des Internet, 315
3
sozialen Beziehungen einer Person zu anderen Menschen, sowie deren Beziehungen untereinander. 3 Unter formalen Beziehungen versteht man unter anderem Dienstleistungs-, Verwaltungs-Beziehungen und Arbeits-Beziehungen. Persönliche Beziehungen werden in Beziehungsklassen eingeteilt (Eltern- Kind- Beziehung, Freundschafts- Beziehung, Nachbarschafts- Beziehung). Forschungen haben auch nachgewiesen, dass persönliche Beziehungen für subjektives Wohlbefinden, Persönlichkeitsentwicklung und Gesundheit unverzichtbar sind. Starke Bindungen zeichnen sich durch starke Emotionalität und Intimität, die Vielfalt gemeinsamer Interessen und Aktivitäten (Multiplexität) sowie durch hohen Zeitaufwand und dauerhaftes und stabiles Engagement (Commitment) aus. 4
3 Vgl. dazu N. Döring, Sozialpsychologie des Internet, 315-319
4 Vgl. dazu Ebenda, 316-318
4
Enge Beziehungen weisen einen Verpflichtungscharakter auf: hohen Erträgen stehen auch hohen Kosten gegenüber. Asymmetrien im Geben und Nehmen können über längere Zeiträume bestehen, ohne die Beziehung zu gefährden. Personen, mit denen man enge Beziehungen hat sind einem meist in soziodemografischer Hinsicht (z.B. Bildung, Schicht, Alter) ähnlich, beziehungsweise werden nach Ähnlichkeit ausgewählt. Meist kennen sich auch die engen Bezugspersonen untereinander(Transitivität). Schwache Bindungen sind weniger emotional und intim. Gemeinsame Interessen und Aktivitäten sind meist rar, geringer Zeitaufwand und temporäres Engagement, das relativ leicht zu kündigen ist (Convenience) zeichnen sie aus. Bilanz von Nehmen und Geben muss unmittelbar ausgeglichen werden. Soziale Netzwerke lassen sich in einen engeren Kernbereich (starke Bindungen) und eine weitere Zone (schwache Bindungen) gliedern. Dieses Netzwerk wird noch von indirekten bzw. sehr lockeren Bindungen umgeben. Von einer sozialen Isolation spricht man erst, wenn das soziale Netzwerk sehr klein, sehr locker oder beziehungsarm strukturiert ist oder wenn die Kommunikations- und Kontaktfrequenz unter dem Durchschnitt liegt (häufiges Alleinsein). Soziale Isolation wird hauptsächlich aus drei Gründen als psychologisches Problem aufgefasst 5 :
1) Fehlende soziale Kontrolle (keine Regulierung eigenen Verhaltens)
2) Fehlende soziale Unterstützung bzw. Mangel an sozialen Ressourcen 3) Subjektive Einsamkeit (Gefühle des Ausgeschlossenseins)
Allerdings kann ein großes soziales Netzwerk und die Beteiligung an Zusammenkünften keinen Schutz vor subjektiver Einsamkeit bieten. Diese hängt in stärkerem Maße von der Qualität sozialer Integration als von der Quantität sozialer Beziehungen oder Kontakte ab. Weiterhin ist empirisch belegt, dass subjektive Einsamkeit mit Defiziten in den sozialen Fertigkeiten einhergeht und dass sie zurückgeht, wenn sie mit Trainingsmaßnahmen die sozialen Fertigkeiten verbessert werden. Allerdings dürfen externale Faktoren nicht vernachlässigt werden (z. B. Tod, Krankheit, Arbeitslosigkeit). 6
5 Vgl. dazu N. Döring, Sozialpsychologie des Internet, 320
6 Vgl. dazu N. Döring, Sozialpsychologie des Internet, 320-322
5
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Carla Gröne, 2002, Sozialpsychologische Chatforschung, Munich, GRIN Publishing GmbH
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