Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis i
Einleitung 1
1. Demographische Ausgangssituation 2
1.1. Ausmaß und Ursachen des demographischen Wandels 3
1.2. Ökonomische und soziale Konsequenzen 7
2. Familienpolitisches Instrumentarium 8
2.1. Infrastrukturelle Maßnahmen 8
2.2. Monetäre Transferleistungen 10
3. Bedeutung und Wirkung politischer Maßnahmen 12
4. Zusammenfassung und Fazit 15
Literaturverzeichnis 16
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Einleitung
__________________________________________________________________ Einleitung
Wenn man den in jüngster Vergangenheit immer zahlreicher werdenden Beiträgen in renommierten Medien Glauben schenken darf, dann sehen sich insbesondere die modernen, westlichen Gesellschaften in Zukunft einer gespenstischen Herausforderung gegenüber: dem zunehmenden Rückgang und der Überalterung ihrer Bevölkerungen. Der Tagesspiegel etwa titelt mit Bezug auf die Situation in Deutschland Ä,P/DQGGHU.LQGHUORVHQ³Mudrak 2009) und informiert über einen der Hauptgründe für den demographischen Wandel. Im Economist wurde einer umfassenderen Darstellung des Themas eigens ein Special Report mit dem er- QFKWHUQGHQ7LWHOÄ$VORZ-EXUQLQJIXVH³JHZLGPHW (Beck2009). Es wird ein be-sorgniserregendes Szenario für den Fall gezeichnet, dass das Ende der brennenden Lunte erreicht ist. Die Folgen des demographischen Wandels, so heißt es dort, seien ökonomisch weitaus gravierender und auf lange Sicht einschneidender als die Folgen der aktuellen weltweiten Wirtschaftskrise. Durch die Medien wird versucht, die Wahrnehmung einer breiten Bevölkerungsschicht auf das demographische Dilemma zu lenken und eine öffentliche Debatte anzuregen. Eine Debatte die in der einschlägigen Fachwelt, insbesondere im sozialwissenschaftlichen Spannungsfeld zwischen Ökonomie, Soziologie und Politikwissenschaft, schon seit einiger Zeit geführt wird. In zahlreichen Veröffentlichungen wird eine Bestandsaufnahme dieser sozialen Entwicklung durchgeführt und die Auswirkungen auf unterschiedliche gesellschaftliche Bereiche analysiert und überdies kritisch interpretiert. Ausgehend von einer umfassenden Definition des demographischen Wandels als eine zunächst wertneutrale Beschreibung der Veränderung einer Gesellschaft im Hinblick auf Altersstruktur, Geschlechterverteilung, etc. wird vielfach in wissenschaftlichen Arbeiten der Begriff im Sinne eines langfristigen Rückgangs der Bevölkerungszahl und einer Überalterung der Gesellschaft verstanden. So auch in dieser Arbeit. Die Geburtenrate liegt nach Angaben des Statistischen Bundesamts (2006) für Deutschland derzeit bei knapp 1,4 und somit weit unter der für die Reproduktion der Gesellschaft erforderlichen Höhe von 2,1. Der Bedarf, dem demographischen Wandel mit bevölkerungspolitischen Maßnahmen zu begegnen, wird zusehends auch in den politisch-administrativen Systemen der meisten OECD-Staaten gese-
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Demographische Ausgangssituation
__________________________________________________________________ hen. Unbestritten ist die niedrige Fertilitätsrate eine der Hauptursachen für den prognostizierten Bevölkerungsrückgang und somit Ziel politischer Maßnahmen. Das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) hat hierzu beispielsweise ein Gutachten in Auftrag gegeben um die Möglichkeit für HLQH ÄQDFKKDOWLJH )DPLOLHQSROLWLN LP ,QWHUHVVH HLQHU DNWLYHQ %HY|ONHUXQJVHQt-ZLFNOXQJ³(Rürup/Gruescu 2003) zu prüfen.
Gesellschaftliche Notwendigkeit ist nur eine Seite der Medaille; biographische Entscheidungen für oder gegen Kinder werden im Privaten getroffen. Diese Arbeit will der Frage nachgehen, welche Möglichkeiten die Politik besitzt um diese individuellen Entscheidungen in eine für die Gesellschaft positive Richtung zu lenken. Kann Familienpolitik reproduktives Handeln des Einzelnen beeinflussen? Um eine Basis für die Analyse politischer Maßnahmen zu schaffen wird zunächst ein Überblick über die demographische Ausgangssituation gegeben. Ziel dieses ersten Abschnittes ist es, das Ausmaß des demographischen Wandels und die dafür verantwortlichen Ursachen aufzuzeigen. Darüber hinaus werden die Folgen hinsichtlich der demographischen Entwicklung dargestellt. Der zweite Abschnitt befasst sich mit den nationalen aber auch internationalen politischen Maßnahmen, die im Sinne einer aktiven Bevölkerungspolitik bereits implementiert wurden. Um die Frage der politische Steuerbarkeit des reproduktiven Handels be-antworten zu können, gilt es die im vorherigen Abschnitt erläuterten Maßnahmen auf ihre Bedeutung und Wirksamkeit hin zu analysieren. Das letzte Kapitel fasst die Analyse zusammen, stellt die grundlegende Bedeutung der Maßnahmen im Überblick dar und bietet eine kurze Stellungnahme zum Thema.
1. Demographische Ausgangssituation
Als Bestandsaufnahme der gegenwärtigen demographischen Ausgangssituation bildet dieses Kapitel die Grundlage für die kritische Analyse der familienpolitischen Maßnahmen der folgenden Abschnitte. Hierzu wird zunächst das Ausmaß des demographischen Wandels, sowohl in vergangener als auch zukünftiger Entwicklung, für einige OECD Staaten dargestellt und insbesondere auf die Situation der Bundesrepublik eingegangen. Darüber hinaus werden die wesentlichen Gründe angegeben, die zu einer Veränderung der Bevölkerungsstruktur führen.
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Demographische Ausgangssituation
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1.1. Ausmaß und Ursachen des demographischen Wandels
Seit den 1970er Jahren lässt sich für die meisten OECD-Staaten ein teils beträchtlicher Rückgang der zusammengefassten Geburtenziffer 1 beobachten. Bei einigen Ländern, wie etwa den Niederlanden und den USA, setzt dieser Trend sogar schon in den 1960er Jahren ein. Vergleicht man die Entwicklung, so lässt sich für alle betrachteten Länder (vgl. Tabelle 1) ein Absinken der Geburtenrate um etwa die Hälfte von Beginn der Betrachtung bis zum Tiefpunkt feststellen. Zudem ist in einigen Ländern, darunter Frankreich, Schweden und den Niederlanden, seit den 1990er Jahren ein gegenläufiger Trend und ein leichter Anstieg der Geburtenhäufigkeit zu beobachten.
Tabelle 1: Zusammengefasste Geburtenziffer ausgewählter OECD-Staaten (Fünfjahres-
durchschnitt 1950 ± 2015, Deutschland bis 1990 ohne DDR)
Für Deutschland scheint der Rückgang der Geburtenrate gestoppt, wenngleich das absolute Niveau mit 1,4 für das Jahr 2006 weiterhin relativ niedrig ist. Derzeit weisen nur Spanien und Italien eine niedrigere Geburtenhäufigkeit auf. Die für die Reproduktion der Gesellschaft notwendige Fertilitätsrate von 2,1 erreicht keiner der betrachteten Staaten. Nur durch Zuwanderung kann der Bevölkerungsstand
1 Durchschnittliche Zahl der Kinder, die eine Frau während ihrer fruchtbaren Lebensphase gebären kann; engl. Total Fertility Rate, TFR
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Demographische Ausgangssituation
__________________________________________________________________ derzeit auf einem nahezu stabilen Niveau gehalten werden (McDonald 2006: 485). Nach Kaufmann (2005: 54) würde bei einem jährlichen Migrationssaldo von etwa 120.000 eine Fertilitätsrate von 1,6 ausreichen, um das Bevölkerungsniveau der Bundesrepublik annähernd zu halten. 2 Werte unter dieser Grenze führen unweigerlich zu einem Rückgang der Gesamtbevölkerung. Wenn sich auch die Abnahme der Geburtenrate in Höhe und Zeitrahmen, hinsichtlich aller OECD-Staaten, als heterogen präsentiert, so ist man sich in der wissenschaftlichen Diskussion (siehe Birg 2001; Castles 2003; Kaufmann 2005) über die Liberalisierung der Gesellschaft als generelle Ursache des Ä]weiten demogra- SKLVFKHQhEHUJDQJV³ (vander Kaa 1987) einig. Darunter zusammengefasst werden Aspekte sozialen Wandels mit wesentlichem Einfluss auf die Fertilität, etwa die Einführung präventiver Verhütungsmittel. Diese ermöglichen es Paaren, entgegen sozialer Normen und Rollenvorstellungen und im Einklang mit den eigenen Präferenzen, eine individuelle Entscheidung für Kinder zu treffen (Bertram 2006). Auch das Familienbild und die Lebensverhältnisse haben sich im betrachteten Zeitraum einschneidend geändert. Neben der Ehe als klassischer Lebensgemeinschaft und Ort der Kindererziehung KDW HLQH Ä,QGLYLGXDOLVLHUXQJ XQG 3OXUDOLVLe- rungder LebensfRUPHQ³(Bertram/Borrmann-Müller 1988) stattgefunden. Kinder außerhalb der Ehe oder alleine zu erziehen ist nicht mehr ungewöhnlich. Darüber hinaus stieg die gesellschaftliche Akzeptanz von Scheidungen. Diese Entwicklungen führen insbesondere zur Emanzipierung der Frau, lassen aber auch einen Wandel des Fertilitätsverhaltes hin zu weniger Kindern und einem späteren Zeitpunkt der Mutterschaft deutlich erkennen (McDonald 2006: 489). Fortschritt war aber auch im Bereich Bildung und auf dem Arbeitsmarkt zu verzeichnen. Die neuen Möglichkeiten zur Erwerbstätigkeit von Frauen, insbesondere im Dienstleistungssektor, erforderten eine höhere Qualifizierung und somit auch eine Verlängerung der Ausbildungszeit (Bertram 2006: 203f). Die Frauenbeschäftigungsquote stieg nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit (2006: 5) alleine im Zeitraum zwischen 1993 und 2004 von 55,1% auf 59,2% an, ein im europäischen Vergleich überdurchschnittlicher Wert. Zudem stellen junge Frauen,
2 Bei dieser Betrachtung wird davon ausgegangen, dass weitere Einflussfaktoren stabil bleiben.
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Arbeit zitieren:
Christian Schader, 2009, Aktive Bevölkerungspolitik wider den demographischen Wandel, München, GRIN Verlag GmbH
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