A4 und ein Bleistift zur Verfügung gestellt. Nicht überall wurden diese Bedingungen eingehalten, manche benutzen z.B. auch Ölkreiden. In der späteren Auswertung der Zeichnungen ist Meili- Dworetzki vom Gesamteindruck der Untersuchung ausgegangen und von diesem zur Analyse einzelner auffälliger Merkmale vorgestoßen. Die Forscherin betonte, dass es sich bei ihrem Material- den Menschenzeichnungen- um ein Medium handelt, das, wie jedes Gestaltungsmaterial, von eigenen Bedingungen mitbestimmt ist und notwendigerweise nur Teilaspekte der Persönlichkeit enthüllt. Ebenfalls wurde der Begriff des „Normalen“ mit dem Einblick dieser diversen Spielarten der Menschenzeichnung relativiert, denn was in einem Kulturbereich, einer Gesellschaft als auffällig gelten mag (z.B. bestimmte Gliederhaltungen) kann in einem anderen Bereich oder in einer anderen Epoche eine häufige Variante darstellen und gute Angepasstheit an die spezifische Umgebung bedeuten. 3. Kultureller Vergleich der Körperdarstellungen Größe der untersuchten Zeichnungen
Gemessen wurde die Größe von „Scheitel bis zur Sohle“. Die Kinder wurden aufgefordert, den vorhandenen Platz auf dem Papier auch auszunutzen.
Der Mittelwert der japanischen KZ lag bei 21,8 cm, bei den Zeichnungen der Schweizer Kinder bei 21,8-24,6cm.
K. Machover sieht die Menschenzeichnung als Projektion des Zeichners selbst an und sieht in der Größe der gezeichneten Person einen Hinweis für das Energiepotential und das Selbstwertgefühl. Allerdings gibt es auch diverse Einflussfaktoren, die die Größe der gezeichneten Gegenstände mitbestimmen können- z.B. der Einfluss der vorhandenen Materialien (z.B. weiche Farbstifte, die die Bewegung und Linienführung erleichtern, stimulierend wirken). Kinder, die eine reiche Erfahrung mit Farbstiften und Malfarben besitzen, entwickeln ein allgemein größeres Maß für die Dimension der Darstellungsobjekte. Ein ebenso wichtiger Punkt ist der Status der schulischen Institutionen und somit die Förderung der kindlichen Kreativität. Die Schulen und Kindergärten verfügen in beiden Kulturen über genügend Material, über viele ausgebildete Erzieher und viele Räumlichkeiten, so dass die Kinder in relativ kleinen Gruppen ihre Bewegungsfreiheiten genießen können. So erklärt sich Meili- Dworetzki die Ähnlichkeiten in Bezug auf die Größe der Zeichnungen, da die Kinder beider Nationen relativ groß, expansiv und gar nicht gehemmt malen. Kopfformen und Gesichtsumrisse
Ein Beobachter westlicher Herkunft nimmt oft bestimmte Formgebungen in der Menschenzeichnung als „quasi-universell“ hin. In der westlichen Welt ist es selbstverständlich, dass eine Rundung (Kreis, Oval) beim Zeichnen eines Kopfes als Ergebnis erscheint. In der Analyse der Zeichnungen dieser Körperpartien wird jedoch deutlich, dass die japanischen Kopfpartien sich deutlich vom europäischen Typ unterscheiden. Die Tendenz herrscht vor den Kopf relativ groß darzustellen, meist dreieckig oder viereckig und oben gerade abgeschnitten. Meist ist die Kopfform sehr konform mit der tatsächlichen Kopfform der Japaner.
Haare werden bei den schweizerischen Kindern meist als einzelne vom Kopf abstehenden Striche gezeichnet. Japanische Kinder zeichnen die Frisur hingegen schon sehr früh präziser als die der Schweizer Kinder, die Haare setzen sich nicht als einzelne Striche an den Kopf heran, sondern durch umfassende Linien oder durch eine kompakte Gesamtform. Darüber hinaus unterscheiden sie die Frisur noch nach dem Geschlecht. Bei den Mädchen z.B. werden die Fransen in sehr scharfen Linien dargestellt und der volle Haarwuchs in entsprechender weiblicher Art frisiert. Man findet dort auch viele asymetrische Arrangements und viele Accessoires (Spangen etc.). Das könnte auf das vorherrschende Schönheitsideal in Japan zurückgeführt werden oder auf den Einfluss der Illustrationen und Schulbücher. Diese Charakteristik könnte aber auch mit der frühen Selbstidentifikation der Geschlechter in Japan
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in Verbindung stehen. Somit kommen kahlköpfige Figuren, selbst bei den Kopffüßlern oder anderen frühen Primitivformen, im Gegensatz zu Zeichnungen der schweizerischen Vorschulkinder, nur ganz selten vor. Das Vergessen der Haare stellte Meili- Dworetzki nur bei 16% der japanischen 4jährigen gegenüber 56% der vierjährigen Schweizer Kindern fest. Sowie ein großer Unterschied in der Haarpracht besteht, besteht er auch in Bezug auf die Behaarung im Gesicht. Bei den schweizerischen Zeichnungen sind der Schnurrbart und der Bart ein wichtiges Attribut des Mannes. In Japan spielt dies fast keine Rolle. Das führt man darauf zurück, dass Japaner generell weniger Körperbehaarung aufweisen und Bartstoppel darüber hinaus generell als unschön gelten. Augenpartie
Japanische Kinder differenzieren besonders früh das Gesicht mit seinen Hauptteilen. Die Augen sind meist aufrecht eingesetzt und wirken nicht mongolisch. Das übergroße ovale mandelförmige Auge wird immer dicht ausgefüllt und bleibt selten leer. Die schweizerischen Kinder hingegen zeichnen oft leere Rundungen und lassen kleine Stellen inmitten des Liniengebildes frei oder markieren einen einfachen Punkt als Pupille. Dieser schwarze Punkt-Pupille- steht im Kontrast zur hellen Iris.
Große Augen sind in der japanischen Kultur typisch für das Baby/ Kleinkind und spiegeln den Charme des Kindergesichtes wider. Das Ideal der Japanerin ist es möglichst großen Augen zu haben. Das eigene mongolische Auge genießt zwar hohes Ansehen in der darstellenden und neuen Kunst, nicht aber in der Realität. Angestrebt wird u.a. durch die kosmetische Chirurgie, die Angleichung an ein vom westlichen Schönheitsideal möglichst großes Auge ohne Mongolenfalte. Wenn man die Augenfärbung der Japaner mit der europäischen Augenfärbung vergleicht, fällt auf, dass das Farbspektrum zu dem farbenreichen europäischen Augen sehr dunkel und nur aufgehellt durch die Widerspiegelung des Lichtes wirkt. Im Vorschulalter unterscheiden die japanischen Kinder noch nicht den Umriss der Augen von Pupille und Iris. Jedoch wird dies im späteren Alter berücksichtigt. Der Vollständigkeit halber achten sie auch auf die richtig horizontal hingesetzte Gesamtform des Auges und berücksichtigen, gegenüber der relativen Vernachlässigung der Schweizer Zeichner, die Augenbraue. Die Augenbraue wird meist besonders tief direkt an den Augenrand stoßend gesetzt und besetzt in den Zeichnungen der jungen Japaner eine wichtige Rolle. Diese Dominanz kann u.a. wegen der konstitutionell bedingten starken Kontrastwirkung der Brauen auf der Haut eine Rolle spielen. Nach Meili- Dworetzki stehen starke männlichen Augenbrauen in der japanischen Welt (wie auch bei den Türken) symbolisch für Kraft und Stärke. Dagegen gehören feine weibliche Brauen zur weiblichen Schönheit und dem Zartgefühl der Frauen Somit determiniert die Augenbraue als mimischer Ausdrucksträger. Die Beachtung der Wimpern ist nicht so signifikant unterschiedlich zwischen den beiden Kulturen. Beide Kindergruppen fangen schon im Kindergarten damit an Augen mit besonders langen Wimpern zu bestücken. Jedoch ist in Japan der Unterschied zwischen den Geschlechtern wesentlich auffallender als in der Schweiz. Die Augen der weiblichen Japanerinnen werden mit viel mehr Wimpern ausgestattet als die Augen der Männer. Das beruht jedoch nicht auf dem biologischen Unterschied des realen Menschen, sondern zeigt dem Betrachter nur, dass die kunstvolle Ausschmückung des Auges bei den Mädchen ein Symbol für das Schönheitsideal der Frau ist.
All diese Betonungen der Augenpartien können in der größeren Flachheit des japanischen Gesichtes begründet liegen, indem sie den einzelnen Teilen eine größere Prägnanz zusprechen, als dem Gesicht des europäischen Typus.
Bei der Nasenform fand Meili Dworetzki heraus, dass man weder bei den Zeichnungen der Schweizer Kinder noch bei den Zeichnungen der japanischen Kinder eine durchgehend charakteristische Nasenform vorfinden konnte. So wie der Betrachter eine Tendenz der Überbewertung bei den großen Augen in den japanischen Zeichnungen feststellen kann, so kann man hier eine Tendenz zur Unterbewertung der Nase vorfinden. Bis zum Schuleintritt
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fehlt die Nase in den japanischen Zeichnungen viel häufiger als in den Schweizer Zeichnungen. Eine Begründung dafür könnte sein, dass die Nase der Japaner sehr flach und somit nicht sehr prägnant ist. Es könnte aber auch daran liegen, dass die japanischen Kinder ihre Menschen weniger im Profil zeichnen als die Schweizer Probanden. Im Allgemeinen stellte Meili- Dworetzki fest, dass die Kinder in der Schweiz die Nase mehr nach den eigenen Vorstellungen und kindlicher Spielfreude zeichnen (schematisch- Strich, Dreieck, offene Rundung) und weniger Realismus vorherrscht. In Japan machte sich einerseits in der Nasenvariation (z.B. Winkelnase) mehr Konformismus andererseits mehr visueller Realismus bemerkbar. Mund und das Lächeln
Universell findet man zunächst bei beiden Nationen einen eindimensionalen Strich, der den Mund vertreten soll. In der späteren Entwicklung wird der Mund bei den Japanern hingegen oft mit herabgehender Unterlippe dargestellt, diesen Formtyp findet man bei den japanischen Puppengesichtern sowie in den modernen Bildern der Kinomo Damen wieder. In der Schweiz stellt der hinausgehobene Bogen die häufigste Form des Lächelns dar (80%). Oft drückt dies jedoch nicht die unmittelbare Stimmung der Kinder aus, sondern der hinausgehobene Bogen ist eine erlernte, schablonenartige Formgebung.
Man sagt, dass das Lächeln im Säuglingsalter die erste mimische Äußerung ist, bei der es zu einer Interaktion zwischen Kind und Bezugsperson kommt. So universal der mimische Ausdruck sein mag, so prägnant ist er auch von Einflüssen der Sozialisierung geprägt. Dies wird in Japan besonders für das weibliche Geschlecht sehr deutlich, da es sich unabhängig von der Gefühlslage nicht gehört zu Lächeln. Die Mädchen müssen ihre Gefühle unter Kontrolle haben bzw. sie im schlimmsten Fall verbergen. Die Beherrschung sowie die Rücksichtsnahme und die Wahrung des Gesichts ist oberstes Gebot. Liegt das am gestiegenen Leistungsdruck oder an der Hypothese, dass die neue Generation die Generation der Griesgrämigen ist? Im Allgemeinen kann man sagen, dass man bei den Zeichnungen der japanischen Kinder die Geschlechtsunterschiede im Gesicht ablesen kann, da die japanischen Kinder rund dreimal so oft wie die Schweizer Kinder bei ihrer Darstellung die geschlechtsspezifische Form des Mundes (zum Dreieck tendierende Form bei Mädchen) beachten. In den Zeichnungen der Schweizer Kinder erkennt man den
Geschlechtsunterschied nur durch Beiwerke wie z.B. Pfeife, Stock, Hut, Blumen im Haar, Uniformen, Waffen etc..
In Meili Dworetzki´s Auswertungen zum Rumpf, wird deutlich, dass dieser durch verschiedene Symbole verkörpert wird. Generell kommen rechteckige Formen am häufigsten vor, dann gerundete, schließlich die dreieckige oder trapezoide Form und nur ganz selten ein drahtförmiges Gebilde. Die Schweizer Kinder malen, im Gegensatz zu den Japanischen Kindern (4%), oft einen ovalen oder runden Leib. Japanische Zeichner tendieren dagegen früher zu organischen Verbindungen. Meili Dworetzki stellt heraus, dass erst durch die wachsende Beachtung der Binnengestalt an den Nahtstellen (Übergang zu Kopf und Gliedern) den jungen Zeichnern organische Formen gelingen Dieser Übergang wird in der Bewertung nach Goodenough- Harris als wichtiger Punkt bei der Bestimmung des Entwicklungsalters festgehalten, da er deutlich vom Alter abhängt. Warum die jungen Schweizer bevorzugt runde Bäuche malen, könnte man auf das Spielerisch - Unwirkliche mit einer Verfremdungstendenz der männlichen Person (z.B. Clowns) zurückführen.
Bei den Gliedmaßen und der Haltung der Menschenzeichnung stellt die Autorin Meili-Dworetzki fest, dass der Stand, der bei kaukasischen Kindern in der ersten Klasse erreicht wird, bei den japanischen Kindern schon im Kindergarten festzustellen ist. Auch hier zeigen die jungen japanischen Zeichner eine große Tendenz zu organischen restriktiven Formen wobei die jungen schweizer Zeichner eher noch zu den schematisch steifen expansiven Formvarianten tendieren. Wie bei anderen Teilen der Gesamtfigur sind bei den japanischen Kindern auch die Zeichnungen der Gliedmaßen im Ganzen durch frühere Differenzierung
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Arbeit zitieren:
Maike Jaeger, 2009, Kinderzeichungen- Kulturelle Determination, München, GRIN Verlag GmbH
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