Wie auch der Bau des Petersdoms in Rom, übte auch der Bau der Jesuitenkirche Il Gesù in Rom einen großen Einfluss auf die Kirchenbaukunst im Barock aus. Sie wurde von Giacomo Barozzi da Vignola (1507 - 1573), einem der großen italienischen Architekten des Manierismus im 16. Jahrhundert, ab 1568 gebaut. Nicht nur die Merkmale einer Basilika, sondern auch die des Zentralbaus sind in der Architektur dieser Hauptkirche des Jesuitenordens integriert.
Ein längsgerichteter Kuppelbau vereint zwei flankierende Kapellenreihen, die zur Beichte und der Anbetung der Heiligen dienen, und ein Mittelschiff, in dem das rituelle Geschehen von allen Besuchern der Kirche mitzuverfolgen ist. Der Innenraum der Kirche ist geprägt vom Einfließen weißen Lichtes, das als göttliches Licht das Raumvolumen füllt. Viele Vor- und Rücksprünge lassen die Fassade der Kirche unruhig erscheinen. Sie ist in zwei Geschosse gegliedert, wobei der untere Teil weitere Gliederungen aufweist, die im Obergeschoss wieder aufgegriffen werden. Des weiteren werden die Hauptschiffe und die Kapellen von außen mit Voluntenformen optisch miteinander verbunden. Der Eingangsbereich ist durch Säulen betont. Die Vereinigung von Tempelgiebel und Segmentbogen in einer Fassade zeigen eine betont antiklassische Haltung. Ein weiterer einflussreicher Architekt des italienischen Barocks ist der aus der Schweiz stammende Francesco Borromini (1599 - 1667). Um seine Fähigkeiten auch in Italien an einem selbstständigen Projekt unter Beweis stellen zu können, erbaute er 1634 bis 1641 die dem heiligen Carlo Borromeo geweihte Kirche San Carlo alle Quattro Fontane. Ihren Beinamen verdankt die Kirche den vier Brunnen, die an den Ecken der Kreuzung der Straßen Via Quirinale und Via delle Quattro Fontane positioniert sind. Die Fassade und auch der ganz in weiß gehaltene Innenbereich der Kirche ist von dynamischen Bewegungen geprägt. Besonders im Eingangsbereich kommt dies durch die phantasievolle und freie Gestaltung des Wechsels von Konkav- und Konvexformen zur Geltung. Auch in anderen Ländern, wie Deutschland und Österreich lässt sich eine Entwicklung dieser Formen zu der Zeit entdecken.
Borromini befasste sich weiterhin mit der architektonischen Gestaltung oder dem Ausbau weiterer Kirchen, wie der der Sant Ivo della Sapienza. Diese Kirche wurde Ivo, dem Schutzpatron der Juristen an der katholischen Universität, geweiht.
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Insgesamt zeugt die Kirche von einem hohen Maß an theatralisch inszenierter Architektur. Ihr Innenhof, der aus dem 16. Jahrhundert stammt, wurde von Giacomo della Porta entworfen.
Später wurde der Gebäudekomplex durch eine Exedra von Borumini ergänzt. Der Innenraum ist auch hier durch eine mehrgeschossige Gliederung unterteilt, die ein ständig wechselndes Spiel von verschiedenen Formen aufweist. Dabei befinden sich im unteren Teil vorwiegend konkave Formen, während die Kuppel mit Konvexformen durchsetzt ist. Die Laterne, ein turmartiger Kuppelaufsatz mit Lichtöffnungen, ist konkav gebaut und bildet die spiralförmige Spitze der Kirche. An ihr befinden sich gekuppelte Säulen.
Auch den Bau der Kirche Sant Agnese in Agone führte Borromini, als Nachfolger der Architekten Rainaldi, fort.
Sie befindet sich an der westlichen Längsseite der Piazza Navona in Rom. Die Piazza Navona ist auf das, bereits um 86 nach Christus erbaute, antike Stadion des Domitian zurückzuführen, in dem damals unter anderem musikalische Darbietungen, athletische Wettbewerbe oder das Wagenrennen stattfanden. Die barocke Nutzung des Platzes sah eine Theatralisierung des Alltagslebens vor. Dabei ließ man die Brunnen auf dem Platz überlaufen, sodass das Wasser den Platz überschwemmte und die Bürger darin badeten. Die Kirche Sant Agnese in Agone bildet mit ihrer breiten Fassade, den beiden Glockentürmen und mit der nur wenig höheren Kuppel eine überaus harmonische Anlage, deren Grundriss eine deutliche Querorientierung aufweist. Durch die eingeschossige Anlage wird die Horizontale sehr betont. Ihre Fassade selbst bildet durch konkave Formen einen Raum. Weiter sind Türme in die Fassade integriert. Die Kuppel der Kirche wird durch einen optisch dominanten Tambour mit dem Unterbau verbunden. In ihm werden die Doppelpilaster, die bereits im Untergeschoss auftauchen, wiederholt. Auch hier findet sich, wie bei der Kirche Il Gesù, in der Fassade das Tempelgiebelmotiv. Ebenfalls auf der Piazza Navona und in unmittelbarer Nähe zur Kirche befindet sich der Vierströmebrunnen (Fontana dei Quattro Fiumi), der von Gian Lorenzo Bernini (1598 -1680) 1648 bis 1651 erbaut wurde. Vier Männerfiguren an den jeweiligen Ecken des Brunnens personifizieren die damals bekannten vier Erdteile mit ihren zugehörigen Flüssen (Nil, Ganges, Donau und Rio de la Plata). Kunst und Natur werden hier in Form der
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Menschendarstellung, eines simulierten Felsmassivs, der Flüsse und des Wassers in einem Kunstwerk vereint.
Bernini wurde nicht nur durch seine Plastiken, sondern auch durch bewundernswerte malerische und zeichnerische Werke bekannt. Neben seinem Dasein als Architekt, Zeichner oder Bildhauer betreute er viele Schüler und Meister. In seiner ersten Schaffensphase lässt sich Kunst als Nachahmung ausmachen, während er in einer zweiten Phase Kunst als Gattung einer Idee auslegt.
1632 fertigte er ein Portrait des Kardinals Scipione Borghese an. Zu dieser Zeit beruhten seine Portraits auf Beobachtung und psychologischen Kenntnissen, das heißt nicht auf etwa auf einer Idealdarstellung. Das Portrait des Kardinals weist also eine lebensnahe Darstellung auf.
Diese realistische Haltung Berninis wird einige Zeit später aufgehoben, in der nun nicht mehr „Bildnistreue“ sondern „Größe“ im Vordergrund steht.
1650 entstehen zwei Repräsentationen des Sonnengotts mit dramatischer Formensprache. Die Darstellungen sind von Expressivität geprägt, die sich besonders in der Lockenfülle und den bewegten Gewändern widerspiegelt. Hier lässt sich die Tendenz zur Idealisierung ausmachen.
Interessant erweist sich der Vergleich von Daviddarstellungen. 1435 schuf Donatello (1386 - 1466) eine lebensgroße Statue als Abbild des David. 1475 dann griff Andrea del Verrochio (1435/36 - 1488 ) das Thema auf, 1502 bis 1504 arbeitete Michelangelo Buonarotti (1475 - 1564) an einer fünf Meter hohen Skulptur des David und 1623 entwarf Bernini eine zwei Meter hohe Statue desselben. Beim chronologischen Vergleich der Darstellungen wird deutlich, dass zunächst bei Donatello und Verrochio die tatenlose Repräsentation des David dargestellt wird, wobei Michelangelo diesen vor seiner Aktion abbildet und Bernini dann mit einem expressiven Handlungsgestus die volle Bewegung des Akteurs darstellt. Das Aktionsmoment ist durch ausdrucksvolle Bewegung noch gesteigert, hingegen wird eine statische Abbildung vermieden. Besonders hier wird wieder die antiklassische Haltung des Barocks deutlich.
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Arbeit zitieren:
Julia Mrosek, 2007, Architekten des italienischen Barocks und ihre Werke , München, GRIN Verlag GmbH
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