Inhaltsverzeichnis:
1.Einleitung: Ziel, Inhalt, Methoden der Arbeit 3
2.Zum Wortschatzbegriff im Fremdsprachenunterricht 4
3. Lernziele für die Wortschatzarbeit 5
4.Traditionelle Formen der Wortschatzarbeit 7
4.1 Semantisierung 8
4.2 Einleitendes zum Thema : Übung, Festigung und Erweiterung des Wortschatzes 13
4.3 Übungskonzepte und Lösungen 14
4.4 Von der Übung zur Anwendung 18
5.Kreativität im fremdsprachigen Deutschunterricht 20
6.Kreative Wortschatzarbeit 20
6.1 Semantisierung und Anwendung 21
6.2 Übungskonzepte und Lösungen 28
7. Chancen und Probleme traditioneller und kreativer Wortschatzarbeit 34
8. Schlusswort 38
9.Quellenverzeichnis 39
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1. Einleitung: Ziel, Inhalt, Methoden der Arbeit
Nachdem die Wortschatzdidaktik lange Zeit vernachlässigt wurde, haben sich auf diesem Gebiet einige Veränderungen ergeben. Neben den traditionellen Methoden der Wortschatzarbeit gewinnen heutzutage auch kreative Konzepte im fremdsprachigen Deutschunterricht zunehmend an Bedeutung. Sighert Latzel betont, dass Wortschatz das Wichtigste ist, (…)„was man erwirbt, wenn man sich eine Fremdsprache aneignet“. ( 169: 1993).
Das Ziel meiner Arbeit ist es zu untersuchten, ob kreative Übungen in der Wortschatzarbeit mehr leisten können als traditionelle Übungsformen. Letztere werden sich ausschließlich auf fortgeschrittene Lernende beziehen. Da kreative Wortschatzarbeit sich schwer auf eine bestimmte Niveaustufe übertragen lässt, werden in meinen Ausführungen alle Stufen der Sprachbeherrschung berücksichtigt. Dazu werden die Konzepte der traditionellen und kreativen Wortschatzarbeit dargestellt. Die Präsentation des jeweiligen Konzeptes in Hinsicht auf das Semantisierungsverfahren, konkrete Übungskonzepte und die Anwendung des Sprachgebrauchs soll die wichtigsten Unterschiede aufzeigen. Da die Ausführungen sich auf die Übungskonzepte zur Erweiterung und Festigung des Wortschatzes beziehen, ist es erforderlich einige einleitende Informationen zum Thema Übung, Festigung und Erweiterung des Wortschatzes abzugeben. Vor der Schilderung der drei Phasen der traditionellen Wortschatarbeit, wird allgemein auf die traditionelle didaktische Sicht, sowie auf die wichtigsten Merkmale dieser Sicht eingegangen. In meiner Arbeit wird gezeigt, dass es jede Menge von traditionellen Semantisierungsverfahren gibt. In der Theorie erweist sich jedoch, dass die Mehrzahl der vorhandenen Varianten der Verfahren nicht angewendet wird. Außerdem „zeigt die Unterrichtspraxis, dass in den meisten Fällen der Lehrer die Erklärungsverfahren auswählt, die Erschließung steuert und den Lernererfolg kontrolliert. „ (Bohn 1999: 72).
Im zweiten Teil meiner Ausführung gehe ich mit ähnlicher Vorgehensweise auf die kreative Wortschatzarbeit ein. Zunächst werde ich das Thema Kreativität im Fremdsprachigenunterricht näher erläutern. Hierbei werden das
Semantisierungsverfahren und die Anwendung zusammen behandelt.
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Zuerst wird ein sehr interessanter und kreativer Vorschlag der mündlichmuttersprachlichen Bedeutungsvermittlung dargestellt.
Weiterhin widme ich mich dem Stellenwert des kontextuellen Erschließens. Gerhard Röhr bemängelt bei Lernenden die bewusste und selbständige Wortschatzarbeit aus dem Kontext. „ Strategien, die einerseits die beim Erschließen ablaufenden kognitiven Prozesse berücksichtigen, andererseits aber auch ihren Niederschlag in der praktischen Unterrichtsarbeit finden, werden fast nirgends angeboten“ (Röhr 211: 2000) Deswegen spielen „so genannte komplexitätsreduzierende, lernerleichternde Merkmale“ eine wichtige Rolle. ( ebd. 2000 : 212)
In einem weiteren Abschnitt meiner Arbeit werden die Semantisierungsverfahren unter interkulturellen Gesichtpunkten betrachtet. Ein anderer Autor, der sich mit der kreativen Wortschatzarbeit auseinander zusammengesetzt hat, ist Dieter Wolff. Er kritisiert hauptsächlich die Rolle des Lehrers, der nahezu das gesamte Unterrichtsgeschehen steuert, während dessen die Lernenden passiv bleiben und somit ihre Kreativität in den Lernprozess kaum einbringen können. Deswegen schlägt der Autor vor, die schöpferische
Wortschatzarbeit in einem autonomen Klassenzimmer durchzuführen, wo die kognitive und konstruktivistische Wortschatzdidaktik eine zentrale Rolle spielt. Auch die textuelle Wortschatzarbeit führt zu der kreativen Entfaltung der Lernenden. „ Das Wortschatzlernen in Schreibwerkstätten hat nicht nur den Vorteil der konsequenten Kontextualisierung, sondern ermöglicht auch eine lernergesteuerte Arbeit und Progression.“ ( Kühn 2000: 13).
Im letzen Teil meiner Ausführungen werden zusammenfassend die Chancen und Perspektiven der traditionellen und kreativen Wortschatzarbeit dargestellt. Die Vorgehensweise geschieht durch den direkten Vergleich der beiden Methoden.
2. Zum Wortschatzbegriff im Fremdsprachenunterricht
Der Wortschatz spielt bei der Aneignung einer Fremdsprache eine zentrale Rolle. Die Fremdsprachenlerner müssen nicht nur die Aussprache, Morphologie, Bedeutung oder Verwendung von jedem Lexem kennen sondern auch seine Valenzeigenschaften und die Kollokationsbeschränkungen kennen lernen (vgl.
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Bausch 2003. 280). Der Wortschatzbegriff wird unterschiedlich definiert. Ein Vorschlag einer allgemeinen Definition lautet: „All jede Wörter, die einer Person zum Verstehen und zur Kommunikation zur Verfügung stehen, bilden gesamten Wortschatz. Dieses
Inventar besteht bei den meisten Personen nicht nur aus Wörtern einer Sprache, sondern aus
Wörtern vieler verschiedener Sprachen, die verstanden werden oder in denen kommuniziert
werden kann“ (Ender 2007: 63). Helmut Vollmer fasst den Begriff Wortschatz sehr weit. Laut dieses Autors zählen zum Wortschatz: „Wörter, Redewendungen, idiomatische Wendungen, oder sonstige konventionalisierte, in einer Sprechergemeinschaft übliche expressions, Redewendungen, Redemittel“( 193: 1995).
Es lassen sich zwei Arten von Wörtern unterscheiden. Zu der offenen Klasse gehören die Inhaltswörter wie Verben, Nomen, Adjektive. Zur zweiten Gruppe zählen so genannte Funktionswörter(grammatische Morpheme)wie Konjugationen, Artikel und Präpositionen. (vgl. Storch 1999: 56) .Es ist ebenfalls wichtig zu erwähnen, dass man in der Sprachdidaktik zwischen Mitteilungswortschatz, Verstehenswortschatz und potenziellem Wortschatz unterscheidet. Den Mitteilungswortschatz benutzt der Lerner in einer Fremdsprache aktiv, also kann er daraus Sätze bilden. Der Umfang des Verstehenswortschatzes ist wesentlich größer. Er umfasst die lexikalischen Einheiten, die man beim Lesen und Hören verstehen kann. Alle zusammengesetzten und abgeleiteten Wörter, die dem Lernenden als solche nicht bekannt sind, die aber ohne Erklärung verstanden werden, lassen sich als potenzieller Wortschatz bezeichnen( vgl. Bohn 1999: 24).
3. Lernziele für die Wortschatzarbeit
Bevor genauer auf die Lernziele für die Wortschatzarbeit bei der jeweiligen Sprachstufe eingegangen wird, werden die Lernziele allgemein umrissen. Da sich die vorliegende Arbeit auf die traditionelle Wortschatzarbeit für fortgeschrittene Lernende bezieht, wird diese Niveaustufe besonders berücksichtigt. Löschman sieht das Ziel der Wortschatzarbeit in Aneignung des Wortschatzes, der: - je nach Situation und Kommunikationsintention zur Verfügung steht
- rasch abzurufen ist
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- nach Bedarf verknüpfbar ist - korrekte Anwendung finden kann (vgl. 1993. 29)
Mit der Erweiterung der fremdsprachlichen Kenntnisse steigt der Umfang des Wortschatzes. Die Zahl der beherrschten Wörter beträgt bei der Grundstufe ungefähr 2.000. Während sich bei der Mittelstufe die Menge der lexikalischen Einheiten verdoppelt. Die Fortgeschrittenenstufe fordert min. 6000 lexikalische Einheiten. (vgl. Bohn 1999: 34 ).
Da der Wortschatz im Anfängerunterricht begrenzt ist, steht den Lernenden kein so breites Spektrum von Wortschatzübungen zur Verfügung. Der Schwerpunkt liegt eher auf den grammatischen Regeln. Definitionsübungen sind auf dieser
Stufe nicht relevant. Auch Paraphrasierungen oder semantische Wortbildung sind stark eingeschränkt. Erst im Laufe der Zeit gewinnt die Wortschatzarbeit an Bedeutung. So können neben bildlichen auch verbale Veranschaulichungen eingesetzt werden.( vgl. Löschmann 1993:106, 109). Die Grundkenntnisse sollten dem Lernenden erlauben „vertraute, alltägliche Ausdrücke und ganz einfache Sätze zu verstehen und zu verwenden.“
(http://voca.kaywa.ch/files/NiveaustufenEuropaSprachreferenzrahmens.pdf).Mit den
zunehmenden Sprachkenntnissen wird der Wortgebrauch immer größer. Der Umgang mit Synonymen, Phraseologismen, Polysemen , Metaphern wie pragmatisch - modalen. Die Vielfalt der verwendeten Lernstrategien sowie die selbständige Arbeit wird immer deutlicher zu sehen(z.B. die Verwendung von nicht nur zwei - und einsprachigen Wörterbüchern sondern auch anderer Spezialnachschlagwerke) (vgl. Löschmann. 1993: 108-109). Darüber hinaus kann der fortgeschrittene Lernende „….bei unbekannten Wörtern Schlüsse aus der Form oder dem Kontext auf die Bedeutung zeihen, neue Wörter mit schon bekannten in Beziehung setzen, Memorierungsverfahren optimieren…“.( Börner 2000: 47) Die fortgeschrittene Sprachbeherrschung ermöglicht den Lernenden anspruchvolle, längere Texte zu verstehen. Die Lernenden können fließend ihre Gedanken äußern, ohne nach bestimmten Wörtern öfter suchen zu müssen. (vgl. http://voca.kaywa.ch/files/NiveaustufenEuropaSprachreferenzrahmens.pdf) Im Bezug auf den Erwachsenen wird folgendes betont: „Da der Fortgeschrittene über ein ausgeprägtes Modell der Außenwelt verfügt, das u.a. in klar umrissenen
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Interessen zum Ausdruck kommt, müssen die spezifischen Bedürfnisstrukturen“ beachtet werden. z. B Auswahl der Themen. ( Löschmann 1984 :14) .
4.Traditionelle Formen der Wortschatzarbeit
Die traditionelle Wortschatzarbeit umfasst drei Phasen. In der ersten Phase (Darbietungsphase) wird anhand verschiedener Vermittlungsmethoden neuer Wortschatz eingeführt. In der Übungsphase „ ist vor allem das Einüben des Erkennens und Verstehens der neuen lexikalischen Einheiten / Strukturen (…)“ wichtig (Bausch 2003: 281). Dabei ist notwendig zu erwähnen, dass der Lehrer das Einüben des Wortschatzes über eine Anzahl genau festgelegter
Übungskonzepte durchführt. ( vgl. Wolff 2000 :109). Im nächsten Schritt unterstützt er, (…)“ über ein geschlossenes Inventar von Aktivitäten, die Intergration, des in den ersten beiden Phasen neu erworbenen Wortschatzes in den bereits vorhandenen Wortschatz des Lerners (Integrierungsphase)“ (Wolff 2000 :109). Peter Doye äußert sich klar im Vorwort seines Buches „ Systematische Wortschatzvermittlung im Englischunterricht“, dass das Beherrschen einer Fremdsprache mit Kenntnis von Lexik und Grammatik verbunden ist. Obwohl die Untersuchungen in der Fremdsprachendidaktik darauf hinweisen, dass man Wörter aus dem Kontext erschließen kann, ist die Auffassung von Doye in der Praxis des kommunikativen Unterrichts weiterhin sehr aktuell.( vgl. Wolff 109) Zusammenfassend unterscheidet Dieter Wolff folgende Merkmale traditioneller Sicht der Wortschatzarbeit:
- Der Lehrer spielt eine zentrale Rolle bei der Wortschatzarbeit. Die Bedürfnisse der Schüler während des Unterrichtes werden nicht berücksichtigt. Sie müssen sich dem jeweiligen Angebot der Lehrperson unterordnen. - Über die Evaluation der Lernleistung entscheidet ebenfalls der Lehrer. Selbstevaluation findet nicht statt. Schüler erhalten deshalb kein den Lernprozess verbesserndes Feedback. (vgl. 111)
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4.1 Semantisierung
Bevor die traditionellen Techniken der Bedeutungserklärung präsentiert werden, ist es erforderlich den Semantisierungsprozess zu definieren. Unter dem Terminus Semantisierung (Bedeutungserklärung) wird allgemein die Erklärung der
Bedeutung lexikalischer Einheiten (Wort, Wortgruppe, idiomatische Wendungen) verstanden.
Es gibt zwei Gruppen von Semantisierungsverfahren und zwar die nicht sprachlichen (nonverbalen) und die sprachlichen Erklärungsverfahren. Die Letzteren lassen sich noch in einsprachige und zweisprachige unterteilen. Die nonverbale Semantisierung wird häufig bei Anfängern und im Unterricht mit Kindern eingesetzt. Der Lehrer kann durch Demonstration verschiedener
Gegenstände aus der Lernumgebung wie z.B. Buch, Tafel neuen Wortschatz vermitteln. .Auch Emotionen wie (erschrecken, lachen) können durch den Einsatz von Gestik und Mimik zum Ausdruck gebracht werden. Ebenfalls durch Körpersprache können Bedeutungen neuer lexikalischen Einheiten erklärt
werden.(vgl. Storch 1999: 58) Rainer Bohn bringt einige Beispiele für die Verdeutlichung von Situationen z.B. frieren, Bauchschmerzen haben. Weiterhin können bestimmte Wortbedeutungen durch das Nachahmen von verschiedenen Geräuschen präsentiert werden z.B. schmatzen, pfeifen oder husten. (vgl. 1999 :62, 63)
Die nächste Möglichkeit der nonverbalen Semantisierung ist die Erklärung mit Hilfe von Bildern, die allerdings häufig auf scharfe Kritik stößt. Lutz Köster( vgl. 1994: 38) hat in seinen Ausführungen die negativen Stimmen zusammengefasst. Für Hammerly(1974) sind Bilder keine zuverlässige Semantisierung. Bodensieck (1967) und Lübke (1971) weisen ebenfalls auf die Uneindeutigkeit der Bilder hin. Auch in den aktuellen Quellen ist der Einsatz von Bildern als
Semantisierungsverfahren Gegenstand der Kritik. Bohn (1999 : 6O, 61) berichtet, dass selbst bei Zeichnungen von konkreten Gegenständen dieses Semantisierungsverfahren zu Missverständnissen führen kann. Weiterhin erklärt er anhand von zwei Zeichnungen von Bäumen, die eventuell als Nadel- und Laubbaum zu erkennen sind, dass die Differenzierung als Fichte, Kastanie oder Buche nicht möglich ist. Allerdings gibt es auch wenige Autoren wie z.B. Storch,
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Bachelor Justyna Ponikowska, 2009, Kreative Übungen zur Erweiterung und Festigung des Wortschatzes im fremdsprachigen Deutschunterricht, München, GRIN Verlag GmbH
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