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Der fremde Gott im "Tristan" Gottfrieds von Straßburg

Title: Der fremde Gott im "Tristan" Gottfrieds von Straßburg

Seminar Paper , 2003 , 15 Pages , Grade: 2,0

Autor:in: Susanne Fass (Author)

German Studies - Older German Literature, Medieval Studies
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Im "Tristan" Gottfrieds von Straßburg wird vom Namen Gottes, ebenso wie von der Darstellung religiöser Anschauungen und Verfahrensweisen, in vielfältiger Weise Gebrauch gemacht. Oft wirken diese Darstellungen fremd. Diese "Fremdheit" kann man auf verschiedenen Ebenen feststellen. Nicht nur aus heutiger Sicht muten diese Schilderungen eigenartig an, manche Verfahren waren schon im Mittelalter nicht mehr zeitgemäß. Ebenso zeigen die handelnden Personen selbst ein widersprüchliches Verhalten gegenüber Gott, auch ihnen ist dieser offensichtlich fremd. Eine weitere Ungewissheit findet sich in den ungeklärten Absichten Gottfrieds. Auch nach vielen Erforschungen, kann man immer noch keine eindeutige Aussage über seine wahre Absicht solcher Gottesdarstellungen machen. Eine derartige "Fremdheit" kann man im gesamten "Tristan" feststellen; aber vor allem in einigen zentralen Szenen wird diese deutlich.
Die Frage, mit der sich diese Arbeit beschäftigen soll, lautet daher: Wie kann man die fremd wirkenden Darstellungen interpretieren und was wollte Gottfried mit dieser Art der Gottesschilderung bewirken?

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Intention der religiösen Motive

2.1 Die ere als höchster Grundsatz

2.2 Leid und List

2.3 Wahrheit

2.4 Veränderungen gegenüber der Vorlage

2.5 Gottfrieds Intention

3. Die Herkunft und die Funktion der Gottesurteile im Mittelalter

3.1 Das Zweikampfrecht

3.2 Die Eisenprobe

4. Die Fremdheit der Gottesdarstellungen aus heutiger Sicht

4.1 Die Verfügung über Gott in der Episode des Moroldkampfes

4.2 Der instrumentalisierte Gott in der Episode des Tantris

4.3 Der manipulierte Gott in der Episode des Gottesurteils

4.4 Der Helfergott in der Episode des Gottesurteils

5. Die Fremdheit Gottes gegenüber den handelnden Personen

5.1 Unsicherheit der handelnden Personen

5.2 Die zweideutige Rede

6. Die heutige Fremdheit Gottfrieds Kommentars

6.1 Ernste Interpretation

6.2 Ironische Interpretation

7. Zusammenfassung

8. Literaturangabe

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die Darstellung Gottes und religiöser Motive im "Tristan" Gottfrieds von Straßburg. Ziel ist es zu analysieren, warum diese religiösen Verfahrensweisen fremd wirken und welche Absichten der Autor mit der spezifischen Schilderung religiöser Konzepte im Kontext der höfischen Gesellschaft verfolgt.

  • Die Instrumentalisierung Gottes durch Tristan und Isolde
  • Die Funktion von Gottesurteilen im höfischen Kontext
  • Die Diskrepanz zwischen menschlichem Handeln und göttlicher Ordnung
  • Die Deutung von Gottfrieds Kommentar zum Gottesurteil (ernst vs. ironisch)
  • Die Wahrnehmung der Gottesdarstellungen aus heutiger Sicht

Auszug aus dem Buch

4.1 Die Verfügung über Gott in der Episode des Moroldkampfes

Wie die Menschen über Gott verfügen, wird besonders durch die Argumentation Tristans in der Morold-Episode deutlich. Hier erklärt er, dass die Tributforderung Morolds nicht rechtmäßig ist. Dieser Rechtszustand, so Tristan, gründet nämlich auf Gewalt, dies macht ihn illegitim. Durch jene Argumentation stellt er im darauf folgendem Kampf, nicht sich selbst in Gottes Dienst, wie dies laut der christlichen Theologie zu erwarten wäre, sondern Gott tritt in den Dienst von Tristan. Denn dieser soll ihm, da er im Recht ist, nun zur Seite stehen.

In dieser Darstellung ist Gott aber keine oberste Rechtsinstanz mehr. Er übernimmt hier eher die Funktion eines Befehlsempfängers der Menschen. Denn allein die Menschen haben die Maßstäbe des ‚irdischen‘ Rechts gesetzt. Gott steht hierbei nur die Aufgabe zu, die Handlungen dieser zu legitimieren. Zusammenfassend kann man diesen Umstand wie folgt beschreiben: ‚Der Mensch denkt und Gott lenkt‘. Bei einer derartigen Lenkung steht diesem allerdings kein Mitspracherecht mehr zur Verfügung. Das Urteil wird also nicht von Gott, als einer unabhängigen Rechtsinstanz, gefällt. „In den Gottesurteilen erblicken die Menschen wie in einem Spiegel nur das, was sie selbst zuvor festgesetzt haben.“

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Einführung in die Thematik der fremd wirkenden Gottesdarstellungen im "Tristan" und Formulierung der zentralen Fragestellung.

2. Intention der religiösen Motive: Untersuchung der religiösen Motive vor dem Hintergrund höfischer Werte wie 'ere' und der Notwendigkeit von List und Betrug.

3. Die Herkunft und die Funktion der Gottesurteile im Mittelalter: Erläuterung der historischen Grundlagen des Zweikampfrechts und der Eisenprobe als Instrumente der Rechtsfindung.

4. Die Fremdheit der Gottesdarstellungen aus heutiger Sicht: Analyse verschiedener Episoden, in denen Gott als Instrument oder Helfer für menschliche Interessen instrumentalisiert wird.

5. Die Fremdheit Gottes gegenüber den handelnden Personen: Betrachtung der Unsicherheit der Protagonisten im Glauben und der Verwendung zweideutiger Reden zur Täuschung.

6. Die heutige Fremdheit Gottfrieds Kommentars: Diskussion der konträren Forschungsmeinungen zur Deutung des Kommentars von Gottfried (ernste vs. ironische Lesart).

7. Zusammenfassung: Synthese der Ergebnisse zur Rolle Gottes als Mittel der Kritik an gesellschaftlichen Normen.

8. Literaturangabe: Auflistung der verwendeten wissenschaftlichen Quellen.

Schlüsselwörter

Gottfried von Straßburg, Tristan, Gottesdarstellung, Gottesurteil, höfische Literatur, Mittelalter, Religion, Instrumentalisierung, Minne, ere, List, Wahrheit, Barmherzigkeit, Ironie, Triuwe

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht, wie Gottfried von Straßburg in seinem Epos "Tristan" Gott und religiöse Motive darstellt und warum diese Schilderungen aus heutiger und teils schon mittelalterlicher Sicht fremd wirken.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die zentralen Felder umfassen das Verhältnis von höfischen Werten (wie 'ere') zu religiösen Normen, die Instrumentalisierung des Gottesbegriffs durch die Protagonisten und die Funktion von Gottesurteilen.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Das Ziel ist es, die "Fremdheit" der Gottesdarstellungen zu interpretieren und zu klären, was Gottfried mit dieser spezifischen Art der Gottesschilderung bezüglich gesellschaftlicher Konflikte bewirken wollte.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt eine literaturwissenschaftliche Analyse des Primärtextes unter Heranziehung bestehender mediävistischer Forschungsliteratur, um die Ambivalenzen der Gottesdarstellungen zu deuten.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil befasst sich mit der Herkunft und Funktion von Gottesurteilen, der Instrumentalisierung Gottes durch die Figuren Tristan und Isolde in verschiedenen Episoden sowie der Analyse von Gottfrieds Kommentar nach dem Gottesurteil.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit ist geprägt durch Begriffe wie Gottesurteil, Instrumentalisierung, höfische Gesellschaft, Ironie, 'ere' (Ehre), 'triuwe' (Treue) und die Interpretation religiöser Motive im Tristan.

Wie wird Isolde durch Gott im Gottesurteil gerettet?

Isolde rettet sich durch eine Kombination aus List und "zweideutiger Rede". Sie manipuliert die Situation so, dass sie zwar die Wahrheit sagt, diese aber von den Zuhörern fälschlicherweise als Unschuldsbekenntnis verstanden wird, wodurch Gott scheinbar ihre Unschuld durch das Bestehen der Eisenprobe bestätigt.

Warum ist die ironische Interpretation von Gottfrieds Kommentar wahrscheinlicher?

Die ironische Lesart wird bevorzugt, da sie Gottfried nicht als häretischen Dichter darstellt, sondern als kritischen Geist, der das selbstgefällige Bild der höfischen Gesellschaft entlarvt, die glaubt, Gottes unergründliche Pläne durch formale Rechtsmittel wie das Ordal erzwingen zu können.

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Details

Title
Der fremde Gott im "Tristan" Gottfrieds von Straßburg
College
University of Mannheim  (Philosophische Fakultät)
Course
Proseminar
Grade
2,0
Author
Susanne Fass (Author)
Publication Year
2003
Pages
15
Catalog Number
V14265
ISBN (eBook)
9783638197229
ISBN (Book)
9783638787727
Language
German
Tags
Gott Tristan Gottfrieds Straßburg Proseminar
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Susanne Fass (Author), 2003, Der fremde Gott im "Tristan" Gottfrieds von Straßburg, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/14265
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