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Die äußere Beeinflussung der Routenwahl von Menschen geschieht in der
Regel über Leitsysteme. Zu diesen gehört natürlich zuallererst die
Fluchtwegbeschilderung. Vor allem in Flugzeugen und auf Schiffen kommt „low location lighting“ (am Boden entlang laufende Bänder mit
Pfeilen in Richtung des Ausganges bzw. der Sammelstation) hinzu. Ein neuer Ansatz ist die Nutzung des Gehörsinnes, so genannter „directional sound“.
Dabei werden durch unterschiedliche Lautstärken, Frequenzen und Modulationen attraktive (und
unattraktive) Töne ausgesandt, die die Menschen zu den richtigen Zielen leiten sollen.
Empirische Grundlagen
Für die Untersuchung von Personenbewegungen gibt es drei grundsätzliche Möglichkeiten
·Beobachtung realer Ereignisse ·Durchführung von Übungen ·Experimente im Labor
Alle diese Möglichkeiten haben Vor- und Nachteile.
Beobachtungen sind zunächst am einfachsten durchzuführen. Sie haben allerdings den Nachteil, dass die äußeren Bedingungen nicht kontrolliert werden können.
Bei der Durchführung von Übungen ist diese Kontrolle größer. Allerdings entstehen dadurch Einflüsse, die möglicherweise in realen Gefahrensituationen nicht vorhanden sind. Außerdem darf es natürlich nicht zu Verletzungen o.ä. kommen. Es gibt also praktische, ethische und finanzielle Einschränkungen bei der Durchführung von Übungen.
Schließlich ist der Einfluss auf die Randbedingungen bei Laborexperimenten am größten. Dafür befinden sich die Personen natürlich in einer außergewöhnlichen Situation (Predtetschenski, 1964).
Routenwahl
Die Routenwahl ist eine entscheidende strategische Entscheidung beim Verlassen eines Gebäudes.
In der nachfolgenden Abbildung ist gezeigt, wie die Wahl einer Strategie von der Umgebung und von der eigenen Mobilität abhängt.
Ein weiterer Aspekt in diesem Zusammenhang sind Vorstellungen darüber, wie man am schnellsten ans Ziel (z.B. ins Freie oder an einen sicheren Ort) kommt.
Folgende Häufigkeiten für die unterschiedlichen Strategien werden häufig angeführt:
1. Den Fluchtwegschildern, Ansagen oder den Anweisungen des Personals folgen (53%).
2. Den nächstliegenden Ausgang nehmen (25%).
3. Sich vor Feuer und Rauch retten und direkten Weg von der Gefahr weg wählen (12%).
4. Anderen Personen folgen (7%).
5. Den bekannten Ausgang nehmen (2%).
6. Es gab ein Fenster neben der Tür, dort war es hell (1%).
7. Am Ausgang gab es kein Gedränge (1%).
8. Andere
Bild 3: Komplexität des Gebäudes und der eigenen Mobilität. Quelle: Internet-Recherche Traffgo-ht.com
Einfluss der Personendichte auf die Bewegung
Ein wesentliches Ergebnis empirischer Untersuchungen ist das so genannte Fundamentaldiagramm, d.h. die Beziehung zwischen Dichte und spezifischem Fluss.
Es spielt für Flussmodelle und Simulationen eine unterschiedliche Rolle. Bei Flussmodellen (Predtetschenski 1964; Mehl 2003) bildet es die Grundlage für die Berechnungen, stellt als einen Eingabe-Parameter dar.
Bild 4: Fundamentaldiagramm für die Bewegung von Menschen. Es beschreibt den spezifischen Fluss (Personen/ m/s) in Abhängigkeit von der Dichte (P/qm). Quelle: Internet-Recherche Traffgo-ht.com
Schließlich spielt die räumliche Umgebung eine besondere Rolle. Dies trifft insbesondere dann zu, wenn es sich um Treppen handelt. Für steilere Treppen ergibt sich ein geringerer Fluss.
Bei der Verwendung von Fluss-Dichte-Relationen wird davon ausgegangen, dass man in einem Bereich eine konstante Dichte als Berechnungsgrundlage für den Fluss verwenden kann.
Arbeit zitieren:
Rainer Jaspers, 2009, Grundlagen von Simulationsprogrammen zur Darstellung der Evakuierung von Menschen aus Gebäuden, München, GRIN Verlag GmbH
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