Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 2
2. Forschungsüberblick und Methode
2.1 Forschungsstand 3
2.2 Verlagshintergrund 3
2.3 Methode 4
3. Inhaltsanalyse
3.1 Erhebungsmenge 4
3.2 Analyse des Layouts 5
3.3 Analyse der Sprache 7
3.4 Analyse der Information 8
4. Resümee 10
5. Literaturverzeichnis 12
Anhang
Ergebnisse der Auszählungen 14
Material 15
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1. Einleitung
Ist der Leser der einen Zeitung mehr oder besser informiert als der Leser einer anderen Zeitung? Liegt das an der Information oder der Präsentation? Kann die Art der Präsentation einen Mangel an Information kompensieren? - Diese Fragen beschäftigen einen bewussten Zeitungsleser und beeinflussen nicht zuletzt die Wahl der Zeitung, die er regelmäßig lesen möchte.
In der Hausarbeit werden zwei überregionale Tageszeitungen, die Bundesausgabe der Bild-Zeitung (BILD) und die Süddeutsche Zeitung (SZ), wissenschaftlich untersucht, um diese Fragen durch einen Vergleich zu beantworten und das Verhältnis von Information und Präsentation in beiden Zeitungen zu thematisieren und zu problematisieren. Die Hypothese ist: Wenn der Leser etwas von der Information haben will, muss sie auch gut präsentiert sein. Die SZ wurde als Beispiel für eine große überregionale Tageszeitung gewählt, die auf den ersten Blick mehr Wert auf Information legt. Die BILD scheint hingegen weniger Informationen zu verwenden, aber stark auf die Präsentation zu achten. Die Live-8-Konzerte und der G-8-Gipfel im Jahr 2005 wurden deshalb als Thema gewählt, da es die drei wichtigen Ressorts Politik, Wirtschaft und Gesellschaft abdeckt und so die Möglichkeit einer vielfältigen Berichterstattung bietet und das Problem umgeht, dass eine Zeitung generell eine Rubrik intensiver bearbeitet. Das Thema wurde exemplarisch gewählt, die Untersuchung erhebt daher keinen Anspruch, allgemeingültige Aussagen über die jeweiligen Zeitungen zu treffen. Abzugrenzen ist die Arbeit von der Untersuchung einer Themenkarriere, da die Themenwahl als Methode zur Einschränkung der Datenmenge dient und so die Möglichkeit eröffnet, ein begrenztes Thema vollständig aufzunehmen und zu untersuchen, was vor allem für die Untersuchung der Information sinnvoll ist. In der Hausarbeit wird davon ausgegangen, dass Redakteure und Journalisten die gebotene Information für relevant erachten und dass die Art der Präsentation bewusst geschieht, um Verständlichkeit und Leserfreundlichkeit zu erzeugen. Letztlich zeugt beides auch vom Selbstverständnis der Zeitungen. Zunächst gibt die Arbeit einen Überblick über Forschung, Verlagshintergrund und Methode. Darauf folgt eine quantitative und qualitative Inhaltsanalyse unter besonderer Berücksichtigung von Layout, Sprache und Information. Das Resümee fasst die Ergebnis der Analyse zusammen, bewertet dieses unter den Kriterien Information und Präsentation und gibt einen Ausblick auf weitere Untersuchungsmöglichkeiten.
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2. Forschungsüberblick und Methode
2.1 Forschungsstand
Zum Thema Live-8-Konzerte bzw. G-8-Gipfel gibt es keine Forschungsliteratur, nur Vergleichbares hinsichtlich Methode und Vorgehen, nämlich die Analyse bestimmter Merkmale zweier vergleichbarer Medien. Literatur zur Inhaltsanalyse findet sich beispielsweise bei Bonfadelli 2002 und Brosius/ Koschel 2001, zu Layoutanalyse bei Küpper, Blum/ Bucher 1998, Püschel 1999 und zur Textanalyse bei Linden 2000. Da es sich bei der Arbeit um eine empirische Untersuchung handelt, werde ich mich im folgenden auf diese Werke beziehen und sie als Grundlage verwenden. Während die Forschung die SZ weitgehend unbeachtet lässt, finden sich viele Auseinandersetzungen mit der BILD oder speziellen Themen wie Sprache (Sandig 1972), Sexualität (Weber 1980), Emotionalisierung (Voss 1999) oder Manipulation (Wallraff 1977).
2.2 Verlagshintergrund
Die SZ ist mit einer Auflage von 521.003 Exemplaren die größte überregionale
Abonnement-Tageszeitung. 1 Sie erscheint seit 6. Oktober 1945 im Süddeutschen Verlag 2 als erste Tageszeitung nach dem Krieg in Bayern. Im Laufe ihrer Geschichte beteiligt sie sich an immer mehr regionalen Zeitungen und Verlagen. Neben der Frankfurter Allgemeinen Zeitung gilt sie als wichtigste deutsche Tageszeitung.
Die Boulevardzeitung BILD ist mit einer Auflage von 4.620.290 Exemplaren die größte Tageszeitung Europas und erscheint seit dem 24. Juni 1952 gegründeten
Axel Springer Verlag 3 . Als die am häufigsten zitierte Tageszeitung Deutschlands 4 gilt BILD als einer der wichtigsten Agenda-Setter der deutschen Presse. Konzipiert wurde die Straßenverkaufszeitung nach dem Vorbild des britischen Daily Mirror. BILD gilt als die aktuellste Zeitung Deutschlands (vgl. Voss 1999: 17).
1 Die Auflagenzahlen von BILD und SZ sind Mediendaten von IVW. Die Daten beziehen sich jeweils auf das Quartal 2/2005.
2 Mediengruppe Süddeutscher Verlag: 1945 gegründet, ist Verleger der SZ und einiger regionaler Tageszeitungen. Darüber hinaus Vertreiber mehrerer Anzeigenblätter und Teilhaber an weiteren anderen Zeitungen.
3 Axel Springer Verlag: 1946 gegründet, ist mit 150 Zeitungen und Zeitschriften in 27 Ländern der größte Verlag Deutschlands. Die Axel-Springer-Publikationen erreichen täglich ein Publikum von geschätzt 35 Millionen Lesern. Neben der BILD vertreibt er Die Welt als überregionale und einige regionale Tageszeitungen.
4 Daten von Media Tenor zum Jahr 2004 und 2005.
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2.3 Zur Methode
Die Inhaltanalyse beschäftigt sich mit den von den Zeitungen gebotenen Informationen. Kriterien sind dabei Menge, Ausdifferenzierung und Relevanz, also die Anzahl der Beiträge, die Vielfältigkeit der behandelten Themenaspekte und der journalistischen Darstellungsformen sowie die Bedeutung der Information für den Leser. Der Arbeit zugrunde liegt die Definition der Inhaltsanalyse von Früh: „Die Inhaltsanalyse ist eine empirische Methode zur systematischen, intersubjektive nachvollziehbaren Beschreibung inhaltlicher und formaler Merkmale von Mitteilungen.“ (Früh 1981: 24).
Die Hausarbeit ist eine qualitative und quantitative Inhaltsanalyse und besitzt drei Schwerpunkte: Analyse des Layouts, der Sprache und des Informationsgehaltes. Die Layoutanalyse untersucht die Präsentation der Informationen. Hier ist entscheidend, wie leserfreundlich ein Beitrag aufbereitet ist und wie vielfältig Präsentationstechniken genutzt werden. Bei der Sprachanalyse ist entscheidend, wie präzise Sprache Information transportiert und wie leserfreundlich und verständlich die Texte gestaltet sind. Die Informationsanalyse untersucht die Menge, Art und Vielschichtigkeit der gebotenen Fakten und Themenaspekte, ob Wertungen vorgenommen und gekennzeichnet werden und ob die präsentierten Fakten vielfältig und relevant sind. Die Ergebnisse der Untersuchungen werden im Schluss zusammengeführt und bewertet.
2. Inhaltsanalyse
3.1 Erhebungsmenge
Das untersuchte Material umfasst 42 Beiträge der SZ zwischen dem 29. Juni und 9. Juli 2005 und zwölf der BILD vom 30. Juni bis zum 8. Juli 2005 zum Thema. Der Untersuchungszeitraum erstreckt sich vom 26. Juni bis zum 15. Juli 2005. Die Materialerhebung zum Thema ist daher abgeschlossen. Auswahlkriterium ist die Erwähnung Live-8-Konzerte oder G-8-Gipfel und ein enger Themenbezug. Markante Merkmale wie Überschriften und Zwischentitel werden zwar gesondert berücksichtigt, fallen aber in den Auszählungen, beispielsweise der Wörter und Sätze, mit in die Gesamtsumme der Wörter bzw. Sätze des Beitrages. Bildunterschriften, Überschriften, Dachzeilen, Unterzeilen und Zwischenzeilen wurden, sofern nicht klar anderweitig ausgewiesen, als je ein Satz gezählt.
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3.2 Analyse des Layouts
Auf Zeitungsebene handelt es sich sowohl bei der BILD als auch bei der SZ um eine Zeitung im Norddeutschen Format. Die Größe ist 40 auf 57 cm mit einem Satzspiegel von 37,6 mal 52,8 cm. Während die SZ in der Regel vier Bücher umfasst, hat die BILD meist nur zwei mit insgesamt maximal 16 Seiten, womit sie handlicher ist (vgl. Voss 1999: 25).
Auf Seitenebene zeigt sich, dass die gesamte Fläche der SZ klar strukturiert ist und Bilder und Texte in modulierter Form angeordnet sind. Hauptaugenmerk richtet sich auf den Aufmacher der Seite, der mit einem Bild hervorgehoben ist. Große, meist farbige Bilder und drei oder vier deutliche Überschriften pro Seite vereinfachen den Seiteneinsteig. Augenfällig ist der hohe Fließtextanteil pro Seite. Klare Linien durch Bildränder und Spalten und eine stets gleiche Struktur lenken die Aufmerksamkeit des Lesers auf den Inhalt und nicht auf das Layout, das nur Mittel zum Zweck des Transportes der Information ist. Eine Seite der BILD scheint hingegen völlig ungeordnet, die Bilder wachsen aus ihren Rahmen (siehe
Material: M3), 5 die Spaltenstruktur löst sich vielerorts auf (M2, M3), überall schaffen Bilder und farbige Graphikelemente optische Schwerpunkte. Der klassische Aufmacher geht in einer Flut ähnlich aufbereiteter Beiträge unter. Tag für Tag wird das Layout neu konzipiert, so dass die BILD ein dynamisches Erscheinungsbild besitzt, wodurch ein Maximum an Reizeffekten erzielt wird. Der „Dschungel“ von Beiträgen ist mit einer Vielzahl von leicht verständlichen und intuitiv erfassbaren Wegzeichen versehen, so dass die Seiten optisch schnell erfassbar sind und die Bedienung der Zeitung einfach ist (vgl. Voss 1999: 26). Die Techniken des Artikeleinstiegs werden von SZ sehr sparsam verwendet: Es finden sich Überschrift, Unterzeile und meist eine leserunfreundliche Dachzeile, die die normale Augenbewegung von oben nach unten in die Irre führt. Es wird kein Vorspann geboten, was angesichts der manchmal sehr langen Texte einen großen Mangel darstellt. BILD erleichtert dem Leser den Artikeleinstieg sehr: Neben den klassischen Techniken, die auch die SZ benutzt, variiert BILD die Typographie (M5), Farbe (M1), Auszeichnung (M7) und Größe (M3) der Überschriften und Dachzeilen, so dass kursive, fett gedruckte, bunte oder Großbuchstaben besonders hervortreten und weithin sichtbar sind (vgl. Voss 1999: 25). Der Text bietet durch immer wieder anders typographisch ausgezeichnete Sätze oder
5 Alle untersuchten Beiträge werden in elektronischer Form als Beleg mitgeliefert, solche, auf die sich der Text explizit bezieht, finden sich im Anhang.
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Passagen stets neue Punkte, an denen der Leser den Text überfliegen, einsteigen und wieder neu anknüpfen kann (M6). Längere Textpassagen oder Artikel sind derart in aufmerksamkeitssteigernde Textdesignelemente zergliedert, dass fast die ganze Seite bei der BILD aus Möglichkeiten des Seiteneinsteigs bestehet, was den Leseanreiz erheblich erhöht.
Ein Beitrag der BILD ist durchschnittlich 428 cm 2 groß, 6 während ein Beitrag der SZ 307,6 cm 2 misst und damit um gut ein Viertel kleiner ist. Diese Feststellung führt nicht zwingend zu der Annahme, mehr Fläche bedeute auch mehr Inhalt oder bessere Präsentation. Allerdings hat ein Durchschnittsartikel der SZ 506 Wörter, bei der BILD sind es nur 202 Wörter. Unter der Annahme, mehr Wörter transportieren mehr Information, ist die Information bei der SZ etwa vier Mal so dicht gedrängt wie bei der BILD.
Die SZ bietet oft nur die Möglichkeit, den ganzen Text zu lesen, selten wird dem Leser geholfen: Nur bei sieben Beiträgen wird der graue Fließtext mit insgesamt 13 Zwischentiteln optisch aufgelockert. Die BILD hingegen gestaltet z.B. die Hinweise zu den Live-8-Konzerten durch die logische inhaltliche Gliederung des Beitrages durch Zwischentitel besonders leserfreundlich. Der Leser muss nicht den gesamten Artikel lesen, sondern nur die Zwischentitel und kann danach sehr genau beurteilen, ob die im Beitrag gegebene Information für ihn relevant ist. Diese Zergliederung und Portionierung für den selektiven Leser ist eines der wirksamsten Mittel der Informationsaufbereitung (Blum/ Bucher 1998: 24-27). Mit Dachzeilen wird bei BILD selten gearbeitet. Beliebter sind Doppelüberschriften, die durch verschiedene Farben erreicht werden wie bei M1: „Live 8 Straße des 17. Juni Sonntag dicht“ enthält eine Zuordnung zum Thema Live-8 und einen Leserhinweis auf die Straßensperrung. Es wird bei einer Betrachtung der sparsamen Verwendung von Dach- und Unterzeile deutlich, dass alle Information, die im Titel (d.h. Überschrift, Dach- und Unterzeile) auftauchen soll, praktisch Überschriften sind. Es wird gerade soviel Titel angeboten, dass sich der Leser ins Thema findet. Anders verhält es sich bei der SZ, die weitere Sachinformationen in langen Dach- und Unterzeilen gibt, die den Leser näher an das Thema heranführen und den Inhalt des Textes teilweise zusammenfassen.
Sie SZ zeigt thematisch meist eng mit dem Artikel verknüpfte Bilder, die aber mitunter Situationen darstellen, die der Erklärung durch die Bildunterschrift be- 6 DieErgebnisse der Auszählungen findet sich im Anhang S. 14, die detaillierten Auszählungen der einzelnen Beiträge werden in elektronischer Form als Beleg mitgeliefert.
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dürfen (z.B. M14, M17, M25). Die BILD arbeitet sehr ausgiebig mit Bildern, ihre Bildlastigkeit wird sehr schnell deutlich beim Vergleichen der Zahlen der Bilder pro Beitrag: Auf zwölf Beiträge entfallen insgesamt 41 stets bunte Fotografien, also durchschnittlich 3,4 Bilder pro Beitrag. Die SZ hingegen hat nur 21 Bilder in 42 Beiträgen verwendet. Die Bilder bei der SZ haben vor allem dokumentierende und darstellende Funktion (z.B. M16, M20, M22, M25). Die Bilder bei der BILD sind in erster Linie symbolisch, in zweiter Linie belegen sie das Ereignis visuell (M1, M6, M7, M9, M10), der Visualisierung (M2, M4, M7) und/ oder der Personalisierung von Meldungen (alle außer M1). Sie sind im Regelfall Hintergrundmotiv und nur lose mit dem Thema verknüpft (schwache Text-Bild-Korrelation), erklären sich aber meist von selbst oder sind so ausgewählt, dass sie den Leser nicht verwirren können: Berühmte Persönlichkeiten oder bekannte Orte werden mit Vorliebe veröffentlicht. BILD richtete sich an einen optischen Menschen (vgl. Püschel 1999: 872), der immer weniger liest und immer mehr sehen will. Axel Springer formulierte, BILD sei die gedruckte Antwort auf das Fernsehen (vgl. Springer 1972: 144 und vgl. Voss 1999: 27).
3.2 Analyse der Sprache
Die SZ zeichnet die unterschiedlichen Formen von Texten auch durch deren eigene Sprache aus: So ist der Stil der Berichte und Meldungen sachlich berichtend, nüchtern und möglichst objektiv. Er stellt die Ereignisse dar und versucht Wertungen zu vermeiden (z.B. M12, M18, M21, M22, M27). Szenische Beschreibungen finden sich in Reportagen (M13, M14, M16, M20, M23), Glossen (M24) und Kommentare (M15, M19, M26, M27) hingegen geben Analysen und Bewertungen der Ereignisse ab, indem sie größere Zusammenhänge und die Hintergründe des aktuellen Geschehens beleuchten. Mittels der Sprache und des Textdesigns wird also die Art der Information von anderen unterschieden und für den Leser so aufbereitet, dass er auswählen kann, was er lesen will: Fakten, Reportagen oder Bewertungen. Das Lesen erfordert eine höhere Aufmerksamkeit aufgrund der „Zeitungssprache“, die sich von der Alltagssprache durch höhere Genauigkeit (Fachbegriffe) und Komplexität auszeichnet. So sind die Sätze größtenteils lang und komplex gebaut.
Bei der BILD unterscheidet sich der Stil vom Beitrag zu Beitrag kaum, auch wenn die Form des Kommentars (M5, M11), der Reportage (M7) oder der Nachricht (M1, M9, M10) gewählt wird, ist der Sprachgebrauch stets an die Umgangsspra-
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Arbeit zitieren:
Anna Milena Jurca, 2005, Live-8-Konzerte und G-8-Gipfel, München, GRIN Verlag GmbH
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