Staat , Gewalt und Medien 1
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 2
2. Definitionen, Forschungsüberblick und Methode
2.1 Definition Staat, Bürger und öffentliche Meinung 3
2.2 Forschungsstand 4
2.3 Analysemethode 5
3. Inhaltsanalyse
3.1 Chronologie der Ereignisse 5
3.2 Akteure, Positionen und Interessen 6
3.3 Tendenzen der Berichterstattung 7
3.4 Das Verhältnis von Bürgern und Staat in den Medien 9
3.4 Das Wechselspiel von öffentlicher Meinung und Gewalt 12
4. Resümee 15
5. Literaturverzeichnis 17
1. Einleitung
Wie kommunizieren Medien das Verhältnis von Staat und Bürgern? Wie bearbeiten sie dieses Verhältnis in einer Krisensituation? Wo und wie nutzen sie ihre Macht zur Meinungsbildung? Wo und wie reflektieren Medien ihr eigenes Handeln? Wie sind Medien und ihre Funktion in einer Demokratie möglicherweise förderlich für (terroristische) Gewalt? - Diese Fragen beschäftigen einen bewussten Zeitungsleser und beeinflussen nicht zuletzt seine Einstellung zum Staat, dessen Gewalt und den Medien.
Die Hausarbeit untersucht diese Fragen am Beispiel der Entführung von Susanne Osthoff in der öffentlichen Meinung in Deutschland anhand der überregionalen Tageszeitung Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) und der Online-Ausgabe der Zeit (ZEIT) im Untersuchungszeitraum vom 25. November bis (mit zwei Ausnahmen) zum 20. Dezember 2005. Die Medien werden hinsichtlich ihrer Aufbereitung des Themas, der inhaltlichen Darstellung der einzelnen Themenaspekte und der Rolle im Kommunikationsprozess zwischen Staat und Bürgern verglichen. Die Hypothese ist: Medien nehmen eine aktive Rolle bei der Kommunikation zwischen Staat und Gewalt ein und sind nicht nur unbeteiligte Beobachter eines sie nicht tangierenden Geschehens. Sie reflektieren das Geschehen und ihr eigenes Verhalten auch in Krisensituationen. Da im Rahmen dieser Arbeit nicht entschieden werden kann, welche Auswirkungen die Berichterstattung der Medien auf die Entscheidungen der Bundesregierung hat, werden Darstellungsweise und Selbstreflexion der Medien als Indikatoren dafür genommen, welche Funktion und Rolle Medien sich zuschreiben und wie sie die Ausübung der Funktion selbst wahrnehmen und bewerten. Davon kann ausgegangen werden, da es sich bei Medienkommunikation um einen bewussten Vorgang handelt.
Ausgelassen werden in der Hausarbeit die Ereignisse und die Medienberichterstattung nach der Freilassung Susanne Osthoffs, insofern sie sich auf aktuelle Ereignisse beziehen. Zwei spätere Hintergrundberichte werden jedoch miteinbezogen, da sie das Thema noch einmal rückwirkend unter zwei wichtigen Aspekten beleuchten. Der weitere Fortgang der Ereignisse wäre insofern interessant, wollte man den Schwerpunkt auf den Wechsel in der Berichterstattung bezüglich der Person Susanne Osthoff legen. Für die Fragestellung der Arbeit ist dies aber von sekundärer Bedeutung.
Zunächst grenzt die Arbeit anhand der Konkretisierung der wichtigsten Begriffe deren zu weiten Bedeutungsspielraum ein und stellt knapp Forschungs-gegenstand und Methode dar. Darauf folgt eine qualitative Inhaltsanalyse unter besonderer Berücksichtigung der Thematisierung des Verhältnisses von Staat und Bürger. Hier werden Akteure und Interessen, die Chronologie der Ereignisse, die Tendenzen der Berichterstattung, das in den Medien kommunizierte Verhältnis von Staat und Bürgern und die Frage nach einer möglichen Interaktion von Öffentlichkeit und Gewalt untersucht. Das Resümee fasst die Ergebnis der Analyse zusammen, bewertet dieses und gibt einen Ausblick auf weitere Untersuchungsmöglichkeiten.
2. Definitionen, Forschungsüberblick und Methode
2.1 Definition Staat, Bürger und öffentliche Meinung
Der Staat umfasst die „Gesamtheit der politischen und gesellschaftlichen Institutionen (polity), der politischen Vorgänge (politics) und der Regierungspolitik (policy) eines Gemeinwesens und ihrer Wechselwirkungen bezeichnet.“ (Schmidt 2004: 665) Nach Weber ist ein Staat ein „auf Legitimität gestütztes Herrschaftsverhältnis von Menschen über Menschen“ (Schmidt 2004: 666, zitiert nach Weber 1919). Zu fragen ist bezogen auf den Fall Susanne Osthoff, welche Verpflichtungen die Legitimität der Herrschaft von Menschen über Menschen, also Bürger, beiderseitig mit sich bringt.
Unter Bürger ist „jeder freie, gesellschaftlich und politisch vollberechtigte Einwohner eines Staates mit in Verfassung und Gesetz präzisierten Rechten und Pflichten wie Einhaltung von Verfassung und Gesetz, Steuer- und Wehrpflicht und Übernahme ehrenamtlicher Aufgaben“ (Schmidt 2004: 126) zu verstehen. Auf die Ausnahmesituation einer Entführung im Ausland bezogen wäre im Detail zu untersuchen, wie sich diese genannten Rechte und Pflichten in einem solchen Fall äußern.
Das Verhältnis von Staat und Bürgern ist grundlegend im Grundgesetz geregelt. Speziell die Grundrechte stellen hier den Schutz des Bürgers vor Eingriffen des Staates sicher. Darüber hinaus hat aber auch die gesamte Verwaltung gesetzliche Vorgaben, um den Schutz des Bürgers zu gewähren. Befindet sich der Bürger im Ausland, betrifft das Verhältnis von Bürger und Staat in erster Linie den Bür- ger und das Auswärtige Amt. Im Fall Susanne Osthoff gehen die Medien neben
dieser Verbindung auch allgemein auf die Aktionen der Bundesregierung ein, die primär nichts damit zu tun hat, aber politischen Druck, u.a. durch Verhandlungen oder durch Medien, ausüben kann.
Freie Medien gestalten den täglichen Diskurs über politische, gesellschaftliche und wirtschaftliche Themen, der zwischen Bürgern und Staat stattfindet, und wirken meinungsbildend. Öffentliche Meinung in einem Staat sind „auf politische Sachverhalte bezogene Einstellungen, Meinungsäußerungen und Bekundungen von am politischen Willensbildungsprozess beteiligten Akteuren. [...] Zu den wichtigsten Trägern der öffentlichen Meinung gehören in den demokratischen Verfassungsstaaten die Massenmedien [...].“ (Schmidt 2004: 495) Über ihre Funktion im politischen System heißt es: „Öffentliche Meinung kann nicht mehr einfach als politisch relevantes Ergebnis, sie muss als thematische Struktur öffentlicher Kommunikation gesehen werden - mit anderen Worten: nicht mehr nur kausal als bewirkte und weiterwirkende Wirkung, sondern funktional als Selektionshilfe.“ (Luhmann 1970: 3) Medien nehmen hier die Aufgabe wahr, Öffentlichkeit herzustellen.
2.2 Forschungsstand
Die Darstellung des Verhältnisses von Bürger und Staat in der öffentlichen Meinung durch die Medien wurde in der Forschung in besonders von Habermas (1962) behandelt. In seiner Habilitationsschrift Strukturwandel und Öffentlichkeit geht er detailliert mit dem Begriff der Öffentlichkeit und dem Funktionswandel von Öffentlichkeit für die Politik auseinander. Im Begriff der öffentlichen Meinung hat sich das „Selbstverständnis der Funktion bürgerlicher Öffentlichkeit“ (Habermas 1962: 102) kristallisiert. Sie dient nicht zuletzt der Kontrolle öffentlicher Gewalt, also der Handlungen des Staates. Des weiteren finden sich Arbeiten von Luhmann (1970), Brettschneider (1995) und Noelle-Neumann (1989) zum Thema öffentliche Meinung bzw. Verhältnis von Medien und Staat. Die Thematisierung des Verhältnisses von Bürger und Staat durch die Medien wird in der Forschung kaum behandelt,; generell finden sich hauptsächlich politikwissenschaftliche Arbeiten, die aber meist den Aspekt der Medien außer Acht lassen. Zum inhaltlichen Thema Susanne Osthoff gibt es bislang keine Literatur.
Arbeit zitieren:
Anna Milena Jurca, 2005, Staat, Gewalt und Medien, München, GRIN Verlag GmbH
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