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EINLEITUNG
Die vorliegende Hausarbeit beschäftigt sich mit dem Thema: ‚Sport im Faschismus’. Der erste Teil der Arbeit stellt dar, wie sich das Körperverständnis im 19. Jahrhundert veränderte und, wie daraufhin die ersten Sportarten entstanden. Des weiteren thematisiert die Arbeit die neuzeitliche Olympiaentwicklung Pierre de Coubertins und beantwortet die Frage, inwiefern seine Konzeption dazu beigetragen hat, die faschistische Propaganda zu beeinflussen. Nach den geschichtlichen Aspekten, die einen allgemeinen Überblick geben und unter anderem auch Olympia als faschistisches Propagandamittel darstellen, liegt der Schwerpunkt des zweiten Teils der Arbeit auf der Interpretation des Körperideals und dem Körperkult sowohl des Faschismus als auch der futuristischen Vorstellungen.
In einem ersten Schritt wird die Bedeutung des Körpers im Faschismus herausgearbeitet, wobei ein Anhaltspunkt dabei der Marathonlauf als Triumph des Willens und der Überwindung des Körpers ist. In Anknüpfung daran, werden weiter die damit ebenfalls in Verbindung stehenden futuristischen Vorstellungen aufgezeigt. Dabei spielen sowohl Marinettis ‚Manifest des Futurismus’, das 1909 von der französischen Zeitung ‚Le Figaro’ veröffentlicht wurde, als auch die Veränderungen, hervorgerufen durch die futuristischen Vorstellungen in der Kunst und Literatur eine zentrale Rolle. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Interpretation des Romans ‚Mafarka - Il futurista, in deren Mittelpunkt die Analyse des futuristischen Körperideals steht. Hierbei wird der zentralen Frage nachgegangen, ob der Protagonist ‚Mafarka’ den futuristischen Körperidealen entspricht und welche Rolle er außerdem im Vergleich zu den anderen Figuren des Romans einnimmt.
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Teil 1: Geschichtliche Aspekte
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1 ALLGEMEINER ÜBERBLICK
1.1 SPORT UND KÖRPERVERSTÄNDNIS IM 19. JAHRHUNDERT
Im Laufe des 19. Jahrhunderts entwickelten die Menschen ein neues Interesse an ihrem Körper. Am Beginn der Industrialisierung wurde der menschliche Körper fast ausschließlich als Arbeitskraft angesehen. Untätigkeit und Muße waren Faktoren, die noch vor der Industrialisierung als positiv gesehen worden waren. Jetzt galten sie als Grund dafür, dass die Gesellschaft verweichlichte und nicht mit harter körperlicher Arbeit ihren Unterhalt verdiente. Zunächst war der einzige Grund, aus dem die Menschen auf ihren Körper achteten der, ihn vor Schädigungen zu bewahren, da sie sich mit ihm Lohn und Brot verdienen mussten. Gleichzeitig wurde der eigene Körper damit aber auch zum Lebensmittelpunkt und aufgrund dessen begann im medizinischen und anatomischen Bereich eine rege Forschungstätigkeit. Auch die Hygiene spielte eine immer größere Rolle. Um Seuchen und Krankheiten in Zukunft zu vermeiden, wurde von jedem eine größere Aufmerksamkeit und Selbstbeherrschung im Umgang mit dem eigenen Körper verlangt. In diesem Zusammenhang entwickelte die bürgerliche Gesellschaft ein neues Gefühl für korrekte Körperhaltung und Bewegung (DELBROCK 2004, S. 95). Die ersten sportlichen Gehversuche
In dieser Atmosphäre entwickelten sich die ersten Arten des modernen Sports. Leibesübungen, wie Gymnastik, Schwimmen, Laufen, Klettern oder auch Schlittschuhlaufen wurden in bestehende Erziehungsprogramme integriert. Friedrich Ludwig Jahn 1 war es, der eine neue Form der Leibesübungen entwickelte, das ‚Deutsche Turnen’. Mit seiner Kreation der körperlichen Bewegungen zu Beginn des 19. Jahrhunderts, kam eine nationale Bewegung in Gang, die auch die folgenden Generationen nachhaltig beeinflussen sollte. (DELBROUCK, 2004, S. 95).
Der Siegeszug des Sports begann in England, setzte sich jedoch Mitte des 19. Jahrhunderts schnell in ganz Europa durch. Die ersten Vereine wurden gegründet.
1 Anm. d. Verf.: Friedrich Ludwig Jahn, Sohn eines Pfarrers, schloss weder Gymnasium noch das
aufgenommene Theologiestudium in Halle ab. Er befasste sich daraufhin als Hauslehrer intensiv mit
der deutschen Sprache und der Geschichte. 1810 verfasste Jahn sein 1. Hauptwerk ‚Das deutsche
Volk’. Nachdem er in Berlin eine Stelle als Hilfslehrer erhalten hatte, entwickelte er für seine Schüler
Turnübungen. Ein Jahr später wurde der erste deutsche Turnplatz eröffnet. Zu Jahns Leibesübungen
zählten Geräteübungen, Fechten, Schwimmen und Wandern. Noch vor seinem Tod im Jahr 1852
wurde seine Leibeserziehung als bahnbrechende Erfindung anerkannt.
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Teil 1: Geschichtliche Aspekte
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Die neu entdeckte sportliche Seite des Lebens brachte aber auch neue Probleme mit sich. Durch die steigende Popularität mancher Sportarten entstand ein Konkurrenzverhalten. Den Besten in einer unmittelbaren Konkurrenz zu ermitteln, war das erklärte Ziel des modernen Sports geworden. Um den Besten in der jeweiligen Sportart zu ermitteln, mussten einheitliche Normen und Standardisierungen festgelegt werden. Die ersten Wettkämpfe fanden statt und Rekordlisten entstanden. Ende des 19. Jahrhunderts nahmen die Wettkämpfe internationalen Charakter an und so entstand auch ein neues Nationalbewusstsein. Damit sich der einzelne Sportler auch weiterhin international mit seinen Kollegen messen konnte, mussten Trainingsphasen ausgedehnt werden. Das hatte Spezialisierungen, Verwissenschaftlichung, Professionalisierung und die
Kommerzialisierung des Sports zur Folge. So entwickelte sich der Sport von der reinen Leibesübung zur Stärkung des Körpers zum Hochleistungssport. Mit dieser Entwicklung ging ein neues Bewegungs- und Leistungsprinzip einher (DELBROUCK, 2004, S. 96).
1.2 DIE ENTSTEHUNG DER NEUZEITLICHEN OLYMPIAENTWICKLUNG UNTER PIERRE DE COUBERTIN 2
Der Impuls, einen Weltverband des Sports zu schaffen, kam von Pierre de Coubertin aus Frankreich. Sein Ziel war es, die sportlichen Regeln zu vereinheitlichen und die Olympischen Spiele wiederaufleben zu lassen. Das neue Interesse am Sport der Antike war durch archäologische Ausgrabungen des antiken Olympia ausgelöst worden. 1894 wurde, unter Leitung von Pierre de Coubertin, die Einführung der modernen Olympischen Spiele auf einem Kongress in Paris beschlossen. Zwei Jahre später übernahm Coubertin das Amt des IOC-Präsidenten (DELBROUCK, 2004, S. 96 f.).
Laut Coubertin, war der Sport als Gegengewicht zum asketischen körperfeindlichen Christentum und der Aufklärung zu sehen. Coubertin sah den Sport als „wahre Schule moralischer Vervollkommnung“ (DELBROUCK, 2004, S. 98) und nicht nur als körperliche Erziehung. So lag die Aufgabe des Sports darin, den Charakter eines jungen Menschen zu formen. Weiter sollte er dem Sportler auch zu Mut,
2 Anm. d. Verf.: Pierre de Coubertin wurde am 1. Januar 1863 in Paris geboren. Er studierte Kunst,
Philologie und Jura. Bald widmete er sich pädagogischen Forschungen, die einer Integration des
Sports in die humanistische Erziehung dienen sollten. Er entwickelte ein sportpädagogisches
Konzept, das Ende des 19. Jhd. auch an Schulen und Universitäten realisiert wurde.
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Teil 1: Geschichtliche Aspekte
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Selbstüberwindung, Risikobereitschaft und Willensstärke verhelfen, gemäß dem olympischen Motto: „citius-altius-fortius“ 3 (DELBROUCK, 2004, S. 102). Coubertin war der Meinung, dass die Gesellschaft des 19. Jahrhunderts in eine moralische Unordnung geraten war und, dass die einzige Therapiemöglichkeit der Sport sei. „Sport soll die Gesundheit retten und sozialen Frieden schaffen. [...] Der Sport nahm die Rolle des Erziehers ein und sollte die Jugend für die Anforderungen des Lebens wappnen“ (DELBROUCK, 2004, S. 100 f.). Das Resultat daraus bedeutete, dass der Sport, so wie ihn Coubertin im olympischen Bereich anstrebte, die gesellschaftlichen Lebensformen nicht nur nachahmte, sondern sie auch entscheidend beeinflusste. Beeindruckt von Richard Wagners ästhetischbombastischem Zeremoniell bei den Bayreuther Festspielen, wollte Coubertin dies auch auf sein olympisches Konzept übertragen. Es legte das utopische Ziel auf die endgültige Harmonisierung zwischen Körper und Geist fest, sozusagen eine „Harmonisierung der Maschine Mensch“ (DELBROUCK, 2004, S. 103). Hierbei spielten nicht nur Kraft und tierische Instinkte eine Rolle, sondern auch Taktik und Strategie waren entscheidend. Zur Versinnbildlichung des Prinzips ‚Körper und Geist’ wurden die sportlichen Ereignisse durch Kunstformen wie: Rhythmische Tänze, Orchestermusik, Umzüge und Chorgesang vervollkommnt. Olympia wurde, in Anlehnung an die griechische Antike, zum Kulturereignis stilisiert. Außerdem sollte es große Menschenmengen anziehen. Betont werden muss bei Coubertins Konzept allerdings, dass hier die Antike nicht wiederholt werden soll. Coubertin nutzte die Antike lediglich dazu, einen der Moderne gerecht werdenden Mythos zu entfachen. In seiner Konzeption wurden griechische Götter durch den Begriff der Nation ersetzt. An die Stelle der verloren gegangenen Ideale trat die Verherrlichung der einzelnen Nationen. Die Sportler treten nicht für sich selbst, sondern für ihre Nation an (DELBROUCK, 2004, S. 106).
3 Anm. d. Verf.: Übersetzung: schneller-höher-weiter.
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Teil 1: Geschichtliche Aspekte
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Die olympischen Körper
Im Mittelpunkt der Olympischen Idee Coubertins stand der Körper des Athleten. Die Zuschauer sollten durch ihn beeinflusst werden. Gleichzeitig bringt die ästhetische Kraft des Sports, laut Coubertin, zwei Kunstprodukte zum Vorschein: Zum einen den wohlgeformten Körper, zum anderen die harmonische sportliche Bewegung. Der Athlet stellte somit den Idealkörper dar. Dem Körper eines Bodybuilders ähnlich, strotzt er nur so vor lauter Muskeln. Der Sportlerkörper verdeutlichte damit Stärke, Kraft, Eleganz, Schnelligkeit und Körperbeherrschung, Faktoren, die im Zeitalter der Modernen überaus wichtig waren (DELBROUCK, 2004, S. 119-122).
2 OLYMPIA ALS FASISCHISTISCHES PROPAGANDAMITTEL
2.1 KULTISCHE ELEMENTE UND SPORT ALS RITUAL
Auch im Faschismus wurde der Sport sehr gefördert. Es entstand ein regelrechter Sportenthusiasmus, der mit der Verherrlichung des ‚schönen Körpers’ verbunden und auch missbraucht wurde (IMHOF, 1983, S. 204). Eine geeignete Plattform stellten die Olympischen Spiele dar. Schon die Eröffnungsfeier hatte die Funktionen, das Sagenhafte der Olympischen Spiele zu verkünden, denn „erst in den Symbolen und Ritualen, […] wird einer ansonsten abstrakten Gemeinschaft eine greifbare Wirklichkeit verliehen“ (DELBROUCK, 2004, S. 114). In dieses Zeremoniell wurden nach und nach kultische Elemente integriert, die sich seit 1912 entwickelt hatten. 1912 wurden die Eröffnungsformel, die Chöre, das Ablassen von Brieftauben und das Abfeuern von Kanonenschüssen eingeführt. (DELBROUCK, 2004, S. 114). 1920 entstand die olympische Fahne mit fünf verschlungenen Ringen, die die Völkerverbindung symbolisieren sollten. Zudem fügten die Veranstalter dem Zeremoniell den olympischen Eid hinzu (DELBROUCK, 2004, S. 185). Die Flaggenzeremonie der Abschlussfeier wurde im Jahr 1924 zum ersten Mal zelebriert und 1928 wurde das olympische Feuer zum ersten Mal entzündet. Ein besonderer Höhepunkt waren die Olympischen Spiele 1936 in Berlin, denn sie markierten den Höhepunkt und den Abschluss der kultischen Ausschmückungen. Das olympische Weihespiel wurde zwar nur 1936 abgehalten, hingegen ist der damals eingeführte Fackellauf noch bei den Olympischen Spielen des 21. Jahrhunderts ein fester Bestandteil (DELBROUCK, 2004, S. 183). Auch die
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Arbeit zitieren:
Sarah Luscher, 2006, Der Sport im Faschismus, München, GRIN Verlag GmbH
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