2
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 3
2. Die Entwicklungsgeschichte der autonomen Pädagogik in
Deutschland S. 4
3. Klaus Mollenhauer: Erziehung und Emanzipation.
Polemische Skizzen (1968) 6
3.1 Funktionalität und Disfunktionalität der Erziehung 6
3.2 Werte und Konflikte 9
3.3 Disfunktionale Momente der Erziehungswirklichkeit 11
3.4 Die Bedeutung der Thesen Klaus Mollenhauers für die Kritische
Erziehungswissenschaft S. 14
4. Schlussbetrachtung 15
5. Literaturverzeichnis S 16
3
1. Einleitung
Als eine der bedeutendsten Persönlichkeiten der Sozialpädagogik im Deutschland der sechziger und frühen siebziger Jahre rief Klaus Mollenhauer (1928-1998) mit seinen Ansichten eine rege öffentliche Diskussion und kontroverse Reaktionen hervor. Gegenstand dieser Arbeit sollen die Grundtendenzen seiner Forschungstheorie sein, wobei das Hauptmerk auf sein im Jahr 1968 veröffentlichtes Werk Erziehung und Emanzipation. Polemische Skizzen, in welchem er die Bedeutung und Wirkungsmöglichkeiten der geisteswissenschaftlichen Pädagogik hinterfragt, gerichtet ist.
Um Mollenhauers Forschungstheorie besser nachvollziehen zu können, wird in einem ersten Schritt zunächst ganz generell darzustellen sein, welche Tendenzen der Entwicklung der autonomen Pädagogik in Deutschland zugrunde lagen. Der folgende Abschnitt soll das zweite Kapitel aus Mollenhauers zuvor genanntem Werk behandeln, in welchem der Autor den Aspekt der „Funktionalität und Disfunktionalität von Erziehung“ erörtert. Ziel der vorliegenden Arbeit ist es, Mollenhauers Hauptthesen aus diesem Kapitel so darzustellen, dass seine Auseinandersetzung mit der geisteswissenschaftlichen Sozialpädagogik
nachvollziehbar erörtert und in Bezug zu anderen Autoren gesetzt wird. Dabei soll, wo dies angemessen erscheint, auf einige wenige persönliche und wissenschaftliche Lebensdaten Mollenhauers eingegangen werden. Denn die wissenschaftliche Prägung und die radikalen gesellschaftlichen und politischen Umwälzungen, die der Autor in seinem Leben erfuhr, können bei einer Beschäftigung mit seinem Werk nicht gänzlich unberücksichtigt bleiben. In einem letzten Punkt soll abschließend die Bedeutung von Mollenhauers Thesen für die damalige aber auch die aktuelle wissenschaftliche Diskussion angeführt werden.
4
2. Die Entwicklungsgeschichte der autonomen Pädagogik in
Deutschland
Während die Debatte um die Problematik der Autonomie der Pädagogik, ihre Bemühung um Eigenständigkeit hinsichtlich äußerer politischer und gesellschaftlicher Einflüsse, aber auch im Hinblick auf ihre eigene wissenschaftliche Begrifflichkeit, bereits im 18. Jahrhundert entstanden war, erreichte sie Mitte des 19. Jahrhunderts einen Höhepunkt. Vordergründiges Anliegen war das Verhältnis zwischen den Institutionen Schule, Kirche und Staat: Die autonome Pädagogik forderte eine Befreiung der Schule von kirchlichen, in erster Linie konfessionellen, Einflüssen, um eine gemeinsame und überkonfessionelle Erziehung zu ermöglichen. Und auch in der Zeit zwischen den beiden Weltkriegen charakterisierte sich die Bildungspolitik dadurch, dass „alle Selbstverständlichkeiten, die z.B. das katholische Milieu noch im Weltkrieg bekräftigt hatte, jetzt problematisiert w[u]rden“. 1 Hinsichtlich ihrer Forderungen bezüglich einer wissenschaftlichen Anerkennung der Pädagogik und der Rolle der Erziehung in der Gesellschaft, die teilweise anerkannt wurden, konnte sich die autonome Pädagogik in diesem Prozess schließlich etablieren. Es waren nicht zuletzt die Kriegserfahrungen, welche die Wichtigkeit einer pädagogischen Autonomie für die gesellschaftliche und politische Entwicklung verdeutlichten und somit die autonome Pädagogik zum Gegenstand nachkriegszeitlicher Diskussionen machte.
In den 1960er Jahren, einer Zeit, in der gesellschafts- und erziehungskritische Tendenzen Einzug in die Wissenschaft hielten, fanden sozialwissenschaftliche Konzepte Berücksichtigung in der Debatte um die autonome Pädagogik, die sich ihrerseits um „eine kritische Erneuerung der These von der Eigenständigkeit der Pädagogik und vom kritischen Potential der Erziehungs- und Bildungsarbeit“ 2 bemühten.
Auch Klaus Mollenhauer, begründender Theoretiker der Kritischen Erziehungswissenschaft, nahm die Eindrücke, welche er von den gesellschaftlichen und politischen Entwicklungen seiner Zeit gewann, in seine wissenschaftliche Arbeit auf und hat hierdurch wie
1 Heinz-Elmar Tenorth: Kritische Erziehungswissenschaft oder: von der Notwendigkeit der
Übertreibung bei der Erneuerung der Pädagogik. In: Dietrich, Cornelie und Müller, Hans-Rüdiger
(Hrsg.): Bildung und Emanzipation. Klaus Mollenhauer weiterdenken. Weinheim/München 2000, S.
112.
2 Ebd., S. 121.
5
„[w]ohl kein anderer Erziehungswissenschaftler jener Epoche [...] den
Geist der auslaufenden Adenauerära, aber eben auch den Geist der dagegen
opponierenden Jugend- und Studentenbewegung so exemplarisch
widerspiegelt, so sehr aber auch gelesen als Zeichen einer Epoche, die sich
des auf ihr lastenden Legitimationsdrucks nicht mehr dauerhaft würde
verschließen können.“ 3
Klaus Mollenhauer verlegte also den Schwerpunkt der Pädagogik auf die gesellschaftlichen Realitäten und forderte eine neue, sich an diesen Gegebenheiten orientierende, realistische Erziehungstheorie, deren Hauptziel, so Christian Niemeyer, „ein Sozialpädagogikkonzept [war], das der Hoffnung auf ‘pädagogische Autonomie’ entgültig entsagte und die Wissensgrundlagen der Disziplin für sozialwissenschaftliche Forschungsbefunde öffnete“. 4
3 Christian Niemeyer: Klassiker der Sozialpädagogik. Einführung in die Theoriegeschichte einer
Wissenschaft. Weinheim/München 2 2005, S. 232.
4 Ebd., S. 218.
Arbeit zitieren:
Michaela Nadine Leonhardt, 2007, Klaus Mollenhauer: Erziehung und Emanzipation. Polemische Skizzen (1968), München, GRIN Verlag GmbH
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