Vorwort
Meine Arbeit zur Thematik „Die Rolle der Autorität in der modernen Gesellschaft und die Familie als Agentur dieser Gesellschaft“ ist in vier Teilbereiche gegliedert von denen der erste die Funktion einer Einleitung in die Thematik der Wechselwirkung von Autorität, Familie und Gesellschaft inne hat.
Teilbereich II behandelt die Ursachen und Auswirkungen der Reproduktion autoritärer Strukturen im Bereiche der Familie. Teilbereich III bezieht sich auf die Korrelation von Autorität und ökonomischem Zustand der Gesellschaft am Beispiel der frühen industriellen Revolution in Europa.
Teilbereich IV stellt den Versuch einer Analyse der ökonomischen Gegebenheiten der westlichen Demokratien -vornehmlich Deutschlands-und deren Einfluß auf die Rolle der Familie als auf die Autorität in der Gesellschaft vorbereitende Sozialisationsinstanz im späten 20. und frühen 21. Jahrhundert dar.
Inhaltsverzeichnis
Teilbereich I
Einleitung S.1
Teilbereich II
Die Entstehung des autoritären Charakters:
Ursachen und Auswirkungen S.2-7
Reproduktion autoritärer Strukturen
innerhalb der Familie S.2-3
Die Rolle von Autorität bei der Triebabwehr S.3-4
Die Doppelfunktion der Autorität S.5
Die Lust zur Unterwerfung S.5-7
Teilbereich III
Korrelation von Ökonomie und
Autorit ät am Beispiel der frühen
industriellen Revolution S.8-12
Industrialisierung S.8
Die städtische Arbeiterfamilie zu Zeiten
der industriellen Revolution S.9-10
Die Korrelation von Ökonomie und Autorität S.10-12
Teilbereich IV
Familie und Autorität im späten 20.
und frühen 21 Jahrhundert S 13-16
Veränderungen der Familie in ihrer Rolle als primäre Sozialisationsinstanz ……………………. S.13-14
Einfluss und Entwicklung der ökonomischen Situation westlicher Industriestaaten auf die Familie als Sozialisationsinstanz …………...…… S.14-16
Anhang
Zitierte Literatur, Zeitschriften,
Internetadressen …………………………………….. I
Einleitung
Das Individuum begegnete in Gesellschaft anderer Menschen seit jeher autoritären Gefügen. Wo immer ein Mensch mit einem anderen zusammenlebt, können autoritative Fremdbestimmung und vom freien Individuum verfolgte Selbstbestimmung in Konflikt treten und so die Koexistenz erschweren.Bevormundung, ob legitim oder nicht, vermag sich so als Brandherd für soziale Konflikte zu entpuppen. In früheren Gesellschaftsordnungen, wie dem Feudalsystem, in welchem bei Ungehorsam gegenüber der feudalen Obrigkeit sofortige Gewalt als Strafe die Folge sein konnte, zwang die Bevölkerungsminderheit zur Besserstellung der eigenen Existenz mit auf militärischer Macht beruhender Autorität den Großteil der Bevölkerung in Leibeigenschaft.
Im starken Gegensatz dazu sind in den heutigen westlichen Demokratien die gewaltausübenden Institutionen von der Majorität der Population legitimiert und durch rechtliche Instanzen in der Autoritätsausübung hohen Restriktionen unterworfen.
Dabei geht der Souveränitätsverlust an die legitimierten nationalstaatlichen Institutionen der Moderne einher mit Steigerungen der Lebensqualität im Hinblick auf polizeilich, juristisch und anderweitig intensivierte Sicherheit. Die Empfänglichkeit und Akzeptanz für Weisungen Anderer im Individuum zu etablieren, zeitgleich jedoch die Fähigkeit zur kritischen Selbstreflektion und Vernunft bedachtem Handeln herzustellen, obliegt, mehr noch als der sozialtechnischen Institution Schule und anderen legitimen normativen Organisationen, in hohem Maße der Familie.
Max Horkheimer schreibt in den „Studien über Autorität und Familie“: „Je mehr wir die Bedeutung der politischen, moralischen, und religiösen Anschauungen der neueren Zeit für die Gesellschaft analysierten, umso deutlicher trat die Autorität als ein entscheidender Faktor hervor. Die Stärkung des Glaubens, dass es immer ein Oben und Unten geben muss und Gehorsam notwendig ist, gehört mit zu den wichtigsten Funktionen in der bisherigen Kultur. Ein Verständnis des Zusammenspiels zwischen den einzelnen Kultursphären ohne ausführliche Berücksichtigung dieses Moments erscheint als ausgeschlossen. Unter allen gesellschaftlichen Institutionen, welche die Individuen für Autorität empfänglich machen, steht aber die Familie an erster Stelle. Nicht bloss erfährt der Einzelne in ihrem Kreis zuerst den Einfluss der kulturellen Lebensmächte, so dass seine Auffassung der geistigen Inhalte und ihre Rolle in seinem seelischen Leben wesentlich durch dieses Medium bestimmt ist, sondern die patriarchalische Struktur der Familie in der neueren Zeit wirkt selbst als entscheidende Vorbereitung auf die Autorität in der Gesellschaft, die der Einzelne im späteren Leben anerkennen soll.“ 1 )
Die Geschichte trägt Zeugnis dessen, was zu hohe Akzeptanz von Autorität bewirken kann, wenn Befehle nicht mehr hinterfragt werden und der Glaube an die Notwendigkeit des Gehorsams vorherrscht.
1 ) Max Horkheimer: Studien über Autorität und Familie. 2.Auflage. Lüneburg: zu Klampen 1987, Pagina VIII
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Die Entstehung des autoritären Charakters:
Ursachen und Auswirkungen
Reproduktion autoritärer Strukturen innerhalb der Familie: Die Familie steht bei der Erzeugung und Erhaltung autoritärer Strukturen innerhalb der Gesellschaft in direkter Wechselwirkung mit selbiger. Die Familie, die in entscheidendem Maße zum Erhalt der Autorität im gesellschaftlichen Sinne beiträgt, wird selbst von dieser Gesellschaft reproduziert und bildet so einen ständigen Kreislauf der Reproduktion autoritärer Strukturen.
„Die grossen zivilisatorischen Werke des bürgerlichen Zeitalters sind Produkte einer spezifischen Form menschlicher Zusammenarbeit, zu deren stetiger Erneuerung die Familie mit ihrer Erziehung zur Autorität einen wichtigen Teil beigetragen hat. Sie stellt dabei freilich keine letzte und selbstständige Grösse dar, vielmehr ist sie in die Entwicklung der Gesamtgesellschaft einbezogen und wird fortwährend verändert. Aus den gesellschaftlichen Verhältnissen, die sie selbst fortsetzen und festigen hilft, wird sie immer wieder erzeugt.“ 2 )
Ferner ist der Begriff der Familie selbst in seinem Ursprung autoritativ geprägt durch die klare Einordnung in ein Oben und Unten (lat. Familia: Hausgenossenschaft, Dienerschaft, Leibeigene, Hausstand, Besitz). 3 ) Die Familie ist die erste und wichtigste Sozialisationsinstanz die das Individuum erfährt. Wenngleich Sozialisation als lebenslanger Prozess betrachtet wird, werden hier in der primären Sozialisationsphase die Verhaltensmuster vermittelt, die für das gesamte spätere Leben ausschlaggebend sind und nur schwerlich geändert werden können. 4 ) In der patriarchalischen Familienstruktur wird des Vaters Weisung vom Kinde widerspruchs- und bedenkenlos befolgt. Ehrfurcht, Hass oder Furcht prägen das Verhältnis vom Kinde zum Vater. Jeglicher Wunsch auf Selbstbestimmung und Unabhängigkeit von väterlicher Autorität ist an die be-oder unbewusste Hoffnung auf das Ableben des Vaters gekoppelt. Dabei gehört zum Autoritätsverhältnis nicht nur innerhalb der Familie die gefühlsmäßige Bindung vom Untergeordneten zur übergeordneten Person oder Instanz. 5 )
Erich Fromm argumentiert, dass, trotz gewisser Unklarheiten in Bezug auf die Freud’sche Begriffsbildung im Bereiche der Realitätsprüfung und Selbstbeobachtung zwischen dem Ich und dem Über-Ich, Freud mit seiner Theorie zum Über-Ich und der Identifizierung entscheidende Einsicht in die Problematik der Autorität und der mit selbiger korrelierten gesellschaftlichen Dynamik liefert.
So sei die Entstehung des Über-Ichs in primäre und sekundäre Identifizierung unterteilt, von denen erstere, hier die des kleinen Knaben, in enger Beziehung zum Vater hin stattfindet, letztere als Niederschlagung der Oedipusphase dienend, mittels Angst vor der Eifersucht des Vaters die
2 ) Max Horkheimer: Studien über Autorität und Familie. 2.Auflage. Lüneburg: zu Klampen 1987, Pagina VIII
3 ) Rita Hau: Pons Wörterbuch für Schule und Studium Lateinisch-Deutsch. 2.Auflage. Stuttgart 1986, S.383
4 ) Barbara Rabaioli-Fischer, Georg Nawratil: Sozialpsychologie leicht gemacht. 4.Auflage. München 1999,S.36
5 ) Max Horkheimer: Studien über Autorität und Familie. 2.Auflage. Lüneburg: zu Klampen 1987, S.77-79
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Arbeit zitieren:
Dipl.-Sozialwiss. Merlin Holthoff, 2004, Die Rolle der Autorität in der modernen Gesellschaft und die Familie als Agentur dieser Gesellschaft, München, GRIN Verlag GmbH
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