Inhaltsverzeichnis
Einleitung S. 1
Die Blutlinie Jesu - Dan Browns Version einer Weltverschwörung 2
Fakt oder Fiktion? 6
Biblische Bestandsaufnahme 6
Auseinandersetzung mit den Thesen Browns 8
Verleumdungskampagne wider besseren Wissen? 8
Maria Magdalena als Ehefrau Jesu? 11
Weitere „Fakten“ 12
Fazit S. 13
Literaturverzeichnis S. 15
II
Einleitung
Dan Browns Bestseller „The Da-Vinci-Code: Sakrileg“ erregt das Interesse der Gesellschaft wie kaum ein anderer Roman in der jüngeren Vergangenheit. Das öffentliche Echo bewegt sich dabei zwischen extremen Gegenpolen. Hier die Verfechter des seit Jahren traditionellen, in kirchlichen Parametern denkenden Glaubens, die sich empört über die durch den Roman verbreiteten Thesen gegen jede Art von Verbreitung des selben aussprechen, dort eine breite Masse begeisterter Leser, die durch die scheinbare Dichte der Argumentation des Autors und die geradezu revolutionär anmutende These über eine die Weltgeschichte manipulierende Verschwörung auf der höchsten Ebene fasziniert und elektrisiert ist.
Im Mittelpunkt der Diskussionen steht dabei das durch den Roman propagierte Bild der Maria Magdalena und seine Konsequenzen für die moderne Gesellschaft. Um sich angemessen mit diesem Bild auseinandersetzen zu können, ist es im Folgenden unabdingbar, zunächst Dan Browns in Bruchteilen servierte Version um die Blutlinie Jesu aus der Romanhandlung zu filtern, um sie anschließend für die hier relevante Fragestellung neu zu konstruieren.
Dieses „Faktenbündel“ muss im Anschluss seine historische Faktizität beweisen. Seit Erscheinen des Romans muss sich der Autor mit dem Vorwurf des pseudowissenschaftlichen Arbeitens auseinander setzen. Auch diese Arbeit soll die Argumentation Browns analysieren und bewerten, jedoch sollte man dabei nicht außer Acht lassen, dass das Buch explizit als Roman und nicht als Sachbuch publiziert wurde. Dass das öffentliche Echo dennoch ein Ausmaß von solchen Dimensionen angenommen hat, führt unweigerlich zu einem weiteren Aspekt, der in diesem Zusammenhang erörtert werden muss: Die Konsequenzen und vielleicht auch Verdienste, die man dem Werk zuschreiben muss.
Es bleibt also die Frage, warum ein Buch, welches dem eigenen Anspruch nach eine fiktive Handlung geschmückt mit historischen Tatsachen wiedergibt, eine solche Stellung im öffentlichen Interesse einnimmt. Welche Aussagen genau wirken hier auf welche Weise? Ist es möglich, dass Dan Brown mit seinem Roman vielen bisher der breiten Masse unbekannten Fakten zu neuer oder erstmaliger Popularität verholfen hat? Im Rahmen einer kritischen Würdigung werden diese Aspekte den Fokus dieser Arbeit ausmachen.
1
Die Blutlinie Jesu - Dan Browns Version einer Weltverschwörung 1
Im Folgenden sollen die durch Dan Browns „Sakrileg“ vertretenen Thesen ohne jede Bewertung hinsichtlich ihrer Faktizität wiedergegeben werden. Die Grundlage der durch Brown publizierten Theorie findet sich in den Kapiteln 58 und 60. In einer Art „Katz-und-Maus-Spiel“ erklärt Leigh Teabing der unwissenden Sophie Neveu hier Stück für Stück die Zusammenhänge der, wie er es nennt, „größte[n] Verschleierungsaktion in der Geschichte der Menschheit.“ 2 Die zentrale These, um die sich letztlich der gesamte Roman dreht, behauptet, dass Maria Magdalena keineswegs eine Sünderin gewesen sei, sondern „die Partnerin von Jesus und Mitbegründerin seiner Bewegung; die einzige, die an ihn glaubte in der Stunde seiner Not; die Verfasserin ihres eigenen Evangeliums, Geliebte Jesu und Mutter seines Kindes.“ 3
Maria Magdalena stammte demnach aus dem Hause Benjamin, war also von königlichem Blut und eine durchaus mächtige Frau. Vor dem Hintergrund, dass Jesus Christus nach dem Matthäusevangelium ebenfalls von königlichem Blut gewesen ister stamme seinerseits vom Hause David ab, war also ein Abkömmling König Salomons, des Königs der Juden - sei durch die Heirat der beiden eine mächtige politische Union entstanden, in der sich die beiden Königshäuser vereinigt hätten. Diese neu entstandene Union hätte nun einen legitimen Anspruch auf den jüdischen Königsthron erheben können und wieder hierarchische Verhältnisse herstellen können, wie sie einst unter Salomon herrschten. 4
Jedoch seien die beiden nicht bloß verheiratet gewesen, sondern hätten vielmehr eine königliche Blutlinie gegründet. Die sagenumwobenen Sangreal-Dokumente, die dem Gralsschatz beigefügt seien, würden demnach die Beweise für die königliche Abstammung Jesu enthalten. Maria Magdalena wird in Sakrileg explizit als die Mutter des Kindes von Jesus bezeichnet. Diese Theorie habe sich dann mittels der Gralslegende bis in unsere heutige Zeit überliefert. Demnach stamme der Begriff sangreal von San Greal, also dem Heiligen Gral. In seiner ältesten Schreibweise sei dieser Begriff jedoch anders unterteilt gewesen und zwar in Sang Real, also königliches Blut. Diese Einzelheiten werden im Folgenden zu einem Gesamtkonstrukt zusammengefasst, nach welchem Maria Magdalena den heiligen Kelch darstelle, der Christi königliches Blut
1 Sämtliche Seitenverweise auf den Roman beziehen sich auf die folgende Ausgabe: Brown, Dan:
Sakrileg. The Da Vinci Code, vollständige, erweiterte Taschenbuchausgabe, Bergisch Gladbach 2006.
2 S. 344.
3 Burstein, Dan (Hg.): Die Wahrheit über den Da Vinci Code. Das Sakrileg entschlüsselt, 11. Auflage,
München 2004, S. 30.
4 S. 343f.
2
aufgefangen habe und dann den Stammhalter geboren habe. Sie sei also der Heilige Gral. 5
Der Roman spekuliert im Anschluss über den vermeintlichen Inhalt des Gralsschatzes. Demnach sollen zusammen mit dem Sarkophag der Maria Magdalena auch die mysteriösen Sangreal-Dokumente gefunden werden. Diese Zehntausende von beschriebenen Seiten würden unter anderem eine vollständige Genealogie der frühen Nachkommen Christi; die so genannten Dokumente der reinen Lehre (tausende Seiten originaler Schriftstücke von frühen Anhängern Christi vor Konstantin dem Großen, die Jesus als durch und durch menschlichen Lehrer und Propheten beschrieben); das so genannte „Q“-Dokument, welches angeblich von Jesus selbst verfasst worden sei und seine Lehre aufgezeichnet habe, und die Tagebücher der Maria Magdalena beinhalten. Konsequenterweise mutiert die Gralssuche in diesem Kontext zu nichts anderem als einer Wallfahrt - zu der Sehnsucht vor den Gebeinen Maria Magdaleas niederzuknien und zu beten. 6
Die Reliquien Maria Magdalenas und diese geheimen Dokumente seien überdies auf dem Tempelberg gefunden worden, als Jerusalem im ersten Kreuzzug erobert wurde. Diese „Wahrheit“ wurde im Verlaufe der Jahrhunderte durch eine geheime Gesellschaft am Leben erhalten, die sich die Prieuré de Sion nannte und der so bekannte Persönlichkeiten angehörten bzw. vorstanden wie Leonardo Da Vinci oder Isaac Newton. Auf diese Geheimgesellschaft gehe schließlich auch die Gründung des Templerordens zurück, der ursprünglich als militanter Zweig der Gesellschaft zum Schutze der Sangreal-Dokumente gegründet wurde. 7 Für die Rolle der Maria Magdalena in dem Roman sind nun zwei Elemente entscheidend: Zunächst ihre Schwangerschaft. Laut Teabing soll sie zum Zeitpunkt der Kreuzigung Jesu schwanger gewesen sein. Um das ungeborene Kind nicht zu gefährden, sei sie schließlich außer Landes gegangen. Mit der Hilfe Joseph von Arimatäas, des Onkels von Jesus, gelangte sie schließlich nach Frankreich, wo sie eine sichere Zuflucht bei der dortigen jüdischen Gemeinde gefunden haben soll. Dort soll sie dann auch die Tochter Jesu geboren haben, die den Namen Sarah getragen habe. Aufgrund ihrer königlichen Abstammung sei Maria Magdalena als Garantin des Fortbestehens des jüdischen Königshauses verehrt und ihr Leben sowie ihre Nachfahren
5 Ebenda.
6 S. 352f.
7 S. 219-225.
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Arbeit zitieren:
Katrin Raußen, 2006, Magdalena - Frau oder Geliebte Jesu?, München, GRIN Verlag GmbH
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