Das Projekt „Jobcoaching“ wurde im Zuge der Initiative „Hauptsache Arbeit – Jugend hat Vorrang“ vom Land Oberösterreich im Jahr 2006 implementiert. Das JugendService des Landes Oberösterreich, als Anlauf- und Beratungsstelle für Jugendliche, wurde beauftragt dieses Projekt zu realisieren und Pflichtschulabgänger im Rahmen eines Einzelcoachings bei ihrer Suche nach einer Lehrstelle zu unterstützen. Für die vorliegende Arbeit wurde dieses Projekt als Beispiel für die Anwendung von Coaching in der Jugendarbeit herangezogen. Die daraus abgeleitete Forschungsfrage, inwiefern das Projekt „Jobcoaching“ angesichts des heutigen Wandels der Arbeitswelt eine mögliche sozialpädagogische Form der Unterstützung für die Berufswahl von Jugendlichen dargestellt, begleitete den gesamten Forschungsprozess. Durch die Bearbeitung von themenbezogener Literatur und der Durchführung einer qualitativ ausgerichteten Studie, durch welche die bisherige Arbeitsweise der ProjektmitarbeiterInnen erfasst und projektinhärente sozialpädagogische Coachingmerkmale konkretisiert wurden, konnten Erkenntnisse hinsichtlich der Fragestellung gewonnen werden. Die Ergebnisse der Untersuchung beinhalten die Darstellung des „Jobcoaching“-Prozesses und die Diskussion der Anwendbarkeit von Coaching im Sozialen Feld am Beispiel des Projekts „Jobcoaching“.
Inhaltsverzeichnis
1 Sozialpädagogischer Zugang
1.1 Lebensweltorientierter Ansatz nach Thiersch
1.2 Handeln und Kompetenzen in der Lebensweltorientierten Sozialen Arbeit
2 Coaching in der Sozialen Arbeit
3 Der Weg vom Jugendalter ins Erwachsenenalter
4 Der Eintritt in die Arbeitswelt
4.1 Darstellung der heutigen Arbeitswelt
4.2 Berufswahl
4.3 Anforderungen an Jugendliche in der heutigen Arbeitswelt
4.4 Möglichkeiten der Berufsorientierung
4.5 Zusammenfassung
5 Empirische Konzeption
5.1 Zielsetzung und Fragestellung der Untersuchung
5.2 Das Experteninterview
5.2.1 Interviewleitfaden
5.2.2 Beschreibung der Experten
5.2.3 Interviewdurchführung
5.3 Auswertung
6 Darstellung und Interpretation der Ergebnisse
6.1 Bisherige Arbeitsweise im Jobcoaching
6.1.1 Kontaktaufnahme
6.1.2 Erstgespräch
6.1.3 Umgang mit Klienten
6.1.4 Relevanz der bisherigen Erfahrungen von Jugendlichen
6.1.5 Kontakt zu den Eltern
6.1.6 Methoden
6.1.7 Zusammenarbeit mit anderen Institutionen
6.1.8 Arbeitsleitsätze
6.1.9 Erfolgreiches Coaching
6.1.10 Möglichkeiten zur Reflexion
6.1.11 Zusammenfassung
6.2 Sozialpädagogische Coachingmerkmale
6.2.1 Ganzheitliche Arbeitsweise
6.2.2 Förderung der selbstständigen Entwicklung von Lösungswegen
6.2.3 Selbstbestimmtheit des Klienten
6.2.4 Vertrauen, gegenseitige Akzeptanz
6.2.5 Hilfe zur Selbsthilfe
6.2.6 Transparentes Konzept
6.2.7 Zeitliche Begrenzung
6.2.8 Ziel: Unabhängigkeit des Klienten
6.2.9 Personenzentrierte Beratung
6.2.10 Dialogischer Kommunikationsstil
6.2.11 Respekt und Zurückhaltung
6.2.12 Zusammenfassung
7 Resümee und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das Projekt „Jobcoaching“ als sozialpädagogische Interventionsform an der Schnittstelle zwischen Schule und Beruf. Die Forschungsfrage fokussiert dabei darauf, inwieweit dieses Coaching-Modell Jugendliche bei der Berufsfindung im Kontext einer sich wandelnden Arbeitswelt unterstützen kann und welche sozialpädagogischen Qualitäten der Coachingprozess aufweist.
- Sozialpädagogische Fundierung des Coaching-Begriffs
- Struktureller Wandel der Arbeitswelt und Anforderungen an Jugendliche
- Qualitative Analyse der Arbeitsweise und Methoden der Jobcoaches
- Diskussion von Coaching als Instrument der Sozialen Arbeit
Auszug aus dem Buch
6.2.1 Ganzheitliche Arbeitsweise
Ein besonderes Augenmerk bei der Unterstützung des Klienten wird auf die ganzheitliche Arbeitsweise gelegt (vgl. Thiersch 2002, S. 207f). Denn nach Thiersch „verlangt ein Handeln, (…) im erziehenden Umgang, in der Beratung, in der Begleitung und in der Kooperation (…) [eine Orientierung, C.G.] (…) am ganzheitlichen Zusammenhang (…)“ (Thiersch 2002, S. 215). Demzufolge wird im Jobcoaching zum Einen die momentane persönliche Situation, „eben durch das Erstgespräch erfährt man ja viele Sachen, (…) auch dass man die Umstände irgendwie berücksichtigt dann, dass man sich da hineinversetzt" (Interview: P5, Z. 145ff), das Freizeitverhalten, „auch wenn man sich irgendwo ehrenamtlich engagiert, wenn irgendjemand bei der Freiwilligen Feuerwehr ist oder beim Jugendrotkreuz" (Interview: P6, Z. 407ff), „das sind schon mal so die Freizeitsachen, die sind schon auch ganz wichtig“ (Interview: P6, Z. 424), und die Familiensituation „wie schaut da die Familiensituation aus und welche Unterstützung gibt es da" (Interview: P3, Z. 42f), berücksichtigt.
Zum anderen werden die Wunschberufe, „wenn wir auch so über die Wunschberufe (…) reden“ (Interview: P2, Z. 180f), die Einstellung zur Schule, „dass man da einmal schaut, was haben sie für eine Einstellung zur Schule gehabt, wie waren sie in der Schule, wie waren die Fähigkeiten dort“ (Interview: P6, Z. 176ff); „da geht es jetzt nicht nur schlicht um die Noten, sondern einfach was haben sie da so für eine Grundeinstellung zum Lernen" (Interview: P6, Z. 181f), und die bisherigen Erfahrungen „die bisherigen beruflichen Erfahrungen, damit man sieht ja hat er schon wo geschnuppert oder was hat er sich schon alles angesehen“ (Interview: P4, Z. 303f); „auch allgemein, was sie für Erfahrungen (…) im Leben gemacht haben" (Interview: P5, Z. 219f), erhoben. Dabei ist es wichtig, dass die Jobcoaches die Fähigkeit mitbringen „gegebene Verhältnisse zu verstehen“ (Thiersch 2002, S. 215).
Zusammenfassung der Kapitel
Sozialpädagogischer Zugang: Dieses Kapitel erläutert die theoretischen Grundlagen der Sozialpädagogik und Sozialarbeit und stellt den lebensweltorientierten Ansatz nach Thiersch vor.
Coaching in der Sozialen Arbeit: Hier wird der Coaching-Begriff historisch und fachlich definiert sowie eine Abgrenzung zur traditionellen Beratung vorgenommen.
Der Weg vom Jugendalter ins Erwachsenenalter: Das Kapitel beschreibt die historische Entwicklung des Jugendbegriffs sowie die Entwicklungsaufgaben auf dem Weg ins Erwachsensein.
Der Eintritt in die Arbeitswelt: Hier werden die veränderten Anforderungen der heutigen Arbeitswelt an Jugendliche sowie der Prozess der Berufswahl detailliert thematisiert.
Empirische Konzeption: Dieses Kapitel legt die methodische Vorgehensweise der Studie fest, inklusive Zielsetzung und Wahl der leitfadengestützten Experteninterviews.
Darstellung und Interpretation der Ergebnisse: Im Hauptteil werden die Arbeitsweisen des Jobcoachings sowie die sozialpädagogischen Coachingmerkmale anhand der Interviews analysiert und interpretiert.
Resümee und Ausblick: Das abschließende Kapitel führt die theoretischen und empirischen Ergebnisse zusammen und bewertet die Anwendbarkeit des Coachings im sozialen Feld.
Schlüsselwörter
Jobcoaching, Sozialpädagogik, Lebensweltorientierung, Berufsfindung, Jugend, Arbeitswelt, Berufsorientierung, Coaching, Empowerment, Kompetenzentwicklung, Experteninterview, Beratungsprozess, Lehrstellenmarkt, Ressourcenorientierung, Sozialarbeit.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Diplomarbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht das Projekt „Jobcoaching“ für Jugendliche in Oberösterreich und analysiert, wie diese Form der Beratung aus sozialpädagogischer Sicht als Unterstützung für die Berufsfindung genutzt werden kann.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Zentral sind der sozialpädagogische Hintergrund, die Bedeutung der Lebensweltorientierung, der Wandel der Arbeitswelt sowie die empirische Analyse der Arbeitsweise und Methoden der Jobcoaches.
Was ist das primäre Forschungsziel?
Das Ziel ist es, den „Jobcoaching“-Prozess transparent zu machen und zu erörtern, ob und inwieweit das Projekt sozialpädagogische Coachingmerkmale beinhaltet.
Welche wissenschaftliche Methode wird angewandt?
Es wurde ein qualitatives Forschungsdesign gewählt, bei dem leitfadengestützte Experteninterviews mit Jobcoaches durchgeführt und mittels strukturierender Inhaltsanalyse ausgewertet wurden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil befasst sich mit der detaillierten empirischen Darstellung der bisherigen Arbeitsweisen im Jobcoaching sowie der Identifikation und Interpretation spezifischer sozialpädagogischer Coachingmerkmale.
Welche Schlagwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Die Arbeit lässt sich am besten mit Begriffen wie Jobcoaching, Sozialpädagogik, Berufsfindung, Jugend und Kompetenzentwicklung beschreiben.
Inwieweit spielt die Potenzialanalyse eine Rolle im Jobcoaching-Prozess?
Sie ist ein zentrales Instrument, um die Interessen, Neigungen und kognitiven Leistungen der Jugendlichen zu erfassen, wobei sie den Jugendlichen bestärken und realistischere berufliche Perspektiven eröffnen soll.
Warum ist das „One-Stop-Prinzip“ für die Jugendlichen von Bedeutung?
Jugendliche bevorzugen laut Studie eine Anlaufstelle, bei der sie umfassende Beratung und Informationen „unter einem Dach“ erhalten, ohne von einer Institution zur nächsten geschickt zu werden.
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- Christa Grammer (Author), 2009, Coaching in der Jugendarbeit?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/142887