Kurzreferat
Gegenstand der Diplomarbeit ist die Verbrennungsführung einer Sondermüll- Verbrennungsanlage (SAVA) nach dem Drehrohrprinzip. Spezielle Aufgabe ist es, für die eingesetzten Stützbrenner eine Brenner-Trimmregelung zu entwickeln, wobei Trimmung hier für die Aufteilung des Brennermassenstroms auf die Medien Heizöl und heizwertreicher Flüssigabfall steht. Durch die Regelung des Trimm-faktors wird die Medienaufteilung an den variierenden Energiegehalt des Flüssig-abfalls ange- paßt.
Die Arbeit unterteilt sich in die Bereiche theoretische Prozeßanalyse / Model-lierung der Verbrennungsräume, Reglerentwurf und -dimensionierung sowie Bewertung des Regelkreisverhaltens durch Simulation.
Als Simulationswerkzeug kam das am Institut für Prozeßautomatisierung und Meß- technik der HTWS-Zittau entwickelte Programm „DynStar“ zum Einsatz.
Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis
Abbildungsverzeichnis ................................................................................................... 5
Indexverzeichnis............................................................................................................... 7
Konstanten- Variablenverzeichnis 9
Verzeichnis konstruktiver Parameter 11
0 Einleitung 12
1 Technologien der thermischen Abfallbehandlung 13
1.1 Historischer Abriß 13
1.2 Heutiger Entwicklungsstand 13
1.3 Entwicklungstendenzen 13
2 Das Projekt SAVA 15
2.1 Verfahrensbeschreibung 16
2.2 Regelungstechnische Struktur 18
2.2.1 Verbrennungführung 20
2.2.2 Brennermassenstromregelungen 21
3 Modellierung der Regelstrecken 26
3.1 Bilanzraum Drehrohr 26
3.1.1 Stoffliche Ein- und Austräge 27
3.1.2 Stoffliche Komponenten im System 29
3.1.3 Energetisches Modell 30
3.1.4 Beschreibende Differentialgleichungen 37
3.2 Bilanzraum Nachbrennkammer 47
3.2.1 Stoffliche Ein- und Austräge 48
3.2.2 Stoffliche Komponenten im System 48
3.2.3 Energetisches Modell 49
Inhaltsverzeichnis
3.2.4 Beschreibende Differentialgleichungen ................................................... 51
3.3 Zusammenfassung .................................................................................................. 56
Inhaltsverzeichnis
4 Brennstofftrimmregelung 57
4.1 Einordnung des Modells Drehrohr in den Stofffluß 57
4.2 Einordnung des Modells Nachbrennkammer in den Stofffluß 64
4.3 Konzepte der Trimmregelung 68
4.3.1 Bisheriges Konzept 68
4.3.2 Neues Konzept 69
4.3.3 Reglerdimensionierung 78
4.3.4 Simulation und Bewertung 89
5. Zusammenfassung und weiterführende Vorschläge 102
6. Simulationsprogramm 104
Literaturverzeichnis 107
Eidesstattliche Erklärung 109
Abbildungsverzeichnis
5
Abbildungsverzeichnis
Abb 2 01 Prinzipdarstellung der Anlage SAVA 17
Abb 2 02 Konzept der Verbrennungsführung bei SAVA 19
Abb 2 03 Prinzip der Brenner-Medienversorgung in der Nachbrennkammer 22
Abb 2 04 Prinzip der Brenner-Medienversorgung im Drehrohr 24
Abb 3 01 Verlauf Rauchgas- und Brennguttemperatur im Drehrohr 30
Abb 3 02 Stationärer Temperaturverlauf Drehrohrinnenwand zur Umgebung 31
Abb 3 03 Wärmetechnisches Ersatzschaltbild Drehrohrwandung 31
Abb 3 04 Wärmetechnisches Ersatzschaltbild Gesamtsystem Drehrohr 32
Abb 3 05 Vereinfachtes Ersatzschaltbild Drehrohrwandung 37
Abb 3 06 Langzeitverhalten des vollständigen Modells Drehrohrwandung 42
Abb 3 07 Kurzzeitverhalten der Modelle (Drehrohrwandung) 43
Abb 3 08 Wärmetechnisches Ersatzschaltbild Drehrohrinnenraum 43
Abb 3 09 Signalflußbild Gesamtsystem Drehrohr 44
Abb 3 10 Stationärer Temperaturverlauf Nachbrennkammer zur Umgebung 49
Abb 3 11 Wärmetechnisches Ersatzschaltbild Nachbrennkammerwandung 49
Abb 3 12 Wärmetechnisches Ersatzschaltbild Nachbrennkammerinnenraum 50
Abb 3 13 Kurzzeitverhalten der Modelle (Nachbrennkammerwandung) 53
Abb 3 14 Signalflußbild Gesamtsystem Nachbrennkammer 54
Abb 4 01 Einordnung des Modells Drehrohr in den Stofffluß 61
Abb 4 02 Prinzip der Gegenkopplung durch den energetischen Austrag 63
Abb 4 03 Einordnung des Modells Nachbrennkammer in den Stofffluß 66
Abb 4 04 Allgemeine Zuordnung der Stell- und Störgrößen 70
Abb 4 05 Erstes Konzept paralleler Trimm- und Brennstoffregler 71
Abbildungsverzeichnis
6
Abb 4 06 Zweites Konzept paralleler Trimm- und Brennstoffregler 73
Abb 4 07 Konzept der unterlagerten Trimm- und Brennstoffregler 75
Abb 4 08 Vereinfachte Struktur der Temperaturregelung 79
Abb 4 09 Energiefreisetzung nach einmaligem Festmülleintrag von 1kg 86
Abb 4 10 Energiefreisetzung bei periodischem Festmülleintrag von 250kg 87
Abb 4 11 Übertragungsverhalten eines PT1-Gliedes mit T R TR 550s 88
Abb 4 12 Zeitlicher Verlauf der Störgröße Flüssigabfallheizwert 91
Abb 4 13 Verlauf der Rauchgastemperatur
bei Änderung des Flüssigabfallheizwertes 92
Abb 4 14 Verlauf der Brennermassenströme
(Drehrohr) bei Änderung des Flüssigabfallheizwertes 93
Abb 4 15 Verlauf der Brennermassenströme
(Nachbrennkammer) bei Änderung des Flüssigabfallheizwertes 94
Abb 4 16 Verlauf der Trimmfaktoren
bei Änderung des Flüssigabfallheizwertes 95
Abb 4 17 Öl- und Flüssigabfallumsatz
als Funktion des Flüssigabfallheizwertes 97
Abb 4 18 Zeitlicher Verlauf der Störgröße Flüssigabfallheizwert 99
Abb 4 19 Verlauf der Rauchgastemperaturen bei Änderung des
Flüssigabfallheizwertes und verschiedenen Luftmassenströmen 100
Indexverzeichnis
7
Indexverzeichnis
A Asche
a außen
ab abfließend
Am Ausmauerung
AP Arbeitspunkt
AW Abwasser
B Brenngut
BL Brennerluft
Br Brennstoff (flüssig)
D Drehrohr
F Festmüll
grenz Grenzwert
ha Flüssigmüll (heizwertarm)
hr ‘’ (heizwertreich)
I Isolierung
i innen
K Konvektion
Kö Körper
L Luft
N Nachbrennkammer
OL Ofenluft
Ö Heizöl
p isobar
R Regler
RG Rauchgas
S Stahlmantel
SL Sekundärluft
Sp Speicherung
St Strahlung
Str Strecke
TR Trimmung
U Umgebung
W Wandung
WL Wärmeleitung
WÜ Wärmeübergang
Z Zündung
zu zufließend
Indexverzeichnis
8
Konstanten- / Variablenverzeichnis
9
Konstanten- / Variablenverzeichnis
Bezeichnung Bedeutung [Einheit / Wert]
2 ]
A Fläche [m
a Amplitude einer sprungförmigen Störung
C Wärmekapazität
c spezifische Wärmekapazität
D Durchmesser [m]
d Dicke [m]
H Heizwert
h Höhe [m]
K Koppelfaktor; stat. Übertragungsfaktor; Reglerverstärkung
l Länge [m]
m Masse [kg]
kg
& Q Wärmestrom [MW]
R Wärmewiderstand
Konstanten- / Variablenverzeichnis
Bezeichnung Bedeutung [Einheit / Wert]
Zeitkonstante [ ] T
TR Trimmverhältnis bzw. -faktor
3 ]
V Volumen [m
W Regelabweichung (allgemein)
X Regelgröße (allgemein)
Y Stellgröße (allgemein)
Z Störgröße (allgemein)
W
∆ϑ
Temperaturdifferenz zur Umgebung [°C ; K]
ε Strahlungsbeiwert
ϑ Temperatur [°C]
MW
Verzeichnis konstruktiver Parameter
Verzeichnis konstruktiver Parameter Bezeichnung
2 A D innere Drehrohroberfläche 186.045m
2 A N innere Nachbrennkammeroberfläche 369.050m
d Am Ausmauerungsdicke 0.15m
D D Drehrohrinnendurchmesser 4.2m
D N Nachbrennkammerinnendurchmesser 5.4m
d S D Dicke des Drehrohrstahlmantels 0.025m
l D Drehrohrlänge 12m
l N Nachbrennkammerhöhe 20m m Am D Ausmauerungsmasse Drehrohr 66.186t m Am N Ausmauerungsmasse Nachbrennkammer 132.858t
m S D Stahlmantelmasse Drehrohr 36.744t
3 V D Drehrohrvolumen 166.253m
3 V N Nachbrennkammervolumen 458.044m
Einleitung
0 Einleitung
Müll ist als Endergebnis jedes Stoffflusses in unserer Gesellschaft heutzutage ebenso selbstverständlich wie problematisch. Während seit dem Beginn industrieller Produk- tion bis hinein in die siebziger Jahre unseres Jahrhunderts die Entsorgung des Ab- fallstoffes Müll weitgehend durch Deponierung erfolgte, wird in letzter Zeit der intelli- gentere Umgang mit dem nun als Wertstoff erkannten Müll immer eindringlicher ge- fordert. Hauptursache ist neben ökologischen Gesichtspunkten hauptsächlich die starke Verknappung geeigneten Deponieraums. Die Planung neuer Deponien schei- tert oft an der sinkenden Akzeptanz in der Bevölkerung oder an den strengen Stand- ortforderungen.
Zur nachhaltigen Gestaltung unserer Wirtschaftskreisläufe wurden deshalb vom Ge- setzgeber entsprechende Prämissen in der Reihenfolge
• Müllvermeidung (Materialeinsparung, Verpackungsreduzierung, ...)
• Müllverminderung (Recycling, Kompostierung, Rotte etc.)
• Müllverwertung (energetische Verwertung, Sekundärrohstoffgewinnung, ...)
• Müllbeseitigung (Restmülldeponien)
gesetzt. Die Verwertung nicht recyclebaren Mülls soll dabei sowohl ökologisch als auch ökonomisch optimal erfolgen. Die thermische Abfallbehandlung mittels moder- ner Verfahren [7] erweist sich dabei oftmals als eine sehr günstige Variante, da ent- sprechende Alternativen meist energetisch nicht sinnvoll bzw. großtechnisch noch nicht beherrschbar sind.
Die Anwendung neuster Verfahrenstechnik sowie moderner Leittechnikkonzepte er- möglicht einerseits eine stetige Verbesserung der Anlagen und Optimierung der Pro- zeßführung, erhöht aber andererseits deren Komplexität und ist dadurch eine ständi- ge Herausforderung an die betreffenden ingenieurtechnischen Disziplinen.
Technologien der thermischen Abfallbehandlung
1 Technologien der thermischen Abfallbehandlung
Die folgenden Absätze geben einen kurzen Überblick der technologischen Entwick- lung von Müllverbrennungsanlagen, ihren heutigen Stand sowie einen tendenziellen Ausblick. Für umfassendere Informationen insbesondere zur Verfahrens- und Auto- matisierungstechnik sei auch auf [3] sowie [4] verwiesen.
1.1 Historischer Abriß
In den hochindustrialisierten Ländern werden Müllverbrennungsanlagen als großtech- nische Systeme seit ca. 1960 realisiert. Die betrieblichen Zielstellungen beschränk- ten sich anfänglich auf den maximalen Mülldurchsatz sowie die Erzielung hoher Anla- genstandzeiten. Eine energetische Nutzung der Abwärme sowie die Behandlung der Rauchgase war meist nicht vorgesehen. Die Prozeßführung bestand in der Überwa- chung betrieblicher Parameter und die Regelung / Steuerung des Verbrennungsvor- ganges im Hinblick auf die o.g. Prämissen per Handeingriff oder durch einfache Au- tomatisierungslösungen.
1.2 Heutiger Entwicklungsstand
Aus bereits einleitend genannten Gründen, sehen viele der heute in Betrieb befindli- chen Müllverbrennungsanlagen Deutschlands als Müll(heiz)kraftwerke eine energeti- sche Verwertung des Abfalls vor. Die Behandlung der Abprodukte (Rauchgasreini- gung, Staubabscheidung, etc.) ist obligatorisch. Reststoffe werden recycled oder si- cher endgelagert. Weiterhin wird zunehmend versucht, die früher vornehmlich durch Handbedienung geführten Prozesse stärker zu automatisieren. Aufgrund der stark schwankenden Müllzusammensetzung ist der Entwicklungsaufwand in Bezug auf die Prozeßleit- und Regelungstechnik dabei sehr hoch.
1.3 Entwicklungstendenzen
Die Technologien des Wasserdampfkreisprozesses sowie der Abgasreinigung wer- den heute anlagen- und prozeßtechnisch weitgehend beherrscht. Die Führung des Verbrennungsprozesses bereitet hingegen noch erhebliche Schwierigkeiten. Dabei ist gerade dieser für das Gesamtverhalten der Anlage maßgeblich. Eine mangelhafte Verbrennungsführung ist durch die nachfolgenden Prozeßstufen meist gar nicht oder nur schwer zu kompensieren.
Technologien der thermischen Abfallbehandlung
Aus Sicht der Automatisierungstechnik zeigen sich dabei insbesondere die folgen- den Problempunkte:
• Die Analyse und Modellierung des Verbrennungsprozesses ist aufgrund der Viel-
falt ablaufender Vorgänge und deren gegenseitige Beeinflussung schwierig.
• Der Verbrennungsvorgang ist örtlich nicht homogen. Eine optimale Verbrennungs-
führung ist somit nur über lokale Eingriffe (Luftzufuhr, Glutbettdicke, Verweilzeit, ...) möglich. Moderne Verfahren, wie z.B. die Walzenrostfeuerung, bieten diese Mög- lichkeit. Dem entgegen steht jedoch, daß heutige Regelungskonzepte häufig nur durch Einzelsensoren bestimmte globale Prozeßgrößen wie z.B. die Frisch- dampfmenge oder die Feuerraumtemperatur heranziehen.
• Die komplexe und häufig variierende Zusammensetzung des Mülls verschärft die
Problematik der Inhomogenitäten zusätzlich. Eine kontinuierliche Bestimmung von Heizwerten oder stofflicher Zusammensetzungen ist z.B. unmöglich.
Um diese Problematik besser zu beherrschen, kommen zunehmend neue nichtklas- sische Konzepte der Verbrennungsführung zum Einsatz. In [1] und [2] werden prak- tisch bereits erprobte Ansätze vorgestellt. Sie basieren auf dem Einsatz einer Viel- zahl von Strahlungssensoren bzw. Kameras, welche den Verbrennungsvorgang glo- bal erfassen. Die Autoren sprechen deshalb hier von einer nicht signal- sonder infor- mationsorientierten Prozeßführung. Die Stellgrößenbildung erfolgt über ein Experten- system oder auch fest verdrahtete Logiken. Obgleich hervorgehoben wird, daß mit- tels dieser Verfahren eine nahezu optimale Verbrennungsführung möglich ist, muß der enorme Entwicklungsaufwand für solche Systeme als nachteilig eingeschätzt werden. Weitere Ansatzpunkte liegen deshalb auch im Einsatz von Fuzzy-Methoden, die bei relativ einfacher Struktur und Handhabung ebenfalls eine bessere Führbarkeit der komplexen Verbrennungsprozesse verglichen mit konventionellen Regelungskon- zepten erwarten lassen. Ein Beispiel dazu findet sich in [13].
Das Projekt SAVA
2 Das Projekt SAVA
Beim Projekt SAVA handelt es sich um eine Verbrennungsanlage für gewerbliche
Sonderabfälle mit Abwärmenutzung. Die angelieferten Abfälle werden nach Kon-
sistenz und Heizwert getrennt, wobei die Einteilung in Festmüll, heizwertreichen und
heizwertarmen Flüssigmüll sowie Dickstoffe und Sonderchargen erfolgt. Die nach-
stehende Auflistung gibt einen kurzen Überblick der wichtigsten Anlagendaten für den
Vollastbetrieb. Quelle sind Angaben des Verfahrenslieferanten.
Das Projekt SAVA
2.1 Verfahrensbeschreibung
Nachfolgend zeigt Abbildung 2.01 den Aufbau der Anlage im Überblick. Im Gegen- satz zu den bei Müllverbrennungsanlagen meist verwendeten Rostfeuerungen, wird bei SAVA ein Drehrohrofen im Gleichstromprinzip eingesetzt. Die Möglichkeit dieses Verfahrens, Müll beliebiger Konsistenz in einer Anlage verbrennen zu können, läßt es für die Sondermüllverwertung besonders geeignet erscheinen. Eine vergleichbare Anlage wird in [4] ausführlich beschrieben.
Eine weitere verfahrenstechnische Besonderheit von SAVA ist die weitgehende Ab- führung im Prozeß anfallender Reststoffe (z.B. Abluft aus den Müllbunkern, anfallende Abwässer, ...) in die Verbrennungsräume, was zu einer erheblichen Verminderung der Schadstoffemissionen und des Restmüllaufkommens beiträgt.
Der angelieferte Abfall wird, wie bereits erläutert, nach Konsistenz und Heizwert vor- sortiert, um eine bessere Verbrennungsführung zu ermöglichen. Feste Abfälle werden über einen Gebindebeschicker bzw. Faßaufzug, pastöse Gemische und Sonder- chargen über Lanzen in der Drehrohrstirnwand aufgegeben. Flüssige Komponenten werden durch Kombibrenner, die gleichzeitig eine Ölstützfeuerung ermöglichen, im Drehrohr und der Nachbrennkammer verbrannt. Dies beschleunigt außerdem die Trocknung und Entzündung des eingetragenen Festmülls. Der Einsatz von Heizöl als zusätzlicher Stützbrennstoff erlaubt es, die geforderten thermischen Bedingungen innerhalb der Verbrennungsräume weitgehend unabhängig von der Müllzusammen- setzung aufrecht zu erhalten.
Aufgabe der Nachbrennkammer ist neben dem vollständigen Ausbrand noch zündfä- higer Rauchgase und Staubpartikel vor allem auch die Gewährleistung der gesetzlich vorgegebenen Rauchgastemperatur zur Minderung der Schadstoffemission (siehe
17. Bundesimmissionsschutzverordnung).
Im Anschluß an die Nachverbrennung folgt die Abwärmenutzung mittels eines Natur- umlaufkessels mit 2 Strahlungszügen und einem Konvektionszug. Der produzierte Heißdampf dient zur Elektroenergieerzeugung. Der nach Abzug des Eigenbedarfes verbleibende Überschuß wird in das öffentliche Netz abgegeben.
Abschließend folgt die Rauchgasreinigung, welche jedoch nicht im Rahmen dieser Diplomarbeit betrachtet wird.
Das Projekt SAVA
2.2 Regelungstechnische Struktur
Die Regelungen und Steuerungen der Anlage SAVA können nach folgenden ver- fahrenstechnischen Bereichen unterteilt werden:
• Verbrennungsprozeß
• Abwärmenutzung
• Rauchgasreinigung
• Medienver- und -entsorgung
Auf die für den Verbrennungsprozeß bzw. die Verbrennungsführung relevanten Sys- teme soll nun näher eingegangen werden. Nachstehend zeigt Abbildung 2.02 verein- facht die automatisierungstechnische Struktur.
Das Projekt SAVA
20
2.2.1 Verbrennungführung
Im oberen Bildabschnitt ist die Regelung des Systeminnendrucks dargestellt. Da die Anlage nie völlig abdichtet, ist es zur Vermeidung von Schadstoffausträgen notwen- dig, im Innern einen Unterdruck gegenüber der Umwelt aufrecht zu erhalten. Dies wird durch ein in der Rauchgasreinigung befindliches Saugzuggebläse erreicht. Es ist in seiner Drehzahl (Förderleistung) stufenlos regelbar. Die Sollwertführung der Dreh- zahlregelung erfolgt über den Druck in der Nachbrennkammer als Regelgröße und hält ihn geringfügig (ca. 4 mbar) unterhalb des Umgebungsdrucks. So wird sicherge- stellt, daß auch alle folgenden Komponenten einen Unterdruck aufweisen.
Der mittlere Bildabschnitt zeigt die Regelung der Ofenluftzufuhr in das Drehrohr. Auf- grund der heterogenen Eigenschaften des Festmülls würde es oft zu stark unter- bzw. überstöchiometrischen Verbrennungsvorgängen kommen. Deshalb macht sich die Sollwertführung der Drehzahlregelung über den O 2 - und CO-Gehalt des Rauchgases erforderlich, welche in der Nachbrennkammer ermittelt werden. Dabei ergibt sich die eigentliche Sollwertvorgabe für die Gebläsedrehzahl aus dem rechnerisch ermittelten Zuluftbedarf abzüglich des ins Drehrohr eingebrachten Sekundärluftmassenstroms. Letzterer entsteht durch die bereits erwähnte Entlüftung bestimmter Anlagenteile (z.B. der Müllbunker) und ist nicht in die Regelung einbezogen.
Der untere Abschnitt von Abb. 2.02 zeigt das Prinzip der Frischdampfleistungs-, Rauchgastemperatur- und Brennermassenstromregelung für Drehrohr sowie Nach- brennkammer. Diese sind als unterlagerte Regelungen in der genannten Reihenfolge aufgebaut. Übergeordnete Regelgröße ist die Frischdampfleistung, welche aufgrund der großen Streckenzeitkonstanten des Abhitzekessels die größte Trägheit bezüglich Änderungen im Verbrennungsvorgang aufweist. Unterlagert sind die Regelungen der Rauchgasaustrittstemperaturen für Drehrohr und Nachbrennkammer. Diese wieder- um führen die Sollwerte für die Regelung der Brennermassenströme. Die Brenner- massenströme werden anteilig auf die Medien heizwertreicher Abfall, heizwertarmer Abfall sowie Heizöl aufgeteilt, wobei die einzelnen Anteile durch Trimmfaktoren vor- gegeben werden.
Das Projekt SAVA
Da im speziellen Fall der Müllverbrennung primär die Einhaltung des geforderten Be- reiches für die Rauchgastemperatur notwendig ist, erfolgt die Sollwertführung der Rauchgasaustrittstemperatur durch die Frischdampfleisungsregelung nur begrenzt. Wird der vorgegebene Temperaturbereich verlassen, so wird die Temperaturrege- lung dominant und die Frischdampfleistung kann nicht auf ihrem Sollwert gehalten werden.
Die Kombibrenner verfügen unabhängig vom Ofen- und Sekundärlufteintrag über ei- ne eigene Luftzufuhr. Deshalb erfolgt neben der Regelung der Brennermassenströme auch eine Regelung der Brennerluftzufuhr. Diese ist jedoch als Bestandteil der Bren- nersteuerung nicht Gegenstand der Leittechnik („Black Box“). Die Bestimmung des Brennerluftbedarfs erfolgt durch die Brennersteuerung anhand der jeweiligen Bren- nermassenströme für Öl und heizwertreichen / heizwertarmen Abfall.
2.2.2 Brennermassenstromregelungen
Die Entwicklung einer Trimmregelung zur Aufteilung des Brennermassenstroms auf die einzelnen Medien ist spezieller Gegenstand dieser Arbeit. Deshalb erfolgt hier eine detaillierte Darstellung der Brenner-Medienversorgung, deren Bestandteil die Trimmung ist. Untergliedert wird wiederum in die Teilsysteme Drehrohr und Nach- brennkammer, wobei die Medienversorgung der Nachbrennkammer wegen ihres einfacheren Aufbaus zuerst beschrieben wird.
In der Nachbrennkammer befinden sich zwei gleichartige radialsymmetrisch ange- ordnete Kombibrenner zum Durchsatz von Heizöl und heizwertreichem Abfall. Die nachstehende Abbildung zeigt die jetzige regelungstechnische Ausführung der Me- dienversorgung für einen der Kombibrenner.
Quote paper:
Thomas Rode, 1996, Entwurf einer Verbrennungsregelung für Müllverbrennungsanlagen, Munich, GRIN Publishing GmbH
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