Gliederung
1. Das Down-Syndrom
1.1 Ursachen und Formen des Down-Syndroms
1.2 Beschreibung des Down-Syndroms
1.2.1 Morphologisch-funktionelle Besonderheiten
1.2.2 Pädagogisch-psychologische Besonderheiten
2. Sprachentwicklung bei Kindern mit Down-Syndrom
2.1 Grundlagen der Sprachentwicklung nach WILKEN
2.2 Besonderheiten im Spracherwerb bei Kindern mit Down-Syndrom
2.3 Orofaziale Beeinträchtigungen
2.4 Sprachstörungen
3. Unterstützende und Vorbereitende Maßnahmen für die Sprach- und
Kommunikationsf örderung
3.1 Das BOBATH-Konzept
3.2 Orofaziale Regulationstherapie
4. Sprachförderung durch gebärdenunterstützte Kommunikation (GuK)
4.1 Gebärdensysteme
4.1.1 Deutsche Gebärdensprache und lautsprachbegleitende Gebärden
4.1.2 Gebärdenunterstützte Kommunikation (GuK)
4.2 Gründe für den Einsatz von Gebärden bei Kindern mit DS
4.2.1 Vorteile von Gebärden
4.2.2 Auswirkungen von Gebärden auf die Lautsprache
4.3 Kommunikationsförderung mit Gebärdenunterstützter Kommunikation
4.3.1 Auswahl von Gebärden
4.3.2 Voraussetzungen bei den Kindern
4.3.3 Voraussetzungen bei den Gebärdenanbietern
5. Förderung der sprachlich-kommunikativen Fähigkeiten bei einem
M ädchens mit Down-Syndrom durch die Gebärdenunterstütze
Kommunikation (GuK)
5.1 Sprachentwicklung bis zum Einsatz von Gebärden
5.1.1 Motorische Sprachentwicklung
5.1.2 Kommunikative Ausdrucksmöglichkeiten
5.2 Vorgehensweise bei der Vermittlung von Gebärden
5.2.1 Voraussetzungen bei Alina
5.2.2 Auswahl der Gebärden und Vorgehensweise
5.2.3 Entwicklung seit Verwendung der Gebärden und Auswirkung auf die
Kommunikation
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1. Das Down-Syndrom
Ø Benannt nach dem Arzt Landon Down, erstmals 1866 näher beschrieben Ø Auch: Mongolismus, Trisomie 21
1.1 Ursachen des Down-Syndroms Ø Chromosomenstörung:
Ø Jede menschliche Zelle besitzt in ihrem Kern 46 Chromosomen Ø Bei Bildung der Keimzellen wird der normale Chromosomensatz auf 23 Chromosomen halbiert, in 2 Reifeteilungen (Meiose) →hier können Fehlverteilungen auftreten Ø Chromosom 21 dreimal statt zweimal in den Zellen vorhanden
a) Freie Trisomie 21 Ø Die häufigste Form des Down-Syndroms Ø Chromosom 21 oder 22 dreimal vorhanden Ø 92-95 %
b) Mosaik-Struktur
Ø In unterschiedlichen Zellen sind unterschiedliche Chromosomensätze Ø Zellen mit 47, 45 oder auch 46 Chromosomen Ø Symptome des Down-Syndroms weniger ausgeprägt Ø Bessere geistige Leistungsfähigkeit als mit vollständiger Trisomie 21 Ø Häufigkeit: 1-3 %
c) Translokation
Ø Das zusätzliche Chromosom 21 oder ein wesentliches Stück davon ist an ein anderes Autosom (alle Chromosomen außer Geschlechtschromosom) angeheftet Ø Nur 3-5 %
Ø Ursachen der Chromosomenstörungen nicht bekannt, aber Zusammenhang zwischen Alter der Mutter und erhöhtes Auftreten des Down-Syndroms wird vermutet
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1.2 Beschreibung des Down-Syndroms
1.2.1 Morphologisch-funktionelle Besonderheiten
Ø Körpergröße liegt deutlich unter dem Durchschnitt, schwach ausgeprägter Wachstumsschub in der Pubertät
Ø Gewicht bei der Geburt unter dem Durchschnitt, in der Kindheit überwiegend im normalen bereich, nach der Pubertät Tendenz zur starken Gewichtszunahmen →nicht nur auf Behinderung zurückzuführen, auch auf Eßgewohnheiten und oft eingeengtes Freizeit- und Beschäftigungsangebot Ø Augenabstand verbreitert, Lidfalte→ „Mongolenähnliches“ Aussehen Ø Nase ist klein, verengter Nasen-Rachen-Bereich→Behinderung der Nasenatmung Ø Gaumen auffällig hoch, Mundraum ist eng + Tonusminderung der Lippen und Zungenmuskulatur→offener Mund, vorgestreckte Zunge, vorwiegende Mundatmung
Ø Hand- und Fußmerkmale, Kopf abgeflacht, gedrungener Hals, Haut trocken und schuppig, verstärkte Faltenbildung Ø Häufig: Herzfehlbildungen
Ø Skelettsystem: vermehrte Bindegewebsnachgiebigkeit, herabgesetzter Muskeltonus: Überstreckbarkeit der Gelenke, Hüftgelenksprobleme, Kniescheibeninstabilität
→Krankengymnastik wichtig, da Folgeerscheinungen auftreten können Ø Ohren klein, nicht richtig ausgeformt, tiefer angesetzt →aufgrund dieser engeren Verhältnisse ist mit verminderter Schallleitung im äußeren Gehörgang zu rechnen
Ø Bei ca. 60 % der Kinder mit DS tritt eine Hörstörung auf → Auswirkungen auf den Spracherwerb (z.B. phonologisch - Differenzierung von Phonemen erschwert, Minimalpaare: Hose/Dose) →Gründe: Häufig Infekte der Ohren, zuviel Ohrenschmalz im Gehörgang, Flüssigkeitsansammlung im Mittlerohr, Verformung der Ohrknöchelchen →regelmäßige Hörüberprüfungen erforderlich
Ø Infektionen: häufig obere Luftwege (Bronchitis) und chronischer Schnupfen bei Kleinkindern
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⇒ Problem: bei typischen äußeren Merkmalen wird auf die Gesamtpersönlichkeit von Menschen mit Down-Syndrom geschlossen ⇒ deutliche Gemeinsamkeiten dürfen nicht dazu führen, die erheblichen individuellen Unterschiede zu übersehen
1.2.2 Pädagogisch-psychologische Besonderheiten Ø Entwicklung bestimmt durch: Ø individuelles Potential Ø Bedingungen im sozialen Umfeld Ø syndromspezifischen Problemen Ø gesundheitlichen Problemen
Ø Unterschiedliche Ausprägung der vielfältigen möglichen Beeinträchtigungen und abweichenden Entwicklungsbedingungen
→große Streuung innerhalb der Menschen mit DS (oft wird aber fälschlicherweise von einer syndrombedingten Homogenisierung ausgegangen) Ø Schon Säuglinge mit DS weniger aktiv, selten kundtun von Wünschen durch Schreien (liegt eventuell an Hypotonität)
→Erschwert den Bezugspersonen, Bedürfnisse zu erkennen und entsprechenden zu reagieren
Ø Die individuell unterschiedlich ausgeprägte Hypotonie reduziert oft die Möglichkeiten, aktive Erfahrungen zu machen
Ø Im Entwicklungsverlauf zeigt sich eine kontinuierliche Zunahmen allen Leistungsbereichen, aber motorische Entwicklung etwas langsamer als geistige (mit 10/ Monaten sitzen, Streubreite 6-28 Monate /normal: 7/5-9, laufen 24/12-65/ normal: 13/8-18, Sprechen erste Worte: 9-31 Monate/normal: 6-14, erste Sätze: 18-96/ normal: 14-32)
Ø Die mögliche Asynchronie der Entweilungsbereiche kann die wichtige Interdependenz von motorischen, sprachlichen und kognitiven Fähigkeiten beeinträchtigen
→qualitative Verzögerung und Veränderung, da wechselseitige Verstärkung entfällt
→typische und interindividuelle Unterschiede ⇒Kinder mit Down-Syndrom keine so homogene Gruppe, wie angenommen
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Ø Intelligenzminderung von Lernbehinderung über leicht und mittelschwerer bis hin
zu schwerer geistiger Behinderung, in seltenen Fällten Normalbegabung (v.a. Mosaik-Form)
Ø Wahrnehmung: bedeutungsbezogene Verarbeitung von Informationen, die wir mit en Sinnen wahrnehmen, aber einer Ergänzung durch kognitive Ordnungsschemata notwendig →bei Kindern mit DS erschwert
Ø Häufig Funktionsstörungen im Sehen, Hören und Motorik, und Wahrnehmungsschwäche im visuellen, auditiven und kinästhetischen Bereich →Veränderung der Entwicklung durch unzureichende Selektion und Verarbeitung von Wahrnehmungen
→sehen und Hören vermitteln körperferne Informationen→verlagen gerichtete Aufmerksamkeit, bei DS oft schwierig
→Problem: durch vermehrte Aktivität der Bezugspersonen wird Kindern nicht genügend Raum zur Exploration gegeben →Eigenaktivität muss angeregt werden
Ø Verhalten: gute soziale Anpassungsfähigkeit, Freundlichkeit, heitere Wesensart →Generalisierung ist kritisch zu sehen
Ø Oft bockig, ungewünschtes verhalten ist durch Erziehungsmaßnahmen oft nicht abzuwenden →weglaufen →hinsetzen
Ø Fähigkeiten: Freude an Musik und Rhythmen, lassen sich dadurch gut aktivieren (nicht singen und tanzen, sondern Ansprechbarkeit durch Musik ist gemeint) Ø Überdehnbarkeit der Gelenke täuscht große Beweglichkeit vor→aber haben Schwächen in koordinierten Bewegungsabläufen und der Feinmotorik Ø Geringere Ausdauer und Kraft
Ø Langsamkeit bei Ausführung von Bewegungen und veränderte Reaktionszeit bei motorischen antworten Ø Hohe Imitationsfähigkeit
Ø Rechnen oft schwierig, viele Kinder mit DS in der Lage, lesen zu lernen
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⇒ Auch in der Entwicklung, Wahrnehmung, Intelligenz, Verhalten, Fähigkeiten individuelle Unterschiede berücksichtigen!
2. Sprachentwicklung bei Kindern mit Down-Syndrom
2.1 Grundlagen der Sprachentwicklung nach WILKEN
motorisch-funktioneller Bereich und kognitiv und sozio-emotionaler Bereich (wesentliche Voraussetzungen für (Grundlagen der Sprache)
die Sprechfähigkeit) Primärfunktionen der Sprechorgane: Wahrnehmungsfähigkeit Saugen, Kauen, Schlucken, Zungen- Blickkontakt,Lächeln und Lippenbeweglichkeit Aufmerksamkeit, Interesse Atmung (mund- und Nasenatmung) Situationsverständnis Pusten, Schneuzen Nachahmung (unmittelbar, ver-Ausdrucks- und Funktionslaute zögert Motorik (Kopfkontrolle) Vorstellung, Erwartung Hören, Sehen Symbolverständnis
Ø Beide Bereiche bei Kindern mit DS weisen Verzögerungen auf →Sprachentwicklung immer mehr oder minder verzögert →durch syndromspezifische Probleme auf →Individuell erreichbare Sprachkompetenz unterschiedlich →zwischen umfang der Sprachbeherrschung und den sonstigen Fähigkeiten besteht kein direkter Zusammenhang, Sprechen mist stärker verzögert als übrige Entwicklungsbereiche , da Sprachretardierung nicht niveaugleich zur Retardierung der anderen Entwicklungsbereiche →Diskrepanz kann zu Frustrationen führen!
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Arbeit zitieren:
Kristina Laudan, 2003, Gebärdenunterstützte Kommunikation (GuK) als Möglichkeit zur Sprachförderung bei noch nicht sprechenden Kindern mit Down-Syndrom, München, GRIN Verlag GmbH
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Sprachentwicklung bei Kindern mit Down-Syndrom - Förderung mittels Geb...
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