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Inhaltsverzeichnis
INHALTSVERZEICHNIS I
VORWORT III
1 EINLEITUNG 1
1.1 HISTORISCHER HINTERGRUND 2
1.2 DIE PRIVATISIERUNG DES STAATLICHEN MACHTMONOPOLS 3
1.3 WAS SIND „PRIVATE MILITARY COMPANIES“ ODER „PMCS“? 4
1.4 KATEGORISIERUNG VON PMCS 6
1.4.1 MILITARY „CORE-TASKS“ NACH CARL VON CLAUSEWITZ 6
1.4.2 KATEGORISIERUNGSMODELLE 8
2 DER KONFLIKTRAUM AFGHANISTAN 13
2.1 JÜNGERE GESCHICHTE AFGHANISTANS 13
2.2 DIE LAGE - WIRTSCHAFT, DROGENANBAU, SICHERHEIT 14
3 DIE UNTERNEHMEN IN AFGHANISTAN 20
3.1 DYNCORP 21
3.1.1 BODYGUARDS FÜR DEN PRÄSIDENTEN 22
3.1.2 DIE AUSBILDUNG DER ANA ANP 25
3.1.3 DYNCORP UND DER ANTI-DROGEN EINSATZ 27
3.1.4 DIE SICHERHEIT DYNCORPS 29
3.2 GLOBAL RISK STRATEGIES 30
3.2.1 DIE SICHERUNG DER PRÄSIDENTSCHAFTSWAHLEN 30
3.2.2 DIE WÄHRUNGSUMSTELLUNG 32
3.2.3 SONSTIGE DIENSTLEISTUNGEN DER FIRMA 33
3.3 BLACKWATER USA 33
3.3.1 BLACKWATER IM KAMPF GEGEN DIE DROGEN 34
3.3.2 VERLUSTE DER FIRMA IN AFGHANISTAN 35
3.3.3 DER STELLENMARKT 36
3.3.4 BLACKWATER ALS SICHERHEITSDIENSTLEISTER 37
3.4 KELLOGG BROWN ROOT 38
3.4.1 CAMP INFRASTRUKTUR IN AFGHANISTAN 38
3.4.2 WEITERE TÄTIGKEITEN VON KBR 41
3.4.3 VERLUSTE DER FIRMA IN AFGHANISTAN 42
3.5 RONCO 43
3.5.1 MINENRÄUMUNG DURCH RONCO IN AFGHANISTAN 44
3.5.2 WAFFENVERNICHTUNG DURCH RONCO 45
3.5.3 KOORDINATION VON USAID-MAßNAHMEN 46
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3.6 US PROTECTION AND INVESTIGATIONS (USPI) 47
3.6.1 VERWICKLUNGEN IN DEN DROGENHANDEL 48
3.7 WEITERE UNTERNEHMEN 50
3.7.1 SAIC 50
3.7.2 MPRI - MILITARY PROFESSIONAL RESOURCES INC. 52
3.7.3 WORLDWIDE LANGUAGE RESOURCES INC. 53
3.7.4 SCG INTERNATIONAL RISK 53
3.7.5 SPECIAL OPS ASSOCIATES 54
3.8 TABELLARISCHE BRANCHENÜBERSICHT 55
4 CONTRACTING IM RAHMEN VON CIA EINSÄTZEN IN AFGHANISTAN? 57
4.1 DIE „SPECIAL OPERATIONS GROUP“ IN AFGHANISTAN 57
4.2 JOHNNY MICHAEL SPANN 59
4.3 CHRISTOPHER GLENN MILLER UND WILLIAM CARLSON 59
4.4 COLIN BERRY 60
4.5 DAVID A. PASARO 61
5 DIE „BOUNTY HUNTER“ 62
5.1 JONATHAN KEITH IDEMA - “TASK FORCE SABER 62
5.1.1 SELBSTJUSTIZ UND FOLTERVORWÜRFE GEGEN DIE „TASK FORCE SABER“ 63
5.1.2 IDEMA UND DIE MEDIEN 65
5.1.3 DIE GLAUBWÜRDIGKEIT IDEMAS IM VERLAUF DES GERICHTSVERFAHRENS 68
6 RESÜMEE 70
7 NACHWORT 73
8 LITERATURVERZEICHNIS 74
8.1 ABBILDUNGSVERZEICHNIS 79
WEBSITES ZUM THEMA A
ABK ÜRZUNGEN B
III
Vorwort
Vor dem Hintergrund der militärischen Interventionen der USA und ihrer Verbündeten in Irak und Afghanistan erlebt die Branche der Privaten Militär- und Sicherheitsfirmen einen scheinbar grenzenlosen Boom.
In Folge ihres umfassenden Engagements in diesen Konfliktherden gelangen die Unternehmen zunehmend in den Fokus der Öffentlichkeit. Die wissenschaftliche Beschäftigung mit dieser Thematik fand bis heute vor allem in der Politikwissenschaft statt. Dabei konzentriert sich ein Großteil der Autoren auf theoretische Grundfragen. Aspekte, die dabei im Vordergrund stehen, sind Diskussionen über Auswirkungen auf das staatliche Machtmonopol, mögliche staatliche Regulierungen, Einsätze in Friedensmissionen, die völkerrechtliche Problematik sowie Bedenken hinsichtlich der Formierung eines neuen Söldnertums.
Die große Bedeutung der Lösung dieser wichtigen Fragen und Probleme wird vor dem Hintergrund der laufenden Operationen in Afghanistan und dem Irak deutlich. Nichts desto weniger finden sich für den Irak und besonders für Afghanistan nahezu keine empirischen Arbeiten. Trotz der großen Bedeutung eines theoretischen Rahmens, in dem Untersuchungen zum Themenbereich privatisierter Militärdienstleistungen gefasst sein sollten, muss sich die Diskussion an den Realitäten des 21. Jahrhunderts orientieren. Theorien, die aktuelle Entwicklungen des Phänomens erfassen wollen, sollten neben den wichtigen Erfahrungen aus den 90er Jahren des letzten Jahrhunderts außerdem auf den Realitäten des Irak- und Afghanistankonfliktes gründen. Dies ist bis heute kaum der Fall. Auch hat der 11. September 2001 Umwälzungen im Militärwesen zur Folge gehabt, die sich gegenwärtig in den Konflikten in Afghanistan und Irak widerspiegeln und in einem Großteil der theoretischen Ansätze noch nicht hinreichend berücksichtigt werden.
Um also den theoretischen Überlegungen empirische Daten an die Seite zu stellen beschäftigt sich diese Arbeit vornehmlich mit der Untersuchung der Situation in Afghanistan und verweist für eine weitergehende theoretische Beschäftigung mit dem Thema besonders auf die Artikel Peter Singers (siehe Literaturverzeichnis) sowie sein grundlegendes Werk „Corporate Warriors - The Rise of the Privatized Military Industry“ 1 .
1 Vgl. Singer, P.W.: Corporate Warriors - The Rise of the Privatized Military Industry, Cornell Press 2003
IV
Wie erwähnt hat sich die vorliegende Arbeit zum Ziel gesetzt, einen ersten Überblick über das Engagement privater Militärdienstleister in Afghanistan zu vermitteln. Vor dem Hintergrund des zeitlich begrenzten Rahmens, der teilweisen Unmittelbarkeit der Ereignisse und weiterer, im Folgenden kurz beschriebener Faktoren kann diese Arbeit nur eine erste Annäherung an die Thematik darstellen. Die im Rahmen dieser Arbeit dargestellten Aktivitäten von privaten Militärdienstleistern erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Vielmehr stellt die Liste der erwähnten Unternehmen lediglich die Unternehmen dar, von deren Aktivitäten im Verlaufe der Arbeit Kenntnis gewonnen werden konnte. Da die Unternehmen in ihren Aktivitäten sehr diskret vorgehen und auch ihre Auftraggeber, seien es Regierungsstellen, Nicht-Regierungs-Organisationen (NGO) oder private Unternehmen, in aller Regel keinerlei Auskünfte über ihr Engagement geben, sind die Recherchemöglichkeiten ohne eine Präsenz vor Ort begrenzt. Es ist davon auszugehen, dass neben den im Rahmen dieser Arbeit dargestellten Unternehmen weitere Firmen in Afghanistan aktiv sind.
Aufgrund der schwierigen Informationslage soll der Rahmen dieses etwas ausführlicheren Vorwortes genutzt werden um auf die unterschiedlichen Vorgehensweisen einzugehen, die zur Beschaffung wichtiger Hinweise führten und bei einer zukünftigen Beschäftigung mit der Thematik auch für andere von Nutzen sein können. Nach der ersten Recherchephase und der Suche nach Anhaltspunkten für in Afghanistan tätige Firmen kehrte schnell Ernüchterung ein. Die Informationen waren rar und die bekannten Fakten wiederholten sich in einem Großteil der gelesenen Aufsätze und Nachrichtenmeldungen. Diese Tatsache ließ einerseits den Schluss zu, dass es in Afghanistan kaum aktive Private Military Companies (PMCs) gebe, andererseits aber auch die Möglichkeit, dass es die tätigen Unternehmen wohl verstehen ihre Tätigkeiten diskret auszuführen.
Nach einer weitergehenden Recherche und der Verfolgung auch kleinster Hinweise bestätigte sich die zweite Vermutung. Bei der Recherche hat sich gezeigt, dass infolge der Diskretion der Firmen sich oft immer erst dann Hinweise für eine Anwesenheit einschlägiger Unternehmen in Afghanistan finden, sobald ihre reguläre Auftragsroutine durch externe Einflüsse gestört wird. Diese Einflüsse können unterschiedlicher Natur sein. So sind bei der Suche nach Anhaltspunkten unter Umständen auf den ersten Blick irrelevante Ereignisse wie Volksaufstände, Bauernrevolten, Verkehrsunfälle, Flugzeug- abstürze und Anschläge erfahrungsgemäß die besten Gelegenheiten, rein zufällig von
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der Anwesenheit des einen oder anderen bekannten oder noch besser unbekannten Unternehmens zu erfahren. Oft sind es erst diese zum Teil banalen Ereignisse, die für den primär auf das Internet angewiesenen Forscher wichtige Anhaltspunkte darstellen und weitere Informationsquellen erschließen.
Eine weitere Ansatzmöglichkeit ist die Suche nach ortskundigen Experten, die eventuell das ein oder andere Unternehmen bei seiner Tätigkeit wahrgenommen haben. So führte ich mehrere Telefoninterviews mit Mitarbeitern von NGOs und Unternehmen durch, wovon allerdings nur eines sehr wertvolle Informationen ergab. Neben dem telefonischen Kontakt mit Interviewpartnern ist es außerdem viel versprechend, im Internet über militärische Diskussionsforen sowohl passiv als auch aktiv In-formationen zu suchen. Gerade in Foren von „Special-Forces“ finden sich kleine wichtige Hinweise, und in Kreisen der Spezialeinheiten ist die Diskussion über PMCs als mögliche Arbeitgeber in vollem Gange. Dort werden eigene Erfahrungen ausgetauscht und über die Seriosität der Arbeitgeber, Gehälter und unterschiedliche Einsatzgebiete diskutiert. Oftmals ergeben Stichworte entscheidende Hinweise für eine erfolgreiche Recherche an anderer Stelle. Während die passive Teilnahme in den Foren durchaus Erfolge zeitigt, kann die aktive Diskussion mit den Forenteilnehmern schnell zu einem Ausschluss durch die Betreiber des Forums führen. Die eigene Erfahrung war, dass, sobald man sich als externer Teilnehmer outete, der „Umgangston“ unangenehm wurde und kurz darauf der Zugang zum Forum gesperrt wurde.
Eine weitere Nutzung des Internets zum Zweck der Arbeit erfolgte durch den Aufbau einer thematischen Website. 2 Hier habe ich ein Großteil der recherchierten Informationen und Artikel veröffentlicht. Auch erhoffte ich mir Kontakte zu anderen Interessierten. Jedoch ergaben sich trotz eines regen Besucherverkehrs nicht die für die Arbeit gewünschten Synergieeffekte.
Des Weiteren sei noch auf einen konzeptionellen Aspekt dieser Arbeit hingewiesen. Aufgrund der bereits im Vorfeld getätigten Feststellung, dass es sich bei dieser Arbeit um eine erste empirische Annäherung handelt, die Fragen aufwirft, ohne sie zum gegenwärtigen Zeitpunkt abschließend beantworten zu können, wurde im Zuge der Anfertigung großer Wert auf die zukünftige Verwendbarkeit der benutzten Quellen für weitere Forschung gelegt. Deshalb findet sich im Anhang eine Archiv-CD mit nahezu allen im
2 PRIVATEFORCES.COM - http://www.privateforces.com
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Rahmen dieser Arbeit verwendeten Quellen. Für all diejenigen, denen diese Archiv-CD nicht vorliegen sollte, sei auf das umfangreiche Literaturverzeichnis verwiesen, welches in aller Regel die Internetquelle aufweist. Außerdem findet sich ein Linkverzeichnis mit besonders relevanten Websites zum Thema. Hinsichtlich der weiteren Verwendung der auf CD archivierten Quellen wird davon ausgegangen, dass das Urheberecht des Autors gewahrt und die Nutzung nicht-kommerziellen Zwecken vorbehalten bleibt. Trotz der im vorangegangen genannten umfassenden Recherchemöglichkeiten des Internets, muss verdeutlicht werden, dass die auf diesem Wege erhaltenen Informationen unter Umständen eine einseitige Tendenz aufweisen. So liegt dieser Arbeit kein einziger Artikel aus afghanischen Medien zu Grunde, die keine Website besitzen bzw. nicht in englischer Sprache publizieren. Aus diesem Grund ist eine weitergehende empirische Beschäftigung mit der Thematik aus afghanischer Sicht wünschenswert und notwendig, um das Thema ausreichend zu behandeln. Erst im Zuge einer weiteren Beschäftigung mit der Thematik unter Einbezug dieser Quellen können weitergehende Schlüsse gezo- gen werden.
1
1 Einleitung
Im Vorwort wurde bereits auf die Aktualität des Themas dieser Arbeit und die Bedeutung der so genannten „Private Military Companies“ (PMCs) eingegangen. Die Diskussion über diesen boomenden Wirtschaftszweig gewann im Verlauf der 90er Jahre an Bedeutung und fokussierte zunächst die Tätigkeiten von Pionieren der Branche wie „Executive Outcomes“ und „Sandline“ in Afrika sowie „Dyncorp“ und MPRI auf dem Balkan. Die Mehrzahl der akademischen Aufsätze zum Thema wie auch die der Branche entgegengebrachten Ressentiments entspringen aus den Berichten über die Aktivitäten dieser Firmen im erwähnten Zeitraum.
In der Öffentlichkeit nimmt man die Tätigkeiten der so genannten PMCs erst seit kurzem bewusst war. Der Umfang des Engagements in räumlicher wie personeller Hinsicht wird zunehmend deutlich, denn im Zusammenhang mit den Konflikten in Afghanistan und besonders dem Irak erreichen uns nahezu täglich Nachrichten von getöteten zivilen Mitarbeitern des Militärs.
Die vorliegende Arbeit hat sich vor diesem Hintergrund zum Ziel gesetzt, die Aktivitäten privater Militärdienstleister in Afghanistan zu beleuchten und im der Rahmen der vorgenannten Möglichkeiten zu analysieren und zu bewerten. Zu Beginn dieser Arbeit werden Grundüberlegungen und Theorieansätze der aktuellen wissenschaftlichen Diskussion dargestellt, die zum besseren Verständnis beitragen werden. Dabei wird die Bedeutung der Aufgabe unterstrichen, die gegenwärtige akademische Forschung an die - nach dem 11. September für die Branche der privaten Militärdienstleister - veränderten Rahmenbedingungen anzupassen. In diesem Zusammenhang wird das von P.W. Singer entwickelte und zum Standard gewordene „Tip of Spear Modell“ (Abbildung 1) vorgestellt, wobei diesem jedoch vor dem Hintergrund der Gegebenheiten im ausgewählten Untersuchungsraum Afghanistan wichtige Ergänzungen beigefügt werden (Abbildung 2). Es wird außerdem auf die Problematik der Verwendung des Oberbegriffs „Private Military Companies“ für die gesamte Branche eingegangen.
Daran anschließend findet sich in Kapitel 2 eine kurze Darstellung der aktuellen Lage in Afghanistan. Dabei werden neben der Geschichte des Landes besonders die Auswirkun- gen des Drogenanbaus auf die Sicherheitslage angesprochen. Die Bekämpfung des Dro-
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genanbaus wird sich in diesem Zusammenhang als eine der wichtigsten Herausforderungen für eine friedliche Zukunft Afghanistans herausstellen. Im dritten Teil wird dann der eigentliche Kern der Aufgabenstellung behandelt. Hier werden alle im Verlauf der Recherche bekannt gewordenen Aktivitäten von privaten Militär- und Sicherheitsdienstleistern in Afghanistan dargestellt. Anschließend an die Darstellung des korporativen Sektors wird im vierten Kapitel ein Blick auf die Einbindung zivilen Kontraktpersonals in CIA Operationen in Afghanistan geworfen. Zu guter Letzt beschäftigt sich das Kapitel 5 mit den zwielichtigen Tätigkeiten der so genannten „Bounty Hunter“ 3 in Afghanistan, womit dieses Kapitel die Darstellung des privatwirtschaftlichen Engagements im Rahmen von Militär- und Sicherheitsoperationen in Afghanistan beschließt.
Das sechste Kapitel fasst die im Verlauf der Arbeit dargestellten Ergebnisse der Untersuchung zusammen und versucht soweit möglich eine Bewertung des bisherigen Engagements von privaten Militär- und Sicherheitsdienstleistern in Afghanistan vorzunehmen. Als einschränkende Faktoren werden sich dabei die schwierige Nachrichtenlage und die chronologische Nähe zu den Entwicklungen im Untersuchungsfeld herausstellen, vor deren Hintergrund Schlussfolgerungen zurzeit nur vorläufig sein können.
1.1 Historischer Hintergrund
Das gegenwärtige Militärwesen mit seinen großen stehenden Heeren reflektiert in nahezu allen Staaten der Welt eine Entwicklung, die vor gut zwei Jahrhunderten ihren Anfang nahm und während des Kalten Krieges ihren Höhepunkt erreichte. Diese Struktur stehender nationaler Heere zur Landesverteidigung und Kriegsführung wird heutzutage von der Öffentlichkeit als selbstverständlich angesehen. Dies war jedoch bis zur Entstehung der ersten Nationalstaaten in Europa kaum der Fall. So ist die heute durch das Konzept des staatlichen Machtmonopols geprägte Auffassung, militärische Tätigkeit sei eine streng öffentliche Aufgabe, im Vergleich zum Gesamtzeitraum der Militärhistorie eine sehr junge Überzeugung.
3 A bounty hunter is an individual who seeks out escaped fugitives in return for a monetary award. Most are employed by a bail bondsman. In the United States, bounty hunters catch an estimated 30,000 bail jumpers per year. Bounty hunters are also commonly known as bail enforcement agents, which is the preferred industry term. http://en.wikipedia.org/wiki/Bounty_Hunter
3
1.2 Die Privatisierung des staatlichen Machtmonopols
Die in den letzen Jahrzehnten und besonders zu Beginn der 90er Jahre erfolgte Welle der Privatisierung von Staatsbetrieben unterstreicht den Trend der zunehmenden Verschlankung der Staatsapparate. Um ihre Ökonomien für die Zukunft abzusichern, wurde das Stichwort Globalisierung zusammen mit den Begriffen Wettbewerbsfähigkeit und Kostenreduzierung zum Leitmotiv fast aller Regierungen. In Deutschland gelten Unternehmen wie Deutsche Telekom, Deutsche Post und Deutsche Bahn als Symbole für diese Entwicklung.
Im Anschluss an die fast vollkommen abgeschlossene Privatisierung ehemals staatlicher Industrie- und Dienstleistungsbetriebe lässt sich seit den frühen 90er-Jahren und besonders seit der Jahrtausendwende ein neuer Privatisierungstrend auch im Militärsektor feststellen.
Vergleicht man die Entwicklungen im Wirtschafts- und Verteidigungssektor kann man feststellen, dass die militärische Globalisierung der ökonomischen Globalisierung in einem zeitlichen Abstand von ca. drei Jahrzehnten folgt, auf ähnliche Herausforderungen reagieren muss und sich als Resultat ähnliche Lösungsmuster entwickeln. So kommt es in diesem eigentlich als unantastbar geltenden Sektor hoheitlicher Aufgaben zu bedeutenden Veränderungen. Singer schreibt zum historischen Verständnis der Landesverteidigung:
„[…] the service side of war was understood to be the sole domain of government. In fact,
providing for national, and hence their citizens’, security was one of the most essential
4 tasks of a government. Indeed it defined what a government was supposed to be.”
Und weiter Bezug nehmend auf die Tätigkeit der Soldaten zitiert er Bruce Grant: „Their craft sets them apart from other professionals in that the application of military
power is not comparable to a commercial service. Military professionals deal in life and
death matters, and the application of their craft has potential implications for the rise and
5 fall of governments.”
Die Auflösung des staatlichen Machtmonopols im Bereich des Militärischen hat sich in den letzten Jahren besonders in den USA durch die neokonservativ geprägte Außen- und Verteidigungspolitik unter Präsident George Bush und den so genannten Falken im Pen-
4 Singer,P.W.: 2003, S. 7-8
5 Bruce Grant: “U.S. Military Expertise for Sale: Private Military Consultants as a Tool of Foreign Policy”, http://web.archive.org/web/20020819173425/http://www.ndu.edu/inss/books/essaysch4.html, 7.2.2005
4
tagon beschleunigt. So hat nicht zuletzt die von Verteidigungsminister Donald Rumsfeld vorangetriebene Transformation des Militärs zu einer weit reichenden Auslagerung von militärischen Dienstleistungen an so genannte Private Military Companies geführt.
1.3 Was sind „Private Military Companies“ oder „PMCs“?
Die unter dem Oberbegriff „Private Military Companies“ zusammengefassten Unternehmen sind Firmen, die sich darauf spezialisiert haben, militärische Dienstleistungen in einem Bereich anzubieten, der ehemals alleinige Domäne des Staates war. „They are business organizations, that trade in professional services intricately linked to
warfare. They are corporate bodies that specialize in the provision of military skills, in-
6 cluding combat support, training, and technical skills.”
Die Tätigkeiten der PMCs werden in der Öffentlichkeit kontrovers diskutiert. Im Jahr 1997 äußerte sich der UN-Beauftragte für Söldneraktivitäten bezüglich der steigenden Zahl von Privaten Firmen im Militärsektor folgendermaßen:
"In what appears to be a new international trend, legally registered companies are provid-ing security, advisory and military training to the armed forces and police of legitimate
Governments. There have been complaints that some of these companies recruit mercenar-ies and go beyond advisory and instruction work to become involved in military combat
7 and taking over political, economic and financial matters in the country served"
In diesem Zitat wird deutlich, inwiefern die Tätigkeiten der PMCs aufgrund ihrer Ähnlichkeit mit der aus der Kriegsgeschichte bekannten Figur des Söldners verglichen werden. Zu diesem Eindruck trugen nicht zuletzt maßgeblich einige Pioniere der Branche bei, die durch kritisch zu bewertende Einsätze vor allem in Afrika das Bild der PMCs negativ beeinflussten. Dies ist ein Grund mehr, weshalb viele der Unternehmen ihre Tätigkeiten in der Vergangenheit lieber diskret anboten und ausführten. Diese Geschäftspraxis hat sich jedoch in den letzten Jahren für die meisten der Unternehmen geändert. Vor dem Hintergrund der Umstrukturierungen des US-Militärs und der zunehmenden Einbindung privater Unternehmen hat sich die Wahrnehmung der Branche in der Öffentlichkeit verbessert. Vorbei sind die Pionierzeiten, als ein Großteil der Unternehmen noch auf teils unseriöse Aufträge von korrupten Machthabern und Regimen angewiesen war. Gegenwärtige Aufträge erstrecken sich über ein breites Feld an
6 Singer, P.W. 2003: S. 8
7 Isenberg, D: "Regulated Private Military Companies have a role", IASNA News, March 2002.
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Einsatzmöglichkeiten und versprechen weitaus größere Umsätze als noch vor einigen Jahren.
So hat der Boom der Branche in den letzen Jahren dazu geführt, dass namhafte Unternehmen aus der traditionellen Bau- bzw. Logistikbranche, besonders aber aus dem Rüstungs- und Informationssektor, auf die kleinen Dienstleister aufmerksam geworden sind. So verfügt heute ein großer Teil der amerikanischen Rüstungsbranche mit bedeutenden Firmen wie Boeing oder Northrop Grumman über Tochterunternehmen im Bereich der militärischen Dienstleister. Vorbei sind seitdem die Zeiten, als kleine Unternehmen mit dubiosen Geschäftspraktiken das Image der PMCs als skrupellose Söldner begründeten. Transparenz, Shareholder-Value und Seriosität stehen heute ganz oben auf der Agenda der zum Teil börsennotierten Unternehmen, die mit bedeutenden Akquisitionen in den vergangenen Jahren in der Wachstumsbranche Fuß fassten. Einige Schritte der Entwicklung seien hier am Beispiel bedeutender Akquisitionen gekennzeichnet: 2000 - MPRI wird von L3-Communications (Umsatz ca. 5 Mrd. US$, 2003) einem ursprünglich nur im Telekommunikationssektor tätigen Unternehmens übernommen. 8 2002 - Der Rüstungsgigant Northrop Grumman (Umsatz ca. 30Mrd. US$, 2004) erwirbt die Anteile an Vinnell Corp. 9
2003 - Dyncorp wird vom US-amerikanischen IT-Spezialisten CSC (Umsatz ca.15 Mrd. US$, 2004) für eine Kaufsumme von 950 Mio. US$ übernommen und in das Unternehmen integriert. 10
Die Umsätze der Unternehmen liegen im Bereich der Bruttosozialprodukte kleiner Staaten wie Bolivien (21,1 Mrd. US$/2003) 11 oder Honduras (17,55 Mrd. US$/2003 est.) 12 . So verfügen die drei Größten der Branche über eine gemeinsame Marktkapitalisierung von ca. 60 Mrd. US$ (Apr. 2005) einem jährlichen Gesamtumsatz von 58 Mrd. US$ (2003) und einem Gewinn von 3,3 Mrd. US$ (2003) 13 . Hierbei ist jedoch zu beachten, dass je nach Unternehmen mal ein größerer mal ein geringerer Teil des Umsatzes aus den PMC-Tochterfirmen stammt.
8 Vgl. L3-Communications: Annual Report 2000 http://www.l-3com.com/investor_relations/annual_report/L3AR2000.pdf, 9.4.2005
9 Vgl. Northrop Grumman: Annual Report 2002 http://media.corporate-ir.net/media_files/irol/11/112386/2002AR.pdf, 9.4.2005
10 Vgl. CSC: Annual Report 2003: http://www.csc.com/investorrelations/uploads/CCAR03.pdf, 9.4.2005
11 CIA Factbook: http://www.cia.gov/cia/publications/factbook/geos/bl.html#Econ, 2.4.2005
12 CIA Factbook: http://www.cia.gov/cia/publications/factbook/geos/ho.html#Econ, 2.4.2005
13 Vgl. Annual Reports 2003 von Northrop Grumman, Computer Science Corp., Halliburton sowie L3-Com.
6
Der Gesamtmarkt militärischer Dienstleistungen wächst explosionsartig. Belief er sich im Jahr 1990 noch auf 55,6 Mrd. US$ und 2003 auf ca. 100 Mrd. US$ 14 so wird er von Greg Mills für das Jahr 2010 bereits auf mehr als 200 Mrd. US$ geschätzt. 15 Vor dem Hintergrund der aktuellen Entwicklung mit umfassenden Aktivitäten in Irak und Afghanistan ist jedoch davon auszugehen, dass diese Umsatzzahlen sehr bald, vielleicht schon in den nächsten 3 Jahren, erreicht sein werden. Dies zeigt deutlich, wie sich das Umfeld seit dem 11. September 2001 für die Privaten Militärunternehmen geändert hat.
1.4 Kategorisierung von PMCs
Um die Vielzahl an Anbietern und ihre Spezialisierungen zu überblicken, erfolgte von verschiedenen Seiten eine Einteilung der PMCs in unterschiedliche Kategorien. Das breite Feld an möglichen Tätigkeiten für PMCs hat zu einer weiten Ausdifferenzierung und Spezialisierung der einzelnen Firmen auf die unterschiedlichen Segmente des Marktes für militärische Dienstleistungen geführt. Wenn man sich die Tätigkeiten eines traditionellen Militärapparates genauer ansieht, so lässt sich eine bedeutende Zahl von Kernbereichen unterscheiden, die maßgeblich für den Erfolg einer Militäraktion sind. Beim Versuch, die PMCs zu kategorisieren, ist es hilfreich, sich an der von Carl von Clausewitz entwickelten Begrifflichkeit zentraler militärischer Aufgaben zu orientieren, wie sie in seinem Klassiker „Vom Kriege“ aus dem Jahre 1832 definiert sind.
1.4.1 Military „Core-Tasks“ nach Carl von Clausewitz
Clausewitz unterscheidet im zweiten Buch „Über die Theorie des Krieges“ zwischen der von ihm als „Kriegskunst“ bezeichneten Fähigkeit, ein Heer zusammenzustellen und zu bewaffnen und der von ihm als Kriegführung bezeichneten Tätigkeit „sich der gegebenen Mittel im Kampf zu bedienen“. 16 Hierbei macht er deutlich, „Daß Bewaffnung und Ausrüstung nicht wesentlich zum Begriff des Kampfes gehören, [...], denn bloßes Ringen ist auch Kämpfen.“ Nichts desto weniger wird im Kontext dieser Arbeit und hinsichtlich einer Definition von militärischen Kernaufgaben ein Blick auf den von Clausewitz als Kriegskunst definierten Bereich geworfen werden. Zunächst definiert von Clausewitz „Tätigkeiten“, die dem eigentlichen Kampf vor- bzw. nachgelagert, aber nichtsdestoweniger von Bedeutung sind:
14 Isenberg, David: in Asia Times Online Aug 14 th 2003, http://www.sandline.com/hotlinks/security_for_sale.html, 9.3.2005
15 Mills, Greg / Stremlau, John (Hg.): The Privatisation of Security in Africa. Johannesburg 1999, S.1
16 Vgl. Clausewitz, Carl von: Vom Kriege, Zweites Buch, Erstes Kapitel, S. 92 ff. München 2002
7
„Nun gibt es aber im Kriege eine Menge von Tätigkeiten, die ihm [dem Kampf, Anmerkung
des Autors] dienen, aber von ihm doch verschieden, ihm bald näher verwandt, bald fremd-
17 artiger sind. Diese Tätigkeiten alle beziehen sich auf die Erhaltung der Streitkräfte.“
Tätigkeiten, die er in diesem Zusammenhang aufführt, sind u.a. die Rekrutierung und Ausbildung der Streitkräfte sowie deren Erhaltung. Des weiteren „Märsche, Läger und Quartiere“ 18 .
Bei der Übertragung der Einteilung Clausewitz’ auf die heutige Situation des Militärs und unter besonderer Berücksichtigung der möglichen Privatisierung militärischer Dienstleistungen kann man also unterschiedliche Elementaraufgaben des Militärs erfassen. Zum Bereich der „Kriegskunst“ zählen nach Clausewitz, dem aktuellen Sprachgebrauch angepasst, Aufgaben wie: • Transport bzw. Logistik (Zit. „Märsche“) • Infrastruktur und Militärbasen (Zit. „Läger und Quartiere“) • Personalrekrutierung (Zit. „Aushebung“)
• Ausbildung und Bewaffnung (Zit. „Bewaffnung, Ausrüstung und Übung“) Zum Bereich des von Clausewitz definierten Begriffes der „Kriegführung“ wären folgende Aufgaben zu zählen:
• Taktische Kommando- und Exekutivfunktion (Zit. „Gefechte [...] anzuordnen und zu führen“)
• Strategische Kommando- und Exekutivfunktion (Zit. „sie [die Gefechte, Anm. d.
Autors] unter sich zum Zweck des Krieges zu verbinden“)
Diese Aufzählung und Unterteilung zeigt, dass Clausewitz militärische Aufgaben „welche nur der Erhaltung angehören, [...] Ernährung, Krankenpflege, Waffen- und Ausrüstungsersatz“ nicht in die vorgenannten Kategorien einordnet. Sie gehören seiner Einsicht nach nicht in den Zusammenhang des „Kampfes“. Er schränkt jedoch ein: „Wir müssen uns hier aber vor einem Mißverständnis bewahren. Im einzelnen Fall können
faktisch diese Gegenstände von entscheidender Wichtigkeit sein. Die Entfernung der Hospi-täler und Munitionsvorräte kann sehr füglich als der einzige Grund für sehr wichtige stra-
tegische Entscheidungen gedacht werden; das wollten wir weder in Abrede noch in den
19 Schatten stellen.”
17 Ibidem S. 93
18 Ibidem S. 94 19 Ibidem S. 97
8
Vor dem Hintergrund dieser theoretischen Abgrenzung werden deshalb im Kontext dieser Arbeit vorrangig Unternehmen der privaten Militärbranche untersucht werden, deren Dienstleistungsangebot unter die von Clausewitz als Kriegskunst bzw. Kriegführung bezeichneten Bereiche fällt. Ergänzend zu Clausewitz soll wegen der heutzutage essenziellen Bedeutung des Informations- und Kommunikationssektors dieser Bereich hinzugenommen werden.
1.4.2 Kategorisierungsmodelle
Unter Verwendung dieser Eingrenzung des Untersuchungsfeldes wird im Folgenden die Klassifizierung von PMCs vorgestellt.
In einer Reihe von unterschiedlichen Modellen 20 hat sich gegenwärtig das so genannte „Tip of Spear“ 21 Modell von Peter Singer etabliert (siehe Abbildung 1), welches in leicht abgewandelter Form (siehe Abbildung 2) auch Grundlage der in dieser Arbeit vorgenommenen Kategorisierung ist.
Abbildung 1: „Tip of Spear“ Modell nach Singer
In Singers Modell werden Private Militärfirmen nicht wie in anderen Modellen bezüglich ihrer Tätigkeit kategorisiert, sondern anhand der räumlichen Distanz zwischen dem Ort ihrer Tätigkeit und dem Kampfgeschehen. Firmen die sehr nahe dem Kampfgesche-
20 Vgl.Spicer, Tim, O’Brien, Doug Brooks in Traders: Journal for the Southern African Region, no. 3-2000: Hope for the ‘Hopeless Continent’: Mercenaries
21 Modell nach P.W.Singer bezüglich der Kategorisierung von PMCs - Singer, 2003, S. 93
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hen operieren, werden von denen unterschieden die ihre Tätigkeit hinter den Frontlinien oder sogar im friedlichen Heimatland ausüben. Im Folgenden ein kurzer Überblick über die Kategorien: Military Provider Firms:
Diese Firmen übernehmen taktische militärische Kommando- und Exekutivfunktionen und befinden sich an der Spitze des Konflikt- und Kampfgeschehens. Sie sind entweder als eigene kleine Einheit oder als einzelne Spezialisten in bestimmten Funktionen (Kampfpiloten, Spione oder Saboteure) in das Kriegszenario eingebunden. Unter Umständen agieren sie auch als Befehlshaber für reguläre Truppenverbände. Sie stellen den Prototypen der Private Military Companies (PMCs) dar und haben in der Vergangenheit maßgeblich zum schlechten Image der Branche beigetragen. Security Provider Firms oder Private Security Details (PSD): Die in diesem Segment zu fassenden Unternehmen übernehmen Polizei- und Wachaufgaben sowohl im Bereich militärischer als auch ziviler Einrichtungen. Sie überwachen und beschützen außerdem militärischen und humanitären Zwecken dienende Konvois. Des Weiteren werden sie für den Personenschutz von Unternehmenspersonal, Politikern oder Personal von NGOs engagiert. Diese Kategorie ist nicht Teil des ursprünglichen Singerschen Modells, sondern wurde hier aus noch zu erklärenden Motiven hinzugefügt und ist in Abbildung 2 zu finden. Military Consultant Firms
Dieser Teilbereich der Branche offeriert seinen Klienten Beratungs- und Trainingsdienstleistungen, die für die Durchführung von militärischen Einsätzen oder die Sicherung von Infrastruktur und Staatsterritorium relevant sind. Hierbei konzentrieren sich die Anbieter vor allem auf die Ausbildung von Polizei- und Sicherheitspersonal bzw. den Aufbau effizienterer Sicherheitsstrukturen. Sie bieten also operative Unterstützung, ohne selbst aktiv in einen Konflikt einzugreifen. In Einzelfällen können sie in beratender Funktion auch auf Strategieebene Einfluss ausüben. Military Support Firms
Die unterste Ebene der PMCs repräsentiert den größten Teil der Unternehmen der Branche. Gleichzeitig stellt diese Ebene die weitaus differenzierteste der drei dar. Die Mög- lichkeiten der Privatisierung in diesem Segment sind enorm, was bedeutet, dass auch
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die Umsätze bedeutend größer ausfallen als in den drei anderen Geschäftsfeldern. Sie agieren zum Teil weit hinter den feindlichen Linien oder üben ihre Tätigkeiten sogar im sicheren Heimatland aus. 22
Für das Singersche Modell spricht im Vergleich zu anderen Modellen vor allem die realistischere Sichtweise. Beschränkten sich andere Modelle auf Kriterien wie „aktiven/passiven“ 23 oder „lethal/non-lethal“ 24 Charakter der Tätigkeiten von privaten Militärdienstleistern, so bietet das Singersche Modell einen weitaus wirklichkeitsgerechteren Ansatz. Bei der näheren Beschäftigung und Anwendung des Schemas auf unterschiedliche Unternehmen stellte sich jedoch heraus, dass die von Singer entwickelte Dreiteilung nicht in allen Fällen eine zufrieden stellende Kategorisierung ermöglichte. Vielmehr fehlte des Öfteren eine vierte Unternehmenskategorie, die zwischen den „Consultants“ und den „Providern“ angeordnet ist. Dieses Aufgabenfeld grenzt räumlich an das der „Military Provider“. Die Unternehmen agieren oftmals kurz hinter den Frontlinien und schützen dort sowohl militärische Nachschubkonvois oder Basislager als auch Gebäude und Personal von Privatfirmen oder NGOs. Ihre Konfrontation mit dem Gegner ist auf die Defensive beschränkt, wohingegen die „Provider“ offensiv gegen den Gegner vorgehen.
Abbildung 2 stellt die in der beschriebenen Weise angepasste Grafik des Singerschen „Tip of Spear“-Modells dar. Neben der Kategorisierung kann diesem Schema außerdem der Differenzierungsgrad der einzelnen Bereiche entnommen werden. Das Tätigkeitsfeld der „Provider“ stellt dabei einen Nischenmarkt dar und wird nur von wenigen spezialisierten Unternehmen besetzt. Mit wachsender Entfernung zum Kampfgeschehen vergrößert sich die Zahl der möglichen Betätigungsfelder und damit einhergehend die Anbieterzahl. Da die Unternehmen in sich sehr differenziert sind, ist eine Kategorisierung von Fall zu Fall erforderlich. Unter Umständen kann ein und dasselbe Unternehmen in unterschiedlichen Konflikten unterschiedliche Tätigkeitsfelder ausfüllen. So unterscheiden sich die Aktivitäten Dyncorps in Kolumbien deutlich von denen des Unternehmens im Irak oder Afghanistan.
22 Vgl. Kümmel, Gerhard: Modernes Söldnertum, in IFDT - Information für die Truppe, IV-2004, http://www.ifdt.de/0404/Artikel/kuemmel.htm, 10.4.2005
23 Vgl. Spicer, Tim, O’Brien, Doug Brooks 2000
24 Vgl. Minutes of Evidence of the House of Commons from Thursday 13 June 2002, Appendix 8, Chapter I, http://www.publications.parliament.uk/pa/cm200102/cmselect/cmfaff/922/2061321.htm
Arbeit zitieren:
Philipp Günther, 2005, Private Military Companies als neuer internationaler Akteur, München, GRIN Verlag GmbH
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