INHALTSVERZEICHNIS
INHALTSVERZEICHNIS 2
Einleitung 3
1 Mediensozialisation - Theoretische Grundlagen. 4
2 Medienaneignung und -nutzung. 7
2.1 Selbst- und Fremdsozialisation im Umgang mit Medien. 7
2.2 Vom Prägemodell zur subjektiven Aneignung von Medien 11
3 Funktionen der Medien für die Heranwachsenden 12
3.1 Situative Funktionen. 12
3.2 Soziale Funktionen. 13
3.3 Biografische/Ich-bezogene Funktionen 14
4 Wirkung von Medien auf die Sozialisanden. 15
4.1 Positive Auswirkungen des Medienkonsums 15
4.2 Mögliche negative Folgen der Mediennutzung. 16
5 Fazit. 19
LITERATURVERZEICHNIS 20
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Einleitung
Medien sind in unserer modernen Gesellschaft allgegenwärtig. Über Fernsehen, Radio, Internet und Co. strömen ständig Informationen auf uns ein. Aufgrund ihrer zunehmenden Portabilität sind Medien inzwischen oft zeit- und ortsunabhängig verfüg- und nutzbar.
Da Kinder und Jugendliche über ein großes Freizeitrepertoire verfügen, welches sie häufig zum Medienkonsum nutzen, stellt sich die Frage nach dem Einfluss von Medien auf den Sozialisationsprozess. Von Interesse ist hierbei auch, wie sich Heranwachsende den Umgang mit Medien überhaupt aneignen und inwiefern sie dabei von klassischen Sozialisationsinstanzen wie Lehrern und Eltern unterstützt oder gelenkt werden. Außerdem ist zu untersuchen, ob sich die Adoleszenten unvoreingenommen von Medieninhalten „berieseln lassen“ oder sich gezielt Informationen aus den Medienangeboten filtern, die ihren Interessen und Persönlichkeitszügen entsprechen. Des Weiteren ist interessant, aus welcher Motivation heraus sich Sozialisanden 1 Medien zuwenden und welche förderlichen oder nachteiligen Auswirkungen der Medienkonsum mit sich bringen kann. Bevor Medienaneignung, -funktionen und -wirkung bei Heranwachsenden genauer betrachtet werden können, muss jedoch erst eine definitorische Basis geschaffen werden.
1 Ein Sozialisand ist ein der Sozialisation unterworfener Heranwachsender.
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1 Mediensozialisation - Theoretische Grundlagen
Um die Bedeutung des Mediensozialisationsbegriffs zu erfassen, sollte man sich zunächst dessen Einzelbestandteilen „Medien“ und „Sozialisation“ widmen. Medien lassen sich auf sehr unterschiedliche Art und Weise definieren und klassifizieren. Die Singularform „Medium“ stammt aus dem Lateinischen und bezeichnete ursprünglich das in der Mitte Befindliche, konnte aber auch Zwischenraum, Vermittlung oder Unterschied bedeuten oder für Gemeinwohl sowie Öffentlichkeit stehen (Schulte-Sasse, 2002). Heute bezeichnet der Begriff - im weiteren Sinne - ein Mittel oder eine Instanz zur Vermittlung zwischen Personen, Gruppen, Angelegenheiten oder Welten beziehungsweise - im engeren, kommunikationswissenschaftlichen Sinne -Instanzen, die Bedeutungen oder Botschaften transportieren (Merten, 1999). Es handelt sich also um Träger, Boten oder Kanäle, die zur Informationsweitergabe dienen. Schanze benennt dabei Sprache und Schrift beziehungsweise allgemeiner Bild, Text und Ton als „Basismedien“ (2001, S. 200) der Entwicklung der Kommunikationstechniken. Die Pluralform „Medien“ wird im alltäglichen Sprachgebrauch jedoch hauptsächlich im Zusammenhang mit Presse, Rundfunk, Film und Musik - als sogenannte traditionelle Medien - oder in Verbindung mit neuen Medien, wie verschiedenen digitalen Online- und Offline-Medien verwendet (Sjurts, 2004).
Nach Merten (1999) lassen sich drei Arten von Medien unterscheiden: Massenmedien, neue Medien und Multimedia. Kennzeichnend für Massenmedien ist dabei, dass sie Informationen an ein öffentliches, disperses Publikum übermitteln (Hoffmann, 2007). Der Begriff wird im Volksmund oft synonym für „Medien“ verwendet und beinhaltet vor allem Hörfunk, Fernsehen, Printmedien wie Zeitungen und Zeitschriften sowie das World Wide Web. Auch die vorliegende Arbeit wird sich im Wesentlichen auf diese Art beziehen, wenn von Medien die Rede ist. Zu den neuen Medien zählen Medien, die sich computervermittelt realisieren lassen, wie zum Beispiel das Internet oder Computerspiele. Multimedia meint ebenfalls computergestützte Medien; jedoch muss hier die Bedingung erfüllt sein, dass diese mehrer Darstellungsformen (beispielsweise Ton, Bild, Text, Bewegtbild) vereinen (Merten, 1999).
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Es existiert eine Vielzahl weiterer Klassifikationsmöglichkeiten von Medien, zum Beispiel - in Abhängigkeit vom Technikeinsatz bei Produktion und/oder Rezeptionin Primär-, Sekundär-, Tertiär- oder Quartärmedien (Pross, 1972; Fraßler, 1997). Des Weiteren ist - bezogen auf die jeweilige Funktion - eine Unterscheidung von Übertragungs- und Speichermedien möglich. Die bisherigen Ausführungen sollen an dieser Stelle aber genügen, um die grundlegende Bedeutung des Medienbegriffs darzustellen.
Auch zur Sozialisation gibt es vielfältige Auffassungen, Theorien und Modelle. Allgemein lässt sie sich als wechselseitiger Prozess der Beeinflussung von Individuum und Gesellschaft definieren (Schorb, 1990). Der Sozialisand setzt sich dabei aktiv mit seiner sozialen, symbolischen und materiellen Umwelt sowie sich selbst auseinander (Vollbrecht, 2007), was typische und nachhaltige Persönlichkeitsentwicklungen zur Folge hat (Bachmair, 2007). Uneinigkeit herrscht jedoch darüber, ob der Begriff auch intentionale Sozialisationsformen wie Familienerziehung und Schulunterricht einschließt. Luhmann (2002) sieht Sozialisation beispielsweise grundsätzlich als
Selbstsozialisation und meint, man müsse sich vom klassischen Übertragungsmodell der Regeln, Normen und Rituale des sozialen Systems (Familie) auf das psychische System (Heranwachsender) verabschieden (Miebach, 2006). Er begründet dies unter anderem damit, dass sich die „enorme Vielfalt von Individuen“ (Luhmann, 2002, S. 136) nur mit der Selbstsozialisation des autopoietischen 2 psychischen Systems erklären lässt. Auch Zinnecker (2000) spricht sich für den Selbstsozialisationsbegriff aus. Die Berechtigung des Begriffs belegt er damit, dass Kinder und Jugendliche „ihre Sozialisation im Kontext einer individualisierten Gesellschaft zunehmend eigenständig bestimmen und von traditionellen Sozialisationsinstanzen unabhängiger werden“ (Süss, 2007, S.110).
Bauer (2002) distanziert sich jedoch vom Terminus Selbstsozialisation, da ein modernes Sozialisationsverständnis sowohl Selbst- als auch Fremdsozialisation umfasse. Nach Hurrelmann (2002) sei die Verwendung der Bezeichnung Selbstsozialisation nur dann gerechtfertigt, wenn sie die Anteile der Selbststeuerung
2 Autopoiesis beziehungsweise Autopoiese bezeichnet den Prozess der Selbsterschaffung und
-erhaltung eines Systems. Sie ist von zentraler Bedeutung in Luhmanns soziologischer Systemtheorie
(http://www.luhmann-online.de/glossar/autopoiesis.htm).
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im Sozialisationsprozess meint, die zu denen der Fremdsteuerung hinzu kommen. Im Rahmen dieser Arbeit sollen beide Sozialisationsformen als legitim angesehen werden. Auf den Inhalt und die Bedeutung von Fremd- und Selbstsozialisation für die Aneignung von Medien bei Heranwachsenden wird im zweiten Gliederungspunkt genauer eingegangen.
Mediensozialisation stellt nun einen Zusammenhang zwischen Medien und Sozialisation her. Dieser kann nach Schorb (1990) von zwei verschiedenen Blickwinkeln aus betrachtet werden. Zum einen beschreibt er den Einfluss der Medien - vor allem der Massenmedien - auf Wissen, Einstellungen, Urteile bis hin zum Verhalten von Menschen. Kinder und Jugendliche seien besonders stark von dieser Beeinflussung betroffen, da bei ihnen die Medien und ihre Inhalte in affektive und kognitive Entwicklungsprozesse eingreifen. Dieses
Mediensozialisationsverständnis bezeichnet Schorb als „Sozialisation durch Medien“ (1990, S. 227).
Die zweite Deutungsweise des Begriffes ist die der bewussten Nutzung von Medien als Sozialisationsinstrumente. Dies umfasst sowohl den Gebrauch von Medien zu Lehrzwecken - zum Beispiel den Medieneinsatz im Schulunterricht - als auch die Verwendung von Medien durch die Heranwachsenden zur Selbststeuerung des Sozialisationsprozesses, also das Einbeziehen von Medien in soziales Handeln. Diese Sichtweise nennt Schorb „Sozialisation mit Medien“ (1990, S. 227). Medien können also nicht-intentional und intentional Einfluss auf Kinder und Jugendliche nehmen. Wie diese Beeinflussung im Einzelnen aussehen kann und auf welche Weise sich Sozialisanden Medien bewusst aneignen, soll im Folgenden betrachtet werden.
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Arbeit zitieren:
B. A. Anett Michael, 2008, Medien als Sozialisationsinstanzen, München, GRIN Verlag GmbH
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