Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 1
1.1. Das Modell 1
1.2. Konstante Kontaktrate 2
2. Existenz 4
2.1. Existenz allgemeiner L osungen von (1.1) 4
2.1.1. Theorie der Funktionaldifferentialgleichungen 4
2.1.2. Existenz und Eindeutigkeit von L osungen 14
2.1.3. Spezialfall f ur c 0 20
2.2. Ergebnisse aus der Funktionalanalysis 23
2.2.1. Kompakte Operatoren in Banachr aumen 23
2.2.2. Kegel in Banachr aumen 24
2.2.3. Spezielle Eigenschaften kompakter Operatoren in Banach-
r aumen 27
2.2.4. Fixpunkts atze 34
2.3. Existenz periodischer L osungen 40
2.3.1. Eigenschaften des Operators N 40
i
Inhaltsverzeichnis
2.3.2. Kriterien f ur die Existenz einer periodischen L osung von
(1.1) 48
3. Grenzwerte und Stabilit at 59
3.1. Grenzwerte 59
3.2. Stabilit at 65
3.2.1. Stabilit atsbetrachtungen linearer Funktionaldifferentialglei-
chungen 65
3.2.2. Gest orte Systeme linearer Funktionaldifferentialgleichungen 73
3.2.3. Stabilit atsbetrachtungen der Gleichung (1.1) 83
4. Biologische Interpretation 89
A. Hilfss atze 91
A.1. Elementare Aussagen 91
A.2. Hilfsaussagen aus der Funktionalanalysis 92
ii
1. Einleitung
Gegenstand dieser Arbeit ist eine skalare nichtlineare Funktionaldifferentialgleichung, die den Anteil einer Bev¨ olkerung beschreibt, der mit einer von Insekten ubertragenen Krankheit infiziert ist. In erster Linie sollen hierbei Voraussagen ¨
uber den Verlauf der Infektion in der Bev¨ olkerung getroffen werden. Sowohl die ¨
Krankheit selbst als auch die erkrankte Bev¨ olkerung unterliegen einigen, weiter unten n¨ aher spezifizierten Bedingungen.
1.1. Das Modell
Im folgenden wird das Modell besprochen, das Grundlage f¨ ur die Ableitung der Gleichung ist:
a) Die Infektion kann in beide Richtungen ¨ ubertragen werden, d.h. also eine anf¨ allige Person kann sich gleichermaßen bei einem ¨ Ubertr¨ ager, beispielsweise einem Mosquito, infizieren, wie auch ein infizierter Mensch den Virus auf ein Insekt ¨ ubertragen kann.
b) Die Infektion hat weder Tod noch Immunit¨ at zur Folge, d.h. nach ¨ uberstandener
Infektion ist die Person sofort wieder anf¨ allig.
c) Die Gr¨ oße der betrachteten Bev¨ olkerung ist konstant. Geburten, Todesf¨ alle sowie Auswanderungen werden vernachl¨ assigt.
d) Nach der Infektion des ¨ Ubertr¨ agers vergeht eine konstante Zeit T , bis sich diese entwickelt hat, und das Insekt selbst infekti¨ os ist.
e) Die ¨ Ubertr¨ ager sind homogen in der betrachteten Bev¨ olkerung verteilt.
f) Die Heilungsrate bei infizierten Menschen ist konstant c.
1
1. Einleitung
g) Die Anzahl der ¨ Ubertr¨ ager zur Zeit t fluktuiert saisonal, d.h. sie ist proportional zu dem Anteil infizierter Personen in der Bev¨ olkerung zum Zeitpunkt t − T und zwar mit einem periodischen Proportionalit¨ atsfaktor b(·).
Sei nun y(t) der Anteil der infizierten Personen zum Zeitpunkt t, z(t) die Anzahl der infizierten ¨ Ubertr¨ ager zum Zeitpunkt t. Da die Gesamtbev¨ olkerung nach
b) ausschließlich aus infizierten und anf¨ alligen Personen besteht, folgt, daß der Anteil der letzteren 1 − y(t) ist. Voraussetzung e) bedeutet nun, daß sich die Anzahl der neu Infizierten pro Zeiteinheit ergibt zu (1 − y(t))z(t). Die ¨ Anderung
des Infiziertenanteils entspricht der Differenz aus neu erkrankten Personen und geheilten Personen. Mit den Bedingungen f) und g) folgt dann sofort:
y (t) = b(t)y(t − T )[1 − y(t)] − cy(t) (1.1)
wobei c, T positive Konstanten sind und b eine positive, periodische Funktion der minimalen Periode ω ist.
Als erstes wurde diese Gleichung auf die Existenz periodischer L¨ osungen in [3] untersucht, wo auch lokale Stabilit¨ atsaussagen solcher periodischer, aber auch nichtperiodischer L¨ osungen in Abh¨ angigkeit der Heilungsrate c getroffen wurden. Das Ziel dieser Arbeit soll sein, [3] unter Miteinbeziehung der Existenzaussagen f¨ ur Funktionaldifferentialgleichungen und der weiteren ben¨ utzten Aussagen aus dieser Theorie, sowie der verwendeten Aussagen aus der Spektraltheorie kompakter Operatoren in Banachr¨ aumen, neu darzustellen. Hierbei soll der biologische Hintergrund nicht unber¨ ucksichtigt bleiben.
1.2. Konstante Kontaktrate
In einer fr¨ uheren Arbeit von Cooke ([5]) wurde das gleiche Modell mit konstanter Kontaktrate b behandelt. Dort wurde in erster Linie mit Hilfe des LaSalle’schen Invarianzprinzips f¨ ur autonome Funktionaldifferentialgleichungen folgendes Theorem bewiesen:
Theorem 1.1 Betrachte (1.1) mit konstantem b und der Anfangsbedingung x 0 = φ. F¨ ur c ≥ b > 0 ist die L¨ osung y = 0 asymptotisch stabil und die Menge G = {φ ∈ C([−T, 0], IR) : 0 ≤ φ(Θ) ≤ 1 f¨ ur − T ≤ Θ ≤ 0} ein Gebiet der Anziehung.
F¨ ur 0 ≤ c < b ist die L¨ osung y = 1 − c asymptotisch stabil und die Menge
b
˜ G = {φ ∈ C([−T, 0], IR) : 0 < φ(Θ) ≤ 1 f¨ ur − T ≤ Θ ≤ 0} ein Gebiet der Anziehung.
2
Dieses Resultat impliziert, daß es f¨ ur eine konstante Kontaktrate b keine nichttrivialen periodischen L¨ osungen gibt. Es stellt sich vielmehr das zu erwartende Ergebnis ein. Ist die Heilungsrate gr¨ oßer als die Kontaktrate zwischen ¨ Ubertr¨ ager
und Mensch, wird die Epidemie f¨ ur sehr große Zeiten aussterben. Ist dagegen die Kontaktrate gr¨ oßer, n¨ ahert sich der Anteil der infizierten Personen an der Bev¨ olkerung einem sog. endemischen Level (= 1
−
c
Schwelle erreicht, bei deren ¨ Uberschreiten sich das Verhalten der Epidemie f¨ ur t −→ ∞ umkehrt.
In den folgenden Kapiteln soll (1.1) mit fluktuierender, also periodischer Kontaktrate b(·) betrachtet werden.
3
2. Existenz
In diesem Kapitel werden vollst¨ andige Aussagen ¨ uber die Existenz periodischer
L¨ osungen von (1.1) gemacht. Hierzu wird zuerst die Frage beantwortet, inwieweit allgemeine L¨ osungen von (1.1) existieren.
2.1. Existenz allgemeiner L¨ osungen von (1.1)
Zun¨ achst f¨ uhre ich den Leser ein in die Theorie der Existenz, Eindeutigkeit und Fortsetzbarkeit f¨ ur Funktionaldifferentialgleichungen. Hierbei wird die Frage gekl¨ art, welche Bedingungen die rechte Seite einer solchen Gleichung erf¨ ullen muß, damit sie eine eindeutige L¨ osung zu einer bestimmten Anfangsbedingung hat. Hierbei versuche ich, wenn m¨ oglich, die Analogien zu gew¨ ohnlichen Differentialgleichungen anzudeuten. In den darauf folgenden Abschnitten werden die gewonnenen Resultate auf (1.1) angewendet.
2.1.1. Theorie der Funktionaldifferentialgleichungen
Im folgenden sei T ≥ 0 eine reelle Zahl, IR n der n-dimensionale Vektorraum uber den reellen Zahlen mit der euklidischen Norm | · | sowie C([a, b], IR n ) der ¨
Banachraum stetiger Funktionen, die [a, b] in den IR n abbilden, versehen mit der Supremumsnorm φ = sup θ∈[a,b] φ(θ). Im Verlaufe dieser Arbeit setze ich C := C([−T, 0], IR n ).
Definition 2.1 F¨ ur σ ∈ IR, α ≥ 0 und x ∈ C([σ − T, σ + α], IR n ) ist f¨ ur jedes t ∈ [σ, σ + α] die Funktion x t wie folgt definiert:
x t : [−T, 0] −→ IR n ; θ −→ x(t + θ).
4
Definition 2.2 Sei D ⊂ IR × C und f : D −→ IR n . Dann heißt
x (t) = f (t, x t ) (2.1)
eine (verz¨ ogerte) Funktionaldifferentialgleichung auf D. F¨ ur σ ∈ IR und α ≥ 0 heißt eine Funktion x L¨ osung von (2.1) auf [σ − T, σ + α], wenn gilt:
i) x ∈ C([σ − T, σ + α], IR n )
ii) ∀t ∈ [σ, σ + α] : (t, x t ) ∈ D
iii) ∀t ∈ [σ, σ + α] : x (t) = f (t, x t ).
F¨ ur gegebenes σ ∈ IR, φ ∈ C nennt man x(σ, φ) eine L¨ osung von (2.1) durch (σ, φ), falls ein α > 0 existiert, so daß x(σ, φ) eine L¨ osung von (2.1) auf [σ − T, σ + α] ist, und x σ (σ, φ) = φ. Letzteres bedeutet, daß ∀θ ∈ [−T, 0] gilt x(σ, φ)(σ + θ) = x σ (σ, φ)(θ) = φ(θ).
Diese Definitionen k¨ onnen auf unstetige Anfangsbedingungen verallgemeinert werden, was wir zu einer sp¨ ateren Stelle (siehe Abschnitt 3.2.2) in dieser Arbeit ben¨ otigen werden. Hierzu bezeichne F ([a, b], IR n ) den Raum der beschr¨ ankten, nicht notwendigerweise stetigen Funktionen von [a, b] nach IR. Wir setzen analog zu oben F := F ([−T, 0], IR n ).
Definition 2.3 F¨ ur σ ∈ IR, α ≥ 0 und x ∈ F ([σ − T, σ + α], IR n ) ist f¨ ur jedes t ∈ [σ, σ + α] die Funktion x t wie folgt definiert:
x t : [−T, 0] −→ IR n ; θ −→ x(t + θ).
Definition 2.4 Sei E ⊂ IR × F und f : E −→ IR n . Dann heißt
x (t) = f (t, x t ) (2.2)
eine (verz¨ ogerte) Funktionaldifferentialgleichung auf E. F¨ ur σ ∈ IR und α ≥ 0 heißt eine Funktion x L¨ osung von (2.2) auf [σ − T, σ + α], wenn gilt:
i) x ∈ F ([σ − T, σ + α], IR n )
ii) ∀t ∈ [σ, σ + α] : (t, x t ) ∈ E
iii) ∀t ∈ [σ, σ + α] : x (t) = f (t, x t ).
5
2. Existenz
F¨ ur gegebenes σ ∈ IR, ψ ∈ F nennt man x(σ, ψ) eine L¨ osung von (2.1) durch (σ, ψ), falls ein α > 0 existiert, so daß x(σ, ψ) eine L¨ osung von (2.1) auf [σ − T, σ + α] ist, und x σ (σ, ψ) = ψ.
Zun¨ achst beweise ich zwei Lemmata.
Lemma 2.1 Ist x ∈ C([σ − T, σ + α], IR n ), dann ist die Abbildung t −→ x t , [σ, σ + α] −→ C stetig.
Beweis:
Sei x ∈ C([σ − T, σ + α], IR n ). Da [σ − T, σ + α] ein kompaktes Intervall ist, ist x gleichm¨ aßig stetig auf [σ − T, σ + α], d.h.
∀ > 0 ∃δ > 0 ∀θ ∈ [−T, 0] ∀t, τ ∈ [σ, σ + α] : δ > |t − τ | = |t + θ − (τ + θ)| =⇒ |x t (θ) − x τ (θ)| = |x(t + θ) − x(τ + θ)| < <.
2 Also ist auch x t − x τ = sup θ∈[−T,0] |x t (θ) − x τ (θ)| < <.
Lemma 2.2 Seien D ⊂ IR × C offen und f : D −→ IR n stetig. Dann sind ∀ (σ, φ) ∈ IR × C die folgenden Aussagen ¨ aquivalent:
i) x ist L¨ osung von Gleichung (2.1) durch (σ, φ) ii) x ist L¨ osung der Integralgleichung t
f¨ ur ein α > 0 mit {(t, x t ) : σ ≤ t ≤ σ + α} ⊂ D.
Beweis:
i)⇒ii): Sei x L¨ osung von (2.1) durch (σ, φ), d.h. es gibt ein α > 0 derart, daß x ∈ C([σ − T, σ + α], IR n ) L¨ osung im Sinne der Definition ist, und mit Lemma 2.1, daß x t stetig in t ist. Also ist auch f (t, x t ) stetig auf [σ, σ + α]. Daraus erh¨ alt man, daß x stetig auf [σ, σ + α] ist, und somit t t
ii)⇒i): Sei x L¨ osung von (2.3). Dann ist x differenzierbar auf [σ, σ + α], x t stetig in t, also wieder f (t, x t ) stetig auf [σ, σ + α], also x stetig differenzierbar mit t
6
Mit lim t→σ− x(t) = x σ (0) = φ(0) = x(σ) = lim t→σ+ x(t) folgt schließlich noch x ∈ C([σ − T, σ + α], IR n ). 2
Nun sind die n¨ otigen Definitionen und Hilfsmittel bereitgestellt, um die beiden Hauptresultate dieses Abschnittes zu beweisen, die Existenz und Eindeutigkeit einer L¨ osung von (2.1) zu einer Anfangsbedingung φ. Der Existenzbeweis ist eine Anwendung des Schauderschen Fixpunktsatzes (Theorem A.1) auf einen noch zu definierenden Operator T . Dazu ist allerdings noch die Einf¨ uhrung einiger Notationen, sowie der Beweis von drei Lemmata n¨ otig. Zun¨ achst formuliere ich jedoch das Theorem. Hierbei sei C 0 (V, IR n ) ⊂ C(V, IR n ) der Raum aller stetigen, beschr¨ ankten Funktionen von V ⊂ Ω, V offen, nach IR n , der mit der Norm f V = sup (t,φ)∈V |f (t, φ)| ein Banachraum wird.
Theorem 2.1 (Existenz) Sei Ω ⊂ IR × C offen und f 0 ∈ C(Ω, IR n ) gegeben. Dann gilt: ∀(σ, φ) ∈ Ω gibt es eine L¨ osung der Gleichung
x (t) = f 0 (t, x t )
durch (σ, φ).
Allgemeiner gilt: ∀ W ⊂ Ω kompakt ∃ Umgebung V ⊂ Ω von W mit f 0 ∈ C 0 (V, IR n ). Weiterhin ∃ Umgebung U ⊂ C 0 (V, IR n ) von f 0 , ∃α > 0 ∀(σ, φ) ∈ W, f ∈ U ∃ L¨ osung x(σ, φ) von (2.1) durch (σ, φ) auf dem Intervall [σ −T, σ +α].
Beweis:
Die Vorgehensweise ist die folgende: In einem ersten Schritt f¨ uhre ich eine, wie sich sp¨ ater herausstellen wird, bequemere Notation, sowie eine weitere Integralgleichung ein. Ich zeige, daß das L¨ osen dieser Gleichung wiederum ¨ aquivalent dazu ist, eine L¨ osung von (2.3) zu finden. Anschließend definiert man einen Ope-rator T , der ein y ∈ C([−T, α], IR n ) auf die rechte Seite dieser Integralgleichung abbildet, und zeigt, daß T kompakt ist. In einem letzten Schritt wendet man auf T , wie schon erw¨ ahnt, den Schauderschen Fixpunktsatz an: 1.Schritt:
Ist nun x eine L¨ osung von (2.1) durch (σ, φ) und f stetig, dann erf¨ ullt x nach Lemma 2.2 auch (2.3). D.h.
∀t ∈ [−T, 0] : x(t + σ) = x σ (t) = φ(t),
σ+t t
∀t ∈ [0, α] : x(t + σ) = φ(0) +
Definition 2.5 F¨ ur jedes (σ, φ) ∈ IR × C sei ˜ φ ∈ C([σ − T, ∞), IR n ) definiert durch
∀t ∈ [−T, 0] : ˜ φ σ (t) = φ(t) und ˜ φ(t + σ) = φ(0), t ≥ 0.
7
2. Existenz
Lemma 2.3 x ist eine L¨ osung von (2.1) genau dann, wenn es ein α > 0 und ein y ∈ C([−T, 0], IR n ) gibt mit t
wobei gilt
x(t + σ) = ˜ φ(t + σ) + y(t), t ∈ [−T, α]. (2.5)
Beweis:
“⇐=”: Folgt direkt aus der Definition 2.5, der Definition von y und der obigen Substitution.
“=⇒”: Es gilt offensichtlich y(t) = x(t + σ) − ˜ φ(t + σ) und somit ⎧
y(t) =
2.Schritt:
Seien nun α, β > 0 beliebige reelle Zahlen und B(0, β) := {ψ ∈ C : ψ ≤ β} die abgeschlossene Kugel um die 0 ∈ C mit Radius β. Wir definieren folgende Menge
A(α, β) := {y ∈ C([−T, α], IR n ) : y 0 = 0; y t ∈ B(0, β); t ∈ [0, α]}
und beweisen das eher technische
Lemma 2.4 Sei Ω ⊂ IR × C und f 0 ∈ C(Ω, IR n ). Dann gilt: ∀W ⊂ Ω kompakt ∃ Umgebung V ⊂ Ω von W mit f 0 ∈ C 0 (V, IR n ). Außerdem gibt es α, β, M > 0 und eine Umgebung U ⊂ C 0 (V, IR n ) von f 0 mit
∀(σ, φ) ∈ V, f ∈ U : |f (σ, φ)| < M.
Ferner gilt ∀(σ 0 , φ 0 ) ∈ W, t ∈ [0, α], y ∈ A(α, β) : (s + σ 0 , ( ˜ φ σ 0 +s ) 0 + (y s ) 0 ) ∈ V .
Beweis:
Da W kompakt und f 0 stetig ist, folgt ∃M ∈ IR∀(σ 0 , φ 0 ) ∈ W : |f 0 (σ 0 , φ 0 )| < M, denn stetige Funktionen auf Kompakta besitzen Maximum und Minimum. Des
weiteren gilt: ∀(σ 0 , φ 0 ) ∈ W ∃¯ α, ¯ β, > 0 mit der Eigenschaft ∀ (t, ψ) ∈ [0, ¯ α] ×
8
B(0, ¯ β)|f 0 (σ 0 + t, φ 0 + ψ)| < M − . Denn angenommen, das Gegenteil w¨ are der Fall: ∀¯ α, ¯ α] × B(0, ¯ β, > 0 ∃(t, ψ) ∈ [0, ¯ β), (σ 0 , φ 0 ) ∈ W : |f 0 (σ 0 + t, φ 0 +
ψ)| ≥ M − . Dann gibt es Nullfolgen (t n ) n∈I N , ( n ) n∈I N , (ψ n ) n∈I N und eine Folge ((σ 0n , φ 0n )) n∈I N ⊂ W mit |f 0 (σ 0n + t n , φ 0n + ψ n )| ≥ M − n . Da W kompakt ist, gibt es eine konvergente Teilfolge (σ 0n i , φ 0n i ) −→ (ˆ σ, ˆ φ) ∈ W . F¨ ur diese Teilfolge
gilt offensichtlich auch obige Ungleichung |f 0 (σ 0n i + t n i , φ 0n i + ψ n i )| ≥ M − n i . uberdies f 0 stetig ist, folgt Da ¨
Dies ist jedoch ein Widerspruch zur Annahme, denn (ˆ
σ,
ˆ
φ)
∈
W
. Setzt man
α]
×
B(0,
¯ nun
V
:=
{(σ
0
+
t, φ
0
+
ψ)
: (σ
0
, φ
0
)
∈
W,
(t,
ψ)
∈
[0, ¯
U
:=
{f ∈
C
0
(V,
IR
n
) :
f −
f
0
V
< <},
dann ist
f
0
∈
C
0
(V,
IR
n
). Außerdem folgt f¨ ur alle (σ,
φ)
∈
Also ist f¨ ur alle (σ, φ) ∈ V : |f (σ, φ)| < < + |f 0 (σ, φ)| < < + M − = M.Es bleibt noch die zweite Aussage zu zeigen:
Sei 0
< β <
¯
β.
Man zeigt, daß man
α >
0 derart w¨ ahlen kann, daß
α <
¯ φ σ 0 +t ) 0 − φ 0 < ¯ ( ˜
∀t ∈ [0, α], y ∈ A(α, β) wie folgt absch¨ atzen:
y t + ( ˜ φ σ 0 +t ) 0 − φ 0 < β + ¯ φ σ 0 +t ) 0 − φ 0 ≤ ≤y t + ( ˜ β − β.
Also ist y t + ( ˜ φ σ 0 +t ) 0 − φ 0 ∈ B(0, ¯ β) =⇒ (s + σ 0 , ( ˜ φ σ 0 +s ) 0 + (y s ) 0 ) ∈ V . Hierzu ben¨ utzt man, daß
W ⊂ IR × C ⊂ {(σ, φ) : σ : [−T, 0] → IR konstant, φ ∈ C([−T, 0], IR n )} ⊂ {γ : [−T, 0] −→ IR n+1 stetig}.
Somit l¨ aßt sich mit
(σ, φ) W := |σ| + φ und γ n+1 := sup
W in C([−T, 0], IR n+1 ) einbetten. Da nun W kompakt ist, folgt mit dem Satz von Arz´ ela-Ascoli
2. Existenz
Da nun definitionsgem¨ aß ( ˜ φ σ 0 +t ) 0 f¨ ur alle t ∈ [−T, ∞) entweder mit φ 0 ¨ ubereinstimmt,
oder gleich φ 0 (0) ist, folgt die gew¨ unschte Aussage aus
sup Mit dem folgenden Lemma f¨ uhre ich den Operator T ein, dessen Fixpunkte L¨ osungen der Gleichung (2.4) darstellen.
Lemma 2.5 Sei Ω ⊂ IR × C offen und f 0 ∈ C(Ω, IR n ) gegeben. Dann ist f¨ ur alle kompakten W ⊂ Ω und die Umgebungen U, V , sowie der Konstanten α, β, M aus Lemma 2.4 der Operator
stetig, und es gibt ein kompaktes K ⊂ C([−T, α], IR n ) mit T : W ×U ×A(α, β) −→ K. Des weiteren gilt: Mα ≤ β =⇒ T : W × U × A(α, β) −→ A(α, β).
Beweis: 0
f (s + σ, ˜ φ σ+s + y s )ds gilt, ist offensichtlich Da T (σ, φ, f, y)(0) = 0 =
0
T : W × U × A(α, β) −→ C([−T, α], IR n ). Außerdem ist wegen f ∈ U ⊂ t
f (s + σ, ˜ C 0 (V, IR n ) die Abbildung t −→ φ σ+s + y s )ds stetig in t ∈ [0, α].
0
Seien nun t, τ ∈ [0, α] und oBdA t > τ
|T (σ, φ, f, y)(t) − T (σ, φ, f, y)(τ )|
t τ
=
=
und
|T (σ, φ, f, y)(t)| ≤ M |t| ≤ Mα.
Setzt man nun
10
dann folgt hieraus und aus der Definition von T , daß T : W ×U ×A(α, β) −→ K. Jetzt zeigt man, daß K kompakt ist. Dazu verwenden wir den Satz von Arz´ ela-Ascoli. Wir m¨ ussen also zeigen, daß K abgeschlossen, beschr¨ ankt und gleichstetig ist. Die Beschr¨ anktheit folgt direkt aus der Definition. Die Gleichstetigkeit ist f¨ ur den Fall t, τ ∈ [−T, 0] trivialerweise erf¨ ullt, f¨ ur t, τ ∈ [0, α] folgt sie aus der Definition von K. Sei also oBdA t ∈ [0, α] und τ ∈ [−T, 0], dann folgt aus
|g(t) − g(τ )
g ∈ C([−T, α], IR n ) von K, das Gew¨ unschte. Wir betrachten einen Ber¨ uhrpunkt ˆ
d.h. f¨ ur jedes > 0 gibt es ein g ∈ K mit sup t∈[−T,α] |ˆ g(t) − g(t)| < <. Also ist
∀t ∈
[−T,
α]
:
|ˆ
g(t)|
− |g(t)| ≤ |ˆ
g(t)
−
g(t)|
≤
sup
Hieraus folgt ∀t ∈ [−T, 0] : |ˆ g(t)| < |g(t)| + = =⇒ |ˆ g(t)| = 0. F¨ ur t ∈ [0, α] : |ˆ g(t)| < |g(t)| + ≤ Mα + =⇒ |ˆ g(t)| ≤ Mα. Und schließlich ∀t, τ ∈ [0, α] :
g(τ
)| =
|ˆ
g(t)
+
g(t)
+
g(t)
−
g(τ
) +
g(τ
)
−
ˆ
|ˆ
g(t)
−
ˆ
g ∈ K =⇒ K kompakt. =⇒ ˆ
Sei ((σ k , φ k , f k , y k )) k∈I N eine Folge aus W × U × A(α, β) und (σ k , φ k , f k , y k ) −→ (σ 0 , φ 0 , f 0 , y 0 ) ∈ W × U × A(α, β).
Nun ist aber die Folge (T (σ k , φ k , f k , y k )) k∈I N ⊂ K und somit existiert eine konvergente Teilfolge (T (σ k i , φ k i , f k i , y k i )) i∈I N mit T (σ k i , φ k i , f k i , y k i ) −→ γ ∈ K f¨ ur i → ∞. Gem¨ aß des Folgenkriteriums gilt f k (x n ) −→ f k (x 0 ) f¨ ur x n → x 0 gleichm¨ aßig f¨ ur k ∈ IN . Also erh¨ alt man
|f k (x k ) − f 0 (x 0 )| = |f k (x k ) − f k (x 0 ) + f k (x 0 ) − f 0 (x 0 )|
≤ |f k (x k ) − f k (x 0 )| + |f k (x 0 ) − f 0 (x 0 )| −→ 0, mit k → ∞.
Also gilt f¨ ur alle s ∈ [0, α]
f k (s + σ k , ( ˜ φ σ k +s ) k + (y s ) k ) −→ f 0 (s + σ 0 , ( ˜ φ σ 0 +s ) 0 + (y s ) 0 ), k → ∞.
Des weiteren gilt f¨ ur alle
s
∈
[0,
α], k
∈
IN
:
|f
k
(s +
σ
k
,
( ˜
M . Nach dem Satz ¨ uber die majorisierte Konvergenz von Lebesgue kann man schließen
t
γ(t) = lim
=
=
2. Existenz
Also ist T (σ 0 , φ 0 , f 0 , y 0 ) = γ, und zwar unabh¨ angig von der Wahl der Teilfolge, d.h. jede konvergente Teilfolge konvergiert gegen γ. Da K kompakt ist, besitzt jede Teilfolge von (T (σ k , φ k , f k , y k )) k∈I N eine Teilfolge, die gegen γ konvergiert. Also konvergiert jede Teilfolge von (T (σ k , φ k , f k , y k )) k∈I N gegen γ. Also gilt: T (σ k , φ k , f k , y k ) −→ γ f¨ ur k → ∞. Hieraus fogt die Stetigkeit von T . Die letzte Aussage folgt, da aus Mα ≤ β offensichlich K ⊂ A(α, β) folgt. 2
3.Schritt:
Wir haben also bisher gezeigt, daß es unter den Bedingungen des Theorems eine Umgebung V ⊂ Ω von W gibt mit f 0 ∈ C 0 (V, IR n ), sowie eine Umgebung U ⊂ C 0 (V, IR n ) von f 0 und ein α > 0 derart, daß f¨ ur alle (σ, φ) ∈ W, f ∈ U der Operator T (σ, φ, f, ·) : A(α, β) −→ A(α, β) stetig ist. Mit der zur Abgeschlossenheit von K analogen Argumentation folgt: A(α, β) ist abgeschlossen. Betrachtet man beliebige x, y ∈ A(α, β), λ ∈ [0, 1], dann folgt f¨ ur alle t ∈ [0, α]
λx t + (1 − λ)y t ≤ λx t + (1 − λ)y t ≤ λβ + (1 − λ)β = β.
Also ist λx + (1 − λ)y ∈ A(α, β) und somit A(α, β) konvex. Nun ist f¨ ur Mα ≤ β:
T (W × U × A(α, β)) ⊂ K ⊂ W × U × A(α, β).
Da K kompakt ist, ist T (W ×U ×A(α, β)) relativ kompakt, und somit T kompakt (siehe hierzu auch Seite 23). Mit Theorem A.1 folgt die Existenz eines Fixpunktes y ∈ A(α, β) von T und zusammen mit den ¨ Uberlegungen unmittelbar vor dem
Existenztheorem die Behauptung. Da f 0 ∈ U , folgt aus W := {(σ 0 , φ 0 )} die erste 2 Aussage.
Theorem 2.2 (Eindeutigkeit) Sei Ω ⊂ IR × C offen und f ∈ C(Ω, IR n ) gegeben. f erf¨ ulle bzgl. des zweiten Arguments eine Lipschitzbedingung auf jeder kompakten Teilmenge von Ω. Dann gilt: ∀(σ, φ) ∈ Ω gibt es genau eine L¨ osung der Gleichung (2.1) durch (σ, φ).
Beweis:
Seien x und y L¨ osungen von (2.1) zur Anfangsbedingung (σ, φ). Dann folgt aus Lemma 2.2 einerseits x σ − y σ = 0, andererseits f¨ ur t ∈ [σ, σ + α]
t t
12
Gem¨ aß Lemma 2.2 ist t → x t stetig. D.h. es gibt eine kompakte Teilmenge W ⊂ Ω mit {(t, x t ) : t ∈ [σ, σ + α]} ⊂ W und {(t, y t ) : t ∈ [σ, σ + α]} ⊂ W . Ist α ∈ (0, α) derart, daß 0 < L¯ α < 1, L die Lipschitzkonstante von f auf W , und ¯ dann ist f¨ ur alle t ∈ [σ, σ + ¯ α] t t
t≤σ+¯ α
sup Hieraus folgt
t∈[σ,σ+¯ α]
Also ist |x(t) − y(t)| = 0. Analog argumentiert man f¨ ur die Intervalle α, σ + (k + 1)¯ α], k ≥ 1 bis gilt (k + 1)¯ α ≥ α. 2 [σ + k ¯
13
2. Existenz
2.1.2. Existenz und Eindeutigkeit von L¨ osungen
Wir beantworten jetzt die Frage, ob konkret (1.1) L¨ osungen unter einer bestimmten Anfangsbedingung besitzt. Genauer setzen wir σ = 0 und fragen nach L¨ osungen durch
x 0 = φ (2.6)
auf einem Existenzintervall [−T, α]. F¨ ur die Existenz reicht es gem¨ aß dem vorherigen Abschnitt, zu zeigen, daß f stetig ist auf einer offenen Menge Ω ⊂ IR × C, und daß (0, φ) ∈ Ω ist. Die Eindeutigkeit einer solchen L¨ osung ist gegeben, wenn f außerdem auf jeder kompakten Teilmenge von Ω einer Lipschitzbedingung in φ gen¨ ugt.
Betrachtet wird nun (1.1), also ein f : IR × C −→ IR mit
f (t, φ) := b(t)φ(−T )[1 − φ(0)] − cφ(0). (2.7)
Hierbei ist b : [0, ∞) −→ IR + eine stetige, positive, periodische Funktion mit der minimalen Periode ω. Es gibt also ein ˆ b > 0 mit der Eigenschaft, daß ∀t ∈ [0, ∞) : |b(t)| ≤ ˆ b ist. Sei ¨ uberdies B(0, r) := {φ ∈ C : φ < r}. Dann gilt f¨ ur φ, ψ ∈ B(0, r)
|f (t, φ) − f (t, ψ)|
= |b(t)φ(−T )[1 − φ(0)] − cφ(0) − (b(t)ψ(−T )[1 − ψ(0)] − cψ(0))| ≤ |b(t)| |φ(−T ) − ψ(−T )| + |b(t)| |φ(−T )φ(0) − ψ(−T )ψ(0)| + c|ψ(0) − φ(0)| ≤ ( ˆ b + c)φ − ψ + ˆ b|φ(−T )φ(0) − φ(−T )ψ(0) + φ(−T )ψ(0) − ψ(−T )ψ(0)| ≤ ( ˆ b + c)φ − ψ + ˆ b(|φ(−T ) + ψ(0)|)φ − ψ < ( ˆ b + c + 2 ˆ br)φ − ψ = Kφ − ψ.
Also erf¨ ullt f auf einer offenen Teilmenge von IR × C eine Lipschitzbedingung mit der Konstanten K.
Definition 2.6
Sei
f
in Gleichung (2.1) stetig und
x
eine L¨ osung von (2.1) auf dem Intervall [σ,
a), a >
0. ˆ
x auf [σ − T, b) definiert ist, auf [σ − T, a) mit x ¨ derart, daß ˆ
auf [σ, b) Gleichung (2.1) l¨ ost. Des weiteren gibt es eine Fortsetzung der L¨ osung x, wenn sich x stetig auf das abgeschlossene Intervall [σ, a] fortsetzen l¨ aßt. x heißt nichtfortsetzbar, wenn keine solche Fortsetzung existiert. [σ, a) ist dann das maximale Existenzintervall.
Analog zu den gew¨ ohnlichen Differentialgleichungen folgt aus dem Zornschen Lemma, angewendet auf die Menge der Graphen aller L¨ osungen durch φ, die
14
Existenz einer solchen nichtfortsetzbaren L¨ osung, sowie die Tatsache, daß das maximale Existenzintervall (halb-)offen sein muß.
Lemma 2.6 Betrachte das AWP (1.1)-(2.6) und sei ∀t ∈ [−T, 0] : 0 ≤ φ(t) ≤ 1. Dann gilt f¨ ur alle t aus dem Existenzintervall: 0 ≤ y(t) ≤ 1. Konkret gelten folgende Resultate, wobei w ∈ (0, ∞] das Supremum des maximalen Existenzintervalls bezeichne:
a) c > 0 und φ(0) ≤ 1 =⇒ ∀t ∈ [0, w) : y(t) ≤ 1 und ∀t ∈ (0, w) : y(t) < 1.
b) c > 0 und φ(t) ≥ 0 =⇒ ∀t ∈ [0, w) : y(t) ≥ 0. Gilt außerdem φ(0) > 0 =⇒ ∀t ∈ [0, w) : y(t) > 0.
c) c = 0 und φ(0) ≤ 1 =⇒ ∀t ∈ [0, w) : y(t) ≤ 1. Gilt außerdem φ(0) < 1 =⇒ ∀t ∈ [0, w) : y(t) < 1 und y (t) ≥ 0.
d) c = 0 und 0 ≤ φ(t) ≤ 1 =⇒ ∀t ∈ [0, w) : y(t) ≤ 1. Gilt außerdem φ(0) < 1 =⇒ ∀t ∈ [0, w) : y(t) < 1 und y (t) ≥ 0.
Beweis:
Sei y(t) = y(0, φ)(t) die L¨ osung von (1.1) zu der Anfangsbedingung φ. Es sei ∀t ∈ [−T, 0] : 0 ≤ φ(t) ≤ 1. Die Existenz einer solchen L¨ osung auf dem Existenzintervall [0, w) wurde oben bewiesen.
Zu a): Es gilt c > 0, φ(0) ≤ 1. Als erstes zeigen wir: ∃ > 0 ∀t ∈ (0, ,) : y(t) < 1. Denn f¨ ur den Fall φ(0) < 1 gilt dies aufgrund der Stetigkeit von y sicher; im Falle φ(0) = 1 folgt:
und somit die Existenz eines solchen .
Sei U := {t ∈ (0, w) : y(t) = 1}. Wir nehmen an, daß U = ∅ ist. Wir setzen S := inf U . Aus der Definition von S erh¨ alt man: ∀t ∈ (0, S) : y(t) < y(S) = 1. Nun gilt jedoch y (S) = −cy(S) = −c < 0, was aufgrund der Stetigkeit von y an der Stelle t = S nicht m¨ oglich ist. Also ist U = ∅. Zu b): Sei c > 0 und ∀θ ∈ [−T, 0] : φ(θ) ≥ 0. Angenommen, es gibt s > 0 mit y(s) < 0, dann gilt f¨ ur S := inf{s ∈ (0, w) : y(s) < 0}:
Hieraus folgt die Existenz eines > 0, sodaß f¨ ur alle t ∈ (S − , S) gilt: y(t) < y(S) < 0, und dies ist ein Widerspruch zur Definition von S. Also gilt: ∀t ∈
15
2. Existenz
[0, w) : y(t) ≥ 0.
Sei nun noch zus¨ atzlich φ(0) > 0. Wir betrachten ein Intervall [a, b] ⊂ [0, w). Wegen a) gilt: ∀t ∈ [a, b] : y(t) ≤ 1 =⇒ ∀t ∈ [a, b] : y (t) ≥ −cy(t) =⇒ ∀t ∈ [a, b] : y (t)
Φ ist auf ganz [0, w), also auch auf dem Intervall [a, b] stetig differenzierbar, denn y ist L¨ osung von (1.1). Es gilt also ∀t ∈ [a, b]:
Das heißt also f¨ ur alle t ∈ [a, b] ist e ct y(t) ≥ e ca y(a) und somit y(t) ≥ e −ct e ca y(a). Wenn nun y(a) > 0 erf¨ ullt ist, folgt offensichtlich: ∀t ∈ [a, b] : y(t) > 0. Da dies f¨ ur beliebige Intervalle in IR + 0 gilt, gilt es auch f¨ ur a = 0. F¨ ur jedes dieser
Intervalle, f¨ ur dessen Endpunkt b > 0 gilt, gibt es wieder ein Intervall [b, c] mit y(t) > y(b) > 0 ∀t ∈ [b, c] usw. Somit folgt: φ(0) > 0 =⇒ y(t) > 0 f¨ ur t ∈ [0, w). Es bleibt noch der Fall c = 0. Zun¨ achst c):
Wir betrachten die Gleichung y (t) = b(t)y(t − T )[1 − y(t)]. Offensichtlich sind y ≡ 0 und y ≡ 1 station¨ are L¨ osungen. Sei nun y(0) = φ(0) = 1. Die Funktion, die f¨ ur t ∈ [0, w) gleich 1 ist, und f¨ ur t ∈ [−T, 0] mit φ ¨ ubereinstimmt, ist eine
L¨ osung von obiger Gleichung zur Anfangsbedingung y 0 = φ. Sei nun φ(0) < 1. Wegen der Stetigkeit von y gilt: ∃s > 0 ∀t ∈ [0, s) : y(t) < 1. Angenommen, {t ∈ [0, w) : y(t) ≥ 1} = ∅, dann gibt es ein gr¨ oßtes s, das letzteres erf¨ ullt. Wir definieren also S := sup{s ∈ [0, w) : y(t) < 1 f¨ ur t ∈ [0, s)} < ∞. Somit muß y(S) = 1 gelten, denn sonst g¨ abe es ein t > S mit y(t) < 1, im Widerspruch zur Definition von S. Andererseits gilt f¨ ur t ∈ [0, S) :
y (t) + y(t)b(t)y(t − T ) = b(t)y(t)
t t
=⇒
=⇒
=⇒ y(t) exp
=⇒ y(t) = 1 − (1 − φ(0)) exp
16
Aufgrund der Stetigkeit von y und der rechten Seite existiert der Grenzwert von obigem Integral f¨ ur t −→ S und ist gleich y(S):
S
y(S) = lim
Widerspruch zu oben. Also gilt ∀t ∈ [0, w) : y(t) < 1. Außerdem folgt aus y(t) ≤ 1 und der Gleichung (1.1) sofort y (t) ≥ 0. Schließlich beweisen wir noch d):
Wegen c) ist y(t) ≤ 1 f¨ ur t ≥ 0, also auch f¨ ur t ∈ [0, T ]. Da nach Voraussetzung φ ≥ 0 ist, folgt nach Einsetzen in die aus (1.1) entstandene Gleichung:
=⇒ ∀t ∈ [0, T ] : 1 ≥ y(t) ≥ y(0) ≥ 0. Eine Induktion liefert dies f¨ ur alle t ∈ [−T, w). Betrachte ein Intervall der L¨ ange T , n¨ amlich [nT, (n + 1)T ]. F¨ ur n = 1 wurde bereits gezeigt, daß ∀t ∈ [0, T ] : 1 ≥ y(t) ≥ 0. Sei dies schon f¨ ur ein Intervall [(n − 1)T, nT ] bewiesen. Dann folgt f¨ ur ein t ∈ [nT, (n + 1)T ] aufgrund von c) und der Induktionsvoraussetzung:
und somit: ∀t ∈ [nT, (n + 1)T ] : y(t) ≥ y(nT ) ≥ 0. 2
Eine L¨ osung y des Anfangswertproblems (1.1)-(2.6), deren Anfangsbedingung 0 ≤ φ(t) ≤ 1, ∀t ∈ [−T, 0] erf¨ ullt, erf¨ ullt 0 ≤ y(t) ≤ 1, ∀t ∈ [0, w). Dies wird bei der folgenden Frage nach der Existenz von L¨ osungen auf dem Intervall [−T, ∞) von Bedeutung sein.
Theorem 2.3 Sei Ω wie oben und f ∈ C(Ω, IR n ). Es sei x eine nichtfortsetzbare L¨ osung von (2.1) auf [σ − T, b). Dann gibt es f¨ ur jede kompakte Menge W in Ω ein t W derart, daß ∀t ∈ [t W , b) : (t, x t ) ∈ W .
Beweis:
Sei T > 0, und b < ∞, denn der Fall b = ∞ ist trivial. Wir nehmen an, die Schlußfolgerung des Theorems sei falsch. Dann gilt: ∀t W ≥ σ ∃t ∈ [t W , b) : (t, x t ) ∈ W . Man findet also eine Folge (t k ) k∈I N derart, daß
2. Existenz
Da W kompakt ist, gibt es ein ψ ∈ C mit (t k , x t k ) −→ (b, ψ) ∈ W . F¨ ur ein beliebiges ∈ (0, T ) folgt hieraus
Da f¨ ur alle t ≥ σ gilt x t (θ) = x(t + θ), −T ≤ θ ≤ 0, folgt aus der Stetigkeit von x auf [σ, b) f¨ ur alle θ ∈ [−T, 0)
Da ψ ∈ C ist, existiert der lim θ→0− ψ(θ) und ist gleich ψ(0). Hieraus folgt
lim x(t) = lim x(b + θ) = lim ψ(θ) = ψ(0) = x b (0).
t→b− θ→0− θ→0−
D.h. mit x(b) := ψ(0) kann x zu einer stetigen Funktion auf [σ − T, b] fortgesetzt werden. Da (b, x b ) ∈ Ω ist, kann man gem¨ aß Theorem 2.1 eine L¨ osung von
(2.1) durch (b,
x
b
) finden. Es gibt also eine Fortsetzung ˆ
x
gem¨ aß Definition 2.6, Widerspruch zur Voraussetzung.
Eine Anwendung dieses Resultats ist das folgende Theorem, das zwar st¨ arkere Bedingungen an f stellt, jedoch auf Kompaktheitsbedingungen verzichtet.
Theorem 2.4 Sei Ω wie oben und f ∈ C(Ω, IR n ). f bilde abgeschlossene, beschr¨ ankte Teilmengen von Ω auf beschr¨ ankte Mengen in IR n ab. Es sei x eine nichtfortsetzbare L¨ osung von (2.1) auf [σ−T, b). Dann gibt es f¨ ur jede abgeschlossene, beschr¨ ankte Menge U in Ω ein t U derart, daß ∀t ∈ [t U , b) : (t, x t ) ∈ U .
Beweis:
Sei T > 0, und b < ∞. Wir nehmen erneut an, das Theorem sei falsch. Dann gilt: ∀t U ≥ σ ∃t ∈ [t U , b) : (t, x t ) ∈ U . Man findet also wie oben eine Folge (t k ) k∈I N derart, daß
t k −→ b − mit k −→ ∞ , und ∀k ∈ IN : (t k , x t k ) ∈ U.
Da U beschr¨ ankt ist, gibt es ein m ∈ IR + 0 ∀k ∈ IN : x t k ≤ m. Weil x
auf [σ − T, b) stetig ist, ist x auf [σ − T, b) beschr¨ ankt. Also gibt es f¨ ur alle t ∈ [σ, b) ein m ∗ > 0 mit der Eigenschaft x t ≤ m ∗ . Betrachte nun die Menge V := {(t, x t ) ∈ Ω : σ ≤ t < b}. Wegen der Voraussetzungen an f gibt es ein M = M (m ∗ , f) ≥ 0, so daß f¨ ur alle (τ, φ) ∈ ¯ V gilt |f (τ, φ)| ≤ M . Also ist f¨ ur alle t, τ ∈ [σ, b)
t τ
18
Also erf¨ ullt x eine Lipschitzbedingung auf [σ, b), ist also insbesondere gleichm¨ aßig stetig. Da stetige Funktionen auf Kompakta, hier [σ − T, σ], gleichm¨ aßig stetig sind, ist x gleichm¨ aßig stetig auf [σ − T, b). F¨ ur ein vorgegebenes > 0 und θ 1 , θ 2 derart, daß |t + θ 1 − (t + θ 2 )| = |θ 1 − θ 2 | < δ, t ≥ σ beliebig, gilt
|x t (θ 1 ) − x t (θ 2 )| = |x(t + θ 1 ) − x(t + θ 2 )| < <.
gleichstetig und definitionsgem¨ aß abgeschlossen und beschr¨ ankt. Nach Arz´ ela-Ascoli ist ¯ ge; nach Theorem 2.3 muß es t ∈ [σ, b) geben mit (t, x t ) ∈ V . Widerspruch zur 2 Definition von V .
Wendet man diese Erkenntnisse auf unsere konkrete Situation an, erh¨ alt man
Theorem 2.5 Die Gleichung (1.1) hat auf dem Intervall [−T, ∞) eine eindeutige L¨ osung durch φ ∈ C mit 0 ≤ φ(t) ≤ 1 f¨ ur t ∈ [−T, 0].
Beweis:
Betrachtet man eine Menge B(0, r) = {φ ∈ C : φ ≤ r} und ein φ ∈ B(0, r), dann folgt aus
|f (t, φ)| = |b(t)φ(−T )[1 − φ(0)] − cφ(0)| ≤ |b(t)| |φ(−T )|(1 + |φ(0)|) + c|φ(0)| ≤ |b(t)||φ(1 + φ) + cφ < ˆ br + ˆ br 2 + cr < ∞,
daß f die Bedigungen des Theorems erf¨ ullt. Nehmen wir nun an, daß es keine L¨ osung auf dem Intervall [0, ∞) von (1.1) gibt und betrachten das maximale Existenzintervall [0, w). Sei U := {(t, y t ) ∈ Ω : 0 ≤ y t (θ) ≤ 1 ∀θ ∈ [−T, 0]}, dann ist U ⊂ Ω sicher beschr¨ ankt und abgeschlossen. Dann gibt es gem¨ aß Theorem 2.4 ein t U ∀t ≥ t U : (t, x t ) ∈ U . Also ist f¨ ur alle t ≥ t U − T : x(t) < 0 oder x(t) > 1. 2 Widerspruch zu Lemma 2.6.
Also hat (1.1) eindeutige L¨ osungen auf [−T, ∞) durch einen entsprechenden Anfangswert φ, und f¨ ur diese L¨ osungen gilt 0 ≤ y(t) ≤ 1, ∀t ≥ 0, falls 0 ≤ φ(t) ≤ 1, ∀t ∈ [−T, 0] gilt.
19
2. Existenz
2.1.3. Spezialfall f¨ ur c = 0
Bevor ich nun auf die Existenz periodischer L¨ osungen des AWPs (1.1)-(2.6) eingehe, betrachten wir noch den Spezialfall c = 0. D.h. also die Heilungsrate ist null; wenn eine Person infiziert ist, bleibt sie es auch. Wie in Kapitel 1.2 beschrieben, geht der Anteil der Infizierten im Falle einer konstanten Kontaktrate f¨ ur c = 0 gegen 1, die ganze Bev¨ olkerung steckt sich auf lange Sicht an. Diese Entwicklung ist f¨ ur eine konstante Kontaktrate biologisch nicht allzu erstaunlich. Wie verh¨ alt sich y nun f¨ ur eine periodische Kontaktrate, bei fehlender Heilungsrate? Das folgende Theorem beantwortet diese Frage. Vorab sei erw¨ ahnt, daß die so entstandene rechte Seite von (1.1)
f (t, φ) = b(t)φ(−T )[1 − φ(0)]
den Bedingungen von Theorem 2.1 und Theorem 2.2 gen¨ ugt. Denn aus den ¨ Uberlegungen auf Seite 14 folgt die lokale Lipschitzbedingung in φ ∈ B(0, r) durch Spezialisierung auf den Fall c = 0. Und aus
|f (t, φ)| = |b(t)φ(−T )[1 − φ(0)]| ≤ ˆ bφ(1 + φ) < ˆ br + ˆ br 2 < ∞
folgt zusammen mit Lemma 2.6c) und d) und Theorem 2.4 die L¨ osbarkeit auf dem Existenzintervall [−T, ∞) (siehe dazu Theorem 2.5). Somit kann das folgende Resultat f¨ ur fehlende Heilungsrate c bewiesen werden.
Theorem 2.6 Sei y auf [−T, ∞) L¨ osung des Anfangswertproblem
y (t) = b(t)y(t − T )[1 − y(t)], y 0 = φ (∗),
wobei b wie auf Seite 14 definiert sei. Weiterhin sei ∀t ∈ [−T, 0] : φ(t) ≥ 0, φ(0) ≤ 1. Dann gilt:
a) ∀t ≥ 0 : y(t) = 0 ⇐⇒ ∀t ∈ [0, T ] : b(t)φ(t − T ) = 0 und φ(0) = 0.
b) φ(0) = 1 =⇒ ∀t ≥ 0 : y(t) = 1.
c) φ(0) < 1 und es gilt entweder φ(0) = 0 oder ∀t ∈ [0, T ] : b(t)φ(t − T ) = 0 =⇒ y(t) ist monoton steigend und lim t→∞ y(t) = 1.
Beweis:
Als erstes zeigen wir a):
“ =⇒ ”: Sei y(t) = 0 f¨ ur t ≥ 0. Da 0 station¨ arer Punkt ist, gilt y (t) = 0 f¨ ur t ≥ 0, und somit auch y (t) = 0 f¨ ur t ∈ [0, T ] =⇒ b(t)φ(t − T ) = 0 f¨ ur t ∈ [0, T ].
20
“⇐=”: Sei φ(0) = 0 und φ(t − T ) = 0 f¨ ur t ∈ [0, T ]. Nach Einsetzen in die rechte Seite erh¨ alt man y (t) = 0 f¨ ur t ∈ [0, T ] und somit y(t) = 0 f¨ ur t ∈ [0, T ]. Wir betrachten nun (∗) mit der Anfangsbedingung y T ≡ 0. Aufgrund der Eindeutigkeit folgt, daß y identisch null ist f¨ ur t ≥ T , und somit: ∀t ≥ 0 : y(t) = 0 Nun zu b): Aus y(0) = 1 folgt nach Lemma 2.6c) y(t) ≤ 1 f¨ ur t ≥ 0. In (∗) eingesetzt, folgt ∀t ≥ 0
=⇒ y(t) = 1 f¨ ur t ≥ 0.
Es bleibt noch c) zu beweisen:
Die Monotonie folgt direkt aus (∗) und Lemma 1.1 (siehe (2.8)). Also bleibt nur noch das asymptotische Verhalten zu zeigen.
1.Fall: Sei φ(0) < 1 und b(t)φ(t − T ) = 0 f¨ ur t ∈ [0, T ] =⇒ ∃t ∗ ∈ [0, T ] : b(t ∗ )φ(t ∗ − T ) > 0. F¨ ur ein solches t ∗ ist y (t ∗ ) = 0, f¨ ur y(t ∗ ) = 1, oder y (t ∗ ) > 0. Im ersten Fall sind wir fertig, da y (t) ≥ 0. Sei nun y (t ∗ ) > 0. Aufgrund der Stetigkeit von y gibt es eine Umgebung U von t ∗ in der gilt: y (t) > 0. Also ist ∀t ∈ U, t < t ∗ : 0 ≤ y(t) < y(t ∗ ). Außerdem gibt es wegen der Monotonie und der Beschr¨ anktheit von y ein B ∈ (0, 1] : lim t→∞ y(t) = B. Wir zeigen nun, daß B = 1:
Angenommen dies ist nicht der Fall. Dann folgt ∀t ≥ t ∗ + T
t t
≥
≥ y(t ∗ )
Da f¨ ur t ∗ + T ≤ s ≤ t : b(s) > 0 ist, folgt lim t→∞
y(t) −→ ∞ mit t −→ ∞. Widerspruch zu Lemma 2.6.
2.Fall: Sei nun φ(0) < 1 und φ(0) = 0 =⇒ φ(0) > 0 =⇒ ∀t ≥ T folgt
t t
y(t) = y(T ) +
2.2. Ergebnisse aus der Funktionalanalysis
Bevor wir uns der Frage widmen, ob es periodische L¨ osungen f¨ ur (1.1)-(2.6) gibt, m¨ ussen einige Resultate aus der Funktionalanalysis, speziell ¨ uber kompakte Ope-ratoren in Banachr¨ aumen besprochen werden. Diese werden das Auffinden periodischer L¨ osungen wesentlich vereinfachen. Besondere Bedeutung kommt hierbei einem bekannten Theorem von Krein-Rutmann zu, das aussagt, daß ein auf einem Kegel in einem Banachraum kompakter Operator einen Eigenwert auf dem Spektralkreis hat. Im Anschluß werden einige Fixpunkts¨ atze kompakter Operatoren behandelt, die wir im weiteren Verlauf dieser Arbeit ben¨ otigen. Zun¨ achst aber einige vorbereitende Definitionen und ¨ Uberlegungen. Wird nicht ausdr¨ ucklich etwas anderes behauptet, handelt sich im folgenden stets um reelle Banachr¨ aume.
2.2.1. Kompakte Operatoren in Banachr¨ aumen
Definition 2.7 Im folgenden seien X, Y Banachr¨ aume und T : X −→ Y stetig. Dann heißt T kompakt, wenn T jede beschr¨ ankte Teilmenge von X auf eine relativ kompakte Teilmenge in Y abbildet.
Folgerungen:
a) Sei T : X −→ Y stetig. Dann gilt: T kompakt ⇐⇒ f¨ ur jede beschr¨ ankte Folge (x n ) ⊂ X enth¨ alt (T x n ) eine konvergente Teilfolge.
b) Sei S ein kompakter Operator, und T sei ein beschr¨ ankter, stetiger Opera-tor. Dann ist auch S◦T kompakt. F¨ ur lineare Operatoren gilt insbesondere: Sei Z ein weiterer Banachraum, T ∈ L(X, Y ) und S ∈ L(Y, Z). Dann ist S ◦ T schon kompakt, wenn T oder S kompakt ist.
Diese einfachen Folgerungen werden wir an einigen Stellen w¨ ahrend dieser Arbeit ben¨ otigen. Nun wenden wir uns der Spektraltheorie kompakter Operatoren zu:
uber C und L ∈ L(X) = L(X, X). Dann Definition 2.8 Sei X ein Banachraum ¨ heißt
a) ρ(L) = {λ ∈ C : (λ − L) −1 existiert in L(X)} die Resolventenmenge von L
23
2. Existenz
b) σ(L) = C\ρ(L) das Spektrum von L.
F¨ ur reelle Banachr¨ aume gelten die entsprechenden Bezeichnungen. Man definiert noch folgende Teilmengen des Spektrums:
F¨ ur kompakte L gilt σ p (L) = σ(L) = σ(L ), wobei L der adjungierte Operator zu L ist (siehe hierzu [8], Korollar VII.4.2). Schließlich definieren wir noch den Spektralradius eines L ∈ L(X).
Definition 2.9 r(L) := sup{|λ| : λ ∈ σ(L)} heißt Spektralradius von L ∈ L(X). 1 1 n .
2.2.2. Kegel in Banachr¨ aumen
Definition 2.10 Sei X ein reeller Banachraum. K ⊂ X heißt Kegel, wenn K abgeschlossen ist, es ein 0 = x ∈ K gibt, und folgende Bedingungen erf¨ ullt sind
a) x, y ∈ K, α, β ≥ 0 =⇒ αx + βy ∈ K
b) 0 = x ∈ K =⇒ −x ∈ K.
In einem Banachraum X mit einem Kegel K wird durch die Relation x ≤ y : ⇐⇒ y −x ∈ K, x, y ∈ K eine teilweise Ordnung eingef¨ uhrt. Man schreibt x < y, wenn gilt: y − x ∈ Int K. Hiermit lassen sich die folgende Definition und die anschließenden Lemmata formulieren.
Definition 2.11 Sei X ein reeller Banachraum, K ⊂ X ein Kegel mit IntK = ∅. Dann heißt ein stetiger Operator L : X −→ X
a) positiv, wenn L(K) ⊂ K gilt.
b) streng positiv, wenn L positiv ist und es f¨ ur alle 0 = x ∈ K ein n ∈ IN gibt mit L n x ∈ Int K.
c) strikt positiv, wenn L positiv ist und aus x > 0 folgt: Lx > 0.
24
Nach diesen ersten Definitionen k¨ onnen wir nun folgende ¨ außerst n¨ utzliche Lemmata beweisen, die auf [17] zur¨ uckgehen.
Lemma 2.7 Sei X ein Banachraum, K ein Kegel in X. F¨ ur ein u ∈ K und ein x ∈ X gebe es ein τ ∈ IR : x ≤ τ u.Dann existiert ein t ∈ IR mit t = min{τ ∈ IR : x ≤ τ u, x ∈ X, u ∈ K}.
Beweis:
Sei G := {τ ∈ IR : x ≤ τ u, x ∈ X, u ∈ K}. Nach Voraussetzung ist G = ∅. Wir nehmen nun an, daß G nach unten unbeschr¨ ankt ist. Dann gibt es eine Folge t n ∈ G, n ∈ IN mit t n → −∞. Wir setzen z tn = t n u − x ∈ K. Da G keine untere Schranke besitzt und wegen der Eigenschaften eines Kegels, genauer der Abgeschlossenheit und der Eigenschaft aus Definition 2.10a), gilt dann
Widerspruch zu u ∈ K (siehe Definition 2.10b)). Also hat G ein Infimum t und es gilt
∀ > 0 ∃τ ∈ G mit t ≤ τ < t + .
Sei nun > 0 beliebig. Dann folgt f¨ ur ein solches τ aus x ≤ τ u offensichtlich x ≤ (t + )u, also t u + u − x ∈ K. L¨ aßt man nun gegen 0 konvergieren, folgt aus der Abgeschlossenheit von K: t u − x ∈ K. Hieraus folgt inf G ∈ G und 2 damit das Gew¨ unschte.
Eine direkte Folgerung aus obigem Lemma ist das folgende
Lemma 2.8 Sei x ∈ K, y ∈ K \ {0}. Es gebe ein τ > 0 : x ≥ τ y.Dann existiert ein t ∈ IR mit t = max{τ ∈ IR + : x ≥ τ y, x ∈ K, y ∈ K \ {0}}.
Beweis:
Sei τ > 0 und τ y ≤ x. Dann ist
Gem¨ aß Lemma 2.7 gibt es ein l = min{γ ∈ IR : y ≤ γx}. Offensichtlich ist l > 0, denn w¨ are l = 0, w¨ urde −y ∈ K folgen. F¨ ur den Fall l < 0 w¨ are mit x auch |l|x ∈ K und somit
2. Existenz
was ein Widerspruch zu
y
∈
K
ist. Mit ˜
t mit ty ≤ x, dann w¨ urde die Existenz eines ˜ l < l mit Angenommen es g¨ abe t > ˜
y ≤ ˜ lx folgen; im Widerspruch zur Definition von t.
Im weiteren Verlauf dieser Arbeit ist unter einem “gr¨ oßten” bzw. “maximalen” Element in IR bez¨ uglich u ∈ K und x ∈ X stets das Maximum im Sinne von Lemma 2.8 zu verstehen.
26
2.2.3. Spezielle Eigenschaften kompakter Operatoren in
Banachr¨ aumen
An dieser Stelle beweise ich drei Theoreme ¨ uber kompakte Operatoren in Ba-
nachr¨ aumen, die sp¨ ater im Beweis des Hauptresultats dieses Kapitels ben¨ otigt werden. Die ersten beiden wurden als erstes von Krein-Rutmann [18] bewiesen und behandeln die Existenz eines Eigenwertes bestimmter Operatoren auf deren Spektralradius. Schließlich zeige ich noch ein Resultat ¨ uber monoton steigende, kompakte Operatoren.
Theorem 2.7 (Krein-Rutmann) Sei X ein reeller Banachraum, K ein Kegel in X und L ein linearer, kompakter Operator; L sei positiv, d.h. L(K) ⊂ K. Außerdem gebe es ein y ∈ K und ein α > 0 derart, daß Ly ≥ αy. Dann hat L mindestens einen Eigenvektor x ∈ K zu einem Eigenwert λ ≥ α.
Beweis:
Betrachtet wird die Menge T := K ∩ {x ∈ X : x ≤ 1}. Zu einem festen v ∈ K mit v > y definieren wir die Abbildung L n durch
Diese ist wohldefiniert, da wegen x ∈ K und v > y ∈ K gilt: L(x + v ) = 0.
n
Offensichtlich gilt L n : T −→ T , denn
i) Zun¨ achst zeige ich, daß f¨ ur alle n ∈ IN der Operator L n einen Fixpunkt hat. Als Durchschnitt zweier konvexer Menge ist T konvex. Da L linear ist, gilt weiterhin
Wegen der Kompaktheit von L kann man f¨ ur jede beschr¨ ankte Folge (x k ) k∈I N in T aus (Lx k ) k∈I N und somit auch aus (L n x k ) k∈I N eine konvergente Teilfolge
27
2. Existenz
ausw¨ ahlen. F¨ ur x, z ∈ T und x − z < < gilt weiterhin
L n x − L n z =
Also ist L n stetig. Da T abgeschlossen ist, folgt aus dem Schauderschen Fixpunktsatz (Theorem A.1): ∀n ∈ IN ∃x n ∈ T : L n x n = x n . ii) F¨ ur ein solches x n gilt dann aufgrund der Definition von L n : x n = 1, und
Wieder aufgrund der Linearit¨ at von
L
folgt
Lx
n
+
L
v
und
L
v
Wegen L(K) ⊂ K folgt f¨ ur x, z ∈ K mit x ≥ z:
x − z ∈ K =⇒ L(x − z) = Lx − Lz ∈ K =⇒ Lx ≥ Lz
Also folgt aus den Voraussetzungen und der Definition von v
Gem¨ aß Lemma 2.8 gibt es ein maximales β n mit x n ≥ β n y. Mit der oben gezeigten Monotonie von L in K folgt dann
Wegen der Maximalit¨ at von β n gilt:
28
Wie oben gesehen ist f¨ ur alle n ∈ IN :
Betrachtet man die wegen
x
n
=
1 beschr¨ ankte Folge (x
n
)
n∈I N
, dann ist die Folge (x
n
+
v
ist, gibt es eine konvergente Teilfolge
L(x n i +
folgt wiederum L(x n i + v
folgt das Gew¨ unschte, denn wie aus obiger Ungleichung (2.11) leicht ersichtlich ist, gilt λ ≥ α. 2
Bemerkung:
Man kann auch zeigen, daß aus der Existenz eines p ∈ IN mit L p y ≥ αy die
1 Existenz eines Eigenwertes λ ≥ α p folgt. Dies beweise ich separat, da es ausschließlich f¨ ur den Beweis des folgenden Theorems ben¨ otigt wird, im weiteren Verlauf der Arbeit jedoch nur der Fall p = 1 von Bedeutung ist. Beweis:
Wie wir oben gesehen haben, hat f¨ ur jedes n ∈ IN L n einen Fixpunkt x n , f¨ ur den sowohl x n ≥ 1 Lx n als auch x n ≥ 1 Lv gilt. Wegen der Monotonieeigenschaft
λn nλn
von L folgt aus
mit vollst¨ andiger Induktion, daß x n ≥
x n ≥
=
Mit Lemma 2.8 folgt wieder die Existenz eines maximalen β n mit x n ≥ β n y und somit
2. Existenz
Aus der Definition von
β
n
folgt
β
n
≤
α
Rest folgt analog zum obigen Fall p = 1.
Theorem 2.8 (Krein-Rutmann) Sei X ein reeller Banachraum, K ein Kegel in X mit Int K = ∅ und L ein linearer, kompakter, streng positiver Operator. Dann gilt
a) L hat einen eindeutig bestimmten Eigenvektor y ∈ Int K mit y = 1.
b) F¨ ur den entsprechenden Eigenwert λ > 0 gilt: λ = r(L).
Beweis:
i) In einem ersten Schritt zeigt man, daß ein streng positiver Operator die Bedingungen von Theorem 2.7 bzw. der anschließenden Bemerkung von Seite 29 erf¨ ullt.
Sei also x ∈ K und L linear, streng positiv und kompakt. Dann gilt: ∀x ∈ K ∃n = n(x) ∈ IN : L n x ∈ Int K; also gibt es ein y ∈ K mit L n x ≥ y und es gibt ein ausreichend kleines α > 0 mit der Eigenschaft: L n x ≥ αx. Also gibt es nach Theorem 2.7 und der nachfolgenden Begr¨ undung einen Eigenvektor v und
1 ein λ ≥ α n mit Lv = λv.
ii) Wegen der Linearit¨ at von L gilt f¨ ur einen solchen Eigenvektor auch L n v = λ n v, denn: Sei L n−1 v = λ n−1 v, dann zeigt eine leichte Induktion L n v = L n−1 (Lv) = L n−1 (λv) = λL n−1 v = λλ n−1 v = λ n v. Da dies f¨ ur alle n gilt, und L streng positiv ist, ist L n v ∈ Int K, also auch 1 λ n L n v ∈ Int K. Hieraus folgt nun, daß der Eigenvektor v von L in Int K liegt.
iii) Als n¨ achstes zeigt man, daß die Menge aller L¨ osungen der Gleichung Ly = λy eindimensional ist. W¨ are dies nicht der Fall, g¨ abe es ein w = v in X, das obige Gleichung erf¨ ullt, nicht aber der Darstellung w = cv gen¨ ugt, also nicht kollinear zu v ist. Sei OBdA w ∈ K. Da v ∈ Int K, gibt es ein gen¨ ugend kleines t > 0 mit v ≥ tw. Gem¨ aß Lemma 2.8 gibt es wieder ein gr¨ oßtes t 0 derart, daß v ≥ t 0 w. F¨ ur beliebiges x ∈ K gibt es ein n ∈ IN mit L n x ∈ Int K. Also folgt f¨ ur beliebiges x ∈ K die Existenz eines gen¨ ugend kleinen α > 0 mit L n x − αv ∈ K. Somit
∃α > 0 : L n (v − t 0 w) ≥ αv ≥ αt 0 w.
Hieraus und aus der Linearit¨ at von L n folgt dann
30
Widerspruch zur Maximalit¨ at von t 0 . Also gibt es ein c ∈ IR mit w = cv. Da w und v in K liegen , muß gelten c > 0.
iv) Nun zeigen wir, daß λ ein einfacher Eigenwert ist. Wir nehmen das Gegenteil an. Wegen iii) gibt es dann ein z ∈ X und ein m > 1, m ∈ IN derart, daß (L − λI) m z = 0 (∗) und Lz = λz. F¨ ur dieses z muß gelten z = cv f¨ ur alle c ∈ IR, denn w¨ are z = cv, w¨ urde folgen
Lz = Lcv = cLv = cλv = λcv = λz
im Widerspruch zur Annahme. Betrachten wir nun das kleinste m, f¨ ur das (∗) gilt. Also gibt es ein w ∈ X, w = 0 mit (L − λI) m−1 z = w. F¨ ur dieses w folgt dann
(L − λI)w = (L − λI)(L − λI) m−1 z = (L − λI) m z = 0.
Also ist w Eigenvektor zum Eigenwert λ. Wie in iii) gesehen, muß es ein c > 0 geben mit w = cv. Definiert man nun
rechnet man leicht nach, daß f¨ ur dieses u gilt: Lu = λu − v. Denn es ist
uber n: L n u = λ n u−nλ n−1 v f¨ ur beliebiges Hieraus folgt mit Hilfe einer Induktion ¨
n. Man erh¨ alt dies unter der Voraussetzung L n−1 u = λ n−1 u − (n − 1)λ n−2 v mit der Umformung
L n u = L(L n−1 u) = L(λ n−1 u − (n − 1)λ n−2 v)
= λ n−1 Lu − (n − 1)λ n−2 Lv = λ n−1 (λu − v) − nλ n−2 λv + λ n−2 λv = λ n u − λ n−1 v − nλ n−1 v + λ n−1 v = λ n u − nλ n−1 v.
Daraus folgt nun, daß
u
∈
K.
Denn, da
L(K)
⊂
K,
w¨ are andernfalls
L
n
u
=
λ n u − nλ n−1 v ∈ K. Also ist auch
λ
eine Nullfolge ist, folgt −v ∈ K. Widerspruch. u
n n∈I N
Also ist v ∈ IntK und −u ∈ K. Also gibt es ein gen¨ ugend kleines α > 0 mit: v ≥ −αu. Mit Lemma 2.8 erh¨ alt man die Existenz eines gr¨ oßten β mit v ≥ −βu. Also ist
K L(v + βu) = Lv + βLu = λv + β(λu − v) = λv + βλu − βv ∈ K
Somit ist v + βu −
v) In einem vorletzten Schritt zeige ich, daß L genau einen Eigenvektor v in
31
2. Existenz
Int K besitzt. Die Argumentation verl¨ auft sehr ¨ ahnlich zu den obigen Schritten. Nimmt man das Gegenteil an, so gibt es ein λ mit
Lv = λv, Lv = λ v mit v ∈ IntK, v = 1.
Wie in iv) gesehen, ist λ = λ. Sei also OBdA λ < λ. Man findet wieder ein kleines α > 0 mit v − αv ∈ K und ein entsprechendes gr¨ oßtes β mit v − βv ∈ K. Mit L(K) ⊂ K folgt dann wieder
Da λ > 0, ist auch v − β
Widerspruch.
vi) Schließlich zeige ich noch, daß alle positiven Eigenwerte μ von L kleiner als λ sind, d.h. |μ| < λ. Wir betrachten also ein μ > 0 und ein y ∈ X mit Ly = μy. Aus iv) wissen wir, daß μ = λ und aus v), daß y ∈ K. Mit der gleichen Argumentation wie in iv) folgt die Existenz eines β > 0 derart, daß v + βy ∈ K und ∀α > β : v + αy ∈ K. Analog zu Schritt v) folgt hieraus
β auch L 2 linear, kompakt und wegen L n v = (L 2 )
Somit k¨ onnen wir das bisher Gesagte auch auf den Operator L 2 anwenden. Da nun offensichtlich auch
L 2 v = λ 2 v und L 2 y = μ 2 y
erf¨ ullt ist, folgt μ 2 < λ 2 . Zusammen mit μ < λ erh¨ alt man |μ| < λ. 2
Theorem 2.9 (Amann, [1]) Sei X ein Banachraum und K ein Kegel in X. y ∈ K mit ˆ y ≥ ¯ y] := {x ∈ K : x − ¯ y ∈ K und ˆ y − Des weiteren seien ¯ y und [¯ y, ˆ y, ˆ
x ∈ K} ein nichtleeres Intervall. Sei nun f : K −→ E ein monoton steigender y ≤ f (¯ y) und Operator, der auf jedem Intervall in K kompakt ist, derart, daß ¯ f (ˆ y) ≤ ˆ y.
Dann hat
f
einen minimalen Fixpunkt
¯
x
= lim
k→∞
f
k
(¯
y),
d.h
¯
x
kann durch die Iteration
¯
y und x k+1 = f (x k ), k = 0, 1, 2, . . . x 0 = ¯
berechnet werden. Die Folge (x k ) k∈I N ist monoton steigend.
32
Beweis:
Wegen der Monotonie gilt f¨ ur jedes y ∈ [¯ y, ˆ y] : f (¯ y) ≤ f (y) ≤ f (ˆ y) und somit:
∀y ∈ [¯ y, ˆ y ≤ f (¯ y) ≤ f (y) ≤ f (ˆ y) ≤ ˆ y]) ⊂ [¯ y, ˆ y] : ¯ y =⇒ f ([¯ y, ˆ y].
Wir betrachten nun die Folge (x
k
)
k∈I N
0
mit
x
k+1
=
f
(x
k
) und
x
0
= ¯
sichtlich ist (x k ) k∈I N 0 ⊂ f ([¯ y, ˆ y]). F¨ ur jedes k ∈ IN 0 ist x k ≤ ˆ
Kompaktheit von f kann man aus (x k ) k∈I N 0 eine konvergente Teilfolge (x k i ) i∈I N ausw¨ ahlen, f¨ ur die gilt x k i −→ ¯ x mit i → ∞. Da f steigend ist, liefert eine leichte
Induktion sofort, daß (x k ) k∈I N 0 steigend ist, denn: x 1 = f (x 0 ) = f (¯ y) ≥ ¯ y = x 0 und mit x k ≥ x k−1 folg:t
x k+1 = f (x k ) ≥ f (x k−1 ) = x k , ∀k ∈ IN 0 .
Somit hat (x
k
)
k∈I N
genau einen Grenzwert; Denn die Teilfolge (x
k
i
)
i∈I N
ist steigend, und es gilt
∀i ∈
IN
:
x
k
i
≤
¯
x.
Ein weiterer Grenzwert ˜
x
w¨ are auch Grenzwert einer Teilfolge (x
k
j
)
j∈I N
mit der Eigenschaft:
x
k
j
≤
˜
x,
∀j ∈
IN
. Sei oBdA
x,
dann
∃j
0
∈
IN
∀j ≥
j
0
:
x
k
j
>
¯
x.
Nun gibt es sicher
i
∈
IN
:
k
i
> k
j
0
. ¯
x <
˜
Aus der Monotonie folgt dann x k i > x k j 0 > ¯ folgt:
x k −→ ¯ x mit k −→ ∞.
Wegen der Stetigkeit von f folgt:
f (x k ) −→ f (¯ x) mit k −→ ∞.
Da nun aber
∀k ∈
IN
:
x
k+1
=
f
(x
k
) und
x
k+1
−→
¯
Intervall [¯
y,
ˆ
y]
ist abgeschlossen und daher ist ¯ Nun zeigen wir, daß ¯ weitere Fixpunkte von
f
in [¯
y,
ˆ also
x
≥
¯
y
ein solcher Fixpunkt. Betrachte nun das Intervall [¯
y, x].
Da
f
(x) =
x
ist, folgt mit dem analogen Argument wie oben f ([¯ y, x]) ⊂ [¯ y, x].
Da die obige Folge (x k ) k∈I N somit in f ([¯ y, x]) enthalten ist, ist sie relativ kompakt und konvergiert gegen den Fixpunkt ¯ x. Aus der Abgeschlossenheit des Intervalls folgt x ≥ ¯ x. Offensichtlich gilt:
f k (¯ y) = f k−1 (f (¯ y)) = f k−1 (x 1 ) = . . . = f (x k−1 ) = x k .
2 Und somit sind alle Aussagen gezeigt.
Bemerkung:
Definiert man
g
: [¯
z,
ˆ
z] ⊂ K − (K − sei der entsprechende negative Kegel) −ˆ y, ˆ z := −¯ y, wobei dann [¯ z, ˆ
gilt, und wendet hierauf das eben bewiesene Theorem an, dann folgen folgende Aussagen: x mit lim k→∞ f k (ˆ y) = ˆ f k (ˆ y) x und fallend. f hat einen maximalen Fixpunkt ˆ
k∈I N
33
2. Existenz
2.2.4. Fixpunkts¨ atze
Dieser Abschnitt befaßt sich mit den im weiteren Verlauf der Arbeit ben¨ otigten Fixpunkts¨ atzen von Operatoren auf Banachr¨ aumen. Ich beweise zwei weniger bekannte Aussagen ¨ uber Fixpunkte in Kegeln in X, die auf Smith ([25]) bzw. Schmitt ([10]) zur¨ uckgehen.
Theorem 2.10 (Smith) Sei X ein Banachraum, K ein Kegel in X, und K 1 = {y ∈ K : y ≤ 1}. Sei N : K −→ X ein Operator, f¨ ur den gelte:
a) y ∈ K 1 und Ny = y =⇒ y ∈ Int K 1 .
b) N ist monoton steigend auf K 1 .
c) y ∈ Int K 1 , λ ∈ (0, 1) =⇒ ∃η = η(y, λ) > 0 : N (λy) ≥ λ(1 + η)Ny.
Dann hat N h¨ ochstens einen Fixpunkt ( = 0) in K 1 .
Beweis:
Angenommen es gibt mindestens zwei Fixpunkte in K 1 . Seien nun x, y ∈ K 1 , x = y solche Fixpunkte. Dann gilt wegen a): x, y ∈ Int K 1 . Da x = y k¨ onnen nicht x − y und y − x beide zugleich in K liegen. Sei oBdA x − y ∈ K. Zun¨ achst zeige ich, daß es ein γ ∈ (0, 1) gibt derart, daß x − γy ∈ K; denn w¨ are dies nicht der Fall, so w¨ urde gelten ∀γ ∈ (0, 1) : x − γy ∈ K. Betrachte nun die Folge (z γ i ) i∈I N mit z γ i = x − γ i y, γ i ∈ (0, 1), und γ i −→ 1 mit i −→ ∞. Somit ist z γ i ∈ K, und offensichtlich z γ i −→ x − y. Wegen der Abgeschlossenheit von K folgt dann x − y ∈ K, im Widerspruch zu oben.
Da x ∈ Int K gibt es sicher ein gen¨ ugend kleines μ > 0 mit x − μy ∈ K. Nun wird gezeigt, daß ein solches μ < γ ist. Denn angenommen, das Gegenteil w¨ are der Fall, dann w¨ are
Widerspruch. Nach Lemma 2.8 gibt es nun aber ein gr¨ oßtes λ, so daß ∀μ > 0 mit x ≥ μy folgt: λ ≥ μ. Aufgrund obiger ¨ Uberlegungen ist 0 < λ < γ < 1. Wegen
b) gilt x = Nx ≥ Nλy und wegen c) gibt es ein η = η(y, λ) >∈ (0, 1) : N (λy) ≥ λ(1 + η)Ny und somit gilt
x = Nx ≥ N (λy) ≥ λ(1 + η)Ny = λ(1 + η)y
=⇒ x − λ(1 + η)y ∈ K. Widerspruch zur Maximalit¨ at von λ. 2
34
Theorem 2.11 Sei X ein Banachraum, K ein Kegel in X. Des weiteren sei A : K −→ K ein kompakter Operator mit A(K) ⊂ K. Außerdem gelte:
a) Es gibt ein k ∈ K, k = 1 und ein r ∈ IR + derart, daß f¨ ur alle L¨ osungen y ∈ K der Gleichung
y = Ay + λk, 0 < λ < ∞
y = r gilt.
b) Es gibt ein R > r derart, daß f¨ ur alle L¨ osungen z ∈ K der Gleichung
z = λAz, 0 < λ < 1
z = R gilt.
Dann hat A einen Fixpunkt x ∈ K mit r ≤ ≤x ≤ R.
Beweis:
Da r > 0, gibt es sicher ein α > 0 mit 0 < r − α < r. Wir definieren f¨ ur ein solches α folgenden Operator B : K −→ K: ⎧
⎪ ⎪ ⎪ ⎪ ⎪ ⎪ ⎪ ⎪ ⎪ ⎪ ⎪ ⎨ Bx =
⎪ ⎪ ⎪ ⎪ ⎪ ⎪
⎪ ⎪ ⎪ ⎪ ⎪ ⎩
Da A kompakt ist, ist A stetig. Aus der Stetigkeit von A folgt:
rx
lim Bx =
x→0+
Bx = lim
x→r−
lim Bx =
x→R+
Schließlich gilt wegen
2. Existenz
B
ist auch kompakt, denn f¨ ur eine beschr¨ ankte Folge (x
i
)
i∈I N
mit
x
i
∈
[r
−
α, r)
ist auch (x
∗
kann man aus
der Kompaktheit von A kann man auch aus
Teilfolge ausw¨ ahlen. Also kann man auch aus (Bx i ) i∈I N eine konvergente Teilfolge ausw¨ ahlen. Die anderen F¨ alle sind klar.
Nun zeige ich, daß es ein R 1 ≥ R gibt, sodaß B(G R 1 ) ⊂ G R 1 gilt f¨ ur G R 1 := {x ∈ X : x ≤ R 1 }. Hierzu benutze ich die Existenz eines M > 0 mit Ax ≤ M x. rx
Denn dann ist
Bx ≤
Definiert man nun R 1 := max{Mr + 1, MR}, kann man oBdA M ≥ 1 annehmen, womit R 1 ≥ R ist. Betrachtet man nun die Menge K R 1 = G R 1 ∩ K, dann gilt B(G R 1 ) ⊂ G R 1 . Ferner ist K R 1 , als Schnittmenge zweier in X abgeschlossener Mengen, sicher abgeschlossen und als Durchschnitt zweier konvexer Mengen konvex. Da K R 1 gem¨ aß Definition beschr¨ ankt ist, folgt aus dem Schauderschen Fixpunktsatz (Theorem A.1) die Existenz eines Fixpunktes x ∈ K R 1 . Nun zeige ich noch, daß dieser Fixpunkt r ≤ ≤x ≤ R erf¨ ullt. Dazu schließe ich die anderen vier F¨ alle aus. 1.Fall: Sei nun x = 0. Dann folgt x = Bx = r−α k = 0 =⇒ k = 0. Widerspruch
r zu k = 1. 2.Fall: 0 < x ≤ r − α =⇒ rx
Da nun 0 <
36
Widerspruch.
3.Fall: r − α ≤ ≤x < r. Dann ist analog zu oben rx
Da nach Voraussetzung
2.
4.Fall: F¨ ur
x
> R
gilt
x
=
A
R
∈ (0, 1) ist, folgt zusammen mit b), daß Da
x
Also bleibt nur noch die M¨ oglichkeit r ≤ ≤x ≤ R. 2
Eine direkte Anwendung dieses Resultates ist das folgende Fixpunkttheorem, das wir sp¨ ater im Beweis von Lemma 2.15 ben¨ otigen. Ich beweise dieses Theorem nur f¨ ur eine offene Kugel mit Radius R anstatt f¨ ur offene Nullumgebungen G, weil im weiteren Verlauf die eingeschr¨ ankte Fassung ausreicht. Der Beweis des Orginaltheorems ist in [23] nachzulesen, ben¨ otigt allerdings einige Aussagen aus der Theorie der Abbildungsgrade.
Theorem 2.12 (Schmitt) Sei X ein Banachraum, K ein Kegel in X und G eine offene, beschr¨ ankte, nichtleere Umgebung der 0 in X. N : K −→ K sei kompakt und positiv mit N (0) = 0 und habe eine Fr´ echetableitung in K. Des weiteren gelte
a) F¨ ur alle L¨ osungen x ∈ K der Gleichung x = λN x, 0 < λ < 1 gilt: x ∈ ∂G.
b) Es gibt ein k ∈ K, k = 1 und ein α > 1 mit N (0)k = αk. F¨ ur ein x = 0, das N (0)x = x erf¨ ullt, gilt x ∈ K.
Dann hat N einen nichttrivialen Fixpunkt in ¯ G ∩ K.
Beweis:
Sei G := {x ∈ X : x < R}. Dann sieht man sofort, daß die Bedingung
37
2. Existenz
a) Theorem 2.11b) erf¨ ullt. Man muß also noch zeigen, daß ein k, das durch b) gegeben wird, Theorem 2.11a) gen¨ ugt. Es muß somit die Existenz eines r < R gezeigt werden, so daß f¨ ur jede L¨ osung der Gleichung x = Nx + λk, 0 < λ < ∞ gilt: x = r.
Wir nehmen nun das Gegenteil an: F¨ ur jedes r ∈ (0, R) gibt es eine L¨ osung x ∈ K obiger Gleichung mit x = r. Betrachten wir eine monoton fallende Folge (r n ) n∈I N mit lim n→∞ r n = 0, dann gibt es also Folgen (x n ) n∈I N ⊂ K und (λ n ) n∈I N ⊂ (0, ∞) mit der Eigenschaft:
∀n ∈ IN : x n = r n und x n = Nx n + λ n k.
Nach Voraussetzung gibt es ein N (0) ∈ L(X), so daß f¨ ur jedes n ∈ IN gilt: Nx n − N (0)x n = Nx n − N 0 − N (0)x n = o(x n ). Also folgt hieraus f¨ ur jedes n ∈ IN
Offensichtlich ist f¨ ur alle n ∈ IN : y n = 1, also ist die Folge (y n ) n∈I N beschr¨ ankt. uber stetige Operatoren ist N (0) kompakt (siehe Nach einem bekannten Satz ¨
z.B [17], S. 102), man kann also aus (N (0)y n ) n∈I N eine konvergente Teilfolge (N (0)y n i ) i∈I N ausw¨ ahlen. Die Folge (y n i ) i∈I N ist wieder beschr¨ ankt, also wegen
konvergente Teilfolge ausw¨ ahlen, die ich der Einfachheit wegen auch mit ( bezeichne. Da ( o(xn)
hat (y n ) n∈I N eine konvergente Teilfolge (y n i ) i∈I N mit y n i −→ y f¨ ur i −→ ∞. Wegen der Stetigkeit von N (0) folgt dann
Da f¨ ur alle n ∈ IN gilt x n ∈ K, ist auch y n ∈ K und, weil K abgeschlossen ist, folgt y ∈ K.
Es wird nun gezeigt, daß aus 0 = z ∈ K folgt N (0)z ∈ K: Denn f¨ ur ein beliebiges γ > 0 ist γz ∈ K, und zusammen mit N 0 = 0 folgt dann
38
Da z > 0 ist, und, wegen γz = γz, mit γ sicher auch γz gegen 0 geht, folgt
lim
γ→0
der Definition von N ist N (γz) und somit auch N (γz)
der Abgeschlossenheit von K auch lim γ→0
N (0)z ∈ K. Diese Erkenntnis auf Gleichung (2.13) angewendet, ergibt y − μk ∈ K, also y ≥ μk. Mit Lemma 2.8 gibt es nun aber ein gr¨ oßtes β > 0 mit y−βk ∈ K. Uberlegung N (0)(y − βk) ∈ K, Ersetzt men z durch y − βk folgt nach obiger ¨ und wegen N (0) ∈ L(X) gilt
N (0)(y − βk) = N (0)y − N (0)βk = y − μk − βN (0)k
b) = y − μk − βαk = y − (μ + βα)k ∈ K.
Da μ > 0 und α > 1 ist, folgt μ + βα > β. Dies ist jedoch ein Widerspruch zur 2 Maximalit¨ at von β.
39
2. Existenz
2.3. Existenz periodischer L¨ osungen
2.3.1. Eigenschaften des Operators N
Im folgenden definiere ich einen Operator N , den ich ben¨ utzen werde, um die Existenz periodischer L¨ osungen von (1.1) zu zeigen. Dann werden mit Hilfe dreier Lemmata Eigenschaften von N gezeigt, die sicherstellen, daß man die in den obigen Abschnitten gewonnenen Aussagen auf N anwenden kann. Im weiteren Verlauf dieser Arbeit sei
wobei f¨ ur ein y ∈ C T ω gilt: y = sup t∈[−T,∞) |y(t)|. Auf dieser Menge wird N folgendermaßen definiert:
Definition 2.12 Sei y ∈ C T ω . Dann ist
ω
und (Ny)(t) = (Ny)(kω + t), k ∈ IN, kω > T f¨ ur t ∈ [−T, 0]. Hierbei sei
t
Es sollen nun Eigenschaften jenes Operators
N
, sowie der Zusammenhang von L¨ osungen der Operatorgleichung
Ny
=
y
mit periodischen L¨ osungen von (1.1), dargestellt werden. Zun¨ achst l¨ aßt sich feststellen, daß f¨ ur
y
∈
K
1
, wegen
y(s)
+
y(s
−
T
)
−
y(s)y(s
−
T
) =
y(s)
+
y(s
−
T
)[1
−
y(s)]
≥
0 und der Definition von
N
, folgt:
Ny
≥
0. Des weiteren kann man aus Definition 2.12 entnehmen, daß, wenn (Ny)(t) f¨ ur
t
≥
0 periodisch ist und zwischen 0 und 1 liegt, dies auch f¨ ur
t
≥ −T
gilt. Mit der oben definierten Norm ist
C
T
ω , wobei Int K = {y ∈ C T inneren Punkten in C T
Die Menge K 1 dagegen ist als Durchschnitt zweier konvexer Menge offensichtlich konvex in C T ω .
40
Lemma 2.9 Der Operator N hat folgende Eigenschaften:
a) N : K 1 −→ K 1
b) y ist eine nichtnegative periodische L¨ osung (der Periode ω) von (1.1) ⇐⇒ Ny = y und y ∈ K 1 .
Beweis:
ω gilt Ny ∈ C T Um a) zu zeigen, beweise ich zun¨ achst, daß f¨ ur ein y ∈ C T ω , und
anschließend, daß aus y ∈ K 1 folgt Ny ∈ K 1 .
Die Stetigkeit von Ny f¨ ur t > 0 ist klar. Außerdem gilt sicher lim t→0+ (Ny)(t) = (Ny)(0). Aus der Definition von N folgt die Stetigkeit von Ny auf [−T, 0). Aus
t→0−
folgt die Stetigkeit auf [−T, ∞).
Nun soll gezeigt werden, daß aus der Periodizit¨ at von y die Periodizit¨ at von Ny folgt. Dies folgt direkt aus der folgenden Hilfsaussage, die ich als Lemma formuliere, da sie im weiteren Verlauf noch ben¨ otigt wird.
Lemma 2.10 Sei N : C([−T, ∞), IR) −→ C([−T, ∞), IR) ein Operator definiert durch
ω t
und (Nh T )(t) = (Nh T )(kω + t), k ∈ IN, kω > T f¨ ur t ∈ [−T, 0]. Dann gilt: h T ∈ C T ω =⇒ Nh T ∈ C T ω .
Beweis:
(Nh T )(t + ω) − (Nh T )(t)
ω t+ω
= (e −γ(t+ω) − e −γ(t) )
2. Existenz
Hier wurde verwendet, daß
t+ω ω
gilt. Sei nun
ω t+ω t
Dann ist n¨ amlich (Nh T )(t+ω)−(Nh T )(t) = e −γ(t) g(t). F¨ ur dieses g gilt einerseits
ω ω
andererseits ist f¨ ur alle t > 0
t+ω t
Hieraus erh¨ alt man ∀t ≥ 0 : g(t) = 0, und somit ∀t ≥ 0 : (Nh T )(t + ω) = (Nh T )(t). Also folgt: Nh T ∈ C T 2Beweis von Lemma 2.9: ω .
Wir betrachten nun ein beliebiges t ≥ 0 und setzen f¨ ur alle s ∈ [0, t] :
h T (s) := b(s)[y(s) + y(s − T ) − y(s)y(s − T )].
Da nun mit y auch h T periodisch ist, folgt das Gew¨ unschte.Es muß noch gezeigt werden, daß 0 ≤ (Ny)(t) ≤ 1, t ∈ [−T, ∞) f¨ ur ein y ∈ K 1 . Oben wurde schon besprochen, daß f¨ ur alle t ∈ [−T, ∞) (Ny)(t) nicht negativ ist. Sei y ∈ K 1
42
und t ∈ [−T, ∞). Dann ist y(t) ≤ 1, also y(t) + y(t − T ) − y(t)y(t − T ) ≤ y(t) + [1 − y(t)] = 1. F¨ ur ein t ≥ 0 ist also ω t
(Ny)(t)
c+b(t)=γ (t)
b): “⇐=”: Sei y ∈ K 1 und Ny = y. Aus der Definition von N folgt die stetige Differenzierbarkeit von y f¨ ur t > 0. Also ist
y(t) =
=
L¨ ost man diese Gleichung nach y (t) auf, erh¨ alt man mit γ (t) = c + b(t) y (t) = e −γ(t)
= e −γ(t)
= b(t)y(t − T )[1 − y(t)] − cy(t).
D.h. y erf¨ ullt (1.1).
“=⇒”: Ist y nun periodisch und gen¨ ugt (1.1), so ist f¨ ur t ≥ 0
d
= y(t)e γ(t) (c + b(t)) + e γ(t) [b(t)y(t − T )[1 − y(t)] − cy(t)] e γ(t) y(t)
dt
= e γ(t) b(t)[y(t) + y(t − T ) − y(t)y(t − T )] = e γ(t) h T (t).
Nach einer einfachen Anwendung des HDI folgt
t
y(t)
2. Existenz
Dies nun in (2.14) eingesetzt ergibt
e −γ(ω) ω t
Daß diese Gleichung auch f¨ ur t ∈ [−T, 0] gilt, ergibt sich wiederum aus
wenn man die Anfangsbedingung φ(t) = y(t + kω) w¨ ahlt. Also ist y ein Fixpunkt von N . Aus Lemma 2.6 und aus den ¨ Uberlegungen unmittelbar vor diesem 2 Lemma folgt, daß dieser in K 1 liegt.
Lemma 2.11 Sei N : K 1 −→ K 1 wie in Lemma 2.9. F¨ ur ein λ ∈ (0, 1) existiere ein y ∈ K : λN y = y. Dann
∃α < 1 ∀t ∈ [−T, ∞) : y(t) ≤ α < 1.
Beweis:
Sei t ≥ 0, λ ∈ (0, 1), und y erf¨ ulle die obige Gleichung. Wie schon im Beweis von Lemma 2.9 gesehen, gilt
e γ(t) [c + b(t)]y(t) + e γ(t) y (t) =
Und damit ist
λe γ(t) b(t)[y(t) + y(t − T ) − y(t)y(t − T )] − e γ(t) [c + b(t)]y(t)
= λb(t)[y(t) + y(t − T ) − y(t)y(t − T )] − [c + b(t)]y(t) = λb(t)y(t − T )[1 − y(t)] − [c + (1 − λ)b(t)]y(t).
Wir betrachten die Menge {t ≥ 0 : y(t) ≥ 1}. Dann gilt f¨ ur t aus dieser Menge
Wir nehmen an, daß {t ≥ 0 : y(t) ≥ 1} = ∅ ist und setzen t ∗ = inf{t ≥ 0 : y(t) ≥ 1}. In einem ersten Fall setzen wir voraus, daß t ∗ > 0 gilt. Dann ist wegen der Stetigkeit von y: y(t ∗ ) = 1, und somit y (t ∗ ) < 0. Also gibt es t < t ∗
44
mit
y(t) > y(t
∗
) = 1. Dies ist ein Widerspruch zur Definition von
t
∗
. Schließlich behandle ich noch den Fall:
t
∗
= 0. Wegen (2.15) gibt es ein ¯
und
y
( ¯
t) <
0. Hieraus folgt jedoch
∀t
>
¯
t
:
y(t) <
1; denn f¨ ur ein
t >
¯
y(t)
= 1 muß gelten
y
(t)
≥
0, im Widerspruch zu oben. Wegen der Periodizit¨ at von
y
muß es jedoch
t >
¯
t
geben mit
y(t)
= 1, was jedoch unm¨ oglich ist. Also ist {t ≥ 0 : y(t) ≥ 1} = ∅, und somit y(t) < 1 f¨ ur t ≥ 0. Wiederum aufgrund der Periodizit¨ at kann y auch nicht gegen 1 konvergieren, und somit gibt es ein solches α < 1 mit y(t) ≤ α f¨ ur t ≥ 0. Offensichtlich gilt dies auch f¨ ur alle t ∈ [−T, ∞). 2
ω −→ C T Lemma 2.12 Sei L : C T ω ein linearer Operator mit ω t
und (Lf )(t) = (Lf )(kω + t), k ∈ IN, kω > T f¨ ur t ∈ [−T, 0]. Dann ist L kompakt.
Beweis:
ω ist, reicht es, t ∈ [0, ω] zu betrachten. Wie schon in dem Beweis von Da y ∈ C T
Lemma 2.9 auf Seite 43 gesehen, gilt f¨ ur alle t ≥ 0:
ω t
Also ist Lf ≤ ≤f . Somit ist L beschr¨ ankt und, da L linear ist, stetig. Ist
L ω := {Lf : f : [0, ω] −→ IR, stetig und periodisch mit Periode ω}
und Lf ∈ L ω , dann ist ∀t ∈ [0, ω]
t
2. Existenz
und somit gilt f¨ ur jedes t ∈ [0, ω]
Also ist
(Lf ) ≤ (c + ˆ b)Lf + ˆ bf ≤ (c + ˆ b)f + ˆ bf = (c + 2 ˆ b)f ,
woraus folgt, daß L ω gleichstetig ist. Da L ω offensichtlich abgeschlossen und beschr¨ ankt ist, folgt aus dem Satz von Arz´ ela-Ascoli die Kompaktheit von L ω , 2 also die Kompaktheit von L.
Lemma 2.13 Sei N wie in Lemma 2.9. Dann gilt: N ist kompakt und hat in K folgende Fr´ echetableitung an der Stelle 0: ω
und (N (0)y)(t) = (N (0)y)(kω + t), kω > T f¨ ur t ∈ [−T, 0]. Außerdem gilt: N (0) ist kompakt auf C T ω und streng positiv.
Beweis:
i) In einem ersten Schritt zeige ich, daß N kompakt ist. Hierzu verwende ich das obige Lemma 2.12 und die Tatsache, daß N = L ◦ G ist, wobei
(Gf )(t) := f (t) + f (t − T ) − f (t)f (t − T ) f¨ ur t ≥ 0,
gilt, mit f (t) := f (t + kω) f¨ ur t ∈ [−T, 0].
Wegen Gf ≤ ≤f + f + f 2 ist G beschr¨ ankt. Mit der Folgerung b) auf Seite 23 erh¨ alt man die Kompaktheit von N .
ii) Nun berechnen wir die Fr´ echetableitung von N an der Stelle 0: Offensichtlich ist G0 = 0 und die Fr´ echetableitung von G an der Stelle 0 ist: (G (0)f )(t) = f (t) + f (t − T ), t ≥ 0, denn
46
mit f −→ 0. Da G (0) und L linear sind, ist auch L ◦ G (0) linear und, wegen
ist N (0)(t) = (L ◦ G (0))(t) f¨ ur t ≥ 0. Aus der Definition von N folgt die Gleichung N (0)(t) = N (0)(kω + t) f¨ ur t ∈ [−T, 0]. iii) Da G (0) ∈ L(C T ω ) ist und L ∈ L(C T ω ) kompakt ist, ist wieder mit der Folgerung auf Seite 23 auch L ◦ G (0) = N (0) kompakt. Aus Lemma 2.10 mit h T (t) := y(t) + y(t − T ) folgt noch, daß N (0)y ∈ C T ω .
iv) Schließlich zeige ich noch die strenge Positivit¨ at von N (0): Wie gerade gesehen, ist N (0)(C T ω ) ⊂ C T ω . F¨ ur ein y ∈ K, y = 0 gibt es ein t > 0 mit
y(t) + y(t − T ) ≥ y(t) > 0, woraus wieder folgt, daß f¨ ur alle t ≥ 0 gilt: (N (0))(t) > 0. Somit ist N (0)y ∈ Int K. N (0) ist also nach Definition 2.11 2 streng positiv mit n = 1.
47
2. Existenz
2.3.2. Kriterien f¨ ur die Existenz einer periodischen L¨ osung
von (1.1)
Nachdem wir in den vorherigen Kapiteln einige funktionalanalytische Grundlagen geschaffen haben, sowie einen auf dem Banachraum C T ω kompakten Operator N
eingef¨ uhrt haben, dessen Fixpunkte aus K 1 nichtnegative periodische L¨ osungen von (1.1) sind, kann nun das Hauptresultat dieses Kapitels bewiesen werden. Der folgende Satz beantwortet die Frage, welche Bedingungen an die Heilungsrate c gestellt werden, sodaß (1.1) eine periodische L¨ osung besitzt. Es wird die Existenz eines kritischen Wertes c T gezeigt, der die obere Schranke f¨ ur derartige c darstellt.
Im zweiten Teil des Kapitels werden noch quantitative Aussagen ¨ uber dieses c T gemacht.
Der Beweis des Satzes st¨ utzt sich gr¨ oßtenteils auf zwei Lemmata, die wir als erstes beweisen werden.
Satz 1 Betrachte das AWP (1.1)-(2.6). Es gibt eine positive Konstante c T derart, daß folgendes gilt:
a) c ≥ c T =⇒ (1.1) hat keine periodische L¨ osung y = 0 durch einen Anfangswert φ mit 0 ≤ φ(t) ≤ 1, t ∈ [−T, 0].
b) c < c T =⇒ (1.1) hat eine eindeutige, positive, periodische L¨ osung y c durch den Anfangswert φ, und es gilt: 0 < y c (t) < 1 f¨ ur t ∈ [−T, ∞).
c) Die Abbildung π : [0, c T ] −→ C T ω , π(c) = y c , y c T = 0 ist stetig und es gilt: y c −→ 1 mit c −→ 0.
Des weiteren folgt f¨ ur c 1 , c 2 ∈ [0, c T ] mit c 1 < c 2 : ∀t ∈ [−T, ∞) : y c 1 (t) > y c 2 (t). Es folgt y c 1 > y c 2 .
Beweis:
Die folgenden zwei Lemmata zeigen die Punkte a) und b) (bis auf die Eindeutigkeit), wobei Lemma 2.14 in erster Linie die spektraltheoretischen Eigenschaften c (0) in Abh¨ angigkeit von c beschreibt (wir werden im Folgenden oft die Operatoren und Funktionen mit c indizieren, wenn wir die Abh¨ angigkeit von c ausdr¨ ucken wollen).
c (0) wie in Lemma 2.13. Dann ∃c T > 0 derart, daß
a) c = c T =⇒ ∃x ∈ K : N (0)x = x = 0.
48
c (0)) < 1
d) ˜ b ≤ c T ≤ ˆ b
wobei ˜ b := min t≥0 b(t) und ˆ b := max t≥0 b(t).
Beweis:
Der Beweis wird in mehreren Schritten durchgef¨ uhrt. In einem ersten Schritt zeigt c (0) eine in c fallende Funktion ist. Hierbei
werden in erster Linie die beiden oben bewiesenen Theoreme von Krein-Rutmann verwendet. Dann wird bewiesen, daß es ein λ 0 > 1 gibt mit der Eigenschaft:
(0)) ˜ b ˆ b
c (0)) stetig von c abh¨ angt.
Hieraus kann man dann schnell folgern, daß es ein c T gibt, das die Punkte a)-d) des Lemmas erf¨ ullt. c (0)y > c (0)y.
Sei nun 0 < c < c . Aus der Definition von γ liest man f¨ ur ein t > 0 ab:
γ c (t) > γ c (t) =⇒ e γ c (t) > e γc(t) =⇒ e −γ c (t) < e −γc(t) .
t
Außerdem gilt f¨ ur 0 ≤ s ≤ t: γ c (s) − γ c (t) = − (c + b(u))du ≤ 0 und somit:
s
e γ c (s)−γ c (t) ≤ e γc(s)−γc(t) Des weiteren gilt:
c (0)y. Nach demselben Lemma ist N (0) kompakt auf C T
positiv in K. Also gibt es nach Theorem 2.8 eindeutig bestimmte Eigenvektoren y c , y c ∈ Int K, d.h.
c (0)y c = λ c y c ,
wobei λ c , λ c die jeweiligen Spektralradien sind.
c (0) in c ist aber
2. Existenz
Da N (0)y ∈ Int K, gilt y ∈ Int K. Mit Theorem 2.8 folgt μ = λ c , und somit: c (0)) streng monoton in c.
2. Schritt: Ist f¨ ur beliebiges c ≥ 0 nun y ∈ K ein Eigenvektor zu einem Eigenwert λ > 0, folgt
Aus der Definition von N (0) liest man ab, daß y ∈ C 1 ([−T, ∞), IR). Also gilt ∀t ∈ [−T, ∞):
λ
Des weiteren ist aber:
Zusammen ergibt dies:
c (0)) f¨ ur spezielle c:
Sei c = 0, λ 0 ≤ 1. Angenommen, es existiere ein Eigenvektor y 0 ∈ K zu diesem λ 0 , dann gilt (2.16), also ist
0 = y 0 (ω) − y 0 (0)
ω ω
0 (0) gibt, dann ist λ 0 > 1.
Aus Theorem 2.8 folgt aber die eindeutig bestimmte Existenz eines solchen λ 0 , d.h.
0 (0)x = λ 0 x, 0 (0)).
50
Sei nun c > 0, 0 < λ c < 1. Dann ist (λ −1 c − 1) > 0, und somit gilt mit der Bemerkung weiter unten: ω
Wenn nun c = ˜ b gew¨ ahlt wird, ist
ω ω
˜ b
˜ b
F¨ ur λ c > 1 gilt jedoch (λ −1 c − 1) < 0, und somit:
ω
0 =
F¨ ur c = ˆ b folgt 0 ≤ ˆ b(λ −1
Bemerkung:
In beiden Absch¨ atzungen wurde verwendet, daß, wegen y ∈ C T ω , gilt: ω−T ω
ω , N (0)y also auch ω-periodisch ist, gilt 3. Schritt:Da N (0)y ∈ C T
2. Existenz
Sei ∀t ≥ 0 : h(t) := b(t)[y(t) + y(t − T )]. Dann folgt ∀t ≥ 0 : |h(t)| ≤ 2b(t)y. c (0)y ≥ N Wir k¨ onnen oBdA c ≤ c annehmen, und somit N c (0)y. Also gilt nach dem Konvergenzsatz von Lebesgue ∀y ∈ K mit y = 1
|N c (0)y(t) − N max c (0)y(t)|
t∈[0,ω] ω t
= max
≤ max
= max
= max
≤ 2 max
Hieraus folgt
N c (0) − N c (0) −→ 0 mit c −→ c
Wendet man nun Theorem A.3 auf
N
Stetigkeit von r(N c (0)) in c auf diesem Intervall.
Aus dem bisher Gesagten folgt nun die Existenz eines
c
T
∈
[ ˜
b,
ˆ
b]
:
r(N
also a) und d) von
Lemma 2.14.
Außerdem ist, aufgrund des
1. Schrittes,
f¨ ur alle
c > c
T
:
r(N
c
(0))
<
1, woraus c) folgt. Die zweite Aussage von b), f¨ ur
c < c
T
, folgt ebenso aus der Monotonie in
c,
sowie Theorem 2.8 mit
α
=
r(N
1. Wegen eben diesem Theorem kann es zu diesem
c
in
Int K
keinen weiteren Eigenvektor zu einem
λ
= 1 geben. F¨ ur ein
x
=
0 mit
N
x ∈ Int K. Da aber ∀y ∈ K : N (0)y ∈ Int K gilt, folgt die erste Aussage in Punkt b).
Lemma 2.15 Sei N wie in Lemma 2.9 und c T wie in Lemma 2.14:
a) c < c T =⇒ (1.1) hat eine positive, periodische L¨ osung
52
b) c ≥ c T =⇒ (1.1) hat keine periodische L¨ osung y = 0.
Beweis (von Lemma 2.15):
a) Sei nun
N
wie in
Lemma 2.9.
Nach eben diesem
Lemma
reicht es f¨ ur a) aus, zu zeigen, daß
N
einen Fixpunkt in
K
1
hat, d.h.
∃y ∈
K
1
:
Ny
=
y.
Dies gelingt mit dem auf Seite 37 bewiesenen Theorem 2.12. Mit
C
T
ω : y < 1} gilt offensichtlich K ∩ ¯ G := {y ∈ C T
N auf K 1 kompakt und hat eine Fr´ echetableitung in K. Offensichtlich gilt auch N (0) = 0. Lemma 2.11 stellt sicher, daß f¨ ur ein y ∈ K mit λN y = y, λ ∈ (0, 1) ω : y = 1} ist, ist gilt: ∃t ∈ [−T, ∞) : y(t) = 1. Da nun aber ∂G = {y ∈ C T ein solches y nicht aus ∂G. Also ist die Bedingung a) des Theorems 2.12 erf¨ ullt. Da c < c T ist, erf¨ ullt N (0) nach Lemma 2.14 auch die Bedingungen b) bis auf die Normiertheit. Wenn aber N (0)y = αy, folgt aufgrund der Linearit¨ at von N (0) auch N (0) y , und somit gibt es ein z ∈ K, z = 1 mit N (0)z = αz. = α y
y y
Also hat N einen Fixpunkt in K 1 .
r(N
von c abh¨ angt und fallend in c ist, gilt f¨ ur c ≥ c T : r(N c (0)) ≤ 1. Angenommen
(1.1) hat eine periodische nichttriviale L¨ osung y, so ist nach Lemma 2.9 y ∈ K 1 und Ny = y. N |K 1 ist strikt positiv. Denn da b eine positive Funktion ist, gibt es f¨ ur ein y ∈ K 1 , y = 0 sicher t ∈ [0, ω] mit y(t) > 0 und b(t) > 0. Also ist:
e γ(t) b(t)[y(t) + y(t − T ) − y(t)y(t − T )]
= e γ(t) b(t)[y(t) + y(t − T )(1 − y(t))] ≥ e γ(t) b(t)y(t) > 0.
Da ω > 0 ist, gilt f¨ ur alle t ≥ 0
e −γ(ω) ω
Insbesondere ist f¨ ur ein y ∈ K 1 mit y > 0, d.h. y ∈ Int K 1 : Ny > 0; N |K 1 ist also nach Definition 2.11 strikt positiv.
Also ist y > 0. ∀t ≥ 0 gilt somit y(t)y(t−T ) > 0. Also ist ∀t ≥ 0 : y(t)+y(t−T ) > y(t) + y(t − T ) − y(t)y(t − T ). Somit erh¨ alt man ∀t ∈ [−T, ∞) : (N c (0)y)(t) > (N c y)(t).
c (0) mindestens einen Eigenvektor zu einem
Widerspruch zu oben.
Um Satz 1 vollst¨ andig zu beweisen, muß noch gezeigt werden, daß f¨ ur ein festes c < c T die positive, periodische L¨ osung eindeutig bestimmt ist. Weiterhin bleibt zu zeigen, daß die L¨ osungen y c in c ∈ [0, c T ] stetig und monoton fallend sind.
53
2. Existenz
Zun¨ achst zur Eindeutigkeit. Dazu bedienen wir uns des Theorems 2.10 von Seite 34, welches aussagt, daß N h¨ ochstens einen Fixpunkt in K 1 hat, es also h¨ ochstens eine positive, periodische L¨ osung von (1.1) gibt.
Da N |K 1 strikt positiv ist, ist ∀t ∈ [−T, ∞) : y(t) > 0. Aus Lemma 2.6 bzw. der Absch¨ atzung auf Seite 43 erh¨ alt man: y(t) < 1, und somit ist y ∈ Int K 1 . Also ist Punkt a) vom Theorem bewiesen. Nun wird gezeigt, daß f¨ ur x, y ∈ K 1 aus x ≤ y folgt Nx ≤ Ny, und damit die Voraussetzung b). Betrachte hierzu die reelle Funktion f : [0, 1] × [0, 1] −→ IR mit f (u, v) = u + v − uv. Offensichtlich gilt
Also ist f in beiden Variablen steigend. Sei nun x ≤ y, d.h. x(t) ≤ y(t) f¨ ur alle t ∈ [−T, ∞), dann gilt f¨ ur jedes t ∈ [−T, ∞) : x(t) + x(t − T ) − x(t)x(t − T ) ≤ y(t) + y(t − T ) − y(t)y(t − T ), womit folgt
∀t ∈ [−T, ∞) : (Nx)(t) ≤ (Ny)(t) =⇒ Nx ≤ Ny.
Jetzt zeige ich noch, daß N die Bedingung c) des Theorems 2.10 erf¨ ullt: Sei nun y ∈ Int K 1 , t ∈ [0, ω], λ ∈ (0, 1) und G wie in Lemma 2.13. Dann ist
(Gλy)(t) = λy(t) + λy(t − T ) − λy(t)λy(t − T )
Wegen N = L ◦ G folgt
(Nλy)(t) = L(λ[y(t) + y(t − T ) − y(t)y(t − T )] + λ(1 − λ)y(t − T )y(t))
wobei (Hy)(t) = y(t − T )y(t). Da Ny ∈ K 1 folgt ∀t ∈ [0, ω] : (Ny)(t) ≤ 1. Also ist
Da nun y ∈ Int K 1 ist, erh¨ alt man:
54
Somit ist Satz 1b) vollst¨ andig gezeigt.
Bevor nun Satz 1c) bewiesen wird, sei noch angemerkt, daß mit denselben Argumenten wie im Beweis von Lemma 2.14 (f¨ ur N (0)) folgt
0 ≤ c 1 < c 2 ≤ c T , y ∈ K 1 =⇒ N c 1 y > N c 2 y.
Auf einen Beweis sei jedoch an dieser Stelle verzichtet. Man sieht dies jedoch leicht ein, da die sich unterscheidenden Terme im Integranden nicht von c abh¨ angen. Wir betrachten nun die Funktion [0, c T ] −→ K 1 mit c −→ y c . Es soll nun in einem ersten Schritt gezeigt werden, daß y c in c monoton f¨ allt, und anschließend die Stetigkeit von y c auf [0, c T ].
Seien also
c
1
, c
2
wie oben,
y
c
1
, y
c
2
∈
K
1
⊂
K
die entsprechenden eindeutig bestimmten L¨ osungen. Wir wollen nun zeigen, daß
y
c
1
> y
c
2
gilt. Dazu zeigen wir zuerst
y
c
1
≥
y
c
2
. Angenommen, dies ist nicht der Fall, dann ist
y
c
1
−
y
c
2
∈
K
und
y
c
2
= 0. Wie schon im Beweis von Theorem 2.10 gesehen,
gibt es, da K abgeschlossen ist, ein γ ∈ (0, 1) derart, daß
∀λ > γ : y c 1 − λy c 2 ∈ K und ∀λ ≤ γ : y c 1 − λy c 2 ∈ K.
Also ist y c 1 ≥ γy c 2 und, mit Ungleichung (2.18), folgt die Existenz eines η > 0 mit
y c 1 = N c 1 y c 1 ≥ N c 1 (γy c 2 ) ≥ (1 + η)γN c 1 y c 2 ≥ (1 + η)γN c 2 y c 2 = (1 + η)γy c 2 .
Also ∃δ = (1 + η)γ > γ : y c 1 − δy c 2 ∈ K. Widerspruch zur Definition von γ. Also ist y c 1 ≥ y c 2 und somit ist auch y c 1 > y c 2 , denn
y c 1 = N c 1 y c 1 > N c 2 y c 1 ≥ N c 2 y c 2 = y c 2 .
Somit folgt aus 0 ≤ c 1 < c 2 ≤ c T : y c 1 > y c 2 .
Schließlich zeige ich noch die Stetigkeit von y c auf [0, c T ]. Dies gelingt vor allem mit Hilfe des oben bewiesenen Resultats von Amann (Theorem 2.9). Da sich N c und N c (0) nur durch den nichtlinearen Teil der Integranden unterscheiden, und f¨ ur ein y ∈ K mit y ≤ 1 gilt: ∀t ≥ 0 : |y(t)+y(t−T )−y(t)y(t−T )| ≤ 3, ist analog zu der Absch¨ atzung auf Seite 52
Hieraus folgt wieder
N c y − N c y −→ 0 mit c −→ c .
Wie wir im Beweis von Theorem A.3 gesehen haben, folgt f¨ ur beliebiges k ∈ IN
c y −→ 0 mit c −→ c , gleichm¨ aßig f¨ ur y ≤ 1. N k c y − N k
55
2. Existenz
Seien nun y c 1 , y c 2 wieder eindeutige L¨ osungen von (1.1) zu c 1 , c 2 ∈ [0, c T ]. Betrachten wir das Intervall [y c 1 , y c 2 ] := {z ∈ K : y c 1 ≤ z ≤ y c 2 }. N ist auf diesem Intervall monoton steigend, denn gem¨ aß Lemma 2.9 ist [y c 1 , y c 2 ] ⊂ K 1 . Weiterhin haben wir oben gesehen, daß y c 1 > y c 2 ist f¨ ur c 1 < c 2 , und somit gilt:
y c 2 = N c 2 y c 2 < N c 2 y c 1 < N c 1 y c 1 = y c 1 .
Wendet man Theorem 2.9 an, folgt: Die Folge und konvergiert gegen einen maximalen Fixpunkt ˆ
maximaler Fixpunkt von
N
c
2
ist, sind alle anderen Fixpunkte kleiner, also auch
y
≥
y
c
2
>
0. Da aber
N
c
f¨ ur
y
c
2
. Da f¨ ur
c
2
< c
T
gilt 0 =
y
c
T
< y
c
2
, folgt ˆ jedes
c < c
T
einen eindeutigen Fixpunkt hat (siehe
Lemma 2.15),
ist ˆ
folgt lim
k→∞
N
k
y
c
≥
N
k
N
k c 2 c 2 0 ≤ N k y c − y c 2 ≤ N k y c 1 − y c 2 −→ 0 mit k → ∞.
c 2 c 2
Hierbei wurde verwendet, daß wegen der Monotonie N c 2 y c 1 ≥ N c 2 y c ≥ N c 2 y c 2 ist, und somit wegen N k c y = N c (N k−1 y) gilt:
c y c 1 ≥ N k y c ≥ N k N k y c 2 .
c 2 c 2 c 2 Also konvergiert N k y c − y c 2 gleichm¨ aßig in c ∈ [c 1 , c 2 ] gegen 0. Hieraus folgt
c 2
dann
≤ ≤N k c y c − N k
Der erste der beiden oberen Terme konvergiert f¨ ur alle k ∈ IN und y c ≤ 1 mit c −→ c 2 gegen 0. Da nun aber der zweite Term f¨ ur k → ∞ gleichm¨ aßig in c gegen 0 konvergiert, folgt lim c→c 2 − y c = y c 2 . Analog zu oben folgt
y c 1 = N c 1 y c 1 > N c 1 y c 2 < N c 2 y c 2 = y c 2 .
Wieder mit Theorem 2.9, angewendet auf das selbe Intervall [y c 1 , y c 2 ], jedoch auf
den Operator
N
c
1
, erh¨ alt man: Die Folge konvergiert gegen einen minimalen Fixpunkt ˜
N
k
y
c
1
=
y
c
1
folgt
c 1 0 ≥ N k y c − y c 1 ≥ N k y c 2 − y c 1 −→ 0 mit k → ∞.
c 1 c 1
Mit den Argumenten von oben und der Absch¨ atzung
≤ ≤N k c y c − N k
56
folgt lim c→c 1 + y c = y c 1 . Da dies f¨ ur beliebige Intervalle [c 1 , c 2 ] ⊂ [0, c T ] gilt, folgt die Stetigkeit von y c in [0, c T ], womit Satz 1 bewiesen ist. Da nach Theorem 2.6b) y c=0 = 1 ist, gilt insbesondere y c −→ 1 mit c → 0. 2
Es gibt also einen kritischen Wert c T f¨ ur die Heilungsrate c. Nun ist interessant, ob man Aussagen ¨ uber die Gr¨ oße dieses c T machen kann.
Zu einem beliebigen T wissen wir also, daß ˜ b ≤ c T ≤ ˆ b gilt. Eine weitere quanti-uber c T zu einem speziellen T macht das folgende tative Aussage ¨
Lemma 2.16 Die Verz¨ ogerung T sei ein Vielfaches der Periode ω, d.h. es gibt ein k ∈ IN : kω = T . Dann gilt: ω
Beweis:
Sei [b] der Durchschnittswert von b, definiert durch ω
Ich zeige nun zun¨ achst, daß [b] ≤ c T gilt, und in einem zweiten Schritt schließe ich dann den Fall [b] < c T aus.
i) Da T ein Vielfaches der Periode ω ist, gilt f¨ ur alle t ≥ 0: y(t − T ) = y(t). Betrachtet man die gew¨ ohnliche nichtlineare Differentialgleichung
y (t) = y(t)[b(t) − c − b(t)y(t)] (2.19)
wobei b, c wie in (1.1) sind, erf¨ ullt, f¨ ur den Fall T = kω, eine L¨ osung von (2.19) gleichzeitig auch Gleichung (1.1); und umgekehrt. Unter welchen Bedingungen hat nun (2.19) eine nichttriviale, positive, ω-periodische L¨ osung? Die Antwort auf diese Frage gibt Theorem A.5: [b] > c. Um dies einzusehen, definiert man f¨ ur ein > 0 mit b(t) − > 0, t ≥ 0 folgende Abbildungen:
wobei B den Banachraum aller stetigen, ω-periodischen Funktionen von [0, ∞) nach IR bezeichne. Man sieht sofort, daß q, s ∈ B sind. Mit dem Operator H t aus Theorem A.5 folgt f¨ ur ein y ∈ B
H t y(t) = s(t)y(t) + G t y(t) = [b(t) − ]y(t) + y(t) = b(t)y(t)
57
2. Existenz
und somit wird Gleichung (A.10) zu
y (t) = y(t)[q(t) − H t y(t)] = y(t)[b(t) − c − b(t)y(t)].
Es muß also noch gezeigt werden, daß die oben definierten Abbildungen die Voraussetzungen von Theorem A.5 erf¨ ullen. Da aber G t sicher beschr¨ ankte Teilmengen von B in beschr¨ ankte Teilmengen von B abbildet, und, wegen
auch G t y = O(y) gilt, bleibt zu zeigen: [q] > 0. Dies folgt jedoch sofort aus ω ω ω
[q] =
Also hat f¨ ur [b] > c (2.19) und somit auch (1.1) eine positive periodische L¨ osung. Nach Lemma 2.15 muß dann c < c T sein. Daraus folgt aber: [b] ≤ c T . Denn w¨ are [b] > c T , dann g¨ abe es ein c ∈ (c T , [b]) derart, daß eine periodische L¨ osung f¨ ur (1.1) existiere, was unm¨ oglich ist.
ii) Nimmt man nun [b] < c T an, dann gibt es ein c ∈ IR mit c T > c > [b], was impliziert, daß (1.1) eine L¨ osung y ∈ C T ω hat. Da y auch Gleichung (2.19) l¨ ost, gilt f¨ ur alle t ≥ 0 t t
Hieraus folgt aufgrund der Periodizit¨ at von y
ω ω ω
Da b > 0 ist und y = 0 ist, gibt es t ∈ [0, ω] : b(t)y(t) > 0. Somit folgt ω
[by] =
58
3. Grenzwerte und Stabilit¨ at
Im vorliegenden Kapitel besch¨ aftigen wir uns mit dem qualitativen Verhalten der L¨ osungen von Gleichung (1.1). Hierf¨ ur werden wir zun¨ achst in Abh¨ angigkeit von der Heilungsrate c < c T bestimmte Grenzwerte herleiten, durch welche die periodischen L¨ osungen f¨ ur alle Zeiten beschr¨ ankt sind. Im dann folgenden Abschnitt werden wir das Stabilit¨ atsverhalten der L¨ osungen sowohl f¨ ur jene c, als auch f¨ ur solche c ≥ c T , f¨ ur die keine periodische L¨ osungen existieren, betrachten.
3.1. Grenzwerte
Nun wollen wir die Existenz von Grenzwerten f¨ ur periodische L¨ osungen y c mit c ∈ [0, c T ] zeigen. Hieraus ehaltem wir eine Aussage ¨ uber das Verhalten solcher
L¨ osungen f¨ ur verschwindende Heilungsrate, also f¨ ur c → 0. Am Ende dieses Abuber c T machen. Zun¨ achst schnittes k¨ onnen wir noch eine quantitative Aussage ¨ jedoch
Theorem 3.1 Sei b wie oben und
t t
ˆ a := lim sup
Dann gilt f¨ ur alle nichttrivialen, nichtnegativen periodischen L¨ osungen y von (1.1)
2˜ a − 1
∀t ≥ 0 : ≤ y(t) ≤ ˆ a
˜ a
Es gilt insbesondere: lim c→0 y c (t) = 1 gleichm¨ aßig in t.
Beweis:
Sei y eine nichtnegative L¨ osung von (1.1). Gem¨ aß den ¨ Uberlegungen des letzten
59
3. Grenzwerte und Stabilit¨ at
Kapitels gilt dann: Ny = y und y ∈ K 1 . Außerdem haben wir gesehen, daß f¨ ur ein y ∈ K 1 gilt, daß Ny > 0. Aus Lemma 2.6 sieht man, daß y(t) < 1 f¨ ur t > 0. Ist c > 0, kann man in der Ungleichung auf Seite 43 “≤” durch “<” ersetzen und erh¨ alt: ∀t ≥ 0 : y(t) = Ny(t) < 1. Definiert man nun eine Funktion z := 1 − y, dann ist z offensichtlich wieder periodisch, und es gilt: 0 < z < 1. Des weiteren sei ω
und (Mz)(t) = (Mz)(kω + t), k ∈ IN, kω > T f¨ ur t ∈ [−T, 0]. Mit zu Lemma 2.13 analogen Argumenten folgt, daß M ein streng positiver Operator ist. Mit Lemma 2.10 und h T (t) := c + b(t)z(t)z(t − T ), t ≥ 0 folgt M : K −→ K. Die Kompaktheit von M folgt wieder mit Lemma 2.12.Im folgenden wird gezeigt, daß y genau dann Fixpunkt von N ist, wenn z Fixpunkt von M ist. Sei f¨ ur alle t ≥ 0 : y(t) = 1 − z(t).Also ist
b(t)[y(t) + y(t − T ) − y(t)y(t − T )]
“ =⇒ ”: Es folgt aus N (1 − z) = 1 − z f¨ ur alle t ≥ 0:
ω
s.S.43
60
“⇐=”: Andererseits gilt auch
und mit 1 − y = M (1 − y) folgt wieder f¨ ur alle t ≥ 0:
ω
+
= e −γ(t)
− e −γ(t)
+
= e −γ(t)
+
F¨ ur jedes z ∈ K ist Mz ∈ K und somit periodisch mit Periode ω. Da aber periodische, stetige Funktionen auf [−T, ∞) beschr¨ ankt sind, existieren ein gr¨ oßter und ein kleinster H¨ aufungspunkt, und es gilt
3. Grenzwerte und Stabilit¨ at
F¨ ur einen Fixpunkt z ∈ K von M gilt somit
z(t)
= (Mz)(t)
≥
(M 0)(t)
≥
lim inf
= lim inf
= lim inf
= lim inf
= lim inf
= lim inf
= 1 − lim sup
Hieraus folgt y(t) = 1 − z(t) ≤ ˆ a f¨ ur alle t. Da z periodisch ist, gibt es ein k < 1 mit z(t) ≤ k := max t≥0 z(t) f¨ ur alle t. Und somit folgt
62
Hieraus dagegen folgt 1 + (k 2 −1)˜ a ≥ k; Denn w¨ are 1 + (k 2 −1)˜ a < k, dann w¨ urde f¨ ur alle t ≥ 0 gelten z(t) ≤ 1 + (k 2 − 1)˜ a < k, im Widerspruch zu k = max t≥0 z(t). Hieraus erh¨ alt man mit k − 1 < 0 die gew¨ unschte untere Schranke f¨ ur y, denn
(k
2
−
1)˜
a
≥
(k
−
1) =⇒ (k + 1)˜
a
≤
1 =⇒
k
≤
Schließlich zeige ich noch die letzte Aussage des Theorems. Hierzu betrachten wir die Funktion
t
Offensichtlich gilt lim sup t→∞ a c (t) = ˆ a und lim inf t→∞ a c (t) = ˜ a. Mit partieller Integration erh¨ alt man
t
Einerseits gilt:
t
≤ e −ct e − ˜ bt −→ 0 f¨ ur t → ∞ 0 < e −ct e − 0 b(σ)d σ
Andererseits ist wegen
t t
der letzte Teil von (3.1) gleichm¨ aßig auf [0, ∞) beschr¨ ankt. Also gilt t
lim sup
t→∞
3. Grenzwerte und Stabilit¨ at
und somit
Analog erh¨ alt man
y ist also nach unten und oben beschr¨ ankt durch zwei Konstanten, die gegen 1 konvergieren mit c → 0, womit das Theorem bewiesen ist. 2
64
3.2. Stabilit¨ at
Nachdem wir im letzten Abschnitt Grenzwerte gefunden haben, zwischen welchen sich positive, periodische L¨ osungen der Gleichung (1.1) bewegen, wollen wir uns nun mit der Frage nach Stabilit¨ at solcher L¨ osungen befassen. Dazu ben¨ otigen wir einige Stabilit¨ atsaussagen f¨ ur lineare Funktionaldifferentialgleichungen. Vorab jedoch einige Definitionen.
Definition 3.1 Wir betrachten Gleichung (2.1). Sei f (t, 0) = 0 f¨ ur alle t ∈ IR. Des weiteren sei B(0, r) := {φ ∈ C : φ < r}.
a) Die L¨ osung x = 0 heißt stabil, wenn ∀σ ∈ IR ∀ > 0 ∃δ = δ(, σ) ∀φ ∈ B(0, δ) ∀t ≥ σ : x(σ, φ) existiert auf [σ, ∞) und x t (σ, φ) ∈ B(0, ,).
b) Die L¨ osung x = 0 heißt asymptotisch stabil, wenn sie stabil ist und es ein b 0 = b 0 (σ) > 0 gibt derart, daß aus φ ∈ B(0, b 0 ) folgt: x(σ, φ) existiert auf [σ, ∞) und x(σ, φ)(t) −→ 0 mit t → ∞.
c) Die L¨ osung x = 0 heißt gleichm¨ aßig stabil, wenn δ in a) nicht von σ abh¨ angt.
d) Die L¨ osung x = 0 heißt gleichm¨ aßig asymptotisch stabil, wenn sie gleichm¨ aßig stabil ist, und ∃b 0 > 0 ∀η > 0 ∃t 0 (η) ∀φ ∈ B(0, b 0 ) ∀σ ∈ IR ∀t ≥ σ + t 0 (η) : x t (σ, φ) ∈ B(0, η).
3.2.1. Stabilit¨ atsbetrachtungen linearer
Funktionaldifferentialgleichungen
Die folgenden Lemmata stellen uns ausreichende Hilfsmittel zur Verf¨ ugung, um dann im n¨ achsten Abschnitt konkrete Stabilit¨ atsaussagen ¨ uber positive, periodische L¨ osungen der Gleichung (1.1) treffen zu k¨ onnen. Das erste Lemma stellt einen Zusammenhang zwischen der asymptotisch stabilen L¨ osung y = 0 von (1.1) und der entsprechenden Gleichung ohne nichtlinearen Anteil her.
Lemma 3.1 Betrachte die lineare homogene Gleichung
u (t) = b(t)u(t − T ) − cu(t), t > 0. (3.2)
Konvergiert die L¨ osung u(0, φ) mit der Anfangsbedingung u 0 (0, φ) = φ, 0 ≤ φ(t) ≤ 1, t ∈ [−T, 0] von (3.2) gegen 0 f¨ ur t −→ ∞, dann konvergiert auch die L¨ osung y(0, φ) von (1.1) mit derselben Anfangsbedingung y 0 (0, φ) = φ gegen 0. Es gilt sogar ∀t ∈ [−T, ∞) : y(0, φ)(t) ≤ u(0, φ)(t).
65
3. Grenzwerte und Stabilit¨ at
Beweis:
Seien nun w und v definiert durch w(t) := e ct y(0, φ)(t), v(t) := e ct u(0, φ)(t). Dann sind diese stetig differenzierbar; setzt man der Einfachheit wegen y(0, φ) = y und u(0, φ) = u, dann folgt
und analog dazu
Aus Lemma 2.6 ist bekannt, daß aus 0 ≤ φ(t) ≤ 1, t ∈ [−T, 0] folgt: 0 ≤ y ≤ 1, t ≥ 0. Somit ist ∀t ≥ 0 : w(t) ≥ 0. Aus der Definition von w und u folgt, daß w(0) = u(0) = y(0) = φ(0) gilt. Also ist
t t
w(t) = w(0) +
und
t t
v(t) = v(0) +
Aufgrund der Definition von w und v folgt: w(t) = e ct φ(t) = v(t) ∀t ∈ [−T, 0]. Also ist w(t − T ) = v(t − T ), ∀t ∈ [0, T ], und durch Einsetzen in (3.3) bzw. (3.4) erh¨ alt man: w(t) ≤ v(t) ∀t ∈ [0, T ].
Eine einfache Induktion zeigt ∀t ∈ [0, ∞) : w(t) ≤ v(t); denn nach obigem Induktiosanfang sei nun ∀t ∈ [−T, kT ], k ∈ IN : w(t) ≤ v(t). Betrachtet man nun ein t ∈ [−T, (k + 1)T ], dann folgt t kT
w(t) = w(0) +
66
Dies liefert ∀t ∈ [−T, ∞) : y(0, φ)(t) ≤ u(0, φ)(t). 2Um
die nun folgenden zwei Lemmata beweisen zu k¨ onnen, muß noch ein Theorem aus der Theorie der Funktionaldifferentialgleichungen vorangestellt werden, das Teil einer Verallgemeinerung der zweiten Methode von Ljapunov f¨ ur gew¨ ohnliche Differentialgleichungen ist.
Definition 3.2 Sei V : IR × C −→ IR stetig und x(σ, φ) sei die L¨ osung von (2.1) durch (σ, φ). Dann ist
V (t + h, x t+h (t, φ)) − V (t, φ)
die rechtsseitige Ableitung von V entlang der L¨ osungen von Gleichung (2.1).
Theorem 3.2 (Hale) Wir betrachten (2.1). Sei f : IR × C −→ IR n und G ⊂ C eine beschr¨ ankte Teilmenge. f bilde IR × G auf eine beschr¨ ankte Menge des IR n ab. u, v, w : IR + 0 −→ IR + 0 seien stetige, nichtfallende Funktionen mit u(s) > 0 und v(s) > 0 f¨ ur s > 0, und u(0) = v(0) = 0. Gibt es eine stetige Funktion V : IR × C −→ IR derart, daß
dann ist die L¨ osung x = 0 der Gleichung (2.1) gleichm¨ aßig stabil. Ist zus¨ atzlich w(s) > 0 f¨ ur s > 0, dann ist die L¨ osung x = 0 der Gleichung (2.1) gleichm¨ aßig asymptotisch stabil.
Beweis:
Ich zeige zun¨ achst die gleichm¨ aßige Stabilit¨ at der L¨ osung x = 0. Dazu gehe ich in drei Schritten vor.
i) ∀ > 0 ∃δ = δ() ∈ (0, ,) : v(δ) < u(). Denn w¨ are dies nicht der Fall, dann g¨ abe es ein > 0, so daß ∀δ ∈ (0, ,) : v(δ) ≥ u(). F¨ ur ein solches gilt aufgrund der Definition von u: u() > 0. Also gibt es ein α > 0 mit u() > α > 0: Es folgt ∀δ ∈ (0, ,) : v(δ) > α. Die Stetigkeit von v liefert lim δ→0 v(δ) ≥ α > 0. Widerspruch zu v(0) = 0.
ii) Aus der Definition von w folgt f¨ ur beliebiges σ ∈ IR und f¨ ur alle t ≥ σ
˙ V (t, x t (σ, φ)) ≤ −w(|x t (σ, φ)(0)|) = −w(|x(σ, φ)(t)|) ≤ 0.
V f¨ allt also entlang der L¨ osungen durch φ.
iii) Sei nun > 0 beliebig, δ ∈ (0, ,) aus i) und φ ∈ B(0, δ). Dann ist
u(|x(σ, φ)(t)|) = u(|x t (σ, φ)(0)|) ≤ V (t, x t (σ, φ)) ≤ V (σ, x σ (σ, φ))
3. Grenzwerte und Stabilit¨ at
Da u eine nichtfallende Funktion ist, folgt hieraus ∀t ≥ σ : |x(σ, φ)(t)| < <. Da auch φ < δ < < ist, folgt ∀t ≥ σ : x t < <. Ein Vergleich mit der Definition am Anfang dieses Abschnittes ergibt die gleichm¨ aßige Stabilit¨ at der L¨ osung x = 0.
Um die asymptotische Stabilit¨ at zu zeigen, setzen wir δ 0 = δ(1) mit 1 als Konstante f¨ ur gleichm¨ aßige Stabilit¨ at. Angenommen x = 0 ist nicht gleichm¨ aßig asymptotisch stabil, dann
∃ > 0 ∀t 0 () ∃φ ∈ B(0, δ 0 ), σ ∈ IR, t ≥ σ + t 0 () : x t (σ, φ) ∈ B(0, ,).
Sei nun δ = δ() die Konstante f¨ ur gleichm¨ aßige Stabilit¨ at zu und σ ∈ IR entsprechend. Dann ist f¨ ur alle φ ∈ B(0, δ), t ≥ σ : x t (σ, φ) ∈ B(0, ,). Offensichtlich gilt: δ < . G¨ abe es nun ein t 0 ≥ σ mit x t 0 < δ, k¨ onnte man wieder t 0 als Startwert nehmen und, da x = 0 gleichm¨ aßig stabil ist, w¨ urde folgen, daß ∀t ≥ t 0 : x t < <; im Widerspruch zur Annahme. Also ist ∀t ≥ σ
Somit kann man eine Folge von Intervallen der L¨ ange T finden, in denen es jeweils mindestens ein t k gibt mit |x(t k )| ≥ δ. Dies erf¨ ullt die Folge von Intervallen mit den Folgengliedern [σ + (2k − 1)T, σ + 2kT ], k ∈ IN . Wir betrachten die Folge (t k ) k∈I N mit |x(t k )| ≥ δ und
σ + (2k − 1)T ≤ t k ≤ σ + 2kT.
Da
f
beschr¨ ankte Mengen auf beschr¨ ankte Mengen abbildet, gibt es ein
L >
0
∀t ≥
σ
:
|x
(t)|
< L.
F¨ ur ein beliebiges
t
k
und f¨ ur alle
t
∈
[t
k
−
δ
insbesondere |x (t)| < L. Und deshalb ist ∀t ∈ [t k − δ
Also ist ∀t ∈ [t k − δ
−w( δ ).
Man kann oBdA L so groß w¨ ahlen, daß sich benachbarte Intervalle [t k − δ und [t k+1 − δ gilt
t i + δ t k
V (t k , x t k ) − V (σ, φ) =
≤
= −w(
68
V (t k , x t k ) = −w(
Widerspruch zu V (t, x t ) ≥ 0, ∀t ≥ σ. 2
Lemma 3.2 Betrachte die lineare Gleichung
u (t) = b(t)u(t − T ) − c(t)u(t), t ≥ 0, (3.5)
wobei b und c ∈ C 0 ([0, ∞), IR). Gibt es ein > 0, so daß f¨ ur alle t ≥ 0 gilt: 0 ≤ max t∈I R b(t) =: ˆ b < c(t) − , dann ist die Null¨ osung von (3.5) gleichm¨ aßig asymptotisch stabil.
Beweis:
Es soll Theorem 3.2 angewendet werden. Dazu wird eine Funktion V : C −→ IR definiert, durch 0
Es ist hierin μ > 0 eine noch zu bestimmende Konstante. Wir betrachten die Ableitung entlang der L¨ osung x(0, φ) durch φ:
V (x h (φ)) − V (φ)
Hierbei sei x h (θ) = x h (0, φ)(θ) = x(0, φ)(h + θ). Gem¨ aß dem Hauptsatz der Differential- und Integralrechnung gibt es ein Φ ∈ C 1 ([−T, 0], IR) derart, daß 0 0 0
3. Grenzwerte und Stabilit¨ at
Außerdem folgt nach einer leichten Umformung
ˆ b
Und somit gilt, wenn wir nun μ := setzen,
2
F¨ ur 0 < φ(0) = φ(−T ) ist sicher w(|φ(0)|) > 0. Im Fall φ(0) = φ(−T ) ist jedoch V (φ) = −(c(t) − b(t))φ 2 (0) < −(c(t) − ˆ b)φ 2 (0) < −|φ(0)| 2 =: −w 0 (|φ(0)|). Also ˙ erf¨ ullt ˙ V die Bedingungen von Theorem 3.2. Wir betrachten jetzt V . Einfache Absch¨ atzungen ergeben: 0
und
0
Mit Theorem 3.2 folgt nun sofort die asymptotische Stabilit¨ at der Null¨ osung von (3.5), denn die Stetigkeit von V ist klar, ebenso wie die Tatsache, daß u, v, w die 2 Bedingungen des besagten Theorems erf¨ ullen.
Lemma 3.3 Betrachte die lineare Funktionaldifferentialgleichung (3.5), wobei b, c ∈ C([0, ∞), IR). Außerdem seien folgende Voraussetzungen erf¨ ullt:
70
a) ∀t ≥ 0 : c(t) ≥ c 1 > 0, b(t) > 0,
b(t + T ) 2
≤ q < 1, b)
c(t)c(t + T ) t+T
c) ∃M > 0∀t ≥ 0 :
Dann ist die Null¨ osung der Gleichung (3.5) ist gleichm¨ aßig asymptotisch stabil.
Beweis:
Wie schon im vorherigen Beweis wende ich auch hier Theorem 3.2 an, um zu zeigen, daß x = 0 asymptotisch stabil ist. V : IR × C −→ IR sei definiert durch 0
mit einem sp¨ ater zu w¨ ahlenden K ∈ C(IR, IR).
Analog zu oben betrachtet man die Ableitung von V entlang der L¨ osung durch φ. Hierbei bezeichne x(t, φ) wieder die L¨ osung von (3.5) durch x t = φ, und x(s) den Wert von x(t, φ) zum Zeitpunkt s. Sei also
V (t + h, x t+h (t, φ)) − V (t, φ)
Die Berechnung von ˙ V funktioniert analog zu dem Beweis von Lemma 3.2. Wir zeigen die Existenz der Grenzwerte der drei Teile obiger Gleichung. Einerseits gilt
Andererseits folgt wieder aus dem HDI die Existenz eines Ψ ∈ C([−T, h], IR) derart, daß 0 0
3. Grenzwerte und Stabilit¨ at
und
0 t
Zusammen ergibt dies
Also ergibt sich
und somit kann man nach Einsetzen von (3.5) absch¨ atzen
V (t, φ) = 2aφ(0)[b(t)φ(−T ) − c(t)φ(0)] + K(t)φ 2 (0) − K(t − T )φ 2 (−T ) ˙
Hierbei wurden die Voraussetzungen a) und b) verwendet, sowie a := 1 und
K(t) :=
ist f¨ ur x > 0 steigend, denn q < 1, und es gilt ∀x > 0 : w(x) > 0. Es folgt weiterhin
0
und mit Hilfe von Bedingung c)
0
Aus den Definitionen von u, v, und w sieht man sofort, daß diese die Bedingungen 2 von Theorem 3.2 erf¨ ullen. Die Stetigkeit von V ist offensichtlich.
72
3.2.2. Gest¨ orte Systeme linearer
Funktionaldifferentialgleichungen
Im folgenden komme ich zu den eigentlichen Stabilit¨ atsaussagen f¨ ur die Gleichung (1.1). Hierzu ben¨ otigt man vorab ein bekanntes Theorem, das sicherstellt, daß man die im letzten Abschnitt gewonnenen Aussagen ¨ uber lineare Gleichungen auf
die als gest¨ orte linerare Gleichung betrachtete Gleichung (1.1) anwenden kann. Der Beweis funktioniert sehr analog zu gew¨ ohnlichen Differentialgleichungen, d.h. st¨ utzt sich auf das Prinzip der Variation der Konstanten. Zun¨ achst ben¨ otigen wir ein wenig Theorie zu Systemen linearer Funktionaldifferentialgleichungen. Betrachtet wird das folgende System:
x (t) = L(t, x t ) + h(t) =
x σ = φ,
wobei h eine stetige vektorwertige Funktion auf dem Intervall [σ, ∞), A j eine stetige n × n-matrixwertige Funktion auf demselbem Intervall, und T j ∈ [0, T ] konstant ist. L sei ein stetiger, bzgl. des zweiten Arguments linearer Operator. Wir erhalten sofort das folgende Lemma.
Lemma 3.4 Man betrachte das Anfangswertproblem (3.8). Dann gibt es f¨ ur alle σ ∈ IR, φ ∈ C eine eindeutige L¨ osung x(σ, φ) von (3.8) auf [−T, ∞).
Beweis:
Da L linear ist, gilt f¨ ur ein t aus einem beliebigen kompakten Teilintervall [σ, β] ⊂ IR: |L(t, x t )| ≤ ˆ Ax t . L gen¨ ugt also einer Lipschitzbedingung zu einer Konstanten ˆ A und somit den Bedingungen der Theoreme 2.1 und 2.2. Also hat (3.8) eine eindeutig bestimmte nichtfortsetzbare L¨ osung durch φ auf einem Intervall [σ − T, α), α > 0. Mit Lemma 2.2 folgt die ¨ Aquivalenz von (3.8) zu t t
x(t) = φ(0) +
x σ = φ.
Also gilt f¨ ur alle t ∈ [σ, α)
t t
3. Grenzwerte und Stabilit¨ at
Da x σ = φ ist, gilt obige Ungleichung sogar auf [σ − T, α). Somit ist f¨ ur alle t ∈ [σ, β] mit β < α
Mit Korollar A.1 erh¨ alt man
t t
Wir betrachten die nun abgeschlossene, beschr¨ ankte Menge
U := {(t, x t ) : σ ≤ t ≤ β}.
Da L ein stetiger, linearer Operator ist, ist dieser beschr¨ ankt. Auf einer beschr¨ ankten Teilmenge von IR ist h aufgrund der Stetigkeit auch beschr¨ ankt. Also bildet die rechte Seite von Gleichung (3.8) beschr¨ ankte Menge in IR × C in beschr¨ ankte Mengen in C ab. Somit folgt mit Theorem 2.4 und der Absch¨ atzung (3.10): α = ∞. 2
Analog zu den gew¨ ohnlichen Differentialgleichungen soll bei der Variation-der-Konstanten-Formel die L¨ osung x(σ, φ) von (3.8) mit Hilfe der L¨ osungen der homogenen Gleichung
y (t) = L(t, y t ) (3.11)
ausgedr¨ uckt werden. Hierzu wird folgende unstetige Anfangsbedingung betrachtet: Wir definieren die Funktion ψ : [−T, 0] −→ IR durch
und suchen f¨ ur ein vorgegebenes ξ ∈ IR n eine L¨ osung y(σ, ξψ) von (3.11) durch
y σ = ξψ. (3.12)
gem¨ aß Definition 2.4.
Bemerkung:
Betrachtet man die konkrete Gleichung (3.5), auf die wir die folgende Theorie
74
anwenden wollen, so erkennt man, daß wir uns auf den speziellen Fall n = 1 und m = 2 von (3.11) beschr¨ anken k¨ onnen, wobei gilt:
A 1 := b, A 2 := c, T 1 := T und T 2 := 0.
Da b und c beschr¨ ankte, stetige Funktionen sind, rechtfertigt dies die Voraussetzungen, die wir oben f¨ ur L getroffen haben. Insbesondere gibt es auch ein A > 0 derart, daß f¨ ur alle j ∈ IN, t ≥ 0 gilt: |A j (t)| ≤ A. Im folgenden bezeichne also x(σ, φ) die eindeutige L¨ osung von (3.8) durch (σ, φ), y(σ, ξψ) die eindeutige L¨ osung von (3.11) durch (σ, ξψ), sowie y(σ, φ) die eindeutige L¨ osung von (3.11) (σ, φ). Nun formuliere ich das
Lemma 3.5 (Variation der Konstanten) Betrachte (3.8). Seien f¨ ur alle j = 1, . . . , m die Funktionen A j ∈ C([0, ∞), IR), sowie die Konstanten T j ∈ [0, T ]. Weiterhin sei h ∈ C([−T, ∞), IR). Dann wird f¨ ur jedes φ ∈ C die eindeutige L¨ osung von (3.8) durch (σ, φ) gegeben als t
x(σ, φ)(t) = y(σ, φ)(t) +
Beweis:
Gem¨ aß Definition 2.4 ist y f¨ ur alle t ≥ σ L¨ osung der Gleichung (3.11) und somit differenzierbar, also insbesondere auch integrierbar. Sei nun z : [σ, ∞) −→ IR n mit
t
Man zeigt nun in einem ersten Schritt, daß x(σ, φ) die Gestalt x(σ, φ)(t) = y(σ, φ)(t) + z(t) hat, wenn z L¨ osung von (3.8) zur Anfangsbedingung z σ = 0 ist. Anschließend zeigt man, daß letzteres der Fall ist.
i) F¨ ur L¨ osungen x(σ, φ) von (3.8) gilt analog zu gew¨ ohnlichen linearen Differentialgleichungen das Superpositionsprinzip, d.h.
x(σ, φ) = y(σ, φ) + x(σ, 0).
Denn: Wegen der Linearit¨ at von L gilt
d
(y(σ, φ) + x(σ, 0))(t) = y (σ, φ)(t) + x (σ, 0)(t) dt
= L(t, y t (σ, φ)) + L(t, x t (σ, 0)) + h(t) = L(t, y t (σ, φ) + x t (σ, 0)) + h(t).
Aus der Eindeutigkeit und der Gleichung
3. Grenzwerte und Stabilit¨ at
folgt, daß y(σ, φ) + x(σ, 0) die L¨ osung von (3.8) zu der Anfangsbedingung φ ist. Bleibt noch zu zeigen, daß z σ = x σ (σ, 0) ist, denn dann erf¨ ullt z die Gleichung x (t) = L(t, x t ) + h(t). Hieraus folgt z = x(σ, 0) und mit obigem Superpositionsprinzip die Variation-der-Konstanten-Formel. Offensichtlich ist z(σ) = 0. F¨ ur alle t ∈ [σ − T, σ) ist s ≥ t. Aus der Definition der Funktion ψ erh¨ alt man dann f¨ ur alle s > t : y(s, h(s)ψ)(t) = 0. Also ist auch z(t) = 0 f¨ ur t ∈ [σ − T, σ). ii) Schließlich zeige ich noch, daß z die Gleichung x (t) = L(t, x t ) + h(t), t ≥ σ erf¨ ullt, was nach Lemma 2.2 ¨ aquivalent ist zu t
Zun¨ achst sei bemerkt, daß f¨ ur beliebiges t ≥ σ und j ∈ IN
t t−T j
gilt, denn f¨ ur s > t − T j ist y(s, h(s)ψ)(t − T j ) = 0. Somit ist nat¨ urlich t
Man erh¨ alt f¨ ur t ≥ σ:
=
=
=
=
=
=
2
76
Lemma 3.6 Die L¨ osung y = 0 von (3.11) ist gleichm¨ aßig asymptotisch stabil genau dann, wenn gilt:
∃M ≥ 1, γ > 0 ∀φ ∈ C, ∀σ ∈ IR : |y(σ, φ)(t)| ≤ M φe −γ(t−σ) , t ≥ σ. (3.14)
In diesem fall gilt f¨ ur ξ ∈ IR n und σ ∈ IR
|y(σ, ξψ)(t)| ≤ M |ξ|e −γ(t−σ) , t ≥ σ. (3.15)
Beweis:
a) Man sieht leicht ein, daß aus Gleichung (3.14) die gleichm¨ aßige asymptotische Stabilit¨ at der Null¨ osung folgt. Beweisen wir also die andere Richtung: Sei die L¨ osung y = 0 gleichm¨ aßig asymptotisch stabil. Insbesondere ist sie gleichm¨ aßig stabil, d.h. es gibt ein M 1 ≥ 1 derart, daß
∀t ≥ σ : |y(σ, φ)(t)| ≤ M 1 φ. (3.16)
Dies ben¨ otigen wir sp¨ ater. Sei δ 1 > 0 die Konstante f¨ ur gleichm¨ aßige asymptoti-
sche Stabilit¨ at aus Definition 3.1 und η :=
t 0 ≥ σ derart, daß
Hieraus folgt sofort :
Betrachtet man ein beliebiges φ ∈ C, dann gilt f¨ ur alle δ 2 ∈ (0, δ 1 ):
δ 2 < δ 1 . Also ist f¨ ur alle t ≥ σ + t 0 :
y t (σ,
Nun ist aber wegen der Eindeutigkeit der L¨ osungen:
denn einerseits gilt:
3. Grenzwerte und Stabilit¨ at
Andererseits liefert die Linearit¨ at von L f¨ ur t ≥ σ:
δ 2
Also ist f¨ ur beliebige φ ∈ C, σ ∈ IR, δ 2 ∈ (0, δ 1 )
δ 1 φ δ 2 δ 1
=⇒ |y(σ, φ)(t)| < , t ≥ σ + t 0 − T. y(σ, φ)(t) <
φ 2 2δ 2
L¨ aßt man nun, f¨ ur festes σ, δ 2 gegen δ 1 konvergieren, erh¨ alt man
φ
|y(σ, φ)(t)| < , t ≥ σ + t 0 − T,
2
und somit
φ
y t (σ, φ) < , t ≥ σ + t 0 .
2
Obige Absch¨ atzung gilt f¨ ur alle t aus dem Intervall [σ + t 0 , σ + 2t 0 ]. Offensichtlich ist dann aber f¨ ur t ∈ [σ + 2t 0 , σ + 3t 0 ]:
1 1
y t (σ, φ) = y t (σ + 2t 0 , y σ+2t 0 ) ≤ y σ+2t 0 (σ, φ) ≤ 2 2 φ.
2
uber k ∈ IN ist leicht einzusehen, daß f¨ ur Mit Hilfe einer vollst¨ andigen Induktion ¨
beliebiges k ∈ IN und f¨ ur alle t ∈ [σ + kt 0 , σ + (k + 1)t 0 ] gilt:
Da wegen t ≤ σ + (k + 1)t 0 f¨ ur solche k die Ungleichung k ≥
man
F¨ ur alle t ≥ σ + t 0 ist:
− t−σ ln 2 φ ≤ M 1 φ. 2M 1 e t 0
Jedoch f¨ ur t ∈ [σ, σ + t 0 ) gilt:
− t−σ ln 2 φ > M 1 φ. 2M 1 e t 0
Zusammen mit der Absch¨ atzung (3.16) folgt:
− t−σ ln 2 y t (σ, φ) ≤ 2M 1 e φ, t ≥ σ. t 0
78
b) Nun soll eine entsprechende Aussage f¨ ur die nichtstetige Anfangsbedingung ξψ bewiesen werden. Dazu approximiert man die nichtstetige Funktion ψ durch ein stetiges ψ l : [−T, 0] −→ IR, das wie folgt definiert ist:
wobei l ∈ IN beliebig. Wegen ψ l ( −T ( −T ) = 0 ist f¨ ur alle l ∈ IN : ) = 1 + l
l T l
ψ l ∈ C([−T, 0], IR). Des weiteren ist f¨ ur alle l ∈ IN, ξ ∈ IR n
Ist nun t ≥ σ, dann gilt:
|y(σ, ξψ)(t) − y(σ, ξψ l )(t)|
t t
=
=
A j ≤A, j∈I N
≤
=
Nun gilt aber aufgrund der Definitionen von ψ und ψ l : ∀u < σ : y(σ, ξψ)(u) = ξψ(u) = 0 bzw. f¨ ur l ∈ IN und alle u ≤ σ − T < σ : y(σ, ξψ l )(u) = ξψ l (u) = 0,
l
woraus folgt t−T j
|y(σ, ξψ)(t) − y(σ, ξψ l )(t)| ≤
Des weiteren folgt aus diesen ¨ Uberlegungen, und der Tatsache, daß |y(σ, ξψ)(σ)− y(σ, ξψ l )(σ)| = 0, f¨ ur jedes j ∈ IN
t∈[σ−
79
3. Grenzwerte und Stabilit¨ at
Somit liefert eine Erweiterung der Integrationsgrenzen f¨ ur alle t ≥ σ t
|y(σ, ξψ)(t) − y(σ, ξψ l )(t)| ≤
≤ A
≤ A
≤
Aus Korollar A.1 folgt dann mit R := A|ξ|
Aufgrund der Stetigkeit von ψ l schließt man mit a) sofort, daß f¨ ur alle l ∈ IN, t ≥ σ
F¨ ur l → ∞ folgt die Aussage b) des Lemmas. 2
Jetzt haben wir die n¨ otigen Hilfsmittel, um das folgende, f¨ ur den n¨ achsten Abschnitt wichtige, Resultat zu beweisen. Dies beschreibt den Zusammenhang des Stabilit¨ atsverhalten der Null¨ osung eines linearen Systems und dem gest¨ orten linearen System.
Theorem 3.3 Betrachte das lineare System
y (t) = L(t, y t ) (3.17)
wobei L(t, φ) stetig in t, φ und linear in φ ist.
Die L¨ osung y = 0 von Gleichung (3.17) sei gleichm¨ aßig asymptotisch stabil und f : IR + × C −→ IR n sei stetig mit der Eigenschaft
∀t ∈ IR + , φ ∈ C : f (t, φ) = o(φ).
80
Dann ist die L¨ osung x = 0 der Gleichung
x (t) = L(t, x t ) + f (t, x t ) (3.18)
gleichm¨ aßig asymptotisch stabil.
Beweis:
Setzt man f (t, x t ) = h(t) f¨ ur alle t ≥ σ und betrachtet somit f als stetige Funktion der Ver¨ anderlichen t, dann erf¨ ullt (3.18) die Bedingungen von Lemma 3.4. Also hat (3.18) eine eindeutige L¨ osung durch ein φ ∈ C auf [σ − T, ∞). Bezeichnet wieder x(σ, φ) diese L¨ osung, dann folgt mit Lemma 3.5
t
x(σ, φ)(t) = y(σ, φ)(t) +
Nun soll gezeigt werden, daß die Null¨ osung von (3.18) gleichm¨ aßig asymptotisch stabil ist. Hierzu zeigt man zun¨ achst die gleichm¨ aßige Stabilit¨ at dieser L¨ osung. Sei nun > 0, und M, γ > 0 aus den Absch¨ atzungen in Lemma 3.6. OBdA sei ∈ (0, γ). Da f (t, φ) = o(φ), gibt es ein δ ∈ (0, ,) ∀∀x t < δ:
Jetzt zeigt man, daß f¨ ur alle φ <
Stabilit¨ at zeigt, denn dann gibt es unabh¨ angig von σ zu jedem δ > 0 ein δ ˆ > 0, das obige Bedingung erf¨ ullt (vgl. Seite 65). Nimmt man das δ :=
M
Gegenteil an, folgt die Existenz eines t 0 ≥ σ derart, daß |x(σ, φ)(t 0 )| = δ und δ
∀t ∈ [σ − T, t 0 ) : |x(σ, φ)(t)| < δ. Ist nun φ ≤ und t ∈ [σ − T, t 0 ), dann
M
folgt
t
Da dies ∀t ∈ [σ − T, t 0 ) gilt, erh¨ alt man sofort
t
3. Grenzwerte und Stabilit¨ at
Dividiert man diese Ungleichung wieder durch e γt erh¨ alt man
x t (σ, φ) ≤ M φe γ(σ−t) e (t−σ) ≤ M φe (−γ)(t−σ) ≤ δe (−γ)(t−σ) . (3.20)
Die Definition von t 0 liefert |x(σ, φ)(t 0 )| = δ und x t 0 (σ, φ) = δ. Also folgt wegen − γ < 0 und der Stetigkeit der Abbildung t −→ x t
δ = x t 0 (σ, φ) ≤ δe (−γ)(t 0 −σ) < δ;
Widerspruch. Also ist x t (σ, φ) < δ f¨ ur alle t ≥ σ, wodurch Ungleichung (3.19)
f¨ ur alle t ≥ σ gilt. Hieraus folgt jedoch, daß es ein δ 0 :=
t ≥ σ die Absch¨ atzung (3.20) gilt. Da nun die rechte Seite von (3.20) gegen 0 2 konvergiert, folgt die gleichm¨ aßige asymptotische Stabilit¨ at von x = 0.
82
3.2.3. Stabilit¨ atsbetrachtungen der Gleichung (1.1)
Nun k¨ onnen wir konkrete Stabilit¨ atsaussagen f¨ ur L¨ osungen der Gleichung (1.1) treffen. Zun¨ achst beweise ich das Hauptresultat dieses Kapitels. Anschließend werden wir, wie schon bei den Existenz¨ uberlegungen, sehen, daß man unter der Bedingung T = kω, k ∈ IN sch¨ arfere Aussagen erh¨ alt. Der folgende Satz ist eine direkte Anwendung des Ergebnisses aus dem vorigen Abschnitt f¨ ur den Fall n = 1.
Satz 2 Sei c > ˆ b = max t∈[0,∞) b(t). Dann konvergieren alle L¨ osungen y von (1.1), f¨ ur die gilt 0 ≤ y(t) ≤ 1, t ≥ 0, gegen 0 mit t −→ ∞. Außerdem gibt es ein konstantes c 0 > 0 derart, daß f¨ ur alle c < c 0 die periodischen L¨ osungen von (1.1) lokal asymptotisch stabil sind.
Beweis:
i) Sei c > ˆ b = max t∈[0,∞) b(t). Also gibt es ein > 0 so, daß c − > ˆ b =
max t∈[0,∞) b(t). Betrachtet man nun Gleichung (3.2), dann erf¨ ullen c und b, wegen c = c(t), ∀t ≥ 0, die Voraussetzungen von Lemma 3.2. Somit ist die Null¨ osung gleichm¨ aßig asymptotisch stabil. Nach Lemma 3.1 gehen alle L¨ osungen von (1.1) mit einem Anfangswert 0 ≤ φ(t) ≤ 1 gegen 0 mit t −→ ∞.
ii) Sei nun c < c T . Dann hat (1.1) positive, periodische L¨ osungen. Sei nun y eine solche L¨ osung durch φ. Nach Theorem 3.1 konvergieren solche L¨ osungen gegen 1 mit c −→ 0 gleichm¨ aßig in t. Es gilt
∀δ > 0 ∃c 0 ∈ [0, c T ] ∀c < c 0 ∀t ≥ 0 : 1 − y(t) = |1 − y(t)| < δ.
Da y und b echt gr¨ oßer als null sind, ist auch
gibt es , β > 0 mit der Eigenschaft
klein w¨ ahlen kann, gibt es ein c 0 derart, daß f¨ ur alle t ≥ 0:
Sei z eine weitere beliebige L¨ osung von (1.1) zu einer Anfangsbedingung ψ ∈ B(φ, ν) ⊂ C, mit einem sp¨ ater zu w¨ ahlenden ν. Es sei nun
3. Grenzwerte und Stabilit¨ at
Da y und z Gleichung (1.1) erf¨ ullen, folgt ∀t ≥ 0
Teilt man nun die rechte Seite der so gewonnenen Gleichung in den in w linearen Teil L und den in w nichlinearen Teil g auf, so kann man die Linearisierung bei w = 0 betrachten und erh¨ alt
84
Gem¨ aß obiger ¨ Uberlegungen (siehe (3.21)) gibt es ein c 0 und ein > 0, so daß f¨ ur alle t ≥ 0 gilt: B(t) < C(t)−. Somit ist auch max t≥0 B(t) < C(t)−. Da B und C stetige, beschr¨ ankte Funktionen sind, folgt mit Lemma 3.2 die gleichm¨ aßige asymptotische Stabilit¨ at der L¨ osung w ∗ = 0 von (3.23). F¨ ur den nichtlinearen Anteil g mit g(t, w t ) = b(t)y(t − T )w(t)w(t − T ) gilt
f¨ ur w t −→ 0. Mit Theorem 3.3 folgt, daß die L¨ osung w = 0 der Gleichung (3.22) asymptotisch stabil ist, d.h. es gibt ein b w > 0, so daß f¨ ur jedes w σ ∈ B(0, b w ) gilt w(σ, w σ )(t) −→ 0 mit t −→ ∞. Betrachtet man nun die L¨ osung von (3.22) zu
der Anfangsbedigung w σ (t) =
|w σ (t)| ≤ sup
1)y(t), gegen y. Also ist y asymptotisch stabil.
Theorem 3.4 Sei T ein Vielfaches der Periode ω. Dann gilt: ∀c < c T sind die periodischen L¨ osungen von (1.1) asymptotisch stabil.
Beweis:
Sei nun c < c T . Nach Lemma 2.15 gibt es somit eine nichttriviale L¨ osung y > 0 von (1.1). Gem¨ aß Lemma 2.6 ist ∀t > 0 : y(t) < 1. Seien w und z wie im Beweis von Satz 2. Dann ist w eine L¨ osung der Gleichung (3.22) und w ∗ eine L¨ osung der linearisierten Gleichung (3.23). Da es aber ein k ∈ Z gibt mit T = kω, ist y(t) = y(t − T ), und somit reduziert sich (3.23) auf die Gleichung
Hierauf soll nun Lemma 3.3 angewendet werden, wobei p, q : [0, ∞) −→ [0, ∞), wie in Gleichung (3.24) definiert seien. Da ∀t ≥ 0 : b(t) > 0 und 1 − y(t) > 0 ist, ist auch p(t) > 0. Aufgrund der Periodizit¨ at von b, und somit von q, konvergiert q nicht gegen null. Also gibt es ein q 1 > 0 so, daß f¨ ur alle t ≥ 0 : q(t) ≥ q 1 ,womit Lemma 3.3a) erf¨ ullt ist. Des weiteren ist
85
3. Grenzwerte und Stabilit¨ at
wobei verwendet wurde, daß b(t) = b(t + T ) und y(t) = y(t + T ) gilt.
p
2
(t +
T
)
Da (1
−
y(t))
2
<
1
−
y(t) <
1 ist, gibt es ein
q >
0 : Lemma 3.3b) ist gezeigt.
Wegen t+T t+T
2 ist auch c) erf¨ ullt. Die Stetigkeit von p, q ist offensichlich.
ω
Theorem 3.5 Sei ce −cT > [b] = ω −1
L¨ osungen y von (1.1), f¨ ur die gilt: 0 ≤ y(t) ≤ 1, t ≥ 0, gegen 0 mit t −→ ∞.
Beweis:
Sei nun y die L¨ osung von (1.1) zu einem c, das ce −cT > [b] erf¨ ullt. Sei y = 0, denn sonst w¨ aren wir fertig. Es gibt also t ≥ 0 mit y(t) > 0. Wegen 0 ≤ y(t) ≤ 1 gilt
y (t) = b(t)y(t − T )[1 − y(t)] − cy(t) ≤ b(t)y(t − T ) − cy(t)
und somit
≤ ce ct y(t) + e ct [b(t)y(t − T ) − cy(t)] = e ct b(t)y(t − T ),
Seien s, t ≥ 0 mit s ≤ t. Dann ist
t t
Mit Hilfe des an anderer Stelle schon mehrmals verwendeten Korollars A.1 folgt t
Da b periodisch ist, gilt
t
1
lim b(s)ds = [b].
t t→∞ 0
86
k b(s)ds. Also kann man kω < t annehmen, denn der Fall kω = t ist trivial; 0
Somit folgt t ω
2 ˆ bω
< = .
t
Hierbei wurde verwendet, daß aus der Definition von k folgt: t − kω < ω. Weiterhin gilt t t+T t t+T
und
t t−T t
Da die obere und die untere Schranke gegen [b] konvergieren, folgt t
Also findet man, da
t > 0 ∀t ≥ t :
∀ > 0 ∃t > 0 ∀t ≥ t : y(t) ≤ e cs y(s) exp (e cT ([b] + ) − c)t
87
3. Grenzwerte und Stabilit¨ at
Da ce −cT > [b] kann man so w¨ ahlen, daß ce −cT − [b] > > und damit e cT ([b] + ) − c) < e cT (ce −cT ) − c = 0. Also gibt es ein α < 0 derart, daß
mit t → ∞. Was zu zeigen war. 2
88
4. Biologische Interpretation
Ziel der vorliegenden Arbeit war es, zu ¨ uberpr¨ ufen, ob Gleichung (1.1) periodi-
sche L¨ osungen besitzt. Wir haben die Existenz einer Schwelle c T f¨ ur die Heilungsrate c gezeigt. F¨ ur Heilungsraten, die gr¨ oßer sind als dieser Schwellenwert, besitzt Gleichung (1.1) keine periodischen L¨ osungen. Dies bedeutet, daß f¨ ur solche c der Anteil infizierter Personen in der Bev¨ olkerung nicht zusammen mit der Kontaktrate fluktuiert, sondern einen monotonen oder konstanten Verlauf hat.
Unter der weiteren Voraussetzung c > ˆ b, d.h. die Heilungsrate ist gr¨ oßer als
das Maximum der periodischen Kontaktrate, konnte bewiesen werden, daß die L¨ osungen von (1.1) mit t → ∞ gegen null konvergieren. Bei ausreichend großem c wird die Epidemie also “auf lange Sicht” aussterben. Dies entspricht auch den nat¨ urlichen, biologisch-medizinischen Erwartungen. Numerische Ergebnisse, die in [3] erw¨ ahnt werden, deuten allerdings daraufhin, daß f¨ ur alle c > c T = [b] der Anteil der erkrankten Bev¨ olkerung gegen null geht. D.h. sobald die Heilungsrate gr¨ oßer ist als der zeitliche Durchschnitt der Kontaktrate, stirbt die Epidemie in der betrachteten Bev¨ olkerung aus. Dieses Ergebnis korrespondiert auch mit den Resultaten aus [5] ¨ uber die Situation mit konstanter Kontaktrate b = [b], welche schon in der Einleitung besprochen wurden, konnte jedoch im Verlaufe dieser Arbeit nicht gezeigt werden.
Ist c < c T , existieren eindeutig bestimmte nichtriviale positve, periodische L¨ osungen von (1.1). Hat der Anteil der infizierten Bev¨ olkerung zu Beginn des betrachteten Zeitraums eine bestimmte Gr¨ oße φ, dann verl¨ auft dieser Anteil periodisch mit Periode ω f¨ ur alle Zeiten. Ferner gibt es eine Schranke c 0 derart, daß f¨ ur ein c < c 0 eine solche periodische L¨ osung asymptotisch stabil ist. D.h. hat man eine bestimmte Heilungsrate c < c 0 in der betrachteten Bev¨ olkerung, dann existiert dort ein mit der Periode ω fluktuierender endemischer Level. Unterscheidet sich der Anteil infizierter Personen in der Bev¨ olkerung zu Beginn des betrachteten Zeitraums nur wenig von jenem Level, so wird dieser Unterschied f¨ ur große Zeiten verschwinden. Diese Aussge konnte noch versch¨ arft werden, indem wir eine Bedingung an die Konstante T gestellt haben: Ist T ein Vielfaches der Periode ω, so ist wieder c T = [b], dem Durchschnittswert von b, und die asympto-
89
4. Biologische Interpretation
tische Stabilit¨ at gilt f¨ ur alle Heilungsraten c < c T . Auch hier lassen numerische Betrachtungen vermuten, daß sich die Existenz periodischer L¨ osungen f¨ ur beliebiges T f¨ ur alle c < [b] zeigen l¨ aßt. Diese L¨ osungen w¨ aren dann auch asymptotisch stabil. In einer Arbeit von Volz ([27]) konnte sogar die globale asymptotische Stabilit¨ at f¨ ur allgemeinere Gleichungen bewiesen werden. D.h. egal, wie groß der Anteil der erkrankten Bev¨ olkerung zu Beginn des betrachteten Zeitraums ist, wird dieser sich f¨ ur große Zeiten t dem periodischen endemischen Level ann¨ ahern.
90
A. Hilfss¨ atze
Hier sollen nun noch einige Hilfsaussagen bewiesen werden, deren Beweis an den Stellen ihrer Verwendung unangemessen aufwendig erschienen w¨ are. Außerdem formuliere ich noch einige elementare Aussagen aus der Analysis bzw. der Funktionalanalysis, die allerdings nicht bewiesen werden.
A.1. Elementare Aussagen
Lemma A.1 (Lemma von Gronwall) Sei [a, b] ⊂ IR und α, β, u ∈ C([a, b], IR). Dann folgt aus t
die Ungleichung
t t
Eine leichte Folgerung hieraus ist das w¨ ahrend dieser Arbeit h¨ aufig genutzte
Korollar A.1 Sei [a, b] ⊂ IR und α, β, u ∈ C([a, b], IR) derart, daß
t
Ist ¨ uberdies α nicht fallend, dann folgt t
A. Hilfss¨ atze
Beweis:
Aus dem Lemma von Gronwall kann man direkt ablesen: t t
Da nun α nicht f¨ allt, gilt f¨ ur alle s ∈ [a, t] : α(s) ≤ α(t) und somit t t
2 Dies ist Ungleichung (A.3).
Theorem A.1 (Fixpunktsatz von Schauder) Sei U eine abgeschlossene, beschr¨ ankte, konvexe Teilmenge des Banachraumes X und T : U −→ U kompakt. Dann hat T einen Fixpunkt in U .
A.2. Hilfsaussagen aus der Funktionalanalysis
Theorem A.2 Ist X ein komplexer Banachraum und T ∈ L(X) kompakt, dann gibt es ein λ ∈ σ(T ) mit |λ| = r(T ).
Dieser Satz ist eine Verallgemeinerung des Theorems 2.8 von Krein-Rutmann auf komplexe Banachr¨ aume. Ein Beweis hierzu befindet sich z.B in [28], Seite 209.
92
Theorem A.3 Sei X ein reeller Banachraum und [a, b] ⊂ IR. F¨ ur jedes c ∈ [a, b] gibt es einen kompakten, beschr¨ ankten linearen Operator L c mit L c (X) ⊂ X. Sei außerdem die Abbildung c −→ L c stetig bzgl. der Operatornorm. Dann ist die Abbildung c −→ r(L c ) stetig.
Beweis:
Sei c 0 ∈ [a, b]. Dann gilt gem¨ aß Voraussetzung lim c→c 0 L c − L c 0 = 0. Da L c f¨ ur alle c ∈ [a, b] beschr¨ ankt ist, und r(L c ) ≤ ≤L c gilt, ist (r(L c )) c∈[a,b] eine beschr¨ ankte reelle Folge. Also existieren lim inf c→c 0 r(L c ) und lim sup c→c 0 r(L c ) und es ist offensichtlich: lim inf c→c 0 r(L c ) ≤ lim sup c→c 0 r(L c ). Man zeigt nun, daß
gilt, und somit die Stetigkeit des Spektralradiuses r(L c ) in c. i) Zun¨ achst beweisen wir:
denn mit M := max{{L c , L c 0 } folgt
c 0
Also gilt die Stetigkeit f¨ ur n = 1, 2. Nimmt man nun die Richtigkeit von L n−1 − L n−1 −→ 0 und L n c − L n −→ 0 an, dann erh¨ alt man mit
c c 0 c 0
c
= L c (L n = L c (L n ≤ ≤L c L n ≤ 2M L n
daß f¨ ur jedes n ∈ IN der Operator L n c stetig in c ist. Mit der Stetigkeit der Operatornorm und der Potenz in IR folgt das Gew¨ unschte. Aus der obigen Definition von Spektralradien kompakter Operatoren (siehe Seite 23) entnehmen wir, daß f¨ ur ein c ∈ [a, b] gilt:
A. Hilfss¨ atze
ii) Nun zeigen wir, daß lim sup c→c 0 r(L c ) ≤ r(L c 0 ) ist. Nimmt man das Gegenteil an, dann gibt es ein > 0 mit
Da r(L c 0 ) = lim n→∞ L n n ist, gibt es ein n 0 ∈ IN mit
c 0
1 r(L c 0 ) + > L n 0 (A.6) n 0
c 0
Da f¨ ur alle c ∈ [a, b] gilt r(L c ) ∈ IR, gibt es des weiteren eine Folge c k −→ c 0 mit: lim k→∞ r(L c k ) = lim sup c→c 0 r(L c ). Hieraus folgt mit Ungleichung (A.5) die Existenz eines k 0 ∈ IN , sodaß f¨ ur alle k ≥ k 0 gilt:
(A.7) r(L c k ) > r(L c 0 ) +
Also folgt f¨ ur alle k ≥ k 0 :
Dies ist jedoch ein Widerspruch zu (A.4).
iii) Nun bleibt noch zu zeigen, daß lim inf c→c 0 r(L c ) ≥ r(L c 0 ) gilt. Um dies allgemein zu beweisen ben¨ otigt man einige Aussagen aus der Theorie der Spek-tralprojektoren, was jedoch ¨ uber den Rahmen dieser Arbeit hinausgeht (siehe
hierzu [20], Seite 227). An dieser Stelle beweisen wir die Aussage nur f¨ ur den
c k < c 0 , ∀k ∈ IN , dann hat diese Folge offensichtlich eine Teilfolge (c k i ) i∈I N mit
r(N lim (0)) = lim inf c (0))
c k i c→c 0 i→∞
(0)), und somit folgt f¨ ur beliebiges > 0
c k i c 0
die Existenz eines i 0 ∈ IN , sodaß f¨ ur alle i ≥ i 0 gilt:
r(N (0)) − . lim inf
c k i c 0 c→c 0
F¨ ur → 0 folgt das Gew¨ unschte.
(0)) und N (0)y f¨ ur beliebiges
c 0 c 0
y ∈ K. Des weiteren gibt es nach Theorem 2.8 ein x ∈ Int K mit
N (0)x = r(N (0))x.
c 0 c 0
94
Nun kann man aus der Absch¨ atzung auf Seite 52 ablesen, daß es f¨ ur alle > 0 ein δ > 0 gibt, sodaß f¨ ur alle c ∈ (c 0 , c 0 + δ) und f¨ ur alle t ∈ [0, ω] gilt: ω
Mit ˆ :=
(0))x)(t) − ˆ x(t).
c 0
c (0)x als auch x ω-periodisch sind, folgt f¨ ur alle c ∈ (c 0 , c 0 + δ)
(0)) − ˆ ]x. (A.8)
c 0
c (0) folgt f¨ ur alle c ∈ (c 0 , c 0 + δ) und
beliebiges n ∈ IN
(0)) − ˆ ] n x.
c 0
(0)) − ˆ ] n x und somit
c 0
(0))−ˆ , so w¨ urde aus (A.9) und der Abgeschlossenheit
c 0
von K f¨ ur n → ∞ folgen, daß −x ∈ K, was ein Widerspruch zu x ∈ K ist. Somit ist f¨ ur alle c ∈ (c 0 , c 0 + δ)
(0)) − ˆ .
c 0
Nimmt man nun an, daß lim inf c→c 0 r(L c ) < r(L c 0 ) ist, gibt es ein ˆ > 0 mit
(0)) − ˆ lim inf .
c 0 c→c 0
Mit einer zu ii) analogen Argumentation folgt ferner die Existenz eines k 0 ∈ IN derart, daß f¨ ur alle k ≥ k 0 gilt:
r(N (0)) − ˆ ;
c k c 0
2 Widerspruch.
95
A. Hilfss¨ atze
Theorem A.4 ([8], Seite 579) Sei X ein Banachraum und T ein kompakter Operator auf X. Dann gilt:
i) σ(T ) ist h¨ ochstens abz¨ ahlbar und hat keinen H¨ aufungspunkt in der komplexen Ebene außer h¨ ochstens λ = 0, insbesondere ist jedes λ ∈ σ(T ) \ {0} isoliert.
ii) Jedes λ ∈ σ(T ) \ {0} ist Pol von T mit endlichem, positivem Index.
iii) F¨ ur ein solches λ ∈ σ(T ) hat die Projektion
eine endlichdimensionale Wertemenge P (λ)(X) = {x : (T − λI) ν x = 0}, wobei ν die Ordnung des Pols, und Γ ein Kreis in C um λ ist, der keinen anderen Punkt des Spektrums von T enth¨ alt.
Nun formuliere ich noch eine Hilfsaussage aus der Theorie nichtlinearer gew¨ ohnlicher Differentialgleichungen.
Theorem A.5 (Cushing, [6]) Sei B der Banachraum stetiger, ω-periodischer Funktionen z : [0, ∞) −→ IR, mit Mittelwerten ω
versehen mit der Supremumsnorm z 0 := sup 0≤t<∞ |z(t)|. Sei z −→ H t z ein auf B stetiger Operator. Es existiere ein s ∈ B, s > 0 und ein stetiger, beschr¨ ankter Operator G t : B −→ B, der nichtnegative Funktionen auf nichtnegative Funktionen abbilde, derart, daß ∀t ≥ 0 gelte:
H t z(t) = s(t)z(t) + G t z(t).
Es gelte sowohl G t z = O(z 0 ) bei z = 0, als auch [G t z] ≥ 0. Des weiteren sei f¨ ur ein q ∈ B: [q] > 0. Dann hat die gew¨ ohnliche nichtlineare Differentialgleichung
z (t) = z(t)[q(t) − H t z(t)] (A.10)
eine L¨ osung z ∈ B mit z > 0.
96
Literaturverzeichnis
97
Literaturverzeichnis
[1] H. Amann, Fixed point equations and nonlinear eigenvalues in ordered Banach spaces, SIAM Rev. 18, 620-709, (1976)
[2] H. Amann, Gew¨ ohnliche Differentialgleichungen, de Gruyter, Berlin, (1995)
[3] S. Busenberg und K.L. Cooke, Periodic solutions of a periodic nonlinear delay differential equation, SIAM J. Appl. Math. Vol. 35, No. 4, 704-721, (1978)
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Arbeit zitieren:
Kai Mütz, 1998, Periodische Lösungen einer nichtlinearen Funktionaldifferentialgleichung, München, GRIN Verlag GmbH
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