Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 3
2. Hauptteil 3
2.1. Geschichtlicher Überblick 3
2.2. Vorraussetzungen für den Spracherwerb
2.2.1. Biologische Voraussetzungen 5
2.2.2. Kognitive Voraussetzungen 7
2.2.3. Soziale Voraussetzungen 8
2.3. Phasen der kindlichen Sprachentwicklung 9
2.4. Verschiedene Erklärungsansätze
2.4.1. Die Behavioristische Theorie 16
2.4.2. Die Nativistische Theorie 17
2.4.3. Die Kognitivistische Theorie 19
3. Schluss 21
4. Anhang 23
Anmerkung : Den Titel meiner Hausarbeit habe ich in Anlehnung an das Titelbild der Ausgabe
1/2006 der Zeitschrift „ZeitWissen“ ausgewählt.
2
1. Einleitung
Während des Seminars „Fremdsprachendidaktik“, das im Wintersemester 2008/2009 stattfand, wurden viele Fragen bezüglich des Lehrens und Lernens einer Fremdsprache aufgeworfen und beantwortet. Die Kursteilnehmer haben sich beispielsweise mit dem Gehirn und dessen Aufbau, mit der Sprachenpolitik, mit Lehr- und Lernmethoden und mit dem Faktorenkomplex, der das Lernen und Lehren beeinflusst, beschäftigt.
Mir ist dabei aufgefallen, dass das „Grundgerüst“ zum Erlernen einer Fremdsprache immer noch die Muttersprache darstellt und es daher wichtig wäre, auch ihr Beachtung zu schenken. Schon Wilhelm von Humboldt sagte, dass der Mensch nur durch Sprache Mensch wird 1 . Ich gehe davon aus, dass Humboldt damit wohl in erster Linie die Muttersprache meinte. Aus diesem Grund möchte ich im Laufe dieser Seminararbeit neben einem kurzen geschichtlichen Überblick auf die Vorraussetzungen für den Spracherwerb und vor allem auf die Phasen eingehen, die ein Kind durchlaufen muss, um seine Muttersprache zu erlernen. Abschließend werde ich auf die verschieden Erklärungsansätze von Skinner, Chomsky und Piaget eingehen, die alle versucht haben, der Frage nachzugehen, warum und wie ein Mensch überhaupt Sprache erlernt.
2. Hauptteil
2.1. Geschichtlicher Überblick
Schon seit jeher beschäftigte der frühkindliche Spracherwerb 2 die Forschung und hat sich zu einem der „faszinierendsten, wichtigsten und komplexesten Zweige der Sprachwissenschaft entwickelt“. 3
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1 Humboldt zitiert nach Butzkamm: S. 1
2 Hier und im folgenden Text werde ich den „frühkindlichen Spracherwerb“ simultan mit „Erstspracherwerb“ und „Mutterspracherwerb“ verwenden.
3 Crystal: S. 227
3
Seit mehr als 200 Jahren 4 befasst sich die Psycholinguistik damit, wie Kinder ihre Muttersprache sprechen und verstehen lernen. 5 Bereits im 7. Jahrhundert vor Christi soll der ägyptische König Psammetich I. ein Experiment angeordnet haben, mit dem er herausfinden wollte, welche Sprache denn nun die Ursprache sei. 6 Er gab zwei neugeborene Jungen in die Obhut eines Hirten und befahl ihm, kein einziges Wort in Anwesenheit der Kinder zu sprechen. Nach etwa zwei Jahren ohne sprachlichen Input streckten die Jungen bittend ihre Hände aus und sagten das Wort becos. Psammetich erfuhr, dass dieses Wort in der Sprache der Phryger „Brot“ bedeutete und schloss daraus, dass die Phyrger ein noch älteres Volk als die Ägypter sein müssten. 7 Doch wie wir heute wissen, schlussfolgerte Psammetich falsch, da „Phyrgisch nur eine von mehreren Sprachen war, die sich in jener Epoche entwickelt hatten“. 8
Der Berliner Psychologe Wilhelm Stern muss bereits im vergangenen Jahrhundert geahnt haben, dass Kindersprache nicht nur schlechte Erwachsenensprache ist, sondern eigenen Gesetzen folgt. 9 Er notierte tausende Äußerungen seiner drei Kinder und brachte im Jahre 1907 zusammen mit seiner Frau Clara das Buch „Kindersprache“ heraus, welches heute als Klassiker gilt. 10 Mit Hilfe von weiteren elterlichen Tagebüchern konnten Sprachforscher Untersuchungen durchführen, doch erst Mitte des 20. Jahrhunderts wurde Kindersprache systematisch und detailliert erforscht, so dass es möglich war, noch mehr über den Prozess des Erstspracherwerbs herauszufinden. 11
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4 vgl. ebd.: S. 228
5 Zudem beschäftigt sich die Psycholinguistik auch mit der Sprachproduktion und -rezeption sowie mit der Sprachpathologie (Sprachstörungen).
6 vgl. Crystal: S. 288
7 vgl. ebd.: S. 288
8 vgl. ebd.: S.288
9 vgl. Lessmöllmann
10 vgl. ebd.
11 vgl. Crystal: S. 228
4
2.2. Voraussetzungen für den Spracherwerb
Wie kann es überhaupt sein, dass ein Kind so scheinbar mühelos und ohne Lehrer 12 und Druck sprechen lernt? Welche biologischen Vorraussetzungen ermöglichen es dem Kind, seine Muttersprache zu erlernen und welche Rolle spielt dabei die Umwelt? Im Folgenden werde ich die verschiedenen Vorraussetzungen beschreiben, die es dem Kind ermöglichen, die Sprache zu sprechen, mit der es aufwächst.
2.2.1. Biologische Voraussetzungen
Sprache und Sprechvermögen sind von der Funktion vieler verschiedener Kör-perorgane und -strukturen abhängig. An erster Stelle wäre hier das Gehirn zu nennen, das mit seiner steuernden und planenden Funktion das wohl wichtigste
Sprechorgan Abbildung zeigt das Gehirn. Farbig markiert sind das Broca-Zentrum (lila) und das Wernicke-Zentrum (orange). Während das Broca-Zentrum für die Sprech-motorik zuständig ist, ist das Wernicke-Zentrum Sprachverständnis lich.
13
Die Atemwege (Lunge, Zwerchfell und Luftweg) 15 , der Mundbereich und der Kehlkopf stellen weitere wichtige Strukturen dar, um Sprache zu erzeugen. 16 Auf die Struktur des Kehlkopfes möchte ich ausführlicher eingehen, da sich hier doch erstaunliche Unterschiede beim Aufbau zwischen dem Kehlkopf
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12 hier ist natürlich nur der Lehrer im klassischen Sinne gemeint
13 vgl. Anatomica: S. 237/238 14 vgl. ebd.: S. 238
15 vgl. ebd.: S. 227
16 vgl. ebd.: S. 237
5
eines Babys und dem eines Erwachsenen bemerkbar machen. Wenn ein Baby auf die Welt kommt, ähnelt sein Kehlkopf erst sehr dem eines Äffchens. 17 Der Kehlkopf sitzt weit oben, so dass das Baby gleichzeitig schlucken und atmen kann. 18 Diese Funktion ist vor allem dann wichtig, wenn das Baby an der Brust der Mutter saugt. Nach ungefähr sechs Monaten senkt sich der Kehlkopf - zu Gunsten eines größeren Resonanzbodens - nach unten, um den Preis, nun leichter zu ersticken. 19 Stephen Pinker, ein kanadischer Evolutionspsychologe, stellte fest, „wie bedeutsam (…) die Sprache gewesen sein [muss; N.H.], wenn der Mensch sogar den Nachteil in Kauf nahm, am eigenen Essen zu verenden“. 20 Die untenstehende Grafik verdeutlicht noch einmal bildhaft den unterschiedlich großen Abstand zwischen Gaumensegel und Kehlkopfdeckel. Dieser Abstand ermöglicht es dem modernen Menschen (rechts) - im Gegensatz zum Affen (links) oder auch dem Baby bis zum 6. Lebensmonat - zu sprechen.
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17 vgl. Lessmöllmann: S. 18
18 vgl. ebd.: S. 18
19 vgl. ebd.: S.18
20 Pinker zitiert nach Lessmöllmann: S. 18
21 http://www.bossert-bcs.de/biologie/evolmensch/Bilder/image004.gif
6
Arbeit zitieren:
Natalie Hauer, 2008, Vom Gebrabbel zum Genitiv - Wie Kinder sprechen lernen, München, GRIN Verlag GmbH
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