Udo Rosowski - Wenn das Unternehmen krank macht. 2
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Wenn das Unternehmen krank macht
Vom Sick-Building zum Sick-Management-Syndrom
Ausgangslage
In den achtziger und neunziger Jahren des vorigen Jahrhunderts war das Sick-Building-Syndrom in aller Munde.
Betroffene klagten u.a. über Kopfschmerzen, akute Atembeschwerden, allergische Hautreaktionen, depressive Zustände, allgemeines Unwohlsein und verminderte Leistungsfähigkeit.
Ärzte führten die gesundheitlichen Beschwerden auf das Klima in Innenräumen zurück und sprachen vom Sick-Building-Syndrom (SBS) - vom Gebäude, das krank macht. Experten gingen davon aus, dass etwa 20 Prozent der Menschen 1 , die in Büroräumen arbeiten, von diesem Phänomen betroffen sind.
Die Beschwerden können zu Fehlzeiten am Arbeitsplatz führen (Absentismus) und haben somit auch betriebs- und volkswirtschaftliche Konsequenzen. 2
Ursachensuche
Allen Beschwerden gemeinsam war, dass die Symptome sich verminderten, sobald der Arbeitsplatz verlassen wurde. Vermutet wurde, dass in den Gebäuden krankmachende Faktoren, z.B. ungesunde raumklimatische Bedingungen vorhanden sein müssten. In den 70er Jahren des vorigen Jahrhunderts suchte man so zum Beispiel die Ursachen in der zunehmenden Klimatisierung von Büroräumen.
1 http://www.edizin.de/de/leben/wellness,s-2X-30-33.sick-building-syndrom.html (Nov. 2006)
2 vgl.: Sylvia Mackensen von Astfeld: Das Sick-Building-Syndrom unter besonderer Berücksichtigung des Einflusses von Mobbing. HIPPOKRATES - Schriftenreihe Medizinische Forschungsergebnisse, Bd. 55, Hamburg 2000
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Man schlug vor, bestimmte Pflanzen in den Büros aufzustellen, die gefährliche Stoffe in der Raumluft filtern sollten.
Aus diesem Grund hat das Bundesministerium für Bildung und Forschung 1994 eine "Untersuchung zu positiven und negativen Wirkungen von raumlufttechnischen Anlagen auf Befindlichkeit, Gesundheit und Leistungsfähigkeit" (ProKlimA-Projekt) 3 für einen Zeitraum von 4 Jahren gefördert.
Die ersten Ergebnisse konnten den vermuteten Einfluss nicht bestätigen. Trotz zahlreicher weiterer Studien konnten signifikante in den Gebäuden liegende physikalische Ursachen nicht nachgewiesen werden.
Trotzdem verstärkten sich die Beschwerden, die Zahl der psychosomatischen Krankheiten steigt seit Jahren. So verstärkten sich die Untersuchungen weg von den vermeintlich vom Gebäude ausgehenden Belastungen hin zu anderen Faktoren, die Auslöser der beschwerden und Erkrankungen sein könnten 4 .
Raumbedingungen sind nicht Krankheitsursache
Neuere Untersuchungen griffen das Problem in den letzten Jahren erneut auf. Im Jahr 2004 hat eine Arbeitsgruppe der Universität Jena mit dem weitergeführten Projekt "ProKlimA" 5 festgestellt, dass Tätigkeitsmerkmale und der Zustand der Arbeitsbedingungen in deutschen Bürogebäuden stärker das Wohlbefinden am Arbeitsplatz beeinflussen als raumklimatische Gegebenheiten.
Dennoch werden auch aktuell, wenn gleich für den Privatbereich, immer noch Raumbelastungen als SBS-Ursachen aufgeführt 6 .
Eine neuere Studie der University College London Medical School 7 bekräftigt diese Feststellung.
3 ProKlimA-Studie: Universität Jena; 1994 bis 2000: (http://www.med.uni-jena.de/ark/prok_d.html)
4 Sylvia Mackensen von Astfeld: Das Sick-Building-Syndrom unter besonderer Berücksichtigung des Einflusses von Mobbing. HIPPOKRATES - Schriftenreihe Medizinische Forschungsergebnisse, Bd. 55, Hamburg 2000
5 ProKlimA-Studie, a.a.O..
6 Springer Medizin: Sick-Building: Wenn Innenräume krank machen; (http://www.lifeline.de/llspecial/arbeit_leben/gesund_wohnen/content-128730.html )
7 M. Stafford; Department of Epidemiology and Public Health, University College London Medical School, London, UK, 2006
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Nicht das Gebäude an sich löst Krankheiten aus sondern die in dem Gebäude herrschende psychosoziale Umgebung.
Wenig Einfluss, unklare Arbeitsabläufe, permanente Umorganisation sowohl in Unternehmen wie aber auch in der öffentlichen Verwaltung, organisierte Unzuständigkeit, zunehmende Restriktionen und ein wenig vertrauensvoller Umgang des Managements mit den Beschäftigten sowie eine als ungerecht empfundene Ungleichbehandlung führen zu multiplen Verhaltensauffälligkeiten und Krankheiten und zur inneren Kündigung.
Problem Öffentliche Verwaltung
Gerade wohl in der öffentlichen Verwaltung klafft eine große Lücke zwischen der von den Politikern andauernd gepriesenen Verwaltungsmodernisierung und den gleich bleibenden inneren Verhältnissen im Verwaltungsablauf.
Wenn alles nur ganz oben unterschrieben wird, wenn ein Urlaubs- oder Dienstreiseantrag unzählige Instanzen durchlaufen muss, aus angeblich formalen Gründen keine spontane Meldung für ein aktuelles Seminar möglich ist, Eingaben der Mitarbeiter schlichtweg keine Beachtung finden und Wünsche oder Bedürfnisse der Mitarbeiter gar nicht erst wahrgenommen werden, kann nicht zwingend erwartet werden, dass die Mitarbeiter sich freudig an ihre Arbeit machen.
Die Lage spitzt sich zu, wenn in den Beurteilungsrunden diese Mitarbeiter wegen Ihrer nachlassenden Leistung (wenn nicht auch aus anderen Gründen) auch noch schlecht beurteilt werden.
Sie werden damit wegen der Ausflüsse von Ursachen bestraft, die von anderen gesetzt werden und die sie nicht beeinflussen können. Gesundheitszirkel der Unternehmen oder Behörden, in denen die Mitarbeiter zu einer gesunden Lebensweise aufgerufen werden, helfen da nur wenig.
Somit muss wohl zukünftig eher von einem Sick-Management- oder Sick-Organisation- Syndrom gesprochen werden, wenn die Problematik weiter untersucht wird.
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_________________________________________________________________________ _____ Fazit
Eine Schussfolgerung der Forscher: Manager müssen den Zusammenhang und den Einfluss einer Disorganisation auf das Wohlbefinden Ihrer Mitarbeiter erkennen anerkennen und die Ursachen abstellen.
Dazu müssen sie aber erst einmal bereit sein, die internen Abläufe einer kritischen Würdigung unterziehen und ihr eigenes Verhalten zu hinterfragen. Denn: nur mit gesunden und leistungsbereiten Beschäftigten sind Unternehmen und öffentliche Verwaltung den Anforderungen unserer Zeit gewachsen!
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_________________________________________________________________________ _____ Literatur und Quellen:
Stafford, M.: Department of Epidemiology and Public Health, University College London Medical School, 1-19 Torrington Place, London, 2006 Hauptverband der Berufsgenossenschaften: „Innenraum-Arbeitsplätze -Vorgehensempfehlung für die Ermittlungen zum Arbeitsumfeld“ (BIA-Report Innenraum), 2005 ( http://www.hvbg.de/d/bia/pub/rep/rep05/innenraum.html ) Bischof, Wolfgang: interdisziplinäres Projekt "Positive und negative Wirkungen raumlufttechnischer Anlagen auf Befindlichkeit, Leistungsfähigkeit und Gesundheit" (ProKlimA), Universität Jena; 2004
Sylvia Mackensen von Astfeld: Das Sick-Building-Syndrom unter besonderer Berücksichtigung des Einflusses von Mobbing. HIPPOKRATES - Schriftenreihe Medizinische Forschungsergebnisse, Bd. 55, Hamburg 2000 Banyard, Philip: Applying Psychology to Health; Hodder and Stoughton, 1996 Oliphant J.: Sick Building Syndrome? Occupational Safety and Health,1995; 25:14-5. Carroll D, Davey Smith G, Bennett P.: Health and socio-economic status. The Psychologist 1994; 7:122-5.
Weinstein ND.: Testing four competing theories of health-protective behaviour. Health Psychology 1993; 12:324-33.
Baggaley J.: Media health campaigns: not just what you say, but the way you say it. In: AIDS prevention through health promotion: facing sensitive issues. Geneva: World Health Organisation, 1991.
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Centre for Psychiatry, Barts and the London, Queen Mary’s School of Medicine and Dentistry, Medical Sciences Building, London, http://www.healthmatters.org.uk/issue27/matterofbelief http://www.pavpub.com/pavpub/magazines/HM/
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Autor: Udo Rosowski Akad. Ausbildung:
Dipl.-Verwaltungswirt; Fachhochschule für öffentliche Verwaltung Dipl.-Betriebswirt (FH); Fachhochschule Dortmund
Master of Organizational Management; Ruhr-Universität Bochum, Institut für Arbeitswissenschaft Veröffentlicht: Januar 2006
Arbeit zitieren:
Dipl.-mult. Udo Rosowski, MOM, 2006, Wenn das Unternehmen krank macht, München, GRIN Verlag GmbH
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