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1. Einleitung
In der vorliegenden Hausarbeit beschäftigen wir uns mit dem Stadtspiegel Bochum - einem Anzeigenblatt. Der Stadtspiegel feiert in diesem Jahr sein 25-jähriges Bestehen - ein Anlass für uns, diese Zeitung etwas näher unter die Lupe zu nehmen. Die meisten assoziieren ein Anzeigenblatt zunächst mit Begriffen wie „Käseblättchen“ oder Kleinanzeigenansammlungen, unter denen vielleicht der ein oder andere schlecht geschriebene Artikel zu finden ist. Dass dies nicht immer der Fall ist bzw. sein muss, möchten wir anhand einer Analyse ausgewählter Ausgaben des Stadtspiegels zeigen. Das 25-jährige Jubiläum im Hinterkopf, entschieden wir uns, aus jedem Jahrzehnt, in denen der Stadtspiegel schon besteht, zwei repräsentative Ausgaben zu analysieren. Insgesamt haben wir uns also mit sechs Ausgaben des Stadtspiegels, zwei aus den 80ern, zwei aus den 90ern und zwei aus diesem Jahr beschäftigt. Neben der Analyse der verschiedenen Ausgaben führte uns unsere Vorgehensweise natürlich auch zur Redaktion und dem Vertrieb des Stadtspiegels. Durch intensive Gespräche mit der Redaktion, besonders mit dem verantwortlichen Redakteur Ernst-Ulrich Roth und Objektleiter Siegfried Materna, erhielten wir Informationen zur Arbeitsweise der Redaktion und den Intentionen der Redakteure des Stadtspiegels. Welche Themen werden im Stadtspiegel behandelt? Was möchten die Redakteure dem Leser bieten? Welche Vorteile haben die Bochumer, wenn sie den Stadtspiegel regelmäßig lesen? Inwieweit kann das Bestreben der Redaktion, bestimmte Themen zu behandeln oder sich an bestimmte Grundsätze, auf die wir im Folgenden näher eingehen werden, zu halten, anhand der Analyse der Ausgaben bestätigt oder widerlegt werden? Stimmen
Wunschvorstellung der Redaktion und Umsetzung im Stadtspiegel überein?
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2. Anzeigenblätter
„Die publizistische Idee Anzeigenblatt ist keineswegs neu. Seine Anfänge gehen in Frankreich bis 1630 zurück, in Deutschland entwickelte sich ab etwa 1820 mit den Intelligenzblättern ein den
heutigen Anzeigenblättern ähnlicher Pressetyp.“ 1
Lokale Anzeigenblätter werden dadurch gekennzeichnet, dass sie kostenlos an Haushalte im Verbreitungsgebiet verteilt werden und eine zum größten Teil lokalbezogene redaktionelle Berichterstattung enthalten. Sie finanzieren sich ausschließlich durch Anzeigen bzw. Werbeeinnahmen. Sie dienen als Werbeträger für überwiegend lokale Unternehmen und Dienstleister. Das Erscheinungsbild gleicht meist dem einer Tageszeitung. Die Erscheinungsweise variiert von zweimal pro Woche bis zu sechsmal im Jahr. Eine wöchentliche Erscheinungsweise ist allerdings die Regel, wobei die meisten Titel an den Tagen (Mittwoch bis Freitag) vor dem Wochenende
werden. 2 herausgegeben Laut Pätzold/Röper reichen „die
Gemeinsamkeiten der Anzeigenblätter (…) kaum über die beiden definitorischen Kriterien, kostenlose Abgabe und Vertrieb an die Haushalte, hinaus. Das Erscheinungsspektrum dieses Medientyps ist
sehr breit (…).“ 3
Vier verschiedene Typen von Anzeigenblättern unterscheidet Kurp: Lokale Wochenblätter, die einen hohen redaktionellen Standard aufweisen; Anzeigenblätter, die er als „Aktionsblätter“ bezeichnet, da sie mehr Public-Relations-Texte als redaktionelle Texte beinhalten und eine geringe journalistische Leistung erbringen; Anzeigenblätter, die
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umfassend aus kleinen Gemeinden oder Stadtteilen berichten und zuletzt Anzeigenblätter im Boulevardstil. 4 Lange Zeit waren die Anzeigenblätter die ungeliebten „kleinen Schwestern“ im Lokalen, die viel von der Tagespresse bekämpft wurden. Inzwischen jedoch sind sie in vielen Verlagshäusern die einzigen Standbeine, die wachsen. Die Anzeigenblätter legen langsam aber stetig zu. Die Allensbacher Markt- und Werbe-Analyse zählte 2004 rund 42,8 Millionen Leser pro Ausgabe. Das entspricht 67,2 Prozent der Deutschen ab 14 Jahren. Tageszeitungen erreichen dagegen nur 59 Prozent. Die „Blättchen“ landen nicht nur im Altpapier. Drei Viertel der Leser schauen sich mindestens die Hälfte aller Seiten an. Während bei Abonnement-Zeitungen der Umsatz durch Nebengeschäfte wie Bücher und DVDs angekurbelt wird, steigern die Gratisblätter ihre Gewinne durch Anzeigenerlöse und das Beilagengeschäft. Um Vorurteile wie „niveaulose Blättchen“ zu widerlegen, steht auf Branchentreffen die Steigerung der Qualität im Mittelpunkt. Der wichtigste Erscheinungstag ist der Mittwoch, aber auch der Sonntag ist von Bedeutung, da an diesem Tag die Tageszeitungen nicht erscheinen. In vielen Städten ist der Markt überbesetzt - in Leipzig zum Beispiel gibt es vier verschiedene Anzeigenblätter. Die Zeitungen sind mit 185 Verlagen und 85 Millionen Exemplaren zu rund 60 Prozent im Bundesverband Deutscher Anzeigenblätter (BVDA) organisiert. Die Nummer 1 unter den Anzeigenblättern sind die Westdeutsche Verlags- und Werbegesellschaft (WVW) und die Ostruhr-Anzeigenblattgesellschaft (ORA), zu denen auch der Stadtspiegel Bochum gehört. Beide Verlage zusammen haben eine Wochenauflage von 4.742.000 Millionen. 5
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3. Die Ostruhr-Anzeigenblattgesellschaft (ORA)
Vor 27 Jahren, am 1. Januar 1978, wurde die Ostruhr-Anzeigenblattgesellschaft (ORA) ins Handelsregister eingetragen - als Tochter der Ruhr-Nachrichten und der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung (WAZ) - Mediengruppe. Beide sind zu jeweils 50 Prozent beteiligt. Die Idee zur Gründung eines gemeinsamen Anzeigenblatt-Unternehmens reifte im Herbst 1977. Schon im Dezember unterschrieben die ersten Geschäftsführer Karl-Josef Biele und Kurt Lutz die Verträge. Die ORA gab zunächst drei vorher konkurrierende Anzeigenblätter heraus: Zuerst den „Lüner Anzeiger“ (Lünen), dann folgten das „Werner Anzeigenblatt“ (Werne) und der „Anzeiger für Castrop-Rauxel“ (Castop-Rauxel). Der „Lüner Anzeiger“, die älteste Zeitung der ORA, wurde bereits vor der Gründung der ORA als „Kleiner Lüner Anzeiger“ Anfang der fünfziger Jahre mit einer Auflage von 42.000 Exemplaren ins Leben gerufen und ist somit älter als die ORA selbst. 6 Zug um Zug wurde das Verbreitungsgebiet folgendermaßen erweitert: Nach zwei Jahren beinhaltete die Reichweite der Printmedien bereits Bochum, Witten und Dortmund und später dann auch Schwerte, Gladbeck, Bottrop, Dorsten, Wattenscheid und Haltern. Das Verbreitungsgebiet der ORA erstreckt sich heute von Haltern im Norden bis Witten im Süden über Dorsten bis Schwerte im Osten. Auch der Stadtspiegel gehört zur ORA, die mittlerweile insgesamt 15 Titel mit einer Auflage von rund 1,2 Millionen ihr Eigen nennt. Bei der ORA sind ca. 1400 Boten beschäftigt, die die verschiedenen Anzeigenblätter in die Haushalte liefern. Für den Stadtspiegel Bochum sind ca. 300 Boten zuständig. Die ORA beschäftigt über 100 Mitarbeiter im Verkauf, in den Redaktionen, im Vertrieb, in der Geschäftsstellenverwaltung und in den zentralen Verwaltungen in Essen und Dortmund. Die Geschäftsführung haben derzeit gleichberechtigt Stephan Sattler (seit 1. Januar 1984) und Joachim Fischer (seit 1. September 2001) inne.
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4. Stadtspiegel Bochum
4.1. Wie alles vor 25 Jahren begann
Vor 25 Jahren wurde die erste Ausgabe des Stadtspiegels in Bochum verteilt. Der Stadtspiegel Bochum erscheint seit 1984 in vier verschiedenen Ausgaben: Neben den durchlaufenden Mantelseiten gibt es die Nord-, Süd-, Südwest- und Ostausgabe. In den ersten vier Erscheinungsjahren existierte nur eine Gesamtausgabe, in der alle Vorortseiten durchgelaufen sind. Aufgrund von „Anzeigenschummel“ wurde diese Veränderung notwendig. Die Anzeigenkunden entschlossen sich nämlich immer häufiger dazu, Anzeigen im Vorortteil zu schalten, da diese kostengünstiger sind als vergleichbare Anzeigen im Mantel. Da es nur eine Gesamtausgabe gab und somit die geschaltete Anzeige in jeder Ausgabe zu sehen war, reagierten die Verantwortlichen und entschieden sich schließlich für vier Einzelausgaben. „Lokales Süd“ umfasst die Stadtteile Altenbochum, Goy, Hustadt, Steinkuhl, Querenburg, Innenstadt, Stiepel,
Wiemelhausen, Brenschede, Ehrenfeld. „Lokales Südwest“ beinhaltet Dahlhausen, Griesenbruch, Goldhamme/Engelsburg, Weitmar/Bären-dorf, Stahlhausen, Linden, Neuling/Mark und Weitmar/Mitte. „Lokales Nord“ umfasst Gerthe, Grumme, Stadtpark, Voede, Hamme, Riemke, Harpen, Hiltrop/Bergen, Hofstede und Hordel. Kornharpen, Laer, Langendreer, und Werne/Somborn gehören zum „Lokalteil Ost“. Zurzeit verzeichnet das Anzeigenblatt eine Gesamtauflage von 153.800. Diese Gesamtzahl setzt sich folgendermaßen zusammen: Im Bochumer Osten werden 29.800 Exemplare verteilt, im Norden 43.300, im Süden 43.800 und im Südwesten 36.900. Der Stadtspiegel erscheint jede Woche mittwochs und samstags. Bis Februar 1985 erschien der Stadtspiegel nur einmal in der Woche und zwar donnerstags. Nach Einführung einer zweiten Ausgabe pro Woche wurden die Erscheinungstage auf Mittwoch und Samstag verlegt, um den zeitlichen Abstand zu vergrößern.
Die Geschäftsstelle des Stadtspiegels befindet sich mittlerweile an der Bongardstraße 25-27 am Kuhhirten, früher am Südring 3, und ist
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montags bis donnerstags von 9 bis 17 Uhr, freitags von 9 bis 15 Uhr sowie samstags von 10 bis 12 Uhr geöffnet. In der Kleinanzeigenannahme werden außerdem Bücher, Kalender, die Bochum-Kollektion (T-Shirts, Jacke, Regenschirm, Regenjacke, Kappe), DVDs und CDs verkauft.
4.2. Neustrukturierung Mitte der 80er Jahre
Das Konzept des Stadtspiegels wurde Mitte der 80er Jahre verändert. Es fand ein Prozess des Umdenkens in der ORA statt: die Redaktion gewann mehr Bedeutung, und der Verlag verpflichtete immer mehr „gelernte“ Journalisten von renommierten Tageszeitungen. In Bochum hatten Objektleiter Siegfried Materna, augebildeter Groß- und Außenhandelskaufmann, der vorher bei einem Anzeigenblatt in Neuss, bei der Bild-Zeitung in Düsseldorf, den Ruhr-Nachrichten und der Westfälischen Rundschau gearbeitet hatte, und Redaktionsleiterin Ursula Balt entscheidenden Einfluss auf die Neustrukturierung. Siegfried Materna übernahm die Leitung des Stadtspiegels 1984 und hat diese auch heute noch. Ursula Balt kam 1986 von den Ruhr-Nachrichten zum Stadtspiegel und übernahm die Redaktion von Wolf Buerbaum, dem ersten leitenden Redakteur. Gemeinsam entwickelten die beiden ein Konzept, das auch heute noch Bestand hat. Dieses beinhaltet vor allem die Berücksichtigung der zweimaligen Erscheinungsweise pro Woche. Der redaktionelle Schwerpunkt wurde dabei auf die Ankündigungen gelegt, das heißt, im Stadtspiegel finden sich Termine und Veranstaltungen wieder, die in den kommenden drei Tagen in Bochum stattfinden. Der Stadtspiegel soll bestenfalls drei Tage lang auf dem Tisch liegen. Dabei werden auch Veranstaltungen in den Vororten berücksichtigt, die Berichterstattung konzentriert sich also nicht nur auf die Innenstadt. Mit der Fokussierung auf die kommenden Termine und nicht auf die Nachberichterstattung (außer bei wiederkehrenden Veranstaltungen wie Theateraufführungen) soll vermieden werden, dass sich die Leser im Nachhinein denken „Da wäre ich auch gerne hingegangen, wenn ich nur davon gewusst hätte“. Auch die Interessen der Leserinnen und Leser wurden stärker eingebunden,
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denn der Raum zwischen den Anzeigen sollte nicht nur „einfach mit Texten und Bildern gefüllt werden“. Siegfried Materna suchte ein Anzeigenberater-Team zusammen und Ursula Balt baute die Redaktion auf. Der Stadtspiegel entwickelte sich neben der WAZ und den Ruhr-Nachrichten zur dritten Bochumer Zeitung. Im Laufe der Jahre kam es zu personellen Veränderungen: Redaktionsleiterin Ursula Balt verabschiedete sich Anfang 2002 in den Ruhestand und übergab die Redaktion an Ernst-Ulrich Roth, einen der ersten freien Mitarbeiter. Zurzeit arbeiten in der Redaktion drei festangestellte Redakteure, zwei freie Fotografen, eine Pauschalistin sowie einige freie Mitarbeiter, von denen der älteste, Hans Lüning, schon über 80 Jahre alt ist.
4.3. Inhaltliche Schwerpunkte
Wenn wir uns mit den inhaltlichen Bindungen des lokalen Mediums Stadtspiegel beschäftigen, dürfen wir nicht außer Acht lassen, dass der Inhalt nicht nur von den Redakteuren allein bestimmt wird, sondern natürlich vor allem von den Institutionen wie Parteien und Bürgerinitiativen, Wirtschaftsunternehmen und Interessengemeinschaften, Verbänden und Kirchengemeinden und
verschiedenen Veranstaltern, die ihre Pressemitteilungen an den Stadtspiegel senden. Es kann nur über das berichtet werden, was auch stattfindet. Wenn also in der ein oder anderen Ausgabe ein Überschuss an Theaterankündigungen besteht, liegt das nicht unbedingt daran, dass die Redaktion des Stadtspiegels beschlossen hat, sich auf Theater statt auf Konzerte zu konzentrieren, sondern einfach nur an der Tatsache, dass zu dem Zeitpunkt mehr Theateraufführungen als Konzerte in Bochum stattfinden. Eine persönliche Präferenz der Redakteure prägt die inhaltliche Struktur des Stadtspiegels zwar auch, aber eher geringfügig.
Der Stadtspiegel Bochum deckt verschiedene Themengebiete ab: So berichtet er vor allem über das Leben vor Ort, wobei Lesernähe und Lokalkolorit groß geschrieben werden. Hier spielen Ankündigungen für Veranstaltungen wie Theater, Feste, Konzerte und andere kulturelle
Arbeit zitieren:
Anna Zafiris, 2005, 25 Jahre Stadtspiegel Bochum – Eine Analyse, München, GRIN Verlag GmbH
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