Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung 3
2 Begriff 4
3 Die Auswanderung 4
3.1 Warum überhaupt auswandern? 4
3.2 Vollzug der Ausreise. 5
3.3 Identitätstypen. 5
4 Konzepte der Assimilation 6
4.1 Klassische Assimilation nach Park/Burgess. 6
4.2 Wie kann man mangelnde Assimilation erklären? 7
4.3 Klassische Assimilation zwischen Erweiterung und Verabschiedung 7
4.3.1 Modell nach Eisenstadt. 7
4.3.2 Modell nach Gordon. 8
4.3.3 Modell nach Esser 9
4.3.4 Modell nach Trube. 10
4.3.5 Modell nach Taft. 10
4.3.6 Modell nach Meister. 11
4.4 Neuere Tendenzen 11
5 Zwischenfazit 12
6 Ankunft des Migranten 13
6.1 Besonderheit der biographischen Situation. 13
6.1.1 Optionen Jugendlicher zur Glättung biographischer Brüche. 13
6.2 Migranten in der Diaspora. 14
6.2.1 Transformation kultureller Identität. 15
6.3 Selbstsozialisation und Hybridisierung von Identitäten. 15
6.4 Die psycho-soziale Befindlichkeit der Migranten der zweiten Generation. 16
6.4.1 Migration als Chance? 17
6.5 Die Bedeutung von Medien und kulturellem Wandel. 17
6.5.1 Doch nur halbe Integration durch Medien? 18
6.5.2 Die halbierte Zwangsindividualisierung. 18
6.6 Die allmähliche Anerkennung der Unumkehrbarkeit 19
7 Was ist die Lösung? Betrachtung der Aktualität des Themas. 20
7.1 Neo-Assimilationismus. 21
8 Eigene Stellungnahme 22
Literaturverzeichnis. 23
2
1 Einleitung
In dieser Arbeit möchte ich mich besonders aufgrund der Aktualität des Themas der A. 1 in Deutschland und anderen europäischen Ländern (Türkei, Polen u.a.) beschäftigen. Ich frage mich, was der Begriff der A. bedeutet, wer ist davon betroffen und wie vollzieht sich A.? Ich möchte diese Arbeit in einer Struktur abhandeln, die bei der Auswanderung beginnt, und im Weiteren erläutern soll, warum Menschen überhaupt auswandern, d.h. also, welche Vorstellungen Menschen dazu treiben, und was das anfangs für die Identität des Menschen bedeutet. Der weitere Ablauf handelt dann ausgewählte Konzepte der A. ab, damit wir uns daraufhin der Ankunft des Migranten im neuen Land zuwenden können. Hier wollen wir besonders die biographische Situation des Migranten beleuchten. Ich frage mich, was die Wanderung mit dem Menschen „anstellt“, was geht dabei in ihm vor? Wie schafft es ein Migrant sich zu sozialisieren? Was ist diesbezüglich eine Diaspora und wie entstehen hybride Identitäten? Im Weiteren gehe ich dann auf die psycho-soziale Befindlichkeit der Migranten ein, und frage mich, ob die Migration nicht nur als Problem zu sehen ist, sondern warum sie auch eine Chance sein kann. Denn Menschen, die in andere Länder ziehen gewinnen an Kompetenzen, sie sind offener für die Welt, haben viel durchgemacht und sprechen mehrere Sprachen, aktiv oder passiv. In der weiteren Abhandlung komme ich auf die Medien zu sprechen. Können Medien den Migranten helfen, sich zu integrieren? Und wenn ja, wie kann man sich das vorstellen? Können Medien eine komplette A. ermöglichen? Oder bedarf es da doch mehr? Der Vorgang der A. wird oft als einseitige Leistung des Migranten gesehen. Ist dies wirklich so? Welche Rolle spielt hier die Formung der eigenen Persönlichkeit, und wie weit kann eine Umformung gehen? Wir gehen hier den Begriffen der Individualität und Pluralität nach. Begünstigt oder behindert Pluralität die Bildung einer neuen Identität, und welche Fragmente der Identität werden aus der Heimat beibehalten? Schließlich möchte ich klären, ab wann der der Migrant beginnt, die Unumkehrbarkeit der Migration zu akzeptieren, und er diese Wanderung in seine Biographie aufnimmt, und damit zu einem Teil seines Lebens werden lässt. Ich ziehe hier Beispiele polnischer Jugendlicher heran, die von ihrer Reise berichten. Zum Schluss möchte ich mich möglichen Lösungen nähern, indem ich Stellungnahmen der Bundeskanzlerin und des türkischen Ministerpräsidenten Erdogans heranziehe. Eine eigene kleine abschließende Stellungnahme soll diese Arbeit abrunden und meine Sicht der Dinge darlegen.
1 A. = Assimilation.
3
2 Begriff
Assimilation meint die Angleichung gesellschaftlicher Gruppen aneinander, dieser Prozess kann sich als individueller oder als kollektiver Vorgang vollziehen. Man kann auch sagen, dass Außenstehende (kleine Gruppen oder Individuen) versuchen, sich einer größeren Gruppe anzupassen. Dabei unterscheidet man folgende Möglichkeiten der Assimilation: 1. kulturell (Übernahme von Sprache, Bräuchen und Sitten), 2. strukturell (Arbeitsmarkt, Schulsystem etc.), 3. sozial (Kontakt zu Mitmenschen der anderen Gruppe), 4. emotional (Identifikation mit der anderen Gruppe). Bei Einwanderern z. B. stehen die Übernahme der Sprache und der Bräuche im Vordergrund. Simultan geben sie ihre eigene Sprache auf. Es ist umstritten, ob die Aufnahmekultur, die Dominanzkultur, die Angleichung aufzwingt, oder ob Assimilation mehr als eine Art Voraussetzung zur Lebens(chancen)gleichheit angesehen werden kann. Alle anderen Entwicklungen, die nicht der Angleichung dienen, werden als Hemmnisse oder Verzögerung angesehen. Assimilation stellt eine Strategie dar, mit der auf eine neue, bzw. veränderte Umwelt reagiert wird. 2
3 Die Auswanderung
3.1 Warum überhaupt auswandern?
Im Folgenden möchte ich kurz erläutern, welche Gründe Menschen dazu bewegen ihr Land überhaupt zu verlassen. Nun, zum einen hängt dies vom Grad ihrer Motivation dazu ebenso ab, wie von ihrer Orientierung und Bereitschaft, Veränderungen im Leben zu akzeptieren. Auch spielt die Situation im Herkunftsland eine wichtige Rolle. Werde ich hier verfolgt? Oder stehe ich gar unter Vertreibungsdruck? Des Weiteren kann man die sozialstrukturelle Verortung, den Bildungshintergrund, die Zufriedenheit mit der Lebenssituation und die sozialökologische Einbindung als Beweggrund heranziehen. Motive können sein, persönliche, als auch verbesserte Lebensqualität, materieller Wohlstand, Optionen zur Selbstverwirklichung, eine gesicherte Lebensgrundlage oder verwandtschaftliche Beziehungen im Zielland. Oftmals wird das Zielland als „Schlaraffenland“ oder als „alles ermöglichender Westen“ allegorisch-naiv beschrieben. 3
2 Vgl. www.wislikofertagung.ch/Referat von Silvere Kordic.pdf, 25.09.2009, 21.31.
3 Vgl. Meister, Dorothee M., Zwischenwelten der Migration 174-181.
4
3.2 Vollzug der Ausreise
Oftmals findet die Ausreise auf Beschluss der Eltern statt, die Jugendlichen nehmen häufig nur eine passive Rolle dabei ein und werden selten gefragt. Jedoch hat sich gezeigt, dass die passive Rolle den Jugendlichen die Möglichkeit bietet - da sie nicht unter Handlungsdruck stehen - sich biographische Freiräume zu schaffen, welche die Ausreisemotivation zunächst transzendental, also noch nicht für abgeschlossen, hält. So kann auch die Haltung zur Ausreise länger divergent gehalten, und damit die Bleibensoption in die Zukunft verlagert werden. Zudem wird Verantwortung (alleine) auf die Eltern projiziert. Die Haltung der Jugendlichen kann auch in einem Wir-Konsens oder einem Dissens Muster münden. Erstere wollen sich mit dem neuen Land identifizieren, zweitere pflegen es, ihr gewohntes Leben beibehalten zu wollen. Fast jede Aussiedlung bedeutet zugleich ein Ablösen von festen sozialen Strukturen und ein Hineinkommen in Fremdes. So kann es bei Jugendlichen zu einem anhaltenden oder rückläufigen Ablöse- und Verselbständigungsprozess führen. Im neuen Land muss dann eine neue Ortsidentität aufgebaut und neue soziale Kontakte geknüpft werden. Um zu verstehen, wie Menschen sich in einem für sie fremden Land fühlen, wollen wir uns zunächst mit der Identität beschäftigen. 4
3.3 Identitätstypen
Identität ist ein Fließgleichgewicht von lebenslangen Erfahrungs- und Lernprozessen. Diese müssen weiter ausgebildet, und durch Selbstwahrnehmung aufrechterhalten werden. Es gibt zwei Ebenen der Identität: Zum Einen die soziale Identität, als Selbstzuordnung zu Gruppen. 5 Sie erscheint polyvalent und oszillierend. Personen gestalten ihre Identitäten und verhandeln die verschiedenen Dimensionen (Geschlechts-, Rassen-, ethnische und Klassen-Identität). Sie sind flexibel und multidimensional. 6 Das bedeutet z. B., dass die ethnische Identität einer Person von der Intensität der sozialen Kontakte zum Herkunftsland, dem Bestreben, sich in ihr einzubinden, und dem Wollen, sich ihr abzuwenden, abhängt. 7 Die Personale Identität ist Folge der Individualisierung und eigenständigen Verarbeitung. Kulturelle Identität hingegen meint, dass soziale wie auch personale Identitäten sich im Medium kultureller Symbolisierungen ausbilden und objektiveren. Eine stabile Identität bedingt einen engen Zusammenhang zwischen Identität und Handlungsfähigkeit. Identität ist aber nicht nur
4 Vgl. Meister, Dorothee M., Zwischenwelten der Migration 177-181.
5 Vgl. Silbereisen Rainer K, Lantermann, Ernst-Dieter, Schmitt-Rodermund (Hrsg.) Aussiedler in Deutschland, Akkulturation von Persönlichkeit und Verhalten 203 - 204.
6 Vgl. Fuhrer, Urs/Uslucan (Hrsg.), Haci-Halil, Familie, Akkulturation und Erziehung 206-207.
7 Vgl. Silbereisen Rainer K, Lantermann, Ernst-Dieter, Schmitt-Rodermund (Hrsg.) Aussiedler in Deutschland, Akkulturation von Persönlichkeit und Verhalten 208-209.
5
Voraussetzung, sondern auch Resultat und Funktion sozialen Handelns. Der Kreislauf zwischen Handlungsfähigkeit und erfolgreichem Handeln schließt sich dann, wenn eine stabile Passung zwischen Identität und erfolgreichem Handeln erfolgt ist. 8 Hier konstatieren wir, dass das Gelingen im neuen Land unmittelbar auf der Findung einer neuen/modifizierten Identität aufbaut, ohne die eine Einpassung nicht möglich wäre, immer davon abhängend, wie die Position zum alten u. neuen „Zuhause“ ist. Bei fehlender Passung würde der Migrant orientierungslos zwischen zwei Welten schwanken, und keine Zugehörigkeit verspüren. Er wäre ein niemand unter vielen. Dies würde ihn ohne Zweifel in tiefe Identitäskrisen treiben. Diese Feststellung unterstützt die Untersuchung Brewer´s (1991), der eine klar bessere Zufriedenheit türkischer Jugendlicher verzeichnete: „... die einen ausgeglichenen Zustand zwischen diesen beiden Bestrebungen bei mittlerer Einbettung in die Herkunftskultur zeigten, höheres Wohlbefinden äußerten, indem sie weniger über psychosomatische und rein somatische Symptome klagten.“ 910 Zum Verständnis der Assimilation möchte ich in der weiteren Abhandlung einige theoretische Konzepte der Assimilation vorstellen, damit im darauf folgenden Schritt eine genauere Annäherung an die Ankunft des Migranten im neuen Land gewagt werden kann.
4 Konzepte der Assimilation
4.1 Klassische Assimilation nach Park/Burgess
Sie gehen davon aus, dass Einwanderer assimiliert werden können. Dazu beide: „a process of interpenetration and fusion in which person and groups acquire the memories, sentiments and attitudes of other groups, and, by sharing their experience and history, are incorporated with them in a common culture life.“ (Park/Burgess 1921, 735) Eine Verschmelzung ist im Prinzip möglich, jedoch wird hier unterschlagen, dass es trotzdem zu dauerhaften Konflikten, oder einem möglichen Kastensystem kommen kann. Die nur prinzipielle Assimilation sieht Park so, dass „in the United States an immigrant is ordinarily considered assimilated as soon as he has acquired the language and the social ritual of the native community and can participate, without encountering prejudice, in the common life economic and political. The common sense view of the matter is that an immigrant is assimilated as soon as he has shown that he can 'get on in the country'.“ (Park 1930, 281) Park sieht also alle die als assimiliert an, die im
8 Vgl. Silbereisen Rainer K, Lantermann, Ernst-Dieter, Schmitt-Rodermund (Hrsg.) Aussiedler in Deutschland, Akkulturation von Persönlichkeit und Verhalten 203 - 204.
9 Fuhrer, Urs/Uslucan (Hrsg.), Haci-Halil, Familie, Akkulturation und Erziehung 209. 10 Gemeint sind die beiden Bestrebungen nach der Herkunftskultur und das Bestreben sich von ihr abzugrenzen.
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Arbeit zitieren:
Manuel Berg, 2009, Assimilation - Was kommt nach der Wanderung?, München, GRIN Verlag GmbH
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