Inhalt
Vorwort 5
1. Vom Laisser-faire-Liberalismus
zum Neoliberalismus 7
a) Der Laisser-faire-Liberalismus
des Adam Smith 7
b) Die Entstehung und Definition des Begriffs
Neoliberalismus im Jahre 1938 9
2. John Maynard Keynes 11
3. Die Theorie des Milton Friedman 13
4. Die Schock-Therapien des Donald E. Cameron 17
5. Die Umsetzung des heutigen Neoliberalismus am
Beispiel Chiles, des Thatcherismus, die Plünderung
Asiens und das Beispiel Irak 21
a) Das Beispiel Chile 21
b) Das Beispiel des Thatcherismus 27
c) Die Plünderung Asiens 31
d) Das Beispiel Irak 33
6. Deutschland - mitten drin 35
7. Die Ausrichtung von Konzernen 39
a) Der Geldtransfer 39
b) Die Ausbeutung in den Export-Produktions-
Zentren 40
c) Die Einflussnahme von Großunternehmen auf
die Politik 41
Als Nachwort:
Krisen - tatsächliche und geplante 43
Weiterf ührende Literatur 45
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Vorwort
Man muss sich mit den Dingen befassen, um sie zu verstehen. Dieser Satz ist so einfach wie tiefsinnig. Er ging mir in einer Nacht mit ein paar schlaflosen Stunden immer wieder durch den Kopf. Ich erinnerte mich dabei an eine Begebenheit, die etwa dreißig Jahre zurückliegen muss. Damals war ich Student an der wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der Johann-Wolfgang-von-Goethe-Universität in Frankfurt am Main. Während einer Mittagspause in dem Restaurant eines kleinen Kaufhauses in Frankfurt-Bockenheim setzte sich ein Professor, den ich von Vorlesungen her kannte, an meinen Tisch, und wir kamen ins Gespräch. Mehr zufällig erwähnte er, dass sich die wirtschaftlichen Bedingungen ändern müssen. Er meinte, es sei viel vorteilhafter, wenn es gelänge aus den Nachfragemarkt in einen Angebotsmarkt zu wandeln.
Ich war so tief davon überzeugt, dass nur ein Nachfragemarkt eine sinnvolle ökonomische Einrichtung sein kann, dass ich die Aussage des Professors als sein persönliches, zerstreutes Hirngespinst abtat und mir keine weiteren Gedanken darüber machte.
Über die Bedeutung dessen, was er damals sagte, ging mir erst viel später ein Licht auf.
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1. Vom Laisser-faire-Liberalismus zum
Neoliberalismus
a) Der Laisser-faire-Liberalismus des Adam Smith ‚Das Interesse der Kaufleute aller Branchen in Handel und Gewerbe weicht (…) in mancher Hinsicht stets vom öffentlichen ab, gelegentlich steht es ihm aber auch entgegen (...). Jedem Vorschlag zu einem neuen Gesetz oder einer neuen Regelung über den Handel, der von ihnen [den Kaufleuten] kommt, sollte man immer mit großer Vorsicht begegnen. Man sollte ihn auch niemals übernehmen, ohne ihn vorher gründlich und sorgfältig, ja sogar misstrauisch und argwöhnisch geprüft zu haben, denn er stammt von einer Gruppe von Menschen, deren Interesse niemals dem öffentlichen Wohl genau entspricht, und in der Regel vielmehr daran interessiert sind, die Allgemeinheit zu täuschen, ja sogar zu missbrauchen.’
Die schnelle und anhaltende Umgestaltung der wirtschaftlichen und sozialen Verhältnisse, die mit dem Ende des 18ten Jahrhunderts einsetzte, wird gemeinhin als industrielle Revolution bezeichnet. In dieser Zeit ist das oben genannte Buch von Adam Smith (*1723, †1790) entstanden.
Smith schreibt in seinen Untersuchungen über die Ursachen und Gründe des Wohlstands der Nationen. Er kommt zu dem Schluss, dass die kapitalistische Wirtschaftsordnung die beste aller möglichen Gesell-schaftsordnungen sei. Durch sie werden die Gesellschaften zu einem Wohlstand geführt, an dem alle teilhaben könnten. Als Hauptmotor sieht er dabei die Konkurrenz jedes einzelnen gegen jeden einzelnen an, wobei sich nach seiner Theorie die Kräfte über den Markt - also Angebot und Nachfrage - regeln werden.
Mit der industriellen Revolution war ein dramatischer gesellschaftlicher Umschwung verbunden. Die Verarmung von ganzen Berufsgruppenman denke an die Weberaufstände oder die allgemeine Landflucht - war die Folge. Denn durch die - vor dieser Zeit nicht gegebene - Nutzung
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und Anhäufung von Maschinen als Produktionsmittel entstand die Möglichkeit, das, was früher in Handarbeit herzustellen war, jetzt in wesentlich kürzerer Zeit und größerer Stückzahl durch Maschinen produzieren zu lassen.
Damit wurde das Entstehen einer Klassengesellschaft vorangetrieben. Die Besitzer der Produktionsstätten waren die kapitalistischen Unternehmer und nur sie konnten über den Mehrwert, der von den Arbeitern an den Anlagen erzeugt wurde, Profite anhäufen. Im Gegensatz zu den meisten der auf ihn folgenden Ökonomen erkannte Smith jedoch, dass durchaus die Gefahr von inhumanen Auswirkungen in der entstehenden neuen Welt der Arbeitsteilung gegeben war. Davor warnte er auch ausdrücklich und er forderte einen starken Staat, der mit Regierungsmaßnahmen die Macht des Marktes, die zerstörerisch sein könne, flankieren und eingrenzen soll, um Ungerechtigkeiten abzuwehren und auszugleichen. Von seinen Nachfolgern wurden jedoch überwiegend die sozialen Elemente aus seinen gesellschaftlichen Überlegungen eliminiert, weil die Ökonomen meinten erkannt zu haben, dass in einer Marktwirtschaft, die nur freie Märkte kenne, es auch keine Krisen, wie z.B. Arbeitslosigkeit, geben werde.
Als Begründung diente einmal mehr die freie Preisfindung über den Markt durch Angebot und Nachfrage. Es wurde dabei unterstellt, dass jedes Gerät, jede Anlage und jede Arbeitskraft voll und ganz genutzt werde. Als Folge wurde angenommen, es ginge jedem maximal gut. Das Versprechen dieser als klassischer Liberalismus bezeichneten Ökonomie war also optimaler Wohlstand in Verbindung mit maximaler Freiheit für jeden einzelnen. Das die Realität gerade im 19ten Jahrhundert und bis heute anders aussieht, wurde komplett ignoriert, ja negiert. Doch erst nach dem Ende der 20er Jahre des vorigen Jahrhunderts mit der großen Krisen wie die Inflation 1923/24 und der Weltwirtschaftskrise und dem Zusammenbruch der Märkte und dem Börsencrash 1929 setzte ein Umdenken ein. Denn nun war offensichtlich, dass der Markt und seine Gesetze nicht das hatten halten können, was sie versprochen hatten und wie sie eingeschätzt worden waren.
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b) Die Entstehung und Definition des Begriffs Neoliberalismus im Jahre 1938
Es dauerte aber immer noch fast zehn Jahre, bis in den August 1938, damit sich führende Wirtschafts- und Gesellschaftswissenschaftler in Paris zusammensetzten, die der bestehenden Wirtschaftsordnung eine neue Basis geben wollten.
(So steht es richtigerweise in den Büchern. Wie aber kann ein System funktionieren, bei dem die Vorgaben von oben gegeben werden? Warum haben niemals die betroffenen Menschen die Möglichkeit, sich zu äußern, sich festzulegen und zu bestimmen was sie wollen? Ganz einfache Antwort: Das System sieht ein Mitreden und Mitbestimmen von unten nicht vor)
Als Schuldigen für das Chaos und die Verarmung in der Welt erkannten die Gelehrten die aktuelle Wirtschaftsordnung. Unter den Wissenschaftlern war auch der spätere österreichische Nobelpreisträger von Hayek, der nach dem 2. Weltkrieg als Mitstreiter von Milton Friedman zu nennen ist, was er gerne in den Regierungsjahren von Margaret Thatcher unter Beweis stellte. Die Wissenschaftler warfen dem klassischen Liberalismus vor, dass er die soziale Frage vollkommen vernachlässigt habe - was lange vor ihrer Zeit durchaus schon von Adam Smith angemahnt worden war - und sahen aktuell eine Wirtschaft, in der die Marktkräfte unreguliert wirken können. Sie argumentierten konträr, dies gefährde den Wettbewerb, fördere die Bildung von Monopolen und von Kartellen, wie etwa in Nazi-Deutschland. Es war Alexander Rüstow, der dann den Begriff des Neoliberalismus mit dem Satz prägte: ‚der neue Liberalismus, (…) fordert einen starken Staat, einen Staat oberhalb der Wirtschaft, oberhalb der Interessenten, da, wo er hingehört.’ Der Staat wurde also bei dieser Versammlung durchaus als Oberinstanz gesehen und gefordert.
Diese Beschreibung der Staatsaufgaben und die Definition des neolibreralen Begriffs aus damaliger Sicht ist eine völlig andere als die heutige, die von den Vorstellungen des Milton Friedman geprägt ist. Das werden wir später sehen.
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Arbeit zitieren:
Ulrich Spangenberger, 2010, Neoliberalismus oder Neue Freiheit für Konzerne, München, GRIN Verlag GmbH
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