Inhalt
Einleitung
1 Das Sportartenkonzept - ein abstrakter Begriff
1.1 Das technokratische Sportartenkonzept -
eine Fehlinterpretation
1.2 Möglichkeit zur Strukturierung der Schulsportinhalte
1.3 Gütekriterien für Schulsportarten
2 Das pure Sportartenkonzept -
eine strenge Interpretation
3 Das Potenzial zur Legitimation des Schulsports
Zusammenfassung
Literatur
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Einleitung
Das Sportartenkonzept - wenn man diesen Begriff zum ersten Mal ließt, könnte man vermuten, es handle sich um ein sauber definiertes Sportdidaktisches Konzept. Doch wäre dies ein voreiliger Schluss. Man muss sich zunächst einmal vergegenwärtigen, „... dass das so angesprochene Sportartenkonzept kein theoretisch begründetes, möglicherweise auf einen bestimmten Autor oder eine Autorengruppe zurückgehendes Modell darstellt, sondern das Produkt einer historischen Entwicklung ist.“ (SÖLL, 2005, S.28)
Wie W. SÖLL hier bemerkt, ist das, was wir heute unter dem Sportartenkonzept in der Sportdidaktik verstehen, ein Ergebnis des historischen Prozesses der Entwicklung der Schulsportdidaktik in Deutschland. Nur unter Berücksichtigung dieser geschichtlichen Genese des Konzeptes kann man eine saubere Begriffsklärung vornehmen. Die Anfänge des Sportartenkonzeptes sind sicherlich in den 20er und 30er Jahren des 20. 1 mit seinen Ordnungsübungen durch Jahrhunderts zu suchen, als das Schulturnen nach SPIEß die Leibeserziehung abgelöst wurde. Diese Entwicklung wurde forciert durch die Olympischen Spiele 1928 in Amsterdam, 1932 in Los Angeles und 1936 in Berlin, welche für ein stetig steigendes Interesse der deutschen Bevölkerung an den olympischen Sportarten sorgte. Damit gelang dem internationalen Sport mit seinen Disziplingruppen der Durchbruch in Deutschland. Dieser Entwicklung mussten auch die Lehrpläne Rechnung tragen, so war der reicheinheitliche Lehrplan von 1937 eindeutig in Sportarten gegliedert. Dabei handelte es sich um Leichtathletik, Gerätturnen und Schwimmen als Sportarten im modernen Sinn und auch die Spielsportarten wie Fußball und Handball fanden als solche ihren Platz im Lehrplan. In der Nachkriegszeit knüpfte man an diese Entwicklung nahtlos an, beispielhaft dafür stehen die Bundesjugendspiele oder Jugend trainiert für Olympia. Dass man in dieser Zeit auch im Schulsport soviel Wert auf die Förderung der olympischen Sportarten legte, resultierte aus dem direkten ideologischen Konkurrenzkampf der BRD mit der DDR. Der Schulsport in der DDR war der verlängerte Arm des staatlich organisierten Vereinssports, dessen Ziel es war, Sportler hervor zubringen, welche möglichst viele olympische Medaillen erringen sollten. Diese Entwicklung führte zu einem technokratischen Sportartenkonzept, ein Modell, auf das später noch einmal eingegangen werden soll. Auch in der BRD erlangten die Fachverbände immer größeren Einfluss auf die Schulsportdidaktik. Als Folge der technischen
1 SPIEß, Adolf (1810 - 1858) deutscher Sportpädagoge, gilt als Begründer des deutschen Schulsports.
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Entwicklungen kam es zu einem immanenten Anstieg der Schulsportinhalte. So umfasst der traditionelle Kanon der Schulsportarten seit den 70er Jahren Gerätturnen, Gymnastik/ Tanz, Leichtathletik, Schwimmen, Basketball, Fußball, Handball und Volleyball. Mit der steigenden Zahl der Inhalte verkürzte sich natürlich auch die Unterrichtszeit, die für die einzelnen Sportarten zur Verfügung stand. Dadurch kam es zum Ausbleiben der Entwicklung körperlicher Voraussetzungen und somit auch zum Ausbleiben der erhofften Leistungen. Diesem Leistungsschwund der Schüler wollte man entgegenwirken, indem in den Lehrplänen eine große Zahl weiterer Sportarten zur Wahl gestellt wurde. Das jüngste Produkt dieser Entwicklung ist die Aufnahme des Fitnesssports in die Lehrpläne im Bereich Fitness und Gesundheit. (vgl. Thüringer Lehrplan, 1999)
Angesichts dieser historischen Genese stellt sich für die moderne Schulsportdidaktik die Frage, ob das Sportartenkonzept eine reine Sammlung der Sportarten ist zum besseren Verwalten dieser im Sportunterricht? Wenn dem so ist, sind die Sportarten im Schulsportkanon dann beliebig austauschbar? Oder vermag das Sportartenkonzept mehr zu leisten als die bloße Ordnung der Schulsportinhalte?
Diesen Fragen soll im Folgenden, nachgegangen werden, ohne den Anspruch zu vermitteln die Diskussion mit diesem Beitrag hinreichend abzuschließen. Vielmehr sollen ausgewählte Aspekte vorgestellt werden und einige Impulse für die weiter führende Auseinandersetzung mit dem Thema gegeben werden.
1 Das Sportartenkonzept - ein abstrakter Begriff
Um die eingangs gestellten Fragen zu beantworten, wenden wir uns erneut einem Versuch der Begriffsklärung des Sportartenkonzeptes zu und behalten dabei die historische Genese im Hinterkopf.
Das Sportartenkonzept kann zum einen definiert werden durch die Abgrenzung zur Leibeserziehung der 60er Jahre, einem didaktischen Konzept, das man heute unter dem Begriff Bewegungspädagogik wieder findet. In diesem Sinne kann man das Sportartenkonzept als einen Rückzug auf die Kerninhalte des Sports also die Sportarten verstehen. Damit wird man dem Konzept aber nicht ganz gerecht, wenn man es bloß an der Reduzierung der pädagogischen Ansprüche fest macht. (vgl. KURZ, 1990)
Daher ist es besser, sich dem Sportartenkonzept über dem Begriff des Sports selbst zu nähern. Der Begriff des Sports ist sehr abstrakt und entzieht sich leider auch einer allgemein
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Arbeit zitieren:
Matthias Müller, 2009, Didaktische Konzepte: Das Sportartenkonzept, München, GRIN Verlag GmbH
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DOI
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