Hugo von Hofmannsthal
Inhaltsübersicht
1. Lebensdaten
2. Schaffensphasen
3. Typische Stoffe und Themen
3.1. Ästhetizismus und das Vulgäre
(„Tod des Tizian“, „Das Märchen der 672. Nacht“, „Reitergeschichte“)
3.2. Ästhetizismus und Narrenthematik
(„Der Tor und der Tod“, „Jedermann“)
3.3. Sprachskepsis/Sprachkrise - der Chandos-Brief
3.4. Die Entdeckung der Tiefenpsychologie
(„Jedermann“, „Das Bergwerk zu Falun“, „Elektra“, „Ödipus und Sphinx“)
4. Epochenkontext
4.1. Hofmannsthal - Deserteur der Moderne?
(„Der Turm“, „Das Schrifttum als geistiger Raum der Nation“, „Der Dichter und seine Zeit“)
4.2. Der Kunstbegriff des Impressionismus im Vergleich zu dem des Naturalismus
5. Wertung
Literatur
1. Lebensdaten
- Hofmannsthal (Pseudonyme: Loris, Loris Melikow, Theophil Morren) wurde am 1. Februar 1874 in Wien geboren und starb am 15. Juli 1929 in Rodaun.
- einziges Kind eines Bankdirektors; jüdische Großmutter. Sein Urgroßvater, Repräsentant der israelitischen Gemeinde Wiens, war geadelt worden. Wien hatte hohen jüdischen Bevölkerungsanteil, 1914 9 Prozent, der von hoher kulturgeschichtlicher Bedeutung war.
- 1892 - 1894 Jurastudium 1895 Militärdienst
ab 1895 Romanistikstudium, promoviert mit seiner Arbeit „Sprachgebrauch bei den Dichtern der Plejade“. Geplant: Habilitation mit Arbeit über Victor Hugo
- 1901 Heirat mit der Bankierstochter Gertrud Schlesinger
- Niederlassung als freier Schriftsteller in Rodaun, Rokoko-Anwesen, 3 Kinder
- 1914 Teilnahme am 1. WK als Reserveoffizier in Istrien, dann im Kriegsarchiv und Pressehauptquartier, 1916 pol. Missionen in die Schweiz u. nach Skandinavien, selbstinitiierte patriotische Propagandatätigkeit
- 1929 stirbt H. beim Aufbruch zum Begräbnis seines Sohnes, der drei Tage zuvor Selbstmord begangen hatte.
Liberaler Katholik, allerdings (geheimes) Mitglied des Franziskanerordens; er bestimmte auch testamentarisch, daß er in der Kleidung des 3. Ordens der Franziskaner begraben werden wollte, was allerdings auch als „modisch“ galt.
2. Schaffensphasen
1. Erste Gedichte (ab 16 Jahren)
„Vorfrühling“ (1892)
„Ballade des äußeren Lebens“ (1895) „Terzinen“ „Manche freilich ...“ (1896) „Lebenslied“ (1896) „Der Jüngling und die Spinne“ (1897)
Sein späteres dichterisches Schaffen wurde stets an der Jugenddichtung gemessen. H. sah sich selbst historisch, schmiß ab 16 keine Zeile von sich mehr weg (wie Goethe an 1775 Schublade hatte: „Wäre zu vernichten“).
1891 Zusammentreffen mit Stefan George. In dessen „Blättern für die Kunst“ erschienen H.s Frühwerke. Entfremdung, v. a. wg. H.s Wendung zur naturalistisch orientierten Theaterpraxis.
2. Lyrische Dramen
„Gestern“ (1891)
„Der Tod des Tizian“ (1892) „Der Tor und der Tod“ (1893) „Das kleine Welttheater“ (1897)
„Der weiße Fächer“ (1897) „Die Frau im Fenster“ (1898) „Der Kaiser und die Hexe“ (1897) „Der Abenteuerer und die Sängerin“ (1899) „Die Hochzeit der Sobeide“ (1899)
3. Essay „Brief des Lord Chandos an Francis Bacon“
4. Dramen
„Bergwerk zu Falun“ (1899)
„Elektra“ (1903) „Das gerettete Venedig“ (1904) „Ödipus und Sphinx“ (1906) „Jedermann“ (1911) „Das Salzburger große Welttheater“ (1922)
5. Novellen
„Das Märchen der 672. Nacht“ (1895)
„Reitergeschichte“ (1899)
„Das Erlebnis des Marschalls von Bassompierre“ (1900) „Prinz Eugen, der edle Ritter“ (1915) „Die Frau ohne Schatten“ (1919, s.u. Librettos)
„Andreas oder die Vereinigten“ (Plan eines österr. Bildungsromans, nur zu 1/3 zu Ende geführt, wie H. überhaupt viel anfing und nicht alles vollendete)
6. Librettos
„Elektra“ (s. o.)
„Der Rosenkavalier“ (1911) „Ariadne auf Naxos“ (1912) „Josephslegende“ (1914) „Die Frau ohne Schatten“ (1919) „Die ägyptische Helena“ (1928) „Arabella“ (1933)
Zusammenarbeit mit Richard Strauss, Max Reinhardt, Alfred Roller, Graf Kessler. Verhältnis von Text und Musik charakterisiert H. mit „Hand und Handschuh“.
7. Komödien/Lustspiele
„Christinas Heimreise“ (1910)
„Der Schwierige“ (1921) „Der Unbestechliche“ (1923)
8. Politische Dramen „Der Turm“ (1925)
9. Verschiedene Essays/Vorträge
„Der Dichter und diese Zeit“ (1906) „Die Idee Europa“ (1917) „Das Schrifttum als geistiger Raum der Nation“
10. Anthologien:
„Deutsches Lesebuch“
„Wert und Ehre deutscher Sprache“
11. (Mit)Hrsg. von Zeitschriften: Mitarbeit an Georges „Blättern für die Kunst“ „Der Morgen“ „Österreichische Bibliothek“ „Neue deutsche Beiträge“
12. Mitbegründer der Salzburger Festspiele (seit 1920)
„Jedermann“ (s.o.)
„Das Salzburger große Welttheater“ (s. o.)
kulturpädagogische Absicht, Kultur für „jedermann“. H. wie Reinhardt wollten eigentlich kein Eintrittsgeld nehmen.
3. Typische Stoffe und Themen
3.1. Ästhetizismus und das Vulgäre
- Ästhetizismus ganz deutlich im „Tod des Tizian“ umgesetzt.
Der Meister liegt im Sterben und die Schüler graut es vor der Zeit ohne ihren Meister, der sie erst habe sehen gelehrt.
Der Schöhnheitskult läßt das „gemeine“ Leben unbeachtet und verachtet es. Die Stadt unten wird verachtet. Tizianello sagt: „Das wird man drunten nicht verstehen.“ Der Meister habe extra einen Zaum errichten lassen.
Gianino glaubt, er werde fortan immer den Tod vor Augen haben: „Lavinia, wir gehen solchen Weg!“ Lavinia: „Grüße du das Leben.“
Problematisiert Hofmannsthal hier schon das Ästheten-Dasein (so Viktor Zmegac)? Zwei Jahre zuvor hatte er zu den Arbeiterfeiern anläßlich des 1. Mai 1890 16jährig geschrieben: „Tobt der Pöbel in den Gassen, ei, mein Kind, so laß ihn schrei’n. / Denn sein Lieben und sein Hassen ist verächtlich und gemein! / Während sie uns Zeit noch lassen, wollen wir uns Schönerm weih’n“.
Klingt nicht auch sein Gedicht „Manche freilich müssen drunten sterben“ von 1896 recht fatalistisch?
Aber das Soziale geriet in sein Blickfeld, als H. mit schmutzigen galizischen Garnisonsstädten konfrontiert wurde. H. fühlt zudem stets eine kulturpolitische Verantwortung (Theater für jedermann) und wird zeitweise auch politisch aktiv.
- In „Das Märchen der 672. Nacht“ wird die Problematik des Ästhetizismus schon deutlicher.
Arbeit zitieren:
Marcel Haldenwang, 2003, Hugo von Hofmannsthal, München, GRIN Verlag GmbH
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