Inhaltsverzeichnis:
1. Einleitung Seite 3
2. Was ist überhaupt „Solidarität?“ Seite 4
3. Die Anerkennungstheorie von Axel Honneth Seite 7
4. Kann im Internet Solidarität entstehen? Seite 9
5. Inwieweit trifft die Anerkennungstheorie von Axel Honneth
auf das Verhalten der Menschen im Internet zu? Seite 13
6. Schlussbetrachtung Seite 14
7. Apparat Seite 16
8. Literaturverzeichnis Seite 19
1. Einleitung:
Mit dieser Hausarbeit versuche ich, der Frage nachzugehen, ob im Internet so etwas wie Solidarität entstehen kann.
Ich möchte mich mit dieser Frage beschäftigen, weil ich durch die Lektüre der ersten Texte aus dem Seminar-Reader zum ersten Mal etwas Genaueres über die verschiedenen Gemeinschaften im Internet (z.B. Usenet, MUDs, Mailinglisten, Chatgroups und Foren) erfahren habe und sich für mich die Frage gestellt hat, ob diese Menschen, die nur über den Computer kommunizieren, in Notsituationen wirklich füreinander da sind und man die Freunde im Netz wirklich mit den Freunden im realen Leben vergleichen kann. Wenn ich die Frage: „Kann es im Internet so etwas wie Solidarität geben?“ einigen Kommilitonen gestellt habe, kam vom größten Teil die klare Antwort: „Nein!“. Die Begründung dazu fand sich meistens schnell in der Erklärung, dass im Internet totale Anonymität herrscht und zum Beispiel beim Chatten niemand so richtig weiß, ob der Gesprächspartner wirklich der ist, für den er sich ausgibt. Viele hatten zwar Bekanntschaften in Chatgroups oder per E-Mail, aber am wichtigsten waren ihnen die realen Freunde. Somit konnten sie sich nicht vorstellen, dass im Internet Solidarität entstehen kann, denn die hat man ihrer Meinung nach nur mit Menschen, deren wahre Identität man kennt, denen man in der Regel schon gegenübergestanden hat oder sich zumindest ihrer Existenz sicher ist.
Einige meiner Kommilitonen beantworteten die Frage aber auch mit „Ja!“ allerdings mit einer gewissen Nachdenklichkeit. Ihre besten Freunde haben sie im Internet (z.B. per Chat kennen gelernt) und können mit ihnen über alle Probleme reden und Hilfe erhalten. Sie mussten aber einräumen, dass sie den Wunsch haben, die Chat-Freunde auch im realen Leben kennen zu lernen und
so richtig tiefe Freundschaft auch wirklich nur mit denen haben, die sie schon mal offline getroffen hatten.
Ich werde erst eine allgemeine Definition des Begriffs „Solidarität“ mit Hilfe des Buches „Solidarität, Anerkennung und Gemeinschaft“ von Markus Daniel Zürcher angeben und dann aus demselben Buch die Anerkennungstheorie von Axel Honneth näher erläutern. 1
Dann werde ich versuchen, mit Hilfe wissenschaftlicher Untersuchungen von Elizabeth Reid-Steere, Bettina Heintz, Nicola Döring und Alexander Schestag und der am Anfang erläuterten Anerkennungstheorie von Axel Honneth der Frage genauer auf den Grund zu gehen und vielleicht eine mögliche Antwort zu finden, ob denn nun echte Solidarität im Internet entstehen kann oder nicht.
2. Was ist überhaupt „Solidarität“?
„Solidarität (lat.-fr.), die: Zusammengehörigkeitsgefühl, Gemeinsinn“ 2
Markus Daniel Zürcher beschreibt in seinem Buch „Solidarität, Anerkennung und Gemeinschaft - Zur Phänomenologie, Theorie und Kritik der Solidarität“ mehrere Thesen über „Solidarität“ von Theoretikern aus unterschiedlichen Fachgebieten wie der Theologie, der Ethik, der Soziologie und der Politik, von den klassischen Theorien Kants, Marxs oder Hegels bis zu modernen Theorien der Sozialphilosophie von Rawls, Habermas oder Honneth. Er versucht aber auch durch das gesamte Buch hindurch eine genauere Definition des Begriffs zu erstellen.
Allgemein kann man sagen, dass der Begriff „Solidarität“ seine Ursprünge als „solidarité“ in der französischen Philosophie hat und ein Gefühl der Zusammengehörigkeit der Menschen untereinander beschreibt. 3 Solidarität bedeutet wechselseitige Verantwortlichkeit, Verbundenheit und Verpflichtung der einzelnen Individuen füreinander. 4 Dabei wird von den einzelnen Mitgliedern der Gemeinschaft Engagement gefordert, um ein gemeinsames Ziel zu erreichen 5 , wobei das Individuum sich aber nicht radikal der Gemeinschaft unterordnen sollte, sondern selbständiges Subjekt bleiben muss. 6
Es bedeutet also nicht Selbstaufgabe, sondern einfach ein Prinzip der persönlichen Moral und des Zusammenlebens der Menschen untereinander. 7 Wenn man allerdings unsolidarisch ist, wird das als Zeichen von „rohem Egoismus“ 8 gedeutet und hat die Bedeutung einer Verabschiedung aus der Gemeinschaft. Man zieht sich aus der Verantwortung, 9 der Verantwortung als Mitglied einer sozialen Gemeinschaft, die Menschen auf Grund ihrer gemeinsamen Geschichte und Tradition haben und die ihnen auch effektiv zu Nutzen kommt, zum Beispiel wenn sie sich ihre Arbeit teilen. 10 Solidarität ist „eine aus eigener Überzeugung der Menschen resultierende Einsicht, aufeinander angewiesen zu sein.“ 11 , Menschen stehen also in einer wechselseitigen Abhängigkeit zueinander, und das wird besonders unter Arbeitern deutlich. Sie bilden zum Beispiel Gemeinschaften in Gewerkschaften und setzen sich als Einheit für soziale Gerechtigkeit und ihre gemeinsamen Interessen ein. 12
Solidarität ist also nicht nur ein moralisches, sondern auch ein politisches Prinzip und in der heutigen Zeit als wichtigster Grundsatz neben Freiheit und Gleichheit die Grundlage eines jeden demokratischen Staates: „Die Grundlagen des Staates bilden Solidarität (die Vereinigung der Bürger), Freiheit und Gerechtigkeit.“ 13 .
Außerdem ist das Prinzip der Solidarität auch in den Grundsatzprogrammen der sozialdemokratischen Parteien verankert:
„‚Solidarität’ findet sich in jüngster Zeit neben ‚Freiheit’ und ‚Gleichheit’ auch als Grundwert in Grundsatzprogrammen sozialdemokratischer Parteien.“ 14 .
Allerdings macht sich durch verschärften wirtschaftlichen und sozialen Konkurrenzkampf in der heutigen Gesellschaft ein Solidaritätszerfall und somit Mangel an sozialem Zusammenhalt bemerkbar. 15 Es gibt aber auch Zeichen für Solidarität in der heutigen Gesellschaft, wie zum Beispiel die Wiedervereinigung Deutschlands, das gesamte Gesundheitswesen (z.B. Krankenversicherungen) und Sozialversicherungen. 16 Solidarität hat nur ein Grundproblem: man kann nur mit Menschen solidarisch sein, mit denen man gemeinsame Interessen verfolgt. Wenn andere diese Interessen nicht teilen, werden sie von der solidarischen Gemeinschaft außen vor gelassen. Somit entsteht eine Art von Ausgrenzung: „Solidarisch kann man nur mit Menschen sein, mit denen man auf eine bestimmte Weise, insbesondere durch gemeinsame Interessen oder aufgrund gesellschaftlicher Kooperation verbunden ist.“. 17 Man kann sagen, dass Solidarität unter beliebig vielen Menschen entstehen kann 18 , die erkennen, dass man zum Beispiel ein gestecktes Ziel nicht allein erreichen kann und als Teil einer Gemeinschaft für die Anderen da sein sollte, weil man ihre Hilfe vielleicht ja auch einmal beanspruchen muss: „Aus diesem Bewusstsein gegenseitiger Verbundenheit entsteht die Bereitschaft, füreinander einzustehen und einander zu achten.“. 19 Ob man mit Jemandem solidarisch ist, bestimmt sich nicht durch Sympathien oder persönliche Eigenschaften, sondern durch gemeinsame Interessen und der Einsicht, als Gemeinschaft der Menschen füreinander wechselseitige Verantwortung und Verpflichtungen zu haben:
Arbeit zitieren:
Cornelia Berndt, 2002, Die Anerkennungstheorie von Axel Honneth und die Frage: Gibt es Solidarität im Internet, München, GRIN Verlag GmbH
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