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Ordoliberalismus und Soziale Marktwirtschaft
- INHALTSVERZEICHNIS -
A. Einleitung 1
B. Ordoliberalismus 2
I. Entstehungsgeschichte und Grundlagen des Ordoliberalismus 2
II. Vertreter des Ordoliberalismus 4
III. Charakteristika der ordoliberalen Wirtschaft 7
C. Soziale Marktwirtschaft 11
I. Entstehungsgeschichte und Grundlagen der Sozialen Marktwirtschaft 11
II. Vertreter der Sozialen Marktwirtschaft 13
III. Charakteristika der Sozialen Marktwirtschaft 15
D. Resümee 17
E. Literaturverzeichnis 20
Monika Goerke WiSe 2002/2003
Seminar „Geschichte des ökonomischen Denkens“,
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Ordoliberalismus und Soziale Marktwirtschaft
A. Einleitung
Die nachfolgende Untersuchung beschäftigt sich mit den Grundgedanken des Ordoliberalismus und der Sozialen Marktwirtschaft.
Beide Ideen stellen eine Alternative zum klassischen Liberalismus dar. Seine wirtschaftliche Ausgestaltung, der Kapitalismus, kennzeichnet sich insbesondere durch das Prinzip des „Laissez faire“ - also durch die Ablehnung staatlichen Eingreifens in das Wirtschaftsgeschehen. Die Wirtschaftskrise in den zwanziger und dreißiger Jahren des 20. Jahrhunderts führte in der Wissenschaft dazu, diese Methode zu überdenken. In Deutschland entwickelte sich daraus eine ökonomische Richtung, die den Kapitalismus als Wirtschaftsform kritisierte. Gleichzeitig nahm sie aber auch Abstand von den Ideen des Sozialismus und der Planwirtschaft, die in der Krisenzeit großen Anklang in der Gesellschaft fanden. Die Vertreter dieser wirtschaftswissenschaftlichen Schule wurden später als Ordoliberale bezeichnet. Sie vertraten die Überzeugung, dass wirtschaftliche Freiheit eine konsequente Ordnung braucht, um sich positiv auf eine Gesellschaft auswirken zu können 1 .
Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs und der Befreiung von der nationalsozialistischen Diktatur, musste Deutschland politisch und wirtschaftlich neu geordnet werden. Die weit verbreitete Angst, das Land könne zwischen den Siegermächten und ihren gegensätzlichen Gesellschaftssystemen zerrissen werden, ließ die politisch Verantwortlichen nach Alternativen suchen 2 . Der sog. „Dritte Weg“ sollte von der Zentralverwaltungswirtschaft und der reinen Marktwirtschaft gleich weit entfernt sein. Die Bevölkerung, die unmittelbar nach Kriegsende eine sozialistische Wirtschaftsform für Deutschland bevorzugt hätte, empfand die vorherrschende staatliche Bewirtschaftung bereits 1948 als Zwang. Diese Meinungsänderung und die amerikanische Besatzungspolitik kamen den liberalen Kräften und ihren Ordnungsvorstellungen zugute. 3 Der Wunsch nach einer zwar freien, aber nicht rein kapitalistischen Wirtschaft erlaubte die Einführung einer Wirtschaftsform, die unter dem Schlagwort „Soziale Marktwirtschaft“ bekannt wurde.
1 Blum, Reinhard: Soziale Marktwirtschaft. Wirtschaftspolitik zwischen Neoliberalismus und Ordoliberalismus, Tübingen 1969, S. 47 - S. 49
2 Blum, Reinhard: Soziale Marktwirtschaft, in: Woll, Artur (Hrsg.): Wirtschaftslexikon, München et al. 8 1996, S. 623
3 Haselbach, Dieter: Autoritärer Liberalismus und Soziale Marktwirtschaft. Gesellschaft und Politik im Ordoliberalismus, Baden-Baden 1991, S. 156 Monika Goerke WiSe 2002/2003
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Ordoliberalismus und Soziale Marktwirtschaft
Ihren Vertretern ging es insbesondere darum, im wirtschaftlichen Liberalismus das Bedürfnis nach sozialer Sicherheit und stabiler Wirtschaftslage zu realisieren. Dabei rückten auch die Überlegungen des Ordoliberalismus ins Blickfeld. Oftmals wird die Soziale Marktwirtschaft daher auch als Anwendung der ordoliberalen Theorie in der wirtschaftlichen Praxis charakterisiert.
Um eine Beurteilung dieser Aussage zu ermöglichen, wird dem Leser in Kapitel B zunächst die ökonomische Schule des Ordoliberalismus nähergebracht. Dabei wird auf die Entstehungsgeschichte der Theorie eingegangen, bevor die bekanntesten Vertreter der Schule kurz vorgestellt werden. Anschließend erhält der Leser einen Einblick in die Konzeptionen des Ordoliberalismus. Kapitel C widmet sich entsprechend der Sozialen Marktwirtschaft. Vorab wird dem Leser, ebenso wie in Kapitel C, ein Überblick über die Entstehung des Konzepts gegeben. Danach werden die prominentesten Anhänger der Sozialen Marktwirtschaft biographisch porträtiert. Das Kapitel schließt mit den charakteristischen Prinzipien der Sozialen Marktwirtschaft ab. Kapitel D fasst die Ergebnisse der vorliegenden Seminararbeit zusammen.
B. Ordoliberalismus
Das folgende Kapitel gibt einen Einblick in die wirtschaftswissenschaftliche Gedankenwelt des Ordoliberalismus, der eine spezifisch deutsche Bewegung innerhalb des Neoliberalismus ist 4 . Dazu sollen seine Entstehungsgeschichte, die bekanntesten Vertreter sowie die grundlegenden Konzeptionen untersucht werden.
I. Entstehungsgeschichte und Grundlagen des Ordoliberalismus
Unter Ordoliberalismus versteht man die gesellschafts-, also nicht nur wirtschaftswissenschaftliche Theorie einer Schule, die seit 1948 das Jahrbuch „Ordo“ publiziert. Der Begriff Ordoliberalismus für die Bewegung etablierte sich in Anlehnung an den Titel dieses Werks zu Beginn der fünfziger Jahre des 20. Jahrhunderts. Vielfach werden die Kerngedanken, die den Ordoliberalismus kennzeichnen, auch als „Sozialliberalismus“, manchmal subsumierend als „Neoliberalismus“ bezeichnet. 5 Das charakterisierende Wesen dieser Strömung innerhalb der Nationalökonomie lässt sich anhand der Begriffsgebung verdeutlichen:
4 Starbatty, Joachim: Ordoliberalismus, in: Issing, Ottmar (Hrsg.): Geschichte der Nationalökonomie, München 4 2002, S. 251
5 Haselbach (Autoritärer Liberalismus, 1991), S. 13 Monika Goerke WiSe 2002/2003
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So steht, ganz in Anlehnung an das klassische liberale Gedankengut des 18. und 19. Jahrhunderts die Freiheit des einzelnen im Vordergrund der Überlegungen 6 . Bezogen auf den ökonomischen Bereich soll das Individuum nach wie vor den alltäglichen Wirtschaftsprozess nach eigenem Ermessen gestalten. Diese Freiheit findet dann aber ihre Grenzen in der Struktur der Wirtschaftsordnung. 7 Die Formen des Wirtschaftens sind innerhalb eines vorgegebenen, starren Rahmens festzulegen. Diese festgefügte Ordnung, die lateinisch als „ordo“ bezeichnet wird, erhält einen doppelten Sinn: Sie stellt zum einen die Gesamtheit der Formen dar, in denen der Wirtschaftsprozess abläuft. Gleichzeitig ist diese Ordnung das natürliche Prinzip, das dem Wesen des Menschen und jeglichen Dingen zugrunde liegt. Sie ist durch die Tendenz zum Gleichgewicht gekennzeichnet. 8
Die Ideen des Ordoliberalismus entstanden in der Sorge um die Bewältigung der Weltwirtschaftskrise in Deutschland in den ausgehenden 20er Jahren des 20. Jahrhunderts. Die ökonomische Depression wirkte auf die ordoliberalen Gelehrten mehr noch als der Nationalsozialismus wie ein traumatisches Erlebnis. Hinzu kam die gravierende Erfahrung der wirtschaftlichen und politischen Instabilität des Weimarer Systems. Insbesondere der zunehmende Einfluss von Interessenverbänden in der ersten deutschen Republik wurde kritisiert. Durch ihre Macht verlor der Staat seine Autorität und wurde zu einer Vielzahl von Interventionen gezwungen, die für die Gesamtwirtschaft negativ wirkten 9 . Nach Auffassung der Ordoliberalen war es dabei einer der größten Fehler des klassischen Liberalismus, die freie Marktwirtschaft nicht mit rechtlichen und institutionellen Bedingungen auszustatten, die das verhinderten. 10 Die Konzepte, mit denen die Ordoliberalen die wirtschafts- und verfassungspolitische Situation nach 1945 neu zu gestalten versuchten, sind von diesen Erlebnissen geprägt. Ihre theoretischen und politischen Vorstellungen richteten sie ganz darauf aus, eine krisenhafte gesellschaftliche Entwicklung wie in der Weimarer Republik für die Zukunft unmöglich zu machen. 11
6 Heinemann; Andreas: Die Freiburger Schule und ihre geistigen Wurzeln, München 1989, S. 18
7 Heinemann (Freiburger Schule, 1989), S. 21
8 Eucken, Walter: Grundzüge der Wirtschaftspolitik, Tübingen 5 1975, S. 372
9 Eucken (Wirtschaftspolitik, 5 1975), S. 54
10 Dürr, Ernst Wolfram: Wesen und Ziele des Ordoliberalismus, Winterthur 1954, S. 63
11 Haselbach (Autoritärer Liberalismus, 1991), S. 17 Monika Goerke WiSe 2002/2003
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Monika Goerke, 2003, Ordoliberalismus und Soziale Marktwirtschaft, München, GRIN Verlag GmbH
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