Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung 1
2 Das „Vier-Ohren-Modell“ 2
2.1 Die vier Seiten einer Nachricht 2
2.2 Die vier Verständnismöglichkeiten des Empfängers 4
3 Die Anwendung des „Vier-Ohren-Modells“ im Schulalltag 6
3.1 Kommunikationssituationen im Schulalltag 7
3.2 Lehrer-Schüler Kommunikation (Fallbeispiel) 7
4 Schlussbetrachtung 12
5 Literaturverzeichnis 15
1
1 Einleitung
Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit dem „Vier-Ohren-Modell“ von Schulz von Thun 1 und der Anwendbarkeit des Modells im Bereich der Schule. Zunächst wird das Modell von Schulz von Thun erläutert. In einem weiteren Kapitel sollen dann anhand eines Fallbeispiels aus dem Bereich der Lehrer-Schüler-Kommunikation mithilfe der Theorie von Friedemann Schulz von Thun Kommunikationsstörungen bewusst gemacht werden und Verbesse-rungsvorschläge diskutiert werden. In diesem Zusammenhang soll die Frage beantwortet werden, inwiefern sich Kommunikationsprobleme an Schulen, durch die es zu einer Behinderung in der Wissens- und Kompetenzvermittlung kommt, mithilfe des Kommunikationsmodells von Schulz von Thun vermieden werden können. In diesem Kontext soll ebenfalls diskutiert werden, ob dieses Modell ausreichend für die Analyse von Kommunikationssituationen im Schulalltag ist.
An dieser Stelle soll noch darauf hingewiesen werden, dass es in der Kommunikationswissenschaft natürlich verschiedene Modelle gibt, um Sprachfunktionen zu beschreiben. Ich setze mich in dieser Arbeit mit dem „Vier-Ohren-Modell“ von Schulz von Thun auseinander. Das Modell zeigt eine klare Parallele zu Paul Watzlawicks Modell vor allen Dingen im Hinblick auf Watzlawicks Regel „Jede Kommunikation hat einen Inhalts- und einen Beziehungsaspekt.“ 2 Eine weitere Gemeinsamkeit zwischen den beiden Modellen liegt auch darin, dass sowohl Watzlawick als auch Schulz von Thun davon ausgehen, dass jede Äußerung mehrere Botschaften enthält, d. h. verschiedene kommunikative Funktionen hat. 3 Darüber hinaus verarbeitet Schulz von Thun in seinem
1 Schulz von Thun, Friedemann: Miteinander reden. Bd. 1. Störungen und Klärungen. Allge-
meine Psychologie der Kommunikation. 46. Aufl., Hamburg 2008.
2 Zitiert nach Schäfer, Karl-Hermann: Kommunikation und Interaktion. Grundbegriffe einer
Pädagogik des Pragmatismus, Wiesbaden 2005, S. 24. Vgl. weiterhin dazu Auer, Peter:
Sprachliche Interaktion. Eine Einführung anhand von 22 Klassikern, Tübingen 1999, S. 39-50.
3 Watzlawick unterscheidet zwischen Interaktion und Kommunikation. Eine einzelne Kommu-
nikation heißt Mitteilung (message) oder, sofern keine Verwechslung möglich ist, eine Kom-
munikation. Ein wechselseitiger Ablauf von Mitteilungen zwischen zwei und mehreren Perso-
nen wird als Interaktion bezeichnet. Die Kommunikationstheorie konzentriert sich auf die „Re-
geln“ dieses wechselseitigen Verhaltens. Sie beschäftigt sich vor allem mit dem Beziehungsas-
pekt einer Interaktion und weniger mit dem Inhaltsaspekt. Es wird versucht, die Bedingungen
störungsfreier Kommunikation herauszukristallisieren. Watzlawick untersucht dabei etwa die
Gesetzmäßigkeiten und typische Erscheinungsformen der dabei ablaufenden „Mechanismen“.
Vgl. dazu ausführlicher Watzlawick, Paul et. al.: Menschliche Kommunikation, Formen, Strö-
2
Vier-Ohren-Modell auch die drei Seiten des „Organon-Modells“ von Karl Bühler, nämlich dass jede Information etwas über die Sache, über den Sender und einen Appell an den Empfänger enthält. 4
2 Das „Vier-Ohren-Modell“
Wie der Name „Vier-Ohren-Modell“ deutlich macht, gibt es laut Schulz von Thun vier prinzipiell verschiedene Möglichkeiten, eine Nachricht wahrzunehmen. 5
2.1 Die vier Seiten einer Nachricht
Nach der Theorie von Schulz von Thun enthält also eine Nachricht vier Seiten. Oft wissen wir erst, was Menschen wirklich sagen und meinen, wenn sie selbst ihre Nachricht entschlüsseln und sie vierseitig mitteilen. Eine Nachricht, die vom Sender als reine Sachmitteilung gedacht war, lässt oft zu viel Spielraum für Fantasien und Spekulationen übrig. Darüber hinaus spielen natürlich auch zusätzlich nonverbale Signale wie etwa die Körperhaltung, Mimik und Gestik sowie Gefühle hinein. 6 Mithilfe des Vier-Ohren-Modells sind wir aber in der Lage, Irritationen und Störungen des Verstehens rascher wahrzunehmen, zu analysieren und zu beheben, was im Schulalltag bei der Kommunikation mit Schülern, Eltern und Kollegen unerlässlich ist.
Die vier Seiten einer Nachricht sind nach der Theorie von Schulz von Thun die Sachseite, die Appellseite, die Beziehungsseite und die Selbstoffenbarungsseite. 7
mungen Paradoxien. 4. Aufl. Bern 1974. Hier insbesondere: S. 50f. Darüber hinaus siehe Roth,
Jürgen: Lehrer und Schüler. Interaktion und Kommunikation in der Schule, in: Kunert, Kristian
(Hrsg.): Studienreihe Schulpädagogik. München 1980, S. 56ff.
4 Vgl. dazu ausführlicher Auer: Sprachliche Interaktion, S. 18-29.
5 Vgl. dazu ausführlicher Schulz von Thun: Miteinander reden, S. 25ff.
6 Siehe dazu Schröder, Markus: Sie haben vier Ohren. Eine kurze Einführung in die kommuni-
kationspsychologischen Modelle von F. Schulz von Thun und A. Maslow. 3. Aufl. Paderborn
2008, S. 10ff.
7 Vgl. dazu ausführlicher Schulz von Thun: Miteinander reden, S. 14.
Anhand des folgenden Beispiels soll das Modell kurz erläutert werden. „Sie haben aber sonderbare pädagogische Ansichten“ 8 , sagt ein Vater zu einem Lehrer beim Elternsprechtag. Im ersten Schritt sollte berücksichtigt werden, was der Inhalt der Nachricht ist. Hierbei handelt es sich um die sogenannte Sachseite der Nachricht. Die Sachseite auf das isolierte Sprachbeispiel bezogen könnte sein: „Es geht hier um pädagogische Ansichten.“ 9 Was jedoch mit der Nachricht gemeint sein könnte, gehört nicht zu diesem ersten Schritt. Mit der rein sachlichen Aussage einer Nachricht kann man bezüglich der Kommunikation jedoch zu wenig erkennen. Sie gibt nur den Inhalt wieder, nicht was mit dem Inhalt bezweckt wird.
Die Gesprächspartner wollen häufig durch ihre Aussagen den jeweiligen Gesprächspartner aber auch auffordern, etwas zu tun oder zu unternehmen. Das ist die Appellseite der Nachricht. Mit dem Appell will der Sprecher den Hörer meist animieren, auf seine Wünsche zu reagieren. In unserem Beispiel hieße möglicherweise die Appellseite: „Bitte erklären Sie mir Ihre Ansichten doch genauer!“ 10
Der Sprecher möchte mit seiner Nachricht Verbindung mit dem Hörer aufnehmen. Die Verbindung zwischen zwei Menschen, ganz gleich welcher Art sie ist, wird Beziehung genannt. Der Sprecher stellt durch seine Botschaft eine bestimmte Beziehung zwischen sich und dem Hörer her. Das ist die Beziehungs-
8 Zitiertnach Miller, Reinhold: „Das ist ja wieder typisch“ Kommunikation und Dialog in
Schule und Schulverwaltung. 25 Trainingsbausteine. 2. Aufl. Weinheim und Basel 1997, hier:
S. 22.
9 Zitiert nach ebd., S. 22.
10 Zitiert nach ebd., S. 22.
Arbeit zitieren:
Frauke Wildig, 2009, Schulz von Thun im Schulalltag, München, GRIN Verlag GmbH
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