Inhalt
1. Einleitung
2. Genus und Sexus
3. Problemfelder und das generische Maskulinum
3.1 Das generische Maskulinum obligatorisch
3.2 Das generische Maskulinum fakultativ
3.3 weitere Problemfelder
4. Hans Sperber - Über den Einfluss sexueller Momente auf Entstehung
und Entwicklung der Sprache
4.1 Einleitung zum vorliegenden Aufsatz
4.2 Der Ursprung der menschlichen Sprache
4.3 Der Einfluss der sexuellen Momente
4.4 Das Prüfen der Bedingungen
4.5 Einwände und Antworten
4.6 Die Wurzelperiode und die Flexion
5. Ausblick
Literaturverzeichnis
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1. Einleitung
Die vorliegende Arbeit befasst sich im ersten Teil mit den Begriffen „Genus“ und „Sexus“ und dem Auftreten von Problemen innerhalb ihrer Verwendung. Im zweiten Teil wird der Aufsatz „Über den Einfluss sexueller Momente auf Entstehung und Entwicklung der Sprache“ von Hans Sperber bearbeitet.
Beide Teile sind nicht miteinander zu verbinden und werden daher getrennt voneinander behandelt.
2. Genus und Sexus
Die Bezeichnungen Genus und Sexus beziehen sich beide auf die Geschlechterfrage. Das Genus steht für das so genannte grammatische Geschlecht eines Nomens. Im Deutschen gibt es drei Geschlechter: das Maskulinum (z.B. der Korb), das Femininum (z.B. die Lampe) und das Neutrum (z.B. das Haus). Der Sexus ist das natürliche Geschlecht von Lebewesen (also Menschen und Tieren). Hier gibt es nur zwei Kategorien: männlich und weiblich.
Ein Zusammenhang zwischen Genus und Sexus ist generell schwer herbeizuführen. Die meisten Nomina im Deutschen haben nämlich gar keinen Sexus. Immerhin wird wohl kaum jemand einen Korb als männlich bezeichnen und eine Lampe als weiblich. Das grammatische Geschlecht kann demnach kein Indikator für den Sexus sein. Personen und höhere Lebewesen sind geschlechtlich und lassen einen solchen Zusammenhang schon eher zu. Der Mann ist immer männlich, die Frau immer weiblich. Auch bei Berufsbezeichnungen ist eine Übereinstimmung von Genus und Sexus vorhanden. Die Kauffrau kann jeder klar von dem Kaufmann unterscheiden. Ausnahmen davon sind Bezeichnungen mit neutralem Genus. Das Fräulein und das Mädchen sind dem weiblichen Sexus zugeordnet. Aus formalen Aspekten stimmt dies aber nicht mit dem Genus überein. Beide Wörter sind nämlich Diminutiva, also Verkleinerungsformen. Der
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Zuordnung nach sexuellen Gesichtspunkten wird hierbei der formale vorangestellt und führt so zur Bildung des neutralen Genus.
3. Problemfelder und das generische Maskulinum
Im Rahmen des Seminars gingen wir mit einer Reihe von Problemfeldern an sprachliche Äußerungen heran. Das bekannteste ist das generische Maskulinum. So wird für eine gemischtgeschlechtliche Gruppe oder eine Person, deren Geschlecht unwichtig oder unbekannt ist, eine maskuline Personenbezeichnung angewendet. Es kann im Singular oder im Plural benutzt werden. Meistens tritt es jedoch im Plural auf, da diese Form weniger spezifizierend ist. Als Beispiel: „Alle Professoren der Universität Oldenburg halten wöchentlich Sprechstunden ab.“ An dieser Stelle ist von einer ganzen Gruppe die Rede, von der wir wissen, dass auch Frauen dazugehören. Dennoch wird die maskuline Form angewandt.
Es sind zwei voneinander zu unterscheidende Formen möglich:
a) Das generische Maskulinum obligatorisch
b) Das generische Maskulinum fakultativ. Als nächstes möchte ich diese näher erläutern.
a. Das generische Maskulinum obligatorisch
Die Grundvoraussetzung ist, dass überhaupt eine generische Verwendung des Maskulinen vorliegt. Bei dieser ersten Unterscheidung ist nun wichtig, dass sich durch Umstellung des Satzes eine Sinnänderung desselben ergeben würde:
Beleg 124: Der „Fernfahrer des Jahres“ heißt Katrin. (1.6.87)
Man geht von einer Gruppe aus, der sowohl Männer als auch Frauen angehören. Änderte man den Titel des Preises nun in „Fernfahrerin des Jahres“, implizierte dies, dass dieser Titel generell nur unter Frauen vergeben würde, und schließt somit Männer aus. Eine Auflösung ist hier also nicht möglich.
Genauso verhält es sich mit den britischen Monarchen. Verwendete man im Beleg 137 statt dieser die britischen Monarchinnen, wäre wieder der Denkansatz gegeben, dass es
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immer nur Frauen gab, die Großbritannien regierten. Das ist faktisch allerdings nicht richtig. Es gab auch britische Monarchen. Damit muss das Maskulinum benutzt werden:
Beleg 137: Königin Elisabeth II. ist nämlich der erste britische Monarch, welcher der Tschechischen Republik einen Staatsbesuch abstattet. (FAZ,29.3.96)
Wendet man das Maskulinum nun auf eine gemischtgeschlechtliche Gruppe an, können Konstellationen wie die folgende entstehen:
Beleg 129: von dem letzten Foto mit der Rose, davon wollte sie zehn haben, für ihre Mutter, ihren Vater, ihre Schwester, für ihre schöne Cousine, die ganz besonders staunen würde - jeder sollte eins bekommen (Beleg RoH, ohne Quellenangabe)
Dadurch, dass der Vater in die Überlegungen mit einbezogen wurde, bedingt dieser Satz die maskuline Form. Denn mit dem Femininum jede statt jeder wäre der Vater ausgeschlossen gewesen. Die maskuline Pluralform schließt dagegen alle angesprochenen Personen mit ein.
Auch die gemischtgeschlechtliche Gruppe der Gastwirte und der Manager erfordert das Maskulinum. Wendete man hier die Umstellung an, so ergäbe sich ein falsches Bild der Gemeinschaft.
Beleg 130: Jeder zweite angehende Wirt ist eine Frau - […]. Nach Angaben des Deutschen Industrie- und Handelstages (DIHT) ist inzwischen jeder zweite angehende Gastwirt eine Frau (15.4.87)
Beleg 136: In Düsseldorf bereits jeder fünfte Manager eine Frau (SZ 15./16.9.90,65)
Die Lehrkräfte in Beleg 139 machen ein solches Vorgehen ebenfalls notwendig. Ansonsten müsste der Leser annehmen, dass Günter Nökel eine Frau ist, was er laut Namen nicht zu sein scheint.
Beleg 139: Erinnerungsfoto mit den Lehrern Gunda Güntsch und Günter Nökel (Bayreuther Anzeiger 4.7.91,3)
Die kastrierten Hunde können ebenfalls nicht in Hündinnen umgeändert werden. Zwar werden auch Hündinnen kastriert (Sterilisation ist eine Durchtrennung der Eileiter, Kastration ist eine Entfernung der Gebärmutter und der Eierstöcke 1 ), eine Umstellung hätte allerdings zur Folge, dass es sich bei den Tieren ausschließlich um weibliche handelt.
1 Siehe dazu auch: http://www.hundezeitung.de/top/top-21.html
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Arbeit zitieren:
Tomke Popken, 2003, Über den Einfluss sexueller Momente auf Entstehung und Entwicklung der Sprache, München, GRIN Verlag GmbH
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