II
Inhaltsverzeichnis
I Einleitung
1.1.
1.2. Forschungsgeschichte der Pfahlbaudiskussion und Quellenlage
II Hauptteil
2. Chronologie von Feuchtbodensiedlungen im zirkumalpinen Raum. 6
3. Klimatische Veränderungen und Umweltbedingungen der Bronzezeit. 8
4. Spätbronzezeitliche Feuchtbodensiedlungen im zirkumalpinen Raum. 9
4.1. Fallbeispiel 1:Wasserburg Buchau (Federsee) 10
4.1.1 Siedlungsstruktur. 11
4.1.2 Bauformen. 14
4.1.3 Funde. 17
4.1.4 Chronologische Einordnung. 18
4.2. Fallbeispiel 2: Unteruhldingen- Stollenwiesen (Bodensee) 18
4.2.1 Siedlungsstruktur. 19
4.2.2 Bauformen. 24
4.2.3 Funde. 25
4.2.4 Chronologische Einordnung. 25
4.3. Fallbeispiel 3: Auvergnier- Nord (Neuneburger See) 25
4.3.1 Siedlungsstruktur. 26
4.3.2 Bauformen. 27
4.3.3 Funde. 28
4.3.4 Chronologische Einordnung. 28
III Resumé.
IV Literaturverzeichnis
III
Verzeichnis der Abbildungen
Abb. 1: Verbreitung von Seeufersiedlungen im zirkumalpinen Raum............................6
Abb. 2: Korrelation von C14- Gehalt der Erdatmosphäre, Seespiegelschwankungen der Juraseen und Siedlungsphasen an schweizerischen und französischen
Seeufersiedlungen.............................................................................................8
Abb. 3: Siedlungen der Spätbronzezeit (schwarz markiert) am deutschen
Bodenseeufer auf der Grundlage von Neufunden.............................................9
Abb. 4: Gesamtplan der Wasserburg Buchau..............................................................13
Abb. 5:
Wehrgängen, Brücken und Wehrpodien..........................................................14
Abb. 6: Wasserburg Buchau- Umzeichnung der älteren Siedlungseinheit..................15
Abb. 7: Wasserburg Buchau- Umzeichnung der jüngeren Siedlungseinheit...............16
Abb. 8: Pfahlfeld der Siedlung Unteruhldingen- Stollenwiesen....................................19
Abb. 9: schematischer Gesamtplan der Palisadern und Siedlungsphasen Unter-
uhldingen 1- 3..................................................................................................20
Abb.10: Rekonstruktion der Haus- und Palisadenordnung zur Phase UU 1.................21
Abb.11: Dendrochronologisch erfasste Hausgrundrisse der ersten Besiedlungsphase
von Unteruhldingen..........................................................................................22
Abb. 12: Rekonstruktion der Haus- und Palisadenordnung zur Phase UU 2.................22
Abb. 13: Rekonstruktion der Haus- und Palisadenordnung zur Phase UU 3.................23
Abb. 14: Dendrochronologisch erfasste Hausgrundrisse der letzten Besiedlungsphase
von Unteruhldingen..........................................................................................23
IV
Abb. 15: Struktur der Siedlung Auvernier- Nord. 26
Abb 16: Querschnitt durch ein typisches Haus in Auvernier- Nord 28
I Einleitung
1.1. Problemstellung und Themenabgrenzung
2004 wurde das 150- jährige Bestehen der Pfahlbauforschungen im Alpenraum 1 mit einer Vielzahl Symposien, Sonderausstellungen und Jubiläumspublikationen gefeiert. Die Weiterentwicklung naturwissenschaftlicher Verfahren 2 und bessere Arbeitsmöglichkeiten vor allem in der Unterwasserarchäologie hatte in den letzten drei Dekaden zu einem Anstieg an Ausgrabungen in Feuchtgebieten nördlich und südlich der Alpen geführt. Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich im Rahmen des Hauptseminars Siedlungs- und Landschaftsarchäologie mit spätbronzezeitlichen Feuchtbodensiedlungen zwischen Federsee und Neuenburger See. Entsprechend der langen und sehr dynamischen Forschungsgeschichte soll, etwas ausführlicher als üblich, der wissenschaftliche Diskurs der vergangenen 150 Jahre erörtert, sowie die Entwicklung von Pfahlbauten aus der neolithischen Tradition heraus skizziert werden. Damit eng verbunden sind die klimatischen Verhältnisse und Veränderungen, vor allem im Hinblick auf den Hiatus von Feuchtbodensiedlungen in der Mittelbronzezeit, respektive dem Abbruch jener Siedlungen in der Mitte des 9. vorchristlichen Jahrhunderts sowie die Umweltbedingungen der Spätbronzezeit. Anhand dreier spätbronzezeitlicher Siedlungen am Federsee (Wasserburg Buchau), am Bodensee (Unteruhldingen- Stollenwiesen) und am Neuenburger See (Auvernier- Nord) sollen beispielhaft Siedlungsstrukturen und Bauformen auf allgemeingültige Charakteristika hin untersucht werden. Die Auswahl der Fallbeispiele erfolgte anhand unterschiedlicher Kriterien. In erster Linie sollte das große Spektrum der Siedlungsstrukturen und Bauformen dargestellt werden. Ausschlaggebend ist jedoch auch die unterschiedliche topographische Lage und die Differenzierung zwischen Moor- und Seeufersiedlung. Zudem erschienen die unterschiedlichen angewandten Arbeitsmethoden (Luftbildarchäologie, taucharchäologische Untersuchungen und
archäologische Ausgrabung), mit denen die drei Fallbeispiele untersucht wurden, eine spannende Darstellung zu versprechen.
1.2. Forschungsgeschichte der Pfahlbaudiskussion und Quellenlage
Nachfolgend wird der Forschungsdiskurs der Pfahlbauproblematik erörtert. Ein kurzer Abriss der Forschungsgeschichte der beispielhaften Fundorte wird in den entsprechenden Kapiteln dargestellt.
1 Wie bereits das 125-jährige Bestehen 1981 gefeiert wurde. vgl. KIMMIG 1981a:1f, SPECK, 1981:98f.
2 u.a. innerhalb der Dendrochronologie, vgl. Billamboz 2005:47f. sowie der Pollenanalyse
1
Im Winter 1853/54 kam es durch extreme Trockenheit zu Niedrigwasserständen an den Alpenseen, durch die umfangreiche Pfahlfelder zu Tage traten. Zwar waren bereits zuvor, vor allem in Buchten und Flachstellen des Bieler und Neuenburger Sees 3 , Pfahlfelder und Funde aufgetaucht- eine Interpretation der Reste im See als Siedlungsplätze erfolgte jedoch erst in jenem Winter durch Ferdinand Keller. Der Vorsitzende der Antiquarischen Gesellschaft Zürich und Begründer der Pfahlbautheorie sah in den engen Anordnungen von Pfählen bei Obermeilen am Zürichsee 4 die Reste
von Siedlungen, die gleichzeitig auf einer gemeinsamen Plattform im offenen Wasser errichtet worden waren. Zur Untermauerung dieser These wurde auf rezente Pfahlbauten in Neu-Guinea und Neuseeland hingewiesen 5 . Wenngleich diese These nur auf Vermutungen basierte und von KELLER niemals durch eine ernsthafte Beweiskette unterbaut wurde 6 , setzte sie sich in der Forschung durch. Von romantischen Vorstellungen der Lebensweise der Ahnen in der Vorzeit getragen, brach in Mitteleuropa ein regelrechtes Pfahlbaufieber 7 aus und führte dazu, dass sich vor allem interessierte Privatsammler als Ausgräber bzw. vielmehr Schatzsucher betätigten. Pfahlreste wurden auch in den oberbayrischen Seen und am Bodensee, in den oberitalienischen Seen und Feuchtgebieten, ab 1870 in den Salzkammergutseen und den ostfranzösischen Jurasseen, sowie ab 1875 im Laibacher Moor in Slowenien 8 entdeckt. Einen weiteren Auftrieb erhielt der Sammeleifer durch die Juragewässerkorrektion, die zwischen 1869 und 1873 den Wasserspiegel des Bieler See um bis zu zwei Meter absenkte. Eine planvolle Untersuchung der nun obertägig sichtbaren Stationen blieb jedoch aus. Vielmehr wurden wertvolle Befunde, vor allem aufgrund fehlender regulierender Stellen wie einem staatlichen Denkmalschutz, durch rücksichtsloses Durchwühlen zerstört. Erst 1873 wurde für die Seen des Kantons Bern eine behördliche Verordnung erlassen, die das unkontrollierte Ausgraben verbot. Ein ähnlicher Erlass folgte 1905 für das badische Bodenseeufer 9 . Nachdem sich gegen Ende des 19. Jahrhunderts die erste Welle der Pfahlbaubegeisterung gelegt hatte, erfuhr in den 1920-er Jahren vor allem die Pfahlbaudiskussion mit der Frage, ob die Häuser ebenerdig oder pfahlgetragen errichtet gewesen waren, einen erneuten Auftrieb. Dies war überwiegend auf die Ausgrabungen von Siedlungen in Feuchtgebieten wie dem Federseemoor zurückzuführen. Bereits zwischen 1875 und 1879 hatte der Oberförster Frank aus Schussenried im südlichen Federseemoor Baureste, unter anderem zwei erhaltene Hüttenböden mit Zwischenwänden und Herdstellen 10 , ausgemacht. Spätere Ausgrabungen, von REINERTH und SCHMIDT
3 Vgl. KIMMIG 1981a: 1
4 KELLER 1854:81, zitiert nach STRAHM 1983:353
5 Vgl. KIMMIG 1981a: 2
6 Ders. 1981a: 1
7 Ders. 1981a :2, u.a.
8 Angaben nach SCHLICHTHERLE 2005: 54
9 Angaben nach SCHLICHTHERLE 1997: 7
10 KIMMIG 1981a: 6
2
durchgeführt, der neolithischen Dörfern Aichbühl und Riedschachen im Federseemoor,
11 .
Weitere Ausgrabungen an der von Hans REINERTH als bezeichneten spätbronzezeitlichen Siedlung im Federseemoor und an der spätneolithischen Station von Sipplingen am nördlichen Überlingersee führten zu einer erbittert und dogmatisch geführten Diskussion unter den Pfahlbauforschern. REINERTH hatte die Pfahlbautheorie modifiziert und vermutet, dass die Siedlungen eventuell etwas erhöht am Ufer beziehungsweise am sumpfigen Überschwemmungsbereich der Seen errichtet gewesen seien und jeweils nur bei Hochwasser vom See aus erreicht worden waren. Prinzipiell seien sie aber als Landsiedlungen anzusehen. Bereits zuvor hatten Forscher des Bielersees die Idee aufgebracht, dass es sich bei den Pfahlfeldern um ehemalige Landsiedlungen handeln könnte, die infolge eines ansteigenden Seespiegels überflutet wurden 12 . Seinerzeit konnte sich diese Theorie jedoch nicht durchsetzen.
Es stellte sich später vielmehr die Frage, ob es in hiesigen Breiten überhaupt Pfahlbauten gab, und ob ganze Dörfer oder nur einzelne Häuser auf Plattformen errichtet worden waren. Nach den Entdeckungen von Siedlungen im Federseemoor stellte sich zudem die Frage der Gleichzeitigkeit von ebenerdigen Moorsiedlungen, Uferpfahlbauten und Inselsiedlungen. Oscar PARET propagierte ab 1942 in Stuttgart die Pfahlbauten als romantischen Irrtum 13 . Auch Emil Vogt in Zürich hielt ab 1953 die Existenz der Pfahlbauten in Mitteleuropa für nicht bewiesen. Seiner Ansicht nach wären die Siedlungen ebenerdig am Ufer errichtet worden. Erst die moderne internationale Forschung seit 1970 konnte beweisen, dass es neben den ebenerdigen Ufersiedlungen tatsächlich auch Pfahlbausiedlungen gegeben hat, die am überschwemmungsgefährdeten Ufer lagen oder von Inseln aus in den See hinausterrassiert wurden. Die Theorie des plattformgetragenen Dorfes nach KELLER kann als wissenschaftlich widerlegt gelten 14 . Heute besteht unter den Ausgräbern Übereinkunft darüber, dass die wissenschaftliche Kontroverse von einer falschen Fragestellung ausging 15 - und Moorsiedlungen als auch Pfahlbausiedlungen 16 . Daher ist bei jeder Fundstelle neu zu prüfen,
auf welche Weise sich die Siedler auf die örtlichen Gegebenheiten einzustellen wussten. Die Forschung der letzten zwei Dekaden thematisierte aufgrund der engen Zusammenarbeit wissenschaftlicher Disziplinen vor allem die Interaktionen zwischen Mensch, Klima, Umwelt
11 KIMMIG 1981a: 6
12 Vgl. ISCHER 1928: 9ff.
13 PARET 1941-1942: 75-107, zitiert nach SCHLICHTHERLE 2005: 56
14 vgl. SCHÖBEL 1996: 21
15 Vgl. Strahm 1983: 1ff.
16 SCHLICHTERLE 2005: 56
3
und Wirtschaft. Zudem wurde versucht, Feuchtbodensiedlungen in eine weitere prähistorische Landschaft in soziale und ökonomische Systeme einzubetten 17 . Die Quellenlage gestaltet sich entsprechend der langen und kontrovers diskutierten Forschungsgeschichte vielfältig. Über die Entwicklung der Pfahlbauforschung geben vor allem Jubiläumsschriften ausführlich Auskunft, wie z.B. der von der Antiquarischen Gesellschaft in Zürich 2004 18 herausgegebene Band mit dem programmatischen Titel . Von Antiquaren, Pfahlbaufischern, Altertümerhändlern und Pfahlbaumythen iving on the
Lake in Prehistoric Europe. 150 years of lake- Einen ersten Überblick zur Forschungsgeschichte legte KIMMIG bereits 1981 zum 125. Geburtstag der Entdeckung von Pfahlbauten an Alpenrandseen im Archäologischen Korrespondenzblatt vor. Eine Sonderausgabe der
des 19. Jahrhunderts auf und stellte 1997 für den interessierten Laien mit dem reich d der
Pfahlbauforschung im zirkumalpinen Raum dar. Eine gute Zusammenfassung des aktuellen Forschungsstandes
der die wichtigsten Themen der Feuchtbodenarchäologie wie Klima, Paläoökonomie und Paläoökologie, Siedlungen und Territorien etc. auf dem Stand von 2004 wiedergibt. Die Ergebnisse der einzelnen Grabungen sind in unterschiedlicher Qualität und Quantität veröffentlicht.
Eine ausführliche Aufarbeitung
1992 von KIMMIG publiziert, nachdem der Ausgräber REINERTH sein Versprechen, eine 19 vor seinem
Tod 1990 nie eingelöst hatte. Über den Stand der Ausgrabungen zwischen 1921 und 1928 geben lediglich Artikel in der Tagespresse und zwei populäre Schriften 20 des Ausgräbers Auskunft. Die Ergebnisse der Nachgrabungen von 1998 sind überblicksmäßig in der Archäologische Ausgrabungen in Baden Württemberg.
Die Ergebnisse der taucharchäologischen Untersuchungen der Siedlung von Unteruhldingen zwischen 1982 und 1989 ist gemeinsam mit den Untersuchungen in Hagnau monographisch des Landesdenkmalamtes Baden-
Württemberg publiziert. SCHÖBEL veröffentlichte Band IV der genannten Reihe 1996 mit
17 Vgl. DELLA CASA 2005:11
18
von Johann Ferdinand Keller sowie seine ersten Ausgrabungen der
Seeufersiedlung Ober- Meilen am Zürichsee
19 KIMMIG 1992: 11
20 Die Wasserburg Buchau. Eine befestigte Inselsiedlung aus der Zeit 1100- 800 v. Chr. und Das Federseemoor als Siedlungsland des Vorzeitmenschen
4
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Christina Michel, 2009, Spätbronzezeitliche Feuchtbodensiedlungen, München, GRIN Verlag GmbH
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