Inhaltsverzeichnis
1. Vorbemerkung zum Dialekt als Sprachbarriere
2. Der Begriff des Dialektes
3. Die Theorie Basil Bernsteins
4. Sprachbarrierenforschung in Deutschland
5. Anhang (Handout und Folie zum Referat)
6. Literatur
2
1.Vorbemerkung zum Dialekt als Sprachbarriere
Innerhalb eines Landes/einer Nation sind regionale sprachliche Unterschiede festzustellen. Dies liegt daran, dass sich verschiedene Sprachgemeinschaften entwickelten, die nun nebeneinander herleben. Daraus ergibt sich das Problem, dass die Angehörigen einer Sprachgruppe bezüglich der ihrer Belange informations- und artikulationsfähig sein müssen. Auch die soziale und lokale Mobilität sollte nicht durch Sprachschranken behindert werden. Also müsste es ein einheitliches Kommunikationsnetz geben, die Artikulationsfähigkeit und der Kommunikationsradius aller Staatsangehörigen sollte gleich groß sein. Folgende drei Ziele ergeben sich daraus:
1. Bewahrung der Identität der Sprachgruppen
2. Gewährleistung von Artikulationsfähigkeit und Mobilität
3. Anschluss an übergreifende Kommuniklationsnetze
Aber wie man nun diese drei Ziele am besten miteinander vereinen sollte, darüber herrscht noch Uneinigkeit. SCHLIEBEN-LANGE 1 eröffnet in ihrem Buch zunächst drei extreme Möglichkeiten eines Staates, dieses Problem zu lösen. Man könnte zum Beispiel sämtliche offiziellen Belange in allen Staatssprachen – in unserem Fall Dialekten - gleichermaßen behandeln. Das beträfe zum Beispiel Gerichtsverhandlungen, Schulen, etc.
Eine weitere Lösung wäre die Durchsetzung einer Einheitssprache im öffentlichen Staatsbetrieb. Das heißt, alle offiziellen und halb offiziellen Angelegenheiten werden in einer Einheitssprache abgehalten. Gruppensprachen könnten allenfalls in Famlie und Freundeskreis fortbestehen. Da aber der offizielle Bereich (Schule, etc) weit in den Privaten Bereich hineinreicht, wird sich die Einheitssprache auch dort durchsetzen.
Dialekte sind areal auf bestimmte Geltungszonen und auf personal bestimmte Personengruppen zugeschnitten und haben dadurch einen unterschiedlichen Gebrauchswert in Abhängigkeit von den kommunikativen Bedürfnissen der jeweiligen Sprecher.
Durch Verwendung des Dialektes grenzen sich die Sprecher nach außen hin ab. Gegenüber nichtdialektsprechenden Personen oder Gruppen ergeben sich 1 Brigitte Schlieben – Lange. Soziolinguistik – Eine Einführung. 3.Auflage 1991
3
zwangsläufig Sprachbarrieren. Besonders deutlich wird das Problem, wenn auch die unterstützende Funktion des gemeinsamen Sprachcodes auch auf der Beziehungseben nicht mehr funktioniert. Daraus ergeben sich besonders für den Dialektsprecher Schwierigkeiten, da normalerweise das Urteil über Gelingen oder Misslingen einer Kommunikationssituation dem Situationsmächtigen zusteht, wie zum Beispiel dem Lehrer in der Schule, etc.
Spricht zum Beipiel so ein „Situationsmächtiger“ 2 keinen Dialekt, dann wird meist ihm die Schuld am Misslingen einer angestrebten Kommunikation zugeschoben. Dialektbedingte Sprachbarrieren gelten über große Areale hinweg, zum Beispiel Nord – und Süddeutschland aber auch zwischen Stadt und Land. Generell weist SCHMID (1973) darauf hin, dass die Schuld an der Gestörtheit der Kommunikation häufig den Dialektsprechern zugewiesen wird. Das zeigt, dass nicht der Dialekt Schuld an den Kommunikationsstörungen trägt, sondern die negative Einstellung der sogenannten Privilegierten („Situationsmächtigen“). Die kommunikative Benachteiligung der Dialektsprecher hat aber zunächst auch einen rein linguistischen Aspekt. Manchmal kommt es zu sogenannten dialektalen „Stilblüten“. Dass heißt, unterschiedliche Sprachsysteme decken sich nur teilweise, können sich auch aufgrund der strukturellen Nähe überlagern. Es kommt zu Indeferenzen und dadurch zu Pannen und Fehlleitungen.
Ein weiteres Problem stellt das oft niedrige Prestige eines Dialektes da. Dialekte erfahren oft deswegen eine Mindereinschätzung durch dessen Sprecher. Oft werden Dialektsprechern in weiten Teilen Deutschlands kognitive Defizite, einen sozial niedriger Status und geringe Bildung nachgesagt. Tatsächlich wurde festgestellt, dass Dialektsprecher mehr vom Land als aus der Stadt kommen, einen sozial niedrigereren Status haben und damit zur Sprachbarriere auch noch die soziale und sozialpsychologische Barriere hinzukommt. Nach bisherigen Beobachten scheint die Barriere da am größten zu sein, wo der Dialekt soziographisch beinahe verschwunden ist. Seine Existenz wird von den Nichtdialektsprechern geradezu ignoriert und geleugnet. So kann auch die Beziehungsebene nicht gepflegt werden, da das Vorhandensein des Dialektes ja geleugnet wird.
2 . In: Heinrich Löffler. Germanistische Soziolinguistik. 2. Auflage. Berlin 1994
4
2. Der Begriff des Dialektes
Adelung (1798)
Mundart ist „die besondere Art zu reden, wodurch sich die Einwohner einer Gegend von den Einwohnern anderer Gegenden unterscheiden, die Abweichungen einzelner Gegenden in der gemeinschaftlichen Sprache, wohin also nicht nur die Abweichungen in der Aussprache, sondern auch in der Bildung, der Bedeutung, und dem Gebrauch der Wörter gehöret.“ Jacob Grimm (19. Jh.) „Die Sprache [...] zerfällt in dialecte und mundarten; doch pflegt man mit beiden letzten ausdrücken selten genau zu sein, da wenn dialect als sprache gesetzt wird auch seine mundarten sich zu dialecten erheben, es kann aber die sprache wiederum je höher in alterthum aufgestiegen wird, als dialect oder gar mundart einer früheren, weiter zurückliegenden erscheinen. Dialecte sind also große, munarten kleiner geschlechter.“ Löffler „Mundart ist stets eine der Schriftsprache vorangehende, örtlich gebundene, auf mündliche Realisierung bedachte und vor allem die natürlichen, alltäglichen Lebensbereiche einbeziehende Redensweise, die nach eigenen, im Verlaufe der Geschichte durch nachbarmundartliche und hochsprachliche Einflüsse entwickelten Sprachnormen von einem großen heimatgebundenen Personenkreis in bestimmten Sprechsituationen gesprochen wird.“ Ammon Nach Ammon ist ein Dialekt, was folgende Eigenschaften hat:: Er muss eine Varietät, eine Langue sein, muss kleinregional und nicht standardisiert (=oral) sein.
Die hier genannten Autoren sind sich beim Dialektbegriff einig, dass dieser eine Grenze zwischen Personengruppen darstellt.
5
Quote paper:
Katrin Niemann, 2003, Dialekt als Sprachbarriere, Munich, GRIN Publishing GmbH
This text can be quoted and accessed from this url:
Embed
DOI
Das Tagelied Heinrich von Morungens
German Studies - Older German Literature, Mediaevistik
Scholary Paper (Seminar), 12 Pages
Gedichtinterpretation - Goethes "Mir schlug das Herz; geschwind z...
German Studies - Modern German Literature
Scholary Paper (Seminar), 15 Pages
Nietzsche-Rezeption in Thomas Manns Roman "Doktor Faustus"
German Studies - Modern German Literature
Scholarly Paper (Advanced Seminar), 28 Pages
Heinrich von Morungen - der moderne Dichter um 1200?
German Studies - Older German Literature, Mediaevistik
Termpaper, 20 Pages
Cluster als Konzept für regionale Entwicklung
Geography / Earth Science - Economic Geography
Scholary Paper (Seminar), 18 Pages
Zur Methodik von Stiluntersuchungen
Scholarly Paper (Advanced Seminar), 20 Pages
Selbstgesteuertes Lernen in der beruflichen Ausbildung
Am Praxisbeispiel der Metallau...
Pedagogy - Job Education, Occupational Training, Further Education
Scholary Paper (Seminar), 25 Pages
Die deutschen Tagelieder des späten Mittelalters
German Studies - Older German Literature, Mediaevistik
Scholarly Paper (Advanced Seminar), 21 Pages
Die Erziehung des jungen Parzival - Hindernis oder Chance?
German Studies - Older German Literature, Mediaevistik
Scholarly Paper (Advanced Seminar), 20 Pages
Die neuen Grenzen des Wachstums
Geography / Earth Science - Demographics, Urban Management, Planning
Scholary Paper (Seminar), 62 Pages
»Ein kneht, der lag verborgen« - Tageliedkritik oder gattungsstabilisi...
Scholary Paper (Seminar), 14 Pages
Parzivals Erziehung im dritten Buch von Wolframs 'Parzival'
German Studies - Older German Literature, Mediaevistik
Scholary Paper (Seminar), 14 Pages
Exemplarisch dargestellt in &q...
Scholary Paper (Seminar), 17 Pages
Geography / Earth Science - Demographics, Urban Management, Planning
Termpaper, 17 Pages
Katrin Niemann's text Dialekt als Sprachbarriere is now available as a printed book
Katrin Niemann has published the text Dialekt als Sprachbarriere
Katrin Niemann has uploaded a new text
Dynamik des Dialekts - Wandel und Variation
Akten des 3. Kongresses der In...
Elvira Glaser, Jürgen Erich Schmidt, Natascha Frey
Ethische Aspekte der Verwendung von IKT
Implantaten im menschlichen Kö...
. Europäische Gruppe für Ethik der Naturwissenschaften und der Neuen Technologien, Europäische Kommission
Die sozialen Aspekte der Tätigkeit der Multinationalen Unternehmer
Harald Eichner, Leonore Hennig
Ethische Aspekte der Forschung und Verwendung menschlicher Stammzellen
Der Text von der Stellungnahme
. Europäische Gruppe für Ethik der Naturwissenschaften und der Neuen Technologien, Europäische Kommission
Theologische Dialektik und kritischer Realismus
Entstehung und Entwicklung von...
Bruce L. McCormack, Matthias Gockel
0 comments