(NIH) finanziert wurden. Brustkrebs-Studien machen bei diesem Trend keine Ausnahme, dies zeigten Jeffrey Peppercorn und Kollegen in einer 2007 in Cancer veröffentlichten Übersicht.
Nicht klein zu kriegen: der Schubladenvorbehalt
Um den „Schubladenvorbehalt“ der Pharmafirmen zu unterdrücken, half bislang nicht viel. Die Forderung der US-amerikanische Forderung im Rahmen des Food and Drug Modernization Act von 1997, alle wichtigen Interventions-Studien vorab registrieren zu lassen, konnte nie richtig durchgesetzt werden. Wenn alle Studien noch vor der Datensammlung in eine Liste eingetragen werden, so die Hoffnung, sollte man später herausfinden können, welche Studien unveröffentlicht in der Schublade verschwunden sind. Allerdings meldete die Pharma-Industrie weniger als die Hälfte der registrierungspflichtigen Studien an. Erst nachdem sich 2004 die Redaktionen der Top Medical Journals dazu entschieden, nur noch Phase-III-Studien zu veröffentlichen, die zu Beginn registriert worden waren, stieg die Zahl der gemeldeten Studien. Blieb immer noch ein Ausweg für die Industrie, um unerwünschte Ergebnisse zurückzuhalten: anmelden ja, veröffentlichen - mal sehen.
Nur sechs Prozent werden veröffentlicht
Scott Ramsey und John Scoggins vom Fred Hutchinson Cancer Research Center in Washington, USA, untersuchten in ihrer 2008 veröffentlichten Arbeit, wie sich das Verhältnis zwischen veröffentlichten und unveröffentlichten Studienergebnissen im Bereich der Onkologie entwickelt hat. Daher durchsuchten sie die seit 1999 unter ClinicalTrials.gov registrierten onkologischen Studien und verglichen sie mit denen unter PubMed.gov veröffentlichten. Insgesamt fanden sie 2.028 registrierte und beendete Interventionsstudien. Studien, die von unabhängigen wissenschaftlichen Netzwerken ausgingen, kamen in 59% der Fälle zur Publikation. Industriegesponserte Untersuchungen hatten mit 6% die geringste Chance, veröffentlicht zu werden. Insgesamt wurden von den rund 2.000 Studien 18% veröffentlicht. Studien, die vor 2004 registriert wurden, hatten eine größere Chance veröffentlicht zu werden (21,0%) als später registrierte Studien (11,9%). Die meisten der 357 publizierten Ergebnisse waren positiv (64,5%). Industriegesponserte Studien kamen besonders häufig zu positiven Schlüssen (75%).
Für die Autoren sind diese Ergebnisse Indikatoren für einen nach wie vor bestehenden Publikations-Bias in der Onkologie. Sie nehmen an, dass die nicht publizierten Daten zu einem weitaus größeren Teil als die veröffentlichten Studien negative Resultate haben.
2
„Wenn durch die selektive Veröffentlichung das Nutzen-Risiko-Verhältnis von Krebstherapien beeinflusst wurde, fällen Ärzte und Patienten möglicherweise Therapieentscheidungen, von denen sie nicht profitieren“, so Ramsey und Scoggins. Aus Wirkung wird Zufall
Wie stark ein systematischer Publikations-Bias das Ergebnis verzerren kann, demonstrierten Erick Turner und Kollegen 2008 im New England Journal of Medicine. In ihrer Analyse zur Wirkung von Antidepressiva fanden sie in 94% der publizierten Studien eine positive Wirkung. Schlossen sie die unveröffentlichten Studien mit ein, reduzierte sich diese Zahl auf ernüchternde 51%. In dem Zusammenhang ist interessant, dass es zumindest in den USA Gang und Gäbe ist, Wissenschaftler mit großzügigen Beraterhonoraren zu belohnen. Der Leiter des psychiatrischen Instituts der Brown University veröffentlichte Studien über Antidepressiva. Er soll eine halbe Millionen Dollar an Beraterhonoraren von den Herstellerfirmen erhalten haben.
Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesens (IQWIG) sucht daher in seinen Medikamentenbewertungen immer auch nach unveröffentlichten Studienergebnissen. Doch die rücken Firmen ungern raus. Erst nach großem Druck übergab der Hersteller des 1997 zugelassenen Antidepressivums Reboxetin unveröffentlichte Daten an das IQWIG. Mit der ganzen Palette an Studiendaten zog das Institut dann den Schluss, dass Reboxetin keinen Nutzen hat. Die veröffentlichten Daten hatten dagegen einen Nutzen suggeriert. „Der Vorgang unterstreicht erneut, wie notwendig eine verbindliche Regelung ist, wonach alle klinischen Studien bei Beginn registriert und ihre Ergebnisse nach Abschluss veröffentlicht werden müsse.“, schreibt das IQWIG in seinem Abschlussbericht Ende 2009. Wichtiger als Forschung: das Marketing
Doch selbst wenn man den Publikations-Bias herunterschrauben könnte, gibt es weitere Möglichkeiten, die Forschungsergebnisse und die Erfolgschancen eines Medikaments zu beeinflussen. Für das Marketing geben Pharmafirmen deutlich mehr aus als für die Entwicklung neuer Medikamente. Marc-André Gagnon präsentierte 2008 im Fachmagazin PloS Zahlen: Demnach steckten US-amerikanische Arzneifirmen im Jahre 2004 knapp 40 Milliarden Dollar in Werbemaßnahmen, rund 20 Milliarden in Forschung und Entwicklung. „Wir brauchen neue Strategien, um frühzeitig an Ärzte, am besten Assistenzärzte mit Chefarztqualitäten, heranzukommen“, so eine Agentin, die für Pharmafirmen arbeitet. Erst werden die aufstrebenden Ärzte und Forscher umhegt, später mit gut dotierten Vortragsreisen und großzügigen Forschungsgeldern bedacht. Im Gegenzug wird
3
unausgesprochen erwartet, dass der Arzt, der sich in seinem Fach inzwischen zum so genannten Opinion-Leader gemausert hat, wirkungsvoll für die entsprechenden Produkte einsetzt. Von der Pharma-Industrie bezahlte Journalisten schreiben die Vorträge für die überlasteten Chefärzte. Auf den Vorträgen sitzt die Fach- und Laienpresse und freut sich über griffiges Pressematerial. Wenig später steht es in allen Medien. Sicher, das ist eine simple Beschreibung, aber die Marketingmethoden sind so subtil, dass sich auch Ärzte, die meinen, außerhalb dieses Systems zu arbeiten, fragen müssen, ob sie sich dem Sog aus Geld, beruflichem Erfolg und Forscherglück wirklich so leicht entziehen können. Im Jahr 2002 übertraf auf der Liste der 500 umsatzstärksten Unternehmen der Welt der Gewinn der zehn größten Pharmafirmen die Gesamtsumme der Gewinne aller nachfolgenden 490 Firmen. Inzwischen ist dieses Ungleichgewicht zurückgegangen, aber auch 2005 kamen die zehn größten Pharmafirmen von Pfizer bis Bristol-Myers Squibb auf einen beeindruckenden Umsatz von knapp 260 Milliarden Dollar. Den Löwenanteil am Gewinn spielen so genannte Megabrands herein, Produkte, die innerhalb von zwei Jahren nach Markteinführung einen Umsatz von einer Milliarde US-Dollar pro Jahr erbringen. Ein bekanntes Beispiel: Lipitor, der Lipidsenker brachte dem Hersteller zwischen 2005 und 2006 11,4 Milliarden Dollar. Angesichts dieser Zahlen wird klar, dass eine Studie, die einen positiven Wirksamkeitsnachweis eines Medikaments erbringt, Gold wert ist.
Die schwächsten Glieder in der Kette
Über Fehltritte und Verquickungen von Ärzten und Big-Pharma wird regelmäßig in der Presse berichtet. Aber die Akteure sind vorsichtiger geworden. Da es den Pharmafirmen immer schwerer fällt, an die Ärzte heranzutreten, versuchen sie es auch über den Umweg Patient. „Die Industrie richtet sich auf die Veränderungen ein“, schreibt Jörg Breitenbach, Mitarbeiter der Pharma-Firma Abbott, in einem Schlusswort in dem 2007 erschienenen Buch „Die Pharmaindustrie- Einblick - Durchblick - Perspektiven“ und zwar „ ... vor allem mit der Annäherung an den Patienten...“. Selbsthilfegruppen und
Patienteninformationsveranstaltungen kommen so in den Genuss von Sponsorengeldern, die passenden Flugblätter liefert der Medikamentenhersteller gleich mit. Wer weiß, in welchen Internet-Selbsthilfeforen ein Pharmavertreter unter dem Deckmantel „Experte“ mitsurft. Diese neuere Art der Einflussnahme ist oftmals nicht nachvollziehbar. Eine 2008 an den Bundestag eingereichte Petition forderte daher eine uneingeschränkt zugängliche Auflistung über Art und Höhe von Zuwendungen an Selbsthilfegruppen, Patientenorganisationen sowie Vereine im Gesundheitswesen. Der Petitionsausschuss hat den Vorschlag jedoch nicht aufgegriffen.
4
Arbeit zitieren:
Fabienne Hübener, 2009, Pharma, Forschung und Profit, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Formatvorlage (Microsoft Word) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Ha...
Für MS Word 2003 - Update 2010
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 25 Seiten
Die Struktur des deutschen Pharmamarktes und ihre Auswirkungen auf CRM...
BWL - Marketing, Unternehmenskommunikation, CRM, Marktforschung
Seminararbeit, 37 Seiten
Fabienne Hübener hat den Text Pharma, Forschung und Profit veröffentlicht
Fabienne Hübener hat einen neuen Text hochgeladen
faktor-L Handbuch Neue Medizin Die Wahrheit über Dr. Hamers Entdeckung
Konflikte - Auslöser - Verlauf...
Monika Berger-Lenz, Christopher. Ray Ray, Andreas Kroitzsch
Indexed in Current Contents an...
A. Surbone, N. Pavlidis, F. Peccatori
Medikamente in der Tumortherapie
Handbuch für die Pflegepraxis
Thomas Kroner, Anita Margulies, Christian Taverna
Friedensnobelpreis und historische Grundlagenforschung
Ludwig Quidde und die Erschlie...
Michael Matheus
Lageberichtserstattung über den Bereich Pharmaforschung und -entwicklu...
Eine Analyse aus theoretischer...
Christoph Thiesen
0 Kommentare