Inhaltsverzeichnis
1. Vorwort 3
2. Die Figur des Zarathustra 5
3. Die These vom Tod Gottes 7
3.1 „Der tolle Mensch“ als der Verkünder vom Tod Gottes 7
3.2 Die Darstellung Gottes und seines Todes 8
3.2.1 „Außer Dienst“ 9
3.2.2 „Der hässlichste Mensch“ 10
3.2.3 Ursachen für den Tod Gottes 11
3.3 Gott als Erfindung. 12
4. Die These von der ewigen Wiederkehr des Gleichen 13
4.1 Die Wiederkunftslehre als Bejahung des Lebens 13
4.2 Zarathustra und die Lehre der ewigen Wiederkunft 14
4.3 Das Werk „Also sprach Zarathustra“ und die Wiederkunftslehre. 15
5. Nihilismus 17
6. Die Lehre des Übermenschen 18
6.1 Merkmale des Übermenschen. 18
6.1.1 Bejahung des Lebens 18
6.1.2 Ablehnung der Moral. 20
6.1.3 Schaffen und Zerstören 20
6.1.4 Autonomie. 21
6.2 Ewige Wiederkehr des Gleichen und Tod Gottes. 23
7. Schlussbemerkung 25
8. Literaturverzeichnis 26
2
1. Vorwort
Friedrich Nietzsche (1844-1899) gilt als einer der vieldeutigsten Philosophen überhaupt, sein Werk „Also sprach Zarathustra“ ist für viele bis heute ein Buch mit sieben Siegeln geblieben.
Dennoch und gerade deshalb geht von Nietzsche eine „seltsame“ Faszination aus. Er ist nicht der erste Religionskritiker überhaupt, doch mit seiner Verkündung vom Tod Gottes hat er den Bedeutungsverlust der Religion in der Neuzeit radikalisiert und konsequent zu Ende gedacht.
Im Zentrum von Nietzsches Philosophie stehen der Tod Gottes, der Wille zur Macht, die Proklamation des Übermenschen, die Lehre von der ewigen Wiederkehr des Gleichen, die Umwertung der Werte und der vorausgegangene Nihilismus. Die hier vorliegende Arbeit befasst sich mit den Thesen vom Tod Gottes und der ewigen Wiederkehr des Gleichen, wobei das literarische Werk „Also sprach Zarathustra“ im Mittelpunkt der Untersuchung steht, denn dieses beansprucht in Nietzsches Gesamtwerk eine herausragende Stellung, wie sie der Philosoph selbst akzentuiert: „- Innerhalb meiner Schriften steht für sich mein Zarathustra. Ich habe mit ihm der
Menschheit das grösste Geschenk gemacht, das ihr bisher gemacht worden ist.“ 2
Die Besonderheit des Werkes zeigt sich im Inhalt wie auch in der Form des „Zarathustra“, so dass jegliche Interpretation immer zwiespältig bleiben wird, kann man dieses Werk mit seinen vielen Anklängen und Anspielungen an die Bibel doch sowohl als ihre Parodie als auch als eine Art „Bibel der Zukunft“ 3 sehen. 4 Da es sich beim „Zarathustra“ um ein literarisches Werk handelt, dürfen die Aussagen der zentralen Figur - eben Zarathustra - nicht mit der Philosophie Nietzsches gleichgesetzt werden, auch wenn von verschiedenen Interpreten Zarathustra mit seinem Schöpfer Nietzsche als identisch angesehen wird. 5 Aus diesem Grund werde ich zur Verdeutlichung von Nietzsches Philosophie vor allem seine autobiographische Schrift
1 Nietzsche, Zarathustra, S.15
2 Nietzsche, Ecce homo, S. 259
3 Gerhardt, Erfindung eines Weisen, S. 1
4 vgl. Gerhardt, Erfindung eines Weisen, S. 13 und Figal, Nietzsche, S. 13
5 vgl. Himmelmann, Zarathustras Weg, S. 18 und Ottmann, Kompositionsprobleme, S. 62
3
„Ecce homo“ und die philosophische Schrift „Der Antichrist“ als Belege hinzuziehen. Dabei wird sich zeigen, dass der „Zarathustra“ eben kein rein literarisch und von Nietzsches Philosophie losgelöster Text, sondern vielmehr Zeugnis seiner Lebenseinstellung und Philosophie ist: „Ich [Nietzsche] habe eben kein Wort gesagt, das ich nicht schon vor fünf Jahren durch den Mund Zarathustras gesagt hätte.“ 6 Die Darstellungen der Thesen vom Tod Gottes und der ewigen Wiederkehr des Gleichen sowie als Ergänzung die Lehre des Übermenschen, die meiner Meinung nach aus Nietzsches Religionskritik resultiert, bilden den Schwerpunkt dieser Arbeit, die durch die Darstellung der Figur des Zarathustras und des Nihilismus vervollständigt wird.
6 Nietzsche, Ecce homo, S. 373
4
2. Die Figur des Zarathustra
Mit der Gestalt des Zarathustras scheint Nietzsche eine Art Maskenspiel zu betreiben: als literarisches Produkt dürfen wir sie nicht mit ihrem Autor Nietzsche identifizieren, gleichzeitig finden sich aber Anklänge an Buddha, Jesus und Sokrates 7 - und an den Autor selbst.
Nietzsches literarische Figur Zarathustra ist anhand des gleichnamigen altpersischen Philosophen konstruiert. Laut der altpersischen Tradition hatte dieser als Religionsstifter gewirkt und hatte gelehrt, dass im Kampf zwischen den guten und den bösen Mächten der Mensch nur ein Spielball und auf diese Weise den „überirdischen“ Mächten ausgeliefert ist. Nach der Überlieferung kehrt der Philosoph Zarathustra alle tausend Jahre wieder. Der literarische Zarathustras Nietzsches ist nun zu den Menschen zurückgekehrt, um seine eigene Lehre zu dementieren.
Diese Konzeption wird besonders im Kapitel „Von den Hinterweltlern“ deutlich. In diesem Kapitel bezieht sich Zarathustra auf seinen geistigen Werdegang und seine vorherige Lehre sowie seinen Glauben an Gott, denn „einst warf auch Zarathustra seinen Wahn jenseits des Menschen, gleich allen Hinterweltlern. Eines leidenden und zerquälten Gottes Werk erschien mir da die Welt.“ 8 Die Welt hinter den Dingen wurde da für ihn zur wahren Welt, zum einzigen Sein. 9
Der „neue“ Zarathustra wird von Nietzsche folgendermaßen charakterisiert: „Ein Seher, ein Wollender, ein Schaffender, eine Zukunft selber und eine Brücke zur
Zukunft - und ach, auch noch gleichsam Krüppel an dieser Brücke: das Alles ist Za-
rathustra.“ 10
Zarathustra proklamiert sich selbst als den Verkünder des Übermenschen. Als dieser hat er selbst bereits Tendenzen zu diesem, ist jedoch noch nicht vollendet. Seine Unvollkommenheit zeigt sich insbesondere in den depressiven Phasen 11 , dabei wird auch deutlich, dass Zarathustra selbst lernen muss. „Im Doppelsinn der Revision von Wiederholen und Widerrufen ist Zarathustra kon- und destruktiv.“ 12 Diese Tendenz ist besonders
7 vgl. Gerhardt, Erfindung eines Weisen, S. 3
8 Nietzsche, Zarathustra, S. 35
9 vgl. Himmelmann, Zarathustras Weg, S. 23
10 Nietzsche, Zarathustra, S. 179
11 vgl. beispielsweise Nietzsche, Zarathustra, S. 187, 190, 203
12 Ewertowski, Das Außermoralische, S. 160
5
erkennbar in Zarathustras Auflehnung gegen den Gedanken der ewigen Wiederkunft; bis zur Verinnerlichung und Lehre muss Zarathustra einen langen Kampf durchstehen. 13 Trotz allem darf man Nietzsches Zarathustra aber nicht als „neuen Priester“ bzw. Stifter einer neuen Religion sehen, denn Nietzsche selbst betont: „Hier redet kein Fanatiker, hier wird nicht ‘gepredigt’, hier wird nicht Glauben verlangt […].“ 14 Damit erkennt man meiner Meinung nach, welches Ziel das Werk „Zarathustra“ tatsächlich verfolgt: es geht nicht nur um die Vernichtung der alten Religion, sondern vielmehr sollen die Menschen vom überirdischen Denken - dem Glauben und die Anerkennung übermenschlicher Autoritäten - befreit werden, um so zu Autonomie und eigenständigen Denken zu gelangen. An dieser Stelle setzt die Lehre des Übermenschen an: der bisherige Mensch muss überwunden werden, aus ihm heraus muss eine neue Art Mensch entstehen: einer, der sich nicht für den Sinn seines Lebens einen Gott erfindet und so den Sinn des Lebens in ein Jenseits projiziert, denn es gilt das Diesseits zu bejahen.
13 vgl. Nietzsche, Zarathustra, S. 187-188, 197-202, 270-277 und Salaquarda, Grundconception,
S. 78-89
14 Nietzsche, Ecce homo, S. 260
6
3. These vom Tod Gottes
Den Tod Gottes kann man sowohl als Zustand als auch als Ereignis interpretieren. Versteht man ihn als Zustand, so heißt das, dass Gott nie vorhanden war. In der Bedeutung eines Ereignisses meint der „Tod Gottes“, dass Gott bis zu einem gewissen Zeitpunkt tatsächlich existiert hat und er dann „gestorben“ ist.
In der Philosophie Nietzsches wird der Tod Gottes als ein Ereignis 15 dargestellt, doch gerade das wirft für mich einige Probleme auf. Sicher erscheint, dass Gott nicht die Existenzweise eines Menschen haben kann, und somit auch nicht auf die Art eines Menschen gestorben sein kann. Deshalb denke ich, dass Nietzsche mit dem Leben eines Gottes eigentlich nur seine Existenz in der Vorstellung der Menschen gemeint haben kann. Der Glaube an diesen Gott hat somit die Existenz dieses höchsten Wesens genährt. Mit dem sich verbreitenden Atheismus verschwindet der Glaube an Gott. Meiner Meinung ist es so, dass die fehlende menschliche Vorstellung eines Gottes, der Atheismus oder einfach der nicht (mehr) vorhandene Glaube an Gott als Tod Gottes bezeichnet wird.
Im Verlauf dieses Kapitels werde ich die verschiedenen Facetten in Nietzsches Darstellung Gottes und seines Todes aufzeigen und erläutern.
3.1 „Der tolle Mensch“ als der Verkünder vom Tod Gottes
In Nietzsches Werk „Die fröhliche Wissenschaft“ wird der Tod Gottes durch den „tollen Menschen“ verkündet. 16
„‘Wohin ist Gott?’ rief er, ‘ich will es euch sagen! Wir haben ihn getötet - ihr und
ich! Wir alle sind seine Mörder!’“ 17
Hier interpretiert Nietzsche Gottes Tod als historisches Ereignis, bei dem die Menschen Gottes Mörder sind, womit meiner Meinung nach die These unterstützt wird, dass der Tod Gottes den Vorgang des fortschreitenden Atheismus der Menschen bezeichnet, denn auf dem Marktplatz, auf dem der tolle Mensch auftaucht, „[standen] gerade viele von denen [zusammen], welche nicht an Gott glaubten“ 18 . Gleichzeitig wird an der Re-
15 vgl.Nietzsche, Fröhliche Wissenschaft, S. 120-121 und Nietzsche, Zarathustra, S. 321-332
16 vgl. Nietzsche, Fröhliche Wissenschaft, S. 120-121
17 Nietzsche, Fröhliche Wissenschaft, S. 120
18 ebd.
7
Arbeit zitieren:
M.A. Andrea Frohleiks, 2003, Der Tod Gottes und die ewige Wiederkehr des Gleichen - Kritik der Theologie bei Nietzsche , München, GRIN Verlag GmbH
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