Seminar für Wirtschafts- und Sozialgeschichte
Hauptseminar Wintersemester 02/03:
Geschichte der Medienunternehmen in Köln
EMI Electrola
Vorgelegt von:
Dirk Neuhausen/Michael Krämer
Inhaltsverzeichnis Seite
1. Einleitung 1
2. Die Anfänge
2.1 Die Geburtsstunde der Musikindustrie 2
2.2 Die Entstehung der EMI 3
3. Electric & Musical Industries Ltd.
3.1 2.Weltkrieg und Nachkriegszeit
3.1.1 Die Kriegsjahre 1939-1945 .. 5
3.1.2 Wiederaufbau in Köln 6
3.1.3 Radio, TV und Film 6
3.2 Aufschwung und Fall
3.2.1 Diversifikationsstrategie 7
3.2.2 Die 70er Jahre 8
4. Thorn EMI
4.1 Zurück zu den Kernbereichen 10
4.2 Die 90er Jahre 11
5. EMI Music Germany
5.1 Gegenwärtige Unternehmenslage 12
5.2 Erlösquellen
5.2.1 Verkauf von Notenblättern 16
5.2.2 Verkauf von CDs, LPs, MCs, etc. – Erstauswertung 17
5.2.3 Einnahmen aus öffentlichen Auftritten – Performing Fees 18
5.2.4 Gebühreneinnahmen durch Leistungsschutzrechte – Zweitauswertung 18
5.2.5 Lizenzeinnahmen und Merchandising 19
5.2.6 Kommerzielle Musikportale 19
5.3 Unternehmensstrategien 20
5.3.1 Marketing 20
5.3.1.1 Segmentierung in Marktkategorien 21
5.3.1.2 Preisdifferenzierung und Preissegmente 21
5.3.1.3 Mehrfachauswertung 22
5.3.1.4 Distribution 24
5.3.1.5 Künstlerportfolios 25
5.3.2 Integration 26
5.3.2.1 Vertikale Integration 26
5.3.2.2 Horizontale Integration 26
5.3.2.3 Diagonale Integration 27
6. Fazit 28
Literaturverzeichnis 30
Abbildungsverzeichnis 33
1. Einleitung
Die EMI Electrola GmbH mit Sitz in Köln, die seit 2002 unter dem Namen EMI Music Germany firmiert, ist eine der größten Tonträgerhersteller in Deutschland und ein Bestandteil der weltweit agierenden EMI Group. Sie besteht seit Jahren in einer höchst dynamischen Branche, die immer wieder im Laufe der über 100- jährigen Geschichte in Krisen geriet und ihre Aufgaben neu definieren musste. Im Folgenden soll untersucht werden, welche Einflussfaktoren die Musikindustrie im Zeitablauf beeinflusst und welche Auswirkungen sich dabei auf Unternehmensstrategien ergeben haben. Dazu wird zunächst ein historischer Abriss, vom Beginn der Entwicklung der Musikindustrie, in dem auch die Geschichte der EMI wurzelt, bis in die Gegenwart gegeben. Da die Musikindustrie von Anfang an global ausgerichtet war und das Agieren der Electrola als Niederlassung der britischen EMI nicht von dieser separierbar ist, wird sich der Blickwinkel nicht auf den deutschen Markt und die deutsche EMI beschränken. Im Anschluss wird ausführlicher auf bestimmte strategische Gesichtspunkte eingegangen. Hier wird zu klären versucht, wie im Musikgeschäft Geld verdient werden kann. Aufgezeigt werden die Erlösquellen und die entscheidenden Marketingstrategien, die diese auszuschöpfen suchen. Eingegangen wird ebenso auf die Strategien der Integration, die, wie sich zeigen wird, eine hohe Bedeutung in der Musikindustrie haben. Bei alledem wird auch immer wieder die jüngste Entwicklung der Digitalisierung und ihr Einfluss auf die Branche und ihre Geschäftsmodelle berücksichtigt und versucht einen Ausblick auf die nahe Zukunft zu geben.
Die Quellenlage beschreibt Wicke treffend: „Die Literatur zum Thema ist vergleichsweise spärlich, eine systematische Erforschung findet … nicht statt, theoretische Modelle für eine adäquate Musikökonomik fehlen völlig … Die Quellenlage ist mehr als problematisch, da zu industrieinternen Vorgängen schon aus wettbewerbsrechtlichen Gründen kaum Zugang zu erhalten ist.“1 Als Hauptquellen dienten das Buch „EMI - Since Records Began – The first 100 years“ von Peter Martland und diverse, über das Internet zugängliche Texte von Peter Wicke. Ergänzt wurde dies durch Online-Recherchen und Literatur zu ECommerce und Medienökonomie.
2. Die Anfänge
2.1 Die Geburtsstunde der Musikindustrie
Die Musikindustrie, wie wir sie heute kennen, hat ihre Ursprünge Ende des 19. Jahrhunderts und ist in dieser Zeit mit drei wesentlichen Ereignissen verknüpft. Die Erfindung des Phonographen durch Thomas A. Edison 1877, die des Grammophons 1887 durch den Deutsch-Amerikaner Emil Berliner sowie der Gründung der Columbia Phonograph Company im Jahre 1888.1 Letzteres Ereignis gilt allgemein als die Geburtsstunde der Musikindustrie, denn die Phonograph Company war die erste selbstständig operierende Vertriebsorganisation für Phonographen, damals gegründet für den District of Columbia nahe Washington. Das heute weltweit erfolgreiche Columbia Platten-Label des Elektronik-Konzerns Sony kann seine Ursprünge auf die Phonograph Company zurückführen. 2 Die Pionierzeit der Musikindustrie in den USA war ab 1898 von heftigen Patentstreitigkeiten geprägt, welche dort die Entwicklung der jungen Branche fast vollständig zum Stillstand brachten. Als Reaktion hierauf versprachen erste Firmengründungen in Europa uneingeschränkte Entfaltungsmöglichkeiten. 1898 gründete Emil Berliner in London eine europäische Tochtergesellschaft – die London Gramophone Company, die sich mit der 1900 gegründeten Columbia Graphophone Company 1931 zur Electric and Musical Industries zusammenschließen sollte.3 Auch Deutschland wurde von einer Welle von Firmengründungen erfasst und hier entstanden 1897 die Carl Lindström AG und 1899 die Deutsche Grammophon AG, die in den kommenden Jahren ebenfalls in die EMI eingingen und später unter dem Namen EMI Electrola in Deutschland tätig sein sollten.
Die erste Phase der Entwicklung der Musikindustrie war nahezu völlig von der Technologie der Klangaufzeichnung und –wiedergabe geprägt. Da die Produktion von Tonträgern und dazugehörigen Wiedergabegeräten noch als Einheit unter einem Firmendach erfolgte, wurde die Konkurrenz hauptsächlich über die gerätetechnische Seite ausgetragen.
[....]
1 Wicke, P. (1997): Musikindustrie im Überblick, o.S.
1 Vgl. Heimbürge, S. (2001), Kapitel VIII
2 Vgl. Wicke, P. (1997): Musikindustrie im Überblick, o.S.
3 Vgl. Martland, P. (1997), S.12 und S.22
Arbeit zitieren:
Michael Krämer, Dirk Neuhausen, 2003, EMI Electrola, München, GRIN Verlag GmbH
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