Inhaltsverzeichnis
S e i t e
Einleitung 3
1. Roschs Prototypentheorie 4-6
2. Putnams Stereotypensemantik 6 - 9
3. Parallelen zwischen Putnam und Rosch 9-10
4. Unterschiede zwischen Putnam und Rosch 10-11
5 F a z i t 1 1 - 1 2
Literaturverzeichnis 1 3
2
Einleitung
„Sagt der Arbeiter zu seinem Kollegen: „Alle Zebrastreifen sollen gestrichen werden.“
Sagt der Kollege: „Mann, da haben die im Zoo aber viel zu tun!“
Um diesen Witz begreifen zu können, ist es selbstverständlich, dass man beide Bedeutungen von Zebrastreifen kennt. Ab wann kann man den Zebrastreifen als ein tierisches Merkmal, und ab wann kann man es als Verkehrszeichen sehen? Gibt es klare Grenzen zwischen beiden? Wenn ja, wie kann es dann sein, dass es dennoch zu Unstimmigkeiten kommt wie bei diesem Witz? In Scherzfragen und Witzen werden derartige Mehrdeutigkeiten eines Wortes genutzt und gezielt angewendet, jedoch ist es nicht selten, dass uns Ähnliches auch in Wirklichkeit begegnet. Analoge Situationen passieren einem ständig, denn auch wenn man dieselbe Sprache spricht, geschieht es sehr oft, dass man missver-standen wird. Das hängt damit zusammen, dass wir die Wörter unterschiedlich kategorisieren. Wir sagen zwar dasselbe, in der Hoffnung der Gegenüber versteht es so, wie wir es meinen, aber es passieren dennoch Missverständnisse. Nicht nur der Ton spielt hier eine Rolle, da nicht selten derartige Verwechslungen auch im schriftlichen Bereich geschehen, wie beispielsweise beim Briefverkehr. Anscheinend ist die Fehldeutung auf das Wort selber zurück zu führen. Dieses Phänomen der Missdeutung ist uns allen geläufig, denn es ist alltäglich und normal. Und gerade wegen der Häufigkeit und Dauerhaftigkeit verdient es näher betrachtet und erforscht zu werden.
Das menschliche Einordnen in Kategorien ist für die Sprachforschung − insbesondere für die Semantik von wichtiger Bedeutung, da sprachliche und kognitive Ka-tegorisierungsmethoden eng zusammenhängen.
Aus diesem Anlass wird in dieser Hausarbeit der Blick auf die Prototypentheorie von Rosch und die Stereotypensemantik von Putnam gerichtet, wobei der Fokus auf den Parallelen und Unterschieden liegen soll. Begonnen wird mit Roschs The-orie, da diese vorher entstand.
3
1. Roschs Prototypentheorie
Roschs Prototypentheorie besagt, dass jeder von uns in der Lage ist, egal zu welcher Kultur er gehört, die „Struktur einer Vielzahl von Kategorien, zu denen es in der Regel auch sprachliche Äquivalente in Form von Lexemen gibt, zu bestimmen“ 1 . Dieses macht sich dadurch bemerkbar, dass wir unterschiedliche „Repräsentanten einer jeweiligen Kategorie festlegen und benennen können“ 2 . Diese Repräsentanten bezeichnet man in der Prototypentheorie als Prototyp, welches das beste Beispiel darstellt, und als Peripheri, welches ein weniger gutes Beispiel verkörpert. 3 Den Prototypen erkennt man daran, dass er „möglichst viele oder möglichst wichtige Eigenschaften“ 4 hat, „die viele andere Elemente der Kate-gorie nur teilweise haben“ 5 . Als Beispiel wird der Pinguin gezeigt, welcher für manche einen Vogel darstellt, für andere hingegen ist er jedoch „untypisch für einen Vogel“ 6 . Durch Ausdrücke wie ‚irgendwie’, ‚eine Art’ oder ‚etwas wie’ kann man den Vogel kategorisieren. Solche Begriffe werden als „Schärfe- und Unschär-feindikatoren“ 7 bezeichnet, welche die Funktion haben wörtlich genommen zu werden (Schärfeindikatoren) oder nicht wörtlich genommen zu werden (Unschärfe-indikatoren). 8 Müller beschreibt die Begriffe als „’indizierte Et-cetera-Annahme’“ 9 , welche sich auf die Unschärfeindikatoren bezieht, und als „’Par-excellence-Annahme’“ 10 , die Bezug auf die Schärfeindikatoren nimmt. Eine weitere Ansicht von Roschs Prototypentheorie besagt, dass „ein Ähnlichkeitsprinzip […] an Familienähnlichkeiten […] über die Zugehörigkeit der Mitglieder zu einer bestimmten Kategorie entscheidet“ 11 . Dabei ist anzumerken, dass die Merkmale nicht hundertprozentig zutreffen müssen, „sondern auch ‚zum Teil’ oder ‚nur etwas’“ 12 passen. Welche Eigenschaft nun wichtiger ist, als die andere, wird
1 Martina Mangasser-Wahl: Von der Prototypentheorie zur empirischen Semantik. Dargestellt am Beispiel von Frauenkategorisierungen. Peter Lang GmbH. Frankfurt am Main. 2000. S. 92
2 Ebd.
3 Vgl. Ebd.
4 Ebd.
5 Ebd.
6 Mangasser-Wahl: Von der Prototypentheorie zur empirischen Semantik. S. 93
7 Mangasser-Wahl: Von der Prototypentheorie zur empirischen Semantik. S. 94
8 Vgl. Ebd.
9 Ebd.
10 Ebd.
11 Ebd.
12 Ebd.
4
Arbeit zitieren:
Yasmin Tosun, 2009, Roschs Prototypentheorie vs. Putnams Stereotypensemantik, München, GRIN Verlag GmbH
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