2. Begriffsbestimmung
2.1 Innovation und innovatives Handeln
Hauschildt und Salomo verweisen auf eine große Anzahl definitorischer Ansätze zu dem Begriff der Innovation und zeigen auf, dass begriffliche Klarheit keinesfalls besteht (2007, S. 3). Hage definiert Innovation folgendermaßen: „Organizational innovation has been consistently defined as the adoption of an idea or behavior that is new to the organization. The innovation can either be a new product, a new service, or a new practice” (1999, S. 600). Der Fokus dieser Definition liegt auf der Eigenschaft der Neuheit von Innovationen für das Unternehmen. Des Weiteren hebt Hage die Art von Innovationen als Produkt, Dienstleistung oder Verfahren hervor.
Auch Klusemann sieht in der Neuheit eine wesentliche Eigenschaft von Innovationen. Den notwendigen Grad der Neuheit einer Innovation sieht er, anders als Hage, in Abhängigkeit des jeweiligen Kontextes, in denen Innovationen stattfinden (2003, S. 26).
Hage weist in seiner Definition von Innovationen bereits auf die Ausdifferenzierung des Innovationsbegriffes nach Gegenstandsbereich hin, indem er in Produkte, Dienstleistungen sowie Verfahren klassifiziert. Die Differenzierung nach Gegenstandsbereichen ist eine der gängigen Klassifizierungsarten. Damanpour schreibt diesbezüglich: „Among numerous typologies of innovation advanced in the relevant literature, three have gained the most attention. Each centers on a pair of types of innovation: administrative and technical, product and process, and radical and incremental” (1991, S. 560).
Die Trennung von administrativer und technischer Innovation ist wichtig, weil sie eine Trennung zwischen Innovationen in sozialen Systemen und in Technologien vorsieht. Technische Innovationen beziehen sich auf verbesserte oder neue Produkte, Dienstleistungen und Verfahren. Administrative Innovationen beziehen sich auf Veränderungen in der Unternehmenskultur und in den Verwaltungsprozessen (ebd., S. 560‐ 561).
Die Differenzierung nach Gegenstandsbereichen sieht eine Unterscheidung in Produkt‐, Prozessinnovationen sowie in Innovationen von Dienstleistungen vor. Produktinnovation meint neuartige Produkte, die auf dem Markt angeboten werden können. Sie dienen der Erweiterung des
5
Spektrums des Angebotes am Markt, durch die Ermöglichung neuartiger Leistungen neue Zwecke auszufüllen, oder bereits bestehende Zwecke in anderer Art und Weise zu erfüllen. Produktinnovationen dienen demnach der Steigerung der Effektivität (Hauschildt & Salomo, 2007, S.9). Prozessinnovationen werden in Abgrenzung dazu von Damanpour definiert als: „New elements introduced into an organization's production or service operations - input materials, task specifications, work and information flow mechanisms, and equipment used to produce a product or render a service” (1991, S. 561). Danach meint Prozessinnovation die neuartige Faktorenkombination für ein Produkt oder eine Dienstleistung. Prozessinnovationen dienen der kostengünstigeren, qualitativ hochwertigeren, sichereren oder schnelleren Produktion eines Gutes. Die Steigerung der Effizienz ist primäres Ziel von Prozessinnovationen (Hauschildt & Salomo, 2007, S. 9). Die Innovation von Dienstleistungen besteht, je nach Beschaffenheit dieser, aus einer Schnittmenge aus Produkt‐ und Prozessinnovationen.
Die Umsetzung von Innovationen bringt Veränderungen in den Strukturen und Funktionen von Organisationen mit sich. Das Ausmaß dieser Veränderungen ist nicht bei allen Innovationen gleich. Innovationen lassen sich demnach, nach dem Grad der Veränderung, den sie in der bestehenden Praxis des Unternehmens verursachen, klassifizieren. Dieser Ansatz umfasst die Ausdifferenzierung in radikale und inkrementelle Innovationen. Zu diesem Ansatz liegen verschiedene Kategorien vor. Norman (1971) unterscheidet in „variation“ und „reorientation“ Innovationen, während Nord und Tucker (1987) „routine“ and „radical“ Innovationen voneinander abgrenzen. Grossman (1970) unterteilt „ultimate“ sowie „incremental“ Innovationen. „Reorientation“ und „nonroutine“ sowie „ultimate“ Innovationen sind radikale Innovationen. Diese zeichnen sich dadurch aus, dass sie fundamentale Veränderungen in den Aktivitäten eines Unternehmens hervorrufen und für klare Abwendungen von bestehenden Praktiken stehen. „Variation“ und „routine“ Innovationen bilden die inkrementellen Innovationen. Sie zeichnen sich durch kleine aber kontinuierliche Veränderungen und Abweichungen von den üblichen Praktiken eines Unternehmens aus (Damanpour, 1991, S. 561).
Klusemann differenziert Innovationen und innovatives Handeln, indem er innovatives Handeln als „den Prozess der Entwicklung und Umsetzung innovativer Produkte“ bezeichnet (2003, S. 25). Innovatives Handeln umfasst ferner alles Handeln, das als Ziel die Optimierung der materiellen Produkte, Dienstleistungen und/oder internen Prozesse einer Organisation hat (ebd., S. 34). Die Abgrenzung von Innovationen zu innovativem Handeln liegt in der Festlegung von Innovationen auf das Produkt, Verfahren oder die Dienstleistung, sowie dem Verständnis von innovativem Handeln als den Prozess der Entwicklung und Umsetzung dieser (ebd., S. 34). 6
Für die Entstehung innovativen Handelns sind nach Behrends drei Dimensionen von Innovativität Voraussetzung. Er spricht in diesem Kontext von der Innovationsbereitschaft, der Innovationsfähigkeit sowie der Innovationsmöglichkeit (2001, S. 96).
Die Dimension der Innovationsbereitschaft lässt sich nach Klusemann auf das persönliche Wollen eines Individuums zurückführen. „Die Innovationsbereitschaft umfasst die motivationalen Bedingungen von Verhaltensweisen. Es äußert sich in der Bereitschaft und dem Willen ein bestimmtes Verhalten oder bestimmte Fähigkeiten zu zeigen, die innovationsförderlich sind“ (Klusemann, 2003, S. 102). Thom sieht in der Innovationsbereitschaft die Voraussetzung zum aktiven, selbstständigen Einsatz des vorhandenen Potentials (1992, S. 12).
Die Innovationsfähigkeit beschreibt nach Cramme und Lindstädt die Merkmale, die Voraussetzung für das Entwickeln, Annehmen sowie das Einführen von Innovationen sind (2005, S. 142). Die Innovationsfähigkeit lässt sich aus dem Innovationspotential ableiten. Das Innovationspotential setzt sich aus den organisatorischen sowie personalen Merkmalen zusammen. Organisatorische Faktoren beinhalten beispielsweise den Grad der Spezialisierung, der Standardisierung, der Delegation oder Partizipation (ebd., S. 143). Die personalen Faktoren beschreiben die Eigenschaften eines Individuums an Innovationen mitzuwirken. Als Beispiele für personale Faktoren führen Cramme und Lindstädt beispielsweise Qualifikation an (2005, S. 143).
Die Dimension Innovationsmöglichkeit umfasst das situative Ermöglichen, welches objektive Voraussetzung für innovatives Handeln ist. Neben dem situativen Ermöglichen nimmt die Erwünschtheit innovativen Verhaltens in der Dimension Innovationsmöglichkeit eine zentrale Rolle ein (ebd., S. 143).
7
2.2 Die Phasen des Innovationsprozesses
Der Prozess des innovativen Handelns beinhaltet nach North, Friedrich und Brathz alle Aktivitäten, die für die Erreichung des Innovationszieles erforderlich sind (2005, S. 80). In der Fachliteratur finden sich verschiedenste Konzepte zur Phasengliederung von Innovationsprozessen. Gemeinsam ist allen Modellen eine Untergliederung in mindestens zwei Phasen, wobei zwischen den Phasen der Ideenregenerierung und der Ideenimplementierung differenziert wird (ebd., S. 80). Diese Arbeit orientiert sich an dem Modell der Kernphasen des betrieblichen Innovationsprozesses nach Staudt und Auffermann (1996). Die nachfolgende Abbildung verdeutlicht dieses Modell.
Abbildung 1: Die Phasen des Innovationsprozesses
Quelle: Guildin, 2006, S. 308
Der Beginn des Innovationsprozesses ist durch einen Impuls gekennzeichnet. Dieser Impuls kann vielfältiger Natur sein. Möglich sind technologische Entwicklungen, neue Bedürfnisse, geänderte Rahmenbedingungen sowie unbefriedigende Rendite. Der Impuls initiiert die nachfolgende Phase der Ideenfindung. Die Phase der Ideenfindung umfasst nicht nur die eigene Ideenentwicklung, sondern ebenfalls die Beschaffung von externen Ideen, beispielsweise durch Imitation von Konkurrenten. Des
8
Arbeit zitieren:
Linda Sophie Paland, 2009, Determinanten der Innovationsstärke von Unternehmen, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Interkulturelle / internationale Kooperation
Psychologie - Arbeit, Betrieb, Organisation und Wirtschaft
Seminararbeit, 26 Seiten
Typologie der Kaufentscheidungen
BWL - Marketing, Unternehmenskommunikation, CRM, Marktforschung
Hausarbeit, 24 Seiten
Entwicklung und Pflege einer Unternehmenskultur
Ein ernst zu nehmender Erfolgs...
BWL - Unternehmensführung, Management, Organisation
Diplomarbeit, 91 Seiten
Gewerkschaftsmitgliedschaft in Deutschland: Strukturen, Determinanten ...
Schwerpunktheft der Industriel...
Claus Schnabel, Joachim Wagner
Identitätsbildung: Implikationen für globale Unternehmen und Regionen
Dt. /Franz.
Christian Scholz
Personalabbau bei sanierungsbedürftigen und insolventen Unternehmen
Interessenausgleich und Sozial...
Wilhelm Schmeisser, Peter Hofmann
Die Determinanten des Jagdpachtpreises
Eine empirische Studie am Beis...
Ralf Michael Renneke
Mathematik 2. Matrizen und Determinanten, Lineare Gleichungssysteme, V...
Ein Lehr- und Übungsbuch
Regina Gellrich, Carsten Gellrich
Unternehmensreputation als Determinante von Kaufentscheidungen
Methodische Aspekte komplexer ...
Markus Eberl
Führungsfähigkeiten und Basisfähigkeiten als Determinanten des Unterne...
Theoretische Aspekte und Ergeb...
Mark Zeise
Kundenkompetenzen als Determinanten der Kundenbindung
Eine empirische Kausalanalyse ...
Markus Müller-Martini
0 Kommentare