1 ERÖFFNUNGSBUCHUNG. 1
2 DAS „WAS“ UND „WIE“ DES UNTERRICHTENS 2
2.1 DIDAKTISCHE KONZEPTE ZUM THEMENGEBIET RECHNUNGSWESEN. 3
2.1.1 Der traditionelle Bilanzansatz. 3
2.1.2 Der pagatorische Ansatz 4
2.1.3 Der wirtschaftsinstrumentelle Ansatz 5
2.2 DER WIRTSCHAFTSINSTRUMENTELLE ANSATZ ALS INHALTLICHE GRUNDLAGE 6
3 THEORETISCHE GRUNDLAGEN FÜR DIE METHODIK IM UNTERRICHT. 7
3.1 DARSTELLENDER UNTERRICHT 8
3.2 HANDLUNGSORIENTIERUNG. 9
3.3 PROBLEMORIENTIERTER UNTERRICHT. 10
3.4 SELBSTORGANISIERTES LERNEN 11
4 METHODISCHE REALITÄT IM UNTERRICHT 12
4.1 JÜRGEN SEIFRIE:D SICHTWEISEN AUF DIE METHODISCHE GESTALTUNG VON UNTERRICHT. 12
4.2 GÜNTER PÄTZOLD .UA.: LEHR-LER-NMETHODEN IN DER BERUFLICHEN BILDUNG 14
5 ABSCHLUSSBUCHUNG 15
LITERATURVERZEICHNIS III
II
1 Eröffnungsbuchung
„Denn die Konten sind nichts anderes als eine geeignete Anordnung der Vorstellungen, die der Kaufmann sich macht, um durch ihre gleichmäßige Anwendung zur Kenntnis seiner sämtlichen Geschäfte zu gelangen und leicht zu sehen, ob seine Geschäfte gut oder schlecht gehen, denn das Sprichwort sagt: Wer Waren herstellt und sie nicht kennt, dem werden seine Gelder zur Fliege.“ 1 Dieses Zitat stammt von Luca Pacioli, der zu einen der ersten zählte, welcher sich mit der Vermittlung der Buchhaltung beschäftigte, und durch sein Werk „Abhandlung über die Buchhandlung“ von 1494 eine Vorbildfunktion für nachfolgende Autoren von Literatur zur Didaktik der Buchhaltung innehatte. 2 Seit der Zeit Paciolis sind nunmehr über 500 Jahre vergangen. Bis zum heutigen Tag unterlag nicht nur die Buchführung, oder besser das Rechnungswesen, einer Veränderung, sondern auch deren Didaktik und Methodik. Nachdem die wissenschaftliche Diskussion über das „richtige“ Vermitteln von Rechnungswesen etwas verstummte, war es Frank Achtenhagen, der diese wieder konstruktiv entfachte. Er nahm die aufkommende Diskussion um die Handlungsorientierung als Anlass diese auch in die Didaktik des Rechnungswesens zu implementieren. 3 Seit diesem Zeitpunkt wurde eine Vielzahl von Literatur zu diesem Thema verfasst. Dabei handelt es sich um theoretische als auch um praktisch orientierte und evaluierende Literatur.
Ziel dieser Hausarbeit ist es, die Passung von Lerninhalt, Rechnungswesen, und Methode darzustellen sowie einen Soll-Ist-Vergleich anhand verschiedener empirischer Studien zu diesem Thema aufzuzeigen. Von einer detailgetreuen Darstellung und Erklärung verschiedener, zum Großteil handlungsorientierter Methoden sehe ich ab, da die Passung im Vordergrund stehen soll und es zum Thema Lehr-Lern-Methoden sehr gute Literatur existiert. Aus diesem Grund verweise ich auf Kaiser/ Kaminski (1999), Pätzold (1993) und Terhart (2000) und Schiller (1998).
Um die Materie vollständig zu behandeln, halte ich es für notwendig, dass man sich zuerstwenn auch nur kurz - mit den drei kritisch diskutierten didaktischen Ansätzen zum Thema
1 PACIOLI, Luca: Abhandlung über die Buchhaltung 1494. Nach dem italienischen Original von 1494 ins Deutsche übersetzt und mit einer Einleitung über DIE ITALIENISCHE BUCHHALTUNG IM 14. UND 15. JAHRHUNDERT UND PACIOLIS LEBEN UND WERK versehen von Balduin Penndorf. IN: QUELLEN UND STUDIEN ZUR GESCHICHTE DER BETRIEBSWIRTSCHAFTSLEHRE, Band II, SEYFFERT, Rudolf (Hrsg.), C.E. POESCHEL VERLAG STUTTGART. 2003. S. 129f.
2 Vgl. REINISCH, Holger: Ökonomisches Kalkül und kaufmännisches Selbstbild. Die Formung des kaufmännischen Arbeitsvermögens im vorindustriellen Deutschland unter besonderer Berücksichtigung des Buchhaltungsunterrichts - zugleich eine Studie zu dessen Geschichte und Didaktik von den Anfängen bis zum Ende des 18. Jahrhunderts als Beitrag zur berufspädagogisch-historischen Curriculumforschung. Habilitationsschrift. Oldenburg: Fachbereich Wirtschafts- und Rechtswissenschaften der Universität Oldenburg, 1991. S. 60.
3 Vgl. PREIß, Peter: Didaktik des wirtschaftsinstrumentellen Rechnungswesens. München u.a.: R. Oldenbourg Verlag München Wien, 1999. S. 1.
1
Rechnungswesen befassen muss, die am häufigsten in der Literatur erörtert wurden. Hierbei wird besonders der wirtschaftsinstrumentelle Ansatz im zweiten Kapitel Beachtung finden. Im Anschluss daran werden die sich aus dem wirtschaftsinstrumentellen Ansatz innewohnenden Handlungsempfehlungen kurz erläutert um aufzuzeigen, warum „neue“ 4 - handlungsorientierte - Methoden im Rechnungswesenunterricht ihre Berechtigung besitzen, wenn nicht sogar unumgänglich sind. Um den Handlungsbedarf auf den Feldern der Didaktik und Methodik deutlich zu machen, wird unter viertens anhand ausgewählter Studien dargestellt, wie sich die methodische Realität im Rechnungswesenunterricht nach Jahren der wissenschaftlichen Debatte offenbart. Den Abschluss der Arbeit bildet ein zusammenfassendes Fazit, in dem versucht wird, einen Ausblick in die methodenabhängige Zukunft des Rechnungswesenunterrichtes durch wissenschaftlich fundierte Handlungsvorschläge zu eröffnen.
2 Das „Was“ und „Wie“ des Unterrichtens
„Das Wort „Methode“ geht auf das altgriechische „methodos“ zurück, wodurch der Weg oder die Schrittfolge bezeichnet wird, der bzw. die zur Erreichung eines vorgestellten Zieles führt.“ 5 Beschäftigt man sich mit der Frage zur passenden Methodik zum Lerninhalt, z.B. der Ökonomie, so wird man nur verbindliche und stichhaltige Antworten erhalten, wenn man diese Frage im Gesamtzusammenhang der Fachdidaktik betrachtet. Stimmt man der Aussage zu, dass Didaktik die Theorie des Lehrens und Lernens ist, so geht man mit Hilbert Meyer kon-form, dass die Methodik alleine genommen kein lebensfähiges Teilgebiet der Didaktik darstellt. Die in der gängigen Fachliteratur verwendete Einteilung, dass sich Didaktik mit dem „Was“ und Methodik mit dem „Wie“ des Handelns im Unterricht beschäftigt, wird somit nach einer genaueren Betrachtung problematisch. Aus diesem Grund ist es nicht nur für den Theoretiker, sondern auch für den Praktiker sinnvoll sich mit den Interdependenzen von Didaktik und Methodik auseinanderzusetzen. 6
Dass das Themengebiet der Unterrichtsmethodik nicht trivial ist erkennt man allein an der Anzahl der Definitionen welche in verschiedenen Ausprägungen in der gängigen Fachliteratur, existieren. 7 Die Unterschiede in den Ausprägungen werden in zweierlei Hinsicht deutlich.
4 Vgl. PÄTZOLD, Günter; KLUSMEYER, Jens; WINGELS, Judith; LANG, Martin: Lehr-Lern-Methoden in der beruflichen Bildung. Eine empirische Untersuchung in ausgewählten Berufsfeldern. Oldenburg: Universität Oldenburg. 2003, S. 1.
5 TERHART, Ewald: Lehr-Lern-Methoden. Eine Einführung in Probleme der methodischen Organisation von Lehren und Lernen. Weinheim und München: Juventa Verlag, 3., ergänzte Auflage, 2000, Grundlagentexte Pädagogik. S. 34.
6 Vgl. KAISER, Franz-Josef; KAMINSKI, Hans: Methodik des Ökonomie-Unterrichts. Grundlagen eines hand-lungsorientierten Lernkonzepts mit Beispielen. Bad Heilbrunn/ Obb.: Verlag Julius Klinkhardt, 3. vollständig überarbeitete Auflage, 1999, S. 11f.
7 Vgl. hierzu TERHART, Ewald: Lehr-Lern-Methoden. S. 24f.
2
Zum einen variiert der Umfang des Gegenstandes, welcher mit Unterrichtsmethode beschrieben wird, zum anderen setzen die Autoren hinsichtlich der inhaltlichen Intension verschiedene Schwerpunkte. Gruppiert man die verschiedenen inhaltlichen Kerngedanken, so erhält man vier Dimensionen, die eng mit dem Themengebiet der Methodik in Zusammenhang stehen: Zielerreichung, Sachbegegnung, Lernhilfe und Rahmung. Bei der Dimension der Zielerreichung wird die Aufgabe der Methode hervorgehoben, um die im Vorfeld der Stunde artikulierten Lernziele zu erreichen. Die Dimension Sachbegegnung verdeutlicht die vermittelnde Funktion der Methodik zwischen dem aneignendem Lernsubjekt und dem anzueignendem Lernobjekt. Unter der Dimension Lernhilfe wird verstanden, dass günstige Rahmenbedingungen für den Lernenden zur Aneignung des Lernobjektes geschaffen werden sollen. Hier wird postuliert, dass Lehren zwar notwendige Bedingung für Lernen sein kann aber nicht hinreichende Bedingung. Der Lernerfolg wird von den Eigenschaften des Lernens der Schüler bedingt. Aus diesem Grund wird der Lern- bzw. Unterrichtspsychologie eine hohe Bedeutung für die Unterrichtsmethode als Lernhilfe beigemessen. Die letztgenannte Dimension der Rahmung bezieht sich darauf, wo der Lehr-Lern-Prozess stattfindet. Allein durch die Institution Schule werden Entscheidungen hinsichtlich der Methode eingegrenzt und bei der Methodenwahl der Lehrenden kann nur noch von Restfreiheit gesprochen werden. 8 Aufgrund der Thematik dieser Arbeit wird im weiteren Verlauf der Fokus auf die Dimension Sachbegegnung gelegt, wodurch meines Erachtens auch die Dimensionen Zielerreichung und Lernhilfe angesprochen werden. Im Folgenden werden die drei charakteristischsten didaktischen Ansätze, die den Inhalt des Themengebietes Rechnungswesen bestimmen, näher erläutert.
2.1 Didaktische Konzepte zum Themengebiet Rechnungswesen
2.1.1 Der traditionelle Bilanzansatz
Wie in den einführenden Worten erwähnt, wurden in den letzten Jahrzehnten, in der Fachliteratur verschiedene didaktische Ansätze vorgestellt und diskutiert. Der traditionelle Bilanzansatz, der heute immer noch in der Unterrichtspraxis überwiegt, ist seit langem in die Kritik geraten. 9 Bei diesem Ansatz wird von der Bilanz in Form eines verkürzten Inventars ausgegangen und als Rechenprinzip die Bilanzgleichung implementiert. Durch die Illustration der verschiedenen bilanzinternen Tauschvorgänge werden kleine Abbilder der Bilanz (T-Konten) eingeführt und das Eigenkapital als Saldierungsgröße definiert. In späteren Lehr-Lern-
8 Vgl.TERHART, Ewald: Lehr-Lern-Methoden. 2000, Grundlagentexte Pädagogik. S. 27ff.
9 Vgl. SEIFRIED, Jürgen; Sembill, Detlef: Rechnungswesen am Scheideweg? - Einführung in den Sammelband. IN: Sembill, Detlef; Seifried, Jürgen (Hrsg.):Rechnungswesen am Scheideweg. Lehren, Lernen und Prüfen. Wiesbaden: Deutscher Universitätsverlag, 2005, S. 1.
3
Einheiten werden erfolgswirksame Geschäftsvorfälle als eine Veränderung des Eigenkapitals betrachtet. Zu diesem Ansatz wird kritisch angemerkt, dass der Unterschied zwischen der Soll- und der Ist-Rechnung den Schülern nicht offensichtlich genug kenntlich gemacht werden kann. 10 Ein Grund dafür ist, dass den Schülern das Problem von Inventurdifferenzen durch Aufgabenzusätze (wie z.B. Ergebnisse der Schlussbilanz stimmen mit den Inventurergebnissen überein) vorenthalten wird. 11 Preiß führt in einem neueren Artikel weiter an, dass es allein durch die falsche mathematische Darstellung in dieser Methode (z.B. von Schulden) zu einer Art „didaktischem Bilanzskandal“ 12 komme. Seiner Meinung nach könne die traditionelle Bilanzgleichung Vermögen = Kapital nur aufrechterhalten werden, wenn mathematisches und wirtschaftswissenschaftliches Wissen ausgeblendet würde, da Schulden mit einem negativen Vorzeichen geschrieben werden müssten. 13
Weitere Kritik, die nicht direkt im Bilanzansatz begründet ist, aber trotzdem traditionell ist liegt eher in der methodischen Ausrichtung des Unterrichtes und der zu starken Begrenzung des Rechnungswesens auf mechanische Beachtung und Anwendung von Buchungsregeln innerhalb von realitätsfernen Geschäftsvorfällen. Rechnungswesen wird und kann somit nicht als eine grundlegende - sozusagen quer liegende - Wissenschaft verstanden werden, die es dem Kaufmann erlaubt, betriebswirtschaftliche Zusammenhänge zu verstehen und Entscheidungen zu fällen. Die Kritik hinsichtlich der methodischen Ausrichtung zielt hauptsächlich auf die zu stark lehrergesteuerte und in zu viele kleine Lernschritte zergliederte Vorgehensweise ab. Die zweite Beanstandung deckt auf, dass diese Zusammenhänge entweder gar nicht vermittelt oder sie - eben durch falsche Methodenwahl - von den Schülern nicht internalisiert und introjiziert werden können. 14
2.1.2 Der pagatorische Ansatz
Ein weiteres didaktisches Konzept versuchte einen Teil der genannten Kritikpunkte aus dem Weg zu räumen und so den Zugang zum Themengebiet Rechnungswesen zu erleichtern. Hans Fritz Gross entwickelte in Anlehnung an Kosoil den so genannten pagatorischen Ansatz des Rechnungswesens. Der Grundgedanke dieses Systems ist es, Rechnungswesen aus Zahlungs-
10 Vgl.SLOANE, Peter F.E.: Didaktik des Rechnungswesens. Pfaffenweiler: Centaurus-Verlagsgesellschaft. 1996. S. 47.
11 Vgl. PREIß, Peter, TRAMM, Tade: Wirtschaftsinstrumentelle Buchführung. Grundzüge eines Konzeptes der beruflichen Grundqualifikation im Umgang mit Inforationen über Mengen und Werte: IN: ACHTENHAGEN, Frank. (Hrsg.): Didaktik des Rechnungswesens. Programm und Kritik eines wirtschaftsinstrumentellen Ansatzes, Wiesbaden: Gabler, 1990, S. 44ff.
12 PREIß, Peter (im Druck): Bilanzgleichung und Buchungsregeln auf der Basis von Beträgen und Werten?, IN: Zeitschrift für Wirtschaft und Erziehung. S. 1.
13 Vgl. ebd. S. 1 ff.
14 Vgl. SEIFRIED, J.; SEMBILL, D.: Rechnungswesen am Scheideweg?, 2005, S. 2.
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Steffen Deckert, 2007, Zur Passung von Lerninhalt und Unterrichtsmethode, München, GRIN Verlag GmbH
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