Danksagung
Die vorliegende Masterarbeit wurde im August 2009 an der Konstanz Universität eingereicht. An dieser Stelle möchte ich mich vor allem bei Prof. Dr. Tobias Rosefeldt und PD Dr. Daniel Dohrn dafür bedanken, dass sie diese Arbeit begutachtet haben. Viel profitiert habe ich vor allem von zwei Hauptseminaren zum Thema personaler Identität (von Dr. Michael Kühler und Prof. Dr. Tobias Rosefeldt). Für Anregungen und Kritik sowie für die Hilfe mit der sprachlichen Korrektur möchte ich mich außerdem bei Katharina Rist, Wolfgang Egner und Philip Polcar bedanken. Ganz besonderer Dank gebührt meiner Familie, die mich während meines Studiums in Deutschland vielseitig unterstützt hat. Für die finanzielle Unterstützung durch die Studienabschlussbeihilfe danke ich ferner der DAAD-Stiftung, sowie den Mitarbeitern des Auslandsreferats der Universität Konstanz (v.a. Frau Agniezska Vojta und Herr Nicolas Ege).
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GLIEDERUNG
Einf ührung 4
1. Lockes Identitätskapitel (Essay II, 27) 6
1.1 Die Frage nach der Individuation 6
1.2 Die Frage nach der Identität über die Zeit hinweg 8
1.3 Die Identität des Menschen und die personale Identität 10
2. Joseph Butlers und Thomas Reids Kritik an der Lockeschen (T PI ) 14
2.1 Der Zirkularitätsvorwurf gegen (T PI ) 15
2.2 Die Notwendige Abhängigkeit der personalen Identität von der Seelensubstanz. 17
2.3 Das Problem der Sukzessivität des Bewusstseins 19
2.4 Das Problem des Vergessens und Nicht-Transitivität der Identität nach (T PI ) 22
3. Präzisierung der Lesart von Lockescher (T PI ) in der neueren Sekundäliteratur 23
3.1 Das Bewusstsein als unmittelbarer Selbstbezug und die Unterscheidung zwischen
Mensch , Person und Seele (Udo Thiel) 25
3.2 Kein faktisches Erinnern, sondern die Möglichkeit sich an eigene Handlungen zu
erinnern (Paul Helm und Jens Kulenkampff) 38
3.3 Die Person als normativer Ausdruck und die affektive Selbstsorge (Reinhard Brandt) 45
3.4 Die Psychologie der Lockeschen Personalität und die Zueignung (Raymond Martin) 53
4. Die Komplette Lesart der (T PI ) und eine Verteidigung dieser gegen Butler und Reids
Kritik S. 59
4.1 Die komplette Lesart (T PI ) komp l. 59
4.2 Verteidigung Locke gegen Butler und Reid anhand von (T PI ) kompl 67
4.2.1 Der Zirkularitätsvorwurf gegen (T PI ) kompl 67
4.2.2 Die Notwendige Abhängigkeit der personalen Identität von der Seelensubstanz. 68
4.2.3 Das Problem der Sukzessivität des Bewusstseins 69
4.2.4 Das Problem des Vergessens und Nicht-Transitivität der Identität nach
(T PI ) kompl. 71
Schlussfolgerung S. 74
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EINFÜHRUNG
Das Thema der personalen Identität ist immer aktuell, weil eine Konzeption der Personalität in vielerlei Weise unsere praktischen Überlegungen beeinflusst. Die Anziehungskraft dieses Themas steigt noch dadurch, dass es jeden Menschen betrifft. In der Philosophie tobt dementsprechend schon Jahrzehnte und Jahrhunderte eine aufregende Diskussion um das Thema. Wenn man nach den Wurzeln dieser Diskussion sucht, stößt man auf das Lockesche Identitätskapitel. Dieses stellt die erste neuzeitliche systematische Behandlung des Themas dar, die, die bis heute lebendig ist.
Lockes Identitätskapitel könnte man als Reaktion auf die traditionelle Auffassung der Personalität werten, die zu seiner Zeit stillschweigend vorausgesetzt wurde - eine Auffassung, die niemals selbständig und abgesondert herausgearbeitet wurde, da sie unproblematisch schien. Gemeint ist die Konzeption der Personalität, die sich hinter der Cartesischen Definition des menschlichen Ichs als res cogitans verbirgt. Diese postuliert, dass die menschliche Person in einer immateriellen Substanz besteht, die mit einem Körper verbunden ist. Dank der immateriellen Natur unterliege die res cogitans keiner Veränderung und könne daher scheinbar problemlos das Bestehen der Personalität eines menschlichen Individuums garantieren. Locke bestreitet jedoch mit seiner Erkenntnistheorie unsere Fähigkeit die realen Essenzen der Dinge zu erkennen und stellt somit in Frage, ob wir tatsächlich berechtigt sind, das Denken als die wahre Beschaffenheit einer immateriellen Substanz anzuerkennen. Die Cartesische Definition der Seele als einer wesentlich denkenden Entität bietet seiner Ansicht nach nur scheinbar eine unproblematische Lösung. Unter diesen Umständen erscheint die Frage nach der personalen Identität als eine, die dringend nach einer Beantwortung verlangt. Deshalb reagiert Locke auf Molyneuxs Anliegen, sich mit dem Individuationsprinzip zu beschäftigen und schreibt das Identitätskapitel, das 1964 in der zweiten Auflage des Essay concerning Human Understanding tatsächlich erschienen ist. Hier formuliert er die These, dass die personale Identität allein im Bewusstsein besteht und provoziert dadurch seine Zeitgenossen. Diese scheinen im Allgemeinen nur wenig Verständnis für seine Identitätskonzeption zu haben. Auch die wenigen Sympathisanten, die Locke mit seiner Theorie gewinnt, (gemeint sind v.a. die Vertreter des Materialismus) scheinen Locke nicht richtig zu verstehen. Noch weniger Verständnis findet Lockes Theorie bei den Kritikern und Vertretern der klassischen (im Kern Cartesischen) Konzeption der Personalität, d.h. bei den Immaterialisten. 1 Es bilden sich also zwei Lager, die noch heute aktuell zu sein scheinen, ob in einer entwickelten Form der Gegenpositionen des Reduktionismus und Nicht-Reduktionismus oder in Form der entgegen gesetzten Thesen von Vertretern des physikalischen und des psychischen Identitätskriteriums. In der gesamten Diskussion wird jedoch eine geschichtlich genaue Interpretation der Lockeschen Identitätstheorie der Person ziemlich vernachlässigt, was zur Folge hat, dass man nicht erkannt hat, dass sich die Diskussion zwischen den zwei Lagern, gar nicht ausgehend von dem entwickelt hat, was Locke tatsächlich schreibt, sondern ausgehend von einer Fehlinterpretation des Lockeschen Identitätskapitels. Locke hat nämlich versucht, eine Konzeption der personalen Identität zu liefern, welche die diskutierte Frage unbeantwortet lässt.
1 Vgl. Thiel 1998a.
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In der vorliegenden Arbeit soll daher unter anderem der Frage nachgegangen werden, wie man das Identitätskapitel historisch genau interpretieren sollte. Ich möchte hier eine vollständige Lesart der Lockeschen Theorie der personalen Identität vorschlagen, die meines Erachtens alle Stellen des Identitätskapitels in Einklang bringt und viele im Zusammenhang mit der Lockeschen Identitätstheorie diskutierten Probleme als gar nicht bestehend auflösen kann. Es gibt jedoch schon eine Menge an Sekundärliteratur, in welcher verschiedene Lesarten vorgeschlagen werden, wobei der Umstand, welche Lesart hier jeweils angeboten wird im wesentlichen davon abhängt, gegen welche Thesen Locke verteidigt wird, oder welche der Lockeschen Behauptungen bestritten werden sollen. Deshalb habe ich mich dazu entschlossen zu versuchen, in Auseinandersetzung mit der Sekundärliteratur zu einer vollständigen Lesart der Lockeschen These zu gelangen, derzufolge Identität allein im Bewusstsein besteht. Dadurch soll gleichzeitig zum einen ein Überblick über die innerhalb der Sekundärliteratur vertretenden Positionen gegeben und zum anderen meine eigene Position verdeutlicht werden. Eine vollständige Interpretation der Lockeschen These, personale Identität bestehe allein im Bewusstsein, liefern zu wollen, ist dadurch motiviert, dass ich mir vorgenommen habe, in dieser Arbeit Lockes Theorie gegen die Frühkritik von Joseph Butler und Thomas Reid zu verteidigen. Butlers und Reids Ausführungen sind meiner Meinung nach einerseits repräsentativ für die Einwände, die von verschiedenen Autoren während des 18. und 19. Jahrhunderts immer wieder in verschiedenen Variationen gegen Lockes Theorie erhoben wurden und diese beiden Kritiker Lockes stellen andererseits, wie ich finde, typische Vertreter der traditionellen, im Kern Cartesischen, Auffassung der Personalität dar. Betrachtet man daher ihre Kritik, gewinnt man eine genaue Vorstellung davon, warum die Lockesche Konzeption von den Immaterialisten seiner Zeit so widerspruchsvoll aufgenommen wurde.
Meine Vorgehensweise lässt sich wie folgt beschreiben: Im ersten Kapitel werde ich Lockes Identitätskapitel und dessen Zusammenhang mit Lockes Philosophie im Allgemeinen wiedergeben und die Lockesche These der personalen Identität (T PI ) ausformulieren. Im zweiten Kapitel werde ich die Kritik von Butler und Reid darstellen, gegliedert in vier Haupteinwände. Im dritten Kapitel werde ich mich dann mit ausgewählter neuerer Sekundärliteratur und darin enthaltenen Präzisierungsvorschlägen von (T PI ), die dazu dienen sollen, Locke zu verteidigen, auseinandersetzten. Ausgehend von dieser Auseinandersetzung werde ich dann im vierten Kapitel eine komplette Lesart der (T PI ) vorschlagen. Abschließend werde ich imselben Kapitel wieder auf die Kritik von Butler und Reid eingehen und ihre Einwände mithilfe der rekonstruierten kompletten Lesart erwidern.
So soll aufgezeigt werden, dass die Kritik von Butler und Reid (bzw. dieser ähnliche Kritiken) an der Lockeschen Konzeption der Personalität nicht angemessen ist und grundsätzlich in einem Missverstehen seines Bewusstseinsbegriffes, der ungenügenden Aufmerksamkeit bezüglich seiner Unterscheidung zwischen Mensch, Seele und Person und der Missachtung seines epistemologischen Skeptizismus besteht. Gleichzeitig glaube ich damit nachzuweisen, dass die Lockesche Identitätstheorie eine richtige Art von Konzeption der personalen Identität liefert. Auch wenn sie vielleicht nicht alle Fragen, die im Bereich der Personalität auftauchen könnten, beantworten kann, stellt sie meiner Ansicht nach einen Schritt in die richtige Richtung dar und kann als viel versprechender Ausgangspunkt für weitere Untersuchungen dienen.
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LOCKES IDENTITÄTSKAPITEL (ESSAY II, 27) 1.
Das Kapitel ‚Über die Identität und Verschiedenheit’ hat Locke (1632 - 1704) erst in der zweiten Auflage seines ‚Essay Concerning Human Understanding’ 2 (1694) hinzufügt. 3 Es handelt sich um die erste systematische Behandlung der Identitätsproblematik in der Neuzeit überhaupt. 4 Locke hat hier nicht nur die traditionelle Identitätsauffassung 5 in Frage gestellt, sondern auch eigene originäre Lehre entwickelt, die in den folgenden Jahrhunderten eine besondere Aufmerksamkeit auf sich zog 6 und bis heute diskutiert und kritisiert wird. Diese Arbeit hat die kontroverseste These des Identitätskapitels zum Thema, deshalb beginne ich mir einer Zusammenfassung dieses Kapitels aus Essay II. Lockes Thesen aus dem Identitätskapitels werde ich dabei in den breiteren Kontext seiner Philosophie einbetten, so dass der Leser die erste Vorstellung von dem Zusammenhang seiner Identitätskonzeption, Korpuskeltheorie, epistemologischem Skeptizismus, Unterscheidung zwischen realer und nominaler Essenz, sowie seiner Ablehnung des Realismus gewinnen kann. Die These der personalen Identität, um die es in dieser Arbeit vor allem geht wird hier zunächst ohne weitere interpretative Erläuterungen wiedergegeben.
1.1 Die Frage nach dem Individuationsprinzip
Locke vertritt eine korpuskulare Philosophie 7 - eine Philosophie, in der die Gedanken des griechischen Atomismus 8 in Verknüpfung mit der neuzeitlichen Naturwissenschaft erneut wurden. Locke hat angenommen, dass alle materiellen Körper aus kleinen, sinnlich nicht wahrnehmbaren Teilchen (Atomen bzw. Korpuskeln) bestehen. Allen Körpern liegt also eine gemeinsame einheitliche Materie zu Grunde und man kann alle natürlichen Phänomene durch die Bezugnahme auf so verstandene Materie und ihre Eigenschaften erklären. 9 Eine solche Korpuskeltheorie erlaubt folglich die Identität eines Gegenstandes zu behandeln, ohne sie auf metaphysische Entitäten wie allgemeine Wesenheiten oder Formen zurückführen zu müssen. 10 Die atomistische Hypothese führt somit Locke zur Ablehnung des traditionellen Realismus bzw. der These, dass die Universalien 11 eine eigenständige Realität haben). 12 Die Frage nach der Individuation eines Einzeldinges (d.h. die Frage, wodurch ein
2 Wie üblich wird dreistellig nach Buch, Kapitel und Paragraphen auf den Text von Locke verweist - z.B. bezieht sich ‚Essay II, 27, 9’ auf den 9 Paragraphen im 27. Kapitel des zweiten Buches des Essay. Für Zitate ist die Meiner Ausgabe -Hamburg 2006 benutzt.
3 S. Fox 1988, S. 27 - 28.
4 Vgl. Thiel 2008, S.151
5 Zur traditionellen Auffassung der Personalität s. Unterkapitel 2.2 unter (trad.T PI ) und vgl. mit Thiel 1998 a, S. 62 oder Kulenkampff 2001, S. 67.
6 Vgl. Thiel 1998a, S.59.
7 Zum Begriff der Korpuskeltheorie s. Hist.W., Bd. IV, s. 1138ff.
8 S. Hist.W., Bd. I - Stichwort „Atomismus“, S. 603ff. und „Atomtheorie“, S. 606ff.
9 Locke hat sich in dieser Hinsicht von Robert Boyle inspiriert gelassen und hat seine atomistischen Überzeugungen übernommen - vgl. Thiel 2008, S. 152 ff.
10 Man muss also nicht mehr eine aristotelische Form oder platonische Idee hinter den wahrnehmbaren Eigenschaften eines Dinges annehmen.
11 Zum Begriff der Universalien s. Hist.W., Bd. XXI, S. 179 - 204.
12 Vgl. Thiel 2008, S.152
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konkretes Individuum seine Individualität innerhalb einer Art, die durch das Universale bestimmt ist, gewinnt) stellt dann weiter kein echtes Problem für sein Denken dar. 13 Trotzdem geht es zu Beginn des Identitätskapitels gerade um das sog. Individuationsprinzip:
„W We en nn n
w
wi ir r
s „
(. .. .. .) ), ,
d
da aß ß
e (
äh hn nl li ic ch h
u
un nd d
u ä be eo ob ba ac ch ht te en n, , n b
sc ch hl li ie eß ße en n w wi ir r m s si ic ch h s se el lb bs st t d s
Die Individuation eines Einzeldinges ist allein durch seine raum-zeitliche Bestimmung gegeben. Die Frage nach der Individualität bzw. nach dem principium individuationis ist für Locke somit nicht schwer zu beantworten:
„E Es s
i
is st t
o
of ff fe en nb ba ar r
d „
be es so on nd de er re en n O b
Die Existenz jedes einzelnen Dinges informiert uns unfehlbar über seine raum-zeitliche Bestimmung, so dass wir in ihr die Individualität des Einzeldinges erkennen, weil das Ding diese mit keinem anderen Ding derselben Art teilen kann. 14 Dies soll das Atom-Beispiel (Essay II, 27, 3) veranschaulichen: Ein Atom ist ein dauernder Körper, der an einem bestimmten Ort und zu einer bestimmten Zeit existiert und der in jedem Augenblick dieser raum-zeitlicher Existenz mit sich selbst identisch bleibt, und zwar solange er existiert.
Die Existenz als Individuationsprinzip hat außerdem den Vorteil, dass man sie als solches auf verschiedene Arten von Dingen anwenden kann. 15 Sie individuiert nicht nur einfache Dinge wie Atome, sondern „jedes Wesen, von welcher Art es auch sei“:
„O Ob bg gl le ei ic ch h
d
di ie es s
b
„
is st t
e
es s
j
je ed do oc ch h, ,
w i an nz zu uw we en nd de en n i a
Es ist jedoch noch eine Unterscheidung von drei allgemeinen Arten von Dingen hinzuzufügen, da die Existenz eines Dinges an einer bestimmten Stelle in Raum und Zeit nur die Existenz eines „Dinges derselben Art“ von der Existenz an genau dieser Stelle ausschließen kann. Obwohl es unmöglich ist, dass sich an der Raum-Zeit-Stelle x, an welcher das Atom K existiert, noch ein anderer Körper K 2 befindet (weil die Existenz des körperlichen Atoms die Existenz aller anderen Körpern an dieser Stelle ausschließt), ist es dennoch möglich, dass an derselben Stelle gleichzeitig ein anderes Ding S existiert, nämlich ein Ding, das von anderer Art ist als das Atom. Deshalb führt Locke in Essay II, 27, 2 die Unterscheidung dreier Substanzen ein: Es gebe die ewige, unveränderliche und allgegenwärtige göttliche Substanz, die endliche vernunftbegabte Substanz und die endliche körperliche Substanz. 16 Um die Frage nach der Individuation
13 Zum Unproblematischen der Individuation, vgl. Thiel 1983, S.20. Allgemeines zur Unterscheidung zwischen Realismus und Nominalismus und zum Problem der Individuation im Realismus, s. in Thiel 2008, S.149 - 150. Zu Realismus und Nominalismus allgemein S. Hist.Wört, Bd. VI, S. 874 - 888 und Bd. VIII, S.148 - 178.
14 Zur Existenz als principium individualis, vgl. Thiel 1983, S.20 - 21.
15 Vgl. Thiel 2008, S.153
16 Die Lockesche Unterscheidung entspricht also genau der von Descartes zwischen Gott, res cogitans und res extensa, s. Princ.Phil.I, Art.51-62, ATVIII-1 24-30.
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beantworten zu können, benötigt man also neben der Existenzfeststellung zusätzlich eine entsprechende Zuordnung des Dinges zu einer der erwähnten Substanzklassen. 17
1.2 Die Frage nach der Identität über die Zeit hinweg
Da das Individuationsprinzip für Locke kein genuines Problem darstellt, wird es nur kurz behandelt, um dann sogleich zur Erörterung der Frage nach der Identität eines Individuums über die Zeit hinweg übergehen.
Mit der Korpuskeltheorie hat sich Locke von der Erklärung des antiken bzw. scholastischen Realismus, dass die Identität in der fortdauernden Existenz einer Universalien bestehe, verabschiedet. 18 Die Materie unterliegt jedoch einer ständigen Veränderung und ist daher als ein Garant für die Identität eines Individuums über die Zeit hinweg ungeeignet. Deshalb wurde geschlossen, dass die Identität der Dinge nur in Bezug auf die Begriffe des denkenden und urteilenden Wesens (d.h. in Bezug auf die menschlichen Begriffe, die durch eine Abstraktion in unserem Verstande entstehen) bestimmt werden könne. 19 Die Frage nach der Identität über die Zeit hinweg wurde dadurch also zu einer Frage nach subjektiven Kriterien von Identitätsaussagen. 20
Eine solche nominalistische Behandlung der Identität fand zwar schon in dem Mittelalter statt, bei Locke wurde sie jedoch noch durch die These erweitert, dass man das Identitätsproblem gar nicht rein ontologisch behandeln könne.
21
Die Lockesche Identitätsauffassung wird im Allgemeinen von jeder Annahme irgendwelcher ontologischen Entitäten unabhängig und ist allein auf unserer Begrifflichkeit:
„
Kr ri it te er ri ie en n a an n d di ie e H K
kö ön nn nt te en n. .“ “ 22 k
Bei den einfachen Dingen wie zum Beispiel bei Atomen scheint die Identität über die Zeit hinweg genauso unproblematisch sein, wie das Individuationsprinzip selbst. 23 Die Identität eines einfachen Dinges besteht nämlich in seiner fortdauernden Existenz in Raum und Zeit:
„( (. .. .. .) )
d
da as s
A
At to om m, ,
i
„ id de en nt ti is sc ch h ( (. .. .. .) ). . D i bl le ei ib be en n, , w wi ie e s b
Das bloße Erfülltsein des Individuationsprinzips über die Zeit hinweg garantiert also die Identität des einfachen Dinges über die Zeit hinweg.
17 vgl. Thiel 1983, S.22
18 Für den Realismus scheint gerade umgekehrt die Frage nach der transtemporalen Identität dank Annahme der universalen Formen kein genuines Problem darzustellen. Dadurch, dass das Universale in einem Individuum fortdauert, wird seine Identität über die Zeit hinweg ziemlich unproblematisch gestützt. Vgl. Thiel 1983, S. 27 und Thiel 2008, S.149 -
152. Parallel dazu stellt für die Immaterialisten, die die These vertreten, dass die personale Identität durch eine fortdauernde Substanzidentität gewährleistet wird, die personale Identität kein Problem - s. Kapitel 2.2 unter (trad.T PI ).
19 Vgl. mit Lockes Ablehnung von angeborenen Ideen und der These, dass alles Wissen erworben ist in Essay I.
20 Zu Lockes Nominalismus, vgl. Thiel 2008, S.149 - 151.
21 Vgl. Thiel 2008, S.154 - 155.
22 Thiel 2008, S.157.
23 Vgl. Thiel 1983, S.28 - 29.
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Die fortgesetzte Existenz in Raum und Zeit ist natürlich auch für die zusammengesetzten Dinge relevant, jedoch kommt hier die Tatsache ins Spiel, dass das Zusammengesetzte einer ständigen Veränderung unterworfen ist. Diese Tatsache bringt eine wichtige Frage in die Identitätsdiskussion: In welchem Ausmaß kann sich ein Einzelding verändern, ohne dass es zu einem anderen wird? Somit befindet man sich auf der Suche nach den Eigenschaften eines Einzeldinges, die für die Erhaltung seines numerischen Identität wesentlich sind. 24 Im diesen Zusammenhang muss man die Lockesche Unterscheidung zwischen der realen und nominalen Essenz besonders beachten. Laut Locke haben wir keinen Zugang zu dem realen Wesen eines Dinges. Wir können nur die Eigenschaften eines Dinges, nicht den Träger dieser Eigenschaften an sich (d.h. die innere Beschaffenheit eines Dings, in der die wahrnehmbaren Eigenschaften ihren wirklichen Grund haben) erkennen. Deshalb kann eine, für uns prinzipiell unerkennbare, reale Essenz auch nicht dasjenige sein, was für uns ein Wesen des Dinges ausmacht. 25 Ausgehend von der Erfahrung mit den wahrnehmbaren Eigenschaften der Dinge bildet der menschliche Verstand, so Locke, sog. Artideen bzw. Artbegriffe. 26 Diese drücken die Artzugehörigkeiten der Individuen für uns aus. Dabei entstehen die Artideen erst als eine Leistung unseres Verstandes und sind nicht wie die reale Essenz der Dinge vor unserem Denken. Sie können daher nicht die reale Essenz, sondern nur eine nominale (begriffliche) Essenz der Dinge beschreiben: Ein Wesen der Dinge, soweit es der menschlichen Vernunft zugänglich ist. 27 Diese spezifische Ideen, die Artbegriffe, legen dann weiter fest, welche Bedingungen erfüllt sein müssen, damit ein Individuum zu verschiedenen Zeitpunkten als ein und dasselbe, d.h. als mit sich selbst numerisch identisch, von uns angesehen werden kann. 28 Daraus folgt die Förderung, dass man, bevor man sich mit der Identität eines Dinges beschäftigt, klären muss, welchen Begriff man von diesem Ding hat. 29
Diese Förderung kann gut anhand des Lockeschen Beispiels der Eiche (Essay II, 27, 3) erläutert werden: Fragt man sich nach der Identität einer Eiche, muss zunächst geklärt werden, ob man sich nach ihrer Identität als Körper (im Sinne eines Aggregats von Atomen) oder als Lebewesen fragt. In jedem der beiden genannten Fälle muss man die Identitätsfrage anders behandeln, weil man von der Eiche als Körper einen anderen Begriff hat als von der Eiche als Lebewesen. Eine Eiche, die sich vom kleinen Pflänzchen zum großen Baum entwickelte und dann gefällt wurde, ist einerseits zu jedem Zeitpunkt dieses Geschehens ständig eine andere und andererseits bleibt sie trotz aller Veränderungen dieselbe Eiche. Wenn man die Eiche nämlich als Körper betrachtet, d.h. als Aggregat vieler Atome, dann besteht ihre Identität nur solange, solange die gleichen Atome in Vereinigung miteinander existieren. Denn „ „( (. .. .. .) ) s so ol la an ng ge e d di ie e A At to om me e v ve er re ei in ni ig gt t e ex xi is st ti ie er re en n, , m mu uß ß d di ie e a au us s d de en ns se el lb be en n A At to om me en n b be es st te eh he en nd de e M Ma as ss se e
24 Vgl. Thiel 1983, S.29.
25 Vgl. Thiel 1983, S.31: Wegen ihrer Unerfassbarkeit „ „( (. .. .. .) ) k ka an nn n s si ie e (die reale Essenz) n na ac ch h L Lo oc ck ke e j je ed do oc ch h n ni ic ch ht t d de er r G Gr ru un nd d f fü ür r da as s W We es se en n e ei in ne es s D Di in ng ge es s a au us sm ma ac ch ht t. .“ “ da as sj je en ni ig ge e s se ei in n, , w wa as s f fü ür r u un ns s d d
26 Zu Artideen bzw. Artbegriffen, vgl. Thiel 1983, S.27 - 28.
27 Zur Lockeschen Unterscheidung zwischen nominaler und realer Essenz und ihrem Zusammenhang mit den Artideen s. Thiel 2008, S.156 - 157 und Thiel 1983, S.30 -31.
28
S.
Essay II, 27, 28:
„
Id de ee e
n
we en nn n
m
ma an n
a
an n
j
je en ne er r
I w
Thiel 2008, S.157. 29 Vgl. Thiel 1983, S. 32 - 33. Die Artidee hat also mehrere Funktionen: (1) Funktion der Artzugehörigkeit und (2) Funktion der Identitätskriterien. Außerdem stellt Udo Thiel fest, dass sie (3) auch ein Kriterium dafür ist, dass für uns etwas eine Einheit ist (Thiel 1983, S.37).
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di ie es se el lb be e
M
Ma as ss se e
o
od de er r
d d
nicht der Fall.
„
di ie es se el lb be e
M
Ma as ss se e
o
od de er r
d d jedem Zeitpunkt ihrer Entwicklung zu einem neuen Individuum geworden ist. Die Identität der Eiche als Lebewesen 30 besteht jedoch nicht imselben wie die Identität der Eiche als Körper. Unser Begriff eines Lebewesens besteht laut Locke in der Teilnahme an demselben Leben und in der für ein konkretes Lebewesen spezifischen Organisation von Teilen, wobei es einerlei ist, ob die einzelnen Partikel dieselben oder andere sind (Essay II, 27, 4). Für die Identität eines Dinges, das wir unter den Artbegriff „Lebewesen“ fassen, ist es also nicht erforderlich, dass dieselbe Anzahl von Teilen bzw. Atomen erhalten bleibt. Die Eiche als Lebewesen bleibt, so wie es der Artbegriff des Lebewesens fordert, dieselbe Eiche, solange sie an demselben Leben teilhat und auf eine bestimmte Weise organisiert ist. 31 Es zeigt sich also deutlich, wie unsere Begriffe die Identitätsdiskussion weitgehend beeinflussen: Da sich unser Begriff von einer Eiche als Lebewesen von ihrem Begriff als Körper wesentlich unterscheidet, müssen wir für die Beantwortung der Identitätsfrage jeweils unterschiedliche Identitätskriterien anwenden. 32
Was die Lockesche Behandlung der Identität der Körper, der Pflanzen und der Tiere (bzw. der Lebewesen) angeht, scheinen mir keine großen Interpretationsunterschiede innerhalb der Sekundärliteratur zu herrschen. Diesbezüglich scheinen sich alle Interpreten einig zu sein und die gerade zusammengefassten Stellen des Identitätskapitels werden in der Sekundärliteratur im Wesentlichen genauso wiedergegeben, wie ich es soeben getan habe. Anders verhält es sich mit den Themen, die Locke im weiteren Verlaufe des 27. Kapitels behandelt. Dabei geht es erstens um die die Frage, was die Identität eines Menschen Lockes Auffassung nach ausmacht und zweitens um seine Bestimmung des Personseins und seine Analyse der personalen Identität.
1.3 Die Identität des Menschen und personale Identität
An dieser Stelle werde ich kurz Lockes Thesen zur Identität des Menschen und der Person darstellen. Dabei will ich keine vollständige Zusammenfassung liefern, sondern nur seine Hauptthesen klar in Kürze darstellen.
30 Locke behandelt in dem Identitätskapitel nicht die Identität von Lebewesen allgemein, sondern trennt dies auf die Frage nach der Identität der Pflanzen (Essay II, 27, 4) und nach der Identität der Tiere (Essay II, 27, 5) bzw. noch nach Identität des Menschen (Essay II, 27, 6). Jedoch besteht für ihn die Identität von einer Pflanze in demselben wie die von einem Tier oder von dem Menschen - in der Teilnahme an demselben Leben und in der Organisation der Teile. Ich glaube, dass im Hintergrund der Abtrennung von der Frage nach der Identität der Tiere die Ablehnung der mechanistischen Auffassung von Tieren ist (s. Descartes, Methoda, Teil 5 oder 2.Med., vgl. Fil.PropII, Kap. 14, § 57). Meiner Meinung nach wollte hier Locke klar machen, dass sich die Tiere von Maschinen wesentlich dadurch unterscheiden, dass sie eine Triebkraft in sich selbst enthalten. Nähme man den Cartesischen Begriff vom Tier an, gälte nämlich für Locke, dass für die Identität eines Tieres die Erhaltung denselben Partikeln erforderlich sei. Das wäre jedoch zutiefst kontraintuitiv, weil man dann schließen müsste, dass die Tiere nicht über die Zeit hinweg identische bleiben können. Für die Absonderung der Frage nach der Identität des Menschen gibt es einen anderen Grund, der noch im Verlaufe dieser Arbeit klar wird: Für Locke ist es nämlich unvermeidlich wichtig den Begriff des Menschen von dem Begriff der Person zu unterscheiden.
31 Zum Unterschied zwischen Identität eines Körpers und eines Lebewesens vgl. Thiel 2008, S.157 - 158 oder Thiel 1983, S.33.
32
Vgl. mit
Essay II, 27, 3 - 4:
„
le eb be en nd di ig ge en n
K
Kö ör rp pe er r
-
-
d l
vo on n
M
Ma at te er ri ie e
u
un nt te er rs sc ch he ei id de et t. .“ “
, Vgl. auch
Thiel 1983, S.40:
„
Ma as ss se e
v M
ab bs st tr ra ak kt te e I Id de ee en n g ge ef fa aß ßt t w a
- 10 -
Die Identität des Menschen besteht laut Locke:
„( (. .. .. .) )
i
in n
d
de er r
T „
wi ir rd d, ,
d
di ie e
i
in n
i w Für die Frage nach der Identität eines Menschen ist wieder wesentlich, was man unter dem Artbegriff des Menschen versteht. 33 Für Locke ist der Mensch weder eine Einheit von res extensa und res cogitans 34 , noch hält er die Rationalität für ein wesentliches Merkmal des Menschenseins 35 . Für Locke ist der Mensch primär ein Lebewesen 36 und der Begriff „Mensch“ bezeichnet nur eine biologische Spezies von Tieren 37 . Deshalb besteht die Identität eines Menschen laut dem obigen Zitat auch in genau demselben wie die Identität jedes anderen Lebewesens: Im Falle des Menschen ist nur ein menschlicher, unter einer einheitlichen Organisation des Lebens zweckmäßig organisierter Körper von Bedeutung und die Identität des Menschen besteht daher gerade in einer fortgesetzten Existenz eines solchen Körpers. Folglich ist die Leiblichkeit das entscheidende Moment des Menschenseins. Somit ist unter anderem klar, dass die Identität der Seelensubtanz nicht allein dafür verantwortlich sein kann, dass es sich um ein und denselben Menschen handelt. 38 Eine Definition des Menschseins durch die Seelensubstanz lehnt Locke ab, weil sie laut ihm absurde Folgen hätte: Bestünde die Identität des Menschen in der Seelensubstanz, dann würden wir gezwungen sein zu schließen, dass derselbe Mensch auch dann kontinuierlich existieren würde und numerisch identisch bliebe, wenn sich sein individueller Geist (der derselbe bleibt) mit verschiedenen Körpern vereinigen würde (Essay II, 27, 6) und es wäre schwer einen Grund dafür zu finden, warum die Seele mit einem bestimmten Körper verknüpft werden sollte. Konkret könnte man keinen Grund dafür nennen, warum ich, John Locke und Udo Thiel nicht ein und derselbe Mensch sind. Wenn wir jedoch, so wie Locke, den Menschen als ein bestimmtes Lebewesen auffassen, dann tritt dieses Problem nicht auf: Jeder von uns besitzt einen Körper, der sich von den zwei anderen durch ihre raum-zeitliche Bestimmung unterscheidet. Daher können wir nicht derselben Menschen sein. 39
Nachdem Locke die Identität eines Menschen behandelt hat, führt er die Unterscheidung zwischen dem Menschen, der Seele und der Person (Essay II, 27, 7) ein. 40 Dies hängt mit seiner Überzeugung zusammen, dass wir zunächst die Artbegriffe vorsichtig bestimmen und
33 Vgl. Thiel 2008, S.160 - 161: Locke gibt zu, dass es auch andere Begriffe vom Menschen gibt und entsprechend seiner Identitätstheorie sieht er ein, dass unterschiedliche Menschenbegriffe andere Identitätskriterien für Menschen mit sich führen (Essay II, 27, 29).
34 S. Descartes‘ Definition des Menschen in 6.Med. §9, ATVII, 78 - Mensch ist eine denkendes Ding (res cogitans), das mit einem Körper (res extensa) fest verbunden ist.
35 S. die Aristotelische Definition des Menschen als ZOON LOGON ECHON bzw. ihre mittelalterliche Modifikation animal rationale. Fil.Prop.II, Kap. 13, § 54. Vgl. Kulenkampff 2001, S. 67.
36 Vgl. Thiel 1983, S.34.
37 Vgl. Kulenkampff 2001, S. 66 - 67.
38
Diese These belegt Locke mit dem Papagei-Beispiel (Essay
II, 27, 8):
Was den Menschen zum Menschen macht ist nicht nur seine Seele bzw. seine Vernünftigkeit, sondern auch seine Gestalt, d.h. sein Körper -
„
ve er rn nü ün nf ft ti ig ge en n W We es se en ns s a od de er r v o
ve er rb bu un nd de en ne en n K Kö ör rp pe er rs s v v
vernünftig wie ein Mensch verhält) kein Mensch ist, solange dieser Papagei die Papagei-Körper hat. Ein sich vernünftig verhaltendes Wesen identifizieren wir als einen Menschen erst dann, wenn sein Körper die Gestalt des menschlichen Körpers hat. Somit lehnt Locke also die griechische sowie die Cartesische Definition des Menschen ab (s. Fußnote 35 und
36). Zur Wesentlichkeit der Körperlichkeit für den Begriff des Menschen s. Thiel 1983, S.46 - 48. Zur Ungenügendheit der Seelensubstanz s. Kulenkampff 2001, S. 68 und Thiel 1983, S.45 oder 48.
39 Vgl. Kulenkampff 2001, S. 67.
40 Zu dieser Unterscheidung s. Thiel 1983, Kap.III, S.44 - 66, das Verhältnis zwischen Bewusstsein, Körper, Seele wird weiter im Zusammenhang mit der Auferstehung angesprochen, s. S.171 - 174.
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untersuchen müssen, bevor wir uns mit der Identität der Dinge beschäftigen können, die wir unter diesen Artbegriffen zusammenfassen. Da der Begriff des Menschen, der Seele und der Person für Locke drei unterschiedliche Artideen darstellen, müssen auch die Identitätskriterien für diese Dinge unterschiedliche sein (je nach der Artbegriffbestimmung, parallel zu dem Fall der Eiche als Körper und der Eiche als Lebewesen):
„D De en nn n
‚
‚d di ie es se el lb be e
S
„
we en nn n
P
Pe er rs so on n, ,
M w Id de en nt ti it tä ät t m I
Laut Locke ist für die Identität des Menschen ausschließlich die Identität seines lebendigen Körpers erforderlich. Die Identität der Seelensubstanz ist nicht ausreichend, damit ein Mensch über die Zeit derselbe bleibt. Daraus wird ersichtlich, dass für Locke die Identität der Seelensubstanz in etwas anderem besteht als die Identität des Menschen. Von den Begriffen des Menschen und der Seelensubstanz unterscheidet Locke dann noch den Begriff der Person. Dementsprechend gelten für die personale Identität andere Identitätskriterien als für die Identität der Seelensubstanz und die des Menschen. 41 Eine Unterscheidung der Begriffe der Person, der denkenden Substanz und des Menschen gehört also wesentlich zur Bestimmung der Lockeschen Personalität. 42
In Essay II, 27, 9 schreibt Locke zum Begriff der Person folgendes:
„M Me ei in ne er r
M „
Ve er rn nu un nf ft t
u V
Di in ng g, ,
d
da as s
z D
vo om m
D
De en nk ke en n
u v
st te et ts s
b
be eg gl le ei it te et t
u s
We es se en n
u
un nt te er rs sc ch he ei id de et t, ,
s W ve er rn nü ün nf ft ti ig ge en n W v ka an nn n, , s so o w k
Für ein vernünftiges Wesen als Person ist also offensichtlich das Bewusstsein konstitutiv -
„
je ed de er r
w
wi ir rd d
(
(… …) )
[durch das Bewusstsein]
f
fü ür r
s j 9). Das Bewusstsein ist das einzige, wovon Lockes Begriff der Person abhängt. Dementsprechend ist auch die personale Identität bestimmt: Ein vernünftiges Wesen bleibt genau solange ein und dieselbe Person, solange ein und dasselbe Bewusstsein in ihm fortdauert. Des Weiteren scheint es einerlei, ob dabei ebenfalls die Identität der Substanz fortsetzt wird oder nicht bzw. ob sich der Träger dieses Bewusstseins ändert oder ein und derselbe bleibt: 43
ob b d da as ss se el lb be e S Se el lb bs st t i in n d de er rs se el lb be en n o od de er r i in n v ve er rs sc ch hi ie ed de en ne en n S „H Hi ie er rb be ei i k ko om mm mt t e es s i in n d di ie es se em m F Fa al ll le e n ni ic ch ht t d da ar ra au uf f a an n, , o Su ub bs st ta an nz ze en n „ we ei it te er r b be es st te eh ht t. .“ “ (Essay II, 27, 9) w
Er scheint also zu behaupten, dass die personale Identität allein im Bewusstsein besteht und auch im Falle einer Substanzdiversität weiter bestehen kann. Die Personalität ist dabei von der körperlichen (Essay II, 27, 11 44 ) sowie der Seelensubstanz (Essay II, 27, 12 - 14 45 ) unabhängig.
un nt te er rs su uc ch he en n, , w wa as s P Pe er rs so on n b u
42 Vgl. Thiel 2008, S.162
43 Vgl. Essay II, 27, 9: „
we ei it te er rb be es st te eh ht t. .“ “ und Essay II, 27, 10: „ w Pe er rs so on n o Id de en nt ti it tä ät t d de er r P I ei in ne er r A Au uf fe ei in na an nd de er rf fo ol lg ge e v e un nd d d de er rs se el lb be en n P Pe er rs so on n, , g u
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Die Unabhängigkeit der Person von einer Seelensubstanz (die betont wird) muss Locke erstens angesichts dessen postulieren, dass er vorher angenommen hat, dass sich der Personbegriff von dem der Seelensubstanz unterscheidet. Zweitens ist er zu der Ablehnung der Abhängigkeit der personalen Identität von der Substanzidentität durch seinen epistemologischen Skeptizismus geführt worden. Dies zeigt sich, wenn er fragt, ob eine Person tatsächlich dieselbe bleiben könne, wenn sich die denkende Substanz ändern würde (Essay II, 27, 12) und wie folgt antwortet:
„D Da ar rü üb be er r
k
ka an nn n
n
„
der Dinge]
k
an nd de er re e
ü
üb be er rt tr ra ag ge en n
l a Obwohl wir die reale Essenz der Dinge nicht erkennen können, sind wir dennoch durchaus fähig, uns über unsere personale Identität zu äußern. Daraus zieht Locke den Schluss, dass die personale Identität, von der wir Aussagen machen können, nicht von irgendeiner realen Essenz oder Substanz abhängt.
So wie in dem Falle des Menschen, zeigt Locke auch im Falle der Person, dass eine Auffassung der Person in der Abhängigkeit von der Seelensubstanz absurde Folgen hätte: Wegen dem epistemologische Skeptizismus kann man nicht die Möglichkeit einer Seelenwanderung ausschließen 46 und es wäre offensichtlich unvernünftig, im Falle einer solchen Seelenwanderung von derselben Person zu sprechen (Essay II, 27, 14): Auch wenn ich die Seele von Sokrates hätte, wäre es laut Locke sinnlos davon zu sprechen, dass ich mit Sokrates eine einzige Personalität ausbilde. Im Gegensatz dazu kann man vernünftig behaupten, dass es, wäre das Bewusstsein auf anderen denkenden Substanzen übertragbar, möglich wäre, zwei Menschen oder Substanzen (ich mit dem Bewusstsein von Sokrates und Sokrates mit seinem Bewusstsein) als eine Person zu bezeichnen (Essay II, 27, 15) 47 :
„ Id de en nt ti it tä ät t d de er r P I
44 Die Unabhängigkeit der Personalität von dem Körper illustriert Locke mit dem Amputationsbeispiel (Essay II, 27, 11): Ein körperlicher Teil gehört zu unseren Personalität nur soweit wir und auf diesen durch ein Bewusstsein beziehen können, sobald solcher Bewusstseinsbezug (z.B. durch Amputation) verhindert wird, gehört der Teil nicht mehr zu unserer Person.
45 Dies veranschaulicht Locke mit ganzer Reihe von Beispielen, die wir noch später in dieser Arbeit ansprechen werden: Es geht um den wachen-schlafenden Sokrates (Essay II, 27, 19), Seelenwanderung zwischen Nestor und Sokrates (Essay II, 27, 14) und Fürst-Schuster-Beispiel (Essay II, 27, 15).
46 Die Vertreter der Cartesischen These müssten zeigen, wieso eine immaterielle Seele nicht mit jedem beliebigen Körper verknüpft werden sein kann, ohne dabei die Identität zu verlieren. Da wir jedoch laut Lockeschem epistemologischen Skeptizismus das reale Wesen dieser Seele nicht erkennen können, können wir auch nicht endgültig die Möglichkeit ausschließen, dass die Seele mit verschiedenen Körpern nacheinander verknüpft werden kann, ohne dass sie ihre Identität verliert und/ also ohne dass (so zumindest laut dem Immaterialist bzw. Cartesianer) die personale Identität zu bestehen aufgehören würde. Die Immaterialisten bzw. Cartesianer können daher eine Seelenwanderung nicht ausschließen. S. Hughes 1975, S. 170 und Thiel 1983, S. 99 - 102.
47 Vgl. mein Beispiel mit dem Beispiel der Bewusstseinwanderung in dem Fürst-Schuster-Beispiel (Essay II, 27, 15) von Locke: Wenn eine Bewusstseinswanderung möglich wäre, dann muss man schließen, dass die Person vor der Bewusstseinwanderung mit der Person nach der Bewusstseinswanderung identisch ist.
48
Vgl. auch
Essay II, 27, 23:
„
[w wi ir rd d] ]. .
D
Da ab be ei i
s
sp pi ie el lt t
e
es s
k [
du ur rc ch h
d
di ie e
I
Id de en nt ti it tä ät t
o
ni ic ch ht t
d n
Be ew wu uß ßt ts se ei in ns s. .“ “ oder Essay II, 27, 25: „ Id de en nt ti it tä ät t d de es s B I
Au uf ff fa as ss su un ng g d de es s S Se el lb bs st t w A da as ss se el lb be e S an ng ge es se eh he en n, , w wa as s d a ge et tr re en nn nt t z zu u w we er rd de en n. .“ “ g
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Locke verabschiedet sich damit von dem traditionellen Begriff der Person als einfacher, durch Rationalität charakterisierter Substanz und bestimmt die Person neu als eine nichtsubstantielle durch das Bewusstsein konstituierte Entität. 49 Die Lockesche Hauptthese der personalen Identität kann man dann wie folgt formulieren:
(T PI ) Die personale Identität besteht allein im Bewusstsein und zwar unabhängig von jeder Substanz.
Damit hat der Leser des Identitätskapitels jedoch noch nicht viel erreicht: Es ist zwar klar, dass Locke in seinem Identitätskapitel die (T PI ) formuliert und für diese argumentiert, jedoch muss noch geklärt werden, was man unter (T PI ) verstehen soll. Sowohl in der Lockeschen Zeit, als auch in den gegenwärtigen Diskussionen innerhalb der Sekundärliteratur, bleibt die Frage nach einer richtigen Deutung der (T PI ) umstritten.
2. JOSEPH BUTLERS UND THOMAS REIDS KRITIK AN DER LOCKESCHEN THESE (T PI )
In diesem Kapitel werde ich die Kritik an (T PI ) von Bischof Joseph Butler (1692 - 1752) und Thomas Reid (1710 - 1792) zusammenfassen. Es handelt sich zwar nicht um die früheste Kritik 50 , jedoch repräsentiert sie die berühmteste und meist erörterten Einwände. Bei beiden Autoren sind der in der Sekundärliteratur immer wieder aufgegriffene Zirkularitätsvorwurf, sowie das Problem der Nicht-Transitivität der personalen Identität gemäß (T PI ) zu finden. Man kann die Ausführungen beider Kritiker problemlos gemeinsam betrachten, da Thomas Reid hinsichtlich der Kritik an Lockes Theorie der personalen Identität ein Schüler Butlers ist. Er scheint mit seinen Aufsätzen zum Thema überwiegend die Thesen Butlers aufzugreifen, zu vertiefen und zu präzisieren.
Bei der folgenden Darstellung werde ich mich nur mit denjenigen Aufsätzen Butlers und Reids auseinandersetzen, die direkt auf die Problematik der Lockeschen (T PI ) zielen 51 , ohne diese vor dem Hintergrund der Gesamtphilosophie Butlers und Reids zu betrachten. In diesen wird die oben formulierte (T PI ) kritisiert, weil sie im Widerspruch, sowohl zu unserem üblichen Sprachgebrauch, als auch zu manchen Fällen der alltäglichen Praxis zu stehen scheint. So müsste man zum Beispiel einen Menschen, der in t 1 betrunken ist und t 2 nüchternd ist, nicht für ein und dieselbe Person halten, falls sich der Mensch im nüchternden Zustand nicht an seine Handlungen als Betrunkener erinnern bzw. falls er kein Bewusstsein des Individuums hat, das in t 1 gehandelt hat. Und noch mehr: Laut (T PI ) scheint kein menschliches Individuum während seines Lebens identisch zu bleiben. Denn wer von uns kann sich schon an alle seine Handlungen in der Vergangenheit erinnern? Ich weiß zwar, dass ich heute morgen aufgestanden bin, gefrühstückt habe und jetzt diese Arbeit schreibe, aber ich habe vergessen, was ich gestern zur selben Zeit getan habe. Und wenn mich jemand mit der Frage konfrontieren würde, was ich vor zehn Jahren gemacht habe, wäre es offensichtlich, dass ich mich nicht an alle meine damaligen Handlungen erinnern würde. Trotzdem bin ich intuitiv davon überzeugt, immer noch
49 Vgl. Thiel 1983, S.105.
50 Eine frühere Auseinandersetzung mit der Lockeschen Theorie der personalen Identität findet man schon bei John Sergeant oder Henry Lee. S. Thiel 1983, S. 121 - 127.
51 D.h. mit Butlers Aufsatz ‚Of Personal Identity’ und mit Reids Aufsätzen ‚Of Identity’ und ‚Of Mr. Locke’s Account of our Personal Identity’.
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dieselbe Person zu sein, wie vor zehn Jahren. Weiter ist jedem von uns die Erfahrung eines traumlosen Schlafs bekannt. In einem solchen befindet man sich in einem mentalen Zustand, der nicht durch Bewusstsein begleitet wird und trotzdem würde man nicht vermuten, er sei in diesem Zustand eine andere Person als während er nicht schläft.
Für die Lockesche These (T PI ) ergibt sich also das Problem des Vergessen, das aus der Tatsache resultiert, dass die Menschen vergessliche Wesen sind und sich daher nicht an alle ihre Taten in der Vergangenheit erinnern, sowie das Problem des ständigen Unterbrechens des Bewusstseins, das daraus folgt, dass wir uns auch in unbewussten Zuständen befinden können. Auf ähnlichen Überlegungen basiert die Kritik von Butler und Reid, wenn sie von (T PI ) behauptet, sie sei kontraintuitiv und habe für das menschliche Individuum absurde Folgen.
In dieser Arbeit möchte ich eine Lesart von (T PI ) vorschlagen, die eine Verteidigung gegen die Einwände von Butler und Reid ermöglicht. Zunächst werde ich jedoch die kritische Argumentation von Butler und Reid zusammenfassen: Man soll sich zunächst vor Augen führen, warum die Lockesche (T PI ) bestritten wurde und welche absurden Implikationen ihr zugeschrieben wurden. Nur so kann man zeigen, dass diese Kritik auf einem grundlegenden Missverständnis und einer einseitigen Lesart der These (T PI ) beruht.
2.1 Der Zirkularitätsvorwurf gegen (T PI )
Sowohl Butler als auch Reid sind überzeugt, dass die Lockesche Definition der Personalität nach (T PI ) zirkulär sei. So schreibt Butler am Anfang seines Aufsatzes:
„( (… …) )
c
co on ns sc ci io ou us sn ne es ss s
o „
kn no ow wl le ed dg ge e ( (… …) ) c k
Die personale Identität muss demnach etwas vor allem Bewusstsein Gegebenes sein - die Person kann nicht durch das Bewusstsein konstituiert werden, weil das Bewusstsein eine Tätigkeit dieser Person ist. Ergo: Jedes Bewusstsein setzt eine Personalität stets voraus und eine Definition der personalen Identität auf der Grundlage des Bewusstseins wie (T PI ) ist daher zirkulär.
Reid ersetzt zusätzlich den Begriff des Bewusstseins durch den des distinktiven Sich-Erinnerns. Er ist der Meinung, dass der Lockesche Bewusstseinsbegriff in nichts anderem besteht, als darin, dass man sich an seine eigene Handlungen in der Vergangenheit erinnert (Reid II, S.115). 52 Somit formuliert er die Lockesche Theorie der personalen Identität in eine einfache Erinnerungstheorie (T PI )* um:
52
S.
Reid II, S.115:
„
ha av ve e
a
an n
i
im mm me ed di ia at te e
k h
pe er rs so on na al l
i
id de en nt ti it ty y
c
co on ns si is st t
i p verwechselt hat. Locke hat (so Reid) keinen exakten philosophischen Wortschatz benutzt: „ di is sc co ou ur rs se e, , t to o f fi ix x a ac cc cu ur ra at te el ly y t d
co on ns sc ci io ou us sn ne es ss s, , w so om me et ti im me es s c s mi in nd d, , a an nd d a as sc cr ri ib be es s t m
philosophischen Sinn der Begriffe nicht genügend unterscheidet, kommt noch mal in dem Einwand zum Ausdruck, dass Locke nicht zwischen der perfekten und nicht-perfekten Identität, s. Kapitel 2.2.
- 15 -
(T PI )* Die personale Identität besteht allein im distinktiven Sich-Erinnern. 53
Anschließend meint er (übereinstimmend mit Butler), dass dieses Erinnerungsvermögen die Überzeugung des sich erinnernden Subjekts von seiner eigenen Identität voraussetzt:
„( (. .. .. .) )
t
th hi is s
c
co on nv vi ic ct ti io on n
[of our own identity]
i
„
me em mo or ry y
o
of f
w m
we e
m
mu us st t
h
ha av ve e
t w
on n
a
ac cc co ou un nt t
o o
S.107 - 108) Daher kommt er zum selben Schluss wie Butler: Wenn die personale Identität eine Voraussetzung des distinktiven Erinnerungsvermögens ist, kann sie offensichtlich nicht durch dieses Erinnerungsvermögen konstituiert werden. (T PI ), gedeutet als (T PI )*, stellt daher ebenfalls eine zirkuläre Definition der personalen Identität dar: Das distinktive Sich-Erinnern als eine Tätigkeit setzt ein Subjekt dieser Tätigkeit voraus - die Person, die sich distinktiv erinnert. Reid erweitert seinen Einwand noch dadurch, dass er behauptet, Lockes angeblichen Fehler gefunden zu haben. Seiner Meinung nach verwechselt Locke das, was eine Person konstituiert mit dem Vermögen dieser Person, durch welches diese sie personale Identität erfahren kann:
„( (. .. .. .) )
i
in n
t
th hi is s
d „
ev vi id de en nc ce e
w
wh hi ic ch h
w e Locke schließe nämlich davon, dass uns unsere personale Identität nur durch das Erinnern zugänglich ist, darauf, dass die personale Identität gerade in diesem Zugangs- und Evidenzmittel besteht. Dabei beachte er jedoch nicht, dass man damit nur festgestellt hat, dass das Erinnerungsvermögen ein Mittel ist, um Evidenz über unsere eigene Identität zu erhalten. 54 Um zu verdeutlichen, dass das Lockesche Argument deswegen unschlüssig ist, führt Reid ein Parallelargument an (Reid II, S.116): Die Identität eines Pferdes über die Zeit hinweg erkennt man daran, dass sich das Pferd über die Zeit hinweg ähnelt. Trotzdem würde man nicht daraus schließen, dass die Identität des Pferdes gerade in dieser Ähnlichkeit besteht.
Fassen wir noch mal zusammen: Laut dem Zirkularitätsvorwurf ist die Lockesche Definition der Person (T PI ) zirkulär. Das Bewusstsein sei nämlich eine Fähigkeit der Person und setze als solche die personale Identität schon voraus. Die Schlagkraft dieses Vorwurfs erhöht sich, wenn man die Lockesche Identitätsthese (T PI ) mit Reid als eine Erinnerungstheorie personaler Identität (T PI )* versteht - erst eine Person kann sich an etwas erinnern, daher kann das Erinnern nicht ihre Personalität ausmachen. Die These (T PI ) enthält laut Reid gleich zwei Ungenauigkeiten, die bewirken haben, dass Locke die in ihnen enthaltene Zirkularität nicht bemerkt hat: Erstens spreche sie vom Bewusstsein anstatt von dem Erinnerungsvermögen und zweitens basiere sie darauf, dass Locke das konstitutive Moment personaler Identität mit unserer Fähigkeit, die eigene Identität zu erkennen, verwechselt habe.
53 Vgl. Martins Darstellung der einfachen Erinnerungstheorie der personalen Identität, Martin 2000, S. 387.
54 Butler und Reid verstehen beide das Bewusstsein und das Erinnerungsvermögen zwar als ein Evidenzmittel bezüglich re em me em mb be er rs s, , a an nd d e ev ve er ry y t th hi in ng g h he e r re em me em mb be er rs s c co on nv vi ic ce es s eigener Identität (Butler, S.100; Reid I, S.110: „ „E Ev ve er ry y m ma an n b be el li ie ev ve es s w wh ha at t h he e d di is st ti in nc ct ti iv ve el ly y r th ha at t h he e e ex xi is st te ed d a at t t th he e t ti im me e h he e r re em me em mb be er re ed d. . ( (. .. .. .) ) [ [h ho ow we ev ve er r] ] i it t i is s n no ot t m my y r re em me em mb be er ri in ng g a an ny y a ac ct ti io on n o of f m mi in ne e t th ha at t m ma ak ke es s m me e t to o b be e t th he e p pe er rs so on n w wh ho o hi im m t h di id d i it t. .“ “), jedoch halten sie dies nicht für die hinreichende Bedingung für die Konstitution der personalen Identität: Auch das d
Vergessene muss zu unserer Persönlichkeit gehören, weil das Vergessen nichts an der Tatsache ändern kann, dass alle sukzessive Tätigkeiten von einem und demselben Wesen bewerkstelligt wurden (Butler, S.104) - vgl. mit Kapitel 2.4.
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Radka Tomeckova, 2009, Die personale Identität in Lockes 'An Essay Concerning Human Understanding', München, GRIN Verlag GmbH
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