Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 1
2. (Erlernte) Hilflosigkeit - Begriffsklärung 4
3. Die Anfänge der Hilflosigkeitsforschung 6
3.1 Die behavioristischen Lerntheorien 9
3.1.1 Klassisches Konditionieren 10
3.1.2 Operantes Konditionieren 11
3.2 Unkontrollierbarkeit 15
3.3 Das Ausmaß erlernter Hilflosigkeit 18
3.4 Attributionsstile und -dimensionen 19
3.4.1 Internale vs. externale Attribution 20
3.4.2 Globale vs. spezifische Attribution 21
3.4.3 Stabile vs. instabile Attribution 22
4. Die Symptome der erlernten Hilflosigkeit 22
4.1 Kognitive Defizite 23
4.2 Motivationale Defizite 24
4.3 Emotionale Defizite 24
5. Das Modell der Lageorientierung 27
5.1 Lagekognition und Ressourcenmangel 28
5.2 Freiwilligkeit und Zwang 30
6. Kontrastierende These 33
7. Erlernte Hilflosigkeit in der Institution Schule 34
7.1 Erlernte Hilflosigkeit als Gefahr für den Schulsport…………………. 35 7.2 Genese erlernter Hilflosigkeit im Sportunterricht…………….……… 37 7.2.1 Beispielszenario 1………………………………………………………. 38 7.2.2 Beispielszenario 2………………………………………………………. 40 7.2.3 Beispielszenario 3………………………………………………………. 42
8. Fazit ……………………………………………………………………... 45
9. Literaturverzeichnis…………………………………………………... 48
1.Einleitung
„Gott, gib mir die Kraft, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann, den Mut Dinge zu ändern, die ich ändern kann, und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.“
(vermutlich Reinhold Niebuhr, deutsch-amerikanischer Theologe, 1892-1971)
Diese als Gelassenheitsgebet bekannten Zeilen erscheinen fortlaufend in Zitatensammlungen und Kalendern, finden sich beständig auf Alltagsgegenständen wieder, eignen sich als Tagebucheintrag und fungieren mitunter gar als persönliches Lebensmotto.
Doch warum erfreut sich dieser viel zitierte Sinnspruch einer solchen Popularität und ständiger Bemühung?
Es scheint, als ob sich nahezu jedermann von Zeit zu Zeit in Situationen wiederfindet, in welchen die Wahl zwischen Handeln und Passivität schwer fällt und im Endeffekt nicht immer richtig erscheint. Dieser gelegentliche Zustand hat etwas so alltäglich Normales, dass wir ihn einfach als gegeben und unabänderlich hinnehmen.
Die Form eines Gebets signalisiert weiterhin, dass wir es auch gar nicht durch uns selbst beeinflussbar erachten, dies zu ändern, sondern uns höchstens eine höhere Macht zur nötigen Weisheit verhelfen könnte. Was verbindet diesen scheinbar trivialen Sinnspruch nun mit einem so bemerkenswerten Phänomen wie dem der erlernten Hilflosigkeit? Eine Beziehung lässt sich dort feststellen, wo in Extremfällen ein solches Ausmaß an ’fehlender Weisheit’ vorliegt, dass die Menschen sich in ihrer Lebensbewältigung selbst hemmen und beeinträchtigen. Die Überzeugung, dass eigenes Handeln wirkungslos und damit nicht lohnenswert ist, gekoppelt mit dem Entschluss zu permanenter Passivität, bildet den Kern dieser Selbstbehinderung.
Auf den folgenden Seiten werde ich die Frage bearbeiten, wie Menschen eine Disposition entwickeln können, die sie in bestimmten Bereichen ihres Lebens dazu veranlasst, nahezu alle ihnen möglichen Handlungen als
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Kraft- und Zeitverschwendung anzusehen, auch wenn nüchtern betrachtet durchaus eine lohnenswerte Veränderung der Umwelt möglich wäre. Wie ein solcher Zustand bzw. eine solche Disposition generiert werden kann, wie sie möglicherweise zu vermeiden ist und inwieweit ein Transfer auf das Feld des Schulsports gelingen kann, soll Gegenstand dieser Arbeit sein.
Um die im Titel angekündigte Relevanz der erlernten Hilflosigkeit für die Analyse und Gestaltung von Sportunterricht herauszuarbeiten, ist es zunächst unerlässlich, eine recht umfassende Skizzierung der grundlegendsten und einflussreichsten Theorien zu liefern, die dieses Phänomen umschreiben, um so dem Argumentationsstrang der Arbeit eine logische Struktur zu verleihen.
Nach einer Abgrenzung der beiden Begriffe „Hilflosigkeit“ und „erlernte Hilflosigkeit“ voneinander im Sinne eines allgemeinen Verständnisses unter Punkt 1 soll zunächst die grundlegende Theorie Martin Seligmans vorgestellt werden, um so die Basis für ein generelles Verständnis des Phänomens „erlernte Hilflosigkeit“ zu liefern. Hier wird sich der Faktor der Unkontrollierbarkeit als besonders gewichtige Ursache herausstellen. Um die stets relevante Komponente des involvierten Lernprozesses nachvollziehbar werden zu lassen, werden über die Darstellung der behavioristischen Lerntheorien die ersten experimentellen Ergebnisse Seligmans modelliert.
Im weiteren Verlauf der Arbeit wird Seligmans Theorie weiterführend nachgezeichnet und auch in ihrer reformulierten Form berücksichtigt. Der Fokus liegt hier vor allem auf der Bedeutung persönlicher Attributionsstile sowie auf der Skizzierung der letztlich beobachtbaren Symptome des Phänomens. Hieran anschließend wird unter Punkt 5 die alternierende Erklärung Julius Kuhls zur Entstehung erlernter Hilflosigkeit mit dem Modell der Lageorientierung einen ebenfalls anschaulichen und anwendbaren Bezugsrahmen liefern, der für den anschließenden Transfer in den zweiten Teil dieser Arbeit, das Feld des Schulsports, von großem Nutzen sein wird. Diese Übertragung und Anwendung soll zunächst durch die Einführung der ergänzenden Situationsdimension „Freiwilligkeit und Zwang“ vorbereitet werden, um dann durch die Einnahme einer psychologisch-pädagogischen Perspektive ihre Legitimation zu erhalten.
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Anhand von drei ausgewählten Beispielszenarios soll schließlich konkret aufgezeigt werden, wie erlernte Hilflosigkeit innerhalb des Settings des Schulsportunterrichtes entstehen kann.
Dies ist unweigerlich mit der Präsentation einzelner Gegenmaßnahmen und Präventionsschritte verbunden, die gleichzeitig eine Verbindung zur Gestaltung von Sportunterricht und damit zum Titel dieser Arbeit aufweisen. Gleiches gilt für die Analyse von Sportunterricht, die sich jedoch vor dem Hin-tergrund der erlernten Hilflosigkeit vor allem um die beobachtbaren Symptome des Phänomens dreht.
Den Anspruch dieser Bachelorarbeit sehe ich deutlich darin verankert zu demonstrieren, dass ein scheinbar abgehandeltes und betagtes Konzept, wie das der erlernten Hilflosigkeit, auch heute noch eine berechtigte Anwendung finden kann und sich die Auseinandersetzung besonders aus pädagogischem Blickwinkel als fruchtbar herausstellen kann. Der große Geltungsbereich sowie eine Vielzahl von Anwendungsmöglichkeiten des Theoriekonstruktes birgt inhärent die Gefahr, ausschweifende und irrelevante Verzweigungen mit anderen wissenschaftlichen Teilgebieten herzustellen und sich so von der eigentlichen Zielsetzung der Arbeit zu entfernen. Als Beispiel seien hier nur die leicht zu ziehenden Verbindungen zur Motivationspsychologie, weiteren Lerntheorien oder gar Depressionen angedeutet, die die mögliche Spannweite des Feldes der erlernten Hilflosigkeit erahnen lassen.
Eine Fokussierung auf gerade für den Bereich des Schulsports bedeutsame Aspekte ist daher zwingend erforderlich.
Es ist demnach fast überflüssig zu betonen, dass diese Arbeit in keiner Weise einen Anspruch auf Vollständigkeit erhebt.
Gleichzeitig ist hiermit die Bitte an den Leser dieser Arbeit ausgesprochen, mir etwaige vermeintlich fehlende Elemente, wie beispielsweise eine Stellungnahme zur Kritik an der erlernten Hilflosigkeit, die auf den begrenzten Rahmen und die notwendige Fokussierung zurückzuführen sind, nachzusehen.
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2. (Erlernte) Hilflosigkeit - Begriffsklärung
Die Konfrontation mit dem Phänomen der erlernten Hilflosigkeit ruft bei vielen Menschen, sind sie nicht gerade zufällig auf dem Gebiet der Pädagogik oder Psychologie tätig, zumeist Ratlosigkeit und zuweilen auch Unverständnis hervor. Diese Erfahrung habe ich in zahlreichen Gesprächen mit Kommilitonen, Freunden und Bekannten während der Erarbeitungszeit dieser Bachelorarbeit gemacht.
Der allein stehende Begriff der Hilflosigkeit bereitet indes kaum Probleme. Jeder dürfte im Laufe seines Lebens Erfahrungen mit diesem Gefühl oder Zustand gemacht haben. Es ist vielmehr der Zusatz „erlernt“, der hier für Verwirrung sorgt.
Im alltäglichen Gebrauch wird anscheinend unter etwas Erlerntem in der Regel auch immer etwas bewusst Gewolltes verstanden. Beispiele hierfür gibt es unzählige: Das Lernen für eine bevorstehende Prüfung, das Erlernen des Radfahrens, das man danach angeblich ein Leben lang beherrscht, Lesen lernen, Schwimmen lernen, etc.
Bei all diesen Fertigkeiten handelt es sich augenscheinlich um positive, d.h. für die persönliche (Weiter-) Entwicklung förderliche Kompetenzen, die im Regelfall zwar auch durch die Einflussnahme von Bezugspersonen, wie beispielsweise den Eltern oder Lehrern, unterstützt und mitunter auch forciert werden, die aber ohne die Konditionen des Willens und der Bereitschaft des Kindes bzw. des Lernenden wiederum, wohl kaum erlernt werden würden.
Die Annahme, dass Erlernen eine Verbindung mit Absicht und Willen aufweist, ist daher absolut verständlich und auch korrekt. Dass diese Feststellung aber bei Weitem nicht ausreicht, um all das zu erklären, was ein Individuum im Laufe seines Daseins erlernt, wird deutlich, wenn der Fokus wieder auf die Thematik dieser Arbeit gerichtet wird. Denn wie könnte ein Zustand wie der der Hilflosigkeit etwas absichtlich Gewolltes sein?
In der Tat ist die Verbindung zwischen ’genereller’ Hilflosigkeit und erlernter Hilflosigkeit eine sehr enge und kann, wie später noch aufgezeigt werden wird, in manchen Fällen als nahezu identisch erachtet werden.
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Es bietet sich daher an, auf dem bereits vorhandenen Verständnis von Hilflosigkeit aufzubauen.
Es handelt sich hierbei um einen so grundlegenden und häufig auftretenden Zustand im Leben eines jeden Menschen, dass davon ausgegangen werden kann, dass ein generelles Verständnis darüber, in erster Linie generiert durch eben diese selbst gemachten Erfahrungen, allgemein vorhanden ist.
Alltäglich werden Menschen mit neuen, unbekannten, sie überfordernden Situationen konfrontiert, die scheinbar unmöglich mit den eigenen Kapazitäten, Fähig- und Fertigkeiten gelöst werden können. Als Beispiel könnte hier die Verständigung über einen komplexen Sachverhalt in einer fremden Sprache aufgeführt werden. Ebenso dürfte die Aufforderung an einen Turn-Novizen, mal eben schnell eine Kippe am Reck vorzuturnen, Hilflosigkeitssymptome hervorrufen, deren Art des Auftretens und der Manifestation im Laufe dieser Arbeit noch ausführlich behandelt werden wird.
Der Begriff der Hilflosigkeit dürfte also auf den ersten Blick keine weiteren Verständnisprobleme hervorrufen. Bei genauerer Betrachtung stellt sich allerdings heraus, dass mit der Verwendung des Begriffs Hilflosigkeit bereits in das Feld der Lerntheorien eingedrungen wird. Dies wird deutlich, wenn man noch einmal das zuvor genannte Beispiel der Verständigung in einer fremden Sprache betrachtet: Hat man einmal die Erfahrung gemacht, dass die eigene Handlung, in diesem Fall das versuchte Kommunizieren in einer Fremdsprache, nicht spürbar die eigentlich intendierte Konsequenz nach sich zog, so wird sich diese gemachte Erfahrung unweigerlich auch zukünftig auf ähnliche Situationen auswirken. Es wäre z.B. denkbar, dass die Verständigung in einer fremden Sprache zukünftig gänzlich zu vermeiden versucht wird, da ja gelernt wurde, dass die Fähigkeiten in diesem Bereich für das gewünschte Ergebnis nicht ausreichend sind und die Situation somit im weitesten Sinne für die handelnde Person nicht kontrollierbar und obendrein womöglich noch peinlich ist.
Dieses einfache Beispiel zeigt bereits recht gut, dass bei der Verwendung des Begriffs Hilflosigkeit unweigerlich immer auch eine Lernprozesskomponente eingeschlossen ist.
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Dass sich der Lernprozess weitaus komplexer darstellt, als es das eben skizzierte Beispiel vermuten lässt, wird im Verlauf dieser Arbeit ausführlich thematisiert werden.
Ganz offensichtlich reicht eine einzige Lerntheorie also nicht aus, um alle Formen des Lernens erklären zu können.
Aus diesem Grund wird sich ein Teil dieser Arbeit notwendigerweise mit den basalen Lerntheorien des Behaviorismus beschäftigen, die sowohl eine befriedigende als auch eine gut verständliche Erläuterung dieser Problematik bereitstellen.
Des Weiteren gilt es zu diesem Zeitpunkt noch abzuwarten, inwiefern sich das Phänomen der erlernten Hilflosigkeit als relevant und einflussreich für das Feld des Schulsports erweist. Das Beispiel des Vorturnens einer Kippe am Reck für einen Turnnovizen dürfte bereits angedeutet haben, dass Hilflosigkeit in diesem Bereich durchaus ein Problem darstellen kann und sich nicht auf geistig-kognitive Kapazitäten beschränkt, sondern eine Spannbreite aufweist, die sehr wohl Einfluss nimmt auf das motorische Handlungsvermögen von Kindern, Jugendlichen und auch Erwachsenen. Bevor jedoch detaillierter auf diese Punkte eingegangen werden kann, ist es absolut notwendig, ein grundlegendes Verständnis für die Theorie der erlernten Hilflosigkeit aufzubauen und den dazugehörigen lerntheoretischen Hinter-grund zu erläutern. Dies soll in den folgenden Punkten geschehen.
3. Die Anfänge der Hilflosigkeitsforschung
Die Anfänge der Theorie der erlernten Hilflosigkeit sind untrennbar mit Martin P. Seligman verbunden, der Mitte der 1960er Jahre den Grundstein für dieses Konzept legte.
Das Faszinierende an dieser Theorie ist, wenn man ihr denn Glauben schenkt und ihre Annahmen für wirksam hält, dass sie dann auch so übergreifend und verallgemeinernd angewendet werden kann, dass sie in allen wesentlichen Bereichen des Lebens gilt (vgl. Seligman 1979, S. XIV). Dementsprechend existieren natürlich auch unzählige Werke und Schriften, die sich mit ihr beschäftigen, sie erweitern, bekräftigen, an ihr zweifeln, etc.
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Es kann im begrenzten Rahmen dieser Arbeit daher nun keine auf Vollständigkeit abzielende Darstellung der Theorie erfolgen. In dem folgenden Abschnitt soll es somit vor allen Dingen darum gehen, die Grundzüge und Hauptkomponenten des Konzepts zu skizzieren und so das notwendige Basiswissen für die weitere Argumentationsstruktur dieser Arbeit darzulegen. Des Weiteren liegt mir daran, die Abfolge der Ereignisse und Experimente nachzuzeichnen, die Seligman sukzessive dazu genutzt hat sein Theoriekonstrukt zu formulieren, zu erweitern und zu verfeinern. Dies halte ich vor allem deshalb für sinnvoll, weil Seligmans Argumentationsstruktur und Hypothesenbildung ein sehr einleuchtendes Erklärungspotential besitzt, das letztlich dazu beiträgt, das Phänomen der erlernten Hilflosigkeit ernst zu nehmen und nicht als abwegig oder gar absurd abzutun. Als Seligman, Maier und Overmier in den 1960er Jahren mit Hunden den Zusammenhang von Angstkonditionierung und instrumentellem Lernen untersuchten, fiel ihre Aufmerksamkeit quasi beiläufig auf eine entscheidende Komponente des Pawlowschen Versuchsaufbaus: Die Tiere waren in ihrem Geschirr unweigerlich der Willkür der Menschen um sie herum ausgeliefert. Der elektrische Schlag, den sie als unkonditionierten Stimulus verabreicht bekamen, war unvermeidbar und durch kein mögliches Verhalten abwendbar. Es bestand demnach keine Kontingenz zwischen dem Verhalten der Tiere und der Konsequenz, die sie erfuhren. Die Tiere waren faktisch hilflos. Diese Bedingungen entsprechen der Definition von Unkontrollierbarkeit (vgl. Seligman 1979, S. 19). Der Versuchsaufbau beinhaltete, dass die Tiere am ersten Tag in unregelmäßigen Zeitabständen 64 dieser unvermeidbare Stromstöße erhielten. Nachdem die Hunde diese Erfahrung gemacht hatten, wurden sie 24 Stunden später in eine shuttle box gesetzt, d.h. in einen Versuchskäfig mit zwei durch eine Barriere getrennte Abteilungen, dessen Boden elektrisch aufgeladen werden konnte. Dem Stromschlag auf der einen Seite, der zuvor durch ein Lichtsignal angekündigt wurde, konnte durch das Hinüberspringen über die Barriere in den anderen Teil der Kiste ausgewichen werden. Ein Hund, der zuvor nicht die Erfahrung der unvermeidbaren Stromstöße gemacht hatte, begann, sobald seine Käfighälfte unter Strom gesetzt wurde,
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wild in seinem Käfig herumzurasen, bis er mehr oder weniger zufällig die Überquerung der Barriere vollzog. Bei den weiteren Versuchen gelang diese Überquerung immer schneller und der Hund koppelte schließlich den Reiz des Lichtsignals mit der negativen Bestrafung des Ausbleibens des Stromstoßes und wartete bereits geduldig vor der Barriere auf das Einsetzen des Lichtsignals (vgl. Seligman 1979, S. 19f). Ein Hund, der zuvor seine Hilflosigkeit bei den unvermeidbaren Stromstößen im Pawlowschen Geschirr erfahren hatte, reagierte wie folgt: …er raste ungefähr eine halbe Minute lang wild hin und her. Dann aber blieb er stehen und legte sich zu unserer Überraschung hin und winselte leise vor sich hin.
… Im nächsten Durchgang reagierte der Hund genauso.… Auch in allen folgenden Durchgängen schaffte es der Hund nicht zu entfliehen. Dies ist ein Musterbeispiel für erlernte Hilflosigkeit. (Seligman 1979, S. 20)
Seligman führte weitere Untersuchungen auf diesem Gebiet durch und untersuchte zwischen 1965 bis 1969 das Verhalten von ca. 150 Hunden, die der oben beschriebenen Versuchsdurchführung ausgesetzt wurden. Von diesen Tieren reagierten ca. zwei Drittel in der beschriebenen hilflosen Weise (vgl. Seligman 1979, S. 21).
Das restliche Drittel, das ebenfalls den unvermeidbaren elektrischen Schocks ausgesetzt worden war, vollzog interessanterweise den gleichen Lernprozess wie die „naiven Hunde“ (Seligman 1979, S. 21), und lernte schnell, den Stromstoß durch das eigene Handeln zu vermeiden. Aus diesem doch recht signifikant hohen Anteil von 33% lässt sich zunächst einmal ableiten, dass das Erlernen von Hilflosigkeit keineswegs als kausale Konsequenz einer Situation mit der Komponente der Unkontrollierbarkeit, was Seligman als „experimentell induziertes, unvermeidbares Trauma“ (Seligman 1979, S. 27) bezeichnet (im weiteren Verlauf dieser Arbeit wird für diesen Schritt die verkürzte Bezeichnung „traumatische Induzierung“ verwendet werden), angesehen werden kann, sondern vielmehr erst einmal als mögliche Folge gedeutet werden muss.
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Arbeit zitieren:
B.A. Ingo Westermann, 2007, Die Bedeutung des Konzeptes „Erlernte Hilflosigkeit“ für die Analyse und Gestaltung von Sportunterricht, München, GRIN Verlag GmbH
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