sie müssen mit Ämtern und Positionen verbunden sein, die allen gemäß fairer Chancengleichheit offen stehen.“
Erste Vorrangregel = Vorrang der Freiheit: „Die Gerechtigkeitsgrundsätze stehen in lexikalischer Ordnung; demgemäß können die Grundfreiheiten nur um der Freiheit willen eingeschränkt werden, und zwar in folgenden Fällen: (a) eine weniger umfangreiche Freiheit muss das Gesamtsystem der Freiheiten für alle stärken; (b) eine geringere als gleiche Freiheit muss für die davon Betroffenen annehmbar sein.“
Zweite Vorrangregel = Vorrang der Gerechtigkeit vor Leistungsfähigkeit und Lebensstandard: „Der zweite Gerechtigkeitsgrundsatz ist dem Grundsatz der Leistungsfähigkeit und Nutzenmaximierung lexikalisch vorgeordnet, und zwar in folgenden Fällen: (a) eine Chancen- Ungleichheit muss die Chancen der Benachteiligten verbessern; (b) eine besonders hohe Sparrate muss insgesamt die Last der von ihr Betroffenen mildern“ (vgl. Thielmann).
„Specifically, Rawls`s principles of justice as fairness assure equal basic of liberties and the worth of political participation rights, assure fair equality of opportunity through public education, early childhood supports, and appropriate public health and medical services, and constrain socioeconomic inequalities in ways that make the worst off groups as well off as possible” (vgl. Norman Daniels).
Den Begriff der „Gesundheit“ versteht Rawls als ein „öffentliches Gut“ im ökonomischen Sinn (z.B. Impfprogramme oder andere Gesundheitsdienste). Er stellt die Idee einer besonderen Zahlung im Krankheitsfall im Rahmen einer „negativen Einkommenssteuer“ auf. Doch die Anwendungsmöglichkeiten der Theorie sind begrenzt, denn was ist mit denen, die nicht um diese Dinge, die auf Jobs, Ämter und Karrieren fokussiert sind, konkurrieren? Eine Möglichkeit besteht darin, zu den Grundgütern die Gesundheitsversorgung hinzuzufügen, bzw. die Liste der Grundgüter und der Gerechtigkeitsgrundsätze zu erweitern. Ronald Green, zum Beispiel, sieht Gesundheitsversorgung als ein soziales Grundgut, denn sie scheint im Urzustand wichtiger als das Einkommen zu sein. Die weitere Möglichkeit besteht in einer Erweiterung der Gerechtigkeitsprinzipien um ein drittes Prinzip, „das allen unabhängig von ihrer gesellschaftlichen Stellung gleichermaßen Zugang zu einer Gesundheitsversorgung garantiert, die so umfangreich sein soll, wie die Gesellschaft es zulässt“ (vgl. Thielmann). Dieses Prinzip sollte dem Differenzprinzip vorgeordnet sein.
Das Problem, das auftritt, wenn man die Liste der Grundgüter um weitere Prinzipien erweitert, besteht darin, dass Rawls`s Theorie bewusst simplifiziert und offen gehalten ist. Fügt man weitere Prinzipien hinzu z.B. die Befriedigung anderer Grundbedürfnisse wie
Nahrung, Kleidung, oder Obdach, so wird eine Identifikation der am schlechtesten gestellten Individuen schwierig bis unmöglich: Sind es nur die ärmsten oder die hungrigsten oder die kränksten Individuen? Dies führt unweigerlich zu interpersonellen Vergleichen individueller Nutzen, (was wiederum zu moralischen Problemen führt) und übergeht somit die von Rawls geforderten interpersonellen Vergleiche sozialer Lebensumstände. Kenneth Arrow sieht ein Problem darin, dass durch das Differenzprinzip Personen, die außerordentliche Gesundheitsfürsorge benötigen, die gesamte Gesellschaft bis in die Verarmung treiben könnten. Abwägungen der sozialen Grundgüter und interpersonelle Vergleiche individueller Nutzen wären damit unumgänglich (vs. Einkommen als Indikator für Verteilungen bei Rawls). Daniels sieht ein Ranking-Problem darin, dass erst verschiedenste Informationen über die jeweilige Gesellschaft (z.B. Grad der Industrialisierung der Gesellschaft, historischer Kontext, oder bestimmte soziale Umstände) eine exakte Durchführung eines Rankings zu lassen.
Aber Rawls`s Kernaussage seiner Theorie bleibt bestehen, nämlich „die Verbesserung der Situation der am schlechtesten Gestellten“, unabhängig von einem wie auch immer spezifizierten Index der Grundgüter. Es gilt einzig der Vorrang der Grundfreiheiten (mit möglichen Einschränkungen). Rawls selbst sieht später das Problem, das Einkommen als Maß einer gerechten Verteilung zu nehmen, vor allem in Fällen besonderer medizinischer Hilfsbedürfnisse, und sieht die Notwendigkeit, einen von seinem Index sozialer Grundgüter verschiedenen oder einen umfänglicheren Güterbegriff zu verwenden (vgl. Thielmann).
Gesundheit und das Prinzip der fairen Chancengleichheit: Daniels
„There is no distributive theory for health care because no on is sick!” (Daniels)
Nach Rawls Konstruktion des Urzustands ist niemand krank und darin sieht Daniels ein Anwendungsproblem. Bei Rawls ist Gesundheit nur mittelbar von der gesellschaftlichen Grundstruktur und ihren Institutionen beeinflusst. Daniels rückt aber von diesem Standpunkt ab. Daniels stellt die beiden Begriffe fair equality of opportunity (Gut der fairen Chancengleichheit) und normal opportunity range (normale Bandbreite an Lebenschancen) auf: Krankheit schränkt mein normales Funktionieren ein, so dass in der Folge auch meine Möglichkeiten eingeschränkt sind, meine Chancen bezüglich meiner Lebensplanung und der mir wichtigen Güter wahrzunehmen. Das heißt das Ziel medizinischer Versorgung muss
Arbeit zitieren:
Stud. phil. Jan Schultheiß, 2008, Über Norman Daniels Ethik der Gesundheitsversorgung, München, GRIN Verlag GmbH
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