1.1 Auswahl des Praktikumsplatzes
Auf der Suche nach einem Praktikumsplatz war mir klar, dass dieser sich in einem Arbeitsbereich befinden sollte, in dem ich mir auch später eine berufliche Zukunft vorstellen könnte. Die Erfahrungen innerhalb der zwei Praktikumsmonate sollten meine zukünftige Berufswahl unterstützen oder verwerfen. Als Wunschtätigkeitsfeld hatte sich bereits vor der Wahl des Studienplatzes der journalistische Bereich herauskristallisiert, aus welchem Grund auch ein Praktikum in einem journalistischen Betrieb für mich erstrebenswert war. Während meines Praktikums wollte ich die Recherchemethoden und das Fachwissen, welches ich während des ersten Studienjahres erlernt hatte im Alltag anzuwenden. Auf der anderen Seite sah ich die Möglichkeit Erfahrungen, die ich während eines Praktikums bei journalistischen Tätigkeiten machen würde, für mein weiteres Studium nutzen zu können, wie zum Beispiel die Durchführung eines Interviews.
Ich entschied mich für ein Praktikum bei einer Tageszeitung, da mir die Arbeit im Bereich der Printmedien immer sehr interessant erschien. Im Vorfeld bewarb ich mich bei vier Zeitungen in Raum Hannover, in Kassel, Bremen und Leer für den Zeitraum vom 1. August 2006 bis zum 30. September 2006. Während ich von der Hannover Allgemeinen Zeitung sowie den Hessischen Nachrichten Absagen erhielt, wurde ich bei der Ostfriesen-Zeitung sowie bei den Bremer Nachrichten zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen. Ich erhielt bei beiden Zeitungen die Zusage, dass ich für diesen Zeitraum ein Praktikum absolvieren konnte und hatte nun die Wahl. Ich entschied mich für die Praktikumsstelle bei der Ostfriesen-Zeitung in Leer, da ich gebürtig aus dieser Region komme und mich dort sehr gut auskenne. Aufgrund der Tatsache, dass ich die Ostfriesen-Zeitung bereits aus meiner frühesten Jugend kenne und sogar als Kind im Rahmen eines Projektes „Zeitung und Schule“ das Lesen gelernt hatte, entschied ich mich für ein Praktikum dort.
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1.2 Vorstellung der Ostfriesen-Zeitung
Die Ostfriesen-Zeitung (OZ) ist eine regionale Tageszeitung in der Region Ostfriesland, deren Berichterstattung die Landkreise Leer, Emden und Aurich umschließt. Sie ist Teil der Zeitungsgruppe Ostfriesland, der eine weitere Tageszeitung sowie eine Wochenzeitung angehören und umfasst eine Auflage von etwa 40.000 Exemplaren. Die Hauptredaktion der OZ befindet sich in Leer sowie kleineren Lokalredaktionen in Aurich, Emden und Weener. Insgesamt sind etwa 280 Personen in allen Redaktionen angestellt.
Die Ostfriesen-Zeitung erscheint sechsmal wöchentlich, umfasst etwa 44 Seiten und besteht aus 4 Zeitungsbüchern. Ein Zeitungsbuch beschreibt mehrere Seiten, die in einem gefalteten Druckbogen zusammengefasst sind. In jeweils einem der Bücher stehen Nachrichten aus aller Welt, aus Ostfriesland, Lokalsport sowie die jeweiligen Nachrichten aus den Lokalredaktionen Emden, Aurich und Leer. Bei dem Buch mit überregionalen Nachrichten handelt es sich um eine so genannte Mantelseite, die von der Nordwest-Zeitung erstellt wird. Auch das Buch für die Region Ostfriesland ist eine Mantelseite, die in der Hauptredaktion in Leer produziert und für alle drei Lokalausgaben der Ostfriesen-Zeitung verwendet wird.
1.3 Vorstellung der Lokalredaktion Leer
Die Lokalredaktion der OZ, in der ich mein Praktikum absolvierte, war für den Landkreis Leer sowie die Mantelseite Ostfriesland zuständig. In der Redaktion sind acht Redakteure angestellt, die zehn Seiten der Lokalausgabe mit Informationen füllen. Außerdem werden in der Redaktion die vier Seiten für die Mantelseite mit Artikeln aus den verschiedenen Lokalredaktionen erstellt. Das Schreiben der Artikel übernehmen die Redakteure aller Redaktionen. Nicht selten kommt es hierbei vor, dass Artikel aus kurzen Stellungnahmen oder Texten der Redakteure zusammengesetzt werden. Für diese Artikel recherchieren dann nicht nur ein oder zwei Reporter der einzelnen Lokalredaktionen, sondern es entsteht eine Art Patchwork-Artikel, zu dem mehrere Redakteure ihren Teil beitragen. Verantwortlich für den reibungslosen Ablauf in der Lokalredaktion und zugleich mein Praktikumsbeauftragter war Wolfgang Malzahn.
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1.4 Haupttätigkeiten während der Einarbeitungsphase
Das Tätigkeitsfeld eines Praktikanten hing von meiner eigenen Bereitwilligkeit zur Arbeit ab. Während meines Praktikums befanden sich zwei der acht Redakteure im Urlaub. Der Vorteil daran war, dass zwar ein Arbeitsplatz für mich frei war, auf der anderen Seite ent-stand dadurch jedoch ein erheblicher Teil an Mehrarbeit für die übrigen Redakteure, da die Lokal- und Mantelseiten trotz alledem fertig gestellt werden mussten. Aufgrund des hohen zeitlichen Drucks war es für den Praktikumsbeauftragten sehr schwierig sich Übungsaufgaben oder ähnliches für mich auszudenken.
Aus diesem Grund beschlossen Wolfgang Malzahn und ich, dass die Einarbeitungsphase getreu dem plattdeutschen Motto „Dauen deid Lehren“ („Learning by Doing“) ablaufen sollte. Nach einer kurzen Führung durch die Räumlichkeiten der Redaktion fuhr ich bereits am ersten Tag mit einem der Redakteure zu einem Außeneinsatz, um für einen Artikel, der am nächsten Tag erscheinen sollte, zu recherchieren. Dieser Artikel befasste sich mit Auszubil-denden, die am 1. August ihre Ausbildung begonnen hatten. 1 Wir fuhren in verschiedene Ausbildungsbetriebe und führten Interviews mit einer Bankkauffrau und einem Dachdecker. Nach der Rückkehr in die Redaktion verfasste ich parallel zu dem Redakteur eine eigene Version des Zeitungsartikels, die gemeinsam besprochen und kritisiert wurde. Diese Arbeitsweise wurde auch im späteren Verlauf des Praktikums weitergeführt: Jeder Artikel, von welchem Redakteur auch immer verfasst, wurde von mindestens einem der anderen Redakteure gegengelesen und korrigiert. Dadurch wurde versucht möglichst viele Fehler auszuschalten und so den Lesern einen guten und möglichst fehlerfreien Artikel bieten zu können.
1.5 Allgemeine Aufgaben während des Praktikums
Während des Praktikums gab es ein breites Feld an Aufgaben. Zu Beginn des Praktikums wurde mir das Programm „HAUMICHTOT“ erklärt, mit dessen Hilfe die Zeitung gestaltet wurde. Das Layout der Seiten orientierte sich stark an den Werbeanzeigen, die auf fast jeder Seite geschaltet worden waren und zum Teil eine halbe Seite bedeckten. Die Standardlänge eines Artikels betrug 90 Zeilen und erstreckte sich, je nach Aufbau der Seite, über drei oder vier Spalten. Meist wurden an den Rändern kleine Informationskästchen eingebaut, um Meldungen oder Ankündigungen unterbringen zu können. Neben dem
1 Anhang: Novizen auf dem Dach und im Sitzungssaal (02. August 2006)
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Schreiben von längeren Artikeln, hatte ich auch die Aufgabe aus Pressemitteilungen, wie zum Beispiel der Wochenendbilanz der Polizei, eine 20 Zeilen lange Meldung zu formen. Eine weitere meiner Funktionen war die des Pressefotografen - in Begleitung eines Redakteurs, der sich um das Schreiben des Artikels kümmerte, oder alleine, wenn es sich um Gruppentreffen oder rein repräsentative Termine handelte, bei denen es den Anwesenden primär darum ging auf einem Foto mit ihrem Namen darunter zu erscheinen. Diese Fotos wurden meist, wenn sie nicht dringend zeitnah erscheinen mussten, erst deutlich später veröffentlicht, wenn ein Mangel an Artikeln herrschte.
Die meiste Zeit des Praktikums verbrachte ich mit dem Recherchieren und Schreiben von Artikeln. Bereits in meiner ersten Praktikumswoche wurde einer meiner Artikel - sehr zu meinem eigenen Erstaunen - veröffentlicht. Kleinere Artikel wurden meist mit meinem Au-torenkürzel TC veröffentlicht, bei Standardartikeln mit der Länge von 90 Zeilen wurden diese mit meinem gesamten Namen überschrieben.
Für die Recherche wurden meist mehrere Quellen herangezogen. Wenn es beispielsweise um eine Begebenheit ging, von der ich keinerlei Ahnung hatte, dann wurde zum einen über das Internet recherchiert, zum anderen wurde versucht einen unabhängigen Spezialisten auf diesem Gebiet zu finden, der die Sachverhalte näher erklärte. Zum anderen diente bei Artikeln, die eine Vorgeschichte hatten über die bereits berichtet worden war, das Zeitungsarchiv der Ostfriesen-Zeitung.
Handelte es sich um einen Sachverhalt, über den bereits vor dem Jahr 2001 berichtet wurde, so musste man in das Zeitungsarchiv und in Aktenordnern nach dem Artikel suchen, da es keine digitale Katalogisierung der Zeitungsausgaben vor 2001 gab. Hierbei musste man sich auf das Gedächtnis der Redakteure verlassen, die den Artikel verfasst hatten und grob einzu-ordnen wussten, wann dieser veröffentlicht wurde.
Artikel, die nach dem Jahr 2001 veröffentlicht wurden waren im Online-Archiv der Zeitung gespeichert und der Arbeitsaufwand bei der Recherche war minimal. Es genügten meist ein bis zwei Schlagwörter um den gesuchten Artikel zu finden.
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1.6 Arbeitsaufträge während des Praktikums
Die mir gestellten Arbeitsaufträge waren sehr häufig klar formuliert. Meist ging es um rein deskriptive Artikel, die verfasst werden mussten und in denen nur zwei Seiten einer Tatsache hinterfragt werden mussten. Doch bei einigen Aufträgen war es auch möglich, dass man ohne genaue Anhaltspunkte zu einem Treffen fuhr und sich erst im Laufe eines Gesprächs herauskristallisierte, wovon der Artikel handeln könnte. Mein größtes Problem bei diesen Aufgaben war den richtigen Zugang zu dem Artikel zu finden. Meist versteifte ich mich auf einen weniger spannenden Aspekt, so dass mich einer der anderen Redakteure erst einmal mit der Nase darauf stoßen musste, dass es einen spannenderen Zugang geben könnte. So gab es Termine, bei denen sich die Anwesenden selbst für den wichtigsten Teil der Story hielten, der Fokus im Artikel selbst aber auf einem völlig anderen Schwerpunkt lag. Ein Beispiel dafür war die Anschaffung von neuen Musikinstrumenten an einer Haupt- und Realschule, die durch Zuschüsse, die durch den Bürgermeister des Ortes und den Landrat Bern-
hard Bramlage bewilligt wurden. 2 Während die beiden gewählten Vertreter sich gegenseitig auf die Schulter klopften, weil die Schüler nun Block- und Querflöte lernen konnten, erzählte der Schulleiter mir, dass durch die viel zu geringe Anzahl von Musiklehrern die Musikklassen derart überfüllt waren, dass immer ein paar Kinder ohne Instrument dastehen würden.
Diese Aussage registrierte ich zwar, schenkte ihr aber kaum größere Beachtung. Im anschließenden Gespräch mit meinem Praktikumsbeauftragten erzählte ich von dem Gespräch mit dem Schulleiter und seiner Äußerung bezüglich der mangelnden Musiklehrer. Dies führte dazu, dass nur ein Foto von der Enthüllung der Instrumente mit kurzer Bildunterschrift veröffentlicht wurde und wenig später ein großer Artikel über Lehrerknappheit an öffentlichen Schulen.
Trotz kleiner Schwierigkeiten bei der Themenfindung eines Artikels wurde Wolfgang Malzahn, und auch die anderen Redakteure der Redaktion, nicht müde mir unter die Arme zu greifen und mich zu unterstützen. Bereits während des ersten Tages wurde ich mehrfach ermutigt mit Problemen und Fragen auf ihn zuzukommen, wovon ich auch gebrauch machte. Aufgrund der Unterbesetzung der Redaktion während meines Praktikums, gab es jederzeit eine Aufgabe für mich und somit auch jederzeit einige Fragen.
Am häufigsten stellte ich jedoch die Frage, ob es weitere Arbeitsaufträge für mich gebe. Denn häufig war es so, dass einem die Aufgaben nicht einfach nur in die Hand gedrückt wurden, sondern man die einzelnen Redakteur ansprechen und quasi belagern musste, um
2 Anhang: Blasen gehört zum Lehrkonzept (8. September 2006)
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Arbeit zitieren:
Tim Conrads, 2006, Praktikumsbericht bei einer Tageszeitung, München, GRIN Verlag GmbH
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