Inhaltsverzeichnis
1. EINLEITUNG. 3
2. EINFÜHRUNG. 3
3. DIE BEDEUTUNG DER FORTUNA IN MACHIAVELLIS POLITISCHEN
HANDLUNGSANWEISUNGEN 4
4. DIE VIRTÙ - GEGNERIN DER FORTUNA 5
5. DER GEGENSATZ VIRTÙ UND FORTUNA IN DER PRAXIS - DIE BEISPIELE FRANCESCO SFORZA
UND CESARE BORGIA 6
6. DIE NECESSITÀ 7
7. DAS „MAGISCHE VIERECK“ 8
8. DER ZYKLUS ALS GESCHICHTSPHILOSOPHISCHES ORDNUNGSMODELL. 9
9. RESÜMEE. 10
10. LITERATUR- UND QUELLENVERZEICHNIS 11
2
1. Einleitung
Niccolò Machiavelli, verfemt und vergöttert, als Diener Satans und als Vorläufer politischer Wissenschaft tituliert, gilt als einer der bedeutsamsten Staatsphilosophen der frühen Neuzeit. Die folgende Arbeit geht der Frage nach, welcher Charakter der politischen und geschichtsphilosophischen Konzeption Machiavellis zu eigen ist. Im Mittelpunkt steht hierbei die Darstellung und Analyse der wichtigsten Begriffe in Machiavellis Gedankengut, der geistigen Basis seiner Überlegungen: fortuna, virtù, necessità und occasione. Die Grundlage für die in der Hausarbeit angeführten Darstellungen bilden neben der Sekundärliteratur die deutsche Übersetzung des Originalwerks Il Principe.
2. Einführung
Misserfolgs- sowie Erfolgsursachen politischen Handelns stehen im Fokus Machiavellis Interesses. 1
In einem Briefentwurf an den ehemaligen Gonfaloniere 2 Soderini wird deutlich, dass nach Machiavelli in der Bewertung politischer Handlungen ihr Ergebnis im Vordergrund steht, „[…] daß man bei den Dingen das Ende zu beurteilen habe, […] nicht die Mittel, wie sie gemacht werden.“ 3 Hinzu kommt Machiavellis Betonung auf das Situationsgespür des Handelnden, die Erfassung dessen, was die Zeit verlangt, das er für erfolgreiches politisches Handeln voraussetzt. „[…] so erreicht derjenige seine Wünsche ad votum […], dessen Art zu verfahren mit der Zeit übereinstimmt; derjenige ist unglücklich, der durch seine Handlungen von der Zeit und der Ordnung der Dinge unterscheidet.“ 4
Machiavelli will die Beziehung zwischen der virtù, der Tüchtigkeit respektive der Tugend, und der fortuna, dem Glück des Handelnden, dem Leser aufzeigen. Dafür entwickelt er auf Grundlage der eigenen Erfahrung und dem Wissen aus der Lektüre der antiken Geschichtsschreiber eine Lehre politischen Handelns. Das telos ist die Erfolgssicherheit, die jedem Herrscher dienlich sein soll, die Machiavelli seiner Leserschaft vor Augen zu führen versucht. Denn insbesondere ein neuer Herrscher, dessen Machtstellung neu begründet ist, sei nach Machiavelli ganz auf sich allein gestellt und dankbar für jeden Rat, jede Lehre, die ihn weniger verwundbar machen, verfügt er doch nur über seine virtù und ist den Angriffen der launischen fortuna stets ausgesetzt.
1 Vgl. Wolfgang Kersting, Niccolò Machiavelli, München 1988, S. 86.
2 Ein äußerst einflussreiches Amt in italienischen Gemeinden des Mittelalters und der Renaissance, insbesondere
in Florenz.
3 Machiavelli, Gesammelte Schriften in fünf Bänden, hrsg. von Hans Floerke, Band 4, München 1925, S. 464.
4 Ebd., S. 464.
3
Das Begriffspaar virtù - fortuna nimmt eine zentrale Stellung in Machiavellis Handlungslehre, seiner politischen Philosophie ein. So ist das politische Handeln durch die Auseinandersetzung zwischen virtù und fortuna, der Tüchtigkeit und dem Schicksal charakterisiert. Um gegen fortuna bestehen zu können, sind Mut, Hinterlist, Heimtücke und vor allem pragmatisches Handeln vonnöten. Besagte Fertigkeiten sind im wesentlichen der Inbegriff dessen, was der Begriff der virtù im Sinne Machiavellis ausmacht. Handlungsanweisungen unter pragmatischen Gesichtspunkten bedeuten somit auch immer eine Stärkung der virtù, die im Gegensatz zur fortuna lehrbar bzw. erlernbar ist. Die besondere Charakteristik, die der Lehre Machiavellis zu eigen ist, ist schließlich die Unterordnung des Moralischen unter das politisch Erforderliche. 5
3. Die Bedeutung der Fortuna in Machiavellis politischen Handlungsanweisungen
„Da wir […] die Freiheit des Willens nicht verloren haben, so könnte man vielleicht sagen, die eine Hälfte unserer Handlungen hänge vom Schicksal ab, die andere aber oder etwas weniger sei unserem freien Willen überlassen“ 6 , so Machiavelli. Wie das Zitat verdeutlicht, geht Machiavelli von einer nahezu 50:50 Relation des Verhältnisses zwischen virtù und fortuna aus. Laut Herfried Münkler, Philosoph und Politikwissenschaftler, stelle sich Machiavelli somit gegen die Auffassung vieler seiner Zeitgenossen, die die Welt so sehr vom Glück respektive Gott abhängig gesehen haben, sodass die Menschheit nicht im Stande sei, ihren Ablauf zu beeinflussen. Folglich verfielen sie in Fatalismus und Resignation und ließen sich vom Zufall leiten. 7
Anders Machiavelli, der die fortuna mit einem reißenden Strom vergleicht, dem man zuvorkommen könne, indem man, während er ruhig ist, ungehindert Wälle und Dämme aufführen könne, 8 „ […] die in Zukunft ihn abhalten, aus seinem Ufer zu treten, oder doch zum wenigstens die Heftigkeit des Stromes brechen“ 9
Machiavelli vergleicht die Kraft der fortuna mit der Naturgewalt, der zwar die Menschen unterworfen sind, der sie aber gleichzeitig die Möglichkeit haben, gewissermaßen zu widerstehen, sie zu beherrschen. „Ähnlich steht es mit dem Schicksale [fortuna]: Widersteht
5 Vgl. Anm.1, S. 87ff.
6 Niccolò Machiavelli, Der Fürst (Il Principe) 1513, Buch XXV, in: Niccolò Machiavelli Politische Schriften,
hrsg. von Herfried Münkler, Frankfurt am Main 1990, S. 118.
7 Vgl. Herfried Münkler, Machiavelli - Die Begründung des politischen Denkens der Neuzeit aus der Krise der
Republik Florenz, Frankfurt am Main 1982, S. 302.
8 Vgl. Anm.6, S. 118.
9 Ebd., S. 118.
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Arbeit zitieren:
Denis Köklü, 2009, Die politische und geschichtsphilosophische Konzeption Machiavellis, München, GRIN Verlag GmbH
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