Gliederung
1. Einleitung 1
2. Rezeptionsästhetik 1
3. Produktionsästhetik 4
4. Jesus und Brian 7
5. Brians Lehre und Philosophie 8
6. weitere Interpretationsansätze 12
7. Aktualitätsbezug 14
8. Quellenverzeichnis 15
9. Einstellungsprotokoll 16
II
1. Einleitung
Die Pythons sind selten verstanden worden, und wenn, dann meist falsch. „There may be something harder to do than making good comedy but I’m not sure what it is“, wie John Cleese 1997 in einem Interview diesbezüglich treffend sagte. 1 Absurde Namen, groteske Situationen, das rücksichtlose Spiel mit Tabus: Monty Python sind einer der wenigen, die zeigten, dass Comedy hochgradig albern sein kann und dann auch wieder tiefsinnig, fast philosophisch, aber kaum jemand machte es so eingängig wie sie. Sie kreierten eine neue Form des britischen Humors und übernahmen die bewährte stand-up comedy und ergänzten sie mit ätzender politischer Satire und derbem Klamauk. Die Bandbreite ihres Humors reichte von „philosophisch-reflexivem Meta-Witz über subtile Anspielung, verbal wit, groteske Überzeichnung, physischem Slapstick“ 2 bis hin zu plumpen Geschmacklosigkeiten. Zielscheibe ihres Spotts waren alle und alles. Zu Beginn der 80er sind zwei Tendenzen sichtbar: Einerseits erneuert man das Ringen um authentische Bibelverfilmungen (z.B. Genesis-Projekt), andererseits entstehen kritische Jesus-Filme, die Grundfragen menschlicher Existenz aufgreifen und die Zuschauenden - teilweise provokativ - herausfordern, über die aufgezeigten Probleme nachzudenken und dementsprechend zu handeln. 3
1979 kam Monty Python’s Life of Brian in die Kinos, eine Parodie, die die „Auswüchse religiöser Intoleranz, primitiven Wunderglaubens und politischer Borniertheit“ 4 beleuchtet, und unmittelbar nach Erscheinen zu heftigen Blasphemie-Vorwürfen und Zensurversuchen seitens dogmatischer religiöser Gruppierungen führte.
Diese vorliegende Arbeit beleuchtet in erster Linie Wirkung sowie Ziele und Intention des Films. Dabei soll zum einen untersucht werden, welche Wirkung der Film erzeugen will (Wirkungsintention) und erzeugt hat (Rezeption). 5 Desweiteren werden weiterführende Interpretationsmöglichkeiten einzelner Filmszenen betrachtet bzw. erarbeitet. Dabei soll diskutiert werden, ob der Vorwurf der Blasphemie und der Zusammenhang mit der Bibel gerechtfertigt ist und - angesichts der Tatsache, dass der Film leicht missverstanden werden kann - inwiefern dieser heute noch relevant ist.
2. Rezeptionsästhetik
„Die Erklärung eines Werkes wird stets bei seinem Urheber gesucht […] [Doch] es ist die Sprache, die spricht, nicht der Autor. […] Jegliche Berufung auf das Innere des Schriftstellers [...]
1 Bleeck:Kommennwirrnunnzuuetwassvölliganderem,,16..
2 Thaler::MontyyPythonn-Unterrichtsmodell,,6..
3 Tiemann::JesusscomessfrommHollywood,,25.
4 Thaler::MontyyPythonn-Unterrichtsmodell,,7..
5 Tiemann::JesusscomessfrommHollywood,,9.
1
[erscheint] wie reiner Aberglauben.“ 6 So streitet Roland Barthes in seinem Aufsatz „Der Tod des Autors“ jegliches intendierte Wirken des Autors in dessen Werk ab, erklärt die Rechte des Autors an der Beeinflussung des Lesers für nichtig und ihn selbst für tot; im gleichen Zug rückt der Leser an seine Stelle: „Die Geburt des Lesers ist zu bezahlen mit dem Tod des Autors.“ 7 Anhand folgender Kontroversen und der offensichtlich verschiedenartigen Auslegungsmöglichkeiten lässt sich das gut belegen.
„I’m not gonna have people saying that I’m making fun of fucking Jesus Christ.“ 8 „[It] is obscene and sacrilegous, and would certainly not be in the interest of EMI’s image to make this sort of film” 9 , äußerte Lord Bernard Delfont, Chef der EMI, der Produktionsfirma für diesen Film, lange nach Vertragsabschluss und zwei Tage vor Drehbeginn. Doch nicht nur weil er ihn als blasphemisch und unerträglich empfand, sondern weil er bei seinem eigenen Bruder, Lew Grade, der gerade erst den monumentalen historischen TV-Mehrteiler Jesus of Nazareth (Regie: Franco Zeffirelli) produziert hatte, nicht in Ungnade fallen wollte 10 . Später wurde der Film trotzdem in EMI-Kinos überall im Land gezeigt. George Harrison, millionenschwerer Ex-Beatle und Python-Fan sprang kurzfristig ein und finanzierte den Film: „I just wanted to see the film.“ 11 Noch vor der Premiere kamen die Pythons in Konflikt mit religiösen und kirchlichen Gruppierungen. Einige Drehbuchseiten gelangten an die Öffentlichkeit. Mary Whitehouse, selbsternannte Wächterin der christlichen Moral und Kämpferin für saubere britische Medien, Chefin der National Viewers and Listeners Association und Wortführerin der christlichen Aktivisten von The Festival of Light 12 , propagandierte postwendend dessen Unterstützer: „It is a parody of the life of Our Lord Jesus Christ, showing him as an ignorant zealot in the confused political scene of 1st century Palestine. Obscene language is put into the mouth of ‘Brian’ (=Jesus). His mother is made into a comic character. There seems little doubt that the film is blasphemous, and that
there will be wave of Christian indignation when its contents are known.” 13 The Festival of Light veröffentlichte einem Aufruf an alle alarmierten Christen für ein Scheitern dieses Filmprojekts zu beten, und dafür, dass man das Böse in diesem Film erkenne, und im Fall der Fertigstellung und Veröffentlichung des Films für eine schnelle und unzweideutige Reaktion von Kritikern, Gemeindeleitern und Kirchenoberhäuptern. 14 Diese Vorwürfe wurden erhoben, ohne den Film gesehen zu haben. Angesichts eines solchen Klimas und einer drohenden Anklage
6 Barthes,,Roland:DerrTodddessAutors..In::Jannidis,,Fotissu.a.(Hg.)::TexteezurrTheorieederrAutorschaft..Stuttgartt 2000,,186ff..
7 Ebd.,,193..
8 Bleeck:Kommennwirrnunnzuuetwassvölliganderem,,115..
9 Ebd.,,96..
10 TheePythons::TheePython’ssAutobiography,285..
11 Bleeck:Kommennwirrnunnzuuetwassvölliganderem,,96..
12 Vgl..BBCCNewsOnline..MaryyWhitehouse.http://news.bbc.co.uk/2/hi/uk_news/763998.stm(14.08.09)..
13 Hewison::MontyyPython::TheeCaseeAgainst,,67..
14 Hewison::MontyyPython::TheeCaseeAgainst,,67..
2
wegen Blasphemie entschieden sich die Pythons den Film in den USA zu starten - einem Land, dass für seine Rechte auf Meinungsfreiheit und freier Religionswahl bekannt war. Doch noch vor der Weltpremiere am 17. August 1979 im New Yorker Cinema One 15 starteten religiöse Gruppen Protestmärsche mit Transparenten: „Don’t sell the Lord“, „The Life of Brian …a vicious attack by Warner Bros. upon Christianity!” und “Why does any Warner Brother cheapen Jesus and his mother” 16 stand auf den Schildern. Der erste Protest unmittelbar nach Kinostart kam vom Präsidenten der extrem konservativen und ultra-orthodoxen Rabbinical Alliance of America, Rabbi Benjamin Hecht 17 : „This film is so grievously insulting that we are genuinely concerned that its continued showing could result in violence.” 18 Er ging mit seiner Meinung an die Öffentlichkeit, dass Brian „was produced in hell“ 19 . Rabbi Hechts Anprangerung wurde schnell von Robert Lee unterstützt, Produzent eines Radio-Kommentars für das protestantische Lutheran Council. Eintausend Radiostationen in Amerika sendeten Lees Stellungname, dass Brian „was crude and rude mockery, colossal bad taste, profane parody […] [and] a disgraceful and distasteful assault on religious sensitivity” 20 .
Das Roman Catholic Office for Film and Broadcasting stufte Brian als ‘C’ für condemned ein und deklarierte es zur Sünde Brian zu sehen. The Roman Catholic Archdiocese von New York erklärte, Life of Brian “holds the person of Christ up to comic ridicule and is [...] an act of blasphemy.” 21
Ohne den Film gesehen zu haben, veranlasste der Stadtrat in Devon (UK) ein Verbot des Films in seinem Distrikt mit der Begründung: „You don’t have to see a pigsty to know that it stinks.“ 22 Der Direktor des Festival of Light, Raymond Johnston, sagte schließlich im Gespräch mit der Church of England Newspaper, die den Film unter anderem als ‚cultural vandalism‘ bezeichnete: „Despite considerable skill in the visual field, the film is in the worst possible taste without quit toppling over into blasphemy. Its theme is sick, its story veering unsteadily between sadism and sheer silliness. […] Though not in itself blasphemous, it will tend to discredit the New Testament story of
Jesus in confused semi-pagan minds.” 23
„Four hundred years ago, the Pythons might well have been burnt at the stake for making Life of Brian“ 24 , so schrieb Robert Sellers in The Guardian Anfang 2003. Doch jetzt Ende des 20. Jahrhunderts konnten die Pythons nur feststellen, dass sie unwissentlich einen Beitrag zum
15 Ebd.,,78..
16 Ebd.,,79..
17 HechtttratalssRepräsentantvonn1.0000RabbissunddeinerhalbennMillionJudennauf..
18 Hewison::MontyyPython::TheeCaseeAgainst,,78..
19 WeleaseeBwian..www.guardian.co.uk/culture/2003/mar/28/artsfeatures1#article_continuee(15.08.09)..
20 Hewison::MontyyPython::TheeCaseeAgainst,,78f..
21 Ebd..
22 Bleeck:Kommennwirrnunnzuuetwassvölliganderem,,117..
23 Hewison::MontyyPython::TheeCaseeAgainst,,84..
24 WeleaseeBwian..www.guardian.co.uk/culture/2003/mar/28/artsfeatures1#article_continuee(15.08.09)..
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Arbeit zitieren:
Christoph Neupert, 2009, Das Leben des Brian - Rezeption, Intention, Interpretation, München, GRIN Verlag GmbH
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