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Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung 9
2 Altern und sportliche Aktivität 11
2.1 Altern 11
2.1.1 Primäres und sekundäres Altern 11
2.1.2 Das Alter 11
2.1.3 Gesunde Lebensjahre 12
2.1.4 Individualisierung 13
2.2 Sportliche Aktivität und Inaktivität 14
2.2.1 Gegenwärtige Situation des Sportengagements im Alter 14
2.2.2 Bewegung und Sport als gesunde Lebensweise 15
2.2.3 Motive für Sportaktivität im Alter 16
2.2.4 Gründe für sportliche Inaktivität im Alter 17
2.2.5 Schlüsselthemen 19
2.2.6 Wunschliste für Sportaktivität im Alter 19
2.3 Wunsch und Verwirklichung im Alltag 20
2.3.1 Alltag von Senioren 20
2.3.2 Beeinträchtigungen im Alter 20
2.3.2.1 Physische Beeinträchtigungen im Alter 20
2.3.2.2 Ängste vor Beeinträchtigungen im Alter 22
2.3.2.3 Stressbelastungen im Alter 22
2.3.3 Kompetenzen im Alter 23
2.3.4 Selbstregulation im Alter 23
2.4 Sportaktivität 25
2.4.1. Lebensstilaktivität 25
2.4.2 Qualitative Facetten des Sports 26
2.4.3 Qualitative Facetten des Alterssports 26
2.5 Die Bindung an eine sportliche Aktivität 28
2.5.1 Determinanten des Sportteilnahmeverhaltens 28
2.5.2 Determinanten des Sportteilnahmeverhaltens im Alter 30
2.5.3 Theorien der Gesundheitspsychologie 32
2.5.4 Sportverhalten zwischen Rückfall und Gewohnheit 33
2.5.4.1 Die Beschreibung von Sportverhalten 33
5
2.5.4.2 Rückfälle bei Verhaltensänderungen 34
2.5.4.2 Die Entwicklung von Gewohnheiten 34
2.6 Zusammenfassung zu Altern und sportliche Aktivität 38
3 Theoretischer Hintergrund zur Selbststeuerung 40
3.1 Motiviertes Handeln 40
3.1.1 Motivation und Volition 40
3.1.2 Motive 40
3.1.3 Entstehung von Motivationstendenzen 41
3.1.4 Barrieren aufgrund fehlender Motivation 43
3.1.5 Barrieren aufgrund nicht ausreichender Motivation 43
3.1. Die Aufgaben der Handlungssteuerung 44
3.2 Zielgerichtetes Verhalten 44
3.2.1 Sportteilnahme als zielgerichtetes Gesundheitsverhalten 45
3.2.2 Intrinsische und extrinsische Motivation 45
3.2.3 Situative Rahmenbedingungen 46
3.2.4 Explizite und implizite Motive 47
3.2.5 Willensprozesse 48
3.2.6 Absichtswechsel oder Selbststeuerungsdefizit 49
3.3 Die Theorie der Persönlichkeits-System-Interaktionen 50
3.3.1 Aufbau der PSI-Theorie 50
3.3.2 Motive, Motivationen und Willensprozesse 54
3.4 Selbststeuerung 55
3.4.1 Selbstkontrolle 56
3.4.2 Selbstregulation 56
3.4.3 Willenshemmung 58
3.4.4 Willensbahnung 60
3.4.5 Selbsthemmung 61
3.4.6 Selbstbahnung 63
3.4.7 Handlungs- und Lageorientierung 63
3.4.7.1 Prospektive und misserfolgsbezogene Lageorientierung 65
3.4.7.2 Prospektive Handlungsorientierung 67
3.4.7.3 Misserfolgsbezogene Handlungsorientierung 69
3.4.8 Empirische Untersuchungen zur PSI-Theorie 70
6
3.4.9 Entwicklung der Selbststeuerung 71
3.5 Zusammenfassung der theoretischen Grundlagen 72
4 Aufbau der Untersuchung 74
4.1 Fragestellung und Hypothesen 74
4.2 Rekrutierung und Teilnahmekriterien 76
4.2.1 Versucher (Experimentalgruppe) 77
4.2.2 Dabeibleiber (Kontrollgruppe) 78
4.3 Materialien 80
4.3.1 Fragebogen 80
4.3.1.1 Dimensionen des Selbststeuerungsinventars 80
4.3.1.2 Beschreibungen der Selbststeuerungsskalen 81
4.3.1.3 Skalen der Handlungs- und Lageorientierung 85
4.3.1.4 Die Absichtsstärke 87
4.3.1. Skala zur körperlichen Beeinträchtigung im Alltag 87
4.3.2 Interview 87
4.3.2.1 Themen des Interviews 87
4.3.2.2 Die Entwicklung des Interviewleitfadens 88
4.3.2.3 Der Ablauf des Interviews 88
4.3.2.4 Kurze Interviews 90
4.4 Design 90
4.4.1 Quantitative Methode 91
4.4.2 Qualitative Methode 92
4.4.3 Ex post-Design und Leitfaden-Interview 93
4.5 Ablauf 93
4.6 Beschreibung der Gesamtstichprobe. 94
4.6.1 Demografische Merkmale 94
4.6.2 Sportbezogene Merkmale 96
5 Darstellung der Ergebnisse 98
5.1 Kodierung 98
5.1.1 Bildungsjahre 98
5.1.2 Sporterfahrungen 99
5.2 Kategorien 99
5.2.1 Sporterfahrungen in Kategorien 99
7
5.2.2 Prospektive Handlungsorientierung in Kategorien 100
5.2.3 Beeinträchtigungen in Kategorien 100
5.3 Fehlende Werte 100
5.4 Paarbildung (matched sample) 100
5.5 Normalverteilung 101
5.6 Stichprobenbeschreibung der erhobenen Merkmale 101
5.7 Hypothesen 103
5.8 Ergebnisüberblick 110
5.8.1 Handlungs- und Lageorientierung 112
5.8.2 Sporterfahrungen 113
5.8.3 Selbstkontrolle 114
5.8.4 Absichtsstärke 115
5.8.5 Beeinträchtigungen 115
5.9 Vergleiche der Untergruppen 116
5.9.1 Dabeibleiber und nicht sportaktiven Versucher 116
5.9.2 Sportaktive Versucher und nicht sportaktiven Versucher 118
5.9.3 Dabeibleiber und sportaktive Versucher 120
5.10 Funktionale Selbststeuerung und Gruppenunterschiede 120
5.10.1 Extrem handlungsorientierte Versucher 124
5.10.2 Handlungsorientierung, Willenshemmung und Sporterfahrung 125
5.10.3 Altersvergleich 125
5.11 Interviewausschnitte zur Selbststeuerung im Alltag 125
6 Diskussion 128
6.1 Diskussion der Methodik 128
6.1.1 Design 128
6.1.2 Stichproben 129
6.1.3 Störvariablen 130
6.1.4 Messinstrumente 132
6.1.4.1 Fragebogen 132
6.1.4.2 Interviews 134
6.2 Diskussion der Ergebnisse 135
6.2.1 Diskussion der Hypothesen und Untergruppen 135
6.2.2 Diskussion der Ergebnisse für den Alterssport 141
8
6.2.3 Diskussion der Ergebnisse für die Sportteilnahme 144
6.2.4 Diskussion der Ergebnisse für die PSI-Theorie 148
6.3 Praktische Schlussfolgerungen 152
7 Zusammenfassung 153
8 Ausblick 155
Literaturverzeichnis 157
Abbildungsverzeichnis 170
Tabellenverzeichnis 171
Anhang 172
9
1 Einleitung
Ä'HUVFKZLHULJVWH*HJQHULVWPDQPHLVWHQVVHOEVW³
(JOACHIM LÖW, Trainer der Deutschen Fußballnationalmannschaft,2007) Wie kann ich mir selbst ein Gegner sein? Indem ich eine Handlung ausführe, obwohl ich eine alternative Handlung für besser halte. Die Philosophie belegt das 3KlQRPHQPLWGHP%HJULIIÄ$NUDVLD³DOWJULHFKLVFKIU:LOOHQVVFKZlFKH,QGHU GHXWVFKHQ$OOWDJVVSUDFKHH[LVWLHUWHVDOVPHWDSKRULVFKH8PVFKUHLEXQJÄGHP LQQHUHQ6FKZHLQHKXQG³'8'(1:,.,3(',$Ä+DQGOXQJVORFK³ bezeichnen es die motivationspsychologischen Forscher (HÖNER& WILLIMCZIK, 1998; SUDECK, 2006). Der Ursprung der Bezeichnung Ä+DQGOXQJVORFK³UKUWYRP+DQGOXQJVSKDVHQPRGHOO+(&.+$86(1KHU und beschreibt, dass zwar eine Absicht besteht, eine Handlung auszuführen, die konkrete Umsetzung der Handlung aber scheitert. Die sozial-kognitive 3V\FKRORJLHVSULFKWGDQQYRQHLQHUÄ,QWHQWLRQV-Verhaltens-/FNH³ 02+,<('',1, %$8(5)8&+66RGHUYRQÄLQWHQWLRQ-
behavior-JDS³6HEERAN,2002; BIDDLE, 2005). Kurz gesagt, es handelt sich um ein bekanntes Phänomen, das jeder schon einmal erlebt hat. Lücken wie Parklücken, Bildungslücken, Baulücken, Erkenntnislücken, Finanzierungslücken, Erinnerungslücken, Zahnlücken oder Sicherheitslücken zeugen von Auslassungen, Unvollständigkeiten oder Mängeln. Gleichzeitig animieren die Lücken sie zu füllen. Trotz unzähliger Lücken fiel die Wahl auf die Ä$OWHUVVSRUWOFNH³:DUXPJHUDGHVLH"
Im Alter liegt die Zukunft der Gesellschaft. Nach Prognosen wachsen die älteren Bevölkerungsgruppen zukünftig unverhältnismäßig stark und zwar nicht nur in Deutschland, sondern auch in anderen Industrieländern und in allen übrigen Nationen (DEUTSCHES STATISTISCHES BUNDESAMT, 2004; UNFPA, 1998). Bundesinnenminister Schäuble und Experten der Wirtschaftsförderung fordern eine längere Erwerbstätigkeit für den Erhalt der sozialen Sicherungssysteme (BILD, 22.11.2007). Altersforscher favorisieren zusätzlich ein Lebensarbeitszeitkonto (VAUPEL & VON KISTOWSKI, 2007, S. 71-78). Bewegung und Sport verlängert eine selbständige Lebensführung im Alter. Sie entlastet damit langfristig die sozialen Versorgungssysteme (DENK & PACHE, 2003, S. 89f), unterstützt den Einzelnen im Alter vital, mobil und gesund zu
10
bleiben und steigert die gesamte Lebensqualität (SPIRDUSO, 2005, S. 257). Investitionen in Sport belohnen.
Unglücklicher Weise sinkt gerade dann die Sportteilnahme, wenn die Menschen am meisten von regelmäßiger körperlicher Aktivität profitieren könnten, im Alter. (WEISSER & OKONEK, 2003, S. 145). Die Forscher der Gesundheitsförderung (FUCHS, 2003; SCHLICHT & BRAND, 2007, S. 127) und der Sportbindung (MARCUS, DUBBERT, FORSYTH, MCKENZIE, STONE, DUNN & BLAIR, 2000; WING, 2000) vermuten, dass Defizite in der Selbststeuerung eine kontinuierliche und regelmäßige Teilnahme verhindern. Die Überprüfung der Vermutung ist Gegenstand der Magisterarbeit. Dazu werden über 60-Jährige verglichen, die motiviert sind, aber Unterschiede in der langfristigen Sportteilnahme zeigen. Herangezogen werden die Persönlichkeits-System-Interaktionstheorie (KUHL, 2001) und das Persönlichkeitsmerkmal der Handlungs- und Lageorientierung (KUHL, 1983, 1996, 2001; KUHL & BECKMANN, 1994). Diese definieren Selbststeuerung als die Fähigkeit, Entscheidungen zu treffen, eigene Ziele zu bilden und sie gegen innere und äußere Widerstände umzusetzen (FRÖHLICH & KUHL, 2003).
Der Titel lautet: Zu den Selbststeuerungsunterschieden von langjährig sportaktiven Älteren und Älteren, die sich bisher vergeblich um eine dauerhafte Sportteilnahme bemüht haben.
Altern, Sportteilnahme und Selbststeuerung untergliedern die Magisterarbeit thematisch. Die Lücke zwischen Altern und sportlicher Aktivität ergründet Kapitel 2. Verortet wird die Lücke in den theoretischen Grundlagen zur Selbststeuerung in Kapitel 3. Beschrieben wird die Untersuchung in Kapitel 4. Kapitel 5 präsentiert die Ergebnisse zu den entwickelten Hypothesen, einzelnen Merkmalen und Untergruppen. Kapitel 6 diskutiert die Ergebnisse hinsichtlich der Methodik, des Alterssports, der Sportteilnahme und der Persönlichkeits-System-Interaktionstheorie (KUHL, 2001). Den Abschluss bilden Zusammenfassung und Ausblick in Kapitel 7.
Ziel der Magisterarbeit ist es zu klären, ob bestimmte Unterschiede in den Selbststeuerungsstrategien und deren Ausprägung zumindest teilweise über eine dauerhafte und regelmäßige Teilnahme im Alterssport entscheiden. Der Beitrag dient einer präzisen Bestimmung wirkungsvoller Motivierungsmaßnahmen für einen sportaktiven Lebensstil im Alter.
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2 Altern und sportliche Aktivität
Ä'DV$OWHUQNDQQPDQQLFKWDXIPRUJHQYHUVFKLHEHQZHLOPDQGDQQnoch älter ist. Deshalb sollte PDQPLWGHP$OWHUQIUKJHQXJDQIDQJHQGDPLWPDQ)UHXGHGDUDQKDW³ (DIETER HILDEBRANDT, 2007, S. 10)
2.1 Altern
2.1.1 Primäres und sekundäres Altern
Es existieren viele Einteilungen und Theorien zum Alter und Altern. Zum biologisch-medizinischen Bereich ist bei WEISSER & OKONEK (2003) und zum psychologisch-sozialen Bereich ist bei LEHR (2003) ein guter Überblick zu finden. Definiert wird Ä$OWHUQ³QDFK63,5'862XQG5g7+,* 352+/ +,/'(%5$1'7VHUVWHU6DW]HQWVSULFKWGHU$XIIDVVXQJYRPÄSULPlUHQ³ Altern als universelle Veränderungen einer Gattung, welche unabhängig von Umwelt- und Krankheitseinflüssen stattfinden. Der Organismus altert seit der Geburt. Wenn man schon altern muss, so HILDEBRANDT, dann wenigstens mit Freude. Diese Art der positiven Beeinflussung des Lebensstils steht dem ÄVHNXQGlUHQ³$OWHUQQlKHU'LH$OWHUQVIRUVFKXQJEHUGLH/HEHQVVSDQQHYHUVWHKW XQWHUÄVHNXQGlUHQ³$OWHUQGDV9HUKlOWQLVYRQ*HZLQQHQXQG9HUOXVWHQEHL Altersprozessen (z.B. BALTES & BALTES, 1990; GRUSS, 2007; KUNZMANN, 2000; LINDENBERGER, 2002; STAUDINGER & GREVE, 2001; STAUDINGER & SCHINDLER, 2002). Dass die Alterssportforschung dieser Sichtweise IROJW]HLJWGHU7LWHOÄ3K\VLFDO$FWLYLW\DQG6XFFHVVIXO$JLQJ³GHU Internationale EGREPA-Konferenz letztes Jahr in Köln. Forschungen zu körperlicher Aktivität und erfolgreichem Altern (übersetzter Konferenztitel) befassen sich mit der positiven Beeinflussung von Alternsprozessen. Entsprechende Interventionen versuchen den Verlauf des psychologischen Alterns zu verändern (BALTES & DANISH, 1979), ein größeres psychophysisches Wohlbefinden zu verschaffen (LEHR, 2003, S. 73) und mit Hilfestellungen altersdienliche Kompetenzen zu fördern und aufrechtzuerhalten (KRUSE, 1991).
2.1.2 Das Alter
Die Geschichtsepoche, die Kultur, die Forschungsdisziplin, die Sportaktivität oder das eigene Lebensalter prägen Definitionen des Alters. Alter ist eher ein soziologisches Konstrukt als ein biologischer Zustand (KENT & ROST, 1996). Der bekannteste Altersbeginn wird mit dem Übergang in den Ruhestand
12
eingeläutet. Diese Auffassung entwickelte sich aufgrund der Einführung der bismarckschen Altersrente zu Beginn des 19. Jahrhunderts. Damals lag die durchschnittliche Lebenserwartung für Männer bei 45 Jahren und für Frauen bei 48 Jahren (STATISTISCHEN BUNDESAMT, 2004). Um 20 Jahre musste ein Mann die durchschnittliche Lebenserwartung übertreffen, damit er mit 65 Jahren in den Genuss des Ruhegeldes kam. Heutzutage begänne der Ruhestand mit 95 bzw. 101 Jahren, wenn zu den erhofften 75 Jahren für Männer und 81 Jahren für Frauen ebenfalls 20 Jahre addiert würden. Dieses Zahlenspiel verdeutlicht, warum das Alter lange Zeit mit Rückzug und körperlichen Zerfall gleichgesetzt wurde. Wir verdanken es wahrscheinlich einer besseren medizinischen Versorgung und günstigeren Ernährungsbedingungen (VAUPEL, CAREY & CHRISTENSEN, 2003 zit. n. VAUPEL & VON KISTOWSKI, 2007, S. 64), dass sich der Eintritt in den Ruhestand inzwischen vom Altersfrust zum Altersgenuss wandelte. Ä'LH heutigen 70-Jährigen beispielsweise sind genauso fit, geistig und körperlich, wie etwa die 65-Jährigen vor 30 Jahren oder vielleicht sogar auch wie die 60- -lKULJHQ³%$/7(S, 2007,S. 17). Altersmäßige Einschränkungen fallen vorwiegend in das Ä4. $OWHU³(über 80-Jährige). Diese Alterskategorien verwendet die Entwicklungspsychologie über die Lebensspanne. Die Altersgruppe der 60bis 80-Jährigen reserviert IUVLFKGDVÄ3. Alter³ oder ÄMXQJH$OWH³*5866 2007, S. 10).
2.1.3 Gesunde Lebensjahre
Wer durch eine bessere medizinische Versorgung länger lebt, ist aber nicht gleichzeitig gesünder. Mit steigender Lebenserwartung erhöht sich die Zahl von pflegebedürftigen Menschen (BUNDESMINISTERIUM FÜR FAMILIE, SENIOREN, FRAUEN UND JUGEND, 2001, S. 159; DENK & PACHE, 2003, S. 50). Jeder dritte Hochaltrige ist pflege- und hilfebedürftig (GARMS-HOMOLOVA & HÜTTERER, 1983; HÄFNER, 1986 zit. n. OPASCHOWSKI, 1998, S. 25). Um Kompetenzen für ein höheres Alter zu sichern, sollten präventive Maßnahmen die kurative Versorgung ergänzen (DENK & PACHE, 2003, S. 51). Das
3DUDGLJPDÄ.RPSUHVVLRQGHU0RUELGLWlW³
von FRIES (2000) leitet sich aus der Erkenntnis ab, dass beispielsweise über Sportaktivität die
JHVXQGHQ/HEHQVMDKUHÄ+HDOWK\/LIH
13
verbringen durchschnittlich 65 gesunde Lebensjahre. Gemessen an der Lebenserwartung, stehen Senioren elf morbide (= kränkliche) Jahre und Seniorinnen 15 morbide Jahre bevor (EUROSTAT, 2003). Bei Rauchen, Übergewicht und körperlicher Inaktivität vervielfachen sich die morbiden Jahre (FRIES, 2003, S. 457, zit. n. MECHLING, 2005). Trainieren Demenzerkrankte und Hochbetagte regelmäßig und abwechslungsreich, dann wandern die sportlichen Gewinne auch in Alters- und Pflegeheime (Ä)LWIU³- Projekt, DEUTSCHE SPORTHOCHSCHULE KÖLN, 2007). Kalenderjahre sind im Alterssport kein Maßstab mehr (MECHLING & BRINKMANN-HURTIG, 2007). Diese Erkenntnis teilen auch OSTER, PFISTERER, SCHULER & HAUER (2005). Außer dem Ratschlag einer gesunden Lebensweise gibt es kein spezielles Lebenselixier (VAUPEL & VON KISTOWSKI, 2007, S. 62).
2.1.4 Individualisierung
Wie rüstig der Einzelne im hohen Alter dasteht, beruht auf einem bunten Spektrum von Faktoren und einem sehr komplizierten Wechselspiel (LEHR, 2003, S. 72f). Einfache Vergleiche greifen bei älteren Generationen zu kurz. Dies veranschaulicht je ein Beispiel aus Biophysiologie, Soziologie und Gerontologie. Ä$XV6LFKWGHVELRORJLVFK-physiologischen Alterns wird davon ausgegangen, dass nicht der Körper oder der Mensch als Ganzes altert, sondern die höchst differenziert zu betrachtenden, ganzheitlich zu beobachtenden Altersphänomene die Folge zeitlich und dynamisch unterschiedlich verlaufender Alternsvorgänge in den N|USHUOLFKHQ6\VWHPHQGDUVWHOOHQ³0(&+/,1*
Der Zukunftsforscher OPASCHOWSKI (1998) befragte repräsentativ Senioren wie sie ihren Ruhestand gestalten. Die Tätigkeitsformen reichten von einem frühzeitigen Ruhestand, über Weiterarbeiten, Teilzeitarbeit bis zu einer neuen Karriere als Selbständige. Epidemiologische und demografische Studien mit Hundertjährigen zeigen zudem, dass diese sehr unterschiedliche Herkünfte, Lebensentwürfe, Lebensweisen, Arbeitsbelastungen und Essensvorlieben aufweisen (VAUPEL & VON KISTOWSKI, 2007, S. 62). Faktoren wie die Persönlichkeit und körperliche Aktivität und Sport, die im Mittelpunkt dieser Magisterarbeit stehen, tragen auch mit zu einer hohen Individualisierung bei.
14
2.2 Sportliche Aktivität und Inaktivität
2.2.1 Gegenwärtige Situation des Sportengagements im Alter
Doch wie viele Ältere sind nach repräsentativen Umfragen wirklich sportlich aktiv? Laut dem DEUTSCHEN INSTITUT FÜR WIRTSCHAFTSFORSCHUNG (2001) sind nur etwa 10-20% der über 60-Jährigen jede Woche sportlich aktiv (siehe Abb. 1). Der Anteil der Personen, die Sporttreiben nimmt mit dem Alter dramatisch ab, während der Anteil der Personen, die überhaupt keinen Sport treiben wiederum drastisch bis auf etwa 75% bei den 70-bis 79-Jährigen ansteigt (MENSINK, 2002, S. 38). Grafiken verdeutlichen separat für Frauen und Männer GLH(QWZLFNOXQJGHUÄ$OWHUVVSRUWOFNH³'LHVFKZDU]H/LQLHHQWVSULFKWGHP$QWHLO wöchentlicher Sportteilnahme, die graue der kompletten Inaktivität.
Abb. 1 Sportengagement nach Geschlecht und Altersgruppen für 1998 nach Daten des DEUTSCHEN INSTITUT FÜR WIRTSCHAFTSFORSCHUNG (2001, zit. n. DENK & PACHE, 2003, S. 69).
Seit dem letzten Jahrhundert führten eine höhere Lebenserwartung, ein vorgezogener Ruhestand und eine Abnahme der Wochenarbeitszeit sowie eine Zunahme der freien Arbeitstage zu mehr Lebensfreizeit (OPASCHOWSKI, 1998, S. 26). Durch mehr Freizeit ist es heute einfacher einen individuellen Lebensstil zu pflegen und eine gesunde Lebensführung zu entwickeln. Zu einem sportaktiven /HEHQVVWLOPRWLYLHUHQ2UJDQLVDWLRQHQXQG0LQLVWHULHQPLWÄ5LFKWLJILWDE³HLQ 3URMHNWGHV'(876&+(12/<03,6&+(163257%81'(6'26%Ä)LWXQG EHZHJOLFKGXUFK:DQGHUQ³GHU1$785)5EUNDE DEUTSCHLAND, Ä*DQ]N|USHUWUDLQLQJ]X+DXVH³GHV'(876&+(19(5%$1'(6)h5
15
%(+,1'(57(163257'9%6Ä'HXWVFKODQGZLUGILW*HKHQ6LHPLW³RGHU Ä)LWLP$OWHU- :HQLJHU6WU]HGXUFKPHKU%HZHJXQJ³GHV BUNDESGESUNDHEITSMINISTERIUMS. Die Kommunen organisieren Gesundheitsmessen (in Erftstadt im Oktober 2007), verteilen allgemeine Gesundheitsbroschüren und tragen spezielle Angebote für Senioren zusammen. 0LWPDUNDQWHQ7LWHOQZLHÄ)LWZLHLQGHU6WHLQ]HLW³'(563,(*(/XQG Ä'LHKHLOHQGH.UDIWGHV6SRUWV³67(51 greifen die Medien den gesundheitlichen Aspekt des Sports auf. Neuere Zahlen der Gesundheitssurvey des Robert Koch-Instituts (RKI) sprechen erstmals von einem gegenläufigen Trend. Die Altersgruppen im mittleren und höheren Erwachsenenalter weiteten deutliche ihre sportliche Aktivität aus. Sie stieg bei den 50- bis 59-Jährigen von 46,9 Prozent auf 61,6 Prozent und bei den 60 bis 69-Jährigen von 43 Prozent auf 56,2 Prozent. Die Sportbeteiligung beträgt bei über 70-Jährigen Männern immerhin noch ca.45 Prozent. (BUNDESINNENMINISTERIUM, 11. Sportbericht, 2007, S. 96).
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Aktionen zu einer gesunden Lebensweise animieren und ältere Menschen sich zunehmend ermuntert fühlen. Trotzdem sind bisher Ältere insgesamt eher wenig oder unregelmäßig sportlich aktiv. Was verbinden sie mit Bewegung und Sport?
2.2.2 Bewegung und Sport als gesunde Lebensweise
Laut einer repräsentativen 6WXGLHLVWÄN|USHUOLFKXQGJHLVWLJILWEOHLEHQ³ der Kohorte der 55- bis 70-Jährigen in Deutschland ihr wichtigstes Lebensgut (87%) ,1)5$7(67:HLWHUHZQVFKHQVLFKÄVHOEVWlQGLJXQGXQDEKlQJLJ ]XEOHLEHQ³Ä.RQWDNW]XMXQJHQ/HXWHQ³]XLVWPLWXQGÄPLWDQGHUHQ 0HQVFKHQ]XVDPPHQNRPPHQ³LVWPLWYHUWUHWHQÄ6LFKEHZHJHn, körperlich DNWLYVHLQ³VLHKWDOOHUGLQJVELVKHUQXUNQDSSGLH+lOIWHGLHVHU$OWHUVJUXSSHDOV Mittel der Wahl und Lebensgut (INFRATEST, 1990). Auch in der SOKO-Sport-Trend-Studie von 1994 (zit. n. DENK & PACHE, 2003) zeigt sich dieses Phänomen. Europaweit haben mehr als 90% der gleichen Zielgruppe angeben, dass sie glauben, dass durch körperliche Aktivität die Gesundheit effektiv erhalten oder unterstützt werden kann (KEARNEY, J. M., DE GRAFF, C., DAMKJAER, S., et. al., 1999). Auf ein nahezu gleiches Ergebnis kam eine weitere
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Untersuchung. Hier waren es 95% der 65- bis 84-Jährigen (CROMBE, IRVINE, WILLIAMS, MCGINNIS, SLANE, ALDER & MCMURDO, 2004). Zusammengefasst lässt sich festhalten, dass eine gesunde Lebensweise älteren Menschen sehr wichtig ist. Sportaktivität sehen sie als eine effektive Gesundheitsmaßname. Die Möglichkeiten des Sports zur Erfüllung anderer Lebensgüter und Wünsche werden bisher noch unterschätzt.
2.2.3 Motive für Sportaktivität im Alter
Was bewegt die älteren Menschen zum Sport? In einer repräsentativen Studie nannten die über 65--lKULJHQÄ*HVXQGKHLW³DOV+DXSWPRWLYÄ6SD³ IROJWHDQ]ZHLWHU6WHOOHXQGÄ$XVJOHLFKYRQ%HZHJXQJVPDQJHO³DQGULWWHU Stelle (B.A.T. FREIZEITFORSCHUNGSINSTITUT, 1994, zit. n. MECHLING, 2000). Gesundheit, Ausgleich, Freude, Geselligkeit und Leistung erwähnt SINGER (1985, zit. n. DENK & PACHE, 1996, S. 12). Ä'LH3DOHWWHGHU0RWLYHLVWEXQWXQGUHLFKWYRQGHP:XQVFKHWZDV
für die Gesundheit zu tun, über die Freude an der Bewegung und das Bedürfnis, sich wohl zu fühlen, bis zu jenen sozialen Motiven, die sich in dem Wunsch äußern, sich einer Gruppe anzuschließen, freundschaftliche Bindungen einzugehen oder Geselligkeit zu erfahren. In der Regel sind es mehrere Motive gleichzeitig, die zusamPHQZLUNHQXQGbOWHUHYHUDQODVVHQZLHGHU6SRUW]XWUHLEHQ³0(86(/ 2004, S. 257).
Ausschlaggebende Gründe sind vielseitig und unterliegen individuellen Bewertungen. Dies verkündet auch die wählte Sportart, selbst wenn gesundheitsbezogenen Intentionen in den Vordergrund rücken (ALLMER, 1990). Verglichen mit Jugendlichen wächst das Gesundheitsmotiv an Bedeutung (B.A.T. FREIZEITFORSCHUNGSINSTITUT, 1994, zit. n. MECHLING, 2000).Wie lässt das erklären? Ä$VSHRSOHJURZROGHUKHDOWKEHFRPHVPRUH important tRWKHPEHFDXVHLWDIIHFWVWKHLUTXDOLW\RIOLIH´VR63,5'862 p.256. Durch vermehrte Beeinträchtigungen und Krankheiten steigt auch der Wert der Gesundheit im eigenen Erleben (DENK & PACHE, 1996, S. 12). Gesundheit ist das Sportmotiv schlecht hin, aber für langfristige Sportaktivität erwarten die Forscher, dass sich noch weitere Motive hinzugesellen. Die ältere Generation ersehnt körperliche und geistige Fitness und verbindet körperliche Aktivität mit Gesundheit. Warum verfolgen dann nicht mehr Ältere einen aktiveren Lebensstil und treiben Sport?
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2.2.4 Gründe für sportliche Inaktivität im Alter
Forscher der Berliner Altersstudie (MAYER & BALTES, 1996, S.547) verglichen die gesellschaftliche Beteiligung und das Sportengagement der über 70-Jährigen mit ihren Aktivitätsprofilen vor dem 25. Lebensjahr. Weitergeführt bis ins hohe Alter wurden demnach 52% der Sportaktivitäten. Befragten die Forscher die momentan aktiven Ruheständler und Ruheständlerinnen, ob sie dieselbe Sportbetätigung auch schon vor dem 25. Lebensjahr ausgeführt hatten, dann bejahten 80% dies. Der Unterschied entsteht durch eine allgemeine Abnahme der Aktivität im Alter. Ältere sind im Vergleich zu ihren jüngeren Jahren weniger aktiv und verfolgen lieber Freizeitbeschäftigungen, die ihnen bekannt und lieb geworden sind.
Ruheständler antworteten zur Schwierigkeit die eigenen beliebtesten Freizeitbeschäftigungen und ±pläne auch in die Tat umsetzten, dass bisher vor allem die eigene Bequemlichkeit dies verhindere. Auch zu wenig Zeit, gesundheitliche Gründe und ein Mangel an Eigeninitiative vereiteln manches Vorhaben (OPASCHOWSKI, 1998, S. 129).
Erwerbstätige erleben den Arbeitsdruck als Hindernis (Tab.1, S. 18). Ein später Beginn und keine positiven Erfahrungen sind auch nicht förderlich (ALLMER, 1990). Weitere Barrieren bestehen im negativen Altersbild der Gesellschaft, wenige Gelegenheiten zu sportlicher Aktivität in der Schul- und Jugendzeit sowie das Empfinden, die Kräfte seien im Alter verbraucht (LEHR, 2003, S. 119). Die neueren positiven Erkenntnisse der gerontologischen Forschung über das dritte Alter schwächen das bisherige Vorurteil über den Lebensabend ab (BALTES, 2007, S.23).
Die Tabelle der folgenden Seite listet die jeweils vier wichtigsten Barrieren für sportliche Inaktivität auf. Ausgewählt wurden die Untersuchungen aufgrund der Stichprobengröße (N), der Altersgruppe (J) oder der Kohorte, wie Ä$EEUHFKHU³'DVVLQG3HUVRQHQGLH6SRUWJHWULHEHQKDEHQDEHUQLFKW kontinuierlich dabeibleiben konnten oder wollten.
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2.2.5 Schlüsselthemen
Die Hinderungsgründe sind vielfältig. Sortiert wurden sie nach möglichen Selbststeuerungsschwierigkeiten. Die Barrieren zwei bis vier lassen eine fehlende Sportmotivation (im engeren Sinne) vermuten. Sie steht nicht im Mittelpunkt der Arbeit. Mit fehlender Handlungsenergie begründeten zwischen 14% und 83% bei jeder Studie ihre Schwierigkeiten bei der Realisierung des Sportwunsches (10.-12. Barriere). Bei den Hinderungsgründen fünf bis acht liegt die Schwierigkeit in einer Konkurrenzsituation zwischen Sportaktivität und anderen Tätigkeiten. Konkurrierende Aktivitäten wie Erwerbstätigkeit, Betreuung von Pflegebedürftigen oder Kindern oder andere Hobbys genießen in der Regel eine hohe Priorität. Bei Erwachsenen identifizierte SCHWARK (1995) dies als Hauptschwierigkeit für sportliche Inaktivität oder für die Verschiebung auf einen späteren Zeitpunkt. Auf die Wahrnehmung von Ängsten beziehen sich insgesamt zwischen 33%-55% der Angaben (13.-18. Barriere). Sie tauchen allerdings nicht in allen Untersuchungen unter den ersten vier Gründen auf. Die Hinderungsgründe (siehe Tabelle 1, S.9) könnten auch Rechtfertigungsversuche sein, beispielsweise kann das rationale Argument ÄIHKOHQGH=HLW³DXFKIUQLFKWHLQJHVWDQGHQH%HTXHPOLFKNHLWVWHKHQVR ALLMER, 1990. Fehlverhalten wird gerade dann rational gerechtfertigt, wenn es sich um gesellschaftlich und sozial hoch erwünschtes Verhalten handelt WAGNER (2000, S. 79). Ob Rechtfertigung oder nicht, was empfinden die Älteren als Starthilfe?
2.2.6 Wunschliste für Sportaktivität im Alter
DENK & PACHE (2003, S. 80) fragten nach, welche Bedingungen einen Beginn einfacher gestalten. Knapp 60% der Älteren bis 70 Jahre meinten, der Arzt sollte die Sport- bzw. Bewegungsaktivität empfehlen. Insgesamt stand diese Meinung an erster Stelle für alle Altersgruppen. An zweiter bis vierter Stelle wünschten sie VLFKÄ]XVDPPHQPLW3DUWQHULQ%HNDQQWHQ³ÄHLQ6SRUWDQJHERWLQGHU1lKH³ ÄJOHLFKHV$OWHUV- XQG/HLVWXQJVQLYHDX³XQGÄV\PSDWKLVFKH7HLOQHKPHUXQG hEXQJVOHLWHU³
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2.3 Wunsch und Verwirklichung im Alltag 2.3.1 Der Alltag von Senioren
Laut dem BUNDESMINISTERIUM FÜR FAMILIE, SENIOREN, FRAUEN UND JUGEND (5. Altenbericht, 2005, S. 416) arbeiten 30% der 60-Jährigen, 5% der 65-Jährigen und 1% der 70-Jährigen. Zwischen Erwerbstätigen des mittleren Erwachsenenalters und 55- bis 64-Jährigen Berufstätigen reduziert sich die Wochenarbeitszeit, weil Ältere mehr Teilzeitjobs unter 15 Stunden wahrnehmen (BMFSFJ, 2005, S. 74).
Vom Tagesrhythmus her ist ein Seniorenalltag dem von Hausfrauen ähnlich (MAYER & BALTES, 1996, S.529). Freizeit- und soziale Aktivitäten nehmen 60% der Tageszeit in Anspruch. Selbstpflegeaktivitäten fallen vorwiegend auf den Morgen, die anderen meist nicht obligatorischen Aktivitäten wie Freizeitaktivitäten auf den Nachmittag.
2.3.2 Beeinträchtigungen im Alter
Wahrgenommen werden die ersten Beeinträchtigungen wahrscheinlich im Alltag. Beispielsweise fällt es mit der Zeit schwerer die Enkel hochzuheben oder einen Kasten Wasser zu tragen oder die Person bemerkt Schwierigkeiten beim Anziehen, Baden oder Frisieren der Haare. Bei Beeinträchtigungen sind zunächst Krankheiten, der Einfluss von Komorbidität (= mehrere gleichzeitig auftretende Krankheiten) und die medizinische Behandlung gedanklich nahe liegend, aber auch Faktoren wie Stimmung und Motivation, Kognition, Fähigkeiten im Lernen und Bewältigen, oder auch der Trainingszustand und die Lebensumstände im weitesten Sinne spielen eine Rolle. Einschränkungen haben körperliche, psychische und soziale Aspekte (OSTER, PFISTERER, SCHULER & HAUER (2005).
2.3.2.1 Physische Beeinträchtigungen im Alter
Fünf oder mehr Erkrankungen diagnostizierten Mediziner der Berliner Altersstudie bei 94% der teilnehmenden 70- bis 100-Jährigen. Die Hälfte der Erkrankungen hatte einen leichten Schweregrad (STEINHAGEN-THIESSEN & BORCHELT, 1996). Sollte aufgrund der körperlichen Beschwerden mit vorwiegend milden Ausprägungen auf sportliches Engagement verzichtet werden?
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Aus medizinischer Sicht gibt es inzwischen ausreichend gesicherte Indikatoren für das Sporttreiben von Älteren trotz innerer, orthopädischer oder psychiatrischer Krankheiten (WEISSER & OKONEK, 2003, S. 144). Physische Beeinträchtigungen und körperliche Beschwerden rühren zum großen Teil nicht von Alternsprozessen her, sondern von der mangelnden Bewegung (OKONEK, 2000, zit. n. MECHLING, 2005). Die technische Entwicklung nahm den Menschen im zunehmenden Maße die körperliche Aktivität ab. Haushalts- und Handwerksgeräte sparen Zeit. Für kurze Wege wird das Auto benutzt. Bewegungsarme Freizeitaktivitäten wie Fernsehen gucken, Radio hören, kulturelle Veranstaltungen besuchen, Computerspiele und Internet sind weit verbreitet. Die Zeitersparnis und Bequemlichkeit wird mit geringerer körperlicher Adaptation (= Anpassung) erkauft. Der Mensch sei abhängig von Bewegungs-und Umweltreizen für eine günstige Entwicklung, so MECHLING (2005). HOLLMANN (zit. n. MOHL, 1970, S. 15) meinte hinsichtlich dieser sich DE]HLFKQHQGHQ(QWZLFNOXQJXQG]XU8QWHUVWW]XQJGHUÄ7ULPP'LFK³- Initiative LQGHQVLHE]LJHU-DKUHQÄ'LHHLJHQWOLche Gesundung muß sich der ]LYLOLVDWLRQVJHVFKlGLJWH3DWLHQWGXUFKHLJHQH$NWLYLWlWHUZHUEHQ³ Auch die kognitive Altersforschung plädiert aufgrund der besseren Versorgung und Pflege des Gehirns für vermehrte, körperliche Aktivität im Alter. Dazu gehört neuste die Erkenntnis, dass durch körperliches Koordinationstraining weniger geistige Kapazitäten in Anspruch genommen werden müssen, so dass diese für andere Tätigkeiten zur Verfügung stehen (BALTES, 2007, S. 22; SCHÄFER, HUXHOLD & LINDENBERGER, 2006). Wer nicht auf gute
Koordinationsleistungen, aufgrund von sportlichem Training zurückgreifen kann, der muss vermehrt auf seine geistigen Fähigkeiten einsetzen. Beim Überqueren einer Straße fehlen dann beispielsweise diese geistigen Kapazitäten für die Beobachtung des Straßenverkehrs.
Beeinträchtigungen sprechen heute nicht mehr gegen sportliches Engagement, sondern dafür. Zwei Items zur funktionalen Gesundheit des SOEP-SF12 des DEUTSCHEN INSTITUTS FÜR WIRTSCHAFTSFORSCHUNG (2005) erfassen die körperlichen Einschränkungen im Alltag. Alltagskompetenz sind alle Fähigkeiten und Fertigkeiten, die für eine erfolgreiche Selbstversorgung und Lebensbewältigung notwendig sind (SCHWARZER & KNOLL, 2001, S. 23).
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2.3.2.2 Ängste vor Beeinträchtigungen im Alter
Nach BARTH & BENGEL (1998) stellt erlebte Angst oder wahrgenommene Bedrohung nur einen wichtigen Faktor für die Initiierung präventiven Verhaltens dar. Bedeutsam ist auch das Ausmaß der Angst. Wenn sie zu stark wird, erhöht sich die Gefahr sie zu verleugnen und das Thema ist rational nicht mehr zugänglich (ARONSON, WILSON & AKERT, 2004, S. 246). Eine weitere Rolle spielt, ob die Ängste als kontrollierbar wahrgenommen werden und ob die Überzeugung vorherrscht über Fähigkeiten zu verfügen, die eine Veränderung erzeugen können (ARONSON, WILSON & AKERT, 2004, S. 535-541). Es bedarf also mehr als einen Faktor, um eine Verhaltensänderung herbeizuführen. Eine hohe Bedeutung für die Veränderung von Gesundheits- und Vorsorgeverhalten wird den persönlichen Bewältigungsmöglichkeiten zu gesprochen.
2.3.2.3 Stressbelastungen im Alter
Unter stressbedingten Faktoren sind Belastungskumulationen mit der Folge psychophysischer Überbeanspruchung zu verstehen (KALLUS, 1995, S. 9). Wann können stressbedingte Faktoren entstehen? Im Allgemeinen wird eine Belastungskumulation mit der Folge psychophysischer Überbeanspruchung vor allem dann erwartet, wenn Belastungen stark, häufig oder längerfristig wirksam sind und subjektiv zu einer deutlichen Beeinträchtigung führen (KALLUS, 1995, S. 9). Im höheren Erwachsenenalter gerät das Gleichgewicht zwischen Stress und Ressourcen unter anderem auch deshalb ins Wanken, weil die Häufigkeit nicht kontrollierter Verlustereignisse, z.B. Tod und Krankheit nahe stehender Personen oder die Abnahme der eigenen Gesundheit, weiter zunimmt (LINDENBERGER, 2002, S. 389f). Verlustereignisse und gesundheitliche Beeinträchtigungen sind die besonderen Herausforderungen des Alters. Dabei ist Altern nicht der Grund für die Abnahme von subjektivem Wohlbefindens, sondern gesundheitliche Beeinträchtigungen (KUNZMANN, LITTLE & SMITH, 2000). Erhoben werden situative Anregungen von Ängsten und Stress.
2.3.3 Kompetenzen im Alter
Ä%HZlOWLJXQJVW|WIUHLOLFKDQ*UHQ]HQ*HVXQGKHLWVSUREOHPHVLQGRIWZHGHU kurierbar noch relativierbar, dauerhafte Einschränkungen des Sehvermögens oder
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der Verlust des Lebenspartners nur bedingt kompensierbar und nur partiell HPRWLRQDO]XPLOGHUQ³NRQVWDWLHUHQ:(1785$ *5(9(7URW]GHP haben BRANDSTÄDTER & ROTHERMUND (2002) keineswegs mehr Unzufriedenheit oder Depressivität im hohen Alter feststellen können, welches auf missglückte Bewältigung schließen ließe. In der Entwicklung von Selbstgefühl und Lebenszufriedenheit, d.h., die Fähigkeit sich auf einem kleiner werdenden Territorium und auf schlechter werdende physische Bedingungen sich erfolgreich einzustellen, seien ältere Menschen Meister (BALTES, 2007, S. 18). In vielen Theorien zur psychischen Entwicklung im Erwachsenenalter wie späte Stufen bei ERIKSON, Bewältigungsstrategien von BRANDTSTÄDTER & ROTHERMUND, SOK- Theorie von BALTES & BALTES nehmen der Umgang mit schwindenden Ressourcen, zunehmende Verluste und die eigene Endlichkeit eine zentrale Rolle ein (LINDENBERGER, 2002). Kompetenzen und Verluste werden einer gemeinsamen Bewertung unterzogen. Umfassende Gesundheit und Leistungsfähigkeit setzen sich bei MECHLING & BRINKMANN-HURTIG (2007) zusammen aus den Risikofaktoren: Bewegungsmangel, Übergewicht, Rauchen, Bluthochdruck und psychischer Stress und den Schutzfaktoren: Alltagskompetenz, körperliche und geistige Fitness, positive Lebenseinstellung, Stressbewältigung und Entspannungsfähigkeit, Selbstbestimmung, soziales Netz, sinnerfülltes Tun, Bewältigung von Beschwerden und eine gute Ernährung. SCHWARZER & KNOLL (2001, S. 11-94) nennen im Expertisenbericht zum dritten Altenbericht der Bundesregierung als personale Ressourcen im Alter: Weisheit, Persönlichkeitsmerkmale, Kontrollüberzeugungen, Optimistischer Interpretationsstil, Selbstkonzept, Selbstwirksamkeitserwartungen und kompetente Selbst- und Handlungsregulation. Mit der Selbst- und Handlungsregulation beschäftigt sich diese Magisterarbeit, deshalb werden diese Kompetenzen exemplarisch dargestellt.
2.3.4 Selbstregulation im Alter
Theorien der Selbstregulation sind zahlreich und viele betrachten Verhalten auf allgemeine Weise (CARVER & SCHEIER, 1981 zit. n. SCHLICHT & BRAND, 2007, S. 102). Im Bereich der Selbstregulation von Handlungen gibt es vier recht unterschiedliche theoretische Ansätze, die von FORSTMEIER, UHLENDORFF & MAERCKER (2005) für die Diagnosen von Ressourcen im Alter
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vorgeschlagen werden. Gut untersucht wurde die Selbstregulation der Älteren mit GHQ%HZlOWLJXQJVSUR]HVVHQÄ$VVLPLODWLRQ³XQGÄ$NNRPPRGDWLRQ³QDFK BRANDTSTÄDTER (1989, 1990, 1994). Keine Befunde für Ältere liegen bisher PLWGHUÄ5HJXODWRU\0RGH7KHRU\³YRQ.58*/$16.,7+203621 HIGGINS, ATASH, PIERRO, SHAH & SPIEGEL (2000) und der Theorie der Selbstregulation nach BAUMEISTER, HEATHERTON & TICE (1994) und TANGNEY, BAUMEISTER, BOONE (2004) vor. Auch zur Theorie der Selbstregulation von KUHL (1992, 1996, 2001) an welcher sich diese Untersuchung orientiert, liegen keine veröffentlichten Untersuchungen mit Senioren vor. Lediglich in den Handlungskontrollstilen (KUHL, 1983; KUHL & BECKMANN, 1994) fanden STIENSMEIER & SCHIER (1988 zit. n. STIENSMEIER-PELSTER & SCHÜRMANN, 1994, S. 334) bei lageorientierten Senioren eine geringere Anzahl von geplanten Aktivitäten im Vergleich zu handlungsorientierten Senioren. Die beabsichtigten Aktivitäten waren zudem auch weniger selbstbestimmt und neu. Auch zogen Lageorientierte Beschäftigungen vor, die keine persönliche Initiative oder Planung verlangten wie nichts tun oder in ein angrenzendes Cafe gehen. Handlungsorientierte Senioren wählten lieber Aktivitäten, die mehr Planung und Initiative erforderten wie einen Ausflug unternehmen. MOHIYEDDINI (2007) fand in seinen Untersuchungen mit der BRANDSTÄDTER ±Selbstregulationstheorie zu flexibler Zielverfolgung und hartnäckiger Zielverfolgung sehr große Ähnlichkeiten zu dem Konstrukt der Handlungs- und Lageorientierung, welches auch parallel mit erhoben wurde. 'DV.RQVWUXNWGHVÄSURDNWLYHQ&RSLQJ³YRUJHVWHOOWYRQ6&+:$5=(5 KNOLL (2001, S. 76-78) im Rahmen der Expertisen zum dritten Altenbericht der Bundesregierung steht den Konstrukt der Selbststeuerung und Handlungs- und Lageorientierung nahe. Ein Vergleich der Handlungs- und Lageorientierung mit anderen Persönlichkeitsmerkmalen wie Optimismus, Attributionsstile und Hardiness unter stressreichen Lebensereignissen ist bei BOSSONG (1999) zu finden. Für die Lageorientierung konnte ein Erklärungsvorteil für die Einschätzung von Stressoren, die Lebenszufriedenheit und die subjektive Belastung gefunden werden (BOSSONG, 1999, S. 164f). Die systemische Interaktionsforschung konnte zeigen, dass mit steigenden Selbstregulationsfähigkeiten die Wirkung von physischen Risikofaktoren
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abnimmt und die von physischen Positivfaktoren zunimmt (GROSSARTH-MATICEK, 2003, S. 20). BALTES (2007, S. 21) schreibt den Älteren gute Selbstregulationskompetenzen zu. Das schwierigste Problem sehen BALTES (2007, S. 21) ebenso wie die Bundesgesundheitsministerin oder Sportbindungs-Forscher in der Handlungsumsetzung.
2.4 Sportaktivität
Alter und Sport passt das zusammen? Diese beiden Wörter scheinen doch mit unterschiedlichen Begriffsbildern verknüpft zu sein. Wie sieht also Sport aus, der dem Altern gerecht wird? Ist lebenslanges Sporttreiben eine Voraussetzung für Sporttreiben im Alter?
Der Begriff des Sports führt sowohl in der Wissenschaft als auch in der Praxis zu erheblichen Diskussionsstoff hinsichtlich seiner Systematisierung. Fließende Übergänge, schwierige Abgrenzungen und Begriffswechsel je nach Zielsetzung (z.B. zwischen Breiten-, Gesundheit- und Freizeitsport) oder Belastung (Übergänge von alltagsmotorischen Formen wie Baden zu sportmotorischen Formen wie Schwimmen) sind beispielsweise zu nennen. Nach HAVERKAMP & WILLIMCZIK (2005) handelt es sich um einen Familienbegriff. Das bedeutet, dass es keine gemeinsamen, sondern verschiedene Merkmale gibt, die den Sport kennzeichnen. KENT & ROST (1996) bezeichnen Sport
ÄDOVN|USHUOLFKH$NWLYLWlWIUGLHHLQKRKHU6WUXNWXULHUXQJVJUDGGHXWOLFKH Zielrichtung und Durchführung auf der Grundlage eines ausdifferenzierten, verbindlichen Regelwerks charakteristisch sind, gekennzeichnet durch Wettbewerb mit sich selbst oder mit anderen, aber auch durch spielerische Elemente. Typisch für sportliche Aktivitäten sind entweder intensive körperliche Anstrengungen oder auch der Einsatz von mehr oder minder komplexen körperlichen FertiJNHLWHQ«³
Demnach sind die Merkmale des Sports: Regeln, Wettbewerb, Spiel, körperliche Anstrengung oder Fertigkeiten. Wie werden alltagsmotorische von sportmotorischen Tätigkeiten unterschieden?
2.4.1. Lebensstilaktivität
Bewegungsaktivitäten des Alltags wie Gartenarbeit, Besorgungen mit dem Fahrrad oder zu Fuß werden Lebensstilaktivität genannt. Der Unterschied entsteht durch den Kontext oder das Umfeld, in dem die Bewegung ausgeführt wird
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(WAGNER, P., WOLL, A., SINGER, R. & BÖS, K., 2006, S. 60), durch die Absichten, die dahinter stehen (ALLMER, 1990) und teilweise durch die Belastungsintensität. Körperlich anstrengende Aktivitäten wie Gartenarbeit oder das Treppensteigen werden aus einem anderen Grund durchgeführt. Sie zielen nicht in erster Linie auf die Verbesserung der körperlichen Gesundheit, sondern auf den blühenden Garten. Aufgrund ihrer teilweise geringeren Belastungsintensität werden sie als Bewegungseinstieg bei sportlich inaktiven Älteren empfohlen. Die nächste Stufe stellt ein Minimalprogramm von einer bis drei Stunden dar, die auf zwei- bis dreimal pro Woche verteilt werden sollten, wenn als Ziel Vitalität, Mobilität und Gesundheit angestrebt werden (MECHLING & BRINKMANN-HURTIG, 2007, S. 81).
2.4.2 Qualitative Facetten des Sports
WOLL (2006, S.43) deklariert in Anlehnung an international veröffentlichte Systematisierungsversuche von körperlicher Aktivität drei qualitative Facetten der Sportaktivität.
Eine biologisch-physische Facette mit Art, Intensität, Häufigkeit und Dauer, eine psycho-soziale Facette im Sinne von Körpererleben, Naturerleben oder sozialem Erleben und eine biographische Facette im Sinne von längerfristigem Sportverhalten. Diesen Facetten lassen sich unterschiedliche wissenschaftliche Disziplinen und anbietende Organisationen zuordnen. Die biologisch-physische Facette lässt sich als sportmedizinisch und leistungsbezogen verstehen. Bei der zweiten Facette, rückt der Erlebnischarakter der Sportaktivität in den Vordergrund. Besonders Bildungswerke, Kirchen, Gewerkschaften und andere Verbände betonen diese Facette. Die dritte Facette enthält Entwicklungscharakter und hängt mit dem Lebenslauf zusammen.
2.4.3 Qualitative Facetten des Alterssports
Einerseits enthält der Alterssport präventive Aspekte und steht dem Gesundheitssport nahe, andererseits gibt es auch eine Verbindung zum )UHL]HLWVSRUWPLWVHLQHP6FKZHUSXQNWÄLP9HUJQJHQV- und Erholungsgedanken YRQ.|USHU6HHOHXQG*HLVW³.(17 5267(LQZHLWHUHVEHVRQGHUHV Merkmal des Alterssports ist der Alltagsbezug durch das Training der Alltagskompetenz. Diese drei qualitativen Perspektiven widersprechen sich zum
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Teil. KOLB (1997) hielt die 2. Perspektive mit ihrem Erlebnischarakter für unter-und die sportmedizinische leistungsbezogene Perspektive für überrepräsentiert. Für den optimalen Alterssport ist die individuelle Abstimmung zwischen diesen Facetten ausschlaggebend (MEUSEL, 1999, S. 52; SCHÖTTLER, 2003, S. 277; SCHÖTTLER, 2006). Bei dieser Abstimmung sollte Kontinuität und Regelmäßigkeit des Sporttreibens im Vordergrund stehen (siehe auch MECHLING & BRINKMANN-HURTIG, 2007, S. 77-90).
Im Gegensatz zum Sport im Allgemeinen, bei dem es um eine Maximierung von Leistungen geht, richtet sich das Augenmerk des Alterssports auf die Optimierung des körperlichen Allgemeinzustandes (MECHLING, 2005). Die Handlungsfelder sind Bewegung, Spiel und Sport (ALLMER, TOKARSKI, WALSCHEK, 2000). Ä'DV9HUKlOWQLV]XP6SRUWXQGGLH%HUHLWVFKDIW]XHLJHQHQVSRUWOLFKHQ $NWLYLWlWHQZLUGHQWVFKHLGHQGYRQGHU6SRUWELRJUDSKLHEHVWLPPW³'(1.3, 6Ä'DVDNWXHOOHVSRUWOLFKH+DQGHOQRGHU1LFKWKDQGHOQJHKWLQKRKHP0DH DXVGHPIUKHUHQ9HUKDOWHQXQGGHQGDEHLJHZRQQHQHQ(UIDKUXQJHQKHUYRU³VR WOLL (2006, S.44). Gleiches gilt für aktuelle Erfahrungen auf künftiges Handeln (WOLL, TITTLBACH, BÖS, 2006, S. 138). Kalenderjahre sind im Alterssport kein Maßstab mehr (MECHLING & BRINKMANN-HURTIG, 2007). Wichtiger ist die Sporterfahrung oder Sportbiographie. Folgende Grundmuster der sportlichen Aktivität im Lebenslauf werden unterschieden (WOLL, TITTLBACH, BÖS, 2006, S. 138):
- kontinuierliche, lebenslange sportliche Aktivität (Muster 1)
- lebenslange Sportpassivität (Muster 2)
- diskontinuierliche Sportteilnahme (Muster 3) Ä0XVWHU³HQWVSULFKW3HUVRQHQGLHLKUJDQ]HV/HEHQPHKURGHUZHQLJHU regelmäLJDNWLYJHZHVHQVLQG8QWHUÄ0XVWHU³VLQG3HUVRQHQGLHLKUJDQ]HV Leben, abgesehen vom Schulsport, mehr oder weniger inaktiv gewesen sind. Bei Ä0XVWHU³ILQGHQVLFK$XVVWHLJHU1HXHLQVWHLJHU:HFKVOHUXQG)OXNWXLHUHU Aussteiger haben die Sportaktivität im Alter aufgegeben und bei Neueinsteigern handelt es sich um einen Wechsler der Sportart oder um Anfänger nach einer längeren Unterbrechung (ALLMER, 2006, S. 127). In dieser Magisterarbeit geht es um die Unterschiede zwischen den Dabeibleibern und Versuchern. Die Dabeibleiber sind entweder Lebenszeitsportler oder Wiedereinsteiger. Zu den Versuchern zählen Lebenszeitinaktive, Wiedereinsteiger und Fluktuierer. Die
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.DWHJRULVLHUXQJÄ)OXNWXDWLRQ³VWDPPWDXVGHP%HUHLFKGHU6SRUWELQGXQJXQG meint eine unregelmäßige Teilnahme. Von Bindung und Sportverhalten handelt der nächste Abschnitt.
2.5 Die Bindung an sportliche Aktivität
Die Forschung, die sich der Bindung an sportliche Aktivität widmet, wird als Ä$GKHUHQFH-)RUVFKXQJ³EH]HLFKQHW6LHLVWHLQ7HLOJHELHWder Gesundheitspsychologie. Nach der Darstellung über die beeinflussenden Faktoren (Moderatoren) von sportlicher Aktivität wird auf einige neuere Theorien Bezug genommen. Daran angeschlossen werden einige theoretische Überlegungen und Erkenntnisse zu kontinuierlichen und regelmäßigen Verhalten und Gewöhnung vorgestellt.
2.5.1 Determinanten des Sportteilnahmeverhaltens
Nach zahlreichen Untersuchungen wurden psychologische, physische, soziodemografische und sozioökologische Merkmale ausgemacht, die das Sportteilnahmeverhalten im Allgemeinen unterstützen (+), hemmen (-) oder gar nicht (0) beeinflussen (Tab. 2). Des Weiteren werden die Unterschiede zwischen selbstorganisierter Teilnahme und die Teilnahme an einem Sportprogramm einer Organisation dargestellt. Grau markiert wurden die Selbstmotivation und die soziodemografischen Merkmale. Mit letzteren Determinanten wurden die Teilnehmer der Kontroll- und Experimentalgruppe einander zugeordnet. Die psychologische Determinante, Selbstmotivation, übt bei fremdorganisierten einen schwachen und bei selbstorganisierten Sportprogrammen einen konsistenten positiven Einfluss auf die Teilnahmewahrscheinlichkeit aus. Schon DISHMAN & GETTMANN (1980) und DISHMAN, ICKES & MORGAN (1980) haben sich vor knapp 30 Jahren mit der Selbstmotivation und der dauerhaften Bindung an eine sportliche Aktivität beschäftigt. Das Modell enthielt neben der Selbstmotivation auch physische Merkmale wie Körperfett, Körpergewicht und metabolische Kapazität. In mehreren Studien fanden sich signifikante Zusammenhänge, die dem entwickelten psychometrischen Konstrukt eine hohe unabhängige Aufklärung zwischen den Dabeibleibern und Aussteigern zu bescheinigen schien.
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Tab. 2 Determinanten der Sportaktivität (DISHMANN & SALLIS, 1994, zit. n. WERLE, WOLL & TITTLBACH, 2006, S.96).
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Später konnte aber die Kombination von körperlichen Merkmalen und der Selbstmotivation, auch in einer deutschen Studie, nicht mehr bestätigt werden (PAHMEIER, 1994, S 124f). Der Schwerpunkt verlagerte sich danach auf Umweltmerkmale, wie soziale Unterstützung und der Zugang zu Sportangeboten.
2.5.2 Determinanten des Sportteilnahmeverhaltens im Alter
In einem Review zur Sportteilnahme von Älteren über 55 Jahre flossen 21 randomisierte Untersuchungen mit Kontrollgruppen ein (MARTIN & SINDEN, 2001). Die regelmäßigste Sportteilnahme wiesen Personen auf, die zu Beginn fitter waren, einen überdauernden körperlich-aktiven Lebensstil führten, nicht rauchten und eine hohe Selbstwirksamkeit aufwiesen. Die Selbstwirksamkeit ist die Überzeugung einer Person, dass sie über die entsprechenden Möglichkeiten und Fähigkeiten verfügt, ein erwünschtes Handlungsergebnis zu erreichen (BANDURA, 1986, 1997). KING, REJESKI & BUCHNER (1998) stellten in ihrem Review von 29 experimentellen und quasi-experimentellen Studien mit für ältere Menschen fest, dass Transportmittelprobleme, gesundheitliche Sorgen einschließlich Verletzungsangst, ärztliche Sportempfehlung, negative Einstellungen einschließlich angenommener Fähigkeitsmängel, falsche Annahmen über Bewegung, Sport, Krankheit und Verletzungen zu den besonders altersspezifischen Determinanten gehören. Die sportbezogene Selbstwirksamkeit im Alter war von den Sporterfahrungen im Lebenslauf abhängig. Auch die von MARTIN & SINDEN gefundenen Determinanten wurden bestätigt, wenn schon die 50-Jährigen mit zur Zielgruppe gerechnet wurden. Von den untersuchten psychologischen Determinanten ist hat sich die Selbstwirksamkeit als bedeutsamste erwiesen. Studien zur Selbstmotivation und Sportaktivität im Alter wurden nicht gefunden.
In Tabelle 3 wurden Alterssportstudien zusammengetragen. Es handelt sich um zitierte Studien oder um von den Autoren selbst durchgeführte Studien. Ausgewählt wurden die Merkmale: Geschlecht, Alter, Schul- und Ausbildungsniveau, Gesundheitszustand sowie des sozioökonomischen Status und die Erfahrung mit dem Sporttreiben. Folgende Quellen fanden Verwendung: DENK & PACHE, 2003; EICHBERG & ROTT, 2004; MARTIN & SINDEN, 2001; DEUTSCHES INSTITUT FÜR WIRTSCHAFTSFORSCHUNG, SOEP, 1999; WAGNER, 2000.
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Tab. 3 Ausgewählte Determinanten der Sportaktivität im Alter (eigene Zusammenstellung).
Die dritte Tabelle soll die Relevanz von ausgewählten Determinanten für die Sportteilnahme im Alter unterstreichen. Die ersten drei Merkmale werden bei der Paarbildung zwischen Experimental- und Kontrollgruppe verwendet. Bei drei von sieben Untersuchungen konnte mit zunehmendem Alter eine Abnahme der Sportaktivität festgestellt werden. Das Geschlecht spielte bei sechs von 15 Studien für das Sportengagement eine Rolle. Das Bildungsniveau war bei fünf von neun Untersuchungen relevant. Je gebildeter die Senioren waren, desto eher waren sie auch sportaktiv. Auf die Erhebung des Einkommens wurden aus Pietät verzichtet. Die Erhebung des Bildungsstandes wurde als ausreichend angesehen. Unterstützt wird dieses Vorgehen durch den fünften Altenbericht (BUNDESMINISTERIUM FÜR FAMILIE, SENIOREN, FRAUEN UND JUGEND- BMFSFJ, 2005, S. 70f). Die körperliche Gesundheit und die vorangegangenen Sportaktivitäten übten sehr häufig einen positiven Einfluss auf die Sportbeteiligung aus, deshalb werden sie als mögliche Störvariablen mit erhoben.
Sowohl für die allgemeine Tabelle zu determinierenden Faktoren der Sportteilnahme als auch für die alterssportspezifische Zusammenstellung mit den Merkmalen der geplanten Untersuchung ist hervorzuheben, dass diese lediglich Faktoren darstellen und damit nichts über eventuelle Wechselwirkungen einzelner Faktoren aussagen. Die Theorien der Gesundheitspsychologie postulieren einige dieser Wechselwirkungen und haben häufig einen Schwerpunkt aufgrund ihres Forschungsgebiets (PAHMEIER, 2006, S. 225).
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2.5.3 Theorien der Gesundheitspsychologie
Es werden zwei Formen von Sportteilnahmemodellen unterschieden: Stadien- und Strukturmodelle. Die Stadienmodelle gehen von diskreten Entwicklungsphasen des Verhaltens aus, die aufeinander aufbauend, in einer festgelegten Reihenfolge durchlaufen werden (FUCHS, 2003, S.132). Das bekannteste Stadienmodell, das die meiste Forschung ausgelöst hat, ist das Transtheoretische Modell (PROCHASKA & DICLEMENTE, 1998). In Strukturmodellen stehen Prädiktorvariablen in Beziehung zueinander, sie bilden eine Struktur und ihnen wird ein direkter oder indirekter Einfluss auf das Verhalten zugesprochen (FUCHS, 2003, S. 128). Die am häufigsten eingesetzten Strukturmodelle sind nach BARANOWSKIs Review (1998) die sozial-kognitive Theorie von BANDURA (1986, 1997), die Theorie des geplanten Verhaltens von AJZEN (1985) und das Health Belief-Modell von BECKER (1974). Die Vorhersagekraft der erwähnten Theorien ist noch nicht ausreichend (FUCHS, 2006, S. 271). Nicht einmal 30% der interindividuellen Unterschiedlichkeit im Sportteilnahmeverhalten können in entsprechenden Untersuchungen aufgeklärt werden (BARANOWSKI, 1998). Allerdings sagen sie auch nur die Motivation zum Sporttreiben vorher und nicht die Sportteilnahme selbst, dadurch entsteht das EHVDJWHÄ+DQGOXQJVORFK³RGHUGLHÄ,QWHQWLRQV-9HUKDOWHQVOFNH³)8&+6 S. 271). Mit dem Zusammenspiel von motivationalen und volitionalen Prozessen versuchen die neueren Theorien eine Brücke über diese Lücke zuschlagen. Hier werden besonders das Handlungsphasenmodell von HECKHAUSEN (1989), das HAPA-Modell von SCHWARZER (Health Action Process Approach, 2002) und das MOVO-Prozessmodell von FUCHS (2005) eingesetzt. Die allerneuesten Entwicklungen beruhen auf der Integration von Komponenten aus anderen Modellen und der Spezifikation für verschiedene Phasen (WAGNER, 2000; HÖNER, SUDECK & WILLIMCZIK, 2004; SEELIG & FUCHS, 2006; SUDECK, 2006). Ausgezeichnete Überblicke über die aktuellen Theorien finden sich bei WAGNER, 2000; FUCHS, 2003; HÖNER, 2005; SUDECK, 2006 und SCHLICHT & BRAND, 2007. Die Magisterarbeit konzentriert sich auf Personen, die motiviert sind Sport zu treiben, aber es ihnen bisher schwer fallen ist. Das bedeutet, kognitiv möchten die Teilnehmer der Experimentalgruppe Sporttreiben. Nur die Emotionen oder inneren Konflikte bereiten die Schwierigkeiten dabei zubleiben. Welche Möglichkeiten gibt es, um nicht nur negative Gefühle und
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Emotionen, wie Angst, in die Modelle einzubauen und volitionale Prozesse zu spezifizieren? Vorgeschlagen, aber noch nicht geprüft worden, ist ein funktionales Emotionsmodell (KLEINERT, GOLENIA & LOBINGER, 2007) und ein heuristisches Modell. Das heuristische Modell ist an das Rückfallmodell von WITKIEWITZ & MARLATT angelehnt und berücksichtigt Gefühle und Selbstregulation als fluktuierende Prozesse (SCHLICHT & BRAND, 2007, S. 110f, 124-127). Bisher wenig integriert wurden Selbstrepräsentationen. Die PSI-Theorie von KUHL (2001) bietet eine Möglichkeit Affekte, Emotionen und volitionale Prozesse in differenzierter Form einzubeziehen. Der Kern dieser Theorie bildet den theoretischen Hintergrund der Untersuchung.
2.5.4 Sportverhalten zwischen Rückfall und Gewohnheit
Zunächst soll das Sportverhalten beschrieben werden. In den Unterpunkten wird dann gesondert auf Rückfall und Gewohnheit eingegangen. Zu diesen Themen gibt es nur wenige Forschungsarbeiten.
2.5.4.1 Die Beschreibung von Sportverhalten
Nachdem jahre- oder jahrzehntelang die Motivation zur Aufnahme einer sportlichen Aktivität im Mittelpunkt der Forschung stand, wird sich jetzt mehr mit dem Abbruch derselben (Drop-out) auseinandergesetzt.
Ä6HLQHP:HVHQQDFKLVWGHU'URSRXWDEHUNHLQ$OOHV-oder-Nichts-Ereignis, sondern ein graduelles Phänomen. Nur relativ wenige Teilnehmer entscheiden sich ganz explizit, von nun an nicht mehr an dem betreffenden Kurs teilzunehmen zu wollen. Zumeist erfolgt der Ausstieg ´schleichend´, d.h. durch immer unregelmäßigere Teilnahme, wobei diese Unregelmäßigkeit manchmal allerdings bis zum Kursende aufrechterhalten wird: zum vorletzten oder letzten Termin tauchen die ´Fluktuierer´ womöglich wieder auf, obgleich sie die meisten Kurse in der Zwischenzeit YHUVlXPWKDEHQ³)8&+66
FUCHS nennt zwei Formen des Abbruchs den schleichenden Ausstieg und die Fluktuation. Diesem Phänomen werden bisherigen starren Operationalisierungen von 6-monatiger Teilnahme als Aufrechterhaltung und 6-maliges Fehlen hintereinander als Dropout nicht gerecht. Seit einiger Zeit werden flexiblere Operationalisierungen zu entwickelt. Hintergrund bildet die Erkenntnis, dass in der Aufrechterhaltung nicht der letzte Schritt im Prozess des Verhaltenswechsels gesehen wird, so WING (2000), da auch bei regelmäßigen Sporttreibenden IUHTXHQWH=XZHQGXQJHQXQG$EZHQGXQJHQ]XYHU]HLFKQHQVLQGÄ6SRUWOich aktiv
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ZHUGHQVHLQXQGEOHLEHQLVWHLQOHEHQVODQJHU%DODQFHDNW³3$+0(,(56 224). ALLMER (2002; 2006, S. 128) postuliert denn auch einen Aktivitäts-Inaktivitätszyklus. FUCHS, SEELIG & KILIAN (2005) drückten die Anwesenheit eines Teilnehmers in gleitenden Mittelwerten aus. Eine mehrmalige Nicht-Teilnahme durch z.B. Krankheit oder Urlaub kennzeichnet damit nicht einen Abbruch, sondern die Teilnahme bewegt sich Richtung Abbruch. Eine erneute Teilnahme kann die Richtung wiederum Richtung Teilnahme ändern. Auf diese Weise lassen sich Mischformen zwischen klarem Abbruch und kontinuierlicher Teilnahme beschreiben. Sportverhalten ist ein dynamischer Prozess (ORLEANS, 2000). Zu Bedenken ist auch, dass nicht jeder Ausstieg aus einer Sportaktivität einen kompletten Ausstieg darstellt. Manchmal wird auch nur die Gruppe oder die Sportart gewechselt (GOULD & PETLICHKOFF 1988, zit. n. BIDDLE, 1999, S. 114).
2.5.4.2 Rückfalle bei Verhaltensänderungen
Warum kommt es zu Rückfällen? Bei einer Verhaltensänderung lernt eine Person in einer bestimmten Umgebung auf die entsprechenden Reize bewusst anders zu reagieren. Die vorherigen Reaktionsweisen sind aber nicht komplett löschbar bzw. verlernbar (BOUTON, 2000). Ein Rückfall in alte Gewohnheiten kann gerade dann auftreten, wenn eine Person den ehemaligen Reiz unter stressigen Bedingungen antrifft. Dann ist das Gedächtnis, das die bewusste Entscheidung trifft, schon mit anderen Aufgaben beschäftigt und es fehlen eher die kognitiven Kapazitäten (JUNGERMANN, PFISTER & FISCHER, 1998, S. 273). Deshalb schlägt BOUTON (2000) vor, neue Verhaltensweisen gleich unter verschiedenen Bedingungen zu lernen. Eine Studie zeigte, dass Frauen eines Aerobic-Kurses eher rückfällig wurden, die weniger Handlungsstrategien aufgelistet hatten (SIMKIN & GROSS, 1994).
2.5.4.3 Die Entwicklung von Gewohnheiten
Viele theoretische Modelle zum Sportverhalten wie AJZEN & FISHBEIN (1980), Weiterentwicklung von AJZEN (1985), die sozial-kognitive Theorie von BANDURA (1986) und Zieltheorie (HACKER, 1998) usw. sind von sozialkognitiver Natur. In anderen Worten, sie nehmen an, dass Menschen ihre Handlungen durchdenken, oft rational, in einem sozialen Kontext stehend,
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handeln (BIDDLE, 1999, S.138). Dass dies häufig nicht der Fall ist, sondern auch automatische, gewohnheitsmäßige und emotionale Prozesse sehr handlungsleitend sein können, sollen die folgenden Ausführungen zeigen. Mit rationalem Handeln lässt sich beispielsweise der vermehrte Absatz von französischen Wein beim Spielen von französischer Musik in einem Supermarkt und die Bevorzugung des deutschen Weins bei deutscher Musik nicht erklären (NORTH, HARGREAVES & MCKENDRICK, 1997). Menschliches Handeln lässt sich in Willenshandlungen, Affekthandlungen und Gewohnheitshandlungen differenzieren (JAMES, 1890; WEBER, 1921 zit. n. VOGT, 2005). Willenshandlungen sind bewusst auf ein Handlungsziel ausgerichtet und die Chancen der Realisierung werden abgewogen. Das Charakteristische an Affekthandlungen ist, dass ein Anreiz in der Umwelt einen Handlungsimpuls und einen begleitenden Affekt ohne bewusste Absicht initiiert. Gewohnheitshandlungen sind zu Eigen, dass sie nicht intentional gesteuert sind, sondern es sich um häufig ausgeführte und gelernte Reaktionen auf auslösende Reize handelt (JAMES, 1890, WEBER, 1921 zit. n. VOGT, 2005). Ist dauerhaftes Sportverhalten als Gewohnheit oder Willenshandlung zu verstehen? Ob Sportverhalten zur Gewohnheit werden kann, da gehen die Meinungen der Forscher auseinander (AARTS, PAULUSSEN & SCHAALMA, 1997, VALOIS et. al., 1988 zit. n. AARTS, et. al., 1997). Zum Teil liegt dies sicher auch daran, dass es keine Übereinstimmung gibt, was unter Gewohnheit zu verstehen ist. In einigen Untersuchungen wird Gewohnheit über die Frequenz des zuvor gezeigten entsprechenden Verhaltens definiert (GREVE, 2001, S. 305).
ÄSehr einfaches Bewegungsverhalten, wie Gehen oder Rad fahren werden leichter zur Gewohnheit als eher komplexe Verhaltensweisen wie die Teilnahme an einem organisierten Fitnessprogramm, weil Letztere mehr an die Einrichtungen gebunden sind und wahrscheinlich einen größeren absichtsvollen Aufwand und Planung HUIRUGHUQXPVLHGXUFK]XIKUHQ´übersetzt, AARTS, et. al., 1997).
AARTS, et. al. (1997) plädiert dafür, dass zielgerichtetes Handeln und Gewohnheit als zwei Extreme eines Kontinuums zu sehen. Wie würde sich dann eine Gewohnheit herausbilden? Um Fertigkeiten wie Autofahren oder Geige spielen zu lernen, muss für die Ausführung einer Bewegung dieselbe Entscheidung kontinuierlich und häufig an einem bestimmten Punkt getroffen werden. Wir üben oder trainieren, um eine entsprechende Fertigkeit zu entwickeln. Es ist erforderlich, dass Teile der Fertigkeiten unterschwellig
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ausgeführt werden können. Auf diese Weise ist die bewusste Kapazität von der direkten und koordinativen Steuerung der unteren Komponenten befreit und kann während einer Aufgabe, die freien Kapazitäten für höhere Aufgaben verwenden, wie die Straßenschilder lesen, um an einen bestimmten Ort zu gelangen.
(BARGH & CHARTRAND, 1999).
Viele Alltagshandlungen durchlaufen nicht mehr die Phase der Absichtsbildung, da sie einen hohen Grad der Routine aufweisen (HECKHAUSEN, 1989, zit. n. BIRRER & SEILER, 2006). Wenn das gleiche Ziel immer wieder in derselben Situation angesteuert wird (Zielaktivierung), dann fällt auf Dauer die bewusste Entscheidung weg. Situative Reize bringen den Ablauf direkt ins Rollen. Die Untersuchungen von BARGH & CHARTRAND (1999) zeigen, wie der Übergang zur Gewohnheit (Habituierung) funktionieren könnte und dabei der bewusste Wille umgangen wird (siehe Abb. 2).
Ä7KHVWXGLHVWKXVIDUKDYHGHPRQVWUDWHGWKDWJRDOVFDQEHFRPHDFWLYDWHGE\PHDQV other than an act of will, and once activated, such goals operate in the same way, DQGSURGXFHWKHVDPHHIIHFWVDVZKHQWKH\DUHSXWLQWRPRWLRQLQWHQWLRQDOO\´ (BARGH & CHARTRAND, 1999).
AARTS & DIJKSTERHUIS (2000) untersuchten in verschiedenen Experimenten wie Gewohnheiten als Wissensstrukturen, Ziele und Handlungen assoziieren können. Sie konnten zeigen, dass Gewohnheiten auf automatischer Aktivierung von Verhaltensantworten beruhen. Die Stärke einer solchen Verbindung ist abhängig von der Mitaktivierung des Ziels und den bedeutsamen Handlungen in
Arbeit zitieren:
Simone Quantmeyer de Polack, 2007, Warum treiben nicht mehr Ältere Sport? Eine Studie zum "inneren Schweinehund", München, GRIN Verlag GmbH
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Simone Quantmeyer de Polack hat den Text Warum treiben nicht mehr Ältere Sport? Eine Studie zum "inneren Schweinehund" veröffentlicht
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